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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Flüela

am 30. Oktober 2018 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Oder, wo mal einst aus allen Rohren geballert hätte werden sollen.

Kleine Bilderserie einer Passfahrt auf em Weg ins Buffalorageheimnis mit Zwischenhalt in sonstigen Militärgeheimnissen.

Flüelapass

Wie nur selten waren dieser Herbsttage von kaum zu übertreffender Schönheit.

Flüelapass

Die Reise führte uns, Christina und mich, erstmals ins Flüela-Hospiz zu feinem Rehschnitzel was sich leider als doch nicht so lecker erwies. Wie oft geschmeckt, wird feinstes Wild in minder feiner Gastro-Packungs-Sauce ertränkt. Dafür kompensierten die starken Herbstfarben in naher Parkplatzumgebung.

Chant Sura

Wenige Meter unterhalb des Passes eine, noch friedliche Alpwiese, die zu Verweilen einladete.

Chant Sura

Noch eins weils so schön war.

Ich glaubte auf erster MG-Stellung zu stehen was sich, bei zweiter Sichtung meines Untergrundes, als Irrtum erwies.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Wieder was Weniges tiefer tauchen die ersten Sperrstellen im Berg auf.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Die Neugierde war gross und ich wollte den Einstieg wagen. Leider jedoch war der Zugang zur Doppel-MG-Stellung mit KESO-Zylinder gut verriegelt. Zwar lag Aufbohrzeugs im nahe geparktem Auto doch ich wollte mich dieser Tage von meiner beherrschten Seite zeigen. Vielleicht sollte die eigentliche Stellung oder ein Notausstieg noch offen sein.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Leider weit gefehlt, die erste erreichte MG-Stellung war mit Quadern vermauert

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

und auch zweiter MG-Stand verweigerte Einlass.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

So musste ich mich mit der Erkundung des möglichen Sprengobjektes, der Brücke begnügen.

Chant sura

Wahrscheinlich als Truppenunterkunft könnte das Gebäude am Strassenrand gedieht haben.

Chant Sura Sperrstelle

In der Kartensituation ist die nördliche MG Stellung meinerseits eindeutig erkundet. Die südlichen Stände sind indes meinerseits einzig Annahme wobei ich, anhand des Wegverlaufes, wahrscheinlich gar nicht so falsch liegen dürfte.

Zu meiner Wehranlage gibt’s auf der Festungs-Oberland-Seite weitere, aufschlussreiche Informationen unter: Sperre 1249 Flüela-Pass GR

Buffalora Ergänzendes

am 28. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nach einigen QGIS-Schiebereien und weiteren Austausch mit beteiligten Mitforschern sind mir nun die Stollennamen des Produktiven Bergwerks bekannt. Auch tretten immer wieder neue spannende Funde die einer Geschichte würdig sind. Klar, im Munt Buffalora liegt ungeahnt viel Geschichte drin. Wenige Industrieanlagen aus der Zeit zwischen 1100 und 1600 sind in solch ursprünglichem Zustand erhalten geblieben.

Stollen Buffalora

Soviel steht fest, es gibt minimum ein produktives Bergwerk welches Eisenerz förderte und eine Vielzahl von Suchstollen wovon der grösste Teil keine nennenswerte Erze zu Tage förderte. Wenige Suchstollen trotzten dem Zahn der Zeit noch bis heut oder sie waren nicht überliefert wieder aufgewältigt worden. Fest steht, von den rund 80 Stollen die Daniel Schläpfer in seiner  Disertationsarbeit erkannt haben will, sind 2 bis 3 offen geblieben oder undokumentiert wieder geöffnet der Rest lang oder liegt noch tief im Schutt.

Die Ersten Bergmännischen Erfolge traten auf Tage am „Crap Gotschna“ dem roten Stein bei 2507 müm auf. Dieser Rote Stein ist ein Eisenerzhaltige Felsblock welcher noch heute gut erkennbar auf Luftbildern wiederzufinden ist. Ab Crap Gotschna begann ein aktiver, immer mehr Untertage-wirkender, Bergbau welcher dem Erzgang unter Crap Gotschna folgte. Crap Gotschna, wissen wir heute, ist der Erzausbiss eines Ganges welcher in Nordrichtung steil fällt.

Halden Buffalora

Über einige Jahrhunderte sind, mit Unterbrüchen, etliche Stollen entstanden welche den Erzgang unterfuhren und somit die Transportlogistik zunehmend verbesserten. Das produktive Bergwerk welcher sich unter den roten Stein grub dürfte rund 10 Hauptförderstollen umfasst haben.  Bekannt sind heute deren 4. Die unteren 2 nennen sich „Sonch Michael I und II“ die oberen sind die genannten „Sonch Rafael I und II“ beide Stollennamen basieren auf neuzeitliche 21. Jahrhundert Namensgebung. Die unteren Halden im Bild könnten zu „Sonch Rafael“ gehören. An den Halden indes sind keine Mundlöcher mehr offen.

Bis Sonch Michael I könnte der Erzgang geführt haben. Sonch Michael I ist in kurzen Abschnitten Fahrbar doch an keiner Stelle sind Anzeichen einer Abteufung sichtbar. Alle tieferen Stollenbauten waren wahrscheinlich gut gebluffte Bauernfängerei denn, das Eisenfieber grassierte in damaliger Bergbau und Händlersiendlung  Buffalora und etliche Abenteurer versuchten sich im Eisenschürfen. Währenddessen, so berichtet „CAMPELL“ um 1571, das ansässige Wirtepaar im Dorfe Buffalora sich der Dieberei und des Raubtums betätigte.

Halden Buffalora

Wer den Blick in die untenstehenden Bergwerksanlagen schweifen lässt wird, mit bescheidener Phantasie, unsäglicher Arbeits- und Materialaufwand anno 1560 wiedererkennen und dies ohne erkennbares Resultat. Manche der heute aufgewältigten Stollen, etwa „Scheraweg I“ messen über 200 Meter Länge ohne den Hauch eines Erzkrümelchens.  Der Erzgang, so kann ichs heute zurückverfolgen, wäre wenn überhaupt,  erst ab einer Stollentiefe von rund 400 Meter auffindbar. Die 400 Stollenmeter ohne Gewinn hätte auch damals jede Gesellschaft in den Ruin getrieben. So muss sich auf Buffalora ein illustres Grüpplein schlauer Händler, rauer Bergleut und diebischer Leut zusammengefunden haben. Der 3 Länderknoten, Bormio, Sta. Maria, Zernez war aber zweifelsohne auch Handwerkskunstdrehscheibe und vermutlich Testgelände moderner ferner Bergbau und Hüttenkunst.

Während vermutlich die Pächter der rund 40 unteren Stollenbauten sämtliche Investitionen in den Schutt setzten rollten die Erzgefüllten Hunte auf den oberen Anlagen.  Der heutige Einstieg ins produktive Bergwerk erfolgt über, einen Schacht Baujahr 2017, welcher die Nebenstrecke „Sonch Rafael I“  anschneidet.

Sonch Rafael I

Sonch Rafael I ist mit Holzlauf-Schienen für Mitteldornhunte ausgestattet, soweit nichts aussergewöhnliches, den alle grösseren Strecken sind mit diesem System ausgebaut. Einzig,  unser Einstiegs Sonch Rafael I fährt keine Erzlager an.

Alter Mann Sonch Rafael I

In Sonch Rafael  I führt ein Nebenstollen, ohne Erkennbaren Grund, durchs taube Gestein wieder Richtung Norden. Der Stollen ist gekennzeichnet mit Andreaskreuz, welches in Bergmannssymbolik auf die Gefahren des alten Mannes aufmerksam macht. Wie üblich im Mittelalterbergbau, folgt auch Sonch Rafael I grösstenteils einer weichen Verwerfung. Einzig der Seitenstollen, wie auch gegen Ende des Hauptstollens, ist ins Harte Gestein gearbeitet worden. Unser Sonch Rafael I endigt an harter Felsfront in eine Schachtanlage die auf die Förderstrecke Sonch Michael II knüpft.

Der Einstiegs- Sonch Rafael I kennt keinerlei, respektive nur sehr bescheidene Erzzeichen, die Erzfelder öffnen sich ab Laufmeter 100 an Aufwärts. Sonch Rafael I bis Schachtanlage erreicht die 100 Meter nicht. Im Innern des Bergwerk indes wird eine klare Struktur symmetrisch angeordneter Förderstollen ersichtlich.  Es gibt’s also, tief im Berginnern, eine zweite Sonch Rafael I Strecke die über einen separaten Zugang verfügte.

Es gibt’s somit ein Sonch Rafael I welcher uns als Zustieg dient und ein Sonch Rafael I welcher damals den Bergleuten als Transportstrecke diente.

Ich glaube der Sonch Rafael I wie wir in kennen hätte die Transportstrecke Sonch Rafael I anfahren sollen. Wir wissen nicht wie die Sonch Rafael I-Transportstrecke erschlossen war. Es könnte sein das der Aushub mühsam mittels Schacht ans Tageslicht gezogen wurde. Das Bergwerk zeigt eindeutige Zeichen periodischer Modernisierungsarbeiten. Der Transport war bei Stollenlängen um die 500 Meter richtig en Problem. Steigungen mit prall gefüllten Grubenhunten schmälerten den Gewinn eines Bergbaubetriebs teils massiv. Immer wieder treffen wir Rolllöcher und Abwurfbrücken die auf eine gewollte effiziente Transportlogistik hinweisen.

Unser Sonch Rafael I, so meine Theorie, hätte auf den Transportstollen Sonch Rafael I treffen sollen doch auf dem Weg dorthin machte sich hartes Gestein breit. Währenddessen entsteht, eine ebene Tiefer, heutiger Sonch Michael II. Die Schachtverbindung zwischen Sonch Rafael I und  Sonch Michael II sollte als Feuersetzkamin amten um Sonch Michael II wie auch eventuell Sonch Rafael I mit Feuersetztechnik Vorzutreiben. Heute ist Sonch Michael II eine, zwar zeitweilig verstürzte aber eindeutig leicht fallende Förderstrecke mit klar erkennbarer Halde.

Und auch die nächsttiefere Strecke war, soweit wir dies beurteilen können, durchgehend leicht fallend ohne Schacht Tageführend.

Die höchste uns bekannte Strecke des Werkes ist Sonch Rafael II indes, eindeutig erkennbar, weitere Strecken oberhalb.

Klar ist, Sonch Rafael I unser Zustiegsstollen endet genau an der Schachtanlage. Das Vorhaben diesen weiterzutreiben mit Hilfe des Mürbemachenden Feuers wurde nie realisiert.

Plan Minieras da Fiern

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Bestückt mit aktuellen Angaben lässt sich die Grubenstruktur, auch ohne Umfangreiche Vermessung, rudimentär recht gut zurückverfolgen. Die 4 Abbaufelder scheinen plausibel und auch die 4 Tageführenden Strecken sind einleuchtend. Sonch Rafael I bleibt unterteilt in Förderstrecke und vermutet Feuersetzstrecke.

Plan Minieras da Fiern

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Im Luftbild die erkennbaren Halden mit dazugehörigen Stollenwerken.

Plan Minieras da Fiern

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Auch die Schnittzeichnung darf sich einiger Anpassungen erfreuen. Neu sind die Namen klar und auch das Konstrukt der zwei Sonch Rafael I-Strecken erscheint mir plausibler den je.

Und abschliessend Buffalora wird, so fürchte ich, noch viele Geschichten beinhalten.

Die Vorgeschichten:
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Buffalora Part II

am 21. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es könnt nicht anders sein, dies Eisen-Bergwerk, genanntes Minieras da Fiern, birgt viel Suchtpotential. Insbesondere das Forscherherz findet viele Kulturhistorische Schätze die, noch, einer Geschichtsschreibung entbehren.

Klar, meine Freunde und ich waren wieder da.

Klar auch, wir mussten tiefer Vordringen, zwei weitere obere Grundstrecken haben wir, unter Einsatz üblicher Seilschaften, erreicht.

Und klar, ich muss die Geschichte aufarbeiten ehe ich alles wieder vergesse.

Am Mount Buffalora südwestlich des Ofenpasses liegt eine weitläufige, längs versunkene Industrieanlage die gemäss Überlieferung gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Betrieb einstellte. In Rund 80 Stollen sollen, gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit, hauptsächlich Eisenerzen gefördert worden sein wobei vermutlich ein Bruchteil der 80 Stollen effektiv Gewinn erwirtschaftete. Die Betriebsepoche erstreckte sich zwischen 1300 und was Weniges nach 1600. In dieser Zeit herrschte reges Treiben auf Buffalora. Eine Bergbau und Händlersiedlung  schmiegte sich vom Talboden hinauf zur Alp Buffalora. An der Nordflanke des Mount Buffalora kippten arme Schutter-Buben Kubikmeter für Kubikmeter Schutt auf mächtig anwachsende Halden.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Halden sind noch heute gut Sichtbar sowohl auf Luftbilder wie in freier Wildbahn. Unsereins nutze die eher Windgeschützen Halden zu willkommenen Zmittagplatz in kalten Oktobertagen.

Indes will ich mich aufs Innenleben eines relativ modernen Bergwerks konzentrieren. Nach wie vor sind von den 80 Stollen nur wenige bekannt, insbesondere die nicht produktiven, im tauben Fels verlaufenden, Gruben finden Erwähnung auf  Daniel Schläpfers Disertationsarbeit. Der Durchbruch ins Produktive Bergwerk, mit vermutet ca 10 zusammengehörenden Grundstrecken, schaffte  Cristian Conradin mit seinen Freunden vor kurzem. Es bleibt ein zu entdeckendes Bergwerk welches seiner Zeit damals weit voraus lag.

Eine Kurzvermessung schaffte bei unserem ersten Besuch einen ganz tauglichen Überblick über die umfangreiche Anlage, siehe Beitrag Buffalora. Aus dieser Kurzvermessung konnte ich ein Seigerriss konstruieren welcher die vermessene Strecke wiedergab.

Minieras da Fiern Buffalora

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Alle Grundstrecken des Eisenerzfördernden Bergwerks sind verfallen. Die, in einen Schacht einlaufende, Grundstrecke San Rafael konnte indes,  mittels Tagesschacht, aufgewältigt werden. Der Einstieg in die Bergbau-Industrielandschaft war somit möglich. Da wir, in der Hauptsache, dies Werk zum Zweiten aufsuchten waren weitere Erkenntnisse zur Struktur der oberen wie auch der untersten Sohle gegeben.

Minieras da Fiern Buffalora

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Ich habe nun eine durchaus gewagte Schnittzeichnung aus meiner Vorstellungskraft heraus gezeichnet. Geschnitten habe ich das Werk auf einer Nord-Südachse auf ungefährer Stollentiefe des letzten Abbaufeldes.

Minieras da Fiern Buffalora

Ich nehme an dass die Knappen auf ca. 4, fast vertikal verlaufenden, Abbaufeldern den Erzgang abtrugen. Die Felder waren mittels etwa 10, mit Rollmaterial (Mitteldornhunte) ausgebauten, Fahrstollen, auf einer Gesamthöhe von 120 Metern, erschlossen. Bekannt sind uns bis zur Stunde die tiefsten 4 Grundstrecken, in meiner Karte 4 rote Linien. Ungefähre Maximallänge der Stollen könnte bei 500 Meter liegen.  Die uns bekannten Stollen sind mit San Rafael und San Michael benamst, indes erwähnend, die Namensgebung der Stollen stammt aus 21. Jahrhundert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Karte um 1896 zeigt auf dem höchstgelegenen Werkareal zwei Ruinensymbole die vermutlich vom dortig ansässigen Tagebau stammen. Noch ist einiges Nebulös im Innern der rund 30 Stollenkilometer umfassenden Hauptgrube doch allmählich lichtet sich, pro neu entdeckte Grundstrecke, der Nebel der Vergangenheit.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Abbauten, ich teile diese in 3 bis 4 ungefähr ausmachbare Felder ein, verlaufen meist Steil dem, immer wieder auskeilendem Erzgang, von Nord nach Süden folgend. Manche Abbauten sind Handzahm zu Fuss fahrbar. Im Bild Feld 3 ab San Michael II Grundstrecke.

Minieras da Fiern Buffalora

Wiederum welche Gesenke, im Bild Feld 4 ab San Rafael Grundstrecke, sind einzig per Seil zu befahren.  Über diese, noch offenen, Gesenke war uns die Erkundung der oberen Grundstrecken möglich.

Minieras da Fiern Buffalora

Eine raffinierte Schachtvernetzung machte den unterirdischen Material und Personentransport effizienter. Im Bild ein rechteckig ausgehauener Schacht zwischen einem versetzten Abbau  Feld 4 / San Michael II  und der Grundstrecke San Rafael I.

Minieras da Fiern Buffalora

Dies Exemplar des Fahr und Fördertrums erschliesst Feld 3 / San Michael II mit einer Nebenstrecke San Rafael I. Schutthaufen am Schachtboden lassen darauf schliessen dass die Schächte in der letzten Betriebsperiode hauptsächlich als Rolllöcher für den Aushub amteten.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Hauptstrecken sind, wie wirs bereits von der Michael II Strecke kennen, gegen Tag mit Holz ausgebaut. Das 700 Jährige Stützmaterial lebt kaum noch an irgend einer Stelle.

Minieras da Fiern Buffalora

Interessant, und nicht wirklich erklärbar sind die offensichtlichen Stollentrennungen mittels Holzwände auf den oberen zwei uns bekannten Hauptstrecken. Als Wettertüre ist die Konstruktion zu tief angelegt, einzig vielleicht zur Verhinderung des unvorsichtigen Betretens könnte diese Bretterwand gedient haben. Tatsache ist, hinter den Brettern klafft am Boden ein Abbauschacht.

Minieras da Fiern Buffalora

Auch auf der zweiten Sohle gibt’s, am Schacht zu, solch eine Wand, diese indes bereits mit etwas Schutt befüllt. Interessantes Detail an diesem Standort ausmachbar, die Wand ist unter anderem mit zwei Haspelaufzugsstützen gebaut. Die Hornlager indes, wie bei erster Befahrung Buffalora beobachtet, fehlen an diesen Elementen. Wahrscheinlich war einst ein Haspelaufzug am Schacht montiert, nach deren Gebrauch wurde das Holz schnell zur Trennwand umfunktioniert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Strecken waren, so wies aussieht, ausnahmslos mit einem Mitteldornschienensystem ausgestattet.

Minieras da Fiern Buffalora

Teilweise sind die Holzschienen demontiert einzig die Schwellen, respektive die Verbinderschwellen liegen noch am Boden.

Minieras da Fiern Buffalora

Fein säuberlich liegen Erztrog wie Erzmocken nebeneinander als hätten die Knappen noch am letzten Betriebstag sauber die Spuren drapiert.

Minieras da Fiern Buffalora

Mancherorts sind lustige Stillleben erhalten die vermutlich aus Nachbergbauepochen stammen. Auf einer hochgelegenen, verspannten Holzlatte sind edle 2 Erzbrocken platziert. Minderwertige Erzware liegt gehäuft am  Stollenboden. Entweder haben hier unsere Jungs ein Streich gespielt oder sonstwie in Neuzeit wollte jemand die besseren Klümpchen verbergen. Effizient war dieser Jemand keineswegs, das auf der Latte platzierte Eisenerz springt förmlich ins Sichtfeld.

Minieras da Fiern Buffalora

Mich interessierten weiter die überall eingeritzten Schriftzeichen. Hier im Bild ein etwas erweitertes Andreaskreuz in Strecke Michael I. Da Schrift und Zeichen viel über vergangene Geschichte erzählen, versuchte ich, mit echt unwissenschaftlichen Methoden, die Zeichen zu deuten.

Dazu bannte ich die Literarischen Werke erstmals in Vektorgrafiken um gewisse Gemeinsamkeiten zu analysieren und womöglich Zeitepochen herauszufiltern.

Minieras da Fiern Buffalora

Es gibt regelrecht eingeschlagene Zeichen und Buchstaben, links in meiner Visualisierung Sichtbar, und es gibt eingeritzte Zeichnungen, rechts im Bild. Die eingeschlagenen Zeichen, könnte F R sein, sind mit Stumpfem Werkzeug, unter Gewaltanwendung, in den Fels eingeschlagen. Als mögliche Werkzeuge kommen Fäustel und Bergeisen in Frage indes könnte das F R auch mit Elektromeisel und Schlosserhammer gefertigt sein. Zweitere Variante, 20. Jahrhundert, erachte ich jedoch eher als Unwahrscheinlich.  Die Grube, so weiss es Daniel Schläpfer, solle einige Hundert Jahre unerreichbar gewesen sein. Die Andreaskreuze wie auch das Christenkreuz sind mit scharfem Gegenstand eingeritzt. Frisch gespitztes Bergeisen wie auch zeitgenössisches Sackmesser wäre denkbar, jedoch auch hier, Variante 2 eher unwahrscheinlich.

Das Andreaskreuz ist im Bergbau als Warnsymbol, seit vielen Jahrhunderten, weit verbreitet. Mittels  Andreaskreuz, zumeist in Form zweier überkreuzter Bretter im Stollen, wird vor den Gefahren des alten Mannes gewarnt. Da der Fundort des Andreaskreuzes im Stollen San Michael I zur letzten Bergbauperiode zugeordnet werden kann, ist alter Mann so ziemlich ausgeschlossen. Das Christenkreuz verweist im Bergbau auf einen Todesfall. Die Kombination Todesfall im alten Mann macht in der beobachteten Situation kaum Sinn trotzdem könnt vielleicht ein Krümel Plausibilität drinne sein.

Minieras da Fiern Buffalora

Zweites Artefakt, die Zeichen P A, meiner Meinung nach Bubengekritzel. Die Initialen des Bergknappen sind zwar im Bergbau seit vielen Jahrhunderten weit verbreitet doch das repetitive Anbringen dieser Initialen ist unter Bergleuten, als unkameradschaftlich, verpönt. Der Schriftstill ist unbestritten eher ältere Kulturepoche doch die repetitive Darstellung, trotz einigem Symbolgehalt (Grabkreuz, Grab), kann kaum dem Bergbauhandwerk zugeordnet werden. Auch die Tatsache, Übung macht den Schriftgelehrten von rechts nach links spricht eher fürs Abenteuerspielplätzchen.

Minieras da Fiern Buffalora

Dieser Fund stellt mich definitiv an die Wand. Links ist das erweiterte Andreaskreuz vom oberen Foto, mittig und rechts ein offensichtlich sich wiederholendes Symbol. Das Andreaskreuz könnte, mit viel Fantasie, sowas in der Form wie überkreuzter Fäusten und Bergeisen sein. Wie gesagt, die Fantasie muss, zu solch Interpretation, förmlich quadriert in Erscheinung treten. Zweiteres Symbol, das erweiterte W, kommt in leicht geänderter Form, in der tiefsten San Michael I Grundstrecke vor. Symbol sind 4 Christenkreuze um ein W angeordnet. Das Zeichen ähnelnd der Anschlägersymbolik doch ohne ersichtlichen Zusammenhang. Der Zimmermann ist ohne Zweifel, in dieser Anlage, ein wichtiger Facharbeiter doch sein Holz hat ausgerechnet auf Sohle  San Michael I eine ziemlich sekundäre Bedeutung. Das Symbol des erweiterten W kommt oft vor, so als wolle der Tagsetzer, wie zu neuzeitlicher Streetartkultur, sein Revier weitläufig markieren. Bergbau, aus meiner Sicht, eher nicht.

Minieras da Fiern Buffalora

Hier im Bild das repetitive Symbol, links in Grundsohle San Michael I rechts in Grundsohle San Michael II. Der Schriftgelehrte wechselte über, einzig zugänglichen Zugang, Abwurf um Feld 3 bis 4, die Sohle auf Grundsohle San Michael II, + 12 bis 15m.

Zweifelsohne, die Zeichen, nur wenige sind von mir erfasst, geben einige Rätsel auf. Die Rätsel sind, meiner Meinung nach, wahrscheinlich nie eindeutig knackbar, es bleibt bei viel Interpretationsspielraum trotzdem wird allmählich eine Annäherung möglich werden. Die Masse der erfassten Daten verfeinert die Auswertung, in diesem Sinne, ich bleib dran.

Vorbeiträge
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Mürtschenalp noch mehr Erleuchtung

am 07. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne, die Lampen werden besser und auch das fotografische Können steigert sich über die Jahre hinweg. Grund genug um weiteren Gemeinissen tiefer auf den Grund zu fühlen. Doch allererst vorwarnend, über die Bergwerke der Mürtschenalp ist viel geschrieben worden ich will dieser Geschichte hauptsächlich den aktuellen Fotos Platz einräumen.

Plan Hauptgrube Mürtschenalp

Stiefmütterlich von allen Forschern sind bis anhin die alten Gruben östlich der Hauptgruben behandelt worden. Deren Zugang ist den heute auch nimmer von Bequemlichkeit geprägt.  Ich zumindest sammelte einige blaue Flecken ehe mir der Einblick ins  Feuergesetzte Gesenk gewährt wurde.

Mürtschenalp alte Grube

Das Gesenk, Südostfallend, ist unter Einfluss grosser Feuerwärme, geruste Decke, entstanden, trotzdem findet sich hin und wieder vereinzelt Bohrlöcher aus neuer Bergbauepoche.

Mürtschenalp alte Grube

In der deutlich zugänglicheren Grube, nebenan gelegen, sammelt sich Wasser bis auf einen Meter. Auch in dieser Seelandschaft mussten unsere Lampen, traditionsgemäss, auf Tauchgang.

Mürtschenalp Bergwerksanlage

Die Sicht vom Stollensims aus zeigt die Landschaft der alten, längst verschwundenen, Industrieanlage im Tal.  In den vereinzelten 3 Tannen am Talboden lang einst das Pochwerk, rechts davon die Knappenunterkünfte.

Nicht minder interessant und absolut fotogen, die Grube Erzbett dessen Einstieg  hart verdient sein soll.

Mürtschenalp Erzbett

Da der Durchschlupf sehr eng ist und die Stabilität sämtliche Wünsche ignoriert, legten wir ein rotes Seil um bei allfälligem Einsturz doch gefunden zu werden.

Wir, Matti und ich, besuchten diese Grube bereits am 1.8.2013. Damals waren sowohl Leuchten wie auch die Erfahrung eher suboptimal zur Gestaltung schöner Bilder. Meine Bilder im Beitrag Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp sind alle samt im aggressivem Blitzlicht erschlagen. Diesmal am 5.10.2018 sollte alles besser werden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich, nach Akrobatiknummer, folgen zwei Türstöcke. Der erste erfreut sich bester Statik,

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

während der Zweite, den sehr vorsichtigen Befahrer, schelmisch böse, in Bergtrollentradition,  anlächelt.  Trotzdem zeigte ein Fotovergleich 1.8.2013 vs 5.10.2018 kaum nennenswerte Veränderung. Nichts desto trotz, liebe Leser, Liebe Leserinnen, geht da nicht rein. Irgendwann wird’s nicht beim Lächeln bleiben.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Bald folgt der Hauptabbau mit weitläufig versetzten Flächen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ob den versetzten Abbauten sind Stollen offen wo noch vereinzelt eine leichte Vererzung ausmachbar ist.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Hauptattraktion ist, klar, das gut erhaltene Haspelaufzugsgestell welches die Erzkessel aus dem Schrägschacht empor förderte.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Der Schacht ist auf ganzer Tiefe, 29 Meter, mit klarem Wasser, aufgefüllt. Die Holzbühne ist noch in bester Verfassung und auch die abgesoffene Fahrte hat die letzten 102 Jahre unbeschadet überstanden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich ist solch ein Wasserschacht wie geschaffen für die wasserdichten Lampen und verspielte Fotografen. Im Bild die Förderkübelstrecke am Schacht.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Auch noch, wie bereits 2013, respektive 1919, fliesst das Stollenwasser diszipliniert durch den Holzteuchel als wär die Zeit abrupt gestoppt.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Einige Sehenswürdigkeiten finden sich in den tauben Suchstrecken. Im Bild eine Raumtrennung mit Türe. Die Beschläge der Türe liegen in diversen Seitenstollen, es scheint so als hätte bereits jemand, vor langer Zeit, etwas Eisen gefördert.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ein einem weiteren Seitenarm liegt ein langsam verrottendes Holzschienensystem. Die Eisen-L-Profile, wie üblich bei dem System, fehlen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Und der Plan in aktualisierter Form.

Als PDF der Plan Erzbett respektive der Plan Hauptgrube

Auch von Interesse war die Befahrung des tiefer gelegenen Weinmannstollens.

Halde Erzbett Mürtschenalp

Dieses Werk liegt rund 40 Meter unter der Erzbetthalde und sollte ursprünglich den Wassergefüllten Schacht in reicher Kupfererzzone unterfahren. Leider blieb der Kupferreichtum aus und der Stollen erreichte nie die Durchschlägigkeit mit dem Erzbettschacht.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Der Weinmannstollen liegt gut versteckt im Baumwald unter der Halde Erzbett.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Im Innern staut sich bald das Wasser auf eine Höhe von knappen 1.20 Metern.

Mir wars eindeutig zu nass und da ich aus einschlägiger Literatur von unspektakulären Beschreibungen des Werkes wusste, obliess ich den Einstieg. Ganz anders mein Begleiter welcher sich durchs kalte Nass, die 181 Meter bis Stollenbrust, vorarbeitete.

Vorgeschichten Mürtschenalp
Hauptgrube Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp

Buffalorageleucht

am 02. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die neuliche Befahrung der Anlagen „Minieras da Fiern“ förderte eine Reihe neuer Erkenntnisse zum Spätmittelalterlichem Bergbau. Kaum eine Abbaustelle auf Schweizer Boden ist noch heute in solch erhaltenen Zustand. Es sind noch etliche Artefakte aus jener Zeit, zwischen 14. und 15. Jahrhundert, erhalten und der ursprüngliche Bau blieb, dank jahrhundertelanger  Versiegelung, im Urzustand. Eines der faszinierendsten Erkenntnissen war die durchwegs durchdachte Transportlogistik vom Schienensystem bis hin zum eigentlichen Beleuchtungskonzept der Hauptförderstrecken.  Noch heute sind die Geleuchtnischen, in regelmässigen Abständen, in den Hauptstrecken erhalten. Die Leuchten, wie ich heute weiss, sogenannte Talgleuchten, interessierten mich besonders. Motivation zu meiner weiteren Recherche war ein Fund in einer Zwischenstrecke welche irgendwann zu einem Materialmagazin ungenutzt wurde.

Talgleuchte

Der besagte Fund ist ein Teil eines Talglichtes. Leider fehlt, wie meine Recherche ergab, ein beträchtlicher Teil der Lampe.

Talgleuchte Die Hafnerin

Der moderne Nachbau dieser Leuchte ist mir bei „Die Hafnerin“  begegnet. Auf dessen Seite bediente ich mich des Bildes.  Gemäss „Die Hafnerin“ ist die Leuchtenkonstruktion einem Fund aus Freiberg in Sachsen, 14./15. Jahrhundert nachempfunden.

Mein Minieras da Fiern Exemplar verfügt über eine bläuliche Glasur und einer durchgehenden Fingeröffnung zum Greifen des Geleuchts. Am Fundort der Lampe stehen Teile einer demontierter Hanspelaufzugsanlage , diverse Rundhölzer die aber nicht erkennbar zur Haspelmechanik gehören, sowie nicht weiter identifizierbare Kanthölzer.

Die Zwischenstrecke in der die Funde lagen war Teil eines Abwurfsystems welches irgendwann zu einem Lager umfunktioniert wurde. Damals war dieser Bereich, gut versteckt und schwer zugänglich, eher selten befahren worden wodurch die Artefakte über die Jahre in Vergessenheit gerieten.

Die Links
Urheberin des zweiten Bildes und Macherin zahlreicher, dem Mittelalter nachempfundener, Keramik Alltagsgegenstände Die Hafnerin www.die-hafnerin.de
Einiges übers Taglicht auf derlichtermacher.de

Und meine Vorbeiträge
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Der Krucks mit dem Öllichtchen

am 01. September 2018 unter Seitwärts parkieren, Steinerne Unterwelten abgelegt

Im Zuge meiner Erkundung Buffalorischer Eisenwerke wars mir ein Selbstversuch mit Beleuchtung unter Öllicht, wert. Von Interesse wars zu erfahren wie solch Lichtquelle funktioniert und welche Ausbeute das Flämmchen hergibt.

Öllicht

Mein Lämpchen ist ein Messingnachbau einer alten Bergbaulampe ca 1890, die so ziemlich alles schluckt. Ein 2 Jahre übers Verkaufsdatum hinweg verstrichene Fine Food Kürbiskernöl diente als Brennstoff und als Docht musste eine alte zerrissene Hose hinhalten.

Öllicht

Beim Eglibraten indes war ich froh um das reichlich vorhandene Aussenlicht.

Fazit, moderner Bergbau ist mit solchem Lämpchen schier undenkbar doch im Mittelalter funktionierte viel mit dem feinen Tastsinn. Stollen folgen oft einer Verwerfung und das Eisenerz von Buffalora lässt sich, unter gewissen Kriterien, im Gesteinsverbund gut ertasten, respektive mit Bergeisen und Fäustel, gut in deren Konsistenz erfühlen. Das Lämpchen indes hat heut noch keineswegs den Ruhestand erreicht, es solle am kommenden Samstag wieder in Einsatz stehen bei einer Cava sul Rhein-Befahrung.

Buffalora

am 01. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Der Beginn einer hiesigen Schwerindustrie als kulturelles Importgut aus dem fernen Tirol

oder ein Forschungsintensiver Rundgang durchs hochindustrialisierte 16. Jahrhundert in luftiger Höhe nahe des Ofenpasses. Vorweg eine kleine Gruppe mit Namen „amis da las minieras Val Müstair“ öffnet, seit dem Jahre 2004, in undankbarer Sisyphus-Tätigkeit, Stollenwerke rund um die Buffalora-Alp.

Alp Buffalora

Gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit verbergen sich rund um den Flurnamen „Minieras da Fiern“, steht für Eisenbergwerke über 80 Stollenbauten. Nur minimal wenige dieser Stollenbauten waren zum Zeitpunkt der Disertationsarbeit 1960 zugänglich.

Minieras da Fiern

Die riesigen Halden am Fusse des Munt Buffalora indes sprechen noch heute eine eindeutige Sprache und so versuchten sich immer wieder engagierte Forscher und Forscherinnen im öffnen der Stollen. Mit viel Fleiss schafte die Gruppe „amis da las minieras Val Müstair“ bedeutende Durchbrüche in der Offenlegung der Hauptabbaustellen.

Uns, eine kleinen Gruppe Bündner Bergbaufreunde, war der Einblick in dies Tief gewährt und so erlebten wir, allesamt der Industriegeschichtsforschung begeisterte, 2 richtig intensive Tage im Val Müstair.  Aktuell sind etwa 7 Stollen von vermuteten 80 offen. Die oberen Werke sind indes die wahrhaft interessanten da diese produktiv Eisenerze, zwischen 1300 bis anfangs 1600, förderten. Einer dieser Stollen, genannter San Rafael (ein Heiliger, es gibt deren 4 verrät mir das Heiligenlexikon https://www.heiligenlexikon.de) führt in ein verzweigtes System von Abbauten und Abwurfanlagen.

Minieras da Fiern

Mitteldornschienen als Standard in allen Förderstollen

Die Hauptförderstollen, in Längen um die 350 Metern, sind ausgestattet mit handwerklich sauber ausgearbeiteten Mitteldornschienen-Stecksystemen. Periodisch angeordnete Geleuchtnischen, für damalig verwendende Oellampen, wie auch die verschiedenen Abwurfanlagen,  lassen auf äusserst rationelle  Transportwege schleissen.

Minieras da Fiern

Verbindungsschrägschacht

Die Ebene San Rafael, die wir zum Einstieg nutzen, verläuft Erzarm bis an eine enge Schräg-Schacht-Anlage welche die zentrale Strecke erschliesst.

Minieras da Fiern

Die zentrale Strecke, respektive eine der zentralen Strecken, endet in Tagrichtung in einer unüberwindbaren Verstürzung  zusammengebrochener Türstöcke. Indessen sind jene Exemplare die noch dem Bergdruck trotzen in guter Verfassung und geben Aufschluss übers handwerkliche Können der damaligen  Tiroler Bergknappen. Die Holzeinzahnung liegt satt ohne Spalte auf dem Unterholz, die Konstruktion wirkt noch heute in alle Richtungen sauber versteift und folglich äusserst vertrauenserweckend.

Minieras da Fiern

Die Gegenseite der zentralen Förderstrecke erschliesst das produktive Eisenbergwerk. Der Hauptstollen endet an Stollenbrust bei geschätzten 350 Metern, wovon rund 150 dieser Meter ab Tag von uns schnell-kartographiert wurden.

Zeitweilig liegt viel Material im Förderstollen so das die Schienen nicht mehr zu erkennen sind. Ab 140 Meter öffnen erste stark ansteigende Erzaufhauen.  Ich erkenne, über die Länge von 210 Metern 3 mir eindeutig erscheinende Abbauten eines 60 Grad steilen Erzgangs.

Minieras da Fiern

In den verwinkelten Aufhauen, die sowohl aufwärts wie abwärts der Hauptstrecke anliegen,  sind Abwurfschächte eingebracht welche die Transportwege optimieren sollen.

Minieras da Fiern

Ein grösseres Abbaugesenk verbindet eindeutig eine untere Förderstrecke. Diese Abbauhalle könnte in letzter Betriebsphase auch als Abwurf funktioniert haben.

Minieras da Fiern

Die untere, anschliessende Förderstrecke ist gleicher Charakteristik wie die bis anhin bekannten. Auch in diesem Stollenwerk sind, in regelmässigen Abständen die  Geleuchtnischen zu finden und auch so ist das Werk konsequent mit Mitteldornschienen ausgebaut.

Minieras da Fiern

Im Stollen liegt immer noch, als wär dieser erst vor kurzer Zeit in Verwendung gestanden, ein gut erhaltener Erztrog. Es ist nicht der erste Erztrog den ich ausmache, deren 4 glaube ich bei meiner Expedition erkannt zu haben.

Ohnehin scheint dies Bergwerk voller Artefakte, die viel über das damalige Schaffen zu erzählen wissen.

Minieras da Fiern

In der grossen Abbauhalle sind in einer Geleuchtnische verschiedene eingeritzte Inschriften erkennbar. Schrifttypus könnte in die Jahre um 1600 oder früher passen. Unwahrscheinlich erscheint mir dass die Niederschriften aus Neuzeit stammen. Ich glaube, anhand der Versturzspuren, dass dies Stollenwerk kurz nach deren Betriebsende um ca. 1620 unerreichbar blieb.  Der Text ist schwierig zu entziffern, ich behaupte  „Ciao Andrea“ oder „Gio Andrea“ zu erkennen der  folgende Teil könnte sowas wie „S…pano“ sein. Die weiteren Zeichen und Initialen wirkend auf mich indes äusserst Nebulös. Klar ist, in der Geleuchtnische brannte nicht still vor sich hin ein Öllampenflämmchen sondern eher ein ölgetränkter Lappen welcher die nötige Russunterlage hinterliess. Was wiederum erklärt wieso einzig in dieser Geleuchtnische die Texte zu finden sind.

Minieras da Fiern

Die Ritzarbeit stammt, meiner Meinung nach, von einem der zahlreich herumliegenden Bergeisen. Dies Exemplar hier lagert  ein einer weiteren Geleuchtnische.

In einer Abwurfzwischenstrecke liegt ganz offensichtlich ein Materiallager mit erstaunlich gut erhaltenen Gerätschaften.

Minieras da Fiern

Fein säuberlich auseinandergebaut liegen die einzelnen Komponenten einer Haspelaufzugsanlage, einzig der eigentliche Haspel schein ich im Depot nicht zu finden. Die Holmen sind mit einen Hornlager, zur Aufnahme der Haspelachse, ausgestattet.  Es ist mir nie solch ein gut erhaltenes Exemplar unter die Augen gekommen.

Minieras da Fiern

Nicht unweit des Materiallagers liegt ein weiterer Gegenstand aus dem damaligem Bergbauwerkzeugkasten.

Wahrscheinlich ist dieser Keramikteil die verbleibende Hälfte einer Öllampe die einst der Magaziner  zur Verstauung des demontierten Hapselaufzuges benötigte. Leider ist von der Lampe ein beträchtliches Stück abgebrochen und faktisch unauffindbar trotzdem kann in etwa erahnt werden wie das damalige Geleucht ausgehen haben könnte.

Der Flurname „Ofenpass“ respektive „Pass da Fuorn“ hat Ursprung in der damaligen überregionalen Bedeutung des Hüttenwesens. Um 1600 oder früher standen einige Ofenanlagen in der Nähe an der heutigen Passstrasse. Nicht unweit der Passhöhe liegt „Il Fourn“ was für „der Ofen“ steht und tatsächlich solle noch eine Ofenruine im Nationalpark auffindbar sein.  Auf Buffalora stand einst eine ausgedehnte Siedlung die, so wird berichtet, um 1499 verschwand und nicht nur das Bergwerk bediente. Auf Buffalora erwuchs damals ein reger Handel mit Waren aller Art von nah und fern. Gleichzeitig leben Knappen und Metallurgen in Ort Buffalora. Heute sind kaum noch Spuren des Ortes ersichtlich.

Wir bauten eine Schnellvermessung des befahrenen Stollens welche ich zu einem sehr rudimentären Plan zusammenschusterte um einen Überblick des Stollens auf 815391 / 168649 zu erhalten. Dieser Plan möchte ich keineswegs dem neugierigen Leser / Leserin vorenthalten.

Minieras da Fiern

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Leider reichte die Zeit nimmer um das gesamte Werk zu vermessen, nein, das Gesamte Werk würd den Rahmen von 2 und mehr Tagen bei weitem sprengen. Trotz des einzigen Vermess-Drittels ist eine gute Übersicht über den systematischen Eisenerz-Abbau im Mittelalter möglich. Der Stollen nennt sich San Rafael, eine Bezeichnung gegeben im 21 Jahrhundert der damalige Namen ist unbekannt. Hauptförderstrecke in Rot liegt knappe 16 Meter unter der gelben Grundstrecke die merklich keine Erzgänge anfuhr aber heute die noch existente Schachtverbindung in die Hauptförderstrecke offen hält.  Meine rote Hauptstrecke fährt 3 Abbauten eines 60 Grad steilen Erzganges an.  Unsere Vermessung indes reicht nur bis Ende erste Abbauzone.  Am Ende unserer Vermessung folgt der erste Abwurf, welcher, so angenommen aber nicht bewiesen, eine tieferliegende Hauptstrecke erschliesst.

Abwürfe finde ich minimum 2 weitere die einher mit den Abbauten sich anreihen. Der hinterste Abwurf, durch die letzte Abbauhaue verlaufend, erreicht tatsächlich die untere Hauptförderstrecke die jedoch in Richtung Tag zugeschwemmt ist.  Ein überbrücken der Schwemmstelle könnte am ersten Abbau möglich sein, ist aber, wie erwähnt nicht bewiesen, unser Seil war zu kurz um den gesamten Schacht absteigen zu können. Auch nach oben sind Abbauten weit hinauf fahrbar vermutlich sind auch in oberen Lagen Hauptfahrstrecken erreichbar. Leider reichte die Zeit nicht zur tieferen Erforschung der oberen Stollenbauten.

Minieras da Fiern

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Die Verknüpfung des Plans mit dem Satellitenbild zeigt den Stollenverlauf unter allen Halden hindurch.  Unser befahrene Stollen dürfte eine Länge von 350 Metern inne haben ergo reicht dieser bis unter alle Halden hindurch. Die Halden auf dem Satellitenbild stammen alle von höher liegenden Stollenbauten. Mit Einbezug des  Erzgangverlaufes ist mit einer weit verzweigten untertägigen Verbindung der einzelnen Förderstrecken, im Bereich der 100 Höhenmetern, zu rechnen.

Die unten angelegten Stollen, etliche müssten es gewesen sein, sind indes wahrscheinlich alle durch taubes Gestein getrieben worden.

Der Erzgang liegt folglich zwischen 2500 und 2390 müm, alle tiefen Werke, bis 2260 müm führen kein Erz. Unser Forschungsbereich erstreckte sich zwischen 2390 und 2422 müm und, wir haben nur ein Bruchteil der Werke gesehen.

Wer die Minen besuchen möchte, solle sich an die „amis da las minieras Val Müstair“ wenden.

Wer suchtet der findet

am 18. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wieder mal eine Val Tisch Geschichte anknüpfend an vorhergehende Erkenntnisse. Konkret starten wir, eine Hand voll Freunde, die Suche nach der ältesten Untertageabbaustelle der Eisenbergwerke Minas da Fier im Val Tisch.

Bekannt ist über dies Stollenwerk, welches vermutlich aufs Jahr um 1700 oder älter datieren könnte, nur sehr wenig. Der letzte bekannte Abbau unter Albertini endete um 1845. Eine spätere Untersuchung unter Federführung von Walter Fisch, Büro Fisch Zürich,  nennt im Jahre 1943 den angegeben Stollen II mit dazugehörigem Theodolitwinkel und Distanz. Wer hier was angab und ob Fischs Leute das Mundloch im Theodolitfernrohr erkannten ist heute gänzlich unbekannt.

Val Tisch Minas da Fier

Klar ist, „Stollen I“ ist gründlich untersucht und kartiert. „Stollen II vermutet“ ist recht eindeutig innendrin wie aussenrum als verstürzte Stelle ausmachbar. „Stollen II angegeben“ indes ist ein noch zu entdeckendes Mysterium.

Val Tisch Minas da Fier

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Auf meinem Plan erscheint die Position fast schon selbsterklärend und auch die Höhendifferenzen aus Fischs Aufzeichnungen sind recht eindeutig. Nun musste einzig die Stelle gesucht werden. Einfacher gesagt als getan.

Val Tisch Minas da Fier

Erstmals musste richtig viel Werkzeugs auf rund 2515 müm geschleppt werden. Da das Gebiet überaus Steil aufstieg mussten wir erstmals eine Installationsplattform einrichten ehe wir, an der vermuteten Stelle, mit der Grabung beginnen konnten.

Die Stelle scheint eindeutig, ein Felsvorsprung im Schutze möglicher Lawinen, anstehendes Erz und eine senkrechte Felskante ist wie geschaffen für nen Stollen.

Val Tisch Minas da Fier

Die Umkehrsicht zum Theodolitenstandort von 1943 scheint auch aufzugehen, siehe rote Linie.

Val Tisch Minas da Fier

Bild Lukas Rösli

Und auch die Perspektive aus Lukas Drohne scheint eindeutig.

Val Tisch Minas da Fier

Und doch, der Stollen will und will sich nicht zeigen. Kubikmeter sind inzwischen einige den Hang hinunter gepurzelt. Nach wie vor, es gibt kein Zweifel, oben muss ein Untertagezugang in die alte Abbauspalte existiert haben, wo dieser genau liegt ist unbekannt. Die Suche könnte sich noch länger hinziehen so wie damals bereits beim Stollen IV.

Trotzdem, wir bleiben dran.

Val Tisch Minas da Fier

Trotz des eher bescheidenen Erfolges, die Aussicht ist immer wieder Hammer und überaus lohnenswert.

Die Vorgeschichten
Val Tisch und die verschollenen Unterwelten
Val Tisch im 2017
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Minas da Fier Val Tisch
Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch
Bergbausachverständige am graben

Beatenberger Kohlen

am 12. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist zweifelsohne nicht mein Forschungsgebiet jenes ob Beatenberg genannte Gruben am Niederhorn, respektive am Flöscherhorn.

Flöscherhorn

Bis zu 10 Stollen sollen einst zwischen die Felsplatten, ins Kohleflöz getrieben worden sein. Die Suche all diesen Stollen, im abartig steilem Gelände, gestaltete sich schwieriger als gedacht hinzukommend geizen bisherige Forscher mit genauen Koordinaten oder sonstwie verlässlichen Angaben. Wohlgemerkt war auch unser Ausflug eher Touristisch als Wissenschaftlich motiviert.  So wars hauptsächlich ein netter Familienausflug in prächtiger Landschaft mit abwechslungsreicher Stolleneinlage.

Flöscherhorn

Klar ist, bei soviel gebirgiger Steilheit wär vielleicht was mehr Kletterausrüstung durchaus angebracht gewesen.

Stollen am Beatenberg

Von den 10 überlieferten Stollen sind uns letztlich deren 2 begegnet und diese sind aktuell touristisch gut erschlossen  und kaum zu verfehlen. Die weiteren Untertägigkeiten verbergen sich gut in den zahlreichen Felsbändchen. Wenn man bedenkt das der Beatenberger Bergbau 1857 endgültig einging so erscheint die Möglichkeit einen weiteren Stollen aufzuspüren sehr, sehr gering.  Da dies nicht mein primäres Forschungsgebiet ist, bleib ich hauptsächlich bei schönen Bildern.

Stollen am Beatenberg

An einem steilen Taleinschnitt liegt der wiederentdeckte und fein gepützelte Jägerstollen. Zum Glück führt heute eine Holztreppe ans Mundloch. Nach wie vor ists Gelände nur was für Schwindelfreie.

Jägerstollen

Der Kohlestollen, welcher ein Jäger in der Neuzeit wiederentdeckte, die Namensgebung sei geklärt, ist in gutem Zustand und von einem Freiwilligen-Trupp im den Jahren um 2005 neu hergerichtet. Folglich ist dies Bauwerk bedenkenlos Familientauglich. Viele Holzeinbauten stammen aus diesem Jahrtausend.

Jägerstollen

Das Südost fallende Kohleflöz wird in der Horizontale, auf eine Länge von rund 140 Meter, geschnitten.

Jägerstollen

Ein grösserer Aufhau folgt dem Flöz knappe 10 Meter, die durchgehende Flözstärke ist selten über 10 cm. Der Jägerstollen war folglich, so wie dieser sich heute zeigt, nicht Hauptabbau.

Jägerstollen

Sehr schmuck am Jägerstollen, der kleine See an Stollenbrust der zum Lampenversenken förmlich einlädt.

Vorsassstollen

Ein weiteres Stollenwerk, in aller Munde und wahrscheinlich in allen  Wanderführern, ist der Vorsassstollen, leicht unterhalb der Niederhorn-Seilbahnmittelstation Vorsass gelegen. Dieser Stollen trägt auch gerne den Namen Begegnungsstollen und ist, trotz reichlicher Vegetation drum rum, recht einfach zu finden ergo ein richtiger Begegnungsstollen welcher unmöglich zu verfehlen ist.

Vorsassstollen

Auch dieser Stollen macht, bis auf wenige Ausnahmen, einen sehr aufgeräumten Eindruck. Die unterdimensionierte Holzzimmerung, aus den 2000er stammend, ist bereits wieder verfault und wie üblich an gut zugänglichen Stellen, ist auch hier ein Geocache versteckt was am Littering, ums Mundloch herum, erkennbar wird.

Der Vorsassstollen stammt aus dem Jahre 1842 und sollte das Kohleflöz treffen, was jedoch bei rund 140 Meter nicht geschah. Da die Vortriebskosten die zu erwartende Rendite zu übersteigen drohte, wurden die Arbeiten bei 140 Metern niedergelegt.

Stollen im Niederhorn

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Die Stollenbrust des Vorsassstollens ist  weit weg vom Kohleflöz noch hinzukommend scheint das Flöz, bei zunehmender Tiefe, allmählich auszukeilen. Die blauen Punkte sind Stollen die ich aus älteren Karten zusammenreimte. Kennen tue ich heute einzig den Jägerstollen und den Vorsassstollen. Die rote Linie markiert unser, eher erfolglose, Suchtrack.

Also bleibt eindeutig:
Jägerstollen 625118 / 172671
Vorsassstollen 625318 / 172194

Alle anderen sind noch zu entdecken wobei Einiges inzwischen bereits darüber verfasst wurde indessen eher dürftig in dessen Genauigkeit.

Plan-Zöller,-1802

Vielleicht am ehesten Hilfreich der Plan von Zöller aus 1802 welcher, als Nummer zwei, vermutlich den heutigen Jägerstollen ausweisst. Jedoch, wo Zöller Niederhorn meint ist her Flöscherhorn zu verstehen. Auch im Plan zu erkennen, der Jägerstollen scheint zu damaliger Zeit eher klein und unbedeutend gegenüber den zwei südlich gelegenen Stollenbauten.

Im 1771 wird der dortige Kohlebergbau urkundlich erstmals genannt.
1796 sollen indes die Arbeiten, mangels Rendite, wieder eingestellt worden sein.
1801 Beginn einer weiteren Abbauperiode mit viel Stollen wie im Plan von Zöller genannt.
1834 sind 8 Stollen aufgefahren mit einer maximalfördermenge von 250 Tonnen pro Jahr.
1841 Der Staat Bern übernimmt die Bergbaubetriebe am Beatenberg.
1842 Baubeginn des Vorsassstollens.
1857 Endgültiges Aus der Abbauarbeiten.
In den folgenden 2 Weltkriegen werden lediglich Untersuchungen auf Abbauwürdigkeit durchgeführt. Die Stollen indes verfallen allmählich.

Heute ist klar, insbesondere der Transport der begehrten Kohle wirkt, aus heutiger Sicht, wie ein Kamikazekommando. Erstmals musste die Kohle auf die Felskante geschleppt werden ehe sie bequem nach Beatenberg hinunter geschlittelt werden konnte. Der Vorsassstollen wäre die Lösung eines, schier unüberwindbaren, Transproblems gewesen wäre dieser nicht weit fern eines Abbauwürdigen Kohleflözes gelegen.  Weder im ersten Weltkrieg noch im zweiten Weltkrieg erschien das Projekt Vorsassstollen, angesichts eines doch sehr dürftigen Flözes, realistisch.

Und so warten die vielen Stollen immer noch  auf Entdeckung.

Taubentaler Untergründe

am 08. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nach doch 4 Jahren endlich die Fortsetzung einer nie abgeschlossenen Befahrung.  Die Erstgeschichte, genannte Bergwerk Taubental ob Boltigen verfasste ich am 13. Juli 2014. Inzwischen verfeinerten sich unsere Vertikaltechniken und wir konnten den Einstig in den unbekannten Schrägschacht, übers hoch einsturzgefährdete Silo wagen. Wenn doch diesmal doch eher  Horizontaltechnik, in Form einer Seilbahn über die Gefahrenstelle, gefragt war.

Bergwerk Taubental

Die Seilbahn sollte uns den Übergang über die Siloöffnung ermöglichen, was ganz gut klappte. Kante Gesenk zu Querschlagboden sind gemäss Seigerriss 7 Meter drin

Bergwerk Taubental

wobei zwischendrin, siehe Bild, eine sehr instabile Silodecke steckt. Ein Berühren dieser Holzkonstruktion, von oben her, erschien uns zu gefährlich also schlosserten wir uns seitwärts ins Gesenk.

Bergwerk Taubental

Im Schrägschacht finden sich einige interessante Details die wir bis anhin nur aus den Plänen des Büros für Bergbau kannten, rechts im Bild etwa die ominöse Wasser-Quelle mit kleiner Ministaumauer und 3/4 Zoll-Anschluss.

Bergwerk Taubental

Ziemlich bald folgt die erste, merkwürdigerweise bis zu unserer Befahrung versiegelte, Rollstrecke. Wir fanden den Holzdeckel zugenagelt bis zu oberst. Die fehlenden Bretter auf em Bild sind mein Verschulden,  dafür liegen diese fein aufgetürmt links an der Stollenwand.

Bergwerk Taubental

Es solle niemand den Teufel an die Wand malen oder ist es eine Teufelin. Fact ist, die klassische Karbid-Lampen-Russ-Zeichnung kündigt die erste, wirklich lange, Rollstrecke an. Der Transportstollen erschliesst das obere Ramsern-Flöz unterteilt in 8 Feldern. An dieser Kreuzstelle muss es dem Bergmanne wohl besonders langweilig gewesen sein wenn doch die teuflische Warnung  durchaus berechtigt ist. Das Gaswarngerät zeigt stark sinkenden Sauerstoffgehalt in der Luft. In den Abbauten sinken die Werte bis unter 17 Volumenprozent was gar nicht gut ist. 20.9 ist gewohnte Atemluft und ab 15 Volumenprozent wird’s tödlich.

Bergwerk Taubental

Der Förderstollen Nummer 1 ist auf eine Länge von ca 90 Meter ganz schön aufgeräumt bis ein Versturz kurz vor Planstollenbrust folgt.

Bergwerk Taubental

In den alten Querstollen finden wir noch intakte Magazinseiten aus der Bergbauperiode um 1945. Der gute Zustand der Blätter lässt auf sehr wenige Besucher schliessen. Auch sonst scheint wenig zertrampelt oder sonst wie Dorfbubenramponiert zu sein.

Bergwerk Taubental

Trotz Gasgepfeife, die Neugierde war stärker und so stiegen wir, mit nötiger Vorsicht, in den einten oder anderen Abbauschlitz.

Bergwerk Taubental

Der Blick aufwärts, dem ausgeräumtem Flözhohlraum folgend, sind immer wieder intakte Holzeinbauten zu bestaunen.

Bergwerk Taubental

Zeitweilig führen schmale fast senkrecht verlaufende Gänge in leergeräumte kleine Kohlelinsen. Trotz der anhaltenden Trockenheit auf Tage erwies sich dieser Aufstieg als äusserst nasses Unterfangen. Wasser plätschert überall herum.

Bergwerk Taubental

Ein kleines Artefakt aus Vortriebszeiten, um 1945, steckt noch immer im Bohrloch, genannte nicht detonierte Sprengladung im oberen Drittel des Hauptschrägschachtes. Trotz des tobenden 1. Augustes blieb dies Feuerwerk, auch nach unserer Befahrung, aus, was uns durchaus erfreute. Es ist zwar anzuzweifeln ob dies kleine Teil noch deren Wirkung entfalten täte doch ausprobieren würd ichs definitiv nicht.

Das Hauptgesenk ist leider, nach Besuch der zweiten Rollstrecke, in den letzten Metern verbrochen. Mich hätte das Umlenksystem der damaligen Standseilbahn interessiert. Von der besagten Aufzugsanlage ist leider heute nicht mehr viel übrig. Ich erhoffte, vielleicht zuoberst, Ende Schrägschacht, ein Blick auf frühere technische Artefakte zu erhaschen doch leider tat das kreuzende Flöz, respektive die bösen Brackwasserschichten, wir nennens Drachendreck, dem Zugang ein kompromissloses Ende.

Bergwerk Taubental

Plan gross machen, Plan Anklicken

Den Blick auf die Seigerrisszeichnung aus Bestand des damaligen Büros für Bergbau zeigt die Details deutlich und mehrheitlich so vorgefunden wie wirs vorfanden. Die Felder 1 bis 8 ab Rollstrecke 1 sind nur minimal bewirtschaftet. Ab Rollstrecke 2 gibt’s keinerlei erkennbarer Abbau. Die tieferen Querstollen sind alte Relikte auf den früheren Ramsernstrecken die heute, ab Hauptquerschlag beginnend, ziemlich wüsst verbrochen sind. Im Zuge dieser Ramsern- Aggression, wir nennens Drachendreck,  bleibt auch der Hauptquerschlagfortlauf in die Ebnet-Zone verbrochen was wir schmerzlich bereits vor 4 Jahren feststellen mussten.

Bergwerk Taubental

Der Übersicht willen ein Grundrissplan wies idealerweise aussehen könnte aber leider nimmer ist. Der Hauptquerschlag erreichte einst eine Länge von 850 Metern. Zwei Hauptflöze schnitt die Hauptförderstrecke, als erstes Flöz folgt die Ramsernzone ab 390 m und anschliessend bei Meter 750 folgt die Zweite Flözzone genannte Ebnet. Wie bereits erwähnt ist ab Ramsern-Flöz der Stollen und alle Seitenstollen kaum widerruflich verbrochen, Drachendreck, eine Kombination aus brüchiger Kohle, Brackwasser und Lehm, ist Schuld.

Die Vorgeschichte
Bergwerk Taubental ob Boltigen

und weitere Boltigen Bergbau Geschichten
Schwarzenmattische Untiefen
Und nochmals Bergwerk Schwarzenmatt
Kohlebergwerk Klus Schwarzenmatt Boltigen, weiter geht’s
Boltingen Bergwerk Klus, Langzeiteinblicke

Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter

am 05. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ich weiss auch diese Geschichte wird jene im fernen Freiburg richtig nerven. Mir egal, hat Spass gemacht und brauchte einige Aufklärung.

Nun denn, zu den Fakten, die Fortsetzungsgeschichte zu Gottesehre namentlich die Fertigbefahrung der Grube Neuhoffnung im Revier Gottesehre und der Grube Neuglück im Revier Schwarzwaldsegen doch diesmal, im Unterschied zur Erstbefahrung, mit Fischerstiefel um Gepäck und bei hitzigen Hochsommertemperaturen.

Plan Gottesehre

Erstmals, der Übersicht willen, ein sehr rudimentärer Plan ohne Anspruch auf exakte Masswerte. An beiden Gruben, jene im Norden wie auch jene im Süden, sitzen festgefahrene Fragezeichen an den Versturzstellen. Will heissen, so richtig eine Stollenbrust, Horizontal wie Vertikal wollte uns keine begrüssen, alle Gruben müssen einst um einiges Länger gewesen sein. In der Grube Neuglück führt, im Abbau, ein Schacht empor welcher mit viel Schutt, ab Meter 4 Stollenboden, dicht ist.

Aber erstmals wieder in nördlichen Gefilden genannte Grube Neuhoffnung.

Grube Neuhoffnung

Im Hochsommer zeigt sich der Stolleneinschnitt, nur scheu in mitten des Urwaldes.

Grube Neuhoffnung

Dafür gabs im Stollen, im Gegensatz zur Erstbefahrung, kaum Wasser.

Grube Neuhoffnung

Zeitweilig jedoch hartnäckiger Schlamm am Stollenboden.

Leider ist dies Stollenwerk, nach geschätzten 70 Metern, verbrochen. Zwar zweigt der Bau in zwei Arme wovon einer Handwerklich verfüllt erscheint während der Zweite, wahrscheinlich genau unter dem Urbächle, verstürzt ist. Die Unterfahrung des Hauptwerks Gottesehre können wir heute folglich weder bestätigen noch dementieren. Klar ist, Schwer und Flussspat steht an, UV-Check, indessen ist die moderne, aber zugemauerte Hauptstrecke, noch weitere 200 m ab Versturz entfernt. So setzte ich meine Hoffnung dies Geheimnis je lüften zu können ganz auf die lokale, neugierige Dorfjugend. Die Zumauerung, um den Fledermausschlitz, an der neuen Hauptstrecke, besteht auf Kalksteinen die mit wenig zutun Neues offenbart.

Die Südseite des Mühlebächles kennt indes ein eben so schmuckes Bergwerk welches wir auch nicht Endbefuhren da damals zu viel Wasser definitiv zu kalt war.

Grube Neuglück

Solle man der Vergitterung Glauben schenken so muss  Deutschland ein potzereiches Land sein. Trotz feinster Verzinkerei, war der Eintritt zum Glück an beiden Mundlöchern, auch mit etwas Speck um die Hüften, relativ trivial.

Grube Neuglück

Die Grube Neuglück ist wahrscheinlich bereits im Mittelalter aufgefahren worden. Letzte industrielle Prospektionen indes durften auf die Neuzeit um die 1960 datiert sein.

Grube Neuglück

Wie bekannt gabelt sich das Untertagewerk in einen mit Schutt verfüllten Stollen und einen mit Wasser gefüllten Stollen. Mit meinen Fischerstiefeln lässt sich die nasse Abzweigung gut abschreiten.

Grube Neuglück

Über ein kleines Loch am stark verfüllten Stollen erreicht man den Abbau.

Grube Neuglück

Im Innern der Abbauhalle liegt ein Hochstoss mit neuzeitlicher Bühne. Ohne Zweifel dies Bergwerk ist heute noch aktiv wenn doch ohne offizielle Konzessionsnehmer und Nehmerinnen. Der Hohlraumboden ist übersät mit Barytkristallen. Die Holzbühne ist für eher schlanke Strahler konzipiert als für Bergleut mit schwerem Gerät. Es sind reichlich unprofessionelle aufhauen am Erzgang auszumachen.

Grube Neuglück

Im oberen Abbau führte einst ein Schacht weiter welcher jedoch heute mit Geröll und Holz dicht ist. Das noch heute aus dem Versturzdeckel herausragende Zimmerungsholz lässt auf eine weitere grössere Abbauzone schliessen diese Zone indes bleibt heute sowohl über Tag wie unter Tag gänzlich verborgen.

Vorbeitrag:
Gottesehre

Weitere Fluoriter:

Brenden Part II
Bergbaueinsichten Brenden
Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen
Altbergbau vs. moderne Zeiten
Noch mehr Segalerbacher Fluoriter
Segalenbacher Flourite
Sankt Basiens Bleiglänzer und sonstige Fluoriter

Surminer Einblicke

am 22. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist wieder eine komplizierte Geschichte die auf gebührende Aufarbeitung wartet. Ob ich die Würdige bin um solch ein fernes Wirken auszuarbeiten sei, zugegeben, dahingestellt.  Trotzdem, ich will mich diesem Thema allmählich annähern und vorhandene Arbeiten zum besten geben.

Diese Geschichte handelt vom Fahlerz-Bergwerk Surmin und beginnt, da noch meine Erkenntnisse wenige sind, mit viel Bildmaterial und etwas Reisebeschrieb. Weiter bin ich am Zeichnen eines Grubenplanes welcher jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Ich war neulich, mit ein paar Bergbaufreunden, im Kupfervorkommen unterhalb Surmin. Es liegen einige Messdaten zum Surminer Bergwerk auf die ich in ein Planwerk einpappen sollte doch ohne Eigenvisualisierung ist solch ein Zeichnungswerk reine Spekulation also stieg ich in die gefährlichen Höhen des Bergbaus anno 1600.

Kupferbergwerk Surmin

Die Bergleute um die Jahre 1600 oder früher lebten gefährlich auf luftiger Höhe in der Felswand. Drei Gesenke erschlossen das Fahlerz-Vorkommen auf unterschiedlichen Niveaus. Punktuell sind Bohrlöcher auffindbar das gross der Stollen dürfte indes feuergesetzt oder schwerste Hebelarbeit sein.

Kupferbergwerk Surmin

Die Stollen, in Minimaldimension gehalten, winden sich wirr durch die kantige Felslandschaft.

Kupferbergwerk Surmin

Wahrscheinlich waren einst die 3 Gesenke zur optimalen Beförderung der Erze  miteinander verbunden. Fest steht, das Bergbauhandwerk  war auf dieser Baustelle nicht besonders ausgereift. Es sind kaum systematische Transportwege aufgefahren. Die Erschliessung ist auf ziemliches Minimum gehalten.

Kupferbergwerk Surmin

Zeitweilig wird’s richtig eng und richtig steinig. Zwar tat der Zahn der Zeit gehörig noch die Stollenwerke verengen doch in diesem Werk war gefährliche Kinderarbeit damaliger Alltag.

Kupferbergwerk Surmin

Holzeinbauten sind eher selten und nur an notwendigster Stelle improvisiert angebracht.

Kupferbergwerk Surmin

Manch Holz könnte lange nach der Bergbauperiode eingebaut sein. Im obersten Gesenk liegt ein enger Raum mit eingelassenen Nischen und ausgehauenem Trog. Die Szenerie wirkt auf mich wie eine liebevoll gestaltete Kultstätte welche über den Bergbau hinaus immer wieder Faszination oder gar Verwendung fand.

Kupferbergwerk Surmin

Der Blick aus dem Gesenk war, bei herrlichem Sonnenschein, trotz den Strapazen, kaum zu überbieten.

Kupferbergwerk Surmin

Am untersten Stolleneingang lehnt ein Steigbaum welcher jedoch, ohne Zweifel, aus Neuzeit gründet und keinerlei Bergmännische Bedeutung inne hat. Viel eher warens Neugierige die sich, improvisiert, den Zugang ins kleine Stollenwerk oberhalb ermöglichen wollten.

Kupferbergwerk Surmin

Indessen könnt der Deckel unterhalb des Steigbaumstolles durchaus aus der letzten Bergbauperiode stammen. Der Stollen mit dem Steigbaum ist der tiefst gelegene in der 3er Gruppe. Am Steigbaumstollen zweigt kurz nach Eingang  ein weiteres Gesenk an welchem, in einer Dachöffnung, der abgelichteten Holzdeckel eingebaut ist. Dem Steigbaumstollen könnte folglich eine transporttechnische Bedeutung zugekommen sein. Wahrscheinlich waren die Gesenke früher durchschlägig zum Steigbaumstollen.

Kupferbergwerk Surmin

Heute jedoch führt nur der Weg aussenrum, über die gefährliche Felswand, zu den oberen Gesenken. So richtig genau werden wir diese möglich Verknüpfung nach Fertigstellung des Plans beweisen können.

Kupferbergwerk Surmin

Ein vierter Fahlerz-Stollen liegt etwas abseits, knapp oberhalb der Bahnlinie Filisur Bergün. Auch dieser Stollen scheint hauptsächlich feuergesetzt zu sein. Allerlei rote Initialen an der Stollenwand zeugen von neuzeitlicher Verewigung deren tiefere Bedeutung jedoch entzieht sich meiner Kenntnis.

Kupferbergwerk Surmin

Die Übliche QGIS-Zeichnerei zeigt die Situation beider Gruben. Die untere ist nahe der RhB-Linie Filisur Bergün. Die oberen Stollen sind im Felsen, schwer erreichbar, auf knapp 1400 müm. Wahrscheinlich waren die Kupfererze in die damalig bereits vorhandenen Öfen von Belaluna, respektive damals Ballalüna, verhütet.

Kupferbergwerk Surmin

Meine Ansicht, der vermute Weg, in Giftgrün, um 1870 dies eindeutig lange nach der aktiven Bergbauepoche. Erwiesen ist dass die Bellalüna-Schmelzen, in etwas schlankerer Form, bereits um 1600 standen.

Alleweil wird der entstehende Plan, mit den Messdaten aus  Beat Heebs Vermessung, sicher noch einige Rätsel klären bis dahin verweile ich am Zeichnen respektive auf weiteren Bergbauabenteuern.

Brenden Part II

am 21. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ergo, die Fortsetzungsgeschichte zu Bergbaueinsichten Brenden

Zweifelsohne bliebt das Rätsel um den Fortlauf des neueren Schwerspatstollens, aus dem Fundus der Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH, lange im dunkeln und ich bin mir heute nimmer sicher ob wirklich letzte Klarheit übers dessen Ende besteht aber, die Neugierde war gross, und die Ausrüstung wird immer besser.

Darum, jene die sich nerven ab meinen Ergüssen oder, mich nicht einlochen können oder, irgendwas Stinkiges zu verbergen haben oder schlicht  Wasser aus der Mettma trinken, Back-Knopf benützen, hilft nicht nur gegen Durchfall.

Alle anderen freut Euch auf eine eher unwissenschaftliche Schwarzwälder Bergbaugeschichte mit viel sportlichen Elementen.

Genanntes Brenden, Thema einiger Forscher, prominentester an dieser Stelle Helge Stehen, denn ich gerne immer wieder zitiere. Nicht unweit des Ortes Brenden nahe des Bachs Mettma liegt ein markantes Abbaugebiet welches bis in die 1970er immer wieder, mehr oder minder gewinnbringend, bespielt wurde. Seit den, ich glaube 1973, tummeln sich nur noch Neugierige in den Stollen.

Brenden Schwerspatgrube

Der Parallelstolleneingang aus den 19. Jahrhundert ist noch immer Fahrbar und auch Mattis Auszugsleiter passte durch die enge Öffnung einzig speziell die darübergelegten Hölzer die so scheinen als wolle ein Zeitgenosse was unter dem Gehölz verbergen.

Brenden Schwerspatgrube

Auch diesmal wars Wasser, ab Meter 7, in allen Höhen allgegenwärtig. Die Watthosen taten besten Dienste.

Brenden Schwerspatgrube

Wo es trocken wird, wird’s Steinig wenn nicht gar Kriechig. Das System ist klar, das Erzband verläuft fast Senkrecht von Nord zu Süd. Ein Förderstollen mit 60er-Schiene unterquert die Firstabbauten.

Brenden Schwerspatgrube

Mittels Rollenschnauzen wurde der, Schwerspat in die Hunte gefüllt. Manche dieser Rollenschnauzen sind noch einigermassen ansehnlich der Grossteil jedoch  ist definitiv kaputt.

Unsere diesmalige Mission galt dem Stollenende zu diesem Zwecke war Watthose wie auch Auszugsteleskopleiter mit im Gepäck. Bekannt war uns dass der Wechsel zwischen Förderstrecke und Abbau, respektive das Umgekehrte, unumgänglich war zur weiterbefahrung. Die Leiter erwies sich zu diesem Zwecke sehr nützlich.

An der ersten Station kletterten wir, nahe dem Wetterschacht, in den Abbau. Vom Wetterschacht herunter, kappe 40 Meter durch den Abbauschlitz donnert Wasser in Zahlreicher Menge herunter. Die Tatsache das Wasser zu einer Deckenöffnung ca. 40 Meter ob uns, herausströmt wie auch der nahe herumliegende Tierfriedhof, lässt auf eine Tagöffnung schliessen. Unter der Hauptfontäne liegt ein etwas grauhaariger Dachs welcher allmählich in die Skeletform transformiert. An der nächstkommenden Rolllochöffnung wagten wir den Sprung ins nächste Biogewächs. Auch hier wieder einige Felltiere die aber nimmer so richtig zu erkennen waren. Einiges des Fellzeugs tümpelt im furchterregend stinkendem Wasser vor sich hin. Fliegen sind in dieser Zone definitiv die Hauptbewohner und das in die Meetma fliessende Wasser macht keinen gesundheitsfördernden Eindruck.

Brenden Schwerspatgrube

Mein Makrobegeisterterter Freund Matti versuchte ein Pilzgebilde abzulichten was ein Schwadron Kampffliegen mittels Zerstörung des Objekts erfolgreich zu unterbinden wusste.

Brenden Schwerspatgrube

Dazwischen auf unserer Reise eine Abbteufung unbekannter Tiefe. Auf dem Hinweg war ein tänzeln über die, sehr tief liegende, Pressluftleitung recht bequem machbar. Der Rückweg durch die, inzwischen rege getrübte Kloake, erwies sich indes als schwer zu meisternde Aufgabe.

Brenden Schwerspatgrube

Kein Ponyhof, der nächste, ziemlich dominierende Versturz, musste der Kante des Fahrtenkastens folgend, überwunden werden. Um weitere Meter zurückzulegen war eine Querung des Fahrtenkastens notwendig.

Brenden Schwerspatgrube

Im Innern der senkrechte Blick hinauf in wahrscheinlich einer weiteren Sohle die wir jedoch nicht erreichen konnten. Die nötigen Fahrten liegen leider, bis auf jene auf em Foto, zerbrochen am Boden.  Nichts desto trotz wirkte die Holzkonstruktion erstaunlich stabil.

Brenden Schwerspatgrube

Nach der erfolgreicher Überwindung des Hindernisses nochmals ein Blick zurück.

Im Weiterverlauf des Firstbaus wird’s allmählich hügelig. Es liegt ein hoher Schuttkegel im Weg welcher noch beklettert werden muss.

Brenden Schwerspatgrube

Oben angelangt nochmals die Sicht in Richtung Tag an den Fahrtenkasten welchen wir zuunterst durchquerten.

Brenden Schwerspatgrube

Aus einer Öffnung im Abbaudach guckt provokant ein Baumstamm hervor. Das Möbel ist, entgegen der Bildaussage, doch noch 5 Meter in greifbarer Ferne. Die Schwerspatlinie scheint auf em Niveau Grundstrecke kontinuierlich auszukeilen.

Brenden Schwerspatgrube

Bald ist nach Berg und Talfahrt der Hauptabbau langsam endig. Der Grundförderstollen könnte weiterführen man sieht an der Dachkannte etwas in die Tiefe doch weder Fluorit noch Baryt sind erkennbar.

Möglich dass die Hauptstecke noch um eine Zugskomposition weiterführt, möglich indes auch ein weiterverlauf der Grundstrecke in einen weiteren Abbau.

Fakt ist, entgegen unserer Empfindung, legten wir nur gerade etwa 500 bis 600 Stollenmeter zurück.  Die Position des Wetterschachtes ist Auftage bekannt.

Brenden Schwerspatgrube

Die Umsetzung im QGIS zeigt eine Stollenlänge bis Wetterschacht von  300 m bis 400 m. Die Dachse sind nur plusminus Vertikalflugbefähigt. Ergo gibt’s da wenig Abweichung im Nordsüd-Schachtverlauf.  Die Distanz zwischen dem Wetterschacht und dem Stollenende kann maximal 100 Meter betragen wobei ich auf weniger tendiere. Klar ist, am Ende öffnet eine zweite, gänzlich unbekannte Sohle ob ca 20 Meter Grundstrecke. Der Baumstamm welcher zur Öffnung herausschaut lässt auf ein grösseres Untertagewerk schliessen. Diese Sohle ist gegenwärtig, aktueller Wissensstand, nur über den Fahrtenkasten erreichbar.

Brenden Schwerspatgrube

Im Seigerriss, aus der Erinnerung gezeichnet, sieht der letzte Abschnitt wir folgt aus. Ob ein weiterer Abbau folgt, etzieht sich gegenwärtig meiner Kenntnis. Um dies herauszufinden müsste das Ende mit schwerem Gerät leergeräumt werden.

Fest steht, es gibt noch etliche Abbauten oberhalb aus verschiedenen Zeitepochen. Auch Helge Steen beschreibt, bei Vortriebsarbeiten um die 1970er, mehrmaliges Antreffen alten Mannes. Anderseits verliert sich der Schwerspat/Flussspat Gang am Ende des erkundeten Abbaus. Es ist denkbar das der erkundete Hauptstollen nur gerade 600 Meter Länge misst indes oberhalb weitere, verstürzte Gruben liegen. So genau werdens wirs, fürchte ich, nie wissen.

Meine Vorgeschichte
Bergbaueinsichten Brenden

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Ursera 2018

am 08. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

So genug Almeria, die Wintermonate werden kommen um weiterzumachen.

Nun jedoch ist das Wetter schön und die hiesigen Berge entfalten den gesamten, lockenden Charme. Ergo weils so schön war, und ich mich wieder hinauf traute,  Ursera, nochmals mit Bild und wenig Text.

Ursera

Wer die kleine Anhöhe eingangs Ferreratal erklimmt, ist allererst ob landschaftlicher Schönheit beeindruckt. Für mich jedesmal, dies Eck, ein Highlight. Und auch die noch gut erhaltenen Industriespuren lassen viel Einblicke in damalige, hauptsächlich um 1863 bis 1869 aktive, Kupfergewinnung zu. Am letzten Wochenende waren zahlreiche fleissige Hände am Erhalt und der Dokumentation der Anlage beschäftigt.

Ich war, offen gestanden, hauptsächlich als Touristin unterwegs und Stollen ein, Stollen aus unterwegs. Ergo darum hauptsächlich wieder mal Bilder und weniger Wissenschaftliches.

Ursera

Wer in den grössten Abbau übers Cantina-Stollenwerk einsteigen mag riskiert viel. Der Holzüberdeckte Schacht am Eingang zum Abbauschlitz ist mit Steinen reichlich übersät. Das Holzgerüst wird die Last nimmer lange tragen. Trotzdem, der Abbauschlitz, welcher 3 Stollensysteme miteinander verbindet, ist immer wieder eine Augenweide.

Ursera

Als letztes endete unsere Stollentour im System Bethlehem. Ein umfangreiches Werk an welchem noch heute Anschlüsse an ältere Untertageepochen zugänglich sind.

Ursera

Im Innern, an der Hauptstrecke, immer wieder  bizarr anmutende Abbauzonen.

Ursera

Zerbrechliche Spuntwände zeugen von der Vergänglichkeit menschlich geschaffener Bauwerke.

Ursera

Im Bethlehemsystem trafen wir die aktiven 3D Vermesser bei aufwendiger Scanarbeit.

Wir beschlossen die aufwändige Datenerhebung nicht weiter zu beeinträchtigen worauf wir uns in die alten Abbauten, wahrscheinlich Feuersetzzonen, verzogen.

Ursera

In dieser alten Haue ist nix mit stehen und auch das Durchkriechen wird, auf den spitzen Steinen, praktisch überall zur Tortur. Dieser alte Abbau wird unser 3D Scanner-Team kaum ablasern können, zu eng sind die Gesenke. Hier werden einzig unsere Distos helfen.

Darum an dieser Stelle kurz ein Plänchen um die Situation zu verdeutlichen.

Ursera

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Die Gelbe Zone ist eindeutig sehr alt und nie so richtig vermessen worden. Mein gelber Fleck ist eindeutig Annahme. Ich habs nicht in jedes Eck geschafft.  Der Rest des Plans ist aus Eschers Aufzeichnungen übernommen. Die orange Zone ist die obere Sohle mit Abstieg und violett steht für untere Strecke mit Abbauten. Wer, was, wie, wo und vor allem wann,  ist heute schwer zu rekonstruieren. Tatsache ist, der grösste Aufwand betrieb die britische „Val Sassam Mines Company“ um 1863 bis 1868.

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