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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Flachlandwochenende

am 17. Februar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die Tradition des gemeinsamen Flachland-Bergbau-Wochenendes hat sich definitiv, als feste Institution, irreversibel in den Kalender eingebrannt. Meinerseits gibt’s bereits 3 oder 4 Beiträge die dies legendäre Wochenende beschreiben also soll hier die 2019er-Ausgabe nicht fehlen.

Für mich gibt’s indes, in diesem Beitrag, mal vorerst viele Bilder die ich zum besten geben werde.

Der Freitag war ganz im Zeichen der Schrottkohlen auf Ennetbach

Ennetbach

Was braucht Frau mehr zum erfülltem Leben?

Viel Sonne, etwas Bündnerfleisch und Stollen in greifbarer Nähe reichen vollkommen.

Nach Verköstigung wollt ich indes doch noch etwas Weniges nach den verfallenen Stollen 1 und 2 suchen ehe meine Freunde zu mir stossen würden.

Ennetbach

Wie bereits im November 2011 festgestellt langen noch immer die alten Stollen des 19ten Jahrhunderts tief im Schutt. Indes sind die Spuren, denk ich, noch heute eindeutig. Nichts desto trotz, das Wetter war herrlich und das Brombeergestrüb  angenehm ausgedörrt, sprich optimale Bedingungen zur Stollensuche.

Ennetbach

Nach ausreichender Geländeerkundun und kleiner Siesta kreuzten meine Freunde auf und die nassen Stollenabenteuer konnten beginnen.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Alle jene die wissen wollen wies drüben der Zementröhre aussieht, ein illustres Wasserratengrübchen, mich mit eingeschlossen, wagte den Durchschlupf.

Auch wieder viel Wasser

Ennetbach

Und noch mehr Schlamm.

Und am Anschlusstag folgte die tolle Finstergrund-Exkursion. Ein Schwerspat, Flussspatbergwerk in Schwarzwälder Regionen.

Finstergrund

Diesmal bequem per Zug eingefahren.

Finstergrund

Zeitweilig waren einige UV-Lampen volle pulle im Einsatz.

Finstergrund

Wie üblich gabs jede Menge fotografische Sehenswürdigkeiten.

Finstergrund

Kurzum, ein gelungenes, wohlverdientes Wochenende.

Links
Enntbach die Erste
Ennetbach die Zweite
mein Vorbeitrag Finstergrund
und die Finstergrundwebseite

Heimische Schrottkohlen

am 03. Februar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein kleiner Abstecher in die hiesige Braunkohleförderung Anno 2. Weltkrieg und vorherige nationale Notlagen. Wir nennen das schmucke Eck im Sanktgaller Kanton, Echeltswil Ennetbach, also, wies der Name sagt, jenseits des Baches, genauer, jenseits des Brückenbaches. Das Braunkohlebergwerk indes liegt auf Echeltswiler Hangseite.

Braunkohlegrube Ennetbach

Die Stollen sind allesamt nahe dem Bach was zweifelsohne, zu allen Epochen, für schier unüberwindliche Entwässerungsprobleme sorgte. Ich war vor geschlagenen 7 Jahren-Plus, damals ein ziemliches Bergbaugreenhorn, in den verborgenen Anlagen.

Heute nun ist mein Wissen umfangreicher und die Sicht auf diese abenteuerliche Braukohlegrube eine ganz andere, hinzukommend sind einige Vermessungsplane bereits in meinen Fundus gewandert.  Mein Fokus soll, in dieser Geschichte, der Zeitepoche um den 2. Weltkrieg gelten als Kohle zunehmend knapp wurde und alte Berghauen aus letzter Krise wieder reaktiviert wurden.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Die Mundlöcher, im Bild die Nummer 3, erinnern doch eher an Nagelfluh-Naturhöhlen als an modernen Bergbau.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch Stolleneingang der 4. ist nicht minder Rustikal, erschwerend plätschert der Bach frischfröhlich ins Stollensystem.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das 5. und um 1942 das wichtige Fördermundloch, ist heute mit einer Zementröhre ausgebaut die der Entwässerung dienen sollte. Wasser indes kommt nur Weniges aus der verhältnismässig grossen Röhre heraus.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das Wasser staut sich stattdessen bis fast aufs Stollendach in der rund 300 Meter langen Hauptstrecke. Das Kohleflöz, selten über 3 cm dick, verläuft, Bild Links recht, 45 Grad fallend. Es ist in der Hauptstrecke, deutlich sichtbar, Braunkohle, äusserst minderer Qualität, ausgekratzt. Immer wieder sind Gesenke, unbekannter Tiefe, im klaren Wasser sichtbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch die Gegenseite in Richtung des alten Abbaus ist eher Nass ich Nass und ohne Schwimmbereitschaft, mag ironisch klingen, kaum Fahrbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Der Blick in den Grubenplan zeigt den Stand 1942 mit einigen Ergänzungen meinerseits. Die Auftageanlagen sind alle Rückgebaut. Das alte Bergwerk, aus 1896, ist heute nur noch mittels Schwimmen, über Stollen 3, zu erreichen. Stollen 1 und Stollen 2 sind verfallen. Die Gesenke sind, gemäss Originalplan aus 1942, alle mit Versatz aufgefüllt. Ein aktueller Plan (1990) von Peter Heierle gezeichnet, offenbart ganz andere, interessante Details. So sollen einige Gesenke zwar voll Wasser aber ohne Versatz offen liegen. Tatsache ist, im klaren Wasser sind einige Abteufungen gut zu erkennen.

Das dies Bergwerk sich der Arbeitskraft des nahegelegenen Armenhauses bediente, könnte durchaus plausibel erscheinen. Die Nähe des, heute verschwundenen, Bürgerasyls legt diese Vermutung nahe. Das Amt für Kriegswirtschaft (die Oberhoheit des Bergbaus zu jener Zeit) und die Fürsorge könnten zu solch Krisenjahren eine durchwegs funktionale Zweckvereinigung gebildet haben. Die äusserst prekären Arbeitsbedingungen im Ennetbacher Braunkohlewerk sind kaum vergleichbar mit grösseren Braunkohlebergwerken welche über gut bezahltes Personal verfügten. Armut gepaart mit etwas subtilen Zwang könnte die abenteuerliche, lebensbedrohliche Untertagearbeit ermöglicht haben

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

So findet sich am Gegenseite der  Hauptstrasse ein altes Relikt, das Waschhaus, welches meine Theorie bestätigen täte.

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

(Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo). 

Der Blick aufs Flugbild von 1944 zeigt, rechts im Bild die beiden Bauten wovon das Strassenseitig anliegende Gebäude, das eigentliche Bürgerasyl, heute nicht mehr steht.

Die Vorgeschichte Ennetbach vom 9. November 2011 Auf den Spuren nahe verborgenen Kohlen

Dippoldiswalde

am 26. Januar 2019 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Nun ja wer eine Reise tut……

Nochmals, Beziehungen sind äusserst hilfreich um Einblicke ins längst Vergangenes zu erhaschen. Nicht weit von Freiberg, rund 25 Kilometer westlich findet sich das kleine Städtchen Dippoldiswalde. Dieser Ort, damals in mitten eines kaum durchdringbaren Dschungels, erblühte im 12. Jahrhundert dank reicher Silbererze.

Die alten Bergwerke, heute auf Stadtgebiet, sind kaum dokumentiert und einzig dank bekannter Bergsanierung wieder auffindbar. Es folgte, die Jahre 2012 bis heute, eine umfangreiche archäologische Aufarbeitung. Ein solcher, alter Schachtabbau schlummert zwischen Glashütterstrasse und Reinholdhainerweg in einer knapper Tiefe von ca. 20 Metern.

Dippoldiswalde

Wie üblich wieder die Freitaler Bergbausicherungsfirma mit Dreibeinförderanlage auf dem Schacht.

Dippoldiswalde

Was anfänglich ein dicker, grosser, zeitgenössischer Arbeitsschacht ist,

Dippoldiswalde

verengt sich zunehmend auf die annähernde Original-Feuersetzdimension des 12. Jahrhunderts.

Dippoldiswalde

Ein noch belassener, vertikaler Abbauschlitz, zeitweilig kaum 20 cm breit, verdeutlicht die beschwerlichen Arbeitsbedingungen welche die Knappen, fürs wenige Silber, auf sich nehmen mussten. Kinderarbeit war zu jener Zeit die Regel in solch eher kleineren Gruben.

Dippoldiswalde

Zurück auf der modernen Bergsicherungsbaustelle tröpfelt überall Wasser von den Wänden. Die Befürchtung das tief im Wasser weitere Unterwelten ruhen, wird sich bald bestätigen.

Dippoldiswalde

Wasser plätschert über manch wunderschön feuergesetztes Mittelalterprofil.

Dippoldiswalde

In einer Seitenabzweigung findet sich ein Stollenkreuz welches anfänglich vorgibt rein Horizontal 4 verschieden lange Stollenwerke zu verknüpfen. Wehe jedoch es wage der / die Neugierige das kleine Abbauschlitzlein im Bildhintergrund zu erreichen. Das trübe Wässerchen weiss unerwartet, überraschende Tiefe eines Schachtes auf. Schlammgefüllt wird dieser Abwärtsgang zur äusserst unangenehmen Erfahrung.

Bei genauerer Betrachtung erscheinen, knapp oberhalb der Wasserlinie, Balkenlager einer früheren Holzbühne. Es besteht kein Zweifel, in dieser Weitung stand einst ein Haspelgestell.

Dippoldiswalde

Das Haspelgestell könnte in etwa denjenigen entsprechen welches gegenwärtig im Bergbaumuseum Dippoldiswalde steht.

Dippoldiswalde

Kleines Plänchen zur Verdeutlichung der  Gruben.

Im 12. Jahrhundert sind meist vertikale Schächte, dem Erzgang folgend, getrieben worden. Viele solcher Schächte mit anschliessender, rund 40 oder mehr Meter, langen Stollenseitenarmen, finden  sich auf Stadtgebiet. Einige dieser Anlagen sind bereits archäologisch ausgewertet und, zur Stabilisierung, mit Beton verfüllt. Mein besuchtes Exemplar ist leicht ausserhalb des Stadtzentrums, wobei wohlbemerkt, die erste Stadt um ca. 1100 an Flüsschen „Rote Weisseritz“ zu stehen kam. Im 12. Jahrhundert war die Gegend stark bewaldet und kaum durchdringbar. Erst ums 13. Jahrhundert entstand die heutige Stadt etwas erhaben, im Schutze des Hochwassers, auf einem Felsvorsprung.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Die romanische Nicolaikirche steht am ursprünglichem Stadt-Ort und wurde ums 1200 gebaut. Damals erlangte Dippoldiswalde, dank des Bergbaus, üppigen Reichtum.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Reichtum welcher sich auch in reich verzierten Grabesstätten artikulierte.

Der Bergbau indes verstand in den Jahren um 1400 fast gänzlich von der Bildfläche.

Stollen Dippoldiswalde

Zwar sind einige Stollen bis in die Neuzeit bekannt doch deren Bedeutung schwand, im Gegensatz zu Freiberg, aufkommendes 19. Jahrhundert.

Geolokation Dippoldiswalde

Freiberg noch mehr Sehenswürdigkeiten

am 25. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne, die Zeit schwimmt mir weg und irgendwann mal sollt ich ja auch wieder Geld verdienen. Trotzdem gibt’s in Freiberg immer noch schöne Sachen die ich schnell zum besten geben will.

Also mal kurzum en paar Bilder vom Besuch der Radstube des ehemaligen Pochwerks Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Aber erstmals das Fördergebäude mit dahinter liegendem Fördergerüst Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Wie ichs bereits von Gador kenne, unterhalb des Förderbaus, der Förderstollen welcher an den Schacht anknüpft,

Turmhofschacht

mit dem Klima entsprechender Eiszapfendekoration.

Aber nun mal die versprochenen Bilder der Radstube. Das Wasserrand mit 9 Meter durchmesser trieb einst die Pochstempel.

Radstube Turmhofschacht

Ansicht des Rads am Auflager

Radstube Turmhofschacht

und der Blick hinauf in Richtung Wasserrinne.

Radstube Turmhofschacht

Allerletzt an dieser Stelle, erst jetzt entdeckt, alte Bekannte aus städtischen Unterwelten,

Freiberg Ostwerke

Löfflerschacht, Stadtmauerschacht und Wiesenschacht sind doch irgendwie bereits im Vorbeitrag, mir übers QGIS gekrochen. Vielleicht packt mich wieder die Georeferenzierungslust, momentan lass ichs mal gut sein.

Die Geolokation in Topokarte

Freiberg

am 25. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wer etwas ambitionierter historische Bergbauforschung betreibt sollte minimum einmal des Lebens den Bergbauwahlfahrtsort Freiberg aufsuchen. Was für den gläubigen Moslem Mekka ist, ist für den Untertageforscher das Bergbau-Uni-Städtchen Freiberg. Freiberg ist, wie etliche Städte von zahlreichen Gängen unterhöhlt. Doch im Unterschied zu Rom oder Paris, waren dem Untergrund keineswegs nur vulgäre Baustoffe entlockt.  Freiberg baute auf Zinn, Silber und Blei und lies sich, gerne verbautes, sakralles Steinzeugs importieren.

Ich habe das Glück jemandem mit exzellenten Zugängen, in dieser schönen Stadt, zu kennen also nix wie hin den auch Luisa lebt nicht ewig.

Wie so oft auf Auslandpfaden hätt auch dieser Ausflug Platz in einigen Büchern. Da mein Wissen eher bescheiden ist und intensive Geschichtsaufarbeitung von Seiten einiger engagierter Freiberger bereits läuft, beschränke ich mich auf einen, eher rudimentären Befahrungsbericht des Familienschachtes unter dem „Untermarkt“.

An der Geschwister-Scholl-Strasse im Freiburger Dom-Viertel steht ein merkwürdig anmutendes Holztürmchen neueren Datums welches, mach Spaziergänger etwas verwundern mag.

Freiberg Familienschacht

Das kleine Holzhäuschen baute die Bergsicherung Freital GmbH, im Auftrag des Oberbergamt Saschen. Erst der innere, mir gewährte, Einblick offenbart deren genauere Bestimmung. Das Holzhaus umschliesst ein Fördergerüst mit dazu passenden Schacht. Der tonnlägige Schacht mit vertrauenserweckender Bezeichnung „Familienschacht“ führt ausgemauert 46 Meter in die Tiefe auf die erste Strecke des sogenannten „Jonas Spats“ ein Erzgang längeren Ausmasses. Das Schachtbauwerk in einer Schnittdimension von rund 4 x 2 Metern ist fast über die gesamte Falldistanz ausgemauert. Parallel zum Familienschacht liegt streckenweise ein zweiter Schacht welcher über Seitenstrecken, vom Hauptschacht aus, zu erreichen ist.

In der Tiefe – 46 Meter geschäftiges Treiben auf der oberen Sohle des Erzgangs.

Freiberg Familienschacht

Das umfangreiche Untertagewerk  wird gegenwärtig erkundet und Saniert womit ich, dank einer tollen Freundschaft, in dies, sonst kaum befahrene, System blicken durfte. Im Bild der Schachtboden mit Fördertonne auf dem 35 cm Spurweite-Hunt. Gemäss mir vorliegendem Plan sollt ein zweiter Schacht tonnlägig in Gegenrichtung eine noch tiefere Sohle erschliessen, doch zweiteres Bergmannswerk scheint ganz und gar nimmer Familientauglich. Der Wasserspiegel sitzt ziemlich nahe unter Holzboden, ergo, der tiefe Stollen ist abgesoffen. Ohnehin scheint Wasser in dieser Unterwelt allgegenwärtig, die Investition in eine 30m-Wasserdichte Kamera lohnte. Die Bergleute aus 18. Jahrhundert suchten dies Wasser mittels eingeschlagener Gequelle zu zähmen was mir eher wenig nützte.

Jonas Spat Freiberg

Neben der Schachtausmauerung, der Blick nach oben gerichtet, in den ausgeräumten Jonasspat. Bildmittig, trotz vernichtendem Blitzlicht, noch leicht zu erkennen, die Aussenseite der Schachtauskleidung.

Jonas Spat Freiberg

Und, nebenan, im ausgemauerten Familienschacht welchen wir zum Abstieg nutzten, auch die nach oben gerichtete Fotoperspektive, der Tonnlägige Schacht mit den Führungsbrettern für die Fördertonne. Hinter den Holzbrettern der Zuluftschlauch, zuständig für die Bewetterung der tiefen Grubenhauen.

Jonas Spat Freiberg

Knapp am Familienschacht zu, ein Relikt auf vergangener Tage welches Aufschluss über die frühere Bergbautätigkeit gewährt. Die, in die Stollenwand gehauene, Fund- und Gangtafel gibt Auskunft über den Gangnamen, das Jahr der Auffahrung und das Namenskürzel des amtlichen Vertreters. Ich entziffere ein 1786 auf der Gangtafel was, mit der, auf dem Grubenplan nahe markierten Jahreszahl 1790, plausibel erscheint.

Jonas Spat Freiberg

Leider ist der Fortlauf dieser Strecke bald von Metertiefen Seen durchkreuzt. Die Strecke folgt dem fast senkrecht stehenden Erzgang „Jonas Spat“ Nordwest und erreicht immer wieder bearbeitete Gangkreuzungen. Trotz Kanalhosen waren die tiefen Abteufungen in Richtung Bergakademie Freiberg unpassierbar.

Die Gegenseite, nicht minder interessant und bedeutend weiter fahrbar, diesmal auf  Südost-Kurs.

Jonas Spat Freiberg

Im Bild die trocknende Aufwältigungsstrecke, immer noch im Jonas-Spat-Erzgang. Die Bergleute der Bergsicherung verlegten Schienen wie auch den Zuluftschlauch tief ins Innere.

Jonas Spat Freiberg

Doch auch in diesem Bau artikuliert sich allmählich das ungeliebte Nass.

Jonas Spat Freiberg

Dies abfliessende Wässerchen, glücklicherweise lange, als harmloses Rinnsal, ermöglicht uns den Einblick in zunehmend flacher werdende Abbaugesenke. Zeitweilig ist ein Hineinkriechen in die Abbauspalten möglich aber eher beschwerlich.

Jonas Spat Freiberg

Das Wasser nimmt leider zu und der Stollen neigt sich, gefühlt, in die Tiefe. Leichter Dieselduft, ein Indiz für mögliche Verknüpfungen ins 20ste Jahrhundert, macht sich breit. Soweit ich glaube, erfolgte eine Kursänderung, die Abkehr vom Jonasspat, Richtung Nordost zum Wiesenschacht.

Da ich immer bedacht bin meinen Standort zu kennen ich jedoch, bei zunehmendem Alter, der Orientierung klage, bin ich froh um aufschlussreiche Grubenpläne die mir meiner Erinnerung und meinem Verständnis behilflich sind.

Solch einem machte ich Georeferenziert Digital in diverse Kartenwerke und wenn ich doch nur ganz wenig von Freiberg kenne so warens irgendwie immer 3 Punkte die ich übers Kartenmaterial wieder identifizieren konnte.

Erstmals interessiert mich die Gegenwart mit dem aufgelegten Grubenplan.

Freiberg im 2014

Der Gelb markierte Stollen ist unser befahrenes Werk. Der Einstieg führte, wie bereits erwähnt, über den Familienschacht in der Altstadt von Freiberg. Das rote Stollensystem liegt tiefer, wie tief entzieht sich meiner Kenntnis. Eindeutig, Rot ist masslos abgesoffen. Die hier dargestellten Stollen waren über 6 Tages-Schächte erschlossen wovon, heute, ich behaupte, keiner mehr zugänglich ist. Im Stollensystem selbst liegen weitere Blindschächte, unbekannter Tiefe und voll Wasser, mehr oder minder offen.

Indessen, soviel erscheint klar, haben sowohl Gelb wie auch Rot Verbindung zu anderen Gruben.

Freiberg Erzgänge

Eindrücklich wird dies ersichtlich auf obenstehender Grafik welche die Erzgangverläufe Raum Freiberg visualisiert. Die besuchten Erzgänge, Jonas und co, sind meinerseits Gelb-Rot koloriert.

Für mich als Geschichtsinteressierte Person sind die Vergangenheiten nicht minder spannend. Gutes Kartenmaterial gibt’s reichlich und QGIS, was ich langsam drauf habe, macht allerlei möglich.

Freiberg 1940

Mein erster Zeitmaschinenausflug führt mich ins Jahr 1940. Zu jener Zeit scheinen alle 6 Schachtkopfstandorte unverbaut. Einzig der Stadtgrabenschacht könnte, in Jahren der Hitlerdiktatur, unter der Strasse verschwunden sein. Ob der schmale Familienschacht damals offen war, ist eher anzuzweifeln. Die Geschwister-Schollstrasse, wenn doch 1940 eindeutig mit anderem Namen, könnte bereits in den 1940ern mit Pflastersteinen, wie im aktuellen Google Bild sichtbar, belegt gewesen sein. Auf dem Googlebild ist weit und breit kein Familienschacht-Einstieg in Sicht. So dürfte die Strasse Plus-Minus auch 1940 ausgesehen haben.

Freiberg 1600

Noch vor Zeiten des Familienschachtes geschweige den des Bergwerkes unter der Stadt, im 1600, sind alle Positionen der Schächte auch so, unverbaut. Das Wasser im nördlichen Stadtgraben indes musste eindeutig weichenansonsten wär der Stollen richtig rapide vollgelaufen. Meine visuelle Verlängerung des Jonas-Spats führt geradewegs ins Schachthäuschen Südost, ausserhalb der Stadtmauern. Diese Positionen sind, wahrscheinlich die längst betriebenen Bergwerke in Freiberg. Nochmals  

Allerletzt hier an dieser Stelle will ich die wahrscheinlich interessanteste Kartenprojektion, dem neugierigem Leser / Leserin nicht vorenthalten.

Die Karte nennt sich Berliner Meilenblätter von Friedrich Ludwig Aster und denkt die Zeitepoche 1781 bis 1810 also genau jene Zeitepoche in welche die gefundene Gangtafel fällt.

Freiberg 1800

Doch deren Ansicht offenbart mein versagen um rund 100 Meter an Stollenendausdehnung. Zwar stimmt mein Familienschacht haar genau und auch die Ostseite macht soweit Sinn doch mein Westlichster Schacht liegt 100 Meter daneben.

Detail 1800 Freiberg

In der Detailansich nochmals ersichtlich, der Familienschacht mit zu gehörigem Häuschen stimmt und ist auch auf den Meilenblättern drauf. Der Tagesschacht vom Priesterlichem Glückwunsch indes auf meiner Grubenplanzeichnung rund 100 Meter Nordwestlich vom Häuschen mit Flurnamen „Der Priesterliche Glückwunsch“.

Erkenntnis A) ich mach Fehler

Erkenntnis B) das Bergwerk existierte, als die Berliner Meilenblätter aufgenommen wurden, zwischen 1781 bis 1810 unter dem Namen „Der Priesterliche Glückwunsch“. Auch so erscheint auf der historischen Karte die Einhausung des Familienschachtes.

Kurzum, die kleinen QGIS Fingerübungen machten Spass und die Befahrung noch viel mehr.

Die Sachsen-WMSer sind auch richtig was Geiles.

Und allerletzt,  mein markantes Georeferenzierbollwerk und der Blick aus em Hotelzimmer darf an dieser Stelle keineswegs fehlen.

Donatturm Freiberg

Der Donatsturm so wie er steht und dies, so wies aussieht, seit über 419 Jahren, was sehr hilfreich war.

Und die Links:

Geoportal Sachsen, ist richtig was Gutes http://www.landesvermessung.sachsen.de

St Blasien Reviere noch Eine

am 13. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten, Ungelistet abgelegt

Es gibt kaum was schöneres als verschneite Wintertage obschon die Bergbauforschung in winterlicher Pracht zu versaufen droht. Zweifelsohne viel Schnee hilft der abenteuerlichen Stollensuche nicht wirklich trotzdem gabs eine kleine Bildergeschichte auf Klösterlichen Territorien.

Man kann nicht immer in warmer Stube alten Stollenbauten nachstehen und die Tage waren prädestiniert zu weiteren Entdeckungen. Dass wir den Schnee sichtlich unterschätzten tat einem schönen Ausflug keineswegs Abbruch. Da uns noch offene Geheimnisse nördlich der Gruben Gottesehre plagten, war der kleine Schneewanderausflug fast schon perfekt.

Sankt Blasien Reviere

Unsere Reise führte uns in südliche St Blasien-Reviere, Bergbau welcher schwergewichtig seinen Ursprung im spätem Mittelalter des klösterlichen Betriebs, hatte.

Der unterhalb Urberg gelegene, markante Erzgang war uns bereits bekannt wie die eigene Rucksacktasche. Geschichten zu diesen Fluoritvorkommen stehen auf „Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter“ respektive auf „Gottesehre“ doch die oberhalb gelegenen Gruben waren bis anhin gänzlich unbekannt. Da der Erzgang markant immer wieder aufgebrochen wurde, finden sich die Hauen, auch bei reichlich Schnee, erstaunlich fix.

Wetterschacht Gottesehre

Unterhalb Vogelsang, wo bis ins Jahr 1984 der Wetterschacht Gottesehren stand, startet heute ein Bergbaulehrpfand mit Infotafeln zum Thema. Denen Tafeln konnte ich den Verbleibt des mächtigen Bewetterungsschlitzes entlocken. So solle dies eindrucksvolle Belüftungssystem, nach Grubenstilllegung, mit Beton verfüllt worden sein. Unter solch Schneemassen wars uns ganz und gar nicht nach kräftiger Bestampfung des Schachtdeckels.

Erzgang Gottesehre

Auch die weiteren Erzgangaufhauen zeigten wenig relevante Details.

Leopoldstollen

Am gegenende des Berges im Steinbächletal indes eindeutig der erste wirklich interessante Bergbaufund, dieser jedoch mit Stahltür gut verriegelt. Die Türe schliesst eine Trinkwassersammelstelle die im Leopoldstollen verweilt, was uns zur Abkehr bewegte.

Nicht weit fern, auch noch in greifbarer Nähe zum Kloster, liegt ein weiteres, äusserst Spannendes Bergbaurelikt vergangener Tage. Genannt die Nickelgrube Friedrich August ob dem Klosterweiher. Ob der Weiher zum Sankt Blasien Kloster gehörte entzieht sich meiner Kenntnis, Tatsache ist, im Spätmittelalter gehörte so ziemlich alles den Sankt Blasien-Mönchen.  Das Nickelbergwerk indes ist erst ab 1800, als Teil eines weltlich geführten Vitriolwerkes, bekannt.

Friedrich August Grube

Nicht unweit des Weihers steht ein Bachsteinbau mit klaren Bergbauambitionen.

Friedrich August Grube

Und auch innerhalb des, halb abgebrannten, Gebäudes sind die Bergbauspuren offensichtlich. Mittig im Bildhintergrund öffnet ein Mundloch seine Pforten. Doch die Hoffnung einer ausgedehnten Befahrung  scheitert am Kegel eines ziemlich üblen Versturzes.

Friedrich August Grube

Zwar liesse sich der Versturz oberirdisch überbrücken doch das gestaute Stollenwasser ist nicht Weniges und füllend bis aufs Dach. Dies Werk muss eindeutig auf trockene Tage warten also suchten wir die oberen Bereiche der Friedrich August Grube.

Friedrich August Grube

Die oberen Etagen des, noch auffindbaren, Nickelbergwerks bestehen aus einem, abgesperrtem Tagebauschlitz und einem Familienausflugsplatz mit ausführlicher Infotafel zum früheren Bergbau. Zu endeckende Stollen fanden wir leider keine.

Friedrich August Grube

Indessen gibt’s ein sogenanntes Spielbergwerk mit kurzem Stollen und Grubenhunt vor dem Mundloch.

Friedrich August Grube

Was so in aller Öffentlichkeit, wenn doch gestern ziemlich verweist, dürfte uns eher weniger interessieren.  Was die Neugierde weckt sind die paar Kilometer Stollenbauten die wir leider nicht befahren konnten. Am Infopoint war ein prächtiger Grubenplan welcher ich rudimentär im QGIS georeferenzierte um mich auf die Vorfreude einzustimmen.

Friedrich August Grube

Etliche Stollen und Schächte durchziehen das Gebiet des Spielplatzes. Der alles verknüpfende unterste Stollen ist offen doch leider ziemlich voll Wasser. Da in Deutschland die Erkundung alter Bergwerke als schwerstes Kapitalverbrechen geahndet wird, lass ich weitere Details zum gestrigen Ausflug eher bleiben.    

Die Grube besteht, entgegen den meisten Hauen in näherer Umgebung, erst seit 1800 und förderte anfänglich Schwefelkies zur Herstellung von Schwefelsäure. Der hohe Nickelgehalt wurde im Jahre 1847 von Friedrich August Walchner, welcher der Grube den Namen gab, entdeckt. Fortan förderten die Stollen Nickelerz welches in Sankt Blasien verhüttet wurde. Während den Weltkriegen funktionierte die Grube hauptsächlich als Spekulationsobjekt der nach Nickel gierenden Kriegsindustrie.

Kilometerlange Stollen entstanden nennenswerte neue Vorkommen aufzufahren.

Vorgeschichten im Sankt Blasien Gebiet
Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter
Gottesehre

Und weitere Schwarzwaldgeschichten
Brenden Part II
Bergbaueinsichten Brenden
Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen
Altbergbau vs. moderne Zeiten
Noch mehr Segalerbacher Fluoriter
Segalenbacher Flourite
Sankt Basiens Bleiglänzer und sonstige Fluoriter

Saint-Sulpices Zementer und weitere Pilze

am 26. Dezember 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Das Val de Travers hat viel zu bieten und wer Hochentzündliches sucht wird sowohl beim Absinth wie auch beim Bitumen fündig, Zweiteres, zugegeben, doch nicht besonders Hochentzündlich, findest die neugierige Bergbauforscherin tief im Boden.

Doch  die Tage sind gezählt an denen, über Privatgeländer, ins Tief des Val de Travers eingefahren werden kann. Der 24. Dezember ist ideal zu solch Unternehmung und so war den dieser 24ste auch wieder ein Bergbautrip der eher grösseren Art realisiert.

Diesmal wars ein kleines Seiteneck des Val de Travers wo sich Stollensymbole auf dem Geologischen Atlas laut und deutlich artikulierten.

Das kleine Örtchen heisst Saint-Sulpice und solle zwischen 1879 und 1945 ein grosses Zementwerk beherbergt haben. Dieses Zementwerk nutze ein grosses Untertagekalkbergwerk zur Produktion.

Das Mundloch ist bereits auf dem Luftbild als effizient eingezäuntes Gebiet erkennbar, also nix wie hin.

Tatsächlich steht ein mühsamer Zaun und immer wieder Stacheldraht im Wege doch der Einstieg erforderte keinerlei Gewaltanwendung, etwas Baucheinziehen reichte und die Hürden waren überwunden.

Eingangs grosser Strecke steht einer Gedenkstätte unter drohender Warntafel die uns wieder die Gefahren des Alt-Bergbaus vor Augen führt.

Mine Saint-Sulpice

Ohne Zweifel wird hier, anhand des Textes ableitbar, an eine verstorbene Person erinnert. Die aufgestellten Artefakte könnten zu einem jungen Menschen mit Affinitäten fürs Fantasythema passen. Das gar diese Person im Bergwerk tödlich verunfallte scheint auch durchwegs plausibel.

Rund einen Meter des Gedenkplatzes entfernt warnt eine Tafel, in sehr grossen Lettern, vor, Steinschlag, Sauerstoffmangel und Orientierungsverlust. Alle drei Gefahren können eindeutig zutreffen wovon die gemessene Luft bei unserer Befahrung überall sichere Werte anzeigte. Indessen ist das Bergwerk von sehr grosser Liga und das Stollensystem, insbesondere in den alten Abbauten, äusserst unübersichtlich und Steinschlaggefährlich.

Der Betonierte Hauptstollen zieht sich einige 100 Meter in die Länge bis endlich zerklüftetes Bergbaufeeling aufkommt. Zwar gibt’s ziemlich anfangs der Hauptstrecke ein alter Abbau mit Stollenbahnschienenresten doch dieser Abbau war schnell erkundet und an Stelle wo es potentiell intersannt wurde, gnadenlos verstürzt.

Im zerklüfteten Stollensteil begegnet uns ein gut gebauter Bewohner. Ein Fuchs, ein sehr grosses Exemplar, scheint deutlich mehr Furcht zu haben als meine eher scheue Person. Ich versuch noch dies prächtige Tier abzulichten doch ohne Erfolg er weiss sich gut zu verbergen. Letztlich flüchtet der Fuchs ins Berginnere.

Mine Saint-Sulpice

Nach deutlichen Metern kreuzt unser Weg ein, in einer Wand eingebautes, Gebläse. Fest steht, wir beschritten eine zuletzt als Wetterstollen genutzte Strecke. Im Innern öffnet sich eine komplett neue Welt.

Zurückgelassene Landmaschinen, Kunststoffharasse und Spritzbetonauskleidung wir, mein Begleiter Matti und ich, befanden uns offensichtlich einer ehemaligen Champignon-Zucht.

Mine Saint-Sulpice

Traktore, stehen zwei in den Stollen und auch sonstwie Landwirtschaftsgerätschaften stehen einige rum.

Mine Saint-Sulpice

Teilweise hängen noch alte Leuchtstofflampen an Drähten. Die Stollen sind in diesem Sektor grösstenteils mit Spritzbeton ausgekleidet und oft ragen noch die Zuchttischstützen aus den Stollenwänden. Der Champignon-Sektor erstreckt sich über einige Kilometer.

Mine Saint-Sulpice

In tiefen Sohlen war Wasser ein, so wies aussieht, oft ärgerliches Problem. Einige Pumpen rosten vor sich her und ins Tief steht noch eine improvisierte Brücke. Das System verfügt über eine zweite Sohle die kaum bemerkbar unter die obere Sohle rutscht.

Mine Saint-Sulpice

Am Ende eines  dieser Stollen öffnet ein Schacht welcher wieder ins obere Stockwerk führt und mein Orientierungsdefizit wieder korrigiert.

Mine Saint-Sulpice

Kleine Abbau-Gesenke erinnern wieder an den Ursprung dieser Untertageanlage, namentlich des Abbaus von Kalk fürs damalige Zementwerk.

Wieder auf einer Pneu-Hauptstrecke, diesmal auf der Parallelstrecke Richtung Tag, sind auch wieder lange ausbetonierte Tunnelabschnitte durch den Berg getrieben. Geglaubt nahe Tag, wir wissens nicht so genau, erreichen wir ein unüberwindbares Versturzhindernis welches somit das Zweitmundloch weiterhin verbirgt.

Mine Saint-Sulpice

Kurz davor ein Wasserreservoir mit kleiner Öffnung obendurch. Eine Öffnung die spannende  Einblicke in den Kalkbergbau der ersten Stunde gewährte.

Mine Saint-Sulpice

Riesige Hallen, unterbrochen von meterhohen Versturzkegeln, prägen in dieser Zone Altbergbau das Bild. Klar ist nun, die betonierten Stollenabschnitte sind Teils in alte Stollen gepasst. Zeitweilig ist der Spaziergang auf der betonierten Stollendecke problemlos möglich.

Mine Saint-Sulpice

Ein heimtückisches Wirrwarr an Seitenstrecken macht jede Orientierung zunichte. Die Kunst des Auffindens der kleinen Öffnung ins neuere Pneufahrzeug-System war somit eher zufällig.

Mine Saint-Sulpice

In den hinteren Zonen liegt viel Wasser auch schmecken wir auf einigen Versturzhaufen den penetranten Duft ausgelaufenen Diesels. Die Zone ist, darin besteht kein Zweifel, a) sehr alt b) äusserst selten besucht.

Ich war überaus erfreut als wir den Durchschlupf ins neuere Werk, übers Wasserbecken, wieder fanden.

Mine Saint-Sulpice

Eine rudimentäre Handzeichnung aus dem Kopf heraus solle Helfen dies wirre Bergwerk zu begreifen.

Mine Saint-Sulpice

Hier nochmal das Ganze als Luftbild. Ich hab nichts ausgemessen, zwar haben wir irgendwo nen Messpunkt 1.0, welcher ein Indix fürs Pokettopo der HöFos ist, gefunden doch ein Plan kenn ich keinen. Einzig zwei Markierungen an der Wand die ein Hinweis aufs oberhalb liegende CFF-Trasse beinhalteten, eine Doline und die zwei Mundlochpositionen, wovon eines offen ist, halfen zum Bauen der QGIS-Zeichnung.

Der eigentliche Altbergbau, in zwei Bereiche unterteilt, West und Ost, liegt nahe Tag im Süden, die neueren Pneufahrzeugbau-Stollen, die zuletzt als Champignon-Zucht dienten, sind tief im Berg nördlich zu finden.  Mundlöcher vermute ich 2 wovon das östliche offen ist. Die Weststrecke ist ziemlich bald eingestürzt. Die Stollenlängen sind äusserst zurückhaltend gezeichnet. Wir waren 5 Stunden unter Tage und dies fast immer in Bewegung.

Mine Saint-Sulpice

Am Mundloch West, wo die Gedenkstätte steht, liegt ein vergittertes Nebenmundloch welches, ich vermute, einst ein Förderbandzugang ins Zementwerk war. Später wurde dieser Transportgang als Wetterstrecke für die Pilzzucht verwendet.

Mine Saint-Sulpice

Die Doline welche, da bin ich mir ziemlich sicher, dank des Ostabbaus entstanden ist, beherbergt eine Reihe interessanter Artefakte altertümlicher Konsumgüter. So liegt ein halbes Auto, geschätzte Modeepoche um 1950, und auch die Fässer sind eher älterem Baujahrs.

Trotz des Val de Travers ist uns nicht ein bisschen Bitumen begegnet. In den Stollen soviel stett fest war einzig Kalk und Champignons gefördert worden.

Zwischen 1879  und 1945 förderte das Zementwerk Portland St. Sulpice Kalk in verschiedenen Gruben.  

Nach Aufgabe des Zementwerks 1945 folge die Champignonzucht zuletzt von „Champignons Ducommun St-Sulpice SA“ betrieben.

2002 meldete die genannte Gesellschaft Konkurs welcher im 2004 abschloss. Der Einsturz des Mundlochs dürfte kurz nach Konkursabschluss erfolgt sein.

Im noch fahrbaren Hauptstollen haben wir Pferdespuren gefunden. Es bleibt indes ein Rätsel was die Pferde im Stollen sollten. Sicher ist, Traktore und sonstige Grössere Gerätschaften bleiben im Berg, durch den noch offenen Stollen sind die Teile nicht transportierbar.

Die Aussenanlagen, das Aussenareal ist Privat und dient Teils aus Weidewiese teils, ich vermute, als illegaler Entsorgungshof. Es stehen einige zerstückelte Autos rum auch steht, nahe den alten Lagerhallen, ein mächtiger, selbstgebastelter Müllverbrennungsofen.

Vorgeschichte Val de Travers vom 25.12.2016 Heimische Erdöle

Flüela

am 30. Oktober 2018 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Oder, wo mal einst aus allen Rohren geballert hätte werden sollen.

Kleine Bilderserie einer Passfahrt auf em Weg ins Buffalorageheimnis mit Zwischenhalt in sonstigen Militärgeheimnissen.

Flüelapass

Wie nur selten waren dieser Herbsttage von kaum zu übertreffender Schönheit.

Flüelapass

Die Reise führte uns, Christina und mich, erstmals ins Flüela-Hospiz zu feinem Rehschnitzel was sich leider als doch nicht so lecker erwies. Wie oft geschmeckt, wird feinstes Wild in minder feiner Gastro-Packungs-Sauce ertränkt. Dafür kompensierten die starken Herbstfarben in naher Parkplatzumgebung.

Chant Sura

Wenige Meter unterhalb des Passes eine, noch friedliche Alpwiese, die zu Verweilen einladete.

Chant Sura

Noch eins weils so schön war.

Ich glaubte auf erster MG-Stellung zu stehen was sich, bei zweiter Sichtung meines Untergrundes, als Irrtum erwies.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Wieder was Weniges tiefer tauchen die ersten Sperrstellen im Berg auf.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Die Neugierde war gross und ich wollte den Einstieg wagen. Leider jedoch war der Zugang zur Doppel-MG-Stellung mit KESO-Zylinder gut verriegelt. Zwar lag Aufbohrzeugs im nahe geparktem Auto doch ich wollte mich dieser Tage von meiner beherrschten Seite zeigen. Vielleicht sollte die eigentliche Stellung oder ein Notausstieg noch offen sein.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Leider weit gefehlt, die erste erreichte MG-Stellung war mit Quadern vermauert

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

und auch zweiter MG-Stand verweigerte Einlass.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

So musste ich mich mit der Erkundung des möglichen Sprengobjektes, der Brücke begnügen.

Chant sura

Wahrscheinlich als Truppenunterkunft könnte das Gebäude am Strassenrand gedieht haben.

Chant Sura Sperrstelle

In der Kartensituation ist die nördliche MG Stellung meinerseits eindeutig erkundet. Die südlichen Stände sind indes meinerseits einzig Annahme wobei ich, anhand des Wegverlaufes, wahrscheinlich gar nicht so falsch liegen dürfte.

Zu meiner Wehranlage gibt’s auf der Festungs-Oberland-Seite weitere, aufschlussreiche Informationen unter: Sperre 1249 Flüela-Pass GR

Buffalora Ergänzendes

am 28. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nach einigen QGIS-Schiebereien und weiteren Austausch mit beteiligten Mitforschern sind mir nun die Stollennamen des Produktiven Bergwerks bekannt. Auch tretten immer wieder neue spannende Funde die einer Geschichte würdig sind. Klar, im Munt Buffalora liegt ungeahnt viel Geschichte drin. Wenige Industrieanlagen aus der Zeit zwischen 1100 und 1600 sind in solch ursprünglichem Zustand erhalten geblieben.

Stollen Buffalora

Soviel steht fest, es gibt minimum ein produktives Bergwerk welches Eisenerz förderte und eine Vielzahl von Suchstollen wovon der grösste Teil keine nennenswerte Erze zu Tage förderte. Wenige Suchstollen trotzten dem Zahn der Zeit noch bis heut oder sie waren nicht überliefert wieder aufgewältigt worden. Fest steht, von den rund 80 Stollen die Daniel Schläpfer in seiner  Disertationsarbeit erkannt haben will, sind 2 bis 3 offen geblieben oder undokumentiert wieder geöffnet der Rest lang oder liegt noch tief im Schutt.

Die Ersten Bergmännischen Erfolge traten auf Tage am „Crap Gotschna“ dem roten Stein bei 2507 müm auf. Dieser Rote Stein ist ein Eisenerzhaltige Felsblock welcher noch heute gut erkennbar auf Luftbildern wiederzufinden ist. Ab Crap Gotschna begann ein aktiver, immer mehr Untertage-wirkender, Bergbau welcher dem Erzgang unter Crap Gotschna folgte. Crap Gotschna, wissen wir heute, ist der Erzausbiss eines Ganges welcher in Nordrichtung steil fällt.

Halden Buffalora

Über einige Jahrhunderte sind, mit Unterbrüchen, etliche Stollen entstanden welche den Erzgang unterfuhren und somit die Transportlogistik zunehmend verbesserten. Das produktive Bergwerk welcher sich unter den roten Stein grub dürfte rund 10 Hauptförderstollen umfasst haben.  Bekannt sind heute deren 4. Die unteren 2 nennen sich „Sonch Michael I und II“ die oberen sind die genannten „Sonch Rafael I und II“ beide Stollennamen basieren auf neuzeitliche 21. Jahrhundert Namensgebung. Die unteren Halden im Bild könnten zu „Sonch Rafael“ gehören. An den Halden indes sind keine Mundlöcher mehr offen.

Bis Sonch Michael I könnte der Erzgang geführt haben. Sonch Michael I ist in kurzen Abschnitten Fahrbar doch an keiner Stelle sind Anzeichen einer Abteufung sichtbar. Alle tieferen Stollenbauten waren wahrscheinlich gut gebluffte Bauernfängerei denn, das Eisenfieber grassierte in damaliger Bergbau und Händlersiendlung  Buffalora und etliche Abenteurer versuchten sich im Eisenschürfen. Währenddessen, so berichtet „CAMPELL“ um 1571, das ansässige Wirtepaar im Dorfe Buffalora sich der Dieberei und des Raubtums betätigte.

Halden Buffalora

Wer den Blick in die untenstehenden Bergwerksanlagen schweifen lässt wird, mit bescheidener Phantasie, unsäglicher Arbeits- und Materialaufwand anno 1560 wiedererkennen und dies ohne erkennbares Resultat. Manche der heute aufgewältigten Stollen, etwa „Scheraweg I“ messen über 200 Meter Länge ohne den Hauch eines Erzkrümelchens.  Der Erzgang, so kann ichs heute zurückverfolgen, wäre wenn überhaupt,  erst ab einer Stollentiefe von rund 400 Meter auffindbar. Die 400 Stollenmeter ohne Gewinn hätte auch damals jede Gesellschaft in den Ruin getrieben. So muss sich auf Buffalora ein illustres Grüpplein schlauer Händler, rauer Bergleut und diebischer Leut zusammengefunden haben. Der 3 Länderknoten, Bormio, Sta. Maria, Zernez war aber zweifelsohne auch Handwerkskunstdrehscheibe und vermutlich Testgelände moderner ferner Bergbau und Hüttenkunst.

Während vermutlich die Pächter der rund 40 unteren Stollenbauten sämtliche Investitionen in den Schutt setzten rollten die Erzgefüllten Hunte auf den oberen Anlagen.  Der heutige Einstieg ins produktive Bergwerk erfolgt über, einen Schacht Baujahr 2017, welcher die Nebenstrecke „Sonch Rafael I“  anschneidet.

Sonch Rafael I

Sonch Rafael I ist mit Holzlauf-Schienen für Mitteldornhunte ausgestattet, soweit nichts aussergewöhnliches, den alle grösseren Strecken sind mit diesem System ausgebaut. Einzig,  unser Einstiegs Sonch Rafael I fährt keine Erzlager an.

Alter Mann Sonch Rafael I

In Sonch Rafael  I führt ein Nebenstollen, ohne Erkennbaren Grund, durchs taube Gestein wieder Richtung Norden. Der Stollen ist gekennzeichnet mit Andreaskreuz, welches in Bergmannssymbolik auf die Gefahren des alten Mannes aufmerksam macht. Wie üblich im Mittelalterbergbau, folgt auch Sonch Rafael I grösstenteils einer weichen Verwerfung. Einzig der Seitenstollen, wie auch gegen Ende des Hauptstollens, ist ins Harte Gestein gearbeitet worden. Unser Sonch Rafael I endigt an harter Felsfront in eine Schachtanlage die auf die Förderstrecke Sonch Michael II knüpft.

Der Einstiegs- Sonch Rafael I kennt keinerlei, respektive nur sehr bescheidene Erzzeichen, die Erzfelder öffnen sich ab Laufmeter 100 an Aufwärts. Sonch Rafael I bis Schachtanlage erreicht die 100 Meter nicht. Im Innern des Bergwerk indes wird eine klare Struktur symmetrisch angeordneter Förderstollen ersichtlich.  Es gibt’s also, tief im Berginnern, eine zweite Sonch Rafael I Strecke die über einen separaten Zugang verfügte.

Es gibt’s somit ein Sonch Rafael I welcher uns als Zustieg dient und ein Sonch Rafael I welcher damals den Bergleuten als Transportstrecke diente.

Ich glaube der Sonch Rafael I wie wir in kennen hätte die Transportstrecke Sonch Rafael I anfahren sollen. Wir wissen nicht wie die Sonch Rafael I-Transportstrecke erschlossen war. Es könnte sein das der Aushub mühsam mittels Schacht ans Tageslicht gezogen wurde. Das Bergwerk zeigt eindeutige Zeichen periodischer Modernisierungsarbeiten. Der Transport war bei Stollenlängen um die 500 Meter richtig en Problem. Steigungen mit prall gefüllten Grubenhunten schmälerten den Gewinn eines Bergbaubetriebs teils massiv. Immer wieder treffen wir Rolllöcher und Abwurfbrücken die auf eine gewollte effiziente Transportlogistik hinweisen.

Unser Sonch Rafael I, so meine Theorie, hätte auf den Transportstollen Sonch Rafael I treffen sollen doch auf dem Weg dorthin machte sich hartes Gestein breit. Währenddessen entsteht, eine ebene Tiefer, heutiger Sonch Michael II. Die Schachtverbindung zwischen Sonch Rafael I und  Sonch Michael II sollte als Feuersetzkamin amten um Sonch Michael II wie auch eventuell Sonch Rafael I mit Feuersetztechnik Vorzutreiben. Heute ist Sonch Michael II eine, zwar zeitweilig verstürzte aber eindeutig leicht fallende Förderstrecke mit klar erkennbarer Halde.

Und auch die nächsttiefere Strecke war, soweit wir dies beurteilen können, durchgehend leicht fallend ohne Schacht Tageführend.

Die höchste uns bekannte Strecke des Werkes ist Sonch Rafael II indes, eindeutig erkennbar, weitere Strecken oberhalb.

Klar ist, Sonch Rafael I unser Zustiegsstollen endet genau an der Schachtanlage. Das Vorhaben diesen weiterzutreiben mit Hilfe des Mürbemachenden Feuers wurde nie realisiert.

Plan Minieras da Fiern

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Bestückt mit aktuellen Angaben lässt sich die Grubenstruktur, auch ohne Umfangreiche Vermessung, rudimentär recht gut zurückverfolgen. Die 4 Abbaufelder scheinen plausibel und auch die 4 Tageführenden Strecken sind einleuchtend. Sonch Rafael I bleibt unterteilt in Förderstrecke und vermutet Feuersetzstrecke.

Plan Minieras da Fiern

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Im Luftbild die erkennbaren Halden mit dazugehörigen Stollenwerken.

Plan Minieras da Fiern

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Auch die Schnittzeichnung darf sich einiger Anpassungen erfreuen. Neu sind die Namen klar und auch das Konstrukt der zwei Sonch Rafael I-Strecken erscheint mir plausibler den je.

Und abschliessend Buffalora wird, so fürchte ich, noch viele Geschichten beinhalten.

Die Vorgeschichten:
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Buffalora Part II

am 21. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es könnt nicht anders sein, dies Eisen-Bergwerk, genanntes Minieras da Fiern, birgt viel Suchtpotential. Insbesondere das Forscherherz findet viele Kulturhistorische Schätze die, noch, einer Geschichtsschreibung entbehren.

Klar, meine Freunde und ich waren wieder da.

Klar auch, wir mussten tiefer Vordringen, zwei weitere obere Grundstrecken haben wir, unter Einsatz üblicher Seilschaften, erreicht.

Und klar, ich muss die Geschichte aufarbeiten ehe ich alles wieder vergesse.

Am Mount Buffalora südwestlich des Ofenpasses liegt eine weitläufige, längs versunkene Industrieanlage die gemäss Überlieferung gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Betrieb einstellte. In Rund 80 Stollen sollen, gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit, hauptsächlich Eisenerzen gefördert worden sein wobei vermutlich ein Bruchteil der 80 Stollen effektiv Gewinn erwirtschaftete. Die Betriebsepoche erstreckte sich zwischen 1300 und was Weniges nach 1600. In dieser Zeit herrschte reges Treiben auf Buffalora. Eine Bergbau und Händlersiedlung  schmiegte sich vom Talboden hinauf zur Alp Buffalora. An der Nordflanke des Mount Buffalora kippten arme Schutter-Buben Kubikmeter für Kubikmeter Schutt auf mächtig anwachsende Halden.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Halden sind noch heute gut Sichtbar sowohl auf Luftbilder wie in freier Wildbahn. Unsereins nutze die eher Windgeschützen Halden zu willkommenen Zmittagplatz in kalten Oktobertagen.

Indes will ich mich aufs Innenleben eines relativ modernen Bergwerks konzentrieren. Nach wie vor sind von den 80 Stollen nur wenige bekannt, insbesondere die nicht produktiven, im tauben Fels verlaufenden, Gruben finden Erwähnung auf  Daniel Schläpfers Disertationsarbeit. Der Durchbruch ins Produktive Bergwerk, mit vermutet ca 10 zusammengehörenden Grundstrecken, schaffte  Cristian Conradin mit seinen Freunden vor kurzem. Es bleibt ein zu entdeckendes Bergwerk welches seiner Zeit damals weit voraus lag.

Eine Kurzvermessung schaffte bei unserem ersten Besuch einen ganz tauglichen Überblick über die umfangreiche Anlage, siehe Beitrag Buffalora. Aus dieser Kurzvermessung konnte ich ein Seigerriss konstruieren welcher die vermessene Strecke wiedergab.

Minieras da Fiern Buffalora

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Alle Grundstrecken des Eisenerzfördernden Bergwerks sind verfallen. Die, in einen Schacht einlaufende, Grundstrecke San Rafael konnte indes,  mittels Tagesschacht, aufgewältigt werden. Der Einstieg in die Bergbau-Industrielandschaft war somit möglich. Da wir, in der Hauptsache, dies Werk zum Zweiten aufsuchten waren weitere Erkenntnisse zur Struktur der oberen wie auch der untersten Sohle gegeben.

Minieras da Fiern Buffalora

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Ich habe nun eine durchaus gewagte Schnittzeichnung aus meiner Vorstellungskraft heraus gezeichnet. Geschnitten habe ich das Werk auf einer Nord-Südachse auf ungefährer Stollentiefe des letzten Abbaufeldes.

Minieras da Fiern Buffalora

Ich nehme an dass die Knappen auf ca. 4, fast vertikal verlaufenden, Abbaufeldern den Erzgang abtrugen. Die Felder waren mittels etwa 10, mit Rollmaterial (Mitteldornhunte) ausgebauten, Fahrstollen, auf einer Gesamthöhe von 120 Metern, erschlossen. Bekannt sind uns bis zur Stunde die tiefsten 4 Grundstrecken, in meiner Karte 4 rote Linien. Ungefähre Maximallänge der Stollen könnte bei 500 Meter liegen.  Die uns bekannten Stollen sind mit San Rafael und San Michael benamst, indes erwähnend, die Namensgebung der Stollen stammt aus 21. Jahrhundert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Karte um 1896 zeigt auf dem höchstgelegenen Werkareal zwei Ruinensymbole die vermutlich vom dortig ansässigen Tagebau stammen. Noch ist einiges Nebulös im Innern der rund 30 Stollenkilometer umfassenden Hauptgrube doch allmählich lichtet sich, pro neu entdeckte Grundstrecke, der Nebel der Vergangenheit.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Abbauten, ich teile diese in 3 bis 4 ungefähr ausmachbare Felder ein, verlaufen meist Steil dem, immer wieder auskeilendem Erzgang, von Nord nach Süden folgend. Manche Abbauten sind Handzahm zu Fuss fahrbar. Im Bild Feld 3 ab San Michael II Grundstrecke.

Minieras da Fiern Buffalora

Wiederum welche Gesenke, im Bild Feld 4 ab San Rafael Grundstrecke, sind einzig per Seil zu befahren.  Über diese, noch offenen, Gesenke war uns die Erkundung der oberen Grundstrecken möglich.

Minieras da Fiern Buffalora

Eine raffinierte Schachtvernetzung machte den unterirdischen Material und Personentransport effizienter. Im Bild ein rechteckig ausgehauener Schacht zwischen einem versetzten Abbau  Feld 4 / San Michael II  und der Grundstrecke San Rafael I.

Minieras da Fiern Buffalora

Dies Exemplar des Fahr und Fördertrums erschliesst Feld 3 / San Michael II mit einer Nebenstrecke San Rafael I. Schutthaufen am Schachtboden lassen darauf schliessen dass die Schächte in der letzten Betriebsperiode hauptsächlich als Rolllöcher für den Aushub amteten.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Hauptstrecken sind, wie wirs bereits von der Michael II Strecke kennen, gegen Tag mit Holz ausgebaut. Das 700 Jährige Stützmaterial lebt kaum noch an irgend einer Stelle.

Minieras da Fiern Buffalora

Interessant, und nicht wirklich erklärbar sind die offensichtlichen Stollentrennungen mittels Holzwände auf den oberen zwei uns bekannten Hauptstrecken. Als Wettertüre ist die Konstruktion zu tief angelegt, einzig vielleicht zur Verhinderung des unvorsichtigen Betretens könnte diese Bretterwand gedient haben. Tatsache ist, hinter den Brettern klafft am Boden ein Abbauschacht.

Minieras da Fiern Buffalora

Auch auf der zweiten Sohle gibt’s, am Schacht zu, solch eine Wand, diese indes bereits mit etwas Schutt befüllt. Interessantes Detail an diesem Standort ausmachbar, die Wand ist unter anderem mit zwei Haspelaufzugsstützen gebaut. Die Hornlager indes, wie bei erster Befahrung Buffalora beobachtet, fehlen an diesen Elementen. Wahrscheinlich war einst ein Haspelaufzug am Schacht montiert, nach deren Gebrauch wurde das Holz schnell zur Trennwand umfunktioniert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Strecken waren, so wies aussieht, ausnahmslos mit einem Mitteldornschienensystem ausgestattet.

Minieras da Fiern Buffalora

Teilweise sind die Holzschienen demontiert einzig die Schwellen, respektive die Verbinderschwellen liegen noch am Boden.

Minieras da Fiern Buffalora

Fein säuberlich liegen Erztrog wie Erzmocken nebeneinander als hätten die Knappen noch am letzten Betriebstag sauber die Spuren drapiert.

Minieras da Fiern Buffalora

Mancherorts sind lustige Stillleben erhalten die vermutlich aus Nachbergbauepochen stammen. Auf einer hochgelegenen, verspannten Holzlatte sind edle 2 Erzbrocken platziert. Minderwertige Erzware liegt gehäuft am  Stollenboden. Entweder haben hier unsere Jungs ein Streich gespielt oder sonstwie in Neuzeit wollte jemand die besseren Klümpchen verbergen. Effizient war dieser Jemand keineswegs, das auf der Latte platzierte Eisenerz springt förmlich ins Sichtfeld.

Minieras da Fiern Buffalora

Mich interessierten weiter die überall eingeritzten Schriftzeichen. Hier im Bild ein etwas erweitertes Andreaskreuz in Strecke Michael I. Da Schrift und Zeichen viel über vergangene Geschichte erzählen, versuchte ich, mit echt unwissenschaftlichen Methoden, die Zeichen zu deuten.

Dazu bannte ich die Literarischen Werke erstmals in Vektorgrafiken um gewisse Gemeinsamkeiten zu analysieren und womöglich Zeitepochen herauszufiltern.

Minieras da Fiern Buffalora

Es gibt regelrecht eingeschlagene Zeichen und Buchstaben, links in meiner Visualisierung Sichtbar, und es gibt eingeritzte Zeichnungen, rechts im Bild. Die eingeschlagenen Zeichen, könnte F R sein, sind mit Stumpfem Werkzeug, unter Gewaltanwendung, in den Fels eingeschlagen. Als mögliche Werkzeuge kommen Fäustel und Bergeisen in Frage indes könnte das F R auch mit Elektromeisel und Schlosserhammer gefertigt sein. Zweitere Variante, 20. Jahrhundert, erachte ich jedoch eher als Unwahrscheinlich.  Die Grube, so weiss es Daniel Schläpfer, solle einige Hundert Jahre unerreichbar gewesen sein. Die Andreaskreuze wie auch das Christenkreuz sind mit scharfem Gegenstand eingeritzt. Frisch gespitztes Bergeisen wie auch zeitgenössisches Sackmesser wäre denkbar, jedoch auch hier, Variante 2 eher unwahrscheinlich.

Das Andreaskreuz ist im Bergbau als Warnsymbol, seit vielen Jahrhunderten, weit verbreitet. Mittels  Andreaskreuz, zumeist in Form zweier überkreuzter Bretter im Stollen, wird vor den Gefahren des alten Mannes gewarnt. Da der Fundort des Andreaskreuzes im Stollen San Michael I zur letzten Bergbauperiode zugeordnet werden kann, ist alter Mann so ziemlich ausgeschlossen. Das Christenkreuz verweist im Bergbau auf einen Todesfall. Die Kombination Todesfall im alten Mann macht in der beobachteten Situation kaum Sinn trotzdem könnt vielleicht ein Krümel Plausibilität drinne sein.

Minieras da Fiern Buffalora

Zweites Artefakt, die Zeichen P A, meiner Meinung nach Bubengekritzel. Die Initialen des Bergknappen sind zwar im Bergbau seit vielen Jahrhunderten weit verbreitet doch das repetitive Anbringen dieser Initialen ist unter Bergleuten, als unkameradschaftlich, verpönt. Der Schriftstill ist unbestritten eher ältere Kulturepoche doch die repetitive Darstellung, trotz einigem Symbolgehalt (Grabkreuz, Grab), kann kaum dem Bergbauhandwerk zugeordnet werden. Auch die Tatsache, Übung macht den Schriftgelehrten von rechts nach links spricht eher fürs Abenteuerspielplätzchen.

Minieras da Fiern Buffalora

Dieser Fund stellt mich definitiv an die Wand. Links ist das erweiterte Andreaskreuz vom oberen Foto, mittig und rechts ein offensichtlich sich wiederholendes Symbol. Das Andreaskreuz könnte, mit viel Fantasie, sowas in der Form wie überkreuzter Fäusten und Bergeisen sein. Wie gesagt, die Fantasie muss, zu solch Interpretation, förmlich quadriert in Erscheinung treten. Zweiteres Symbol, das erweiterte W, kommt in leicht geänderter Form, in der tiefsten San Michael I Grundstrecke vor. Symbol sind 4 Christenkreuze um ein W angeordnet. Das Zeichen ähnelnd der Anschlägersymbolik doch ohne ersichtlichen Zusammenhang. Der Zimmermann ist ohne Zweifel, in dieser Anlage, ein wichtiger Facharbeiter doch sein Holz hat ausgerechnet auf Sohle  San Michael I eine ziemlich sekundäre Bedeutung. Das Symbol des erweiterten W kommt oft vor, so als wolle der Tagsetzer, wie zu neuzeitlicher Streetartkultur, sein Revier weitläufig markieren. Bergbau, aus meiner Sicht, eher nicht.

Minieras da Fiern Buffalora

Hier im Bild das repetitive Symbol, links in Grundsohle San Michael I rechts in Grundsohle San Michael II. Der Schriftgelehrte wechselte über, einzig zugänglichen Zugang, Abwurf um Feld 3 bis 4, die Sohle auf Grundsohle San Michael II, + 12 bis 15m.

Zweifelsohne, die Zeichen, nur wenige sind von mir erfasst, geben einige Rätsel auf. Die Rätsel sind, meiner Meinung nach, wahrscheinlich nie eindeutig knackbar, es bleibt bei viel Interpretationsspielraum trotzdem wird allmählich eine Annäherung möglich werden. Die Masse der erfassten Daten verfeinert die Auswertung, in diesem Sinne, ich bleib dran.

Vorbeiträge
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Mürtschenalp noch mehr Erleuchtung

am 07. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne, die Lampen werden besser und auch das fotografische Können steigert sich über die Jahre hinweg. Grund genug um weiteren Gemeinissen tiefer auf den Grund zu fühlen. Doch allererst vorwarnend, über die Bergwerke der Mürtschenalp ist viel geschrieben worden ich will dieser Geschichte hauptsächlich den aktuellen Fotos Platz einräumen.

Plan Hauptgrube Mürtschenalp

Stiefmütterlich von allen Forschern sind bis anhin die alten Gruben östlich der Hauptgruben behandelt worden. Deren Zugang ist den heute auch nimmer von Bequemlichkeit geprägt.  Ich zumindest sammelte einige blaue Flecken ehe mir der Einblick ins  Feuergesetzte Gesenk gewährt wurde.

Mürtschenalp alte Grube

Das Gesenk, Südostfallend, ist unter Einfluss grosser Feuerwärme, geruste Decke, entstanden, trotzdem findet sich hin und wieder vereinzelt Bohrlöcher aus neuer Bergbauepoche.

Mürtschenalp alte Grube

In der deutlich zugänglicheren Grube, nebenan gelegen, sammelt sich Wasser bis auf einen Meter. Auch in dieser Seelandschaft mussten unsere Lampen, traditionsgemäss, auf Tauchgang.

Mürtschenalp Bergwerksanlage

Die Sicht vom Stollensims aus zeigt die Landschaft der alten, längst verschwundenen, Industrieanlage im Tal.  In den vereinzelten 3 Tannen am Talboden lang einst das Pochwerk, rechts davon die Knappenunterkünfte.

Nicht minder interessant und absolut fotogen, die Grube Erzbett dessen Einstieg  hart verdient sein soll.

Mürtschenalp Erzbett

Da der Durchschlupf sehr eng ist und die Stabilität sämtliche Wünsche ignoriert, legten wir ein rotes Seil um bei allfälligem Einsturz doch gefunden zu werden.

Wir, Matti und ich, besuchten diese Grube bereits am 1.8.2013. Damals waren sowohl Leuchten wie auch die Erfahrung eher suboptimal zur Gestaltung schöner Bilder. Meine Bilder im Beitrag Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp sind alle samt im aggressivem Blitzlicht erschlagen. Diesmal am 5.10.2018 sollte alles besser werden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich, nach Akrobatiknummer, folgen zwei Türstöcke. Der erste erfreut sich bester Statik,

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

während der Zweite, den sehr vorsichtigen Befahrer, schelmisch böse, in Bergtrollentradition,  anlächelt.  Trotzdem zeigte ein Fotovergleich 1.8.2013 vs 5.10.2018 kaum nennenswerte Veränderung. Nichts desto trotz, liebe Leser, Liebe Leserinnen, geht da nicht rein. Irgendwann wird’s nicht beim Lächeln bleiben.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Bald folgt der Hauptabbau mit weitläufig versetzten Flächen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ob den versetzten Abbauten sind Stollen offen wo noch vereinzelt eine leichte Vererzung ausmachbar ist.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Hauptattraktion ist, klar, das gut erhaltene Haspelaufzugsgestell welches die Erzkessel aus dem Schrägschacht empor förderte.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Der Schacht ist auf ganzer Tiefe, 29 Meter, mit klarem Wasser, aufgefüllt. Die Holzbühne ist noch in bester Verfassung und auch die abgesoffene Fahrte hat die letzten 102 Jahre unbeschadet überstanden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich ist solch ein Wasserschacht wie geschaffen für die wasserdichten Lampen und verspielte Fotografen. Im Bild die Förderkübelstrecke am Schacht.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Auch noch, wie bereits 2013, respektive 1919, fliesst das Stollenwasser diszipliniert durch den Holzteuchel als wär die Zeit abrupt gestoppt.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Einige Sehenswürdigkeiten finden sich in den tauben Suchstrecken. Im Bild eine Raumtrennung mit Türe. Die Beschläge der Türe liegen in diversen Seitenstollen, es scheint so als hätte bereits jemand, vor langer Zeit, etwas Eisen gefördert.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ein einem weiteren Seitenarm liegt ein langsam verrottendes Holzschienensystem. Die Eisen-L-Profile, wie üblich bei dem System, fehlen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Und der Plan in aktualisierter Form.

Als PDF der Plan Erzbett respektive der Plan Hauptgrube

Auch von Interesse war die Befahrung des tiefer gelegenen Weinmannstollens.

Halde Erzbett Mürtschenalp

Dieses Werk liegt rund 40 Meter unter der Erzbetthalde und sollte ursprünglich den Wassergefüllten Schacht in reicher Kupfererzzone unterfahren. Leider blieb der Kupferreichtum aus und der Stollen erreichte nie die Durchschlägigkeit mit dem Erzbettschacht.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Der Weinmannstollen liegt gut versteckt im Baumwald unter der Halde Erzbett.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Im Innern staut sich bald das Wasser auf eine Höhe von knappen 1.20 Metern.

Mir wars eindeutig zu nass und da ich aus einschlägiger Literatur von unspektakulären Beschreibungen des Werkes wusste, obliess ich den Einstieg. Ganz anders mein Begleiter welcher sich durchs kalte Nass, die 181 Meter bis Stollenbrust, vorarbeitete.

Vorgeschichten Mürtschenalp
Hauptgrube Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp

Buffalorageleucht

am 02. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die neuliche Befahrung der Anlagen „Minieras da Fiern“ förderte eine Reihe neuer Erkenntnisse zum Spätmittelalterlichem Bergbau. Kaum eine Abbaustelle auf Schweizer Boden ist noch heute in solch erhaltenen Zustand. Es sind noch etliche Artefakte aus jener Zeit, zwischen 14. und 15. Jahrhundert, erhalten und der ursprüngliche Bau blieb, dank jahrhundertelanger  Versiegelung, im Urzustand. Eines der faszinierendsten Erkenntnissen war die durchwegs durchdachte Transportlogistik vom Schienensystem bis hin zum eigentlichen Beleuchtungskonzept der Hauptförderstrecken.  Noch heute sind die Geleuchtnischen, in regelmässigen Abständen, in den Hauptstrecken erhalten. Die Leuchten, wie ich heute weiss, sogenannte Talgleuchten, interessierten mich besonders. Motivation zu meiner weiteren Recherche war ein Fund in einer Zwischenstrecke welche irgendwann zu einem Materialmagazin ungenutzt wurde.

Talgleuchte

Der besagte Fund ist ein Teil eines Talglichtes. Leider fehlt, wie meine Recherche ergab, ein beträchtlicher Teil der Lampe.

Talgleuchte Die Hafnerin

Der moderne Nachbau dieser Leuchte ist mir bei „Die Hafnerin“  begegnet. Auf dessen Seite bediente ich mich des Bildes.  Gemäss „Die Hafnerin“ ist die Leuchtenkonstruktion einem Fund aus Freiberg in Sachsen, 14./15. Jahrhundert nachempfunden.

Mein Minieras da Fiern Exemplar verfügt über eine bläuliche Glasur und einer durchgehenden Fingeröffnung zum Greifen des Geleuchts. Am Fundort der Lampe stehen Teile einer demontierter Hanspelaufzugsanlage , diverse Rundhölzer die aber nicht erkennbar zur Haspelmechanik gehören, sowie nicht weiter identifizierbare Kanthölzer.

Die Zwischenstrecke in der die Funde lagen war Teil eines Abwurfsystems welches irgendwann zu einem Lager umfunktioniert wurde. Damals war dieser Bereich, gut versteckt und schwer zugänglich, eher selten befahren worden wodurch die Artefakte über die Jahre in Vergessenheit gerieten.

Die Links
Urheberin des zweiten Bildes und Macherin zahlreicher, dem Mittelalter nachempfundener, Keramik Alltagsgegenstände Die Hafnerin www.die-hafnerin.de
Einiges übers Taglicht auf derlichtermacher.de

Und meine Vorbeiträge
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Der Krucks mit dem Öllichtchen

am 01. September 2018 unter Seitwärts parkieren, Steinerne Unterwelten abgelegt

Im Zuge meiner Erkundung Buffalorischer Eisenwerke wars mir ein Selbstversuch mit Beleuchtung unter Öllicht, wert. Von Interesse wars zu erfahren wie solch Lichtquelle funktioniert und welche Ausbeute das Flämmchen hergibt.

Öllicht

Mein Lämpchen ist ein Messingnachbau einer alten Bergbaulampe ca 1890, die so ziemlich alles schluckt. Ein 2 Jahre übers Verkaufsdatum hinweg verstrichene Fine Food Kürbiskernöl diente als Brennstoff und als Docht musste eine alte zerrissene Hose hinhalten.

Öllicht

Beim Eglibraten indes war ich froh um das reichlich vorhandene Aussenlicht.

Fazit, moderner Bergbau ist mit solchem Lämpchen schier undenkbar doch im Mittelalter funktionierte viel mit dem feinen Tastsinn. Stollen folgen oft einer Verwerfung und das Eisenerz von Buffalora lässt sich, unter gewissen Kriterien, im Gesteinsverbund gut ertasten, respektive mit Bergeisen und Fäustel, gut in deren Konsistenz erfühlen. Das Lämpchen indes hat heut noch keineswegs den Ruhestand erreicht, es solle am kommenden Samstag wieder in Einsatz stehen bei einer Cava sul Rhein-Befahrung.

Buffalora

am 01. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Der Beginn einer hiesigen Schwerindustrie als kulturelles Importgut aus dem fernen Tirol

oder ein Forschungsintensiver Rundgang durchs hochindustrialisierte 16. Jahrhundert in luftiger Höhe nahe des Ofenpasses. Vorweg eine kleine Gruppe mit Namen „amis da las minieras Val Müstair“ öffnet, seit dem Jahre 2004, in undankbarer Sisyphus-Tätigkeit, Stollenwerke rund um die Buffalora-Alp.

Alp Buffalora

Gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit verbergen sich rund um den Flurnamen „Minieras da Fiern“, steht für Eisenbergwerke über 80 Stollenbauten. Nur minimal wenige dieser Stollenbauten waren zum Zeitpunkt der Disertationsarbeit 1960 zugänglich.

Minieras da Fiern

Die riesigen Halden am Fusse des Munt Buffalora indes sprechen noch heute eine eindeutige Sprache und so versuchten sich immer wieder engagierte Forscher und Forscherinnen im öffnen der Stollen. Mit viel Fleiss schafte die Gruppe „amis da las minieras Val Müstair“ bedeutende Durchbrüche in der Offenlegung der Hauptabbaustellen.

Uns, eine kleinen Gruppe Bündner Bergbaufreunde, war der Einblick in dies Tief gewährt und so erlebten wir, allesamt der Industriegeschichtsforschung begeisterte, 2 richtig intensive Tage im Val Müstair.  Aktuell sind etwa 7 Stollen von vermuteten 80 offen. Die oberen Werke sind indes die wahrhaft interessanten da diese produktiv Eisenerze, zwischen 1300 bis anfangs 1600, förderten. Einer dieser Stollen, genannter San Rafael (ein Heiliger, es gibt deren 4 verrät mir das Heiligenlexikon https://www.heiligenlexikon.de) führt in ein verzweigtes System von Abbauten und Abwurfanlagen.

Minieras da Fiern

Mitteldornschienen als Standard in allen Förderstollen

Die Hauptförderstollen, in Längen um die 350 Metern, sind ausgestattet mit handwerklich sauber ausgearbeiteten Mitteldornschienen-Stecksystemen. Periodisch angeordnete Geleuchtnischen, für damalig verwendende Oellampen, wie auch die verschiedenen Abwurfanlagen,  lassen auf äusserst rationelle  Transportwege schleissen.

Minieras da Fiern

Verbindungsschrägschacht

Die Ebene San Rafael, die wir zum Einstieg nutzen, verläuft Erzarm bis an eine enge Schräg-Schacht-Anlage welche die zentrale Strecke erschliesst.

Minieras da Fiern

Die zentrale Strecke, respektive eine der zentralen Strecken, endet in Tagrichtung in einer unüberwindbaren Verstürzung  zusammengebrochener Türstöcke. Indessen sind jene Exemplare die noch dem Bergdruck trotzen in guter Verfassung und geben Aufschluss übers handwerkliche Können der damaligen  Tiroler Bergknappen. Die Holzeinzahnung liegt satt ohne Spalte auf dem Unterholz, die Konstruktion wirkt noch heute in alle Richtungen sauber versteift und folglich äusserst vertrauenserweckend.

Minieras da Fiern

Die Gegenseite der zentralen Förderstrecke erschliesst das produktive Eisenbergwerk. Der Hauptstollen endet an Stollenbrust bei geschätzten 350 Metern, wovon rund 150 dieser Meter ab Tag von uns schnell-kartographiert wurden.

Zeitweilig liegt viel Material im Förderstollen so das die Schienen nicht mehr zu erkennen sind. Ab 140 Meter öffnen erste stark ansteigende Erzaufhauen.  Ich erkenne, über die Länge von 210 Metern 3 mir eindeutig erscheinende Abbauten eines 60 Grad steilen Erzgangs.

Minieras da Fiern

In den verwinkelten Aufhauen, die sowohl aufwärts wie abwärts der Hauptstrecke anliegen,  sind Abwurfschächte eingebracht welche die Transportwege optimieren sollen.

Minieras da Fiern

Ein grösseres Abbaugesenk verbindet eindeutig eine untere Förderstrecke. Diese Abbauhalle könnte in letzter Betriebsphase auch als Abwurf funktioniert haben.

Minieras da Fiern

Die untere, anschliessende Förderstrecke ist gleicher Charakteristik wie die bis anhin bekannten. Auch in diesem Stollenwerk sind, in regelmässigen Abständen die  Geleuchtnischen zu finden und auch so ist das Werk konsequent mit Mitteldornschienen ausgebaut.

Minieras da Fiern

Im Stollen liegt immer noch, als wär dieser erst vor kurzer Zeit in Verwendung gestanden, ein gut erhaltener Erztrog. Es ist nicht der erste Erztrog den ich ausmache, deren 4 glaube ich bei meiner Expedition erkannt zu haben.

Ohnehin scheint dies Bergwerk voller Artefakte, die viel über das damalige Schaffen zu erzählen wissen.

Minieras da Fiern

In der grossen Abbauhalle sind in einer Geleuchtnische verschiedene eingeritzte Inschriften erkennbar. Schrifttypus könnte in die Jahre um 1600 oder früher passen. Unwahrscheinlich erscheint mir dass die Niederschriften aus Neuzeit stammen. Ich glaube, anhand der Versturzspuren, dass dies Stollenwerk kurz nach deren Betriebsende um ca. 1620 unerreichbar blieb.  Der Text ist schwierig zu entziffern, ich behaupte  „Ciao Andrea“ oder „Gio Andrea“ zu erkennen der  folgende Teil könnte sowas wie „S…pano“ sein. Die weiteren Zeichen und Initialen wirkend auf mich indes äusserst Nebulös. Klar ist, in der Geleuchtnische brannte nicht still vor sich hin ein Öllampenflämmchen sondern eher ein ölgetränkter Lappen welcher die nötige Russunterlage hinterliess. Was wiederum erklärt wieso einzig in dieser Geleuchtnische die Texte zu finden sind.

Minieras da Fiern

Die Ritzarbeit stammt, meiner Meinung nach, von einem der zahlreich herumliegenden Bergeisen. Dies Exemplar hier lagert  ein einer weiteren Geleuchtnische.

In einer Abwurfzwischenstrecke liegt ganz offensichtlich ein Materiallager mit erstaunlich gut erhaltenen Gerätschaften.

Minieras da Fiern

Fein säuberlich auseinandergebaut liegen die einzelnen Komponenten einer Haspelaufzugsanlage, einzig der eigentliche Haspel schein ich im Depot nicht zu finden. Die Holmen sind mit einen Hornlager, zur Aufnahme der Haspelachse, ausgestattet.  Es ist mir nie solch ein gut erhaltenes Exemplar unter die Augen gekommen.

Minieras da Fiern

Nicht unweit des Materiallagers liegt ein weiterer Gegenstand aus dem damaligem Bergbauwerkzeugkasten.

Wahrscheinlich ist dieser Keramikteil die verbleibende Hälfte einer Öllampe die einst der Magaziner  zur Verstauung des demontierten Hapselaufzuges benötigte. Leider ist von der Lampe ein beträchtliches Stück abgebrochen und faktisch unauffindbar trotzdem kann in etwa erahnt werden wie das damalige Geleucht ausgehen haben könnte.

Der Flurname „Ofenpass“ respektive „Pass da Fuorn“ hat Ursprung in der damaligen überregionalen Bedeutung des Hüttenwesens. Um 1600 oder früher standen einige Ofenanlagen in der Nähe an der heutigen Passstrasse. Nicht unweit der Passhöhe liegt „Il Fourn“ was für „der Ofen“ steht und tatsächlich solle noch eine Ofenruine im Nationalpark auffindbar sein.  Auf Buffalora stand einst eine ausgedehnte Siedlung die, so wird berichtet, um 1499 verschwand und nicht nur das Bergwerk bediente. Auf Buffalora erwuchs damals ein reger Handel mit Waren aller Art von nah und fern. Gleichzeitig leben Knappen und Metallurgen in Ort Buffalora. Heute sind kaum noch Spuren des Ortes ersichtlich.

Wir bauten eine Schnellvermessung des befahrenen Stollens welche ich zu einem sehr rudimentären Plan zusammenschusterte um einen Überblick des Stollens auf 815391 / 168649 zu erhalten. Dieser Plan möchte ich keineswegs dem neugierigen Leser / Leserin vorenthalten.

Minieras da Fiern

Plan gross machen, Plan anklicken

Leider reichte die Zeit nimmer um das gesamte Werk zu vermessen, nein, das Gesamte Werk würd den Rahmen von 2 und mehr Tagen bei weitem sprengen. Trotz des einzigen Vermess-Drittels ist eine gute Übersicht über den systematischen Eisenerz-Abbau im Mittelalter möglich. Der Stollen nennt sich San Rafael, eine Bezeichnung gegeben im 21 Jahrhundert der damalige Namen ist unbekannt. Hauptförderstrecke in Rot liegt knappe 16 Meter unter der gelben Grundstrecke die merklich keine Erzgänge anfuhr aber heute die noch existente Schachtverbindung in die Hauptförderstrecke offen hält.  Meine rote Hauptstrecke fährt 3 Abbauten eines 60 Grad steilen Erzganges an.  Unsere Vermessung indes reicht nur bis Ende erste Abbauzone.  Am Ende unserer Vermessung folgt der erste Abwurf, welcher, so angenommen aber nicht bewiesen, eine tieferliegende Hauptstrecke erschliesst.

Abwürfe finde ich minimum 2 weitere die einher mit den Abbauten sich anreihen. Der hinterste Abwurf, durch die letzte Abbauhaue verlaufend, erreicht tatsächlich die untere Hauptförderstrecke die jedoch in Richtung Tag zugeschwemmt ist.  Ein überbrücken der Schwemmstelle könnte am ersten Abbau möglich sein, ist aber, wie erwähnt nicht bewiesen, unser Seil war zu kurz um den gesamten Schacht absteigen zu können. Auch nach oben sind Abbauten weit hinauf fahrbar vermutlich sind auch in oberen Lagen Hauptfahrstrecken erreichbar. Leider reichte die Zeit nicht zur tieferen Erforschung der oberen Stollenbauten.

Minieras da Fiern

Plan gross machen, Plan anklicken

Die Verknüpfung des Plans mit dem Satellitenbild zeigt den Stollenverlauf unter allen Halden hindurch.  Unser befahrene Stollen dürfte eine Länge von 350 Metern inne haben ergo reicht dieser bis unter alle Halden hindurch. Die Halden auf dem Satellitenbild stammen alle von höher liegenden Stollenbauten. Mit Einbezug des  Erzgangverlaufes ist mit einer weit verzweigten untertägigen Verbindung der einzelnen Förderstrecken, im Bereich der 100 Höhenmetern, zu rechnen.

Die unten angelegten Stollen, etliche müssten es gewesen sein, sind indes wahrscheinlich alle durch taubes Gestein getrieben worden.

Der Erzgang liegt folglich zwischen 2500 und 2390 müm, alle tiefen Werke, bis 2260 müm führen kein Erz. Unser Forschungsbereich erstreckte sich zwischen 2390 und 2422 müm und, wir haben nur ein Bruchteil der Werke gesehen.

Wer die Minen besuchen möchte, solle sich an die „amis da las minieras Val Müstair“ wenden.