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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Mürtschenalp noch mehr Erleuchtung

am 07. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne, die Lampen werden besser und auch das fotografische Können steigert sich über die Jahre hinweg. Grund genug um weiteren Gemeinissen tiefer auf den Grund zu fühlen. Doch allererst vorwarnend, über die Bergwerke der Mürtschenalp ist viel geschrieben worden ich will dieser Geschichte hauptsächlich den aktuellen Fotos Platz einräumen.

Plan Hauptgrube Mürtschenalp

Stiefmütterlich von allen Forschern sind bis anhin die alten Gruben östlich der Hauptgruben behandelt worden. Deren Zugang ist den heute auch nimmer von Bequemlichkeit geprägt.  Ich zumindest sammelte einige blaue Flecken ehe mir der Einblick ins  Feuergesetzte Gesenk gewährt wurde.

Mürtschenalp alte Grube

Das Gesenk, Südostfallend, ist unter Einfluss grosser Feuerwärme, geruste Decke, entstanden, trotzdem findet sich hin und wieder vereinzelt Bohrlöcher aus neuer Bergbauepoche.

Mürtschenalp alte Grube

In der deutlich zugänglicheren Grube, nebenan gelegen, sammelt sich Wasser bis auf einen Meter. Auch in dieser Seelandschaft mussten unsere Lampen, traditionsgemäss, auf Tauchgang.

Mürtschenalp Bergwerksanlage

Die Sicht vom Stollensims aus zeigt die Landschaft der alten, längst verschwundenen, Industrieanlage im Tal.  In den vereinzelten 3 Tannen am Talboden lang einst das Pochwerk, rechts davon die Knappenunterkünfte.

Nicht minder interessant und absolut fotogen, die Grube Erzbett dessen Einstieg  hart verdient sein soll.

Mürtschenalp Erzbett

Da der Durchschlupf sehr eng ist und die Stabilität sämtliche Wünsche ignoriert, legten wir ein rotes Seil um bei allfälligem Einsturz doch gefunden zu werden.

Wir, Matti und ich, besuchten diese Grube bereits am 1.8.2013. Damals waren sowohl Leuchten wie auch die Erfahrung eher suboptimal zur Gestaltung schöner Bilder. Meine Bilder im Beitrag Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp sind alle samt im aggressivem Blitzlicht erschlagen. Diesmal am 5.10.2018 sollte alles besser werden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich, nach Akrobatiknummer, folgen zwei Türstöcke. Der erste erfreut sich bester Statik,

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

während der Zweite, den sehr vorsichtigen Befahrer, schelmisch böse, in Bergtrollentradition,  anlächelt.  Trotzdem zeigte ein Fotovergleich 1.8.2013 vs 5.10.2018 kaum nennenswerte Veränderung. Nichts desto trotz, liebe Leser, Liebe Leserinnen, geht da nicht rein. Irgendwann wird’s nicht beim Lächeln bleiben.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Bald folgt der Hauptabbau mit weitläufig versetzten Flächen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ob den versetzten Abbauten sind Stollen offen wo noch vereinzelt eine leichte Vererzung ausmachbar ist.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Hauptattraktion ist, klar, das gut erhaltene Haspelaufzugsgestell welches die Erzkessel aus dem Schrägschacht empor förderte.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Der Schacht ist auf ganzer Tiefe, 29 Meter, mit klarem Wasser, aufgefüllt. Die Holzbühne ist noch in bester Verfassung und auch die abgesoffene Fahrte hat die letzten 102 Jahre unbeschadet überstanden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich ist solch ein Wasserschacht wie geschaffen für die wasserdichten Lampen und verspielte Fotografen. Im Bild die Förderkübelstrecke am Schacht.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Auch noch, wie bereits 2013, respektive 1919, fliesst das Stollenwasser diszipliniert durch den Holzteuchel als wär die Zeit abrupt gestoppt.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Einige Sehenswürdigkeiten finden sich in den tauben Suchstrecken. Im Bild eine Raumtrennung mit Türe. Die Beschläge der Türe liegen in diversen Seitenstollen, es scheint so als hätte bereits jemand, vor langer Zeit, etwas Eisen gefördert.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ein einem weiteren Seitenarm liegt ein langsam verrottendes Holzschienensystem. Die Eisen-L-Profile, wie üblich bei dem System, fehlen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Und der Plan in aktualisierter Form.

Als PDF der Plan Erzbett respektive der Plan Hauptgrube

Auch von Interesse war die Befahrung des tiefer gelegenen Weinmannstollens.

Halde Erzbett Mürtschenalp

Dieses Werk liegt rund 40 Meter unter der Erzbetthalde und sollte ursprünglich den Wassergefüllten Schacht in reicher Kupfererzzone unterfahren. Leider blieb der Kupferreichtum aus und der Stollen erreichte nie die Durchschlägigkeit mit dem Erzbettschacht.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Der Weinmannstollen liegt gut versteckt im Baumwald unter der Halde Erzbett.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Im Innern staut sich bald das Wasser auf eine Höhe von knappen 1.20 Metern.

Mir wars eindeutig zu nass und da ich aus einschlägiger Literatur von unspektakulären Beschreibungen des Werkes wusste, obliess ich den Einstieg. Ganz anders mein Begleiter welcher sich durchs kalte Nass, die 181 Meter bis Stollenbrust, vorarbeitete.

Vorgeschichten Mürtschenalp
Hauptgrube Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp

Buffalorageleucht

am 02. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die neuliche Befahrung der Anlagen „Minieras da Fiern“ förderte eine Reihe neuer Erkenntnisse zum Spätmittelalterlichem Bergbau. Kaum eine Abbaustelle auf Schweizer Boden ist noch heute in solch erhaltenen Zustand. Es sind noch etliche Artefakte aus jener Zeit, zwischen 14. und 15. Jahrhundert, erhalten und der ursprüngliche Bau blieb, dank jahrhundertelanger  Versiegelung, im Urzustand. Eines der faszinierendsten Erkenntnissen war die durchwegs durchdachte Transportlogistik vom Schienensystem bis hin zum eigentlichen Beleuchtungskonzept der Hauptförderstrecken.  Noch heute sind die Geleuchtnischen, in regelmässigen Abständen, in den Hauptstrecken erhalten. Die Leuchten, wie ich heute weiss, sogenannte Talgleuchten, interessierten mich besonders. Motivation zu meiner weiteren Recherche war ein Fund in einer Zwischenstrecke welche irgendwann zu einem Materialmagazin ungenutzt wurde.

Talgleuchte

Der besagte Fund ist ein Teil eines Talglichtes. Leider fehlt, wie meine Recherche ergab, ein beträchtlicher Teil der Lampe.

Talgleuchte Die Hafnerin

Der moderne Nachbau dieser Leuchte ist mir bei „Die Hafnerin“  begegnet. Auf dessen Seite bediente ich mich des Bildes.  Gemäss „Die Hafnerin“ ist die Leuchtenkonstruktion einem Fund aus Freiberg in Sachsen, 14./15. Jahrhundert nachempfunden.

Mein Minieras da Fiern Exemplar verfügt über eine bläuliche Glasur und einer durchgehenden Fingeröffnung zum Greifen des Geleuchts. Am Fundort der Lampe stehen Teile einer demontierter Hanspelaufzugsanlage , diverse Rundhölzer die aber nicht erkennbar zur Haspelmechanik gehören, sowie nicht weiter identifizierbare Kanthölzer.

Die Zwischenstrecke in der die Funde lagen war Teil eines Abwurfsystems welches irgendwann zu einem Lager umfunktioniert wurde. Damals war dieser Bereich, gut versteckt und schwer zugänglich, eher selten befahren worden wodurch die Artefakte über die Jahre in Vergessenheit gerieten.

Die Links
Urheberin des zweiten Bildes und Macherin zahlreicher, dem Mittelalter nachempfundener, Keramik Alltagsgegenstände Die Hafnerin www.die-hafnerin.de
Einiges übers Taglicht auf derlichtermacher.de

Und meine Vorbeiträge
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Der Krucks mit dem Öllichtchen

am 01. September 2018 unter Seitwärts parkieren, Steinerne Unterwelten abgelegt

Im Zuge meiner Erkundung Buffalorischer Eisenwerke wars mir ein Selbstversuch mit Beleuchtung unter Öllicht, wert. Von Interesse wars zu erfahren wie solch Lichtquelle funktioniert und welche Ausbeute das Flämmchen hergibt.

Öllicht

Mein Lämpchen ist ein Messingnachbau einer alten Bergbaulampe ca 1890, die so ziemlich alles schluckt. Ein 2 Jahre übers Verkaufsdatum hinweg verstrichene Fine Food Kürbiskernöl diente als Brennstoff und als Docht musste eine alte zerrissene Hose hinhalten.

Öllicht

Beim Eglibraten indes war ich froh um das reichlich vorhandene Aussenlicht.

Fazit, moderner Bergbau ist mit solchem Lämpchen schier undenkbar doch im Mittelalter funktionierte viel mit dem feinen Tastsinn. Stollen folgen oft einer Verwerfung und das Eisenerz von Buffalora lässt sich, unter gewissen Kriterien, im Gesteinsverbund gut ertasten, respektive mit Bergeisen und Fäustel, gut in deren Konsistenz erfühlen. Das Lämpchen indes hat heut noch keineswegs den Ruhestand erreicht, es solle am kommenden Samstag wieder in Einsatz stehen bei einer Cava sul Rhein-Befahrung.

Buffalora

am 01. September 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Der Beginn einer hiesigen Schwerindustrie als kulturelles Importgut aus dem fernen Tirol

oder ein Forschungsintensiver Rundgang durchs hochindustrialisierte 16. Jahrhundert in luftiger Höhe nahe des Ofenpasses. Vorweg eine kleine Gruppe mit Namen „amis da las minieras Val Müstair“ öffnet, seit dem Jahre 2004, in undankbarer Sisyphus-Tätigkeit, Stollenwerke rund um die Buffalora-Alp.

Alp Buffalora

Gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit verbergen sich rund um den Flurnamen „Minieras da Fiern“, steht für Eisenbergwerke über 80 Stollenbauten. Nur minimal wenige dieser Stollenbauten waren zum Zeitpunkt der Disertationsarbeit 1960 zugänglich.

Minieras da Fiern

Die riesigen Halden am Fusse des Munt Buffalora indes sprechen noch heute eine eindeutige Sprache und so versuchten sich immer wieder engagierte Forscher und Forscherinnen im öffnen der Stollen. Mit viel Fleiss schafte die Gruppe „amis da las minieras Val Müstair“ bedeutende Durchbrüche in der Offenlegung der Hauptabbaustellen.

Uns, eine kleinen Gruppe Bündner Bergbaufreunde, war der Einblick in dies Tief gewährt und so erlebten wir, allesamt der Industriegeschichtsforschung begeisterte, 2 richtig intensive Tage im Val Müstair.  Aktuell sind etwa 7 Stollen von vermuteten 80 offen. Die oberen Werke sind indes die wahrhaft interessanten da diese produktiv Eisenerze, zwischen 1300 bis anfangs 1600, förderten. Einer dieser Stollen, genannter San Rafael (ein Heiliger, es gibt deren 4 verrät mir das Heiligenlexikon https://www.heiligenlexikon.de) führt in ein verzweigtes System von Abbauten und Abwurfanlagen.

Minieras da Fiern

Mitteldornschienen als Standard in allen Förderstollen

Die Hauptförderstollen, in Längen um die 350 Metern, sind ausgestattet mit handwerklich sauber ausgearbeiteten Mitteldornschienen-Stecksystemen. Periodisch angeordnete Geleuchtnischen, für damalig verwendende Oellampen, wie auch die verschiedenen Abwurfanlagen,  lassen auf äusserst rationelle  Transportwege schleissen.

Minieras da Fiern

Verbindungsschrägschacht

Die Ebene San Rafael, die wir zum Einstieg nutzen, verläuft Erzarm bis an eine enge Schräg-Schacht-Anlage welche die zentrale Strecke erschliesst.

Minieras da Fiern

Die zentrale Strecke, respektive eine der zentralen Strecken, endet in Tagrichtung in einer unüberwindbaren Verstürzung  zusammengebrochener Türstöcke. Indessen sind jene Exemplare die noch dem Bergdruck trotzen in guter Verfassung und geben Aufschluss übers handwerkliche Können der damaligen  Tiroler Bergknappen. Die Holzeinzahnung liegt satt ohne Spalte auf dem Unterholz, die Konstruktion wirkt noch heute in alle Richtungen sauber versteift und folglich äusserst vertrauenserweckend.

Minieras da Fiern

Die Gegenseite der zentralen Förderstrecke erschliesst das produktive Eisenbergwerk. Der Hauptstollen endet an Stollenbrust bei geschätzten 350 Metern, wovon rund 150 dieser Meter ab Tag von uns schnell-kartographiert wurden.

Zeitweilig liegt viel Material im Förderstollen so das die Schienen nicht mehr zu erkennen sind. Ab 140 Meter öffnen erste stark ansteigende Erzaufhauen.  Ich erkenne, über die Länge von 210 Metern 3 mir eindeutig erscheinende Abbauten eines 60 Grad steilen Erzgangs.

Minieras da Fiern

In den verwinkelten Aufhauen, die sowohl aufwärts wie abwärts der Hauptstrecke anliegen,  sind Abwurfschächte eingebracht welche die Transportwege optimieren sollen.

Minieras da Fiern

Ein grösseres Abbaugesenk verbindet eindeutig eine untere Förderstrecke. Diese Abbauhalle könnte in letzter Betriebsphase auch als Abwurf funktioniert haben.

Minieras da Fiern

Die untere, anschliessende Förderstrecke ist gleicher Charakteristik wie die bis anhin bekannten. Auch in diesem Stollenwerk sind, in regelmässigen Abständen die  Geleuchtnischen zu finden und auch so ist das Werk konsequent mit Mitteldornschienen ausgebaut.

Minieras da Fiern

Im Stollen liegt immer noch, als wär dieser erst vor kurzer Zeit in Verwendung gestanden, ein gut erhaltener Erztrog. Es ist nicht der erste Erztrog den ich ausmache, deren 4 glaube ich bei meiner Expedition erkannt zu haben.

Ohnehin scheint dies Bergwerk voller Artefakte, die viel über das damalige Schaffen zu erzählen wissen.

Minieras da Fiern

In der grossen Abbauhalle sind in einer Geleuchtnische verschiedene eingeritzte Inschriften erkennbar. Schrifttypus könnte in die Jahre um 1600 oder früher passen. Unwahrscheinlich erscheint mir dass die Niederschriften aus Neuzeit stammen. Ich glaube, anhand der Versturzspuren, dass dies Stollenwerk kurz nach deren Betriebsende um ca. 1620 unerreichbar blieb.  Der Text ist schwierig zu entziffern, ich behaupte  „Ciao Andrea“ oder „Gio Andrea“ zu erkennen der  folgende Teil könnte sowas wie „S…pano“ sein. Die weiteren Zeichen und Initialen wirkend auf mich indes äusserst Nebulös. Klar ist, in der Geleuchtnische brannte nicht still vor sich hin ein Öllampenflämmchen sondern eher ein ölgetränkter Lappen welcher die nötige Russunterlage hinterliess. Was wiederum erklärt wieso einzig in dieser Geleuchtnische die Texte zu finden sind.

Minieras da Fiern

Die Ritzarbeit stammt, meiner Meinung nach, von einem der zahlreich herumliegenden Bergeisen. Dies Exemplar hier lagert  ein einer weiteren Geleuchtnische.

In einer Abwurfzwischenstrecke liegt ganz offensichtlich ein Materiallager mit erstaunlich gut erhaltenen Gerätschaften.

Minieras da Fiern

Fein säuberlich auseinandergebaut liegen die einzelnen Komponenten einer Haspelaufzugsanlage, einzig der eigentliche Haspel schein ich im Depot nicht zu finden. Die Holmen sind mit einen Hornlager, zur Aufnahme der Haspelachse, ausgestattet.  Es ist mir nie solch ein gut erhaltenes Exemplar unter die Augen gekommen.

Minieras da Fiern

Nicht unweit des Materiallagers liegt ein weiterer Gegenstand aus dem damaligem Bergbauwerkzeugkasten.

Wahrscheinlich ist dieser Keramikteil die verbleibende Hälfte einer Öllampe die einst der Magaziner  zur Verstauung des demontierten Hapselaufzuges benötigte. Leider ist von der Lampe ein beträchtliches Stück abgebrochen und faktisch unauffindbar trotzdem kann in etwa erahnt werden wie das damalige Geleucht ausgehen haben könnte.

Der Flurname „Ofenpass“ respektive „Pass da Fuorn“ hat Ursprung in der damaligen überregionalen Bedeutung des Hüttenwesens. Um 1600 oder früher standen einige Ofenanlagen in der Nähe an der heutigen Passstrasse. Nicht unweit der Passhöhe liegt „Il Fourn“ was für „der Ofen“ steht und tatsächlich solle noch eine Ofenruine im Nationalpark auffindbar sein.  Auf Buffalora stand einst eine ausgedehnte Siedlung die, so wird berichtet, um 1499 verschwand und nicht nur das Bergwerk bediente. Auf Buffalora erwuchs damals ein reger Handel mit Waren aller Art von nah und fern. Gleichzeitig leben Knappen und Metallurgen in Ort Buffalora. Heute sind kaum noch Spuren des Ortes ersichtlich.

Wir bauten eine Schnellvermessung des befahrenen Stollens welche ich zu einem sehr rudimentären Plan zusammenschusterte um einen Überblick des Stollens auf 815391 / 168649 zu erhalten. Dieser Plan möchte ich keineswegs dem neugierigen Leser / Leserin vorenthalten.

Minieras da Fiern

Plan gross machen, Plan anklicken

Leider reichte die Zeit nimmer um das gesamte Werk zu vermessen, nein, das Gesamte Werk würd den Rahmen von 2 und mehr Tagen bei weitem sprengen. Trotz des einzigen Vermess-Drittels ist eine gute Übersicht über den systematischen Eisenerz-Abbau im Mittelalter möglich. Der Stollen nennt sich San Rafael, eine Bezeichnung gegeben im 21 Jahrhundert der damalige Namen ist unbekannt. Hauptförderstrecke in Rot liegt knappe 16 Meter unter der gelben Grundstrecke die merklich keine Erzgänge anfuhr aber heute die noch existente Schachtverbindung in die Hauptförderstrecke offen hält.  Meine rote Hauptstrecke fährt 3 Abbauten eines 60 Grad steilen Erzganges an.  Unsere Vermessung indes reicht nur bis Ende erste Abbauzone.  Am Ende unserer Vermessung folgt der erste Abwurf, welcher, so angenommen aber nicht bewiesen, eine tieferliegende Hauptstrecke erschliesst.

Abwürfe finde ich minimum 2 weitere die einher mit den Abbauten sich anreihen. Der hinterste Abwurf, durch die letzte Abbauhaue verlaufend, erreicht tatsächlich die untere Hauptförderstrecke die jedoch in Richtung Tag zugeschwemmt ist.  Ein überbrücken der Schwemmstelle könnte am ersten Abbau möglich sein, ist aber, wie erwähnt nicht bewiesen, unser Seil war zu kurz um den gesamten Schacht absteigen zu können. Auch nach oben sind Abbauten weit hinauf fahrbar vermutlich sind auch in oberen Lagen Hauptfahrstrecken erreichbar. Leider reichte die Zeit nicht zur tieferen Erforschung der oberen Stollenbauten.

Minieras da Fiern

Plan gross machen, Plan anklicken

Die Verknüpfung des Plans mit dem Satellitenbild zeigt den Stollenverlauf unter allen Halden hindurch.  Unser befahrene Stollen dürfte eine Länge von 350 Metern inne haben ergo reicht dieser bis unter alle Halden hindurch. Die Halden auf dem Satellitenbild stammen alle von höher liegenden Stollenbauten. Mit Einbezug des  Erzgangverlaufes ist mit einer weit verzweigten untertägigen Verbindung der einzelnen Förderstrecken, im Bereich der 100 Höhenmetern, zu rechnen.

Die unten angelegten Stollen, etliche müssten es gewesen sein, sind indes wahrscheinlich alle durch taubes Gestein getrieben worden.

Der Erzgang liegt folglich zwischen 2500 und 2390 müm, alle tiefen Werke, bis 2260 müm führen kein Erz. Unser Forschungsbereich erstreckte sich zwischen 2390 und 2422 müm und, wir haben nur ein Bruchteil der Werke gesehen.

Wer die Minen besuchen möchte, solle sich an die „amis da las minieras Val Müstair“ wenden.

Wer suchtet der findet

am 18. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wieder mal eine Val Tisch Geschichte anknüpfend an vorhergehende Erkenntnisse. Konkret starten wir, eine Hand voll Freunde, die Suche nach der ältesten Untertageabbaustelle der Eisenbergwerke Minas da Fier im Val Tisch.

Bekannt ist über dies Stollenwerk, welches vermutlich aufs Jahr um 1700 oder älter datieren könnte, nur sehr wenig. Der letzte bekannte Abbau unter Albertini endete um 1845. Eine spätere Untersuchung unter Federführung von Walter Fisch, Büro Fisch Zürich,  nennt im Jahre 1943 den angegeben Stollen II mit dazugehörigem Theodolitwinkel und Distanz. Wer hier was angab und ob Fischs Leute das Mundloch im Theodolitfernrohr erkannten ist heute gänzlich unbekannt.

Val Tisch Minas da Fier

Klar ist, „Stollen I“ ist gründlich untersucht und kartiert. „Stollen II vermutet“ ist recht eindeutig innendrin wie aussenrum als verstürzte Stelle ausmachbar. „Stollen II angegeben“ indes ist ein noch zu entdeckendes Mysterium.

Val Tisch Minas da Fier

Plan gross machen, Plan anklicken

Auf meinem Plan erscheint die Position fast schon selbsterklärend und auch die Höhendifferenzen aus Fischs Aufzeichnungen sind recht eindeutig. Nun musste einzig die Stelle gesucht werden. Einfacher gesagt als getan.

Val Tisch Minas da Fier

Erstmals musste richtig viel Werkzeugs auf rund 2515 müm geschleppt werden. Da das Gebiet überaus Steil aufstieg mussten wir erstmals eine Installationsplattform einrichten ehe wir, an der vermuteten Stelle, mit der Grabung beginnen konnten.

Die Stelle scheint eindeutig, ein Felsvorsprung im Schutze möglicher Lawinen, anstehendes Erz und eine senkrechte Felskante ist wie geschaffen für nen Stollen.

Val Tisch Minas da Fier

Die Umkehrsicht zum Theodolitenstandort von 1943 scheint auch aufzugehen, siehe rote Linie.

Val Tisch Minas da Fier

Bild Lukas Rösli

Und auch die Perspektive aus Lukas Drohne scheint eindeutig.

Val Tisch Minas da Fier

Und doch, der Stollen will und will sich nicht zeigen. Kubikmeter sind inzwischen einige den Hang hinunter gepurzelt. Nach wie vor, es gibt kein Zweifel, oben muss ein Untertagezugang in die alte Abbauspalte existiert haben, wo dieser genau liegt ist unbekannt. Die Suche könnte sich noch länger hinziehen so wie damals bereits beim Stollen IV.

Trotzdem, wir bleiben dran.

Val Tisch Minas da Fier

Trotz des eher bescheidenen Erfolges, die Aussicht ist immer wieder Hammer und überaus lohnenswert.

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Val Tisch und die verschollenen Unterwelten
Val Tisch im 2017
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Eisenbergwerk Val Tisch so is es
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Minas da Fier Val Tisch
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Bergbausachverständige am graben

Beatenberger Kohlen

am 12. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist zweifelsohne nicht mein Forschungsgebiet jenes ob Beatenberg genannte Gruben am Niederhorn, respektive am Flöscherhorn.

Flöscherhorn

Bis zu 10 Stollen sollen einst zwischen die Felsplatten, ins Kohleflöz getrieben worden sein. Die Suche all diesen Stollen, im abartig steilem Gelände, gestaltete sich schwieriger als gedacht hinzukommend geizen bisherige Forscher mit genauen Koordinaten oder sonstwie verlässlichen Angaben. Wohlgemerkt war auch unser Ausflug eher Touristisch als Wissenschaftlich motiviert.  So wars hauptsächlich ein netter Familienausflug in prächtiger Landschaft mit abwechslungsreicher Stolleneinlage.

Flöscherhorn

Klar ist, bei soviel gebirgiger Steilheit wär vielleicht was mehr Kletterausrüstung durchaus angebracht gewesen.

Stollen am Beatenberg

Von den 10 überlieferten Stollen sind uns letztlich deren 2 begegnet und diese sind aktuell touristisch gut erschlossen  und kaum zu verfehlen. Die weiteren Untertägigkeiten verbergen sich gut in den zahlreichen Felsbändchen. Wenn man bedenkt das der Beatenberger Bergbau 1857 endgültig einging so erscheint die Möglichkeit einen weiteren Stollen aufzuspüren sehr, sehr gering.  Da dies nicht mein primäres Forschungsgebiet ist, bleib ich hauptsächlich bei schönen Bildern.

Stollen am Beatenberg

An einem steilen Taleinschnitt liegt der wiederentdeckte und fein gepützelte Jägerstollen. Zum Glück führt heute eine Holztreppe ans Mundloch. Nach wie vor ists Gelände nur was für Schwindelfreie.

Jägerstollen

Der Kohlestollen, welcher ein Jäger in der Neuzeit wiederentdeckte, die Namensgebung sei geklärt, ist in gutem Zustand und von einem Freiwilligen-Trupp im den Jahren um 2005 neu hergerichtet. Folglich ist dies Bauwerk bedenkenlos Familientauglich. Viele Holzeinbauten stammen aus diesem Jahrtausend.

Jägerstollen

Das Südost fallende Kohleflöz wird in der Horizontale, auf eine Länge von rund 140 Meter, geschnitten.

Jägerstollen

Ein grösserer Aufhau folgt dem Flöz knappe 10 Meter, die durchgehende Flözstärke ist selten über 10 cm. Der Jägerstollen war folglich, so wie dieser sich heute zeigt, nicht Hauptabbau.

Jägerstollen

Sehr schmuck am Jägerstollen, der kleine See an Stollenbrust der zum Lampenversenken förmlich einlädt.

Vorsassstollen

Ein weiteres Stollenwerk, in aller Munde und wahrscheinlich in allen  Wanderführern, ist der Vorsassstollen, leicht unterhalb der Niederhorn-Seilbahnmittelstation Vorsass gelegen. Dieser Stollen trägt auch gerne den Namen Begegnungsstollen und ist, trotz reichlicher Vegetation drum rum, recht einfach zu finden ergo ein richtiger Begegnungsstollen welcher unmöglich zu verfehlen ist.

Vorsassstollen

Auch dieser Stollen macht, bis auf wenige Ausnahmen, einen sehr aufgeräumten Eindruck. Die unterdimensionierte Holzzimmerung, aus den 2000er stammend, ist bereits wieder verfault und wie üblich an gut zugänglichen Stellen, ist auch hier ein Geocache versteckt was am Littering, ums Mundloch herum, erkennbar wird.

Der Vorsassstollen stammt aus dem Jahre 1842 und sollte das Kohleflöz treffen, was jedoch bei rund 140 Meter nicht geschah. Da die Vortriebskosten die zu erwartende Rendite zu übersteigen drohte, wurden die Arbeiten bei 140 Metern niedergelegt.

Stollen im Niederhorn

Plan gross machen Plan anklicken

Die Stollenbrust des Vorsassstollens ist  weit weg vom Kohleflöz noch hinzukommend scheint das Flöz, bei zunehmender Tiefe, allmählich auszukeilen. Die blauen Punkte sind Stollen die ich aus älteren Karten zusammenreimte. Kennen tue ich heute einzig den Jägerstollen und den Vorsassstollen. Die rote Linie markiert unser, eher erfolglose, Suchtrack.

Also bleibt eindeutig:
Jägerstollen 625118 / 172671
Vorsassstollen 625318 / 172194

Alle anderen sind noch zu entdecken wobei Einiges inzwischen bereits darüber verfasst wurde indessen eher dürftig in dessen Genauigkeit.

Plan-Zöller,-1802

Vielleicht am ehesten Hilfreich der Plan von Zöller aus 1802 welcher, als Nummer zwei, vermutlich den heutigen Jägerstollen ausweisst. Jedoch, wo Zöller Niederhorn meint ist her Flöscherhorn zu verstehen. Auch im Plan zu erkennen, der Jägerstollen scheint zu damaliger Zeit eher klein und unbedeutend gegenüber den zwei südlich gelegenen Stollenbauten.

Im 1771 wird der dortige Kohlebergbau urkundlich erstmals genannt.
1796 sollen indes die Arbeiten, mangels Rendite, wieder eingestellt worden sein.
1801 Beginn einer weiteren Abbauperiode mit viel Stollen wie im Plan von Zöller genannt.
1834 sind 8 Stollen aufgefahren mit einer maximalfördermenge von 250 Tonnen pro Jahr.
1841 Der Staat Bern übernimmt die Bergbaubetriebe am Beatenberg.
1842 Baubeginn des Vorsassstollens.
1857 Endgültiges Aus der Abbauarbeiten.
In den folgenden 2 Weltkriegen werden lediglich Untersuchungen auf Abbauwürdigkeit durchgeführt. Die Stollen indes verfallen allmählich.

Heute ist klar, insbesondere der Transport der begehrten Kohle wirkt, aus heutiger Sicht, wie ein Kamikazekommando. Erstmals musste die Kohle auf die Felskante geschleppt werden ehe sie bequem nach Beatenberg hinunter geschlittelt werden konnte. Der Vorsassstollen wäre die Lösung eines, schier unüberwindbaren, Transproblems gewesen wäre dieser nicht weit fern eines Abbauwürdigen Kohleflözes gelegen.  Weder im ersten Weltkrieg noch im zweiten Weltkrieg erschien das Projekt Vorsassstollen, angesichts eines doch sehr dürftigen Flözes, realistisch.

Und so warten die vielen Stollen immer noch  auf Entdeckung.

Taubentaler Untergründe

am 08. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nach doch 4 Jahren endlich die Fortsetzung einer nie abgeschlossenen Befahrung.  Die Erstgeschichte, genannte Bergwerk Taubental ob Boltigen verfasste ich am 13. Juli 2014. Inzwischen verfeinerten sich unsere Vertikaltechniken und wir konnten den Einstig in den unbekannten Schrägschacht, übers hoch einsturzgefährdete Silo wagen. Wenn doch diesmal doch eher  Horizontaltechnik, in Form einer Seilbahn über die Gefahrenstelle, gefragt war.

Bergwerk Taubental

Die Seilbahn sollte uns den Übergang über die Siloöffnung ermöglichen, was ganz gut klappte. Kante Gesenk zu Querschlagboden sind gemäss Seigerriss 7 Meter drin

Bergwerk Taubental

wobei zwischendrin, siehe Bild, eine sehr instabile Silodecke steckt. Ein Berühren dieser Holzkonstruktion, von oben her, erschien uns zu gefährlich also schlosserten wir uns seitwärts ins Gesenk.

Bergwerk Taubental

Im Schrägschacht finden sich einige interessante Details die wir bis anhin nur aus den Plänen des Büros für Bergbau kannten, rechts im Bild etwa die ominöse Wasser-Quelle mit kleiner Ministaumauer und 3/4 Zoll-Anschluss.

Bergwerk Taubental

Ziemlich bald folgt die erste, merkwürdigerweise bis zu unserer Befahrung versiegelte, Rollstrecke. Wir fanden den Holzdeckel zugenagelt bis zu oberst. Die fehlenden Bretter auf em Bild sind mein Verschulden,  dafür liegen diese fein aufgetürmt links an der Stollenwand.

Bergwerk Taubental

Es solle niemand den Teufel an die Wand malen oder ist es eine Teufelin. Fact ist, die klassische Karbid-Lampen-Russ-Zeichnung kündigt die erste, wirklich lange, Rollstrecke an. Der Transportstollen erschliesst das obere Ramsern-Flöz unterteilt in 8 Feldern. An dieser Kreuzstelle muss es dem Bergmanne wohl besonders langweilig gewesen sein wenn doch die teuflische Warnung  durchaus berechtigt ist. Das Gaswarngerät zeigt stark sinkenden Sauerstoffgehalt in der Luft. In den Abbauten sinken die Werte bis unter 17 Volumenprozent was gar nicht gut ist. 20.9 ist gewohnte Atemluft und ab 15 Volumenprozent wird’s tödlich.

Bergwerk Taubental

Der Förderstollen Nummer 1 ist auf eine Länge von ca 90 Meter ganz schön aufgeräumt bis ein Versturz kurz vor Planstollenbrust folgt.

Bergwerk Taubental

In den alten Querstollen finden wir noch intakte Magazinseiten aus der Bergbauperiode um 1945. Der gute Zustand der Blätter lässt auf sehr wenige Besucher schliessen. Auch sonst scheint wenig zertrampelt oder sonst wie Dorfbubenramponiert zu sein.

Bergwerk Taubental

Trotz Gasgepfeife, die Neugierde war stärker und so stiegen wir, mit nötiger Vorsicht, in den einten oder anderen Abbauschlitz.

Bergwerk Taubental

Der Blick aufwärts, dem ausgeräumtem Flözhohlraum folgend, sind immer wieder intakte Holzeinbauten zu bestaunen.

Bergwerk Taubental

Zeitweilig führen schmale fast senkrecht verlaufende Gänge in leergeräumte kleine Kohlelinsen. Trotz der anhaltenden Trockenheit auf Tage erwies sich dieser Aufstieg als äusserst nasses Unterfangen. Wasser plätschert überall herum.

Bergwerk Taubental

Ein kleines Artefakt aus Vortriebszeiten, um 1945, steckt noch immer im Bohrloch, genannte nicht detonierte Sprengladung im oberen Drittel des Hauptschrägschachtes. Trotz des tobenden 1. Augustes blieb dies Feuerwerk, auch nach unserer Befahrung, aus, was uns durchaus erfreute. Es ist zwar anzuzweifeln ob dies kleine Teil noch deren Wirkung entfalten täte doch ausprobieren würd ichs definitiv nicht.

Das Hauptgesenk ist leider, nach Besuch der zweiten Rollstrecke, in den letzten Metern verbrochen. Mich hätte das Umlenksystem der damaligen Standseilbahn interessiert. Von der besagten Aufzugsanlage ist leider heute nicht mehr viel übrig. Ich erhoffte, vielleicht zuoberst, Ende Schrägschacht, ein Blick auf frühere technische Artefakte zu erhaschen doch leider tat das kreuzende Flöz, respektive die bösen Brackwasserschichten, wir nennens Drachendreck, dem Zugang ein kompromissloses Ende.

Bergwerk Taubental

Plan gross machen, Plan Anklicken

Den Blick auf die Seigerrisszeichnung aus Bestand des damaligen Büros für Bergbau zeigt die Details deutlich und mehrheitlich so vorgefunden wie wirs vorfanden. Die Felder 1 bis 8 ab Rollstrecke 1 sind nur minimal bewirtschaftet. Ab Rollstrecke 2 gibt’s keinerlei erkennbarer Abbau. Die tieferen Querstollen sind alte Relikte auf den früheren Ramsernstrecken die heute, ab Hauptquerschlag beginnend, ziemlich wüsst verbrochen sind. Im Zuge dieser Ramsern- Aggression, wir nennens Drachendreck,  bleibt auch der Hauptquerschlagfortlauf in die Ebnet-Zone verbrochen was wir schmerzlich bereits vor 4 Jahren feststellen mussten.

Bergwerk Taubental

Der Übersicht willen ein Grundrissplan wies idealerweise aussehen könnte aber leider nimmer ist. Der Hauptquerschlag erreichte einst eine Länge von 850 Metern. Zwei Hauptflöze schnitt die Hauptförderstrecke, als erstes Flöz folgt die Ramsernzone ab 390 m und anschliessend bei Meter 750 folgt die Zweite Flözzone genannte Ebnet. Wie bereits erwähnt ist ab Ramsern-Flöz der Stollen und alle Seitenstollen kaum widerruflich verbrochen, Drachendreck, eine Kombination aus brüchiger Kohle, Brackwasser und Lehm, ist Schuld.

Die Vorgeschichte
Bergwerk Taubental ob Boltigen

und weitere Boltigen Bergbau Geschichten
Schwarzenmattische Untiefen
Und nochmals Bergwerk Schwarzenmatt
Kohlebergwerk Klus Schwarzenmatt Boltigen, weiter geht’s
Boltingen Bergwerk Klus, Langzeiteinblicke

Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter

am 05. August 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ich weiss auch diese Geschichte wird jene im fernen Freiburg richtig nerven. Mir egal, hat Spass gemacht und brauchte einige Aufklärung.

Nun denn, zu den Fakten, die Fortsetzungsgeschichte zu Gottesehre namentlich die Fertigbefahrung der Grube Neuhoffnung im Revier Gottesehre und der Grube Neuglück im Revier Schwarzwaldsegen doch diesmal, im Unterschied zur Erstbefahrung, mit Fischerstiefel um Gepäck und bei hitzigen Hochsommertemperaturen.

Plan Gottesehre

Erstmals, der Übersicht willen, ein sehr rudimentärer Plan ohne Anspruch auf exakte Masswerte. An beiden Gruben, jene im Norden wie auch jene im Süden, sitzen festgefahrene Fragezeichen an den Versturzstellen. Will heissen, so richtig eine Stollenbrust, Horizontal wie Vertikal wollte uns keine begrüssen, alle Gruben müssen einst um einiges Länger gewesen sein. In der Grube Neuglück führt, im Abbau, ein Schacht empor welcher mit viel Schutt, ab Meter 4 Stollenboden, dicht ist.

Aber erstmals wieder in nördlichen Gefilden genannte Grube Neuhoffnung.

Grube Neuhoffnung

Im Hochsommer zeigt sich der Stolleneinschnitt, nur scheu in mitten des Urwaldes.

Grube Neuhoffnung

Dafür gabs im Stollen, im Gegensatz zur Erstbefahrung, kaum Wasser.

Grube Neuhoffnung

Zeitweilig jedoch hartnäckiger Schlamm am Stollenboden.

Leider ist dies Stollenwerk, nach geschätzten 70 Metern, verbrochen. Zwar zweigt der Bau in zwei Arme wovon einer Handwerklich verfüllt erscheint während der Zweite, wahrscheinlich genau unter dem Urbächle, verstürzt ist. Die Unterfahrung des Hauptwerks Gottesehre können wir heute folglich weder bestätigen noch dementieren. Klar ist, Schwer und Flussspat steht an, UV-Check, indessen ist die moderne, aber zugemauerte Hauptstrecke, noch weitere 200 m ab Versturz entfernt. So setzte ich meine Hoffnung dies Geheimnis je lüften zu können ganz auf die lokale, neugierige Dorfjugend. Die Zumauerung, um den Fledermausschlitz, an der neuen Hauptstrecke, besteht auf Kalksteinen die mit wenig zutun Neues offenbart.

Die Südseite des Mühlebächles kennt indes ein eben so schmuckes Bergwerk welches wir auch nicht Endbefuhren da damals zu viel Wasser definitiv zu kalt war.

Grube Neuglück

Solle man der Vergitterung Glauben schenken so muss  Deutschland ein potzereiches Land sein. Trotz feinster Verzinkerei, war der Eintritt zum Glück an beiden Mundlöchern, auch mit etwas Speck um die Hüften, relativ trivial.

Grube Neuglück

Die Grube Neuglück ist wahrscheinlich bereits im Mittelalter aufgefahren worden. Letzte industrielle Prospektionen indes durften auf die Neuzeit um die 1960 datiert sein.

Grube Neuglück

Wie bekannt gabelt sich das Untertagewerk in einen mit Schutt verfüllten Stollen und einen mit Wasser gefüllten Stollen. Mit meinen Fischerstiefeln lässt sich die nasse Abzweigung gut abschreiten.

Grube Neuglück

Über ein kleines Loch am stark verfüllten Stollen erreicht man den Abbau.

Grube Neuglück

Im Innern der Abbauhalle liegt ein Hochstoss mit neuzeitlicher Bühne. Ohne Zweifel dies Bergwerk ist heute noch aktiv wenn doch ohne offizielle Konzessionsnehmer und Nehmerinnen. Der Hohlraumboden ist übersät mit Barytkristallen. Die Holzbühne ist für eher schlanke Strahler konzipiert als für Bergleut mit schwerem Gerät. Es sind reichlich unprofessionelle aufhauen am Erzgang auszumachen.

Grube Neuglück

Im oberen Abbau führte einst ein Schacht weiter welcher jedoch heute mit Geröll und Holz dicht ist. Das noch heute aus dem Versturzdeckel herausragende Zimmerungsholz lässt auf eine weitere grössere Abbauzone schliessen diese Zone indes bleibt heute sowohl über Tag wie unter Tag gänzlich verborgen.

Vorbeitrag:
Gottesehre

Weitere Fluoriter:

Brenden Part II
Bergbaueinsichten Brenden
Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen
Altbergbau vs. moderne Zeiten
Noch mehr Segalerbacher Fluoriter
Segalenbacher Flourite
Sankt Basiens Bleiglänzer und sonstige Fluoriter

Surminer Einblicke

am 22. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist wieder eine komplizierte Geschichte die auf gebührende Aufarbeitung wartet. Ob ich die Würdige bin um solch ein fernes Wirken auszuarbeiten sei, zugegeben, dahingestellt.  Trotzdem, ich will mich diesem Thema allmählich annähern und vorhandene Arbeiten zum besten geben.

Diese Geschichte handelt vom Fahlerz-Bergwerk Surmin und beginnt, da noch meine Erkenntnisse wenige sind, mit viel Bildmaterial und etwas Reisebeschrieb. Weiter bin ich am Zeichnen eines Grubenplanes welcher jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Ich war neulich, mit ein paar Bergbaufreunden, im Kupfervorkommen unterhalb Surmin. Es liegen einige Messdaten zum Surminer Bergwerk auf die ich in ein Planwerk einpappen sollte doch ohne Eigenvisualisierung ist solch ein Zeichnungswerk reine Spekulation also stieg ich in die gefährlichen Höhen des Bergbaus anno 1600.

Kupferbergwerk Surmin

Die Bergleute um die Jahre 1600 oder früher lebten gefährlich auf luftiger Höhe in der Felswand. Drei Gesenke erschlossen das Fahlerz-Vorkommen auf unterschiedlichen Niveaus. Punktuell sind Bohrlöcher auffindbar das gross der Stollen dürfte indes feuergesetzt oder schwerste Hebelarbeit sein.

Kupferbergwerk Surmin

Die Stollen, in Minimaldimension gehalten, winden sich wirr durch die kantige Felslandschaft.

Kupferbergwerk Surmin

Wahrscheinlich waren einst die 3 Gesenke zur optimalen Beförderung der Erze  miteinander verbunden. Fest steht, das Bergbauhandwerk  war auf dieser Baustelle nicht besonders ausgereift. Es sind kaum systematische Transportwege aufgefahren. Die Erschliessung ist auf ziemliches Minimum gehalten.

Kupferbergwerk Surmin

Zeitweilig wird’s richtig eng und richtig steinig. Zwar tat der Zahn der Zeit gehörig noch die Stollenwerke verengen doch in diesem Werk war gefährliche Kinderarbeit damaliger Alltag.

Kupferbergwerk Surmin

Holzeinbauten sind eher selten und nur an notwendigster Stelle improvisiert angebracht.

Kupferbergwerk Surmin

Manch Holz könnte lange nach der Bergbauperiode eingebaut sein. Im obersten Gesenk liegt ein enger Raum mit eingelassenen Nischen und ausgehauenem Trog. Die Szenerie wirkt auf mich wie eine liebevoll gestaltete Kultstätte welche über den Bergbau hinaus immer wieder Faszination oder gar Verwendung fand.

Kupferbergwerk Surmin

Der Blick aus dem Gesenk war, bei herrlichem Sonnenschein, trotz den Strapazen, kaum zu überbieten.

Kupferbergwerk Surmin

Am untersten Stolleneingang lehnt ein Steigbaum welcher jedoch, ohne Zweifel, aus Neuzeit gründet und keinerlei Bergmännische Bedeutung inne hat. Viel eher warens Neugierige die sich, improvisiert, den Zugang ins kleine Stollenwerk oberhalb ermöglichen wollten.

Kupferbergwerk Surmin

Indessen könnt der Deckel unterhalb des Steigbaumstolles durchaus aus der letzten Bergbauperiode stammen. Der Stollen mit dem Steigbaum ist der tiefst gelegene in der 3er Gruppe. Am Steigbaumstollen zweigt kurz nach Eingang  ein weiteres Gesenk an welchem, in einer Dachöffnung, der abgelichteten Holzdeckel eingebaut ist. Dem Steigbaumstollen könnte folglich eine transporttechnische Bedeutung zugekommen sein. Wahrscheinlich waren die Gesenke früher durchschlägig zum Steigbaumstollen.

Kupferbergwerk Surmin

Heute jedoch führt nur der Weg aussenrum, über die gefährliche Felswand, zu den oberen Gesenken. So richtig genau werden wir diese möglich Verknüpfung nach Fertigstellung des Plans beweisen können.

Kupferbergwerk Surmin

Ein vierter Fahlerz-Stollen liegt etwas abseits, knapp oberhalb der Bahnlinie Filisur Bergün. Auch dieser Stollen scheint hauptsächlich feuergesetzt zu sein. Allerlei rote Initialen an der Stollenwand zeugen von neuzeitlicher Verewigung deren tiefere Bedeutung jedoch entzieht sich meiner Kenntnis.

Kupferbergwerk Surmin

Die Übliche QGIS-Zeichnerei zeigt die Situation beider Gruben. Die untere ist nahe der RhB-Linie Filisur Bergün. Die oberen Stollen sind im Felsen, schwer erreichbar, auf knapp 1400 müm. Wahrscheinlich waren die Kupfererze in die damalig bereits vorhandenen Öfen von Belaluna, respektive damals Ballalüna, verhütet.

Kupferbergwerk Surmin

Meine Ansicht, der vermute Weg, in Giftgrün, um 1870 dies eindeutig lange nach der aktiven Bergbauepoche. Erwiesen ist dass die Bellalüna-Schmelzen, in etwas schlankerer Form, bereits um 1600 standen.

Alleweil wird der entstehende Plan, mit den Messdaten aus  Beat Heebs Vermessung, sicher noch einige Rätsel klären bis dahin verweile ich am Zeichnen respektive auf weiteren Bergbauabenteuern.

Brenden Part II

am 21. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ergo, die Fortsetzungsgeschichte zu Bergbaueinsichten Brenden

Zweifelsohne bliebt das Rätsel um den Fortlauf des neueren Schwerspatstollens, aus dem Fundus der Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH, lange im dunkeln und ich bin mir heute nimmer sicher ob wirklich letzte Klarheit übers dessen Ende besteht aber, die Neugierde war gross, und die Ausrüstung wird immer besser.

Darum, jene die sich nerven ab meinen Ergüssen oder, mich nicht einlochen können oder, irgendwas Stinkiges zu verbergen haben oder schlicht  Wasser aus der Mettma trinken, Back-Knopf benützen, hilft nicht nur gegen Durchfall.

Alle anderen freut Euch auf eine eher unwissenschaftliche Schwarzwälder Bergbaugeschichte mit viel sportlichen Elementen.

Genanntes Brenden, Thema einiger Forscher, prominentester an dieser Stelle Helge Stehen, denn ich gerne immer wieder zitiere. Nicht unweit des Ortes Brenden nahe des Bachs Mettma liegt ein markantes Abbaugebiet welches bis in die 1970er immer wieder, mehr oder minder gewinnbringend, bespielt wurde. Seit den, ich glaube 1973, tummeln sich nur noch Neugierige in den Stollen.

Brenden Schwerspatgrube

Der Parallelstolleneingang aus den 19. Jahrhundert ist noch immer Fahrbar und auch Mattis Auszugsleiter passte durch die enge Öffnung einzig speziell die darübergelegten Hölzer die so scheinen als wolle ein Zeitgenosse was unter dem Gehölz verbergen.

Brenden Schwerspatgrube

Auch diesmal wars Wasser, ab Meter 7, in allen Höhen allgegenwärtig. Die Watthosen taten besten Dienste.

Brenden Schwerspatgrube

Wo es trocken wird, wird’s Steinig wenn nicht gar Kriechig. Das System ist klar, das Erzband verläuft fast Senkrecht von Nord zu Süd. Ein Förderstollen mit 60er-Schiene unterquert die Firstabbauten.

Brenden Schwerspatgrube

Mittels Rollenschnauzen wurde der, Schwerspat in die Hunte gefüllt. Manche dieser Rollenschnauzen sind noch einigermassen ansehnlich der Grossteil jedoch  ist definitiv kaputt.

Unsere diesmalige Mission galt dem Stollenende zu diesem Zwecke war Watthose wie auch Auszugsteleskopleiter mit im Gepäck. Bekannt war uns dass der Wechsel zwischen Förderstrecke und Abbau, respektive das Umgekehrte, unumgänglich war zur weiterbefahrung. Die Leiter erwies sich zu diesem Zwecke sehr nützlich.

An der ersten Station kletterten wir, nahe dem Wetterschacht, in den Abbau. Vom Wetterschacht herunter, kappe 40 Meter durch den Abbauschlitz donnert Wasser in Zahlreicher Menge herunter. Die Tatsache das Wasser zu einer Deckenöffnung ca. 40 Meter ob uns, herausströmt wie auch der nahe herumliegende Tierfriedhof, lässt auf eine Tagöffnung schliessen. Unter der Hauptfontäne liegt ein etwas grauhaariger Dachs welcher allmählich in die Skeletform transformiert. An der nächstkommenden Rolllochöffnung wagten wir den Sprung ins nächste Biogewächs. Auch hier wieder einige Felltiere die aber nimmer so richtig zu erkennen waren. Einiges des Fellzeugs tümpelt im furchterregend stinkendem Wasser vor sich hin. Fliegen sind in dieser Zone definitiv die Hauptbewohner und das in die Meetma fliessende Wasser macht keinen gesundheitsfördernden Eindruck.

Brenden Schwerspatgrube

Mein Makrobegeisterterter Freund Matti versuchte ein Pilzgebilde abzulichten was ein Schwadron Kampffliegen mittels Zerstörung des Objekts erfolgreich zu unterbinden wusste.

Brenden Schwerspatgrube

Dazwischen auf unserer Reise eine Abbteufung unbekannter Tiefe. Auf dem Hinweg war ein tänzeln über die, sehr tief liegende, Pressluftleitung recht bequem machbar. Der Rückweg durch die, inzwischen rege getrübte Kloake, erwies sich indes als schwer zu meisternde Aufgabe.

Brenden Schwerspatgrube

Kein Ponyhof, der nächste, ziemlich dominierende Versturz, musste der Kante des Fahrtenkastens folgend, überwunden werden. Um weitere Meter zurückzulegen war eine Querung des Fahrtenkastens notwendig.

Brenden Schwerspatgrube

Im Innern der senkrechte Blick hinauf in wahrscheinlich einer weiteren Sohle die wir jedoch nicht erreichen konnten. Die nötigen Fahrten liegen leider, bis auf jene auf em Foto, zerbrochen am Boden.  Nichts desto trotz wirkte die Holzkonstruktion erstaunlich stabil.

Brenden Schwerspatgrube

Nach der erfolgreicher Überwindung des Hindernisses nochmals ein Blick zurück.

Im Weiterverlauf des Firstbaus wird’s allmählich hügelig. Es liegt ein hoher Schuttkegel im Weg welcher noch beklettert werden muss.

Brenden Schwerspatgrube

Oben angelangt nochmals die Sicht in Richtung Tag an den Fahrtenkasten welchen wir zuunterst durchquerten.

Brenden Schwerspatgrube

Aus einer Öffnung im Abbaudach guckt provokant ein Baumstamm hervor. Das Möbel ist, entgegen der Bildaussage, doch noch 5 Meter in greifbarer Ferne. Die Schwerspatlinie scheint auf em Niveau Grundstrecke kontinuierlich auszukeilen.

Brenden Schwerspatgrube

Bald ist nach Berg und Talfahrt der Hauptabbau langsam endig. Der Grundförderstollen könnte weiterführen man sieht an der Dachkannte etwas in die Tiefe doch weder Fluorit noch Baryt sind erkennbar.

Möglich dass die Hauptstecke noch um eine Zugskomposition weiterführt, möglich indes auch ein weiterverlauf der Grundstrecke in einen weiteren Abbau.

Fakt ist, entgegen unserer Empfindung, legten wir nur gerade etwa 500 bis 600 Stollenmeter zurück.  Die Position des Wetterschachtes ist Auftage bekannt.

Brenden Schwerspatgrube

Die Umsetzung im QGIS zeigt eine Stollenlänge bis Wetterschacht von  300 m bis 400 m. Die Dachse sind nur plusminus Vertikalflugbefähigt. Ergo gibt’s da wenig Abweichung im Nordsüd-Schachtverlauf.  Die Distanz zwischen dem Wetterschacht und dem Stollenende kann maximal 100 Meter betragen wobei ich auf weniger tendiere. Klar ist, am Ende öffnet eine zweite, gänzlich unbekannte Sohle ob ca 20 Meter Grundstrecke. Der Baumstamm welcher zur Öffnung herausschaut lässt auf ein grösseres Untertagewerk schliessen. Diese Sohle ist gegenwärtig, aktueller Wissensstand, nur über den Fahrtenkasten erreichbar.

Brenden Schwerspatgrube

Im Seigerriss, aus der Erinnerung gezeichnet, sieht der letzte Abschnitt wir folgt aus. Ob ein weiterer Abbau folgt, etzieht sich gegenwärtig meiner Kenntnis. Um dies herauszufinden müsste das Ende mit schwerem Gerät leergeräumt werden.

Fest steht, es gibt noch etliche Abbauten oberhalb aus verschiedenen Zeitepochen. Auch Helge Steen beschreibt, bei Vortriebsarbeiten um die 1970er, mehrmaliges Antreffen alten Mannes. Anderseits verliert sich der Schwerspat/Flussspat Gang am Ende des erkundeten Abbaus. Es ist denkbar das der erkundete Hauptstollen nur gerade 600 Meter Länge misst indes oberhalb weitere, verstürzte Gruben liegen. So genau werdens wirs, fürchte ich, nie wissen.

Meine Vorgeschichte
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Ursera 2018

am 08. Juli 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

So genug Almeria, die Wintermonate werden kommen um weiterzumachen.

Nun jedoch ist das Wetter schön und die hiesigen Berge entfalten den gesamten, lockenden Charme. Ergo weils so schön war, und ich mich wieder hinauf traute,  Ursera, nochmals mit Bild und wenig Text.

Ursera

Wer die kleine Anhöhe eingangs Ferreratal erklimmt, ist allererst ob landschaftlicher Schönheit beeindruckt. Für mich jedesmal, dies Eck, ein Highlight. Und auch die noch gut erhaltenen Industriespuren lassen viel Einblicke in damalige, hauptsächlich um 1863 bis 1869 aktive, Kupfergewinnung zu. Am letzten Wochenende waren zahlreiche fleissige Hände am Erhalt und der Dokumentation der Anlage beschäftigt.

Ich war, offen gestanden, hauptsächlich als Touristin unterwegs und Stollen ein, Stollen aus unterwegs. Ergo darum hauptsächlich wieder mal Bilder und weniger Wissenschaftliches.

Ursera

Wer in den grössten Abbau übers Cantina-Stollenwerk einsteigen mag riskiert viel. Der Holzüberdeckte Schacht am Eingang zum Abbauschlitz ist mit Steinen reichlich übersät. Das Holzgerüst wird die Last nimmer lange tragen. Trotzdem, der Abbauschlitz, welcher 3 Stollensysteme miteinander verbindet, ist immer wieder eine Augenweide.

Ursera

Als letztes endete unsere Stollentour im System Bethlehem. Ein umfangreiches Werk an welchem noch heute Anschlüsse an ältere Untertageepochen zugänglich sind.

Ursera

Im Innern, an der Hauptstrecke, immer wieder  bizarr anmutende Abbauzonen.

Ursera

Zerbrechliche Spuntwände zeugen von der Vergänglichkeit menschlich geschaffener Bauwerke.

Ursera

Im Bethlehemsystem trafen wir die aktiven 3D Vermesser bei aufwendiger Scanarbeit.

Wir beschlossen die aufwändige Datenerhebung nicht weiter zu beeinträchtigen worauf wir uns in die alten Abbauten, wahrscheinlich Feuersetzzonen, verzogen.

Ursera

In dieser alten Haue ist nix mit stehen und auch das Durchkriechen wird, auf den spitzen Steinen, praktisch überall zur Tortur. Dieser alte Abbau wird unser 3D Scanner-Team kaum ablasern können, zu eng sind die Gesenke. Hier werden einzig unsere Distos helfen.

Darum an dieser Stelle kurz ein Plänchen um die Situation zu verdeutlichen.

Ursera

Plan gross machen, Plan anklicken

Die Gelbe Zone ist eindeutig sehr alt und nie so richtig vermessen worden. Mein gelber Fleck ist eindeutig Annahme. Ich habs nicht in jedes Eck geschafft.  Der Rest des Plans ist aus Eschers Aufzeichnungen übernommen. Die orange Zone ist die obere Sohle mit Abstieg und violett steht für untere Strecke mit Abbauten. Wer, was, wie, wo und vor allem wann,  ist heute schwer zu rekonstruieren. Tatsache ist, der grösste Aufwand betrieb die britische „Val Sassam Mines Company“ um 1863 bis 1868.

Weitere Urserageschichten
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Wo sich Eisen versteckt

Das Geheimnis verschwundener Goldstollen

am 17. Juni 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Und wieder eine Almeriageschichte, diesmal angesiedelt im nahen Rodalquilar. Eine Geschichte die mit Bildern nicht geizen wird da wir derer auf unserer Studienreise im Mai reichlich machten.  Eine Geschichte auch die einige verschwundene Stollenwerke wiederöffnet und derer Erkundung dokumentiert.

Alle hier erkundeten Minen stammen aus dem 19. und 20. Jahrhundert und dienten zur Goldförderung im Quarzgang, in letzter Epoche durch die Bergbaugesellschaft Adaro.

Da manch ein Stollen zugemauert, getarnt oder sonstwie annektiert ist, wars vorteilshaft aus fernem Land zu stammen, um tief in die Unterwelten zu blicken.

Wir folgen einem leicht Goldhaltigem, ausgeräumten Quarzband von der Mine „las Niñas“ aus beginnend.

Rodalquilar Las Ninas

Las Niñas war uns bekannt aus letztjähriger Studienreise nur fehlte damals der Einstieg ins tiefere Level.

Rodalquilar Las Ninas

Der ausgeräumte Quarzgang zieht sich fast senkrecht durch den Berg, im Bild die Sicht Vertikal nach oben, wie wir heute wissen, von Süd zu Nord Azimut 25 Grad.  Der Quarzgang streift den Dorfrand Rodalquilar im Westen und zahlreiche, teils miteinander verknüpfte,  Stollenwerke machten sich dem Quarzganz zu schaffen. Einzig das Tal „Barranco del Chuchillo“ schneidet das Stollensystem, gemäss aktuellem Wissensstand, auf rund 80 Meter über Meer ziemlich genau mittig.

Rodalquilar Las Ninas

Wir wussten bereits aus erster Reise dass unterirdisch ein reiner Förderschacht, mit rund 70 Meter Abteufung, sitzt. Dessen Abstieg, respektive der anschliessende Aufstieg, indes kein Leichtes, zumal 70 Meter ohne Pausenmöglichkeit, Vorspruch, Seitenstollen, ziemlich an der Substanz zehrt.

Stattdessen war die ausgeräumte Gangspalte prädestiniert zum Abstieg in mögliche tiefere Förderstollen.

Rodalquilar Las Ninas

Mittels Speleovertikaltechnik erreichten wir die erhofften Förderstrecken (Bild Matti).

Rodalquilar Las Ninas

Eine erste Umladestrecke findet sich auf – 20 Meter ab Hauptstrecke las Niñas.

Rodalquilar Ronda i el Resto

Und eine zweite Förderstrecke finden wir auf – 39 Meter ab Hauptstrecke las Niñas. Diese Strecke schlängelt schier unendlich durch den Berg ehe unsere Erkundung an einer Vermauerung endet. In der Mauer eingelassen ein kleines Törchen welches, durch die Spalten erkennbar am Gegenende in kleinem Raum, mittels Riegel geöffnet werden kann.

Auf der -39 m Strecke sind immer wieder grosse Aufbruche erkennbar auch findet sich nahe der Vermauerung ein weiterer Schacht welcher klar Tagwärts führt. Eine kleine DistoX2 Vermessung  ergibt eine recht eindeutige Längenangabe, ca 500 m, wie auch ein aussagekräftiger Azimut.

Rodalquilar

Im Satellitenbild ist der nähere Zusammenhang schnell erkundet und, wie wir später erfahren,  erreichten wir unterirdisch, über Strecke -39, die Mine „Ronda i el Resto“. Nun wars einzig Ding unserer Neugierde, die Suche des Mundloches auf der Umkehrseite der Mauerung

Rodalquilar Ronda i el Resto

und nicht lange blieb es Verborgen. Vor dem, mit Türe ausgestattetem, Stollenportal liegt eine Matratze.

Rodalquilar Ronda i el Resto

Im kurzen Stollenstummel, rund 5 Meter Untertägig, ein dazugehörendes Bett, eine kleine Kult, Andachtsstätte rechts in einer Nische und, ganz wichtig, unser Törchen in die Strecke -39.

Nicht weit fern, auf der gegenüberliegenden Seite des Tals „Barranco del Chuchillo“  wieder ein Gebilde möglicher Stollenbeschlagnahmung.

Rodalquilar Mina Consulta

Auch dies Häuschen scheint eine grössere Förderstrecke zu tarnen.

Rodalquilar Mina Consulta

Hinter dem zarten Häuschen ein wildes Durcheinander möglicher Entsorgungsstätte. Und auch Gerüche sind nicht minder vertreten dieser Anlage.

Rodalquilar Mina Consulta

Irgendwo hängt in der Fahrstrecke, nach knappen 50 Metern,  ein mit Gips überpappter Teppich welcher allen erstes glaubt er könne uns die Stollenbrust vorgaukeln. Da wir doch schon einige Bergwerke sahen, wussten wir eindeutig am Teppich vorbei in den Stollenfortlauf. Geruchlich  dominiert, ab Teppich, eindeutig die Verwesung.  Den Ursprung des Duftes lokalisieren wir in einem Schaf, Hund, was auch immer, welches in der Sprengkammer locker vor sich hin dampft. Wer ein Empfindliches Näschen trägt sollte dieser Einstieg eher meiden, der Gestank, gelinde formuliert, ist kaum auszuhalten. Indessen liegt hier die Luftqualität voll im grünen Bereich entgegen der westlichen Parallelstrecke.

Rodalquilar Mina Consulta

Wir sind, erfahren wir später, in der Mina Consulta. Auch wieder, riesige fast vertikale  Aufhauen des Qurzgangs.

Rodalquilar Mina Consulta

Diese Mine liegt am Dorfrand und solle bis 1958 über den markanten Förderturm die Aufbereitungsanlage „Planta Dorr“ reichlich mit Quarz versorgt haben.  Im Bild die eindrücklichen Fundamentpfeiler des Förderturms aus dem Aufzugsmaschinenhaus aus betrachtet.

Rodalquilar Mina Consulta

In der Mina Consulta sind noch einige Artefakte aus Abbauzeit erhalten. Teilweise sind noch Schienen und Pressluftleitungen erkennbar.

Rodalquilar Mina Consulta

Doch Vorsicht, wo Schienen sichtbar werden, betrifft westliche Parallelstrecke, sinkt der Sauerstoffgehalt rapide ab. Den Schienen folgen ist tödlich.

Der Hauptschacht Consulta in Rodalquilar bleibt, gegenwärtiger Erkenntnisstand, unerreichbar. Die wichtige Oststrecke ist kurz vor Schacht übel verbrochen und in der Weststrecke gibt’s zu wenig Sauerstoffgehalt und zu viel CO2 Volumenprozente um zu überleben. Indessen teufen die Aufbrüche stellenweise auf geschätzte 50 Meter ab und die Grösse des Maschinenhauses lässt eine sehr grosse Kabeltrommel erahnen. Gut möglich dass über die Aufbrüche tiefere Sohlen erreichbar sind die bis an den Schacht Consulta führen. Sicher ist, solch ein Unterfangen birgt grosse Gefahren da die Luftqualität unerwartet massiv abnehmen könnte.

Übersicht Rodalquilar

Der vollständigkeitshalber die Karte mit Erklärungen.

Die roten Punkte sind Mundlöcher, gelbe Quadrate symbolisieren Schächte und die roten Linien stehen für Stollen. Von Süd nach Nord reihen sich, „las Niñas“, „Ronda i el Resto“ und „Consulta“ aneinander. „las Niñas“ und „Ronda i el Resto“ bewirtschafteten ein Quarzband während  „Consulta“ 2 Quarzbänder anfuhr. Im  zweitem, westlichem Quarzband dominiert nordwärts zunehmend Schlechtwetter. Das Quarzband wird erkennbar durchs Tal „Chuchillo“ indessen sind die tieferen Sohlen, welche unters Bachbett führen könnten, unsereins nicht erkundet.

Und meine Hauptgeschichte Rodalquilar gibt’s auf: Goldminen Rodalquilar

La Partala

am 27. Mai 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Schon wieder eine Almeriageschichte

Wer sich schon das Satellitenbild neben Benahadux oder meine Bergbau, Gador und Benahadux Geschichte zu Gemüte führte, dürfte, ab solch wuchtiger Bergbaulandschaft, schwerst beeindruckt verweilen. In der Tat ist Bergbaurelikt aus Hochblüte der Schwefelproduktion grösseren Ausmasses.

La Partana Benahadux

Die Haupthalde bei der Schmelzanlage misst rund 180 m Ausdehnung und ist gut und gerne 30 m hoch. Leider ist seit meiner Erstgeschichte Bergbau, Gador und Benahadux einer der 2 Gil-Ofenkamine eingebrochen. Im Bild steht nur noch der linke Kamin.

Bis anhin war mir die Unterwelt dieser Produktionsstätte gänzlich unbekannt doch dies Jahr, in Begleitung äusserst fähiger Bergbauexperten und Expertinnen, gelangen sehr detaillierte Einsichten die ich, in dieser Geschichte, weiter ausführen werde.

Bei Erkundung der Auftage-Installationen liess ich ein GPS-Track mitschreiben welcher zuhause weitere Auswertung ermöglichte.

Karte als PDF gibt’s mit Link minen_akt.pdf

Die rote Linie im Osten zeigt meine Erkundung des Partala-Reviers und die Linie im Westen folgt meiner Schachterkundung im Revier Minas de Gador. Beide Reviere förderten Schwefel respektive in letzter Periode Alaun.

Ich möchte mich indes in dieser Geschichte hauptsächlich den Minen zu Benahadux, genannte „La Partala“ zuwenden.

La Partala Benahadux

Bild als PDF auf: partala_bild.pdf

Mir eindeutig bekannt, im neuen Bergwerksteil, sind 4 Abbaufelder, alle erschlossen über einen Förderschacht und minimum einen Fahrstollen.

Der alte Teil, so um 18. bis 19. Jahrhundert ist deutlich wirrer angelegt und nur schwer zu überblicken.

La Partala Benahadux

Bild als PDF auf: partala_bild_alt.pdf

Stollen gibt’s etliche auf dem „Risco de Gila“. Ich hab leider am erstbesten Mundloch mein Tracker liegen lassen worauf dies Gebiet keine schöne rote Linie ziehen konnte.

Die Stollen sind meist Gesenke in Maximallänge von 150 m und wirr durch die Hügel schlängelnd. Wo modernerer Bergbau Einzug hielt sind auch einige Förderschächte auffindbar.

Minas Viejas La Partala Benahadux

Die Stollen sind alle Handgeschrämmt und selten in bequemer Horizontalführung folglich erfolgte die Materialförderung mittels „Espuertas“ eine Art Strohgefässe gemäss nachfolgendem Foto.

Espuerta

Die neue Anlage, wahrscheinlich so ab 1900 in Betrieb, ist nicht minder interessant.

La Partala Benahadux

In der Landschaft liegen immer wieder riesige Abraumhalden offen trotzdem sind Stollen und Schächte nicht  einfach zu finden. Die Schächte sind mit gemauerten Deckeln ausgestattet und die Fahrstollen sind, wenn noch intakt, gut getarnt, etwas abseits der grossen Halden. Der östlich gelegene Schacht, wahrscheinlich ein älteres Semester, ist mit Pferdegöpel ausgestattet. Die neueren Schächte indes dürften bereits, trotz geringer Tiefe, über elektrische Seilwinden verfügt haben.

Einer dieser gut versteckten Fahrstollen war mir zuteil worauf ich ein Blick ins System des Bergbaus erhaschen konnte.

La Partala Benahadux

Die Stollen sind teilweise eng und dienten der Sondierung und dem Personenzugang zu den Abbaufeldern. Im Bild eine Sondierung die dem allmählich auskeilendem Schwefel folgte.

La Partala Benahadux

Die Abbaudurchgänge sind nicht minder desolat. Staub ist allgegenwärtig im Untertageteil.

La Partala Benahadux

Und bald folgt in der verhältnismässig kleinen Abbaukaverne ein erster Förderschacht welcher vertikal nach oben führt.  Am Ende des Schachtes ist gut erkennbar der gemauerte Steindeckel. In dieser Abbauzone verkehrten eindeutig Grubenhunte.

La Partala Benahadux

Auftag ist der Schachtdeckel sauber mit Verputz überzogen.

La Partala Benahadux

Nicht weit fern das Maschinenhaus für die Seilwinde.

La Partala Benahadux

Den grossen Plan gibt’s per Klick im neuen Fenster.

Der Feld 3 Abbau wird eher klein gewesen sein, die Halde neben der Förderanlage ist durchwegs bescheiden und auch das Untertätige ist schmal und eng. Einzig die Stollenlängen neigen ins Weite. Klar ist, QGIS flüstert sowas, Mundloch und Schacht trennt 188 m Luftlinie. Solch Stollenstrukturen sind von uns total 2 erkundet worden, wahrscheinlich könnten nochmals 2 bis 3 solch Systeme zum modernen Werk, ab 1940, gehört haben. Ich habe die Stollensysteme von Ost noch West durchnummeriert ergo wär dies dokumentierte Feld das Nummer 3. System 2 ist eindeutig verstürzt und die Nummer 1 mit dem Pferdegöpel ist richtig Dichtgemacht. Meine Freunde wagten sich noch ins 4. Streckensystem und ein 5. soll auch noch offen sein.

Grubenhunt Benahadux

Im modernem Bergwerksteil waren Grubenhunte im Einsatz entsprechend dem Exemplar welches heute den Kreisel, am Ortseingang von „El Chuche“ her kommend, ziert.

Links:
Meine Stammgeschichte Bergbau, Gador und Benahadux
und Fremd,
MINAS DE AZUFRE DE LA PARTALA (BENAHADUX)

Raja Lustrina

am 21. Mai 2018 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Ich war wieder mit Freunden im fernen Almeria am Erkunden dortiger Unterwelten. Ein Objekt welches seit Kindheit im Kopfe herumgeisterte und Gegenstand zahlreicher Spukgeschichten war, steht noch heute stolz in verwaschener Felswand.

Raja Lustrina

Es ist dies die „Raja Lustrina“ an der alten Landstrasse N-340a nach Murcia wobei der Name „Raja“ für Spalt steht und so zeigt sich dies Stollensystem, dem neugierigen Betrachter / Betrachterin, erstmals als rund 3 Meter hoher Spalt in der Sandsteinmauer. Man erzählt sich, das Bauwerk stamme aus Maurenzeit, 7. bis ins 10. Jahrhundert, und war über etliche Kilometer lang. Eine mir aus Kindheit bekannte Legende besagte dass dies Stollensystem als Fluchtgang diente und über etliche Fallen verfügte welche allfällige Verfolger hätten stoppen sollen. Ich habe, über die Familie meinen Grossvaters, etliche Geschichten um diesen mysteriösen Ort mitbekommen selbst wagte ich indes nie den Blick hinein.

Inzwischen  jedoch waren knappe 45 Jahre übers Land gezogen und sowohl ich wie auch meine Freunde sahen in diesem Werk eine würdige Herausforderung. Dem Konzept des Wissens schaffen beschlossen wir, in kleiner Gruppe, das Stollensystem auszumessen um daraus ein, auf Fakten basierender, Plan zu bauen.

Erstmals jedoch dem Blick hinein,

Raja Lustrina

Wie so oft in verlassen Hohlräumen gibt’s auch in der Raja Lustrina reichlich Müll. Wenige Meter ab Tag gabelt sich der geschrämte Stollen in 2 Hauptrichtungen. Die kurze Südstrecke gabelt weiter 3malig ehe ein Tageinbruch folgt.

Raja Lustrina

Tageinbruch eines ehemaligen Stollenfensters.

Etliche Zweigstollen münden nahe Tag im Versturz. Die Bestimmung des Stollens wird schon bei dieser kurzen, rund 30 Meter langen, Befahrung klar. Bei dieser Anlage handelt es sich ohne Zweifel um ein Verteidigungs- und Überwachungswerk, durchaus denkbar aus Maurischer Zeit. All die kleinen Stollenarme führten einst, an kleine Fenster im Felsen. Wahrscheinlich stand dies Bauwerk in Zusammenhang mit einer möglichen Mauer übers Tal der Rambla Tavernas. Der 3 Meterschlitz könnte an ein Turm angefügt worden sein. Die Stollen sind indes leider wenige Meter ab Tag kaum 1.50 hoch.

Der Gegenzweig in Nordrichtung ist bei weitem der Längere und auch der durchwegs Interessantere.

Raja Lustrina

Der Stollen ist ins weiche Sandstein / Nagelfluhmaterial geschlagen. Es liegt viel Sand, welcher vom Stollendach herunter rieselt, am Boden. Fakt ist, das Stollenprofil dürfte, in Originalform, grosszügiger aber nicht merklich Grösser gebaut worden sein.

Raja Lustrina

Der Boden liegt deutlich unter dem Sand. Ab rund 100 Meter bergwärts sind auffällige Seitenmauern erkennbar diese jedoch grösstenteils unter dem Sand. An einer tiefgelegenen Stelle versuchte ein neugieriger Vorgänger mittels Schaufel den Felsboden zu erreichen. Klar wird das rund 1.20 Meter Sand den Felsboden bedecken. Für uns heissts nach wie vor, gebückte Haltung während Erkundung und Vermessung.

Raja Lustrina

Die Schaufel ist nicht weit in einer ausgebauten Strecke. Diese Stammt definitiv aus dem Industriefundus des 21. Jahrhunderts.

Raja Lustrina

Der Ausgebaute Teil, nun etwa 200 Meter Bergseitig, birgt einige Mysterien. Die oberen Mauerbauten sind eindeutig nicht Maurischen Ursprungs. Die Abstützung reicht an die aktuelle Stollendecke. Der Sand am Boden indes besagt dass einst die Stollendecke einiges tiefer lang. Das Stollensystem muss zu einem späteren Zeitraum wiedergenutzt worden sein. Weitere Hinweise indes sind keine auffindbar.

Raja Lustrina

Gegen Ende des Stollens kommen erste Wurzeln zum Vorschein. Es wird klar, wir sind nahe bei Tag. Der Stollen endet bei ca 270 Metern im Versturz dies, ohne Zweifel, sehr nahe Tag.

Raja Lustrina

Anhand der zeichnerischen Umsetzung, ursprünglich im Topodroid-Format, konnten wir recht genau den nördlichen Ausgang ausmachen.  Auch erscheinen fast alle Abzweiger, als Erschliessungsstollen der Verteidigungsfenster, durchwegs plausibel.

Raja Lustrina

Die Zone des Nordausgangs mussten wir, klar, auch genauer untersuchen. Die Stelle, links an den Felsen, könnte recht genau hinkommen. Die Bereiche ums Mundloch indes sind heute als Landwirtsschaftsfläche aufgeschüttet. Der Ort am Stollenmund sieht, gemäss Historischer Karte (ca 1940) entschieden differenter aus.

Klar ist:
Die befahrbaren Stollen „Raja Lustrina“ sind total ca. 370 Meter lang.

Die meisten Abzweiger sind nahe Tag verstürzt.

Die Anlage ist ein Verteidigungs- und Überwachungswerk, wahrscheinlich aus Maurischer Zeit. Der Zweck war die Überwachung des Verkehrs an der Rambla Tabernas, Nord-Süd-Verbindung. Es wird, am nahegelegenen Historischen Wanderweg, auf einer Hinweistafel, von einer Mauer berichtet die das Rambla Tavernas Tal sperrte. Spuren sind heute keine mehr sichtbar und auch meine Kartografie, bis ca 1830 zurück, weiss nichts derartiges zu berichten.

Geolokation Raja Lustrina offener Stollenmund