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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Neue Hoffnung in hoffnungsloser Zeit

am 14. November 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Kleiner Rundgang durch den Neuhoffnungsstollen und Verwandte

Ja, mein Blog erfuhr ein langer Stillstand. Einerseits vergrub ich mich in die Buffaloraauswertung anderseits probte ich den Aufstand. Nun denn, abgesehen konfliktbeladener Zeiten gabs wieder mal ein Höhenflug tiefsichtiger Zeitepochen.

Konkret wieder mal Silberberg diesmal in mir gänzlich unbekannte Gefilde, genannt das Baumann-Lager benannt nach selbigem Herrn und Aufwältiger  des bereits bekannten Bleierzlagers.

Da viel übers Silberberglein in schriftlicher Form vorliegt will meine Geschichte hauptsächlich schöne Bildchen zeigen, also kein Anspruch auf Wissenschaftliche Tiefblicke. So quasi eine Ergänzung zu meiner ersten Silberberggeschichte auf http://blog.ateliereisen.ch/?p=5153

Silberberg

Der Bergleute von anno dazumal, wir nenns Jahr 1830 oder früher, hatten ein wahrhaft geschultes Auge für schöne Landschaften.

Neuhoffnungsstollen

Bergmännisch indes lag die Glückseligkeit ganz wo anders. Wo nicht Stein jedem Pickel stand hielt, bröckelte dieser von selbst den Wänden entlang abwärts. Am relevanten Stollenkreuz Neuhoffnungsstollen stehen, etwas lädiert, prächtige Holzeinbauten.

Neuhoffnungsstollen

Manche dieser Einbauten müssen über die Betriebszeit hinweg einige Unterhalts-Zimmerleute beschäftigt haben.

Neuhoffnungsstollen

Manchmal sind gar riesige Baumstämme im Stollen verbaut um den Bergdruck zu bezwingen.

Im Neuhoffnungssystem gibt’s viel Stollen und wenig Erzglück. Stollenlängen schlängeln sich grösstenteils durch arg taubes Gestein nur an kleiner Stelle öffnet sich ein Abbaugesenk welches aber, so wird berichtet, in letzter Bergbauperiode zum alten Mann gehörte.

Baumannlager

Der Abbauschlitz, genanntes Baumannlager, ist unterteilt mit Versatzbefüllten Holzbühnen. Zu erreichen ist der oberste Teil über ausgesparte  Öffnungen.

Baumannlager

Und immer wieder forderte die Bergdynamik massives Holzbauwerk.

Oberhalb des Neuhoffungsstollens liegt der Hüttenstollen. Einst waren beide Systeme miteinander verknüpft. Heute indes ist diese Verbindung, in Form eines Abbaugesenks, verstürzt. Und auch der Hüttenstollen selbst ist arg in die Jahre gekommen.

Hüttenstollen

Die ehemalige Grundstrecke mit schöner Ausbauarbeit ist über weite Teile eingedrückt. Das ehemalige Mundloch schlicht unerreichbar unter einer Waldbodenpinge und der Streckenweiterverlauf begraben von tausenden, grosser Steinblöcke.

Hüttenstollen

Und auch wieder die bekannte Bühnenunterteilung mit offener Aussparung.

Hüttenstollen

Erreichbar ist das Hüttenstollensystem heute über eine Waldbodenöffnung welche in ein steiles Abbaugesenk führt.

Da die Standorte immer wieder nebulös im Vereinswessen entschleichen  meinerseits eine kleine Visualisierung der bekannten Standorte.

Silberberg

Karte gross machen, Karte anklicken

Kurzum ein gelungener Forschungsausflug ohne grössere Neuentdeckungen trotzdem supernett und meinem, Gemütszustand folgend, bitter nötig.

Die Vorgeschichte nochmals erwähnt http://blog.ateliereisen.ch/?p=5153

Und eine gute Zusammenfassung, nicht von mir, gibt’s auf: http://www.sghb.ch/wp-content/uploads/2012/12/Minaria-Helvetica-Nr.-26b-2006.pdf

Der Kruks mit den fliegenden Fotografen

am 13. September 2020 unter Kartografie, Steinerne Unterwelten abgelegt

Das Luftbild ist ohne Zweifel ein ideales Analysetool für kaum überblickbare, verfallene Industrieanlagen.

Buffalora

Die Drohnen schaffen heute qualitativ hochwertiges Bildmaterial und erreichen ferne Ecken in effizienter Zeit.

Luftbild Buffalora

Mit Hilfe dieser Luftbilder lassen sich mögliche Erdbewegungen, Terrassierungen, Mauern was auch immer, sehr genau lokalisieren und dies an Stellen  die unter Umständen sehr schwer zu erreichen sind. Im Bild die mittleren Grubenabschnitte des produktiven Bergwerks Buffalora.

Doch eine weitere Auswertung, im Sinne einer präzisen Georeferenzierung, gestaltet sich schwierig. Die Drohne sieht eine flache Momentaufnahme eines Geländes welches in Tat und Wahrheit durchsetzt ist von zahlreichen unsymmetrischen Dreidimensionalen Formen.

Ergo, Sportgeist muss sein.

Wie üblich kann QGIS mit Hilfe des entsprechenden Plugins, richtig geil Georeferenzieren. Die QGIS-Tutorialseite liefert dazu ganz nützliche Tipps und Anleitungen.

Mit den Georeferenziertool können auf dem Foto markante Punkte gesetzt werden die sich nun, in der QGIS geöffneten Karte, markieren lassen. Ab drei Punkte kann eine Georeferenzierung gestartet werden doch je mehr Punkte anliegen desto genauer lässt sich eine Referenzierung bauen.

Soweit so schön doch meine Gegend ist seit gut und gerne 400 Jahren reines Brachland und allfällig Kartografisch interessante Ecken längs in die Vergessenheit der Plantas abgetaucht.

Also bleibt mir nur eines, den Zugriff auf bereits bekannte Luftbilder, im konkreten Fall „SWISSIMAGE“. Doch leider sind die SWISSIMAGE-Bilder auch nicht vor Fehlern geweiht.   

Nun, Spass muss sein, da hilft nur eines, ein vorsichtiges Antasten an optisch markante Geländeformationen.

Luftbild Buffalora

Durch Vergleich und nochmals Vergleich suche ich Gemeinsamkeiten zwischen meinem Bild und dem georeferenziertem SWISSIMAGE-Bild. Eine richtig Nervenaufreibende Arbeit.

Ich finde ganze 8 Übereinstimmungen aus denen ich die Georeferzierungsbasis baue.

Luftbild Buffalora

Was zu einem doch eher ernüchterndem Resultat führt. Im Süden scheints  zwar recht sauber zu stimmen doch die nördliche Hälfte ist eindeutig was weniges im Schilf.

Im vorliegendem Beispiel ist die Problematik eher gering da die interessanten Bergwerksanlagen eh eher in der Südhälfte liegen trotzdem liegt, insbesondere in undokumentierten Zonen, einiges an Schwierigkeiten drin.

Links

Tutorial QGIS http://www.qgistutorials.com/de/index.html

GIS Welt https://www.giswelt.ch

Buffalora, schon wieder eine Geschichte

am 12. September 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne ist diese Forschungsstätte momentan eines meiner beliebtesten Projekte. Die Zeitepoche zwischen 1300 und 1600 ist Bergbautechnisch überaus interessant und der kleine, auf Buffalora, aktive Völkermix Lombarden / Tiroler sorgt für spannende Geschichtsschreibung. Attraktiver Nebeneffekt, ich bin weit weg vom Covid-Idiotismus was einer Erholung sehr nahe kommt. Grossstädte, respektive Möchtegerngrossstädte, kultivieren momentan ein hohes Mass an Unerträglichkeit. 

Da Christina und ich neu eine Drohne in unserem Forschungswerkzeug mit haben, die Gelegenheit um das Fluggerät auf Buffalora hochsteigen zu lassen.

Noch hinzukommend waren mir, trotz zahlreicher Buffalora-Ausflüge, die oberen Anlageteile gänzlich unbekannt. Also führte die Wanderung erstmals an den obersten Punkt den genannten roten Stein.

Roter Stein Buffalora

Der rote Stein, eigentlich ein  Eisenerzhaltiger Felsausbiss, soviel steht fest, war Anfang der Eisenerzentdeckung für eine Kommerzielle Nutzung. Wann dies genau war ist zur Stunde schwierig zu datieren alleweil vor 1300. Um den roten Stein herum starteten kleinere Tagbauten die sich des Erzes bedienten diese sind jedoch kaum Sinnvoll datierbar. Und auch das herumliegende Holz scheint auf den ersten Blick eher eingeschleppt nach 1300.

Roter Stein Buffalora

Im Luftbild die rundumabbauten die heute kaum die damalige Tiefe inne haben.

Nahe dem roten Stein nennt Siegfried zwei Gebäude die ich jedoch vor Ort nicht so genau ausmachen konnte.

Roter Stein Buffalora

Eines könnte knapp an der Nationalparkgrenze gestanden haben, im Bild auf em rechten Viertel.

Wenige Meter vom roten Stein entfernt, in nördlicher Richtung, folgten die Bergleute einem weiteren Erzausbiss welcher allmählich in den Untergrund abtauch.

Roter Stein Buffalora

Am Ende des Abbauschlitzes schliesst ein Stollenwerk an.

Plaun Cotschen

Diese Grube steuert, mit kaum nennenswerten Kurskorrekturen, den roten Stein an.

Plaun Cotschen

Das Stollenwerk hat als ziemlich einziger Bau dem Zahn der Zeit bis zum heutigen Tage getrotzt. Der Vortrieb erreichte mit knapp 25 Metern die Unterfahrung des roten Steins nicht ganz. Im Innern sind nur wenige Erzspuren erkennbar die, in roter Stein Richtung, eh komplett auf Null auskeilen.

Der eigentlich interessante Erzgang, welcher über Jahrhunderte hinweg bearbeitet wurde, liegt 90 Grad versetzt  und unterfährt, heutiger Wissensstand, den roten Stein Kurs Nordost, dem Hang abwärts folgend.

Buffalora Eisenerzbergwerk

Diesem Hangzug folgend langen zahlreiche Stollenbauten die den Erzgang auf verschiedenen Höhen anfuhren.

Buffalora Eisenerzbergwerk

In den höheren Regionen, zwischen 2470 und 2500 Meter über Meer, sind, vermutet, lange Schlitze ausgehoben die gegen Bergtiefe in Untertagestollen mündeten. 

Buffalora Eisenerzbergwerk

Fest steht, der Bergbau erfolgte von oben nach unten, will heissen, die zukünftigen Stollen mussten sich erstmals mühsam einen Weg am Rande der Halden vorheriger Bauten bahnen.  Infolge sind einige Stützbauten zu erkennen welche die nachrutschende Abraumhalde vom Stolleneingang fernhalten sollten. Heute liegen die Holzspuntwände, dank des Wassers welches tiefe Erosionsschlitze in die Halden grub, weitgehends offen.

Buffalora Eisenerzbergwerk

Knapp unterhalb des markanten Haldenzugs liegt ein mächtiger Poch und Erzscheideplatz mit ebenso mächtigen Sortierhalden. Wahrscheinlich stammen diese Einrichtungen aus Zeiten mittlerer Bergbauepochen um 1400. 

Die Übersicht

Es gibt die unteren Stollenbauten (2200 – 2300 müm), Nordöstlich gelegen, die in guter Hoffnung einzig in Sondierstollen endeten. Diese Gruben sind teils bis zu 150 Meter in den Berg getrieben und vollkommen taub. Auf meinen Plan sind diese bekannten, zur Stunde 4 derer offen, in oranger Farbe gehalten. Es gab aber einst etliche weitere Stollenwerke, heute alle Verstürzt, von denen kaum welche Resultate zu Tage brachten. Bergbaurelevante Spuren sind als blaue Punkte markiert.

Buffalora Eisenerzbergwerk

Plan als PDF, Plan anklicken

Und es gibt ein produktives Eisenerzbergwerk, 2390 – bis 2508 müm, Südwestlich angeordnet welches heute bekannte 4 Erzgänge abbaute. Die heute vermessenen Stollen sind in gelber Farbe gehalten.

Das Produktive Bergwerk im Detail

Buffalora Eisenerzbergwerk

Plan als PDF, Plan anklicken

Heute ist die Gelbe Fläche vermessen. Diese Fläche ist Bestandteil der Förderinfrastruktur der letzen Bergbauepochen um 1500. Oberhalb liegen diverse Stollen die in früheren Epochen die bekannten Erzgänge anfuhren. In der Mitte der Revierfläche sind Terrassierungen angelegt die auf Gebäude oder Installationsflächen hindeuten. Im Osten liegt der grosse Pochplatz welcher wahrscheinlich noch vor dem Bau der grossen Erschliessungsstollen aktiv war. Die grossen Erschliessungstrecken waren  um die 350 Meter lang Heute sind alle ursprünglichen Eingänge verstürzt. Wir nutzen für unsere Vermessungstätigkeit ein, im 2018, fertiggestellter Schacht welcher Zugang ins Hauptbergwerk öffnet.

Vorgeschichten:

Buffalora, ein Plan entsteht
Buffalora, Hunde und sonstig Hochtechnologisches
Buffalora Ergänzendes
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

S-charl und weitere Sehenswürdigkeiten

am 17. August 2020 unter Reisen, Steinerne Unterwelten, Vergangenes abgelegt

Das momentan akkurate Prädikat fürs Städtchen wär Unaushaltbar.  Die Gründe dazu seinen vielseitig und potenzieren aktueller Pandemieerscheinung. Die Menschen drehen im engen Raum rot und dies bei steigenden Temperaturen, kein angenehmes Klima.

Ergo ab in die Berge, meiner Freundin einige Bergbauhistorische und Landschaftlich wichtige Eckpunkte zeigen und nebenbei noch selber reichlich Neues entdecken.

In S-charl liegt immer noch einem schier unbewandertem Revier die historisch wichtige Blei und Silbergrube Mot Madlain.

Mot Madlain

Die Ruhe dortiger Felsabbrüche wird kaum von Wanderbeigeisterten Gestört,  namentlich ist der alte Erzweg Sackgasse und mündet zuhinterst am Barbarastollen.

Barbara-Stollen

Welche Barbara die den gleich des Besuches ladet. Im Innern Altbekannte und bereits im Vorbeitrag S-charl Dokumentierte womit ich weitere Ausführungen an dieser Stelle auslasse. Stattdessen blick ich in Dingern die mir beim letzten Besuch verborgen blieben und einer Erzählung würdig sind.

Schmelze S-charl

Wer konsequenterweise dem Erzwege, dieser was in der Hirz-Dynastie als Pferdefuhrwerk-Weg ausgebaut, abwärts folgt, wird zwangsläufig in der Blei und Silberveredlung, auch aus Hirzzeiten 1820, landen. Die noch heute erhaltenen Mauerresten zeugen vom aufkommenden Industriezeitalter grösserer Gebäudeanlagen und verfeinerter Verfahrenstechnik. Das zweiteilige Hauptgebäude bringts auf eine  Kantenlänge von 60 x 30 Metern.

Verwaltergebäude

Auch das ehemalige Verwaltungsgebäude lässt eine gewisse Wichtigkeit erahnen. Das Verwaltungshaus ist in neuerer Zeit wieder aufgebaut worden und dient heut als Bergbau und Bärenmuseum.

Schmelze 1939

Aber, bekanntlich bin ich kompetent im erstöbern  von herumliegenden Sehenswürdigkeiten und in S-charls solls einige davon geben.

So steht nicht unweit der Schmelze ein Kalkofen welcher noch heute hin und wieder Rauch und Funken speit um Kalkstein in geschmeidigen Mörtelkalk zu verwandeln.

Kalkofen S-charl

Das schmucke Ding mit Überdachung ist noch aktuell eines der wenigen funktionsfähigen Kalkbrennereien. Wahrscheinlich liegt deren Ursprung in der letzten Bergbauepoche zur Herstellung des Kalkmörtels für die zahlreichen Bauten.

Szenenwechsel,

In den Jahren 1977, ich, ein ungeliebtes Avrona-Kind, war fasziniert von grosser Architektur der Gründerjahre nur wenige Kilometer vom besagtes S-charl fern.  Das Kind nennt sich Kurhaus Tarasp am Inn gelegen und war, wie ich bereits erwähnte, in meiner zarten Jugend willkommenes Ausflugziel dies nicht zwingend im Bereich des Legalen.

Kurhaus Tarasp

Der aus 1864 stammende  Kurhausbau steht noch heute, leider, wahrscheinlich über die Jahre hinweg ziemlich todrenoviert doch das drum rum macht die Sehenswürdigkeit aus.

Kesselhaus Kurhaus Tarasp

Deutlich schmucker das ehemalige Kesselhaus welches das Kurhaus mit Heisswasser für Bäder und Heizung  versorgte. 1977 mein Einstiegsort ins Kurhaus, heute wird dieser Bau als Hotel genutzt während das eigentliche Kurhaus leersteht.

Und ganz klar der Joker unseres Ausfluges am gegenüberliegendem Innufer, ein wahres Juwel umgesetzter Jugendstilarchitektur.   

Büvetta Trinkhalle

Die Büvetta Trinkhalle in ganzer Pracht, erbaut von Simon Bernhard um die Jahre 1875 bis 1876. Heute ist dieser Prunkbau damaliger Mineralquellen-Trinkkultur ein begehrtes Lost-Place-Objekt.

Büvetta Trinkhalle

Trotz des Stolzes welches das Bauwerk ausstrahlt liegt der Baustruktur ein, damals kostengünstiger, Ständerbau zu Grunde welcher allmählich in sich zusammenfällt.  

Büvetta Trinkhalle

Und, trotz mieser Bausubstanz, auch das innere lässt sich sehen.

Weitere interessante Details zur Trinkhalle finden sich im Bericht der Kantonalen Denkmalpflege https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/themen/Tarasp_Trinkhalle.pdf

S-charl

am 01. August 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Der kleine beschauliche Ort mit Namen S-charl liegt fern bekannter Zivilisation und nennt als Bergbaudorf eine lange, sehr lange Geschichte deren Eigen.

Ja klar, wer sich für Tiroler Bergbau, im schweizerisch eher grösserem Stile, interessiert wird irgendwie, fast schon magisch angesogen, diesen Ort aufsuchen. Ich bin da definitiv nicht die Ausnahme und die Gelegenheit ergab sich um Spuren vergangener Tage aufzusuchen.

Knappenhaus S-charl

Das Knappenhaus, S-charls, Dorfplatzmittig, zuletzt als Grenzwachtposten amtend, lässt grosse Bergbautätigkeit vermuten. Zwei relevante Blei und Silber-Minen sind bekannt, Mot Madlein und Cuogn Nair in beiden war mir ein kleinwenig Einblick gewährt den beide verfügen über kilometerlange Stollennetzte die kaum aufrechten Gang erlauben.

Knappenhaus S-charl

Auf Bergmannswegen liegen noch heute Zeugen damaliger Knappenbehausung aus letzter Epoche, 1819 bis 1829, offen.

Mot Madlain

Und wie üblich liegen auch diese zwei Untertageanlagen an bester Landschaftslage.

Wer mit Sepp unterwegs ist muss sich die Untergründe erstmals schwer abverdienen. Respektive, trotz reichlich sauberer Stollendokumentation aus Jahren 2007, liegen noch einige Geheimnisse verborgen. Insbesondere die Erbstollenaustrittstelle Mot Madlain ist nie eindeutig gefunden worden.

Mot Madlain

Geheimnisse die unser aller brennend interessierten. Also machten wir uns, über zweier Wasserfälle,  in Richtung des potentiellen Erbstollens.

Mot Madlain

In unwirklicher Felslandschaft liess ein erster bekannter Stollenfund nicht lange auf sich warten.

Mot Madlain

Doch dies Mundloch besass keinerlei Qualifikationen zum Erbstollenausgang. Der Stollen endet wenige Meter nach Eingang in Stollenbrust hinzukommend liegt deren Richtung entgegen des Planerbstollens.

Mot Madlain

Der Erbstollenausgang wusste sich gekonnt vor uns zu verbergen doch stattdessen sind uns nicht minder interessante Bergbauspuren begegnet die potentielle Hinweise auf eine Erbstollenbaustelle lieferten. In der Felswand sitzt ein kleiner Tunnel paar wenige Meter lang welcher eine Felsnase unterquert. Am Tunnelende sind böse, kaum begebbare Felsen womit uns weitere Details unsichtbar blieben.

Am benachbarten Gehänge sind weiter zahlreiche Balkenlager im Fels eingelassen als hätten einst auf denen weite Dachkonstruktionen geruht.

Das Bauwerk Erbstollen Mot Madlain solle über einen Zeitraum von 70 Jahren erstellt worden sein. Wer das Bergwerk  Mot Madlain kennt, weis der Erbstollen in dessen heute Wasserführenden Funktion ist Goldwert. Wo nun das Wasser, viel Wasser, zu Tage tritt wissen wir nicht.

Mot Madlain

Das Bergwerk selbst liegt im wunderschönem Tal auf, Barabarastollen, 2821048 / 1179300 / 2165 müm (LV95er Koordinaten)

Barbarastollen Mot Madlain

Wie üblich für Tiroler Bergbau, in Ursprüngen Mittelalter, sind die Roll-Strecken eng und die Türstöcke kaum grosser 120 x 80 cm, also härteste Kinder-Schutter-Arbeit.

Barbarastollen Mot Madlain

Ziehen und Stossen der Grubenhunde über die Rollstollen war zumeist Kindern vorenthalten. Um Höhenunterschiede mit schweren Hunden zu bewältigen sind seitlich der Laufbretter Steigbäume eingepasst.

Barbarastollen Mot Madlain

Alte Abbauhallen sind noch heute geräumig mit Stempeln verstützt.

Barbarastollen Mot Madlain

Wasser war und ist, in den gesamthaft 10 Kilometer langen Stollen, ein Thema. Zeitweilig sind aufwendige Teuchel-Leitungen, die das Wasser einst in den Erbstollen lenkten, auffindbar.

Barbarastollen Mot Madlain

Das Gerät meiner Begierde steht an einer anderen Zone. Dieses lieferte plausible Antworten auf Fragen zum Buffalora-Haspel welcher, in dortigem Buffalora, mir nur in demontierter Form bekannt ist. Hier auf Mot Madlain steht ein montiertes Exemplar ohne Kuhhornlager womit die nächste offene Frage des wieso Kuhhorn geklärt wäre. Eindeutig ohne die Kuhhornlagerung würde die Achse gnadenlos ins Holz einschneiden was im S-charler Haspel auch geschah. Eine nachträgliche Reparatur des Führungsschlitzes, in Form eines eingepassten Holzes, zeigt die Problematik des Lagerlosen Haspels. Meine gezeichnete Version liegt unter Haspel als PDF abrufbar.

Mot Madlain

Wieder Auftage die Ansicht des letzen Mundlochs mit Vorbau auf 2820874 / 1179144 / 2150 müm aus der Ära Johann Hitz 1819 bis 1829.

Da die Grubenpläne gut gehütete Geheimnisse sind, ich nicht so recht über ein mögliches Verbreitungsrecht verfüge und das Ganze abzeichnen mich anscheisst hier mal nur eine Grobübersicht der Minenanlagen.

Mot Madlain

Sollte ich irgendwelche, mir bis dato unbekannte, Urheberrechte verletzten darf man mich gerne kontaktieren (Bildquelle, keine Ahnung)

Die Zweite Mine die interessante Einblicke und Erkenntnisse versprach liegt an gegenüberliegender Talseite und nennt sich Cuogn Nair. Dies Werk ist schwierig zu erreichen sind doch deren 2 Mundlöcher an ungemütlicher Felswand platziert.

Auch dies Blei/Silber Bergwerk kennt deren Anfänge so um 1300.  Und auch wieder in letzter Epoche Johann Hitz 1819 bis 1829 (Silberberg Davos).

Cuogn Nair

Trotz bekanntem Sprengstoff, in den grossen Johann Hitz-Stollen auf Cuogn Nair finden sich keine Bohrspuren stattdessen sind verrusste Stollenwände vom Feuersetzten weit verbreitet.

Cuogn Nair

Abbaukammern, aufs Minimum geweitet, erinnern an klassische Mittelalter-Hauen.

Cuogn Nair

Auch in diesem Werk gibt’s punktuell Rundholzschienen in kleinere Abbaukammern. Ob einst Fahrzeuge auf den Schienen rollten oder diese nur zur Führung der Erztröge dienten, entzieht sich meiner Kenntnis. Tatsächlich sind keine Schwellen an den Schienen montiert was die Dinger fürs Rollmaterial eher unbrauchbar macht.

Cuogn Nair

Grubenplan Cuogn Nair auch wieder in kleiner Auflösung ums Geheimnis zu wahren. Hauptmundloch unten liegt auf 2820603 / 1179225 / 2056 müm in luftig unwohliger Felswandhöhe.

Die Blei und Silberminen ob S-charl sind seit em Jahre 1300 bekannt. Hauptsächlich unter Tiroler Führung waren die Gruben immer wieder Gegenstand spekulativer Geschäfte.

Lange Zeit waren diese verpachtet an die Familie von Planta aus Zuoz. Am Erbstollen Mot Madlain solle 70 Jahre lang gearbeitet worden sein.

Die letzte bahnbrechende Investition, neue Schmelze, neue Transportwege und erweiterte Rollstollen tätigte der Silberberg Davos Betreiber Johann Hitz in den Jahren 1819 bis 1829. Während dieser Zeit resultierte ein Gewinn von 8.060 kg Blei und 200 kg Silber.

Heute steht sowohl Knappenhaus wie auch Verwaltungsgebäude. Im Zweiterem ist gegenwärtig das Bergbau- und Bärenmuseum untergebracht.

Buffalora 2020

am 19. Juli 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Eigentlich hätt ich wieder einst richtig viel Geschichten im Köcher. Ich bin, wie vielleicht inzwischen bekannt, mit einigen Freuden fleissig am Vermessen dortiger Bergwerke.

Luisa auf Buffalora

Bild, Hansjürg www.familie-keller.ch/bergwerke/

Die Geschichten, so wies gegenwärtig aussieht, sprengen manch Rahmen und je mehr ich Plan-Zeichne desto eher müssen Erkenntnisse neu überdacht werden.

Plan Buffalora

Der Plan wird immer grösser und die Erkenntnisse immer tiefer.

Bis dahin gibt’s en paar nette Bilder die Freunde knipsten und mich beim vermessen zeigen.

Luisa im Erzband 2

Luisa im Erzband 2 (Bild Andreas Schatzmann)

Soweit ist klar, die Bergleute Anno 1300 bis 1600 machten Einiges anders als ichs getan hätte. Reichlich vorhandene Muskelkraft und kaum resultierende Kosten machten enorme Bergbewegungen möglich. Tonnen Material bewältigten, in schwerster Handarbeit,  gewaltige Höhenunterschiede.

Piz Dahint

Nicht minder Theatralisch, die Dramatik des Berges in mitten des Gewitters.

Kurzum, die Geschichte wird grösser, aufwendiger und platzfüllender. Eine Geschichte fürs luisa.net.

Bis dahin meine Vorbeiträge

Buffalora, ein Plan entsteht
Buffalora, Hunde und sonstig Hochtechnologisches
Buffalora Ergänzendes
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Gesellschaft von Tiefencastel Part II

am 19. Juli 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Eine Geschichte um viel Bla, wenig Katzen-Nuggets und ein aufkommender Investorenegoismus.

Oder, die Suche nach vermeintlichen Goldschätzen säuft ab.

Die Gesellschaft von Tiefencastel, keine Unbekannte ist doch diese, konstant konkursive Investorenvereinigung mit wenig Bergbauwissen, gerüchtehalber an manch Bündner Berghang anzutreffen.  Gemunkelt wird an tiefem Gehänge des Val Schmuer. Die zwei tief unbekannten Stollenmüder ob Weinmannischer Unternehmung als Berghaueaufwältigung im Namen der Gesellschaft von Tiefencastel.

Mir begegnet deren geglaubte Handschrift grosszügig dimensionierter Verladerampen im Wald ob des, unter Goldsuchern äusserst begehrten Schmuer-Bachs. Die Geschichte damals nannte ich diese “ Wo Goldsucher und Bergbauforscher sich gefährlich nahekommen„. Auffällig auch die zwei verstürzten Stollenmünder die verdächtig denen im nahen Tiefencastel ähneln.

Die Literatur, allen voran Plattner, könnte hie wie da, verarmten Adeligen um 1800 neue Hoffnung auf reiche Goldvorkommen geschürt haben.

Ich indes bin hauptsächlich der Geschichte willen unterwegs und wie so Mancher weiss, „was Luisa nicht weiss, macht Luisa verdammt heiss“. Gut dass diese enthusiastische Leidenschaft von mach einem Bergbauforscher geteilt wird.

Des Anfangs, wie der, die LeserIn weiss, bin ich, mit Rundell ebenso enthusiastischer Forscher, am Suchen verborgener Stollengeheimnisse um Tiefencastel herum. Genannte letzte Geschichte Gesellschaft von Tiefencastel.

Klar ist bis heute, an allen Standorten die Herren Gesellschaft zu Tiefencastel Finger mittendrin hatten, lagen früher bereits Stollenwerke an. Die Herren waren fleissige Leser, wahrscheinlich Plattner und co, und die Stollen bereits aus früheren Tagen vorhanden.

In Tgant Ladrung ob Tiefencastel liegen solch Relikte früherer Industriekultur mehr oder immer versteckt im Wald

Plang Peng Situation Minen

Stand Heute bekannt und von Herren Gutachter Leonhard und Selb um 1812 dokumentiert,  3 Stollen.  2 derer sind nur noch anhand der Halde erahnbar, der 3. ist auf 34 Meter fahrbar und dieser 3. ist gegenwärtig Ort unserer Neugierde.

Der 3. so sagts die Halde, müsste beträchtlich viel Länger sein. Geschätzte 150 bis 210 Meter sind denkbar doch ab Meter 30 setzte sich Versturzmasse in Bewegung die ein effizientes Weiterkommen verunmöglichte. Die Neugierde trieb ab 1980 Wenige, mit Schaufel bewaffnete, in diese Untiefen doch deren Erfolg verhallte ist Statisch eng gesteckte Grenzen und so blieb der Vortriebswert um 30 bis aktuell 36 Meter.

Auch unser illustres Grüppchen unternahm den Versuch, diesmal mit klar eingeplanten Deponien für den Abraum nahe der Grabungsstelle an einer Stollenweitung.  

Plang Peng Stollen-Deponie 2

Leider jedoch füllten sich die zwei Deponien schneller als uns lieb war.

Plang Peng Stollen-Deponie 2

und so waren die beiden Deponien am Abend des 3.7.2020 bis Stollendach prall gefüllt ohne den entscheidenden Durchbruch geschafft zu haben.   

Luisa in Plang Peng

Trotz sportlicher Höchstleistung aller Beteiligten gelang der allesentscheidende Durchstoss ins vermutete grosse Stollensystem nicht. Ab den Metern 36 und einer tendenziell zunehmenden Grabungs-Tiefe  nimmt auch das unerwünschte Grubenwasser zu. Die Vermutung dass die weiteren Stollenmeter tief im Wasser schlummern ist leider, nach jetzigem Wissensstand, nicht von der Hand zu weisen.

Meter 36 sind bis zur Stunde heute Fahrbar es fehlen noch etliche Laufmeter die womöglich nie mehr aufgewältigt werden. Und doch, die Erkenntnisse waren reichlich und die zusammengetragenen Fakten bilden eine zunehmend rundum abgeschlossene Geschichte um das Spekulationsvorhaben, Minen Tgant Ladrung.

Einige Forscher nahmen sich diesem Mysteriums an, gewisse Unterlagen sind heute Zugänglich und meinerseits weiter destilliert.  Der Stollen offenbarte interessante Eisenerzgänge mit feinen Pyritkristälchen welche die früheren Berggold-Anekdoten noch untermauern.

Kurzum,

Der Stollen 3, wie auch die beiden 2 verstürzten Stollen unterhalb, sind älterem Datums und vermutet im Jahren 1804 mit grosser Kelle neu angefahren. Das Profil, rund 2 Meter Stollenhöhe,  lässt auf grosse Hoffnung schliessen. Ab 30 Meter, Stollen 3, wird ein Eisen-Erzgang sichtig, welcher zwischen violettem Schiefer und Kalk  Nordost zieht. Dieser Erzgang lag im Interesse früherer Bergleute, abbauspuren sind reichlich vorhanden. Der violettem Schiefer ist von brüchiger Konsistenz und leider überaus Wasserdurchlässig was auf einen statisch problematischen Stollenverlauf schliessen lässt. Die Halde ist voll von violettem Schiefer was auf ähnliche Verhältnisse ab Stollenmeter 36 schliessen lässt. Trotz aller Widrigkeiten steht genau auf diesem violettem Schiefer der Eisenerzgang mit interessanten Einschlüssen, an. In den Randbereichen des Erzganges liegen feine Katzengoldklümpchen (Pyritkristalle) die zu damaligen Zeit einer eher defizienten Bildung, gut und gerne den Anschein eines wertvollen Berggold erweckten.

Büsigold

Ausser feine Wohnzimmerdeko besitzt dies kleine Pyritchen mit lieblichem Volksmunde, Büsigold, keinerlei Funktion. Anno domini 1800 dürften indes manche verarmte Adlige, beim Anblick solch schicker Steinchen, ihr allerletzes Geld in eine Konkursive Gesellschaft gebuttert haben in Hoffnung  aufs grosse Berggold.

Die Gesellschaft von Tiefencastel machte keine halben Sachen und die getätigten Investitionen müssten, gemäss der Zeicheninterpretation, grösserem Umfangs gewesen sein.  Das Geld indes verdampfte indes schnell in den vermeintlichen Berggoldstollen.

Auf Tgant Ladrung / Plang Pegn wie auch im entfernten Val Schmuer zeigen die wenigen Bergbauspuren auf fette und effizient vernichtete Investitionen.

Nachweisslich Schrottete die Gesellschaft, nach Namenswechsel in Gesellschaft von Reichenau, 1818 die anvertrauten Kapitalien. Die Stollen blieben lange vergessen bis einige fündige Forscher nach Spuren suchten und einiges dokumentierten.

So liegen etwa umfangreiche Aufzeichnungen und Fotografien zum früherem Blockhaus auf, die eine saubere Rekonstruktion der damaligen Knappenunterkunft möglich machten.

Bergwerk Plang Pegn

Dies gesammelte Wissen fügte ich zu einem Plan zusammen welcher, in grosser PDF-Form gerne mittels Plan-Link  herunter gesaugt werden darf.

Vorbeitrag Gesellschaft von Tiefencastel

Einstmal wiedermal

am 18. Juni 2020 unter Kartografie, Steinerne Unterwelten, Vergangenes abgelegt

Vorweg, die Natur holt sich alles zurück und wir, unser Kulturgut, ist erschreckend endend. Bis dahin gibt uns, wir die wir am Weg, der ja bekanntlich das Ziel sein solle, etwas herum schrauben. So gibt’s eine imposante Chronologie der Geschichte die wir Teil davon sind.

Nun ja nun gut, Spinnerei Jakobstal war Thema und lange mein Besuch ausbleibend aber, bekanntlich wird alles besser und an Zeit fehlts gegenwärtig gar und ganz nimmer.

Generatorstube Spinnerei Jakobstal

Was einst Sinnbild für die gezählte und kanalisierte Kraft des Wassers war und etliche Technologiegenerationen mitmachte, ist heute schlicht die Erkenntnis das alles wieder ihren Ursprung findet. Ob nun der Klimawandel oder sonstige Geschichten, unser Einfluss ist vielleicht doch kleiner als gedacht. Das Grün wird überdauern oder das Grün wird obsiegen unsere Präsenz mag da nur ein kurzes Zeitgeschehen sein.   

Dampfkessel Spinnerei Jakobstal

Und so wird viel Stoff bleiben, in mitten der grünen Pflanzenwelt, für zukünftige Chronisten bis deren Geschichte auch wieder im Grün endet, was so betrachtet den Kreis des Lebens schliesst.

Spinnerei Jakobstal

Zweifelsohne sind es die Ansichten des Morbiden die immer wieder zu Faszinieren vermögen und so verwunderst nicht weiter dass dies Objekt der misslungenen Bauspekulation,  immer wieder eine Vielzahl an Zeitgeschehensgestallter anlockt.

Spinnerei Jakobstal

Naja, mich mit eingeschlossen wenn doch dies kiffende Kunstwerk nicht aus meiner Dose stammt.

Aber,

Immer wieder bin ich über dies Bauwerk, früherer Müllerskunst, gestolpert und immer warens Geschichten die mich faszinierten. Es sollen meine ersten Begegnungen um die Unschuldsjahre 1970er, Geschichte gewesen sein. Damals alles noch fein säuberlich in Kalkstein gepackt in Hoffnung grosser Kapitalzuwachse. Trotzdem, mir waren schon früher Einblicke möglich doch sie blieben, dank des Fehlens funktioneller Fotoapparate, exklusiv im alterndem Gedächtnis hängen. Keine Frage, auch ich werde einstmal zu Grün. Auch klar, ich tue vieles daran diesen Prozess zu verzögern.

Hotdog-Automaten Spinnerei Jakobstal

Nächstes Eckdatum findet den Frühling 1987, in einer scheuen Begegnung mit nie funktionierenden Hotdog-Automaten und weiteren Streifzügen statt. Die Horde passt ins Limmatsträsschen und weiss verdächtigst viel über nie funktionierende Hotdog-Automaten.

Bis anno Domini auch so, als Konstante, meinerseits eine Faszination fürs Vergängliche und deren daraus resultierenden Geschichten.

Die Jahre 2000 und die mich zunehmend interessierenden Bondagegeschichten bewegten mich, und eine sehr kleine Handvoll AbenteurerInnen, in dies Geschichtswürdige Industriezeugnis zur Geschichtenerzählung. Die Geschichte um Hildegard, von Lory Ekk abgelichtet und von mir geseilt, im November 2000 umgesetzt, fand auf meiner, noch immer lebenden Atelier Eisen Seite Platz . Ich glaub die paar Vollpfosten die mich letztes Jahr aus der Marktspirale kicken wollten, erlebten auf meiner, besagten Atelier Eisen Seite ungebremstes Schwanzhalleluja. Anny, andere Geschichte, die Anwälte, fanden ihren Spass und meine Gerechtigkeit.

Und danne, wieder in der Vergangenheit schwelgend, eine Aufarbeitung der Geschichte, so ums 2012, eine Erste, recht unprofessionell und richtig dilettantisch auf Luisa-Net, weitere folgten. Die Sulzer Dampfmaschine ist überaus inspirierend und war auch so der Vergangenen Tage eine Geschichte auf Luisa-net wert.

Any, ich war mal wieder da, und schaute nach dem Rechten oder nach dem Falschen? Eindeutig eine Frage des Standpunktes  doch eines bleibt, viele Impressionen.

Spinnerei Jakobstal

Der Zahn der Zeit setzte der Architektur schwerlich zu.

Spinnerei Jakobstal

Und Edelmetaller, Messingmenschen und Sonstige taten den Rest.

Spinnerei Jakobstal

Die neue Dynamik der Vergänglichkeit indes öffnet ganz neue, äusserst farbenfrohe, Perspektiven.  

Spinnerei Jakobstal

Ob die Tamdemverbund-Dampfmaschine heute noch zu retten wäre mag ich zu bezweifeln. Zu tief war der Einfluss aller herum manipulierender Besucher und Besucherinnen.

Spinnerei Jakobstal

Doch nicht lange her, im November 2000, als dieser Ort eine sehr kleine Zahl Eingeweihter kannte und sich die Spekulationsgelüste eines Oskar Meiers in Grenzen hielten, schien das Gerätchen auf den kommenden Dampfstoss zu warten. Die Schaltanlage fürs Drehstromgeneratörchen scheint noch über alle Drehspulzeigerchen zu verfügen und die Ventile duften nach Frischfett.  Ganz und gar nicht heutiger Zustand, siehe drei Bilder aufsteigend, vom Schaltgerät gibt’s aktuell nur noch Gerippe.

Trotzdem hat auch der heutige Zustand seine Faszination.

Nun ja, ich hab gekuckt, wieder mal,  was früher war. Früher, in Zeiten in denen Oskar Meier nicht mal die Qualifikation eines Windelbeschmutzers inne hatte. Heutiges GIS machts möglich um in die Ferne zu schweifen und so zeigt sich auch wieder, im Kartenwerk zurückblätternd, wer einst Grund und Boden sein eigen nannte besass zahlreiche Möglichkeiten.

Spinnerei Jakobstal

Und so wart den, um die Jahre 1850, einstiger Müller der Niedermühle besass, bald Fabrikant auf der Spinnerei Jakobstal.

Spinnerei Jakobstal

Ob damaliger Müller sich zur Handänderung entschied oder ob sich die Findigkeit eines klugen Geschäftsmannes durchsetzte entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher ist aus der Mühle wurd eine Spinnerei mit grossen wuchtigen Maschinen. Anstelle der damaligen Mühle entstand Verwaltung und Herrschaftswohnhaus. Die neualte Radstube stand fortan auf kanalisiertem Glatt-Zweig.

Und heute, nach Generation;

Mühle,

Spinnerei,

Hotdog-Automatenlagerraum,

Spekulationsobjekt,

Kunstraum,

bleibt der unermüdliche Zerfall.

Spinnerei Jakobstal

Spinnerei Jakobtal, es war eine echt geile Zeit in Deinen Gemäuern. Bekanntlich nimmt alles ein Ende und dies ist eigentlich gut so. ChronistInnen bleiben die, die bis anhin in geschehene Entwicklung weitererzählen.

Und weitere Geschichten

Bondage, weils so richtig geil war https://www.ateliereisen.ch/hildi.html

Epoche Kunstraum http://blog.ateliereisen.ch/?p=890

Epoche Industriegeschichte http://blog.ateliereisen.ch/?p=908

Die Maschine http://blog.ateliereisen.ch/?p=911

Epoche „muss Verschlossen werden“ http://blog.ateliereisen.ch/?p=2164

Luisa die Nette und das Maschinchen https://www.luisa.net/mechanik/betriebsdampfmaschine Drehzahlregler steht noch.

Luisa die Nette und noch mehr Historiennettes https://www.luisa.net/industriearchaologisches/industriegeschichtliches/

Savognin

am 07. Juni 2020 unter Betrachtungen, Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein Jeder, eine Jede mit minimal Kulturbildung wird diesem kleinen Flurnamen eines Fluchwortes gleich setzen. Mit etwas Weitblick, abseits touristischer Landschaftszerstörung, sind indes ganz spannende Überraschungen anzutreffen.

Ansichten meinerseits, ohne exklusivem Bergbaublick, auf der alten Septimerstrasse.

Ich war nun einige Hunde im Stollen und oft, beim Ausblick während den Mittagspausen, schweifte mein Blick ins gegenüberliegende Hangbewalde. Einige äusserst distanzierte Sehenswürdigkeiten stimulierten meine Neugierde. So gesagt so getan, ein gemütlicher Ausflug mit Kunsthistorisch gebildeter Freundin musste sein und war rege Freude.

Urperuaner

Und es waren nicht nur diese sympathischen Zeitgenossen die für ausgiebig Bilderflut sorgten.

Wer kurz vor, Architektonischen Höhenflügen, genanntes Savognin, und früheres Schweiningen, die aktuelle Julierpasstrasse verlässt und auf die alte, noch von den Römern, geschlagene Passstrasse überwechselt findet eine Reihe interessanter historischer Zeitzeugen.

Im Dorfe Riom, wo mich bereits die netten Peruaner begrüssten, liegt die Burg mit selbigem Nomen.

Burg Riom

Hoch zu Felsvorsprung thront dies Werk an namhafter Septimerpasstrasse.

Die Burg entstand im Jahre 1240, erbaut von Herren Wangen-Burgeis aus dem Vinschgau. im 14. und 15.  Jahrhundert wechselten einige Besitzer nach mehrmaligen Pfandleihrückzahlungen. Schliesslich blieb das Gemäuer ab 16. Jahrhundert, im Gemeindebesitz, unbewohnt.

Burg Riom 1800

Die unbewohnte Burg um 1800 (Bildquelle Wikipedia)

1867, nach verehrendem Dorfbrand, wurde das Dach und die Stockwerkeinbauten, um Riom wieder aufzubauen, abgetragen.

1973 wurde das aktuelle Holzschindeldach aufgebaut. Die heutigen Theatersaaleinbauten sind, im Jahr 2006, von den Architekten Marcel Liesch realisiert worden.

Eine durchaus gelungene Rekonstruktion der frühen Burganlage von Joe Rohrer findet sich auf dessen Webseite unter: www.bildebene.ch/portfolio_page/burg-riom/

Der Strasse folgend in Tiefenkastel-Richtung liegen einige weitere Sehenswürdigkeiten am Strassenrand in greifbarer Automobilistinnennähe.

Kirche St. Georg

Die um 1290 urkundlich erwähnte Kirche von Salouf, genannte St. Georgskirche, mit all deren vermengter Bauepochen, war eines der Objekte meiner Neugierde. Und, zweifelsohne, der Pfingstmontag war förmlich prädestiniert zu Kirchenbesuch.

Der Turm zeugt in unterer Hälfte von Romanischer Baukunst, diverse Ein und Ausbauten ziehen sich über alle nachfolgenden Modeströmungen abendländischer Baukunst hindurch.

Kirche St. Georg

Markant auch das Hauptschiff mit an der Seite noch teilweise erhaltenen Fresken. Die Altarkonstruktion solle aus der, damals dank des Stauseebaus, aufgegebenen Kirche Marmorera stammen.

Kirche St. Georg

Auch reich geschmückt präsentierte sich die angebaute Kapelle.

Aussicht Salouf

Und, bei prächtigem Pfingstmontagswetter, die Panoramasicht ins Steile Tal.

Das kleine Dorf Salouf nennt eine bewegende Geschichte dessen Eigen. Zwischen Walser-Siedlungen unter Durchgangsverkehr entwickelte sich Salouf zu interessantem Schmelzpunkt verschiedenster Kulturen.

Auch der Bergbau spielte eine nicht unwesentliche Rolle und so findet sich im Nordöstlichem Gemeindebezirk, etwas Autoroutenferner, die gut erhaltene Eisenschmelze Flex, zu Deutsch Stein.

Blasofen Flex

Insbesondere der Blasofen, Vorläufer des heutigen Hochofens, ist fast vollständig erhalten. Die Schmelzanlage baute Martin Versell aus Bludenz 1828 zur Verhütung der, aus Colm da Bovs stammenden, Eisenerzer. Bis in die Jahre 1850 heizte und schmelzte das Blasbalgbelüftete Ofenwerk Erze. Die dazugehörige Schmiede funktionierte noch weitere Jahre bis gegen 1900.

Kühe

Der alterwürdigen Strasse weiterfolgend, nahe Tiefenkastel, eine ebenso gemütliche Horde am Strassenrand die ich, auch so, auf meinem Bildern zu bannen hatte.

Gesellschaft von Tiefencastel

am 06. Juni 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Oder die verschollenen Stollen ob Tgant Ladrung.

Wieso Tgant Ladrung weiss kein Mensch. Die drei um 1812 dokumentierten Stollen liegen weit östlich des Flurnamens Tgant Ladrung im Bereich von Plang Pegn trotzdem ist im allgemeinem Volksmund die Rede vom Tgant Ladrunger Stollen. Heute ist dies Bergwerk, mit all deren Mysterien, begehrter Forschungsort gut informierter Stollensucher. Nichts scheint auf diesem Areal selbsterklärend, einleuchtend. An der Halde, bei den verschollenen Stollen 1 und 2, lässt sich Magnetit  beobachten und der heute teiloffene Stollen 3 führt viel Schwefelhaltiges Eisenerz.

Die Epochenvielfalt der gefunden Artefakte wie auch der vorläufig unüberwindbare Versturz war Nahrung für die Neugierde. Für mich Anlass tief in diese Geheimnisse zu blicken.

Und all jene die wieder mal nicht wissen wie ich aussehe, en aktuelles Bild von mir, Typ Selfi, aus Stollen 3.

Luisa im 2020

Ja, die einhellige Meinung unter Verwandten besteht wonach ich, mit zunehmendem Alter, meiner Grossmutter Claudia ähneln täte.

Aber erstmals zurück zur Kerngeschichte.   

Historisch belegt wird von einer Suche nach Gold um 1840 berichtet. Erfolglos sollen die Mannen ob Tieffen-Kasten, heutiges Tiefenkastel, immer wieder auf  täuschende Pyritkristalle  hereingefallen sein.

Die letzen, noch verbleibenden, Spuren des Bergbaus liegen im Wald bei Plang Pegn in Form grosser Halden, diverser Mauerreste und eines Blockhauses welches wahrscheinlich noch bis in die frühen 1940er genutzt wurde.

Gemäss Mineralogische Studie, der Nürnberger, Leonhard und Selb waren um 1812 3 Stollen auffindbar. 

Meine Kartendarstellung gibt den Zustand um 1812 wieder so wie dieser von Leonhard und Selb beschrieben wird.

Heute ist einzig Stollen 3 Teilbefahrbar.  Die Halde der Stollen 1 und 2 ist zu grossen Teilen, in späten Jahren, für den lokalen Strassenbau, abgetragen. Infolge sind, vermutet, durch nachrutschendes Geröll, beide Eingänge verschüttet.

Plang Pegn Stollen 2

Während Stollen 1 kaum auszumachen ist könnte  Stollen 2  unter der Felsnase, hinter entwurzeltem Baum, liegen. Sowohl Magnetiterzgang wie auch stabiler Fels liegen an Vorteilhafter Stelle zu Stollenvortrieb.  Von Herren Leonhard und Selb kennen wir die Masse Länge Stollen 1, 90 Lachter, Länge Stollen 2, 70 Lachter und die Höhendifferenz beider Stollen von 18.5 Lachter. Da beide Nürnberger waren könnte das Bayreuther Lachter wirken welches 2.0354 Metern entspricht. Folglich müssten die Zwei verschollenen Stollen in der Höhe 37.6549 Meter auseinanderklaffen. Die rund 37 Meter erscheinen am Hang der, doch massiv abgebauten, Halde durchaus realistisch.

Weiter berichten die Mineralogen vom Stollen 3 welcher 140 Lachter östlich gelegen, zu finden sei. Stollen 3 gibt’s, nach meiner QGIS-Messung rund 300 Meter Nordöstlich von Stollen 2 fern.

Auf der Fussstrecke zu Stollen 3 werden kurz vor der Haue die Reste eines Blockhauses sichtbar.

Blockhaus Plang Pegn

An den wenigen noch heute vorhandenen Hölzer stecken moderne Industrieproduktionsnägel. Nicht unweit des Hauses liegen noch jede Menge zerfötzelte rote Dachpappen rum.

Gemäss Landeskarte 1962 stand das Blockhaus in jenen Jahren als intaktes Gebäude.  Erst das Savogniner Kartenblatt aus Jahren 1979 markiert an der Blockhausstelle eine Ruine und heute ist der Eintrag gänzlich erloschen.

Und nur wenige Meter nach der Blockhausentdeckung, quer durch Waldgebiete, wird im mitten der Waldlandschaft, die wuchtige Halde sichtbar. In Höhe von geschätzten 12 Metern und einem Halbradius von 5 Metern könnte diese Deponie durchaus 470 Kubikmeter Stollenabraum verbergen.

Unser illustres Expeditions,  respektive Aufwältigungsgrüppchen, nutze die Haldenfläche als temporärer Installationsplatz.

Plang Pegn Stollen 3

Der Stollen selbst ist bis auf 34 Meter fahrbar. Auffällig sind die noch gut erhaltenen Mitteldornholzschienen im grosszügigem Stollenquerschnitt. Oft ist dieser Stollenabschnitt in Massen um die 2 x 1 Meter geschlagen.

Plang Pegn Stollen 3

Da die Laufbretter gut erhalten sind, lohnte eine Messung der Bretter und des Führungsnagels. Die Laufbretter sind zwischen 12 und 18 cm breit und der Führungsnagel bewegt sich im durchgehend 4 cm breitem Schlitz. Trotz der eher kleinen Hunde sind Stollenprofile erkennbar breit.

Plang Pegn Stollen 3

Die vorhandenen Bohrlöcher sind eher kleineren Durchmessers wie wir sie von Pressluftbetriebenen  Bohrhämmern kennen. Zwar lassen sich von Hand auch solch kleine Locher bohren doch diese waren, um die 1800, eher unüblich. Damalige Sprengmittel setzten grössere Bohrungen voraus.

Obwohl der Stollen sehr schwer zu finden ist und den Eingeweihten viel an Geheimhaltung liegt, gibt’s einige aussergewöhnliche Funde die auf spätes Dorfbubentum hindeuten.

Plang Pegn Stollen 3

Ein Feuerchen im Sackgassenstollen ist kein wahrhaft geistreicher Gedanke. Dies verkohlte Holz lässt zumindest den Schluss zu wonach das Mundloch einst deutlich geweitet war. Heute ist der Einstig eng und beschwerlich. Ein Feuerchen hätt, weder heut noch gestern, der Luftqualität merklich verbessert.

Plang Pegn Stollen 3

An einer nahen, glatten Wand liegt das obligate Russgraffiti offen. Leider wars mir nicht möglich dies grosse Dorfbubenartefakt eindeutig zu entschlüsseln.

Ab Meter 29 beginnt eine Einschwemmung die mit zunehmender Tiefe die Weiterbefahrung verhindert. Und ab 34.04 Meter ab Mundloch, gesetztem Messpunkt 13, ist definitiv Schluss mit durchkommen. Schaufelarbeit in engem Raum ist gefragt.

Plang Pegn Stollen 3

Zu dritt, mit eigens gefertigtem Hund, liess sich einige Versturzmasse aus der Strecke in eine Deponie, an einer Stollenweitung, transportieren. Da der Stollen zeitweilig über 2 Meter breite erreichte konnte der Abraum bequem kurz nach Versturz verstaut werden.

Plang Pegn Stollen 3

Mein, für dieses Unterfangen gebaute, Transportgefährt sollte einerseits Engstellen souverän passieren können anderseits  aus dick klebrigem Lehm robuste Ziegel ausspucken. Das erste Kriterium gelang so halbwegs während Kriterium 2 am viel zu schiefrigem Abraummaterial scheiterte.

Plang Pegn Stollen 3

Wenn doch, dank dem Schieferschutt, eine schnelle Bodenabsenkung von bis zu 50 cm gelang.

Plang Pegn Stollen 3

Leider jedoch gelang der Durchstich in die noch unbekannten Stollenmeter nicht. Der Stollenfortlauf muss, gemäss aktuellem Wissensstand, unter Messpunkt 13, roter Punkt an Felskante, in einer noch unbekannten Tiefe, zu finden sein.

Plang Pegn Stollen 3

Die Stollenvermessung, an welcher ich nicht beteiligt war, stammt aus dem Jahre 2018. Da ich zeichnerisch mich diesem Werk annahm und mir das Objekt gänzlich fremd war lang eine genauere Befahrung meinerseits logisch auf der Hand. Und erst nach genauer Betrachtung einiger Unbekannten sollte dieser Plan entstehen.

Heute nun, aus meiner Sicht, gibt’s einige Mysterien um dies Bauwerk. Die Zeitepoche, die Zeitepochen des Stollens sind schwer auszumachen. Ich glaube, dieser Bau war immer wieder Thema verschiedenster Abbauversuche wie auch verschiedenster Neugierden. Das Mysterium ums beschriebe Gold schwirrte in mancher Köpfe. Mineralien-Funde lassen auf die Eisenproduktion schliessen. Trotz bedeutender Anlageausmasse ist nur Weniges überliefert. Namentlich mir bekannt „Mineralogische Studien 1812 Leonhard und Selb“ und „Heimatbuch Tiefencastel“. In zweitem Werk wird die „Gesellschaft von Tiefencastel“ genannt welche 1804 vom Peter Demenga gegründet wird. Die Bergbaugesellschaft wird indes erfolglos ob Plang-pegn nach Erzen graben. Von Goldhoffnung wird berichtet, was jedoch niemand so genau weiss. Es solle gar einst Golderz gefunden worden sein.

Trotz grosser Anstrengung blieb der Ertrag, sowohl für die Gesellschaft wie für die Gemeinde Tiefencastel aus, worauf, in findiger List, sich die Unternehmung in „Gesellschaft von Reichenau“ umbenannte und klangheimlich in die Gemeinde Reichenau übersiedelte.  In den Jahren 1818 erfolgte der endgültige Zusammenbruch der Bergbaugesellschaft womit für lange Zeit wieder Ruhe in den Bergen eintrat. 1902 kam Tiefencastels letzter Pachtvertrag auf Erzschürfung zum Abschluss. Ach dieser Versuch scheiterte ohne nennenswerte Resultate.

Bergwerke Plang Pegn um 1887

Auf der Siegfriedkarte, Erstausgabe 1887, ist der vermutete Erzweg noch erkennbar welcher beide Abbaustellen erschloss. Heute ist dieser breite Weg noch im Wald ausmachbar. Denkbar könnte das Erz, sofern es welches gab, zur Schmelze Flex geführt worden sein, was in Wegrichtung liegen könnte.

Nun ja, die Geschichte ist noch mit einigen Unbekannten behaftet aber ich arbeite an möglicher Klärung.

Als LED richtig Scheisse war

am 23. Mai 2020 unter Seitwärts parkieren, Steinerne Unterwelten abgelegt

Neulich bei der Mürtschenalrecherche.

Im Mai 2013 hatten die damalig abartig schweren LED Taschenlampen nur einen wirklich sinnvollen Zweck, dieser war, einem bösem Stollengeiste noch böseres anzutun.

LED Lampe

Ansonsten konnte der Totschläger keine Nägel einschlagen, keine Brückenpfeiler rammen und auch keine Sprenglöcher, auf bequemes Stollenprofil, ausweiten.

LED Lampe

Der Zweck einer Beleuchtung gar gänzlich unmöglich. Und wer diese Eigenschaft einem modernen Fotoapparat zufügte machte abstrakte Kunst.

Im Bild gleiche Stelle, 7 LED-Technologie-Jahre dazwischen.

Und auch kryptischer als jede  Enigma-Maschine, der Todschläger verschlang Unmengen an Ampere ohne den Hauch einer Handwärmenden Funktion.

Kurzum, früher war doch nicht alles besser.

Mürtschenalp auf dem Kalttalkopf

am 23. Mai 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

oder, die Suche nach den verborgenen Uraniern

Es ist nun genau 7 Jahre und ein 3 Tag her als ein illustres Grüppchen sich auf die Suche nach den vergessenen Fahlerzgruben des Kalttals aufmachte. Damals mit dabei eine gute Bergbauforschungsfreundin die uns leider viel zu früh des Lebens verliess. Ihr, genannte Gina, will ich diese Fortsetzungsgeschichte widmen. Ich weiss sie hätte gern dies Geheimnis geklärt gewusst, nun, die Uranier offenbarten sich uns.

Aber erstmals der Reihe folgend,

Es gibt’s eine grössere Gruppe Kupfererzbergwerke ob dem Murgtal, im südlichem Berghang der Mürtschenalp gelegen. Bekannt, respektive Literarisch überliefert, sind diese Fahlerzvorkommen seit dem frühen 16. Jahrhundert.  Immer wieder versuchten tapfere Männer den dortig herrschenden Gebirgsgewalten zu trotzen und die „mürtschen“ Felsen ob der Kuhalp zu bezwingen. Zwei Herren sind in aller Munde, Heinrich Julius Tröger, späterer Bergbaupionier auf Seemühle,  und dessen Vorgänger Betriebsleiter Emil Stoehr. Zweiterer beschenkte die Bergbau-interessierte Nachwelt mit reichlich Dokumentation.

Karte Emil Stöhr Mürtschenalp

Die östlichste Fahlerzgrube liegt im Kalttal auf 1520 müm nahe des Kalttalkopfs. Auf dem Kartenausschnitt von Emil Stoehr 1864 ist der Stollen rot hervorgehoben.

Nach Emil Stoehrs Bergmännischer Tätigkeit auf Mürtschenalp schien sich lange niemand mehr für diese, eher kleine Grube zu interessieren. Die nachfolgende Ausbeutung, durch Gustav Weinmann, um 1916, beschränkte sich auf die zwei westlichen, grossen Bergwerken, Hauptgrube und Erzbett.

Ein gefundener radioaktiver Klumpen auf der Halde der Kalttalgrube wie auch der Traum einer unabhängigen Atomnation, entflammte, um die Jahre 1958, wieder  hochgesteckte Bergbauziele.

Gonzen-Bergleute öffneten, mehr oder minder erfolgreich, in den Jahren zwischen 1958 und 1968, mit Unterbrüchen,  den alten Stollen des Kalttals. Das Interesse fokussierte sich auf die Entdeckung eines Uranvorkommens.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Nachdem der, aus der Emil Stoehr-Ära stammende Zugangsstollen, wenige Meter nach Tag immer wieder einstürzte. Beschlossen die Bergleute, mittels westlich gelegenem Querschlag, die Hauptgrube anzufahren. Dies Vorhaben gelang am 8. August 1967. Die Grube war nun offen und musste einzig von der Verbruchmasse befreit werden, was so in etwa einen Monat beanspruchte. Die letzte grössere Vortriebsunternehmung die, auf der Suche nach begehrtem Uran,  noch getätigt wurde, war ein Seitenstich von rund 10 Meter Länge nahe der Stollenbrust. Das grosse Uranvorkommen blieb indes aus doch einige aktive Hotspots konnten bereits damals ermittelt werden.  Die Radioaktivität ist, gemäss Abschlussbericht, auf eine lokale Uran-Imprägnierung des Fahlerzes zurückzuführen.

Im Jahre 1968 versperrten die Gonzenmänner den Hauptquerschlag mit Baumstämmen und Aufschüttmaterial.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Die Seilbahn, im Bild das noch verbliebene Zugsseil, und alle weiteren Installationen wurden demontiert und die Anlage aufgegeben. Die Minen im Kalttal blieben interessante Forschungsstätte für ganz wenige die dies kleine Geheimnis kannten.

Wir, diesmal in etwas kleinerer Zusammensetzung, suchten nun dies Uraniumgeheimnis  mittels Geigerzähler aufzuspüren. Wie immer, die Schönheit, dieser Wanderung liess keine Zweifel offen, dies Flecklein ist eines der schönsten mir bis anhin bekannten. Klar, nur schon landschaftlich loht der etwas holprige Aufstieg.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Auf der mächtigen Halde stehend, machte sich auch diesmal wieder die Frage nach dem Zwecke des mittig befindlichen Schachtes, breit. Mein Begleiter Matti wagte den Einstieg und knackte dies Geheimnis. Der Einstieg führt in eine der zahlreichen Spalten die fürs Gebiet bekannt und berüchtigt sind. Es bleiben keine Zweifel, die Halde wurde teils grossflächig umgegraben. Der Spalt ist teils aufgefüllt, teils abgedeckt. Die darin befindlichen quer liegenden Hölzern könnten zufällig in der Grube gelandet sein sie könnten aber auch zu einer Art Abstützung gehört haben. Es ist durchaus möglich das schon damals tief in der Spalte noch Uranhaltigem Haldenmaterial gesucht wurde.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Auf der Halde liegen reichlich Fahlerze herum. Manche dieser Fahlerze sind Strahlungsaktiv aber auch manche andere, mir nicht wirklich bekannte Mineralien, sind nicht minder verschlafen. Werte bis zu 150 Counts per Sekunde sind Spitzenreiter.

Aber, unser Interesse galt, wie könnts auch anders sein, den Untertagebauten.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Der alte Stollen aus der Emil Stoehr Epoche, ca 1866, ist, wie wir wissen, bald nach rund 10 Meter Tag verbrochen. Es ist denkbar das dieser Eingang ursprünglich eine kleine Höhle war in dessen Ende ein Fahlerzausbiss beobachtet wurde. Der Standort des Stollens nahe des Felsabhangs ist alles andere als optimal gewählt und die Decke am Einbruchort drückt unaufhaltsam Richtung Boden.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Der neue 1958er Querschlag indes scheint gut gewählt und grosszügig konzipiert. Der Mundlocheinschnitt, für die Hunte, führt auf die alte Halde. Das Mundloch selbst ist mit einer rund 3 Meter hohen Schuttwand versperrt. Mein Fotostandort ist auf der Schuttwandsperre.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Der Eingang zwischen Schuttwandsperre und gewachsenem Fels ist immer noch recht eng und vertikal nach unten führend.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Doch im Hauptquerschlag wird’s bald mal kuschlig weit.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Beim Zusammentreffen auf der alten Hauptstrecke kann noch ein beträchtlicher Stollenabschnitt in Tagrichtung befahren werden ehe die bekannte, von aussen her bereits beobachtete, Verbruchstelle auftaucht.

Schöne Versatzwände gestützt von, noch erhaltener Holzzimmerung säumen die alte Emil Stoehr-Hauptstrecke, dies seit gut und gerne 150 Jahren.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Die Gegenseite, der neu aufgewältigte Teil, sieht da doch deutlich ramponierter aus.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Durstige Bergwerksbesucher scheinen hin und wieder Lust auf ein kühles Bier zu verspüren. Abgesehen von der Bierdose liegen reichlich verstreut Einmalblitzlampen auf dem Stollenboden. Die Lampen könnten aus der Untersuchungszeit oder knapp später stammen. Solch Blitzleuchten waren noch bis in die 1980er weit verbreitet.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Zwei markante Hochstösse, aber nicht über 4 Meter, öffnen ein, nicht restlos ausgeräumtes Erzlager. Entgegen bekannten Schriften, erscheint mir diese Grube unter den mir bekannten, Erzbett und Hauptgrube, eher bescheidener Ausbeute. Der Erzgang, manchmal die Erzgänge, sind minimal, selten über 2 cm mächtig. Der Stollen war, zu Emil Stoehrs Zeiten, etwa 120 Meter lang ohne grosse Abbaukammern. Aktuell endet der Stollen knapp vor Stollenbrust und knapp vor dem neueren Seitenstoss bei einem Versturz.

Die markante Radioaktivität indes könnten auch wir im Stollen an Minimum einer Stelle  eindeutig eruieren.

Grube Kalttal Mürtschenalp

Namentlich findet sich diese, in bis zu 250 Counts per Sekunde, an der Stollenwand Ost kurz vor dem grösserem Hochstoss.

Grube Kalttal Mütschenalp

Plan gross machen, Plan anklicken

Im Plan welcher die Gonzenverantwortlichen erarbeiteten sind meine aktuellen Eintragungen der Befahrung vom 21.5.2020 vermerkt. Rot sind die unpassierbaren Einstürze vermerkt und hellgrün dargestellt die maximal gemessene Strahlung mit Standort.

Weder Kupfer noch Uran zeigen sich, soweit ich dies beurteilen kann, in Abbauwürdiger Mächtigkeit. Der gleiche Schluss werden die Bergleute anno 1968 gezogen haben. Bereits zu Stoehrs Zeiten waren die Gruben eher eine Geldvernichtungsmaschine doch der Glaube an grosse Schätze versetzte bekanntlich recht viel Berge.

Ein letzter kommerzieller Versuch unternahm Gustav Weinmann während des 1. Weltkriegs auf Erzbett und Hauptgrube. Die Grube Kalttal indes blieb kalt bis zum geglaubten Uransegen welcher definitiv ausblieb.

Vorbeiträge zum Thema
Mürtschenalp noch mehr Erleuchtung
Hauptgrube Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp

Grube Horn, es werde Licht

am 12. Mai 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nochmals eine kleine, reich bebilderte Grube Horn Geschichte weils so einzigartig ist.

Das Kohlebergwerk Horn ob Kandergrund verfügte, damalig um die 1940er, über eine engmaschige Beleuchtung die den Bergleuten regelrechte Erleuchtung bescherte. Wie es funktionierte war neulich Gegenstand meiner Neugierde.

Grube Horn

Ein nicht allzu aktueller Plan wie auch verschiedene noch herumliegende Artefakte lassen heute einige Rückschlüsse über Installationen und Funktion zu.

Grube Horn Plan

Auf den beschriebenen Plan sind in rot und blauem Farbstift diverse Eintragungen, die auf Kabeltypen hinweisen, vermerkt.

Die Eintragung in Rot“4 x16″ lässt auf den Kabelquerschnitt schliessen und auch die unterhalb vermerkte Notiz „Motorenkabel“ erscheint einleuchtend. Die rote Linie folgt weite einem für Mai 1945 durchaus plausiblem Stollenverlauf. Und schliesslich lässt die Texteintragung „10 AL“ auf das Illuminationskabel schliessen.  Mittig Plan erscheint die Zahl 58L was 58 Lampen bedeuten könnte wenn doch, rein Rechnerisch, 58 Lampen, die gefundenen Überbleibsel, sichtlich überfordern täten.

Aber erstmals der Reihe nach.

Schnell wird klar, an der gemauerten Wand der Fahrzeugwerkstatt stand einst die auf Eternitplatten gebaute Niederspannungshauptverteilung der Grube.

Grube Horn NSHV

Die noch vorhandenen Kabelschwänze wie auch das noch verbleibende Sicherungselement lassen solch Schluss zu.

Grube Horn

Die demontierte NSHV liegt, nicht weit des ursprünglichen Standortes, zerschlagen am Boden. Zwei Stahlgeflechtummantelte Kabel führen in Tagrichtung Bremsberg 1 was grundsätzlich so sein sollte.

Grube Horn

Unter der eingekrachten Holzzimmerung sind beide Kabel, eines sicher 4 x 16 Quadrat, weiter verfolgbar.

Die Kabel sind, so wies aussieht, einerseits Zuleitung für die zahlreichen Bremsbergmotorwinden anderseits die Zuleitung für Licht und weiteren Firlefanz. Die Motoren waren wahrscheinlich 3 x 500 Volt gespiessen während die restlichen Anlagen übliches 380/220 Volt Netz benötigten.

Grube Horn

Ein Überbleibsel auf dem Hauptverteilungshaufen klärt weitere Illuminati-Geheimnisse. Namentlich war die Beleuchtung auf ungefährliche Kleinspannung 36 Volt ausgelegt was die mehr oder minder offenen Anschlusspunkte der Lampen erklärt. Die Spannung 220 Volt transformierte eine graue Blechbuchse auf  handzahme 36 Volt / 56 Ampere herunter.

Grube Horn

Die lustige Abzweigklemme auf dem Pressluftrohr ist die Kleinspannungsübergabestelle hinter der ehemaligen Hauptverteilung. Über die weiteren Stollenverläufe spannen sich die 2 10 Quadrat-Aluminiumdrähte. Linker Abgang führt in Tagrichtung zu Bremsberg 1 und in die weiteren Stellen, rechter Abgang speisst die Lampen in den Abbaustrecken des Mittelfelds.

Grube Horn

Am Abgang gegenüber liegt eine der wenigen mit Schalter ausgestatteten Beleuchtungen. Hier Konkret das Sprengstofflager.

Grube Horn

Die Beleuchtungsleitung und die Lampen sind oft auf der dicken Hauptpressluftzuleitung aufmontiert.

Grube Horn

Teils sind die Lampen auf mobilen Holzbrettern aufgeschraubt.

Grube Horn

Hin und wieder, wo dicke Pressluftrohre fehlen und verschiedene Strecken zusammentreffen, ist das Kabelchaos nicht zu verfehlen.

Grube Horn

Manchmal sind rote Glühlampen in den Fassungen eingeschraubt. Der Gedanke das diese im Bild mittels Schalter separat schaltbar wäre, ist falsch. Die Büchse auf der rechten Bildseite ist eine Kleinspannungssteckdose. Es liegt irgendwo, in einer Abwurfstrecke, eine steckbare  Handlampe die mal, in naher Vergangenheit, irgendwer als Kletterseil umfunktionierte. Diese Hand-Leuchte wird in solch Steckdose passen.

Grube Horn

Rote Glühlampen treffe ich immer wieder an. Hauptsächlich stecken diese bei Maschinen zu. Im Bild die noch hängende Leuchte bei der Seilwinde des letzten Bremsbergs. Rote Lampen sollen die übersichtliche Sicht in der Dunkelheit vereinfachen wie mich ein Facebookfreund zu belehren wusste. Tatsächlich sind die roten Birnen oft bei komplex zu bedienenden Gerätschaften, wie eben genannt, etwa den Seilwinden.

Die ablesbare Leistung der Glühleuchten liegt bei 40 Watt. Bei 36 Volt und 56 Ampere sind 2016 Watt Anschlussleistung möglich, folglich können mit dieser Trafobüchse, 50 Lampen erleuchtet werden.

Grube Horn ist nicht unterzukriegen

am 12. Mai 2020 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Bei der letzten Befahrung blieben etliche Zweifel über die erkundete Route. Mein heute aktueller Wissenstand basiert nun korrigierend auf eine Betriebszeit des Bergwerks bis in die Anfänge der 1950er.  Im Vorgängerartikel „Der letzten Tage der Grube Horn“ lang ich mit dem Jahre 1947 folglich falsch. Dieser Tatsache folgend dürften wir nicht im besitze aktueller Pläne sein ergo drängte sich eine Zweitbefahrung mit Begleitschnellvermessung durchwegs auf.

Gesagt getan am Tage 8.5.2020 bei herrlichem Sonnenschein und kühlendem Stollensystem.

Die überaus beschwerliche Schnellvermessung starteten wir ab Haupt-Mundloch Bremsberg 1 in Richtung befahrbare Route.

Grube Horn Grundstrecke 1648

Weils so schön war, kleiner Fotohalt, Blick zurück nach Ausweichgleis darf nicht fehlen.

Aber unser Hauptinteresse galt immer noch den unbekannten Zonen die mit etwas Glück und Sportsgeist erreichbar sein könnten.

Die Region um Schacht III galt lange als vielversprechender Zugang in die nächsthöheren Sohlen doch leider blieb der eigentliche  Schacht randvoll mit Schutt.

Grube Horn

Einzig der dazwischen geschaltete Abwurfschacht mit ins Luftleere führender Schiene ist noch heute offen. Das Gegenende der Schiene führt in den, bis oben aufgefüllten Schachtbau also definitiv kein durchkommen.

Was jedoch nie irgendwie einleuchtend erschien, war der Verbleib des, oft beschriebenen, Krutzistollens. Der Krutzistollen sollte so nach bekannten Plänen bald nach Bremsberg 1 Ende rechtwinklig anknüpfen. Dieser Krutzi blieb lange verschollen wär nicht ein unscheinbarer Abbau gewesen welcher uns, über etliche Umwege, auf Sohle 1659 führte.

Grube Horn Strecke 1659

Die Sohle 1659, als einzige mit Wassergraben ausgestattet führt auf und ab über gefühlte Hunderttausend Verbruchstellen.

Grube Horn Strecke 1659

Eher holprig wenn nicht brüchig knüpf diese höchstgelegene Sohle an die Tages-Strecke 1652. Wenn doch Tag, in dieser äusserst abenteuerlichen Zone,  lange nicht wieder auftauchen sollte.

Grundstrecke 1652 respektive Grundstrecke 1659 schien in weiter Vergangenheit begehrter Treffpunkt durstiger Bergleute. Alleweil liegen einige gut gereifte Gurtnenbiere in den seitlichen Abbaunischen.

Grube Horn Strecke 1659

Also, kleine Lichtspielerei unterwegs.

Aber, noch immer liegt der Krutzi in weiter Ferne. Übrigens, bis anhin waren wir beide, mein Begleiter und ich, überzeugt dass die besuchten Stollen dem Nordwerk angehörten und wir bei jedem weiteren Meter uns von Tag distanzierten.

Weit gefehlt, in tat und Wahrheit waren wir im Mittelfeld zunehmend in Tagesnähe.

Und in dieser Tagesnähe öffnet eine Mini-Abbaustrecke die uns Seitwärts in durch den Krutzi-Türstockausbau führt.

Grube Horn Krutzistollen

In der Krutzistrecke steht noch heute unbekümmert aller Zeit still. Gerätschaften gesamter Bergbau-Funktionalitäten stehen herum in aller Ecken. Im Bild die Krutzistecke in Richtung Südfeld kurz vor Beginn des Hauptbremsbergs.

Grube Horn Gesenkhund Krutzistollen

Wie sichs gehört für den ellenlangen Bremsberg gibt’s ein Spezial-Hund mit schief gesetzter Mulde. Noch heute liegen in der Hund-Mulde zwei richtig grosse Kohlebrocken.

Grube Horn Krutzistollen

Der Krutzistollen Tagseitig, knapp vor Mundloch, endet ein einem wüsten Verbruch.

Grube Horn Krutzistollen

Die Gegenseite, Blick in den Stollen hinein, sieht nicht minder desolat aus. Im Bild die Ansicht am 5.6.2011.

Was in der Aussenansicht verschollen bleibt sind die dicken Drahtseite die zweifelsohne aus dem Berg herausführten. Wahrscheinlich hielten diese Drahtseile einst eine Abwurfbrücke zusammen wie auf dem historischen Hund-Bild im Vorbeitrag Der letzten Tage der Grube Horn zu erkennen ist.

Kurzum, dank der Schnellvermessung und der anschliessenden Georeferenzierung des Plans ist unsere Route nun nachvollziehbar. Heut ist auch klar, die Bergleute versetzten etliche Stollenkilometer. 

Grube Horn

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Der Krutzistollen als Hauptwerk ist in beide Haupt-Richtungen  versetzt oder verstürzt. Die gesamte Zone Nord ist versetzt und die Bergtiefe Mittelzone scheint auch versetzt zu sein.

Die roten Linien entsprechen unserer Schnellvermessung. Leider nicht gänzlich magnetisch objektiv, das Bergwerk ist vollgestellt mit schwerem Eisen, zeichnet die Schnellvermessung ein plausibles Bild der Untertageerweiterungen nach 1947 ab. Insbesondere die direkte Anbindung ans Mittelfeld dürfte, im Sinne einer Transportvereinfachung, den Krutzistollen ums 1947 ersetzt haben. Aktuell ist die Mittelfeldanbindung kurz vor Schacht II versetzt. Die nachweislich letzte verwendete Strecke führte kurz vor dem Versatzblock scharf rechtwinklig  in die Tagesnahen Mittelfeldregionen.

Die roten Linen, gelben Strecken und grünen Strecken sind nun bekannt. Der Grossteil weiterer Strecken sind entweder versetzt oder verstürzt.

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