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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Die Tage in St. Gallen

am 12. Juni 2022 unter Kartografie, Reisen, Stadtindianer, Steinerne Unterwelten, Vergangenes abgelegt

Ich und meine Partnerin Christina weilten, des Berufes wegen,  die letzten Tage, in schönen St. Gallen. Grund genug dies Örtchen, welches uns beherbergte, etwas näher zu entschlüsseln dies, wie üblich, mit viel Bilder und diese, wie unüblich, ausnahmsweise mit Smart-Phönchen abgelichtet.

Die erste imposante Begegnung die der Reisende macht, ist definitiv die wuchtige Stiftskirche und Kathedrale. Der um 1755, in 11 Jähriger Bauzeit, errichtete Barocke Neubau ersetzte die damalige, allmählich baufällig werdende,  Klosterkirche aus dem Jahr 800.

Die Fürstabtei St. Gallen (gegründet 719, aufgehoben 1805) war eine Benediktinerabtei die an Stelle des, vom irischen Mönch Gallus (Namensgeber der Stadt), um 612, gründete Einsiedlerzelle, an der Steinach, zu stehen kam.  

Dank der ältesten, noch erhaltenen, Gebäudegrundriss-Zeichnung, dem karolingischem Klosterplan St. Gallen, lässt sich Grösse und Ausstattung des Benediktinerklosters um ca. 827 rekonstruieren.

Der karolingische Klosterplan Stand 819 oder 827/830,  Quelle: St. Gallen, Stiftsbibliothek, Ansicht in gross auf http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/1092/recto

Die Stadt St. Gallen wird in den Folgejahren nördlich des Klosters allmählich zur bedeutenden Tuchmacher-Metropole heranwachsen. Die Benediktinerabtei indes schliesst, nach diversen Konflikten, rund um Reformation und Autonomiebestrebungen der Stadt, um 1805 den Klosterbetrieb.

St Gallen um 1770

Ansicht der reformierten Stadt St. Gallen mit massiv ummauerter Klosteranlage datiert aufs Jahr 1770. Ich indes wage die Behauptung einer früheren Stadtaufnahme. Die Kathedrale, respektive deren Neubau, verfügt, auf der Zeichnung, über ein einzelnes Türmchen. Der alte Plan wie auch der Barocke Bau kennt 2 Türme.

St Gallen um 1899

Plan, Quelle: Zentralbibliothek Zürich

Im Jahre 1899 ist der Klosterbau mit Kathedrale und allem drumrum Staatsbesitz. Die Südostbahn betreibt den Bahnhof nordwestlich der Stadt und ein anwachsendes, heute grösstenteils verschwundenes, Strassenbahnnetz, durchzieht die Aussenquartiere. Eine moderne Stadt entsteht so wie wir sie heute Innerstädtisch wiederfinden.

Abgesehen vom sakralem Wirken  gibt’s in St. Gallen weitere durchaus lohnenswerte Sehenswürdigkeiten die uns bei nächtlichen Spaziergängen auffielen.

Drei Weiher

Die drei Weiher sind der ganze Stolz eines jeden waschechten St. Gallers. Tatsächlich waren die Weiher oberhalb der Stadt gelegen, ganz und gar, den Erwartungen entsprechend. Mein Bild ist, der Absicht Willen, und 180 Grad gedreht da die Spiegelung ein imposantes Wolkenschauspiel bot und dieses die obere Bildhälfte verdient.

Die Weiher waren, so wird vermutet, ursprünglich als Steinbruch dienend, künstlich angelegt. Um 1610 wurden die Brüche geflutet um die Wasserversorgung der Stadt und des Tuchgewerbes sicherzustellen. Heute sind diese viel besuchtes Naherholungsgebiet.

Mühleggbahn

Die drei Weiher sind bequem zu Fuss oder, seit 1893 per Standseilbahn erreichbar. Die damalig erbaute Mühleggbahn verläuft noch heute parallel zur Steinach grösstenteils unterirdisch bis Mühlegg. Die erste Standseilbahn funktionierte bis 1950 als Wassergewichtsseilbahn. Heute fährt eine vollautomatisierte Bahn durch den Tunnel. Im Bild die Talstation am steilen Ufer der Steinach.

Wer, wie wir, eher sportlich unterwegs, die 69 Meter Höhenunterschied, bewältigen, findet in der Steinach-Schlucht weitere Geschichtsträchtige Überbleibsel.   

Steinachschlucht

Zahlreiche Mühlen bewirtschafteten das steil herunter donnernde Steinachwasser. Heute finden sich vereinzelte, ungenutzte Radstuben aus dem 19. Jahrhundert, entlang des Fussweges.

Berneggstollen

Und auch en Stollen, leider bei meinem Besuch verschlossen, liegt am Wege. Wie ich später erfahre der sogenannte Berneggstollen welcher in Zeiten um den 2. WK angelegt wurde.

Berneggstollen

Das Bauwerk ist, wie die amtliche Vermessung zeigt, in Tat und Wahrheit ein Tunnel welcher den Berg von der Steinachschlucht zur Strasse Am Sturz quert. Ergo ein Teil mit Ein und Ausgang obschon die Militärarchitekten eher von Eingang und Notausgang reden täten. Die ganze Anlage war damals als Luftschutzalarmzentralle projektiert. Fertiggestellt wurde das Untertagewerk nie.

Steinach

Und wers aufs Einächtigen des bewölkten Sommertages schafft kann eindrückliche Bildstimmungen einfangen.

Kathedrale

Dito nochmals Smartphöndlibild mit Kathedrale.

Guppenalp Ysenberg 2022

am 15. Mai 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Über besagtes, im Titel genanntes Eisenbergwerk wusste ich bereits reichlich zu berichten, insbesondere meine Seite Eisenwerke Guppenalp weiss die historischen Zusammenhänge etwas genauer zu erläutern. Ich selbst war dem schönen Mittelalterbergwerk  seit gut 9 Jahren abstinent. Motiv genug um die Stollen wieder zu besuchen.

Ysenberg Guppenalp

Immer wieder beeindruckend der breite Schlitz der eher kleineren Nebengrube in mitten der Felswand.

Ysenberg Guppenalp

Im Schlitz eine prächtige Aussicht aufs weite Linthtal.

Ysenberg Guppenalp

Im Stollenvorhof  steigt bald  die nie enden wollende Spalte alter Legenden in unergründliche Höhen.

Ysenberg Guppenalp

Die Hauptgrube mit etwas Schnee vor den Toren überraschte mich doch wieder ab deren steiler Umgebung.

Ysenberg Guppenalp

Und auch der Blick in Wanderwegrichtung zeigte fast vergessene Steile.

Ysenberg Guppenalp

Die Hauptgrube, ein Archäologisches Juwel, voller spannender Artefakte. Im Bild die Installations- und  Pausenplattform des Bergwerks, Baujahr um die 1540.

Ysenberg Guppenalp

Abstieg durch die Versatzgänge.

Ysenberg Guppenalp

Stempel

Ysenberg Guppenalp

Und noch mehr Stempel

Ysenberg Guppenalp

Der See, gestern mit viel Wasser drin.

Ysenberg Guppenalp

Ein besonderes Stück vergangener Bergbautätigkeit, die Spuntwände welche, 3 Schichtig, taubes Gestein zurückhalten.

Ysenberg Guppenalp

Ein ganz und gar nicht freudiges PVC-Insekt liegt am Stempel gekettet im unteren Grubenteil. Der nähere Untersuch zeigte als Zweck des Insektes ein Geocache. Des Textes auf schwarzem Schraubdeckel zu urteilen behauptet dies Ding gar offiziell zu sein was ich wiederum  ernsthaft anzweifle.

Fakt ist, die Illustre Wandergruppe die mit Einweggrill an der Alphütte Würste dünstete erfüllte jedes Vorurteil des Geocachers. Gut waren die Jungs und Mädels eher mässigen Erfolges unterwegs ansonsten hätt der Stempel nochmals leiden müssen. Der Geocache selbst liegt nicht im Rohr statt dessen ziert dieser, im nicht wirklich attraktivem, Tupperware den Durchgang zur geschrämten Abteufung.

Positive Erkenntnis, noch immer weiss die Hauptgrube sich gekonnt, im zerklüftetem Gestein der Felsbänder, zu verstecken.

Ysenberg Guppenalp

Und auch der letzte Sondierstollen steht noch offen. Zwar in enger Dimension, ohne Schaufeln nicht fahrbar, dafür Geocacher abhaltend.  

Ysenberg Guppenalp

Und die Übersicht der Anlage hier visualisiert auf em 3D Model.

Und der Erstbeitrag zum Isenberg, gut und gerne 11 Jahre her, Das Geheimnis des Isenbergs

Fahlerzgruben Gnapperkopf

am 18. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Dies kleine Bergwerk wusste seine Reize gekonnt zu verbergen. Insbesondere die kleine, damals beim ersten Versuch, leicht Schneebekreuselte Passage zum Gnapperkopf weckte in mir alle Schwindelreaktionen. Diesmal, Versuch zwei, war der Schnee an exponierter Lage weg und der Weg frei zur Erkundung der Gruben.

Die Gruben, 4 Stollen in der Zahl, liegen nahe beieinander, rund 2 10er-Höhenlinien kurz vor dem steilen Gnapperchopftobel. Ein 5. Stollen, so wird berichtet, solle sich weiter oben auf 1217 müm im oder neben dem Gnapperchopftobel liegen. Da das besagte Tobel richtig rutschig war verzichtete ich auf Stollen Nummer 5.

Die 4 bekannten Stollen, Baujahr vermutet 1713 bis 1866, fand ich indes, dank guter Beobachtungsgabe und brauchbarer Höhenangabe, relativ schnell.

Bergwerk Gnapperkopf

Auffällig hierbei, eine breit angelegte Installationsfläche vor den Stollenwerken die ich auf letzte eindeutig bekannte Abbauperiode datiere, 1865 bis 1866. Etwas speziell indes, zwei Stahl-T-Profile fest im Boden eingerammt, vordergründig im Bild, die vielleicht einst eine Tafel, Verbotstafel, was auch immer, trugen.  Klar ist, Strahler, respektive deren Zerstörungsspuren,  sind durchs Band omnipräsent.

Stollen 2 Gnapperkopf

Stollen 2, oberhalb des verstürzten unteren Stollens, führt bald in ein steiles Abbaugesenk. Sehr viel nachträglich eingestürzte Steinklötze erschweren die Befahrung.

Stollen 2 Gnapperkopf

Es sind einige Holzeinbauten mehr oder minder stehend, auszumachen. Klar ist,  die Grube war einst tiefer aber heute mit reichlich Steinen aufgefüllt. Eventuell könnten auch ganze Versatzpackungen ins Gesenk gekullert sein. Spuren in Form von Trockenmauerwerk konnte ich nicht ausmachen. Am verstürzten, verfüllten Gesenkende plätschert Wasser.

Stollen 2 Gnapperkopf

Augenmerk in Grube 2,  wie ich später herausfand verbunden mit Grube 3, es liegen reichlich schwere bearbeitete Kanthölzer im Schutt. Denkbar dass dies Bauholz einst für den untertägigen Gerüstbau verwendet wurde. Denkbar auch das dies Material einst zu auftägigen Bauwerken gehörte. In südwestlicher Richtung, auf Stollen 1, zulaufend, ist kein gewachsener Fels erkennbar. Nur Schuttmasse begrenzt die Südwestrichtung. In Gegenrichtung Ost, beim Stollen 3 indes ist die Bergknappenbegierde deutlich wiedererkennbar.

Fahlerz im Stollen 3 Gnapperkopf

Feine Fahlerzstufen, bis zu 12 cm mächtig, säumen den Aufgang über Stollen 3. Stollen 3 mündet Tagseitig wieder auf kleiner Fläche. Der letzte Stollen, Nummer 4 wenige Meter vom 3 fern, sucht sich auch so, seinen Weg zur Fahlerzschicht. Doch leider ist auch Stollen 4 nach wenigen Metern mit Felsbrocken verfüllt.

Eine Dorf-Legende besagt, die Knappen einst sollen strikte um Mitternacht bis ein Uhr die Arbeit ruhen lassen. Nur so könne Frieden mit den Bergmächten herrschen. Die Knappen indes liessen, an einer unglücklichen Nacht, ab von dieser Regel. Infolge dessen stürzte schweres Gestein von obenliegender Felswand  worauf das Knappenvolk jähes Ende unter Trümmern fand und die Stollen im Schutt verschwanden. Trotz Nachgrabung wurd von den unglücklichen Bergleuten nie Spur gefunden.

Einige Höhenmeter oberhalb liegt tatsächlich drohend eine steile Felswand offen. Es gibt auch einige Anzeichen für hin und wieder  herunter trollendes Gestein.

Die Stollen 1 bis 4 liegen auf einer Höhe verteilt von 1178 bis 1199 müm. Die grösste Untertageausdehnung liegt, vorsichtig geschätzt, bei 15 x 15 Meter (Stand 17.4.2022).

Pikantes Detail, als ich mich von den Gruben abwandte um allmählich den Heimweg anzutreten, fielen mir rote, gepinselte Strichlinien an einigen Bäumen auf. Auf Spur den markierten Bäumen folgend, glaube ich den Knappenweg gefunden zu haben. Soviel ist klar, die markierten Bäume  wiesen mir ein recht bequemer Weg zur heute bekannten Wanderroute. Hätt ich dies beim Aufstieg gewusst wären mir viele Ausrutscher auf feuchtem Waldboden erspart geblieben.  Spät Nachmittags, im Dorf Vättis, begegnete ich einer, etwas in die Jahre gekommene, Hinweistafel die Führungen ins Bergwerk anpries.  

Gruben Gnapperkopf

Am Vorsprungsfels, dem Namensgeber „Gnapperkopf“, stand einst, der Siegfriedkarte 1890 entnommen, ein Gebäude. Möglich hier der Standort des Knappenhauses welches letztlich Namensgebend für Tobel und Felsvorsprung amtete. Heute sind, meine Sichtung, keine Spuren eines Bauwerkes auszumachen. Berichtet wird indes von einem zweistöckigem Holzbau welcher als Knappenunterkunft und Werkzeugdepot amtete.

Gnapperkopf

Die Aussicht vom Felsversprung lässt, soweit erkennbar, keine Wünsche offen. Ideal für den Bau einer möglichen Seilbahn die jedoch nie zu Stande kam.

Gnapperkopf

Und auch der Blick ins benachbarte Dorf „Vättis“ eine pure Augenweide. Ganz ohne Zweifel, die Knappen wussten wie sichs leben lässt.

Gnapperkopf

Der Vollständigkeitshalber, der Gnapperkopf Bildmittig von unten betrachtet.

Der Blick ins alte Kartenwerk, wieder mal Siegfried 1889 zeigt weitere Details die historisch interessant sein dürften.

Bergwerk Gnapperkopf

Der damalige Weg zum Grubengelände verläuft, beginnend Dorfmittig, in sanfter Steigung zum Gebäude Knapperkopf. Im Dorf neben der Bezeichnung Mühle stand eine Wassergetriebene Poche.

Poche Vättis Winkel 10

Bild der ehemaligen Poche (Quelle: Texte zur Dorfgeschichte von Untervaz / Knappen und Geister auf Gnapperchopf https://www.burgenverein-untervaz.ch )

Das Gebäude der ehemaligen Poche steht noch heute, ohne Wasserrad und ohne Poche an der Adresse Winkel 10 in Vättis.

Vättis

Ohne Zweifel, der Bergbau war nicht die Haupteinnahmequelle des Örtchens Vättis. Trotzdem erlebten die zwei auf Vättiser Boden befindlichen Bergwerke Silberegg und Knapperkopf eine nicht unerhebliche Stellung im Dorf. Das Bergwerk Silbereck ist heute unauffindbar und die Knapperkopf-Anlagen nur noch Bruchhaft vorhanden. Trotzdem war der Bergbau von keinem Erfolg gekrönt. Immer wieder wurden optimistisch anmutende Versuche unternommen die jedoch nach kurzer Zeit wieder zur Aufgabe führten.

Erwähnt wird im Jahre 834 ein „altes Knappenhaus in Vättis“. Obs sich hierbei um das Gebäude Winkel 10 handelt ist unbekannt.

Im Jahre 1713 stellte ein Mathias Schreiber aus Basel, der im Wallis ein Bleibergwerk betrieb an den Abt von Pfäfers, Bonifazius II., das Gesuch, die ‚Gänge‘ zu erschürfen, von welchen der erstgenannte durch Bergleute Erzproben erhalten hatte. 1715 ruhte, auf Richterliche Anordnung hin, der Bergbau wieder.

1719 Jos. Ant. Reding von Biberegg meldete Interesse am Bergwerk. Es bleibt schleierhaft ob in den Folgejahren  namhafte Tätigkeit erfolgte.

1850 wurde der Bergbaubetrieb wieder aufgenommen. Das gewonnene Erz gelangte zur Weiterverarbeitung nach Deutschland. Die Arbeit jedoch waren auch im 19. Jahrhundert von mässigem Erfolg. Immer wieder standen die Arbeiten still.

Letzte Abbauversuche werden 1860 bis 1861, 1865 bis 1866 und kurze Zeit im 1880 initiiert.  Auch diese Betriebsepochen erwiesen als gänzlich unrentabel.

Die aktuelle Sichtung der Gruben lässt keine grosse Tätigkeit erahnen. Anderseits spricht das heute erhaltene Pochwerkfoto für durchaus grössere Aktivität. Denkbar könnten grosse Teile damaliger Bergwerke heute unauffindbar erscheinen. Erzählungen berichten von grosser Bergknappenbehausung und mit Stahltüren versehenen Stolleneingängen. Ich selbst fand grösstenteils in sich zerfallene Abbaugesenke. Die Kanthölzer indes machten mich schon en bisschen stutzig.

Quellen: Bergknappe 13 https://www.burgenverein-untervaz.ch

Hohe Rone, die Fortsetzung

am 16. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wie angeküngigt, mit etwas mehr Zeit und etwas mehr Muse, hier Teil Zwei der Gottschalkenberger-Geschichte.

Eine Grube, eine sehr bedeutende Grube, die in dieser Aufzählung nicht fehlen ist die Grube „Im Greit“, die letzte noch verbleibende von beschriebenen 5.

Mundloch im Greit

Im Bild das aktuell noch offene Mundloch mit Grössenvergleich, Jagdhund vor dem Mundloch. Das Foto stammt aus November 2010, meine zweite Befahrung. Welche Grube diese nach Kopp sein mag, bleibt unklar. Tatsache ist, Geologe Kopp öffnete am Greit einen verfallenen Luftschacht um das Untertagewerk zu erreichen. An dieser, mir bekannten Grube ist kein Luftschacht offen respektive sichtlich um die 1941er geöffnet worden. Indes könnte auch diese Grube über einen Wetterschacht, ungünstigerweise oberhalb des Querschlags, verfügen.

Der Überlieferung zufolge ist die besagte, heute offene Grube am Greit eine der ältesten.

Grubenplan Greit

Zusammen mit weiteren 4 Gruben gehörte diese zur Konzession von Lehrer Staub und der Landrat Heggli. Misswirtschaft und fehlendes Fachwissen führten jedoch schnell zum Ruin der Bergbauunternehmung. Nichts desto trotz leisteten die 60 Arbeiter mit primitiven Mitteln und unter widrigen Arbeitsbedingungen erstaunliche Erdbewegungen.

Heute sind am Greit einige Bergbauspuren zu beobachten. Stollen indes ist nur einer Fahrbar.

Grubenplan nach Kopp

Ob die Profilzeichnung aus Kopps Notizen der heute offenen Grube entspricht ist nicht weiter beantwortbar. Sicher ist, einige Gruben aus Kopps Zeit änderten, nach Bergbautätigkeit der FUGA AG Luzern, massiv deren Aussehen, wiederum welche sind bis dato heute zerfallen.

Kohlegruben Gottschalkenberg

Über die Gottschalkenberger Revieren hinweg betrachtet sind, Stand heute, sind noch 4 verbleibenden Gruben, exakt positionierbar im Landschaftsbild. Wir kennen aktuell 4 offene Mundlöcher durch welche ein ausgewachsener Mensch hindurch passt. Einige Passagen, die damals Emil Letsch erkundete, sind heute eindeutig nur Fuchs und Dachs vorenthalten.

Gruben am Gottschalkenberg

Auf der Karte, gross machen, anklicken, sind als gelbe Punkte meine bekannten Mundlöcher, durch welche ich passe, visualisiert. Orange kennzeichnet mir bekannte verstürzte Mundlöcher. Rote Punkte sind Stollenzugänge die Emil Letsch im Jahr 1899 als offen erkannt haben soll und die violetten Kringel zeigten sich, ums Jahr 1899, zerfallen.  Fest steht, Emil Letsch verfügte kaum über solch moderne Ausstattung um die Stollen punktgenau in die Karte einzufügen. GPS, 3D-Online-Landschaftsmodelle und grosse Online-Kartensammlungen ermöglichen eine exakte Positionierung der Bergbauspuren.

Gottschalkenberger Kohlegruben

Im Detail hier, als Karte mit unterlegtem 3D Modell, die Gruben Wurf und Greit.

Aus Touristischer Sicht, des Abschlusswortes willen, durchaus sehenswerte Bergwerke absolut Kiditauglich. Die Kids, soviel steht fest, hatten richtig Spass.

Und an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Iwan für die tolle 3D-Aufbereitung.

Genannte, beziehende Dokumente in diesem und im letzten Beitrag:

Die Schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss / Dr. Emil Letsch 1899

Geologisch – technisches Gutachten über die Kohlenvorkommen und die Kohlengewinnung an der Hohen Rone oberhalb Finstersee (Menzingen) Kt. Zug. / Dr. Kopp 1941

Zusammenfassender Bericht über die Braunkohlegruben Mühlebach und Sparrenweid, Hohe Rone, Gemeinde Menzingen (Kt. Zug) / Dr. E. Brändlin + Büro für Bergbau 8. März 1944 respektive 25. Juli 1944

Kohle, ein Kapitel aus der Erd- und Wirtschaftsgeschichte von Menzingen  / Karl Landtwing ca. 1990

Link zum Vorbeitrag Gottschalkenberger Einsichten

Hohe Rone

am 09. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

oder die Gottschalkenberger Kohlestollen und die neugierigen Menschen

Ich war, dies ist bald ein Monat her, wieder einst in Gottschalkenberger Kohlegruben. Anlass dazu ein äusserst spassiger Kindernachmittag in besagter Unterwelt.

Im Wurf

Anlass daraus resultierend dies kleine Geschichtchen. Wir wissens, Kinder sind sehr neugierig und mutig, Kinder sind die wahren Forscher, ich kann dazu einzig die wieder gewonnenen Erkenntnisse niederschreiben. Es sagte neulich einer welcher bereits im Jahre 1979 die Kohlegruben am Gottschalkenberg mit Kinderschar erkundete,  es ist der natürliche Reflex der Kinder sich in jede, nur so enge Spalte zu verkriechen. Insofern kennen Kinder keinerlei Platzangst und so war dies auch meine neuliche, recht spassige Erfahrung.

Wie erwähnt sind mir diese Stollenwerke seit 2012 bekannt und ich reihe mich in die lange Liste neugieriger Menschen. Und die Liste ist richtig lang.

Wo und vor allem wann diese Gruben deren Anfang fanden ist nur spärlich bekannt.  Die ersten Kohlen sollen um 1835 am Greit erstmals zu Tage getreten sein. Erste Konzessionäre wird der Lehrer Staub und der Landrat Heggli um 1838 genannt. Es werden die Folgejahre etliche weitere mehr oder eher minder erfolgreiche Bergbauunternehmer nachrücken. Was und wie viel all Gewerke angruben bleibt bis heute eher Nebulös.

Emil Letsch beschreibt um 1899 ausführlich die Kohlegruben an der Hohen Rone. Wovon bereits zu Letschs Zeiten etliche Mundlöcher eingebrochen sind. Einzig die vorliegenden Halden können einen Hinweis auf ehemalige Untertagewerke liefern.

Gruben am Gottschalkenberg um 1899

Der Forscher Emil Letsch will 14 Stollenbauten ausgemacht haben zwischen Steinerfluh und Greit. Auf dessen Plan sind diese als rote Linie markiert wovon alle Stollen am Steinerfluh bereits im Jahr 1899 verstürzt sind. Die Stollen in östlicher Region jedoch kaum in besserer Verfassung. Alle Gruben sind vorgefunden eindeutig aufgegeben. Trotzdem sind die Werke immer wieder Gegenstand neugieriger Forschung. Einige Gruben dürften über die Jahre hinweg immer wieder sich regen Besuches erfreut haben.  

Im ersten Weltkrieg wird von stiller Bergbautätigkeit berichtet dies jedoch eher im kleinen, um zu nennen, fast schon nebenberuflichen Stil. Abbaudaten sind keine bekannt und Orte eher geheim gehalten.

Massgebliches Interesse erlangen die Gottschalkenberger Gruben im mitten des, in Europa tobenden, 2 Weltkriegs. Die Rohstoffautonomie wird erneut zur geistigen Landesverteidigung erklärt und die Bergwerke erfreuen sich einer erneuten intensiven Beforschung.

Am 17. Juni 1941 wird der Geologe J. Kopp beauftragt die Abbauwürdigkeit der Gruben zu erkunden.

Herr Kopp im Stollen am Mühlebach

Herr Kopp im Nebenstollen am Mühlebach (Wurf)

Seine Arbeit mit Namen „Geologisch – technisches Gutachten über die Kohlenvorkommen und die Kohlengewinnung an der Hohen Rone oberhalb Finstersee (Menzingen)“ wird im Folgejahr als Grundlage zur Erschliessung der Kohlevorkommen am Standort „Wurf“ und „Sparrenweid“ dienen.  

Dank Herr Kopps Arbeit sind die alten Aufbrüche aus Jahren 1840, welche heute teils Verstürzt, teils ausgeweitet sind, näher dokumentiert.

Grubenplan umd 1941

Die Grubenzeichnungen aus Kopps Feder sind noch heute wichtiger Hinweis über damalige Bergbauverhältnisse. Die Nach Kopp beschriebene Grube Mühlebach ist meines Wissen nicht weiter Identifiziert worden. Diese Grube könnt definitiv Verfallen sein.

Grube II Wurf gibt’s noch immer und ist mit etwas Akrobatik noch heut Fahrbar.

Grube II Wurf

Auf em Bild Grube II Wurf nach Kopp im Jahre 2012

Gottschalkenberg im Wurf

Und dazugehöriges Mundloch im Jahre 2022

Die Grube III Wurf könnt die heute bekannte, 1942 aufgewältigte Grube sein. Im Oktober 1941 erhielt die Firma FUGA AG Luzern die Konzession zur Ausbeutung der Braunkohle am Gottschalkenberg. Gestützt auf das Gutachten von Herrn Kopp öffneten die Bergleute der FUGA AG alte Stollen am Wurf und am Sparrenweid. Geologe Kopp wird von nun an den Bergwerksbetrieb im Auftrag der FUGA AG überwachen und Monatsberichte dem Büro für Bergbau abliefern. Insgesamt werden 4 Grundstrecken bis zur Auskeilung des Flözes angelegt, zwei in Sparrenweid und zwei im Wurf. Alle 4 Strecken durchfahrten alter Mann. Sowohl im Sparrenweid wie auch im Wurf werden die zwei Parallelstrecken mittels Abbaugesenk miteinander verbunden. In der Zeitspanne zwischen September 1942 und Februar 1943 resultierten geringe Kohleerträge. Ende  Februar 1943 wurde der Bergbau definitiv eingestellt.

Gottschalkenberg im Wurf

Heute ist die Grube am Wurf mittels Deckeneinsturz über en Loch im Waldboden fahrbar, inklusive alte, nicht versetzte Grubenbauten aus 19. Jahrhundert.

Plan Grube im Wurf 2022

Mein Plan, auf Basis des Plans Firma FUGA AG ist um die alten Bauten erweitert. Diese Teile sind noch heute Fahrbar so wie Grube II Wurf und eine Grube am Greit.

Die Befahrung der zweiten, von der FUGA betriebene Grube am Sparrenweid indes muss hart verdient werden.

Mundloch Sparrenweid

Anfänglich ganz geräumig wird’s bald auf verbrochener Grundstrecke richtig Ungemütlich.

Luisa im Sparrenweid

Am Einstieg wiehert kein Pony und die beklemmende Enge muss gar noch mit, übervertretener Fuchsmarkierung geteilt werden.

Bergwerk Sparrenweid

Innen wieder, der bekannte Aufbruch.

Grubenplan Bergwerk Sparenweid

Der Plan  aus Jahren 2013 zeigt die aktuelle Situation.

Und, Fortsetzung folgt, jetzt geh ich mal erst was kochen.

Von-Rollische Tiefgründe

am 20. März 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wies der Namen vermuten lässt führte mich dieser Ausflug ins tiefste Solothurn in Fortsetzung dortigen Eisen-Macher-Geschichte. Nicht weit meiner kleinen Forschungsexkursion lang das verträumte Dürsteltal welchem ich bereits eine kleine Eisenproduktionsgeschichte widmete. Inzwischen sind einige Jahre, gut und gerne 400 bis 600, ins Land gezogen und die Zeit grosser Aktiengesellschaften erreichte auch Solothurner Täler.

Diesmal führte mich die Spurensuche ins benachbarte Dünnerntal, Zuliefertal wertvoller Bohnerz-Böhnchen aus denen zwischen 1806 und 1874 feinstes Gusseisen verhütet wurde.

Zweifelsohne waren auch vor 1800 fleissige Bergleute am Graben unterwegs. Diverse Schlackenfunde belegen Mittelalterliche wie auch Römische Bergbauaktivität, auch unbestritten. Die Bergleute im 19. Jahrhundert nutzen die letzen Bergbauspuren beim Anlegen neuer Gruben.

Von grösserer Bedeutung im Dünnerntal jedoch wird Ludwig von Roll, mit Gründung der von Roll Eisenwerke, Industriegeschichte schreiben. Gerne wird die Ludwig von Roll Aktiengesellschaft als erste Aktiengesellschaft auf Schweizer Boden genannt ob dem so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie den auch sei, jener Ludwig von Roll betrieb ums frühe 18. Jahrhundert, zwei Hochofenanlagen eine im Balstal Klus und eine in Gänsbrunnen.

Eisenschmelze Klus

Frühe Eisenschmelze Klus Balstal

Die Bergbauspuren aus der von Rollischen Zeitepoche sind Gegenstand einer umfangreichen, im Jahre 1923 verfassten, Bohnerz-Vorkommen-Studie unter der Leitung von Dr. E. Baumberger. Ein Forscher welcher mich bereits am Hungerberg inspirierte. Die Studie beschreibt um 1923 einige grössere Bergwerke denen ich, rund 100 Jahre später, auf den Grund gehen wollte.

Diesem Baumberger verdanke ich einige recht genaue Mundlochpositionen sowohl vom Hungerberg wie auch vom Dünnerntal die mein Spaziergang merklich erleichterten.

Geokarte Baumberger

Mit Hilfe der Geologischen Karte von Dr. Baumberger machte ich mich auf die Suche nach den Bergbauzeugen der Von Roll Epoche. Insbesondere 3 Bergwerke beschreibt Baumberger recht detailiert eines gar mit Grubenplan, diese wären „Im Hohl“, „Bachtalen“ und „Schadenboden“. Alle Mundlöcher will Baumberger gar 1921 leicht aufgespürt haben. In der Siegfriedkarte findet sich die Eintragung „Erzgruben“ alles in allem vielversprechende Indizien um die Gruben aufzuspüren.

Grubenplan Schadenboden

Und mit Hilfe des Grubenplans, aus der Geotechnische Serie Nr 13 Band 1 geklaut, waren weitere wichtige Feldinformationen fix in meine QGIS-Karte integriert.

Karte Laupensdorf

Nun musste ich nur noch fleissig alle Punkte abklappern und auf zahlreiche Stollenfunde hoffen. Meine abgelaufene Route ist als pinke Linie dargestellt.

Luftbild Laupensdorf

Leider indes, zeigt bereits das Luftbild, merkliche Veränderung und kaum merkliche Bergbauspuren.

Schacht Schadenboden

Und auch im Feld ist kaum noch der Schadenbodenschacht auszumachen. Die Landwirtschaftsflächen sind sichtlich abertausend male durch planiert und die Zugänge kaum erahnbar.

Oberhalb meiner Schadenboden-Schachtanlage sind im Boden Fundamentreste eingegraben auch steht ein zigmal verbogener H-Träger herum. Um dies Zeugs zum Bergbau passt ist doch eher anzuzweifeln. 100 Jahre sind definitiv viele Jahre.

Halde Bachtalen

Die Zweite Grube „Bachtalen“ war dank imposanter Halde schnell gefunden doch auch hier fehlte das Mundloch. Klar ist, 1954 beschlossen einige Laupersdorfer den Bau einer Lourdes-Grotte am nahegelegenen Jurafelsen. Der Zufahrtswerg schneidet den Bergwerkszugang. Wahrscheinlich ist dies Mundloch im Zuge der Lourdes-Grotte-Erschliessung komplett weggefegt worden.

Gruben im Hohl

Dritte und letzte Grube meiner Suche hört auf den Namen „Im Hohl“ und ist, auch wieder, nur noch als richtig grosser Haldenkomplex erkennbar. Das Mundloch ist auch wieder dem Erdboden gleichgemacht.

Die Wahrscheinlichkeit irgendwelche Stollen aufzuspüren scheint, im Dünnerntal, ziemlich null bis unternull zu liegen. Indes gibt’s ein grosser Reichtum an Bohnerz-Böhnchen.   

Bohnerz

Ohne nennenswerte Anstrengung fischte ich schnell aus den Halden 4 bis 5 feine Böhnchen bester Qualität.

Und das Fazit, sehr schönes Minengelände, interessantes Industriegeschichtskapitel doch leider alles zu Tode planiert. Auch der kleine Abstecher in die Jurafelsregionen brachte keine älteren Stollen zu Tage.

Die Nachbarsgeschchte Verborgene Eisen im Dürsteltal

Baulmes Part II

am 16. Januar 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein Weilchen sei vergangen seit Part I, genannter Text unter Kalkminen Baulmes, darum hier die Fortsetzung im unteren Teil des Bergwerkes, viel Bilder und wenig Bla.

Grubenplan Baulmes

Übersichtskarte anklicken, Übersichtskarte kommt als PDF auf neuer Seite

Das Kalk und Zementsteinbergwerk liegt nahe dem schmucken Dörfchen Baulmes. Es gibt ein oberes Bergwerk welches in Struktur und Stollenbau an die Seemühle erinnert und es gibt das untere Bergwerk in klassischer Kammerbautechnik vorgetrieben. Beide Bergwerke sind zwar nicht miteinander verbunden doch dadurch dass diese ziemlich genau Übereinader liegen ist die Rede von insgesamt 11 Sohlen.  Das obere, auf Kalkminen Baulmes beschrieben, verfügt über 4 Sohlen und im unteren Bau sind 7 Sohlen miteinander verknüpft.

In diesem Bericht streune ich, in Begleitung meines planlesenden Freundes, durch die unteren 7 Hauen.

Kalkbergwerk Baulmes

Mundloch ist wie immer, offen, schön geölt und erst noch mehrheitlich trocken.

Die unteren Sohlen sind, dank Direktanschluss an die zwei Hauptmundlöcher, ziemlich leergeräumt.

Kalkbergwerk Baulmes

Bald auf Hauptstrecke öffnet der allesverbindende Schrägschacht seine Pforten. Dies Objekt spannender Entdeckungen befuhren wir mit Hilfe eines Seiles  von oben her.

Kalkbergwerk Baulmes

Wie üblich im Jura überall im Untergrund Überbleibsel vergangener Pilzkulturen.

Kalkbergwerk Baulmes

In oberen Gefilden wird’s, mit etwas Seilerei, richtig Spannend. Zahlreiches Bergbaumaterial blieb in den, nur schwer zugänglichen Sohlen, auf ewig liegen.

Kalkbergwerk Baulmes

Die bekannte, damals exklusiv geglaubte, Rodalquilar-Y-Weiche gibt’s, sage und schreibe, auch im Jura zu beobachten. Zugegeben diese steht weit fern des Ponyhofs.

Kalkbergwerk Baulmes

Eine etwas ramponierte Abwurfanlage zieht sich mehr oder minder übersichtlich über alle Sohlen hinweg.

Kalkbergwerk Baulmes

Manchmal guckt einizig die Röhre aus em Holzverbau hervor.

Kalkbergwerk Baulmes

Irgendwo auf einer Zwischensohle stapeln sich vergessene 60er Geleise.

Wer dies schöne Bergwerk besuchen möchte sollt unbedingt en Plan mithaben. Falls Seil so, ein über 80 Meter langes. Unseres erreichte die letzte Sohle nimmer.

Die Vorgeschichte gibt’s auf Kalkminen Baulmes

Und die Geschichte zum Ganzen lieg auf:
L’ancienne usine des chaux et ciments de Baulmes
Hauptseite arnexhistoire.blogspot.ch

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

am 05. Dezember 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Am Fusse des Altbergs, auf heutigem Gemeindegebiet Oetwil an der Limmat, liegt eine künstlich geschaffene Höhle am Steilhang die Gegenstand neulich aufkeimender Neugierde war. Ein kleines Treffen unter Archäologiebewanderten sollte etwas Klarheit in dies Mysterium bringen.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Bergbautechnisch eher mässig interessant bieten indes die Entstehungsgeschichten Einblicke in das Leben einer damalig ärmlichen Landbevölkerung und deren Streben nach möglichen Zwischenverdiensten.

Das Bergwerk, sofern dies so genannt werden darf, ist von kurzer Stollenlänge, rund 5 Meter, mit zwischenliegender Halle.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Dem Untertagebau anschliessend liegt ein vorgebauter Tagebaubereich in etwa gleicher Volumengrösse. Kurzum ein Bergwerklein merkwürdigen Ursprungs wär nicht haufenweise von den Wänden rieselnder feinster Quarzsand. Der Schurf liegt exakt an der Quarzsand-Grenze und dies feine Material offenbarte sich an mach nahestehender Stelle am Steilhang des Altbergs.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Kurzum dies feine Bauwerklein ist in Nebentätigkeit entstanden und der feine Sand für Glas und Formenbau lockte.

Glasi Bülach

Bild, Glasi Bülach um 1910 (Fotograf, Leo Wehrli Zürich / Quelle ETH Bibliothek)

Ort des Abnehmers lag im Bahntechnisch gut erschlossenen Bülach und die dortig rasant wachsende Industrie verlange nach Rohstoff.

Die Gerüchte über reich gewordene Landwirte die sich des Nebenerwerbs Sandbergbau hingaben, erreichten mach umliegende Dorfkneipe.  Das manch von Armut gebeutelte Bauernfamilie das Glück in der Sandmine suchte, erscheint naheliegend.

Die Datierung des Bauwerks fällt richtig schwer den die Glasi Bülach wie auch die Sulzer Giesserei AG, am gleichen Ort domiziliert,  standen ab den 1920ern im auf und ab wirtschaftlicher Umstände. Mach einer schafte grosse Vermögenswerte und verlor genau so schnell all das gewonnene. Die geschichtlichen Zusammenhänge beider Werke, wie auch der Bahnlinie Otelfingen – Bülach, sind relevant bei der Datierung des Abbaus.

Karte 1770

Da ein Kartenstudium der Vergangenheit 17. ,  18. und 19. Jahrhundert keine  relevanten Indizien zeigt, bleib ich beim Jahrhundert 20 und der Hochblüte eines Industrie-Bülachs.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Die Grube, rotes Pünktlein, liegt auf dem Luftbild Anno 1946 nahe des Waldrandes und an der Waldgrenze liegt ein heute komplett verwaldetes Feld welches so Plusminus ein Pferdewagen in den Jahren 1930 / 1940 erreicht hätte.

Kurzum die Grube, eher bescheidenen Ausmasses, dürfte in Zwischenzeiten während der Feldarbeit, eher Semiprofessionel und ohne grosses Bewilligungstamtam, um die Jahre 1930 / 1940 entstanden sein. Der Sand liess sich schnell und ohne grosse Kraftanstrengung aus dem Berg hohlen. Da die Abbaustelle am Hang lang, könnte das Material einfach den Hang hinuntergekippt werden.

Plan Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Ein Hohlraum im Volumen 51 Kubikmeter entstand, vermutet in einer Woche Familienarbeit aber, der rund 1.5 Tonnen schwere Sand per Kubikmeter musste noch den Bahnhof Otelfingen erreichen und da liegt der Kruks der Pferde.  Zum nahegelegenen Bahnhof sinds 4.3 Kilometer schlechte Strasse und das Projekt Sandabbau scheiterte ziemlich bald nach deren Anfänge.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Alle weiteren ein und ausgeschlagenen Nischen und die Feuerstelle im Tagbauteil sind, so denke ich, geselliges Zusammensein anwohnender Dorfbuben in späteren Jahren.

Mein detaillierterer Bericht zur Sandgrube gibt’s auf: https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2021/11/oetwil_V1.pdf

und der detaillierte Grubenplan liegt auf: https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2021/11/oetwil_a_L_plan2021_V1.pdf

Buffalora 1520

am 24. Oktober 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die Tage zogen längst an dieser kargen Berglandschaft vorbei und liessen jene grossen Momente einer mächtigen Eisenindustrie in die Vergessenheit abtauchen. Ich will versucht sein eine Rekonstruktion anhand gefundener Artefakte aufzugleisen.

CAMPELL schrieb im Jahr 1571 über das im Tal gelegene Dorf:«Hier standen noch bei unserm Gedenken einige Herbergshäuser, fast ein kleines Dorf zu nennen, für die, welche den Berg in der einen oder der andern Richtung überstiegen und dort einen Halt machen mussten, um Unterkunft zu nehmen.

Rund 500 Höhenmeter oberhalb des, in Sichtweite befindlichen, Dorfes herrschte auch so geschäftiges Treiben. Ein letztes Aufbäumen der grossen Eisenminen bescherte nochmalig grosse Mengen an Eisenerzen die zu damaliger Zeit noch gut im Preise lagen. Unterhalb der Eisenerzstollen versuchten etliche Investoren mit mehr oder minder gigantischem Aufwand die Eisenerzreichtümer mit langen Stollen untendurch anzufahren. Während in den oberen Bergwerken zahlreiche Handwerkerfamilien bescheidene Einkunft fanden, scheiterten die Sondierstollenknappen am fehlenden Bergertrag. Rund 90 Prozent der Stollenwerke bescherten keinerlei Mineralien indessen Unsummen an Baukosten.

Vom geschäftigen Treiben sind heute kaum noch Spuren auffindbar.

Halden Minieras da Fier

Einzig die mächtigen Halden zeugen von grosser menschlicher Anstrengung im Bezwingen der Bergmächte. Wer den Ursprung dieser Industrieanlage sucht, wird am Roten Stein, zuoberst am Berg auf 2513 müm, fündig. In früher Zeit, 1000 nach Christus oder früher, markierte der Rote Stein eine zutage tretende Erzader die geschäftigen Bergleuten auffiel. Erste Bergbautätigkeit beschränkte sich aufs ausheben eines Schachtes welcher dem Eisenerz folgte. Weitere Erzfunde beflügelten erste Stollenbauten die wiederum für üppige Ausbeute sorgten.

Dass die ersten Investoren aus den nahegelegenen Bormio stammten scheint heute mehr oder minder erwiesen. Auch die ersten, namensgebenden, Hochöfen am Ofenpass bauten italienische Investoren.

Oberirdisch sind heute wenige Mauerreste, Tonscherben und Holzüberbleibsel auszumachen die auf ein hier lebendes Arbeitervolk schliessen lassen. Oft sind diese Artefakte nahe bei verstürzten Mundlöchern zu beobachten.

Scherben Minieras da Fier

So auch dieser Scherbenfund welcher Christina und Elsbeth zwischen Mauerresten, an einer höher gelegenen Mine, entdeckten.

Scherben Minieras da Fier

Meine damalige Rekonstruktion anhand des Luftbildes und der Funde begünstigt des Schluss wonach die Bergleute oder Bergleutefamilien mehrheitlich neben der Stolleneinfahrt hausten dies trotz akuter Wasserknappheit.

Abgesehen von den, im Berg arbeitenden Knappen, den auf den Halden Erzklümpchen sammelnden Frauen und den Schutt zu Tage fahrenden Kindern, arbeiten etliche weitere Fachleuten am Werk. Die fülle dieser Facharbeiter wird jedoch erst erkennbar bei Einfahrt ins heute bekannte Untertagewerk.  Es ist Glück zu nennen dass der Untertagebetrieb kurz nach Stilllegung um 1590 durch Bergerosion all seine Zugänge verlor. Ein Einstieg war erst, mittels Schachtbau, im Jahre 2018 möglich womit zahlreiche Artefakte erhalten blieben. Werkzeuge, Holzbau und Keramik geben Aufschluss über die damalige Zusammensetzung der einzelnen Gewerke. Die Handwerkskunst wird insbesondere beim Holzbau eindrücklich sichtbar.

Minieras da Fier

Holz ist oft bearbeitet mit Axt, was damals üblich war, aber auch mit Säge. Kantholz und gesägte Bretter dominieren an machen Stellen das Bild. Bretter sind an den Stirnseiten gefasst was Aufwand und Einrichtung bedeutete.

Minieras da Fier

Türstöcke sind, dem zu erwartendem Bergdruck, stimmig dimensioniert und die Handwerksfertigkeit deutet auf gut qualifizierte Arbeiterschaft.

Minieras da Fier

Ein Holzgitter, Gatter liegt, umfunktioniert zur Spuntwand, in Hauptstrecke 4. Was dessen Urbestimmung war, ist heute ein Rätsel. Fest steht, der Holzgegenstand ist aus Massgleichen Kanthölzern gebaut. Die Verbindungen sind  Dreipunktverzapft was heute, trotz Maschinen, zu den Königsdisziplinen eines jeden Möbelschreiners zählt. Zweifelsohne war diese Konstruktion schon damals eher wertvoller.

Minieras da Fier

Ein einer Abbaustelle liegt eine Handgeschmiedete Hacke (Zarcla). Deren Stil ist gebrochen, wahrscheinlich bei der Tätigkeit am Gesenk. Die Hacke ist trotz vergangener 500 Jahre nur wenig angerostet. Im ersten Moment erschien der Metallteil in leichter Galvanikschicht zu schimmern und es sollten 350 Jahre verstreichen bis zur Entdeckung der Elektrizität, sprich der Galvanisierungskunst.

Es bleiben einige Rätsel zu knacken doch eines zeigt sich deutlich. Die ansässigen Arbeiterfamilien verfügten teils über umfangreiches Bergbau und Handwerkswissen. Text und Zeichenfragmente an den Wänden legen die Vermutung nahe das zu jener Zeit nur wenige des Schreibens und Lesens mächtig waren.

Minieras da Fier

Die einzige Stelle auf welcher zusammenhängender Text erkennbar ist, liegt in einer tiefen Abbauzone. Ansonsten finden sich zahlreiche Symbole und Zeichengruppen. Die Arbeiter untertage pflegten eine entwickelte Berufs-Kultur und ein ausgeprägter Berufsstolz.

Einige Stollenbauten sind, vermutet, von spezialisierten Wanderknappen angelegt. Diese, zumeist in erzfreier Jura-Kalk-Zone, getriebenen Stollen sind, so glaube ich, per Vortiebs-Lachter entlöhnt.

Buffalora Grundstrecke 4

Eine mögliche Abrechnungs-Strichliste findet sich in solch einem geschrämten Bauwerk auf Strecke 4. Ich widmete dieser Strichliste im Artikel Buffalora 2021 bereits einige Aufmerksamkeit.

Kurzum,  um 1520 lebten bis zu, geschätzt, 300 bis 500 Personen um die Mundlöcher des produktiven Bergwerks. Neben einer grossen Untertagemannschaft, damals nur Männer, Erzhauern, Vortiebsknappen, Schutter, verdienten etliche weitere Familienangehörige und Zulieferer bescheidenen Lebensunterhalt auf der Bergwerksanlage. Den Frauen war zumeist die Arbeit auf den Halden und den Pochplätzen vorenthalten. Wichtige Bedeutung kam den Karrern und Schlittnern  zu. Diese Berufsgattung sorgte für den Erztransport Talwärts zu den Öfen und den Transport von Holz, Lebensmittel und Wasser bergwärts. Es ist anzunehmen dass mehrheitlich von Ochsen gezogenen Schlitten die steilen Strecken bewältigten. Um die Mundlöcher siedelten weitere Handwerksbetriebe an vornehmlich Holzbau, Sägereien, Zimmerleute.

Michael II Halde

Halde Michael 2 im Oktober

Ob Schmiede in dieser kargen Landschaft wirkten ist heute eher zu verneinen. Das Schmiedehandwerk ist Wasserintensiv und Wasser musste vermutlich aufwendig gesammelt und, oder herausgeschleppt werden. Die zwei aktuell nachgewiesenen Schmiedewerkstätten liegen unterhalb einer Quelle auf 2200 müm.

Pochplatz Minieras da Fier

An zentraler Lage sind grosse Poch und Sortierplätze eingerichtet auf welchen Frauen und Kinder die wertvollen Erzen sortierten und auf kleine Korngrösse, mittels Hammerschlag, weiterverarbeiteten. Unterhalb dieser 4 Hügel liegt ein Plato auf welchen sich die Hauptsiedlung der Handwerksbetriebe befunden haben könnte.

Minieras da Fier

Übersichtsdarstellung als PDF, Bild anklicken.

Meine Rekonstruktion zeigt die etwas vorsichtig ausgestalteten Siedlungsgruppen, im Süden vornehmlich Handwerksbetriebe, Holzdepots, Unterkünfte der Karrer. Im Norden vornehmlich Bergleute und Familien die in einfachen Steinhütten nahe den Mundlöchern lebten. Ein See ist auf meiner Zeichnung keiner vermerkt obschon dieser, in den meisten Bergwerksbetrieben aus jener Zeit, schlicht dazu gehört. Fakt ist, ich hab zwar sehr viel Regen gesehen und auch die Halden zeigen eindeutige Wassererosionsspuren doch Wasser hab ich selbst nie in rauen Mengen gesehen. Wie viel Wasser sammeln möglich ist ohne dass dieses durch die Bergritzen, die zahlreich vorhanden sind, wieder abfliesst, ist mir unklar.  

Fest steht, beide, heute nachgewiesenen Bergschmieden, liegen weit unterhalb der Hauptanlage.

Weitere Texte und Dateien zu Buffalora

Grundriss stand Oktober 2021 https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2021/10/Buffalora_plan2021_V8.pdf

Dokumentation als PDF https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2020/11/buffalora.pdf

Plan vom Haspel https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2020/12/haspel.pdf

Gefundene Schriften https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2020/12/schriften_V2.pdf

Wo die Scheisse richtig kocht….

am 26. September 2021 unter Grungisches, Politischer Grunk, Steinerne Unterwelten abgelegt

Bin ich fast nur noch am schaffen womit mein Blog wieder tief in den Schlafmodus verfällt. Trotzdem oder gerade deswegen zieht vieles an mir, geflissentlich ignoriert, rauschend vorbei was meiner geistigen Gesundheit wohltuend hilft. Wenndoch, das Rauschen manchmal schwerwiegend im Ohrgegänge nachhallt.

Aber ja, schaffen macht Spass, Zückerchen, die Parallele zu Bergbau ist punktuell durchaus gegeben.

Bagger im Globus

Obschon die Arbeit mich so ziemlich vereinnahmt bleiben wenige Momente des Beobachtens und der Rückschlüsse, eben, sogenanntes unüberhörbares Grundrauschen.

Darum,

Die Scheisse kocht richtig und entgegen früherer Aussagen ist mein Glaube an eine friedliche Koexistenz aller Individuen ziemlich auf Null geschrumpft. Die Unvernunft regiert und ein Konglomerat zusammengesetzt aus Mitteleuropäischen Staatsführern und Pharmalobbyisten will auf tausend-komm-eins die äusserst umstrittene Coronavirus-Impfung ins Gewebe aller Untertanen drücken. Die von oben nach unten gerichtete Kommunikation glatzköpfiger Könige erinnert an Zeiten einer nie enden wollenden Untersuchungshaft und städtische Impf-Trämer werden von privaten Interventionstruppen bewacht. In dieser, tagtäglich auf mich wirkenden Umgebung, gibt’s nicht ein Schiessargument wieso die Coronavirus-Impfung eine gute Sache sein sollte. Klar auch, noch bin ich weder in Untersuchungshaft oder sonst des Terrors verdächtigt also ein grosses Leckt mich am Arsch ihr Scheisseliten.

In der Bruthitze des Idiotismus köchelt die Eskalationsspirale während die staatlich gefütterte Mainstream-Berichterstattung den letzten Funken an Glaubhaftigkeit verspielt. Glück wer viel arbeiten darf und viel Geld scheffeln tut den die Zeiten werden bombig und dem Slogan „Impfung macht frei“ haftet definitiv eine gewisse historische Parallele an.

Im Umfeld dieser unschönen Entwicklung muss ich Position beziehen und entgegen aller Unannehmlichkeiten klare Kante zeigen. Bertolt Brecht  zitierend, „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.

Kurzum, der Bergbau bleibt leider etwas auf der Strecke,

a) sind die Umstände äusserst widrig. Zu entspannter Bergbauforschung passt das kühle Bier nach getaner Arbeit. Leider ist dies momentan richtig erschwert.

b) fordert mich die Arbeit und ich hab erst noch Spass dabei. Ein Phänomen wessen mir seit Pandemiefickerei lange verborgen blieb.

In diesem Sinne, ein grosses Sorry alle denen die diese Seite des Bergbaus willen aufsuchen.

Und doch, ich war nochmals in Buffalora in vermessungstechnischer Mission und es war ein ganz toller Anlass mit vielen spassigen Momenten.

Buffalora

Nach unendlichen Mäsklidiskussionen im Juli auf Tschierv beschlossen wir unser Schlafdomizil ins Gasthaus Buffalora zu verlegen dies auch zugunsten einer prächtigen Morgensicht auf die Bergwerkanlage. Eine durchwegs weisse und entspannende Lösung angesichts täglich strenger Untertagearbeit.

Wie üblich sollte eine weitere Sohle zeichenrisch auf dem Plan Platz finden  und so waren wir, vorwiegend Andreas und ich, ganz froh dass Sohle 5, genannt von uns „Barbara“, keine allzu Komplizierte war.

Angesichts des grossen Team bei dieser Expedition liessen sich weitere eher komplexere Experimente realisieren.  

Eines dieser Experimente umfasste die Oberfächen-Lokalisierung des Versturzes Sohle 5 mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät Barryvox. Ein Team platzierte den Sender untertägig an nordöstlicher Verbruchstelle während das zweite Team mit Empfänger ausgestattet die Bergoberfläche scannte.

Buffalora

Und tatsächlich waren die Resultate verglichen mit Massberechnungen erstaunlich passend.

Buffalora

Karte Anklicken, Karte gross machen

Es zeichnet sich eine Erzgangrichtung ab die ca. 20 m nördlich neben dem Haldenzug verläuft.

Sohle 5 Buffalora

Trotz rund 15 Meter Felsüberdeckung sind die Barryvoxmessungen durchwegs plausibel mit den Untertagemessungen stimmig. Allen Vorurteilen zum Trotz funktionierte die Lokalisierung mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät recht gut.

Und Sohle 5, sie gab, trotz des eher unspektakulären gradlinigen Stollenverlaufs, schon einige Rätsel auf.

Sohle 5 durchquert Tagwärts eine schiefrig brüchige Zone die mit viel Aufwand ausgezimmert wurde, Baujahr ums 1400.

Sohle 5 Buffalora

Es sind fast ausschliesslich sauber geschnittene Kanthölzer an den noch heute erhaltenen Türstöcken zu beobachten. Das Holzwerk steht noch, nach 500 Jahren, grösstenteils an angestammtem Orte. Wieso hier, wie auch anderswo, solch sauber verarbeitetes Holz verwendet wurde ist ein interessantes Rätsel. Holzwerk war schon damals ein kostspieliges Handwerkserzeugnis. Fest steht, auf Buffalora siedelten geschickte Handwerker. Holz ist in vollendeter Form verarbeitet. Die Zone, 20 Türstöcke, ist ohne Auffüllung gesichert. Am Ende der Türstockstrecke bricht der Stollen unüberwindbar. Die Bruchstelle schliesst ein oder zweit Weiterverläufe die nicht eindeutig erkennbar sind.

Die Umkehrseite, Bergwärts, erreicht nach Aufstieg Sohle 6 und 7, eine sehr erzreiche Zonen. An verschiedenen Orten finden sich kleinere Erzdepots die möglicherweise, nach Betriebseinstellung, das wertvolle Gestein bunkerten.

Sohle 5 Buffalora

Im Bild vom 13.10.2018, am Boden ein grösseres Depot mit feinen Erzkluppen, könnte sein aus Betriebszeit um 1500, auf einem Holzbrett zwei auserwählte Stücke.  Ich vermute nach der Betriebszeit bei Seite gelegt. Am Tag der Vermessung 5.9.2021 ruhte nur noch der kleine Erzklumpen auf dem Holzbrett, der Grössere war weg. Von unserem Team hat ihn keiner gesehen, da würd meine Ex Amporn, klar den Geistern diesen Diebstahl zuschieben. Ich weiss indes, die Physik und die Eigendynamik  verändert allerlei auf Buffalora.

Und Sonstig, Musik ist ständiger Begleiter und voraussichtlich eines meiner neuen Projekte.

Momentan ist bei mir wieder die Hardtekkno erwacht verbunden mit unsäglicher Lust auf abartige, schmutzige Partys alla Berliner Untergrund.

Absoluter Tipp für Freunde weiterer Entdeckungen, die Hör Berlin-Reihe auf Youtube.

https://www.youtube.com/c/H%C3%96RBERLIN/featured

Und zu Buffalora, klar mein Text auf Luisa.net

https://www.luisa.net/industriearchaologisches/buffalora/

Buffalora 2021

am 17. Juli 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ist lange her seit letztem Bergbauartikel, zu dominant war das weltumspannende Pandemiethema. Klar, ich muss mein Ding drehen, und wenn ich mal all den Virologen Glauben schenken solle, so muss ich mein Ding richtig schnell drehen denn, nach deren Prophezeiung sei mir nicht viel Lebenszeit geschenkt. Nun, Propheten gab’s schon einige und Sinnfluten, Weltuntergänge und sonstige Heuschreckenplagen überlebten wir etliche.

Ergo, Zeit für Wissenschaft, andere sollen Dummschwatzen.

Buffalora erfreut sich einer weiteren Vermessungsorgie und wir verkünden den erfolgreichen Abschluss der Datenerhebung Grundsohle 4, auch genannte Grundstrecke Sonch Rafael II.

Und parallel dazu öffnete die fleissige Knappenschaft erneut neue Geheimnisse auf 2481müm.

Buffalora Stollen Sohle 8

Aus dem Boden ragende Kanthölzer waren lange Motivation zu tiefergreifender Untersuchung. So fand sich ein Team zusammen die, mit Schaufeln und Pickeln, in die tiefen Geheimnisse blickten.

Zum Vorschein kam eine Stolleneingangsüberdeckung die, wie wir heute vermuten, im Tagbau erstellt wurde. Dieser Bau sollte Platz ermöglichen für weiteres Abraummaterial der oben liegenden Zugänge ohne Aufgabe des, im Deponiebereich befindlichen Stollenzugangs, dies die Gedankengänge um 1500. Auf Buffalora finden sich einige solch Bauten zumal die Stollenzugänge der Haupterzgänge alle mehr oder minder Vertikal untereinander platziert sind doch bis anhin ist noch nie einer solchen Verbauung bis tief ins Erdreich gefolgt worden. Das Material welches die Holzauskleidung schwerwiegend zerdrückte ist fein und als reiner Aushub zu betrachten. Der Stollen blieb aber, nach 500 Jahren Betriebsschluss, noch heute nicht erreichbar. Trotzdem waren überaus interessante Einblicke möglich.

Buffalora Sohle 8

Erste Auffälligkeit,  bei diesem Bauvorhaben wurden keinerlei Kosten gescheut. Nur best verarbeiteter Kanthölzer und Gerüstbretter sind im Innern verbaut worden. Trotz damalig immensen Sägeaufwand sind die im Schutt gefundenen Hölzer, im Bild recht deponiert, von hohem Verarbeitungsstandart.

Buffalora Sohle 8

Ein Blick ins hocheinsturzgefährdete Stolleninnere, zeigt saubere Schnittkannten und präzise auf Stoss gelegte Dachhölzer. Leider sind die Dachbretter unter der Gewichtslast geknickt und der Stollen nicht weiter zugänglich. Angesichts des feinkörnigen Materials welches auf der geknickten Holzdecke  lastet, musste auf den weiteren Vortrieb  verzichtet werden. Weitere Aufwätigungen sind, in dieser Haldentiefe, nur noch als Schildvortrieb möglich.

Buffalora Sohle 8

Ein Blick auf mein Planupdate zeigt die überdeckte Strecke knapp oberhalb unserer Michael II Strecke (Sohle 2)  aber eben auf Plus 72 Metern zu Michael II. Michael II knickt an dieser Stelle steil Norden um Erzgang 2 rechtwinklig anzufahren.  Folglich kann die neue Entdeckung als Erschliessung des zweiten Erzgangs auf 2481 müm gewertet werden, Annahme in etwa der Höhe Sohle 7 bis 8.

Zurück ins Untertägige

Die Vermessung startete  am 3. September 2019 beginnend bei Sohle 3, zu Sohle 2, zu Sohle 1 hoch zu Sohle 4, auch bekannt als Grundstrecke Sonch Rafael II. Diese Vermessung auf Sohle 4, insbesondere der vertiefte Blick in einige Einzelheiten, schaffte spannende, neue Erkenntnisse zu damaligem Wirken im Eisenbergwerk Buffalora.

Auf einige dieser Erkenntnisse will näher eingehen.

Die Grundstrecke Sonch Rafael II ist gemessen 184 Meter lang ohne erkennbarer Tageseinstieg und ohne erkennbare Stollenbrust. Es ist anzunehmen dass diese Strecke, im  Hochbetrieb um 1500, beträchtlich länger war. Sowohl Anfangsversturz wie Endversturz deuten auf einige unbekannte Stollenmeter hin.

Buffalora Grundstrecke 4

Auf Sohle 4 lohnte die Eisenerzförderung, der Stollen durchfährt den Erzgang in voller Länge. Der ertragreiche Erzgang ist weitläufig ausgeräumt . Über die steile Spalte ist die nächst höhere Sohle erreichbar.

Buffalora Grundstrecke 4

Die Grundstrecke war mit Rollmaterial, Wettertüren und Verladebühnen ausgestattet. Doch der Erzgang keilt, gegen Berginnern, aus. Vereinzelt wird im Firstbau an kleinen Erznestern gearbeitet.

Buffalora Grundstrecke 4

Die Höhe der Firste kann indes nur anhand des herumliegenden Schutts erahnt werden.

Buffalora Grundstrecke 4

Trotz massiver Ausbauten ist gegen Ende der fahrbaren Grundstrecke  von eher kleineren Firstbauten auszugehen. Im Bild der Blick aufwärts in eines der zwei Firstbauten gegen Ende der bekannten Grundstrecke.

Trotz massiver, und damalig in dieser Zone annehmend rentable Ergebnisse, sind immer wieder Suchstollen in unbekannte Zonen getrieben worden. In der brüchigen Erzzone war die Abbautätigkeit effizient und mit vergleichbar geringem Aufwand zu stemmen indessen offenbaren die Parallelsuchstollen harter Kalkstein welcher schweisstreibende Sisyphusarbeit nötig machte.

Bekannt sind zwei solcher, sehr langer Stollen die zur Suche potentieller Parallelerzgänge angelegt wurden. An einer Wand solch eines Suchstollens finden wir eine merkwürdig anmutende zweizeilige Strichliste die weitere Neugierde beflügelte.

Buffalora Grundstrecke 4

Ich gebs zu, es ist schwierig über dies Relikt weiter zu spekulieren. Fakten, oben sind 7 Striche ausmachbar unten zählen wir deren 18. Gemacht ist diese Strichliste, vermutend, mit dem Russ der Flamme einer Frosch-Fett-Lampe. Die Deutung der Striche indes kann durchwegs diskutiert werden, ich war um 1500 nicht mit dabei als jemand dies Zeichen setzte, doch ich mach mir einen Reim aus dem Ganzen.

Die beiden Stollen, der Einte sauber gekehrt als wär dieser gestern dem Chefe gezeigt worden, der andere in einer späteren Periode als Erznebengesteindeponie amtend, zeigen grosses Handwerkskönnen und fundiertes Bergbauwissen.

Wahrscheinlich waren in beiden Untertagebauten ein und das selbe erfahrene Handwerksteam, zwei, maximal 3 Mann, unterwegs. Im Unterschied zu den hart arbeitenden, per Ertrag entlöhnten, Erzhauerfamilien, Männer als Erzhauer, Kinder als Schutter an den Hunden und Frauen als Erzklauberinnen auf den Abraumhalden, waren Suchstollenknappen per Lachter, Aufwand, was auch immer entschädigt.

Die Strichliste könnte, meiner Meinung nach solch eine Abrechnung sein. Leider ist auf zur Plausibilität mir noch kein Pony geschweige den ein kompletter Ponyhof begegnet trotzdem sollte erstmals eine Faktenauflistung meinerseits erfolgen ehe weitere Spekulationen die Fachwelt erschüttern.

Buffalora Grundstrecke 4

Beide Suchstollen sind im Strossenbauverfahren angelegt. Stollen Südwest, ab Punkt 1516 bis 1526, ist bis Brust fahrbar und in Abnahmezustand. Stollen Nordost, Punkt 1510 bis 1514, ist grösstenteils mit Erznebengestein verfüllt. Im Strossenbauverfahren sind zwei Mann im Stollenbau um einige Meter versetzt am Arbeiten. Der erste Mann schrämt kniend ein maximal Meter hohes Stollenprofil. Der zweite Gehilfe bemüht sich um effizienten Schuttabtransport und erweitert das Stollenprofil um eine Strosse tiefer, auf Höhen zwischen 1.40 und 1.70.  Dem zweiten Mann wird die Aufgabe des Aufbaus der Förderinfrastruktur zuteil. Im  Südwest-Stollen, an der Strossenkante, ist das erste Holzschienenpaar verlegt, noch heute stehen, dank des darüberliegenden Schutts, die Fahrhölzer an ursprünglicher Stelle. Nicht weit, in Ausgangsrichtung, liegt noch das zweite Schwellenbrett  bereit. Um einst der zweistrossige Stollenteil mit Rollwerkzeug ausgebaut war ist anzunehmen. Die Holzschienen sind immer wieder an neue Arbeitsorte gewandert. Die westverlaufende Vortriebsstrosse, kurz nach Richtungswechsel, ist im Endansatz als Werkzeugnische verwendet worden. Heute liegen Holzteile, nicht weiter identifizierbar, in der Nische.

Kurzum, in diesen Bauten waren qualifizierte Profis, 1 bis 2 Monate, am Werken. Wie sie abrechneten ist heute ein Rätsel. Die tabellarische Auswertung der Stollenmasse brachte auch nicht die erfolgte Erleuchtung.

Buffalora Grundstrecke 4

Klar ist, so einfach ist dies Rätsel nicht zu entschlüsseln. Das Verhältnis 18 zu 7 ist Faktor 2.57. Dieses Verhältnis taucht in den Längen leider nirgends auf. Auch Georg Bauers Einheiten brachten wenig Übereinstimmung mit der Zahl 7 / 18.

Und doch muss um dies Strichmuster etwas zu verstehen, etwas über den Tellerrand geguckt werden.

Der Abraum der beiden Stollen liegt, mit Anmerkung, Teilweise im nebenliegenden tiefergelegenen Abbau. Wie viel dieser ist, lässt sich nur schätzen. Kurzum, ein Teil des Abbraums liegt wo anders, bedeutet, Mehraufwand.

Es waren Teams, eingespielte, aber auch externe in gemeinsame Arbeit unterwegs. Fahrmaterial, Werkzeuge was auch immer wahren auch so Aufwendungen. Die Strichliste rein auf die Stollenlängen umgewälzt wär vermutlich zu einfach.

Auch nicht von der Hand zu weisen, wir kennen die Sondierstollen nicht abschliessend. 18 und 7 ergibt eine Summe von 25. Nach Lachtern gerechnet sind beide Stollen 26 in der Zahl dies mit Werkzeugnische eingerechnet. Und auch nicht zu unterschätzen, ob ich nun mit meiner Maus von Stollenwand zu Stollenwand husche oder ob ich doch nur einfach eine Schnurr die alle 1.70 Metern mit Knopf ausgestattet ist, Stollenmittig auslege macht bald auch mal 1 bis 2 Lachter Messdifferenz aus.

 Fazit, die Strichliste diente zur Verrechnung der geleisteten Arbeit. Wie diese Verrechnung genau ausschaute, kann abschliessend nicht geklärt werden. Im Unterschied zu S-charls gibt’s aus Buffalora recht wenig Dokumentiertes aus der Betriebszeit.

Meine Sicht als erfahrene Handwerkerin, dies Team setze an diversen Orten auf Buffalora Zeichen. Der Stossenbau nahe unser Einstieg, mit Andreaskreuz versehen, ähnelt beschriebenem Sondierstollen.  

Buffalora, die Geschichte auf Luisa.net

https://www.luisa.net/industriearchaologisches/buffalora/

Verborgene Eisen im Dürsteltal

am 02. Mai 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Lange ist es her als im Dürsteltal Eisen gefördert wurde demzufolge sind die Spuren nur noch spärlich zu erahnen. Nichts desto trotz meine Neugierde ist ungebremst und inspiriert vom Hochofenfund in den Jahren 1995 bis 1997 musste ich den verborgenen Mysterien nachjagen.

Auf meiner Suche nach Bohnerzischen Magien bin ich in der Arbeit von Jürg Tauber und Marianne Senn verhangen. Zu gut passten die Entdeckungen beider Archäologen zu meinen Buffalora-Erfahrungen und auch die Zeitepoche schien, etwas vor Buffalora, konkret 13. Jahrhundert, passend um der Gegend einen Augenschein zu schenken.

Berichtet wird von zwei spektakulären Ausgrabungen die Reste eines Hochofens und eines Rennofens, zu Tage förderten. Ich wollte nun anhand der mir bekannten Ofen-Positionen mögliche Bergbauspuren erkunden. Dazu bediente ich mich, bei meiner ersten Schreibtischsuche, dem Baslerländischem 3D Höhenmodel in metriger Auflösung, was schnell erste markante Geländeunregelmässigkeiten offen legte.

Eisenwerke Dürsteltal

Alle Spuren zeugten von grösseren Erdbewegungen die womöglich auf Bergbau zurückzuführen sind.

Da nun eine erste Kartensichtung äusserst eindeutig erschien könnte der angenehm, entspannte Feldforschungsteil beginnen.

Eisenwerke Dürsteltal

Die Industrielandschaft aus den Jahren um 1200 bis 1400 zeigt sich heute im satten Kuhweidengrün. Nur Weniges erinnert an ein, für damalige Verhältnisse,  grossen Bergwerksbetrieb. Auffällig sind die stark überwucherten Tagbau-Stellen in unmittelbarer Rennofennähe.

Eisenwerke Dürsteltal

Das Gelände ist steil und der Hang eher instabil was deutliche Bergbauspuren schnell überdeckte trotzdem sind in Ofennähe minimum 3 Tagebau-Orte ausmachbar. Eine dieser Stellen verfügt über eine dreiteilige Halde die a) potentielle kleinere Stollenbauten erahnen lässt b) auf immer widerkehrende Verarbeitung des Haldenmaterials hindeutet.

Am westlichen Ende des Bergbaureviers liegt ein mächtiger Spalt offen welcher auch ein mögliches Indiz für die damalige Bergbautätigkeit sein könnte. Bedauerlicherweise sind die Bergbauspuren durch Strassenbau und Holzwirtschaft stark verfremdet so das tiefere Rückschlüsse nur schwierig zu treffen sind.

Eisenwerke Dürsteltal

Der Abbauspalt erinnert an Schwarzwälder Fluoritgangaufschlüsse nur sind in hiesiger Stelle die harten Jurakalkplatten waagerecht, leicht gegen Berginnern fallend,  ausgerichtet. Wenn Erz hier zu Tage trat so, aus meinem bescheidenen Wissen heraus behautet, in Form von Bohnerz-Nestern.

Der Schlitz erreicht fast den Erzbergkamm und ist in unterschiedlicher Ausprägung. An meiner Kameraposition  wirft der Abbau eine mächtige Halde die unterhalb für den Feldwegbau in späten Jahren abgetragen wurde. Unterhalb des Feldweges sind Mauerfragmente erkennbar die möglicherweise abstützende  Funktion inne hatten.

Eisenwerke Dürsteltal

Karte als PDF, Karte anklicken.

Es sind, aus meiner scheuen Beobachtung resultierend, mögliche 7 Abbaustellen erkennbar. Meinst sind diese reine Tagebaustellen, ein, zwei Stellen jedoch deuten auf leichten Untertagebau hin. In Unmittelbarer Bachnähe stand der, mittels Wasserkraft angeblasene, Hochofen. Das benötigte Wasser zum Betrieb der Blasbalge, solle, so wollens die Archäologen wissen,  etwas östlich gelegen, in einer Bachstauung, gesammelt worden sein. Der näher an den Bergwerken gelegene Ofen I war sowohl als Rennofen wie auch als Hochofen im Einsatz. Schlackenfunde bestätigen beiderlei Anwendungen. Fest steht, der obere Ofen I besass keine Wasserkraftunterstützte Anblasung, folglich erreichten die Schmiede nicht immer die notwendige Schmelztemperatur womit das Eisen nur verklumpte nach dem Rennofenverfahren. 

Das Kloster Schönthal solle bei der Eisenproduktion eine entscheidende Rolle gespeilt haben. Es lohnt somit ein Blick in die nähere Nachbarschaft.

Der Blick in die Baaderkarte, stand 1842, offenbart tatsächlich ein Erzberg an besagter Abbaustelle. Dieser Flurname wuchs in Neuzeit zu Erzenberg an.

Eisenwerke Dürsteltal

Das Kloster war bereits in Jahren der Baaderkarte längst zur Sommerresidenz einer Bankierfamilie ungenutzt.

1146 bestätigt eine Urkunde den Froburger Grafen Adalbero als Stifter des Klosters. Trotz  zahlreicher Unterbrüche überdauerte der Klosterbetrieb bis in Jahr 1525.

Kloster Schönthal

Heute wird das ehemalige Kloster als Kunst- und Kulturbetrieb genutzt.

Ob der Eisenbergbau je rentierte ist zu bezweifeln.  Zu aufwendig erscheinen die Investitionen zu solch Vorhaben anderseits war Eisen im 1200 ein teurer Rohstoff.

Kloster Schönthal

Somit lässt sichs spekulieren ob die Spanner-Eisen aus Zeiten des Bergwerksbetriebs stammen oder aus späterer Umnutzung.  Fest steht die, im 1187 geweihte romanische Kloster-Kirche erfreute sich etlicher Umnutzungen.

Links

Hochofenfunde  https://www.archaeologie.bl.ch/entdecken/fundstelle/139/

Kloster Schönthal https://www.schoenthal.ch/

Eisen im 14. Jahrhundert, meine Buffalorageschichte https://www.luisa.net/industriearchaologisches/buffalora/

Aargauer Sehenswürdigkeiten Part II

am 17. April 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne der Zeitgeist ist alles andere als entspannend umso eher Motivation zu ausgedehnten Erkundungstouren. Entgegen meines tief sitzenden Vorurteils gegenüber dem Aargauer Landkanton finden sich einige interessanter Bergbauleckerbissen mit weiterem Forschungspotential.

Ich selbst hab mich dieser Apriltage  vorwiegend des Geldverdienes hingegeben und da in Zeiten des ausufernden Scharlatanismus sich niemand für Geschichtsforschung interessiert, ist dieser Betrag doch eher Bilderlastig statt Wissenslastig.

Wer Stollen sucht der findet Stollen und da der Aargau eine nicht unbedeutende aber länger zurückliegende, Bergbautradition sein eigen nennt gibt’s, Gipsbergbau, Bohnerz verschiedene Wasserstollen und aktuell Zementindustrie.

In diesem Sinne, meinerseits eine kleine Bilderreise ohne viel wissenschaftliches Blabla. Blabla überlass ich momentan en den Berner Kuppeltänzern.

Der Birmostollen

Birmo-Stollen

Dies Unterwerk von ehemals beträchtlicher Länge war in letzter Betriebsepoche als Mineralwasserstollen tätig.

Birmo-Stollen

Die gelben  Quadrate markieren die Schachtpositionen gemäss Siegfriedkarte. Die Orange Linie stellt den Stollen dar.

Ursprünglich unterfuhr der, rund 800 Meter lange, Birmo-Stollen ein ausgedehntes Gipsbergwerk. Beim Gipsabbau in den teils bis 70 Meter tiefen Schächten,  erkannten die Bergleute den aussergewöhnlich bitteren Wassergeschmack was findige Vermarkter auf den Plan brachte das Grubenwasser als Mineralwasser zu vermarkten.

Birmo-Stollen

Historisches Foto, Grubenarbeiter am Schacht um 1918 (Quelle: Geschichte der Gemeinde Birmensdorf / Max Rudolf)

Birmo-Stollen

Der Birmostollen ist heute in einer Länge von 130 Metern befahrbar und druchgehend mit Schienen ausgestattet. Ab 130 Metern, am Ende einer Betonauskleidung, ist Lehm in den Stollen eingeschwemmt welcher bis Dach hin schliesst.  

Wasserstollen Scherz

Kein Scherz aber ein durchwegs schmuckes Stollenwerk.

Wasserstollen Scherz

Im Waldboden, nahe Bachlauf lädt ein kleines Törchen zum Besuche was feuchtliebende Tiere sich nicht zweimal flüstern lassen.  Im Innern tummeln sich Frosch und Feuersalamander in harmonischer Gemeinschaftlichkeit.

Wasserstollen Scherz

Das Bauwerk ist in feinster Schrämkunst durch den Sandstein getrieben, selten höher als 1.50, was ein eher altes Untertagewerk erahnen lässt. Wasser war des Stollens letzte Funktion doch Ortschroniken berichten über ursprünglichen Bohnerzabbau in der nahen Umgebung.

So wird auch dieser Stollen ursprünglich Erzer gefördert haben.

Wasserstollen Scherz

Beobachten konnten wir nur minime Vererzungen wobei der Stollenbau nach rund 70 Metern eindeutig verbrochen ist.

Wasserstollen Scherz

Nach geologischem Atlas finden sich einige Dolinen in der näheren Umgebung die auf Erzbergbau schliessen lassen. Ich hab diese als Glück-Auf-Symbol in der Karte markiert. Gemäss Chroniken, war um ca 1700 reger Bergbau auf Eisenerze aktiv. Diese Erze wurden, so wird berichtet, in Albbruck zu Eisen geschmolzen. Der besuchte Wasserstollen könnte solch ein Relikt sein welches in junger Zeit, die Betonwand am Eingang ist eindeutig neuer, zur Wasserquelle umfunktioniert wurde. Heute ist das Bauwerk weder reich mit Erze bestückt noch vom üppigem Wasser durchflutet.

Jura Zement Förderstollen

Ausnahmsweise zeitgenössischer Auftagebergbau, genannt die Zementwerke in Wildegg rezeptive  deren Förderstollen welcher die Grube Jakobsberg erschliesst.

Eine kleine Fotoserie unter Überschrift, „die Türe stand wieder mal offen“.

Förderstollen Jura Zement

Moderne Untertageförderstrecken sind fast ausschliesslich mit Förderbänder ausgestattet.

Förderstollen Jura Zement

Die alte, längst vergessene, untertägig verbundene, Wägeli-Strecke gibt’s immer noch. Heute jedoch amtend als überdimensionierte Grümpelkammer.

Förderstollen Jura Zement

Wägelistrecke-Gegenende nicht minder interessant, leider heute amtend als Schlammsammler. Ergo verzichteten wir auf weiteres Schlammgewate.

Und allerletz ein schönes Graffiti Thema „Aargauer Sehenswürdigkeiten“ an der Fassade des ehemaligen Förderhauses Grube Jakobsberg.

Förderstollen Jura Zement

Und, der Aargau hat noch viel mehr zu bieten, ergo eine durchaus Fortsetzungswürdige Geschichte.

Elgger Kohlebergwerke noch Eine

am 03. April 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Eine Uraltgeschichte pack ich wieder aus. Wir nennen sie die Kohlegruben von Elgg und sie sind sehr, sehr alt, so alt das niemand so richtig weiss wie alt.

Die Kohlebergwerke belieferten die Glashütte von Elgg, soviel ist klar, um die Zeitepoche ca 1720 bis 1840. Aber auch die benachbarte Ziegelhütte dürfte sich ab manch Kohlestücklein gefreut haben. Die Kohle, soviel steht fest, ist selten mächtiger als 10cm trotzdem scheint diese verhältnismässig guter Qualität zu sein. Kohle ist immer noch vorhanden doch deren Abbau ist seit einiger Zeit nimmer rentabel.

Zu den Unterwelten gibt’s einige Mysterien die sich bis heute hartnäckig halten. Eines der Ursachen, verbunden mit doch gesetztem Anlagenalter, liegt an den zahlreichen Abzeichnern, mich mit eingeschlossen.

Kohlegruben Elgg

Der erste namhafte Plan stammt von Bend Fried Giesberg und ist beglaubigt im Jahre 1837. Darauf zu erkennen die 3 wesentlichen Bergwerke der Region. Sichtbar eindeutig die mächtige Ausdehnung der Stollenfelder.

Knapp ein Jahrhundert später berichtet Geologe Emil Letsch über die Elgger Bergwerke.

Kohlegruben Elgg Emil Letsch

Seiner Zeichnung zu Grunde liegend steht die Wildkarte.  Die Stollenverläufe sind fast identisch dem Urplan. Im 1. Weltkrieg wurde das östliche Bergwerk Birmenstall wieder geöffnet. Hierzu war der Erbstollen, welcher noch heute zugänglich ist,  leer geräumt. Zu einem Abbau indes kams nimmer, zu bescheiden waren die vorgefundenen Kohlelager.

Kohlegruben Elgg

Erbstollen Birmenstall

Im Jahre 1966 vermass ein Team der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung das Birmenstaller Bergwerk mit doch drastischen Differenzen zum Urplan aber leider auch nicht vollständig.

Doch trotz aller Dokumentation blieb das Kleine zwischendurch lange nur der ansässigen Dorfbevölkerung bekannt, bis sich dessen ein Jugendforscht-Team annahm. Die Rede ist vom unscheinbaren Mundlochüberbleibsel neben den Wasserreservoir welches zwar immer wieder rege Besucher und Besucherrinnen anlockt jedoch nicht so richtig in eine Bergwerksgeschichte hineinpasst.

Kohlegruben Elgg

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Im Detail kennen wir das Bergwerk Birmenstall, aktiv in den Jahren 1782 – 1838, betrieben von Klaiss & Ziegler und aufgewältigt um 1914. Und das Bergwerk Im Fürst unter Führung  Schulthess & Cie 1811 – 1827. Dies Bergwerk gilt seit dem Bau des Wasserreservoirs als verschüttet und auch das zweite, westlich gelegene Bergwerk im Besitze der Schulthess & Cie gilt als verschollen.

Indessen liegt zwischen Im Fürst und Birmenstall ein Bergwerklein das sich keinem Konzessionsnehmer zuschreiben lässt und doch beträchtliche 400 Stollenmeter aufweist.

Dies Bergwerk war im Jahre 1971 Thema einer Jugend-Forscht-Arbeit. Die beiden Abenteurer Jörg Steiner und Werner Walz erstellten den ersten bekannten Plan zum System. Doch irgendwie erschienen mir auch in dieser Vermessung Unstimmigkeiten. Insbesondere beim, mir bestens bekannte Teil vor der grossen Wasserschlacht, machte der Hauptstreckenkurs  nur bedingt Sinn. Das hin und her gerätsel um den stimmigen Nordpfeil aller herumgeisternder Pläne irritierte zusehends. Die Frage aller Fragen, sind alle Bergwerke unterirdisch miteinander  ist noch lange nicht eindeutig geklärt und um weitere verbindliche Aussagen treffen zu können sind exakte Kursangaben von Nöten.

Also eine neue Vermessung des Warmduscherteils musste her. Mit dieser könnten die verschiedenen Bergwerke ins richtige Geografische Licht gerückt werden wobei die Gruben im Westen  immer noch auf Basis des Plans 1837 verweilen.

Kurzum, kleines Team, Andreas und ich, nahmen uns dieser Aufgabe an.

Luisa in der Nordstrecke

Luisa in der Nordstrecke (Bild Andreas Schatzmann)

Ziemlich genau 40 Jahre später, und 9 Jahre nach meiner ersten Befahrung, wagten wir eine neue Vermessung des vorderen Teils. Nach wie steht das Bergwerk kaum verändert im Fels. Noch immer liegen allerlei Teelichter der Dorfjugend herum und noch immer können faszinierende Bergbauspuren beobachtet werden.

Kohlegruben Elgg

Im Bild die Hauptstrecke in Richtung aktuell offenes Mundloch.

Kohlegruben Elgg

Und, da ichs immer wieder zu vergessen scheine, die Stollenbrust des Nord-Seitenabzweigers mit kleiner nicht tief führender Vortriebsöffnung.

Aus dieser kurzen aber effizienten Vermessung ist ein Plan entstanden auf welchem ich versuchte das bekannte Jugendforscht-Planwerk zu integrieren.

Kohlegruben Elgg

Plan als PDF auf Plan klicken.

Die Technik entwickelte sich in den letzen 40 Jahren rasant. Während Jörg Steiner und Werner Walz sich auf den Handkompass zu verlassen hatten und alle Daten minutiös auf Papier niederschreiben mussten konnten wir bequem mit Disto und Topodroid die Daten aufs feine Tablett speichern. Die Kursdifferenz unserer Vermessung ist beträchtlich, rund 30 Grad, zum Originalplan wobei die Hauptstrecke komischerweise als einzige solch eine Riesendifferenz aufwies.  Alles andere liess sich einigermassen zusammenfügen und so erschien der abgesoffene Stollenweiterverlauf von Jörg Steiner und Werner Walz durchaus Plausibel zusammenzupassen.

Die Geografische Nähe zum Birmenstallbergwerk beträgt, heutiger Wissenstand, 120 Meter. Zum Bergwerk Im Fürst, Schulthess & Cie, fehlen 12.8 Meter wobei der Grubenplan dieses Bergwerks über keinerlei fundierte Grundlage fusst.  Viel entstammt die Handzeichnung aus Jahren vor 1837 ohne Kenntnis des Bergwerks.  

So bleibt noch reichlich Substanz um weiter zu forschen.

Vorbeiträge Elgg

Kohlebergwerk im Fürst

Verborgene Kohlen in Elgg, Part II

Verborgene Kohle in Elgg

Die Elgger Kohlebergwerke