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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Bergbaueinsichten Brenden

am 12. November 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein grosszügig bebilderter Reisebericht wieder eines ehemaligen St Blasien Reviers, wobei dies Historisch nicht eindeutig belegt ist.  Also nochmals eine mögliche Fortsetzungsgeschichte, die mit auch die Grösse und vor allem den Reichtum  der damaligen Klostergemeinschaft begründet indes will ich, auf dieser Geschichte,  hauptsächlich Einblicke in den neuzeitlichen Bergbau gewähren. Der Beginn des 18. Jahrhunderts läutet das definitive Ende mächtigen Einflussnahme damaliger Klostergebiete ein. Industrieinvestoren  übernehmen allmählich die Schwarzwälder Erzgruben.

Bei Brenden im Südschwarzwald scheidet ein Schwerspat, Flussspat-Band mit Bleieinschlüssen die Landschaft im 7.5 Grad Azimut.

Revier Brenden

Dieses Erzband ist an verschiedenen Stellen, in verschiedenen Zeitepochen, angefahren worden. Noch heute kann man das Erzband, den zahlreichen  Aufbrüchen folgend, in der Landschaft präzise nachvollziehen. Etliche Tagebauschlitze zeugen von reger, wahrscheinlich spätmittelalterlicher Bergbautätigkeit.

Einige dieser Schlitze sind in später Zeit erneut aufgewältigt worden.

Revier Brenden

So auch dies Exemplar welches auf 3442529/5288907 erkennbar rund 15 Meter in die Tiefe ragt. Meine Begleiter und ich glauben, im Gegensatz zu  Hegle Steen, Autor Bergbau auf Lagerstätten des Südlichen Schwarzwaldes, dass dieser Schacht im 20. Jahrhundert als Lüftungsschacht erweitert wurde. Heute indes scheint dies Werk, der Nase nach zu urteilen, als Tier-Friedhof zu dienen. Man erkennt noch an einer Abflachung  die Wirbelsäule eines verstorbenen Säugers.

Nahe der Mettma liegt ein sauber Betoniertes Mundloch mit neuzeitlichem Gittertor  am Berghang.

Revier Brenden

Obschon die Gitterstäbe elegant durchgesägt sind, ich bin mal wieder Unschuldig, mündet dies Stollenwerk nach wenigen Metern im endgültigen Versturz. Interessant ist, das Mundloch sitzt westlich versetzt zum Erzgang.

Revier Brenden

Am Erzverlauf indes wird, nahe dem vergitterten Mundloch, baldig eine weitere Öffnung sichtbar die unmissverständlich zur Erkundung ruft.

Revier Brenden

Im Innern des Parallelstollens, wahrscheinlich Baujahr 19. Jahrhundert, sind vor einer Einbruchstelle einige moderne Lüftungsrohre deponiert. Die Rohre passen eindeutig zum vergitterten Mundloch und so ist auch schnell der Verbindungsstollen in die moderne Hauptstrecke, Baujahr um 1950, gefunden.

Revier Brenden

Die Hauptstrecke, ausgestattet mit 60er Schienen, Pressluftleitung und Drehstrom-Taltkabel , ist in Tagrichtung nahe Mundloch auch inseitig unmöglich passierbar.

Revier Brenden

Bergseitig folgt eine Lochblechverzimmerung die mit kleinem Durchschlupf  versehen ist.

Revier Brenden

Dem Durchschlupf folgend wird wieder ein Stück des alten Stollens fahrbar. Beidseitig ist dies Stollenwerk auch wieder unwiderruflich verbrochen. Indes schneidet dieser kleine Abschnitt ein Querschlag aus alten Tagen.

Revier Brenden

Eine Datierung dieser Haue erscheint schwierig zumal kaum ausmachbare Arbeitsspuren sichbar werden. Grob geschätzt könnte dieser Querschlag noch aus Sprengstofffreier Zeit stammen. Die Stollenhöhe ist minim und zeugt von allbekannter Klösterlicher Nächstenliebe gegenüber Besitzlosen.

Revier Brenden

Zurück in der modernen Hauptstrecke scheint Wasser allgegenwärtig zu sein umso mehr erstaunt bin ich ab des gutem Zustand der H-Träger-Lochblechauszimmerung.

Revier Brenden

Wenig Meter Bergwärts, wahrscheinlich in einer weiteren, ehemaligen Verbindung zu alter Hauptstrecke, man beachte den zugemauerten Stollen hinter dem Gestell, liegt die Sprengkammer mit zusätzlichem Zündersafe. Beides scheint nicht allzu fortschrittliche Schlisstechnik genutzt zu haben. Bei unserem Besuch indes waren beide Türen offen und die Spassmacher bereits weggeräumt.

Revier Brenden

Alte, ehemalige Strecke und neue Strecke treffen sich ab etwa 80 Meter Bergtiefe. Auch an diesem Punkt ist die alte, aus 19. Jahrhundert stammende, Grundstrecke verbrochen. Diese im Bild recht in den Versturz führend. Nun befindet sich der 20. Jahrhundert Stollen im Schwerspat, Flussspat-Band. Insbesondere der Schwerspat schien in der letzten Abbauperiode zu interessieren. Die par versprengen Bleikrümmel  die herumliegen dürften einzig das Herz einiger Mineraliensammler erhellt haben.

Revier Brenden

Wasser ist im Stollen immer noch allgegenwärtig. Die Gummistiefel erfreuen sich des würdigen Einsatzes.

Revier Brenden

In gefühlter tiefer Untertägigkeit, ich unterlasse weitere geschätzte Meterzahlen, folgt eine Stollenverbreiterung mit erstem erkennbarem Bergmännischem Abbau. Am Rand steht ein grosser Druckbehälter welcher viele Presslufthämmer erahnen lässt.

Revier Brenden

Der Blick in die Vertikale zeigt ein erster rund 10 Meter hoher Firstbau mit bergwärz zunehmender Höhe.

Revier Brenden

Nach weiteren Wasserreichen Passagen folgt ein nächster viel grösserer Abbau, diesmal ist dieser Firstbau auf der Hauptstrecke mit, leider ziemlich mittgenommenen, Rollenschanuzen  ausgestattet. Zu unserem Missfallen staut sich das Wasser im Rollenschnauzenbereich auf gut und gerne einen Meter.  Zwar starten wir den Versuch auf dem Pressluftrohr die Wassermassen zu umgehen doch dies Pressluftrohr durchquert eine Felsnase die wir nimmer passieren können. Auch die Idee mit der Wasserabsenkung mittels aufweitung des Wasserkanals ist schnell verworfen. Für uns ist leider an dieser Stelle Schluss.  Zur weiteren Befahrung sind Fischerstiefel notwendig.

Revier Brenden

Auch auf dieser Anlage obliegt das Nutzungsrecht auf die Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH. Beide Feldnummern 42911 und 42931 sind noch, wie aus der Karte des Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau zu entnehmen ist, violette Fläche, auf die Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH eingetragen.

Quellen
Topokartenbasis, udo.lubw.baden-wuerttemberg.de
Konzessionskartenbasis, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau
Historisches, Bergbau auf Lagerstätten des Südlichen Schwarzwaldes Helge Steen

Vorgeschichten Reviere St Blasien und Fluß- und Schwerspatwerke Pforzheim GmbH
Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen
Altbergbau vs. moderne Zeiten
Noch mehr Segalerbacher Fluoriter
Segalenbacher Flourite
Sankt Basiens Bleiglänzer und sonstige Fluoriter

Goppensteiner Unterwelten

am 29. Oktober 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Mal wieder eine längst verhängte Goppensteiner Geschichte zu neulicher Befahrung jener Bleiminen am Rotengraben. In Begleitung einer lang bekannten Freundin galt unser Interesse hauptsächlich den letzten Relikten aus Ära Dionisotti 1946 bis ca 1965.

Bleimine Goppenstein

Die von Dionisotti wieder eröffneten Stollen liegen unter anderem in stattlicher Höhe zwischen 1800 und 1890 über Meer. Der Aufstieg ist heftig und Steil zugleich beginnt doch dieser ab Parkplatz 1216 müm. bei nur 2 Km Horizontaldistanz. Noch immer steht die Bergstation der Seilbahn, dem Zahn der Zeit trotzend, unverrückt an seinem Platze.

Bleimine Goppenstein

Die aufwendige Abbraum-Gleisanlage indes ist teils schweren Erdrutschen zum Opfer gefallen. Im steilen Hang finden sich immer wieder vergessene Zeugen jener letzten Betriebsepoche.

Bleimine Goppenstein

Stollen sind an Stelle Dionisotti etliche offen, dieses Exemplar jedoch könnte aus Vorzeiten stammen.

Bleimine Goppenstein

Dieses Stollenwerk mit dessen filigranen 60er Schienen stammt wenn doch eindeutig aus genannter Dionisotti-Ära. Im Innern folgt ein Abwurfkanal fürs wertvolle Bleiglanz welcher die Strecke 1820, Seilbahnnieveau verbinden solle.

Bleimine Goppenstein

Auch so im Stollen Rollenschnauzen die ein oberes Feld erschlossen. Wie jedoch die Spuren zeigen waren Dionisottis Erfolge eher bescheiden. Bleiglanz tritt mir als Leihen nur sehr sporadisch vors Sichtfeld und auch die Zeugen des effektiven Abbaus lassen auf ein riesengrosses Pleiteunternehmen schliessen. Alleweil ist oberhalb der Rollenschnauzen einzig eine kurze Erzbandauffahrung gebaut. Das Erzband wiederum konnte ich kaum erkennen.

Bleimine Goppenstein

Nicht minder Interessant die Talstation mit spektakulärer Verarbeitungsanlage auf 1237 müm

Bleimine Goppenstein

welche aktuell allmählich in der Wildnis versinkt.  Im Bild die Schütteltische der Flotationsanlage.

Ein gelungenes Highlight war die Befahrung des lang ersehnten Tiebelstollens  welcher am oberen Ende der Verabeitungsanlage startet. Dieser Stollen stammt, wies der Name sagt, auf Ingenieur Tiebels Epoche welche um 1902 dessen Blüte feierte. Leider lang auch Tiebel, mit dessen wuchtig überdimensionierten Bergbau-Infrastrukturen, weit unter den Erwartungen. Der Stollen indes sollte, über alle weiteren Bergbauepochen hinweg, immer wieder Neuaufwältigung und Pflege erfahren.

Bis anhin war mir der Besuch des Tiebelstollens bei 50 cm Wasser eine definitiv zu nasse Angelegenheit doch diesmal schienen mir die Barbaras wohlgesinnt zu sein und das Wasser war zeitig nur minimal überm unteren Pressluftrohr.

Bleimine Goppenstein

Auf dem Rohr tänzelnd konnte ich, trockenen Fusses, somit beide Wasserstauungen überbrücken bis ins Tiebelsystem.

Bleimine Goppenstein

Nach 200 Stollenmeter gabelt sich das Werk ein zweitmalig in Hauptstrecke und Abzweiger.  Diesmal die oft erwähnte Verbindung zum Dahlstollen als Bremsberg. Leider ist bald, nach 15 Meter, unwiderrufliches  Ende,  der Bremsbergstollen ist bis Stollendach mit Wasser gefüllt.

Bleimine Goppenstein

Staunenswert, die Bremsbergseilwinde die noch immer, auf verfaulten Querhölzern, oberhalb des Hauptstollens thront. Die zahlreichen Drahtseilwindungen auf der Trommel lassen auf ein sehr tiefes Gesenk schliessen.

Bleimine Goppenstein

Bald kreuze ich, an nächster Verzweigung,  die oben an mir fliessende „Roti Lowina“.  Wuchtiger Regenfall im Stollen erklärt die Herkunft des Wassers. Die schützenden Wellblecher sind leider vom Gestell gefallen womit ich diese Wasserschlacht, der linken Strecke folgend, auf mich nehmen musste. Der rechte verstürzte Abzweiger indes sparte ich mir auf kommende Besuche auf. Ob dieser weiterführt bezweifle ich, viel eher vermute ich eine verfüllte Abwurfvorrichtung.

Bleimine Goppenstein

Kleiner Plan zur Verdeutlichung, gross machen, Anklicken. Quelle Kartenbasis map.geo.admin.ch

Der rote, orange und gelbe Stollen stammt aus der Tiebelära. Die höher liegenden Stollen, in Pink dargestellt, sind der letzten Dionisotti-Ära zuzuordnen. Am Tiebelstolleneingang, oberhalb der Lötschbergverladestation, liegt die aktuell gut versteckte Aufbereitungsanlage, diese auch aus der Dionisotti-Epoche. Im Berg sollen bis 2200 müm noch etliche Stollen aufgefahren worden sein die ich indes nicht weiter kenne und auch, meines Wissens, sehr schwierig zu erreichen seien.

Vorgeschichte zum Goppenstein Bleibergwerk
Goppenstein die Zweite

Hauptgrube Mürtschenalp

am 22. Oktober 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein kleiner Höflichkeitsbesuch mit neuen Entdeckungen.

Momentan bin ich im Trainingsmodus, ich weiss die Bündner Bergbaufreude werden mich im 2018 wahrscheinlich wieder ziemlich fordern abgesehen davon könnt ich auch noch ruhig wieder etwas schlänker werden also, die Gelegenheit zu sportlichem Sonntagsspaziergang.

Bevor ich jedoch die Hauptgrube bestieg wollte ich den Erzbetteinstieg auf mögliche Zugänglichkeit prüfen.

Erzbett Mürtschenalp

Fazit, das superschmale Mundloch steht immer noch jetzt indes fein säuberlich mit Steinen abgedeckt. Hinein würd weiterhin funktionieren doch a) brauchts eine äusserst aktive Schaufel innen und aussen und b) es wird eng und sehr gefährlich. Ich bin froh das ich dies Bergwerk kenne und ichs sauber auf Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp Dokumentiert habe. Nochmals dies Martyrium tue ich mir wahrscheinlich nicht mehr an.

Somit zogs mich weiter ins Hauptwerk über den sauber ausgebauten Verbindungsweg. Wie üblich liess mich der Orientierungssinn im Stich und ich verpasste sträflichst die Abwärtsabzweigung. Also angelte sich die ungeschickte Luisa das abartig steile Bachbett hinunter bis ans Mundloch. Unten angekommen erkannte ich den grosszügig ausgebauten Weg welcher, trotz blauer Markierung, ich oberhalb definitiv verpasste.

Hauptgrube Mürtschenalp

In der Tagestrecke, oberste Sohle, wie üblich schönstes Stollenfeeling.

Hauptgrube Mürtschenalp

Die Lichtverhältnisse verlangen noch ein Foto, diesmal eines rückwärtsgerichtet zum Mundloch hin.

Hauptgrube Mürtschenalp

Und auch wieder, das obligate Bild den Hauptschacht hinter, welchen ich diesmal nicht befahren mochte. Ich entschied mich für die Welnesstour über den nicht so steilen Schacht aus der Weinmann-Ära.

Hauptgrube Mürtschenalp

Auch die unteren Strecken sind immer noch äusserst Fotogen.

Hauptgrube Mürtschenalp

Und noch eines ehe ich mich allmählich wieder der Forschung zuwandte.

Hauptgrube Mürtschenalp

Wie üblich gibt’s da noch die mysteriöse Abteufung die, gemäss einiger Forscher, eine Tiefe von über 12 Meter drauf haben solle. Die bekannten Grubenplänen spezifizieren eine Maximaltiefe von + 5 Metern. Indes ist der Schacht nicht ohne Grund angelegt worden und im Aussenbereich findet sich ein genannter „Tiefer Stollen“ welcher gut und gerne 12 Meter unter meinen Füssen, nur kurze 6 Meter, in den Berg getrieben wurde.

Hauptgrube Mürtschenalp

Dieser  Tiefe Stollen ist am Mundloch zu praktisch ganz zugefallen im Innern indes von stattlichen 2.5 Metern Höhe dafür, wie erwähnt, nur von sehr kurzer Länge und, eben, noch weit weg von der Abteufung. Im Stollen selbst gibt’s nicht das scheue Anzeichen eines Kupfererzes. Interessant jedoch der Tiefe Stollen wie auch die Abteufung sind im Plan von Emil Stöhr aus 1865 genannt. In den Aufzeichnungen von Fehlmann 1919 wird auf diese Bauwerke nicht näher eingegangen. Will heissen in letzter Abbauperiode, Gustav Weinmann 1916 bis 1919, blieb die Abteufung wahrscheinlich uninteressant Wassergefüllt.

Hauptgrube Mürtschenalp

Mal der Vollständigkeitshalber ein Bild des Hauptmundlochs mit, ausnahmsweise, wenig Vegetation also mehr oder minder freie Sicht. Ich wollte nach wie vor mich dem alten Knappenweg annehmen was bei bescheidener Begrünung deutlich einfacher erschien.

Anfänglich war die Transportinfrastruktur recht fix eruierbar und auch weitere, mir bis anhin verborgen gebliebene, Details traten zu Tage.

Hauptgrube Mürtschenalp

Oberhalb des Knappenwegs und unterhalb der alten Gruben steht, gut getarnt, eine wuchtige rund 2 Meter hohe Mauer im Tal. Leider reichte die Zeit nimmer um mich in diese Zone zu begeben den allmählich schien der Tag ins Dunkle zu wechseln und ich wollte ja noch die Spuren des alten Knappenwegs bei guter Lichtsituation aufspüren.

Hauptgrube Mürtschenalp

Der Blick abwärtsgerichtet zeigt die heutige Alp und die kleine Baumgruppe, Bildmittig, wo einst das Pochwerk stand. Also rein Theoretisch banal um hier den Weg zu finden würde man meinem doch weit gefehlt, nach rund 100 Meter verliert sich jede nur so kleine Spur des Weges und ich fand mich wieder in der schier unüberwindbaren Steinwüste.

Doch auch dies Hindernis war mir wohlgesonnen womit ich noch bei Sonnenlicht  den Gsopnbach erreichte.

Noch nachliefernd hier ein aktueller Plan des Hauptbergwerks um meinem Texte was Weniges an Verständlichkeit einzuhauchen..

Hauptgrube Mürtschenalp

Plan gross machen, Plan anklicken.

Sumasumarum, in der Mutschenalp gibt’s noch einige ungeklärte Geheimnisse die auf Klärung warten. Obs dies Jahr noch reichen wird mag ich indes bezweifeln, der Schnee dürfte bald mal die Gegend eindecken.

Vorgeschichten Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp

Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen

am 21. Oktober 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist mir klar dass die wohl fleissigsten Leser und Leserinnen, wobei Zweitere ich anzweifle, in der Abteilung 9 des Regierungspräsidiums Freiburg domiziliert sind.  Insbesondere meine Süddeutschen Geschichten werden mit Argusaugen minutiös mit verfolgt. So stelle ich mit Freuden stelle ich fest dass meine Grubenpläne derer, etwas realitätsfremden Herrschaft überaus zu gefallen scheint. Nun dieser Beitrag ist mal denen da drüben vom fernen Eck gewidmet wenn doch ich, diesmal, da pfeifengerader  Erzgang, ich aufs Plänchen gänzlich verzichte.

Ohnehin weiss ich reichlich wenig übers Revier Grafenhausen.

Bergmann Gurgelholz

Unteranderem vielleicht dass dieser arme Facharbeiter seit 1972 ohne Arbeit sei. Darum diese Geschichte hauptsächlich der Bilder willen hier sein Plätzchen.

Es gibt im Schwarzwald reiche Flussspat und Schwerspatvorkommen die sich in verschiedenen Zeitepochen als immer wieder Abbauwürdig erwiesen. Am Gurgelholz und am Müllersberg bei Grafenshausen verläuft ein Schwerspatgang von Nord nach Süd. Dieser, mit reichlich Blei angereicherte, Erzgang inspirierte anfänglich das Kloster St Blasien, im Mittelalter, zum Abbau.

Schurf am Müllersberg

Aus Mittelalterszeit stammt dieser handgeschrämte Schurf am Müllersberg.

Die neueren Geschichten Datieren bis ins Jahr 1974 und standen unter der Regie der Fluss- und Schwerspatwerke, Pforzheim.

Schwerspatgrube Gurgelholz

So auch dieses schmucke Gitter am Gurgelholz welches ins Zeitgenösse Bergwerk führt. Sorry Abteilung 9, das Tor stand offen und mit etwas Realitätssinn, wird man unschwer erkennen können dass dies Tor immer wieder offen stehen wird.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Nun ja, im Eingangsbereich, alles was zum 1970er Bergbau gehört, Sprengmittelkammer mit separatem Zündersafe, Stollenbahnausweichstrecke und jede Menge Zeugs was irgendwie doch eher sekundär zum Bergbau passt. Badewanne, Leitplanken und PKW-Getriebe sind definitiv nach Ära Fluss- und Schwerspatwerke, Pforzheim in den Stollen gewandert.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Anschliessend Rollenschnauzen vom Feinsten, zwischendrin jeweils Fahrtürme welche die Befahrung bis zum First möglich machten. Der Erzgang verläuft, wie bis anhin gewohnt im Schwarzwald, senkrecht durchs Gestein.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Und noch mehr Rollenschnauzen, diesmal im Blick zurück.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Nicht jede Rollenschnauze überstand den Zahn der Zeit, manche dieser Bauwerke sind unter dem Schuttdruck komplett eingebrochen. Um den rund 400 Meter langen Stollen endzubefahren muss zwischendrin ein Rollenschnauzeneinbruch überklettert werden.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Oberhalb der Rollenschnauzen öffnet sich ein etwa 50 Meter mächtiger Schlitz. An zwei Stellen ist dieser Schlitz, wie bereits Erwähnt, ausgebaut mit Fahr und Fördertürmen um den Abbaufirst zu erreichen.

Schwerspatgrube Gurgelholz

Im Fahr und Förderstollen sitzt die Pressluftleitung fest verankert. Am Boden liegen immer wieder Bewetterungsrohre was und zur genauen Prüfung der Luftqualität veranlasste. Indes gibt’s bezüglich Atemluft keinerlei Grund zur Sorge, Werte sind bis Stollenbrust normal.

Revier Grafenshausen

Wers besuchen will, dies schmucke Bergwerksrelikt, kleines Plänchen geklaut von udo.lubw.baden-wuerttemberg.de

Karten-Stao

Und weitere Schwerspat / Flussspatgeschichten aus dem Schwarzwald
Altbergbau vs. moderne Zeiten
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Revier Gnadensonne

am 01. Oktober 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wieder ein mal, nach langer Abstinenz, wagte ich ein kleines Hallo ins Berner Oberländle. Einer meiner ersten erkundeten Bergbaurelikte, genannte Gnadensonne bei Trachsellauenen, liess seit 2011 einige Fragezeichen offen. Unterdessen, mein Begleiter Matti und ich, durchwegs im Seil beübt, stiegen wir ab in allerlei Zwischensohlen dieses legendären Bleibergwerks. Die Gegend, das Japanerüberlaufene  Lauterbrunnental, zweifelsohne, schon nur der Landschaft willen, immer wieder ein Besuch wert. Und das Bergwerk, welchem seit 1470, in wechselenden Abbauperioden, deren 6 sind genannt, immer wieder Aufmerksamkeit geschenkt wird, war diesmal auch unser Hauptziel. Die Stollenwerke folgten einem Barytgang und dienten vorwiegend der Förderung von, eben Schwerspat, Blei und Zink wobei das Hauptinteresse damals dem Blei galt. Ich selbst, mit doch eher minimalen Gesteinskenntnissen, erkannte kein, fast senkrecht verlaufender, Barytgang in den Wänden und Firsten. Einzig die UV-Lampe meines Begleiters könnte den Schwerspat punktuell etwas zum Erhellung bringen.  Nun ja, die Gesteinskunde ist auch keineswegs meine Kerndisziplin indessen offenbarten sich mir einige fein entwickelte Handwerkskünste damaliger Bergbautradition.

Die gefundenen Artefakte wie auch die schwer erreichbaren Stollen  machen diese hiesige Geschichte definitiv äusserst Bildintensiv. Mal beginnend, ganz entgegen meiner Tradition, sollen erstmals die Pläne sprechen.

Bergwerk Hauriberg um 1790

So richtig Leben kehrte ins Bergwerk um die Jahre 1790 ein, damals sind etliche Anlagen entstanden aus dem Bergwerk im Hauri entsteht das mächtige Revier Gnadensonne.  Johann Niklaus Schiel malte, um 1790 die Bergwerksanlagen in Aquarell. Das hier gezeigte Bild, mit Seigerrissdarstellung der Gruben, hängt gegenwärtig im Schloss Oberhofen. Eine zweite Fassung dieses Bildes, gleicher Künstler und gleich Datiert, zeigt die gleiche Landschaft indes mit aufgesetzter Stollenanlage in Grundrissdarstellung. Dieses Bild weilt heute in Privatbesitz bei Prof. Dr. Ernst Niggli.

Zweifelsohne war meinerseits das Verständnis der Grubenanlagen nie bedingungslos gegeben zumal ich nur Teile des Erbstollens kannte.

Gnadensonne Grubenplan Escher

Quelle: ETH Bibliothek

Auch die um 1805 entstandene Markscheiderrei  von Hans Conrad Escher war nicht restlos einleuchtend also versuchte ich mich am 15. März 2014 in verständlicher Transkribierung und es entstand, im Beitrag „Auf, ab, hinten, vorne Trallala“ beschrieben, die Grundbasis eines Luisaplanes in leuchtenden Farben.

Trotzdem war immer noch nicht jede Logik logisch, es fehlte der Einblick.

Grubenplan Gnadensonne bei Trachsellauenen nach Luisa

Plan gross machen, Plan anklicken.

Der heutige Plan ist etwas angewachsen und lebt von meinen Ergänzungen.  Ich glaube um 1800 begannen umfangreiche Erschliessungsarbeiten um ein kommerziell rentabler Abbau starten zu können.  Weder die Rendite noch der Abbau wurde je so richtig geweckt,  die Expertise vom, ebe,n genannten Herrn Hans Conrad Escher war vernichtend und verpasste dem Bergwerksbetrieb den letzten Todesstoss. Nur noch wagemutige, äusserst Bergbauinteressierte oder die nahe Dorfjugend stieg in dies Unterwerk. Eine umfangreiche Inauguraldissertation  von Jean Pierre Saheurs aus dem Jahre 1974 liegt vor, auf die ich mich oft bei meinen Ausführungen beziehe.

So will ich nun, nach solch langatmigem Vorwort, den Leser, die Leserin, ins Tief Trachsellauischer Bergwerke führen.

Oben beginnend,

Schurf A1 Gnadensonne

Alter Schurf A1, an dieser Stelle dürften die Erze damals entdeckt worden sein. Der kleine Schurf rund 5 x 5 Meter liegt parallel zum Felsbandverlauf neben Mundloch 3.

Und eins tiefer,

Gnadensonne

Die erste Sohle (A6 und 5) war, übers Mundloch 3  schnell mittels Seil erreicht. Auf dieser Ebene führen zwei Schächte in die noch unbekannte Tiefe. Über dem vorderen Schacht liegen zwei handgewiefelte Fahrten neuerer Zeit, sprich Bubenleitern um 1970, ob diese Jean Pierre Saheurs baute mag ich indes bezweifeln. Der hintere Schacht führt bis auf den Erbstollen A11, der vordere Schacht mit der Nummer 7 schliesst an A8. Am Schacht 7 ist eine sauber gezimmerte Schachtkopfverbauung eingepasst in welcher,  noch heute gut sichtbar, Stirnseitig , die Aussparungen für die Haspelstützen offen liegen. In diesem Schacht war eindeutig bis zuletzt ein Haspelaufzug im Einsatz. Im Vordergrund liegt noch ein leeres Schächtelchen Blitzleuchten.  Bei diesem Artefakt, wie auch bei allen weiteren ausgebrannten Blitzlampen, verdächtige ich indes Jean Pierre Saheurs da solch Dinger im 1970 sehr beliebt waren und in der DIS von Saheurs, reichlich zu tode geblitzte, Stollenbilder zu finden sind.  Das Seil wie auch mein Militärrucksack im Bild gibt ein ungefährer Einblick der Stollen-Proportionen. Stehen ist in der ganzen Stollenanlage möglich und die Hunte, vermutlich auf allen Ebenen im Einsatz, waren einst das Mitteldornsystem.

Gnadensonne Strecke 5

Das frühere Mundloch, auf meinem Plan Nummer 2 im Kreis, ist bald verstürzt. Nach Grubenplan könnten rund 2 Meter des Stollens 5 eingebrochen sein Ansonsten überrascht die Anlage mit dessen tadellosen Zustand.

Gnadensonne Schacht 7

Eine Sohle tiefer, Blick aufwärts, zeigt Schacht 7 mit ausgebautem Schachtkopf. Im Schacht steht ein Baumstamm welcher auch eher neueren Datums ist. Der Stamm lässt in meiner Fantasie der verzweifelte Versuch eines Hochstiegs aus misslicher Lage erahnen, das passende Skelett indes ist mir nicht begegnet.

Gnadensonne A8

Eine ebene Tiefer, diesmal nach Plan die grüne Sohle A8, wird erstmals etwas weniges Wasser sichtbar. Jede Menge verrottetes Holzzeugs liegt herum. Ich glaube gar zeitweilig etwas Holz der Mitteldornbahn am Boden zu erkennen.

Gnadensonne A14

Der Abstieg in die nächste Sohle erfordert wieder ein Seil. Entgegen meiner mitgebrachten Ausrüstung, waren  am Schachtkopf indessen die begehrten 2 Schlaganker, durch den Vorbefahrer, bereits vorbereitet.  Dieser Abstieg beschrieb  Saheurs als äusserst wässerig womit er auf die Erkundung der, nach Matti Lachsfarbene Sohle, verzichtete. Wir wussten uns, in Gummistiefel, gekonnt über den See hinaus zu schwingen.  Auch in diesem Stollen A14 liegen interessante Artefakte. An der Wand angelehnt ein Stückt Holmen einer Fahrte.

Gnadensonne A14

Diese Sohle schliesst gefährlich an den 2 grossen Schacht Nummer 18 an. Einzig ein kleiner Weg führt in den weiteren Stollen. Im Schacht 18 hängt noch ein altes Seil eines Vorerkunders. Wir indes nutzen, den mit unserem Seil erschlossenen, Schacht 10 um die letzte Sohle mit dem Gross an Ausrüstung zu erreichen.

Gnadensonne Schacht 10

Dieser Schacht 10 ist als angefangener Strossenbau  durchgängig bis Erbstollen A11. In dieser Zone ist ein scheuer, aber gezielter Abbau erkennbar ehe das Bergwerk die Tore definitiv schloss. Schacht 10 wie Schacht 18 bildeten zusammen mit der Grundstrecke A11 die Vorrichtstrecke.

Nachdem nun die schwere Ausrüstung, dank der Schwerkraft, die unterste Sohle erreichte, sammelten wir Seile ein und genossen unser Mittagslunch ehe wir die Erbstollenanlage genauer untersuchten.

Gnadensonne Mundloch N11

Der Eingang ist gegenwärtig wunderschön herbstlich beblumt

Gnadensonne Mundloch N11

und links des Mundlochs schmückt, in hübscher Kaligrafie, die Stollenwerkbezeichnung N11.

Gnadensonne N11

Querschlag N11 gewinnt bald an stattlicher Profilhöhe bis zu 3 Meter. Der Stollen war als zweiteilig konzipiert,  in den unteren 50 cm sollte die Wasserhaltung funktionieren im oberen Teil war einst ein Bretterboden  mit Mitteldornschienensystem eingepasst. Heute sind nur noch die Eintiefungen der Kalthölzer in der Stollenwand ersichtlich.

Gnadensonne Schacht 10

Baldig kreuzen wir unser Abseilschacht Nummer 10, inzwischen jedoch dieser ohne Seil, im Bild Blick nach oben.

An Schacht 10 stösst Querschlag N11 auf die Grundstrecke A11. Der Südöstliche Stollenfortsatz A11 ist in kurzer Höhe von 2 Meter geschlagen und mit wenig Erzreichtum belohnt. Die Nordwestliche A11 Strecke indes gewinnt Zusehens an Profilhöhe bis etwa 3.5m.

Gnadensonne A11

Auch diese Strecke ist grösstenteils als Wasserhaltungsstrecke gebaut Wasser gibt’s somit genügend und unsere Gummistiefel erfreuen sich eines ausgedehnten Einsatzes. Im ca Meterabstand sind auch in diesem Werk die Kantholzvertiefungen noch gut erhalten.  Auch in dieser Zone war einst ein Holzboden mit Schienensystem, oberhalb 50 cm Stollenboden, eingepasst.  Neu jedoch, ab Schacht 10, solle, so glaube ich,  dieser Streckenabschnitt  als Förderstrecke für den oberhalb angesetzten Firstenbau dienen. Bevor jedoch der eigentliche Abbau begann schloss die Bergwerksgesellschaft.

Gnadensonne A11 Nische Heilige Barbara

Nicht unweit des Schachtes 10 glaube ich die Nische der heiligen Barbara gefunden zu haben.

Gnadensonne A11

Bei Kreuzung Schacht 18 wird die Stollenwand allmählich rostiger. Von Schacht 18 ist einiges interessantem Material herunter gedonnert. Insbesondere die Holzreste lassen interessantes erkennen.

Gnadensonne A11

Ein Balken mit noch zwei eingeschlagenen Fahrtenklammern liegt am Schachtrand. Das dieses Teil einst, im oberen Bergwerksteil A15, eine Leiter festklammerte, liegt auf der Hand. Indes kennen wir bis heute diese wahrscheinlich ältere Grube „Im Hauri“ gar nicht. Das Mundloch 4  zur Grube A15 ist verschüttet. Die einzige Möglichkeit der Erkundung besteht über Schacht 18 in Vertikaltechnik ein Projekt dessen wir uns gerne mit gebührender Vorbereitung annehmen werden.

Gnadensonne A11

A11 wird zunehmend Fotogen. Eine kleine Wassersammelabteufung Nummer 28 muss überturnt werden ehe der Weiterverlauf fahrbar wird. Nun beginnen einige verzweifelte Suchstollen die jedoch keinerlei Erzreichtum von sich gaben. Der Stollen mindert dessen Profilhöhe erneut.

Gnadensonne A11

Im Bild auf A11 die Sicht vom Absatz aus in Richtung Tag.

Gnadensonne Installationsfläche

Und allerletzt ein Blick auf die Installationsfläche vor dem Erbstollen Gnadensonne. Links am Felsen das Mundloch.

Die Vorbeiträge zu Gnadensonne zu finden auf:
Die Erstgeschiche Das Innenleben der Postkartenschweiz
Die Fortsetzung Gnadensonne
Eine weitere Geschichte Blei und Silbermine Gnadensonne
Die Zweitletzte Gnadensonne, ich wills genau wissen
und die Letzte Auf, ab, hinten, vorne Trallala

Murtel da Fier tiefere Einsichten

am 10. September 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es war mal wieder schönes Wetter, vier Freunde in bester Zeitlaune und noch immer unerkundete Unterwelten also gegebener Anlass um mit Bohrmaschine und reichlich Montagematerial eine kleine Wanderung zu unternehmen.

Wie oft auch diesmal unser Ziel eine Bergbau-Industrieanlage aus vergangenen Tagen.  Genannte diese sitz am Fusse des Murtel da Fiers was soviel bedeuten wie, Berg des Eisens. Somit diente unser Relikt den Eisenerzabbau in Jahren, mit Unterbrüchen, um 1500 bis 1840.

Murtel da Fier

Auf 2500 Meter über Meer sind 4, mehr oder minder,  tiefe Schlitze in den Berghang getrieben worden.  Um die Abbauschlitze herum finden sich noch heute interessante Installationen rund um den damaligen Bergbau. Abgesehen von der prächtigen Landschaft, die mich immer wieder zu verzaubern vermag, ist diese Bergwerksanlage noch vollbespikt mit unentdeckten Geheimnissen also meine Wohlfühloase schlechthin.

Murtel da Fier

In schier unberührter Natur sind einige Interessante Details auf dem Areal erhalten die Aufschlüsse übers damalige Bergmannsleben geben können. Im Bild den mittleren Tagbaueinschnitt.

Murtel da Fier

Die Ruinen des damaligen  Knappenhauses, in mittig der Bergwerksanlage, sind noch gut erkennbar. Das Gebäude weisst einige äusserst interessante Merkmale auf. In der Gebäudemitte ist ein mächtiger Riegel aufgetürmt, die Wände sind stellenweise bis zu einem Meter stark. Für mich ein mögliches Indiz eines Zweistöckigen Baus. In der Räumlichkeit,  rechts im Bild, war wahrscheinlich eine Schmiede mit metallurgischer Versuchsanlage installiert,  es liegen noch etliche Schlackenreste herum. Auf dem Mauerabsatz, respektive im Mauerabsatz, ganz rechts fanden wir diverse Holzkohlestückchen. Holz indes ist gänzlich leergefegt. In geografischer Nähe stehen heute noch diverse Bauten, reichend von Alpwirtschaft bis hin zu ehemaliger Armee-Fliegerbeobachtungsunterständen. Wahrscheinlich ist das erreichbare Holz in den umliegenden Gebäuden verbaut worden.

Murtel da Fier

Am obersten Abbau steht ein sauber zusammengestellter Erzhaufen, Siderit, zum Abtransport breit, rechts im Bild.  Es scheint so als ob dieser Haufen, damals um 1840, der Schlittensäumer, schlicht vergessen hätte. Er steht noch heute und wartet auf deren Röstung.

Auch im Bild, klar zu erkennen, in den Tagebauschlitzen, an unterster Stelle, sind Stollen getrieben worden. Diese Stollen fuhren in tieferen Lagen die fast senkrecht stehende Siderit-Ader an.

Murtel da Fier

3 Stollen unter 3 Tagbaustellen sind mir bekannt leider jedoch sind alle 3 Stollenwerke verstürzt oder abgesoffen. Eines dieser Untertagewerke jedoch, genannt das höchstgelegene, kann heute, mit etwas Mut und Akrobatik, befahren werden.

Murtel da Fier

Im obersten Abbauschlitz ist an kleiner Stelle die untere Stollendecke eingebrochen was, zwischen den Felsböcken, ein Eindringen ermöglicht. Nur ist dieser Einstieg weit oberhalb, ca 10 m, des verschütteten Mundlochs also ist die Stollenregion erstmals gänzlich unbekannt und kein beherrschbarer Stollen im eigentlichen Sinn.  Ergo musste viel Sicherungsmaterial verbaut werden um sicher Einblicke ins damalig Untertägige zu erhaschen.

Murtel da Fier

Der Weg führt den Bergbauforscher, die Bergbauforscherin, erstmals über einen tiefen Schacht.  Der Schacht war einst mit Brettersteg überbrückt. Noch heute steht dieser Brettersteg und er hielt unserem Gewichte stand, trotzdem baute ich eine Traverse um möglichst keine Holzbauteile zu belasten. Oberhalb des Schachtes wird klar das die gesamte Strecke auf, mit Schutt überfüllten, Holzstempeln verläuft.  Nach dem Schacht folgt sogleich das nächste Hindernis, diesmal ein Bodeneinbruch. Der Boden liegt an dieser Einbruch-Stelle rund 3 Meter tiefer. Auch dieses Hindernis erfordert maximale Aufmerksamkeit denn allmählich wird klar,  wir bewegen uns im First eines klassischen Firstenbaus. Unsere Befahrung steht auf, mit Tonnen beschwerten, Holzbühnen aus Jahren 1840. Der Stollenboden wird zunehmend weich, das Abraummaterial ist sehr feinkörnig, gar sandig dies kombiniert mit viel herunter tropfendem Wasser ist kein gutes Omen. Die Belastung der Holzbühnen erreicht äusserst gefährliche Grenzwerte.  Der Sand ist auch ein Indiz für äusserst mürbes Wand-Gestein was wiederum meinen Schlagangern wahrscheinlich die Zugfestigkeit auf runde 300 Kilo reduziert.

Kurzum eine nicht wirklich Wellnesstaugliche Befahrung  und doch obsiegte die Neugierde.

Murtel da Fier

Nach erfolgreicher Querung der gefährlichen Hindernisse wird die Befahrung keineswegs ungefährlicher nur ist dies, dank des optisch schönen Bodens, uns nimmer so bewusst. Der Stollen indes belohnt uns mit vielerlei noch intakten Holzobjekten wie etwa ein sauber gearbeiteter Erztrog.

Murtel da Fier

Stempel sind einige sauber eingepasst, alle samt von guter Tragkraft.

Murtel da Fier

Gegen Ende unserer Befahrung, geschätzte 45 Meter ab Einstieg, sinkt Boden wie Decke allmählich ins klare Wasser ab. Über den weiterverlauf des Stollens gibt’s keinerlei Zweifel, wahrscheinlich wird dieser wieder auf die unbekannte Fahrstrecke  treffen das Wasser indes besagt, a) das der Fahrstollen dicht verstürzt ist b) dass dies kalte Nass rund 8 Meter Höhe abdeckt. Suboptimale Aussichten um den Fahrstollen, vom Hauptmundloch aus, Aufzuwältigen.

Wieder auftag  blieb noch Zeit um das umliegende Gelände genauer zu erforschen, bei meiner ersten Tour, im September 2015, lang noch haufenweise Schnee auf dem Bergwerksgelände, interessante Details blieben mir somit damals noch verborgen. Diesmal jedoch waren mir die Wettergötter eindeutig  freundlicher gesonnen und Neues trat zu Tage.

Murtel da Fier

Von allen 3 Stollenbauten führten  Wasserkanäle weg am untersten Stolleneingang  jedoch ist dieser Kanal mit Mauer eingefasst.  Auch sonstig konnten wir diverse Erzwege auskundschaften.

Die Gesamtübersicht des Areals

Murtel da Fier

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Das Revier erstreckt sich von Ost nach West auf rund 100 Höhenmetern am Fusse des Murtel da Fiers. Die Bergwerksanlage gehörte, zusammen mit den Minas da Fier auf Val Tischer Seite, zu den Eisenwerken Bellaluna. Die Werke, Abbauten, leitete, in letzten Bergbauperiode, bis ca. 1840, Albertini.

Und der Einblick in den Stollen

Murtel da Fier

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Kein Zweifel, die von uns befahrene Grube ist ein klassischer Firstenbau mit Fahrstollen und Erschliessungsschächten. Wir haben bei unserer Erkundung den eigentlichen Firstabbau befahren. Der Fahrstollen, soviel ist klar, führt a) momentan recht viel Wasser b) ist dieser an minimum 2 Stellen eindeutig verstürzt. Der Schacht ist sehr gefährlich zumal 1. keine eindeutige Auszimmerung erkennbar war 2. das westseitig anliegende Abraummaterial sandig und reichlich Wassergetränkt, eine labile Masse darstellt. Kurzum, eine Unterwelt für Geduldige wenn doch die Landschaft allweil bereits den Ausflug legitimiert.

Die Vorgeschichte Murtel da Fier
Murtel da Fier

Eisenwerke Belaluna, Val Tisch und co
Val Tisch und die verschollenen Unterwelten
Val Tisch im 2017
Fopa da Chianols, noch mehr Geschichten
Wer war Anton ?
Eisenbergwerk Val Tisch so is es
Internationale Val Tischer Bergwerke
Eisenbergwerk Val Tisch, Neues
Minas da Fier Val Tisch
Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch
Bergbausachverständige am graben

Silberberg

am 27. August 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

An schönem Tage letzten Samstag war ich geladen zu tiefen Einblicken in den Silberberg. So gilt ein grosses Dankeschön den Bündner Bergbaufreuden die mich zu solch Ausflug einluden.

In diesem Sinne dürfte ich diesmal, mit einer Handvoll Bergbaubegeisterter, mich durch die Tiefen damaliger Blei und Zink-Abbauten führen lassen. So wird diese Geschichte eher der Bilder willen mein Blog schmücken, die Aufarbeitung der Geschichte selbst überlasse ich definitiv dem Bergbauverein Silberberg Davos, die dies eindeutig besser können.

Silberberg

Die heilige Barbara wachte, im Dalvazzerstollen über uns. Da wir eher die tieferen Regionen  ansteuerten, das System jedoch vertikal so ziemlich zusammenhängend ist, schützte uns erfolgreich auch auf unteren Ebenen die Schutzpatronin aller Bergleut.

Silberberg

Im Tiefenstollen musste erstmals die Einbruchstelle unter der Halde gequert werden ehe der Hauptabbau sich zeigte.

Silberberg

Der Abbausschlitz indes erwies sich als gefährliche Traverse die unser Weiterkommen auf besagter Strecke endgültig unterbrach. Die ausgeräumte Erzspalte bringts in der Vertikale rund 170 Meter und abwärts ab Tiefenstollensind doch immerhin noch 70 Meter bis zum nicht so klarem Stollenboden.

Silberberg

Also galts den Rückzug anzutreten  um übers Tällibachtobel den tiefsten aller Stollen zu befahren, genannter, oft gelesener und bis anhin nie gesehener, Andreasstollen.

Silberberg

Der Andreasstollen, einst als Erbstollen angelegt, verfügt über ein gut erhaltenes Mitteldorn-Holzschienensystem. Wo dieses Vorhanden kann, oberhalb des Wasserlaufs trockenen Fusses und Bequem, die Strecke abgewandert werden.

Silberberg

Wo indes sowohl Schienen wie auch Bretter fehlen ist vorsichtiges Hürdenlaufwaten  angesagt.

Andreasstollen Silberberg

Am Eintritt ins wuchtige Schachtgebilde dominieren robuste Holzkonstruktionen  die jedoch etwas ramponiert scheinen.

Andreasstollen Silberberg

Die Holzbauten stützen ein riesiges Wasserrad welches einst eine Kolbenhubwasserpumpe trieb. Eindeutig führt unter dem Wasserrand noch eine tiefere Sohle die mittels der Konstruktion des Bergwassers entledigt wurde.

Andreasstollen Silberberg

Aktuell jedoch schmettert das Wasser, in Form eines Monsunregens,   ungebündelt den Schacht hinunter, im Bild, der Blick nach oben dem Wasserursprung  folgend. Der Regenschutz war ohne Zweifel von unschätzbarem Werte.

Andreasstollen Silberberg

An der grossen Wasserradachse noch heute intakt die Kurbelwelle welche eine Kolbenhubpumpe in Stimmung hielt.

Andreasstollen Silberberg

Hinter der Wasserrad-Pumpstation öffnete sich eine zweite Halle mit jeder Menge interessanter Artefakte aus Bergbauzeitalter um 1820. Wir laufen auf robustem Holzboden unter uns die Wassergefüllte Abteufung. Rechts im Bild die beiden Stützen einer Haspelwinde dazugehörend im Boden die Öffnung durch die, im tiefblauem  Nass, eine tiefere, abgesoffene Sohle erkennbar wird.

Zwischen den Brettern liegen etliche noch gut erhaltene Teuchel herum und auch der Haspel der Aufzugsanlage liegt nicht weit der beiden Stützen.

Silberberg

Und wieder Tagwärt, den Aufstieg jener beschwerlichen 110 Metern bezwingend, noch kurz ein Bild des ehemaligen Pochhauses auf Niveau Dalvazer also + 110 Meter ab Andreasstollen.

Wer übers Bergwerk mehr Erfahren möchte dem sei die umfangreiche Webseite des Bergbauverein Silberberg Davos nahegelegt.

Gotschens Part II

am 23. August 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die Fortsetzungsgeschichte zu damalig Römische Eisen und sonstige verwässerte Abenteuer diesmal wieder eine Bildintensive Geschichte.

Es ist lange die Neugierde vielerlei Forscherherzen geweckt, genannt wird in Archäologenkreisen die Bergwerksentstehung unter keltischer Kultur. Damals, 1000 Jahren vor Christus, sollen die Kelten, das begehrte Kupfer in zahlreichen Gruben nördlich und südlich der Julia abgebaut haben. Diverse Verhüttungsplätze sind bis in heutiger Zeit entdeckt.  So richtig Einblick ins Untertägige Keltenleben hat indessen niemand so richtig erhaschen können.

Gotschens Grube 4

Das noch immer abgesoffene obere Bergwerk auf Gotschens anerbot sich für mich wie auch für die akademisierte Wissenschaft zur möglichen Einsichtnahme ins Keltische Bergbauleben.

Leider jedoch obliegt dem Wasser ein kleiner Hacken, es gedenkt nicht freiwillig das Gesenk zu Räumen und dies, wie ich geneigt bin zu behaupten, seit vielen 100 Jahren. Um das Wasser aus dem möglichen Keltenbau herauszubringen war grobes Gerät von Nöten und dies auf unwegsamem Grund bei 2300 Höhenmetern. Nun denn die Neugierde der Archäologen und meine Vergangenheit als Strommacherin bildeten eine konstruktive Synergie die letztlich allen spannende Einblicke gewährte.

Meine Aufgabe bestand darin dies Bergwerksgesenk des Wassers zu befreien, eine komplexe Aufgabe da es galt auf 2300 müm, eine 50 Meter Transportstrecke und eine maximale Höhendifferenz von 30 Meter zu überwinden.

Die forschenden Archäologen wiederum organisierten eine Fluggerät inklusive Helfer die mein Maschinenparkt an Ort und Stelle platzierten.  Gekommen ist ein Superpuma vom feinsten und so beschloss ich bei meiner Maschinen-Wahl Gewichtskriterien eher sekundär zu behandeln.

Zurück zur Pumpaktion,

Die Maschinen mussten auf 2300 müm händelbar sein was eher kleinere Geräte verlangte gleichzeitig musste die Pumpe abgasfrei, also minimal zwei Einheiten, ein Stromerzeuger und eine Tauchpumpe.  Nächster Knackpunkt war die Leistung und der Wirkungsgrad. 30 Höhenmeter schaffen nur sehr schwere Pumpen bei massiver Stromaufnahme geschweige den Anlaufströme die jedes Aggregat in die Knie zwingen würden. Als Lösung sah ich nur Drehstrom verteilt auf zwei Pumpen die jedoch maximal eine 19 Meter Höhendifferenz frisst. Nötigenfalls hätte ich auf halber Strecke ein Wasserreservoir mit meinen Transportrahmen gebaut um doch noch auf die 30 Meter zu kommen. Niemand wusste die effektive Tiefe des Gesenks, 30 Meter blieb eine Annahme die ich anhand der Haldengrösse konstruierte.

Generator

Als Stromerzeuger begleitete mich ein Lombardini- Aggregat mit 6.5 KVA Dauerleistung ins Gebirge. Die Pumpen waren eine 2.2 KW und eine 1.6 KW mit von der Partie. Der Transportrahmen hätte, sofern notwendig, ein Wasserreservoir werden sollen.

Superpuma

Mit Hilfe des Superpumas war die Gerätschaft, eine mobile Küche, Kleider, Zelte und Allerlei um nötigenfalls auf dem Areal zu hausen, platziert.  Jetzt war meine Hauptarbeit den Zusammenbau einer Anlage zur Wasserabsenkung die funktioniert. Als kleines Zückerchen, unter Berücksichtigung einer optimalen Phasenlast, konnten wir elektrisch Kochen was in dort stürmischen Gefilden sich ziemlich als Vorteil erwies.

Gotschens Grube 1

Anfänglich mit zwei parallel laufenden Pumpen senkte sich der Wasserspiegel schneller als erwartet.

Dieselaggregat 6.5 KVA

Währenddessen das Diesel-Aggregat gemütlich vor sich hin brummte. Zwar verschliess am ersten Tag der Treibstoffrückschlauch doch dank des Einsatzes von Simon konnten wir dies Problem recht schnell wieder fixen und die Maschinchen ratterten wieder.

Gotschens Grube 4

Da unsere Last eher Induktiv dominiert war, gabs genügend Strom für eher kapazitiv wirkende LED-Leuchten. Es leuchtete folglich eine prächtige Stollenbeleuchtung welche uns die Arbeit massiv erleichterte.

Gotschens Grube 4

Das Wasser schien allmählich aus dem Gesenk zu verschwinden.

Kühe auf Gotschens

Gleichzeitig  jedoch liebten die Kühe unsere Wasserrutschbahn mit welcher wir die letzten Meter Wassertransport, mittels Schwerkraft, bewältigen wollten. Glück da allmählich nur noch brauner Schlamm aus der Grube heraus drückte.

Gotschens Grube 4

Im Untergrund öffnet sich die verborgene Kammer etwa in Grösse 5 x 5 Meter. Der Schlamm jedoch hält sich hartnäckig und verstopft die grosse Tauchpumpe immer wieder.

Gotschens Grube 4

Es müssen Pausen geschaltet werden um mit frisch einströmendem Wasser den Schlammboden etwas aufzulockern.

Gotschens Grube 4

Im Gesenkboden, wo eindeutiger Fels die Grenze markiert, liegen einige Holzartefakte aus, ich behaupte, eher neuerer Zeit. So finden wir unter anderem eine Dachlatte mit Nägeln aus 21 Jahrhundert aber auch verschiedene Rundhölzer die nach Maschinenfertigung riechen. Einige kleinere Holzfunde indes könnten für die Archäologen von grossem Werte sein zumal diese durchaus älteren Datums sein könnten.

Gotschens Grube 4

In einer kleinen Stolleneinbuchtung lag ein Erztrog welcher ganz und gar nicht in solch grosse Bergbauhalle hineinpasste. Solch Erztröge waren oft in kleinen engen Stollen, während des Spätmittelalters, im Einsatz. Fest steht, auch in dieser ausgepumpten Halle waren keine Bohrspuren auffindbar. Die Halle ist nach Feuersetzprinzip ausgehoben also vor Erfindung des Schwarzpulvers angelegt. Seitig Mundloch liegt im Gesenk viel Geröll was darauf schliessen lässt dass während den letzten bekannten Bergbauperioden bis 1840 einzig die grosse Halde bearbeitet wurde. Nicht verwertbares Material wurde in den Stollen, respektive ins Gesenk gekippt, Verwertbares wiederum, in letzter Periode hauptsächlich Eisenerz, fand, mittels ausgeklügelten Schlittentrasses, den Weg ins Juliertal.

Gotschens Grube 4

Meine rudimentäre Erinnerungszeichnung, ohne Anspruch auf genaue Messwerte, nennt eine ungefähre vertikale Gesenktiefe von 17 Meter. Ein Grossteil der Grube ist nach wie vor aufgefüllt mit Haldenschutt einzig im letzten Teil war klar unter dem Schlamm Felsboden ausmachbar. Wie gross die Grube tatsächlich einst mal war lässt sich heute nicht eindeutig bestimmen, dazu müsste der Schutt weggeräumt werden was wiederum nur mit Schrappertechnik oder Handarbeit funktionieren würde.

Gotschens Grube 4

Während die Maschinen vor sich hin Pumpten gabs genügend Zeit fürs Gesellige. Und, obschon nur Tee oder Beutelsuppe, unsere mobile Küche war doch von unschätzbarem Werte.

Und zwischendurch blieb auch noch reichlich Zeit das wuchtige Bergwerksareal genauer zu erkunden.

Gotschens

Oberhalb aller Abbaustellen liegt ein prächtiger Bergsee. Eine oft genutzte Gelegenheit zur Entspannung und zu tollen Gesprächen mit Besucherinnen unserer Baustelle. Ob der Bergsee natürlichen Ursprungs ist oder, wie bei vielen Anlagen, künstlich angelegt würde, entzieht sich meiner Kenntnis. In Vorstellung, als Person mit damalig hohem Rang eines Schmieds oder eines Betriebsleiters, hätte ich persönlich gerne auf dieser Fläche gehaust.

Gotschens

Nicht weit fern unterhalb, die erste grössere Tagabbaustelle, im Bild die Westflanke. Ich glaub da war vorwiegend Stemmwerkzeug im Einsatz.

Gotschens

Unsere Halde mit zugehörigem Tagbau und dahintergelegenen, ausgepumpten Stollen.

Gotschens

Und, noch wenige Höhenmeter unterhalb unserer  Pumpbaustelle, nach Luisa „Grube 4“ ein weiterer nennenswerter  Abbau mit Stollenspuren. Ich nenn dies Teil auf meinem Plan „Vermutet Grube 3“ da die Grubenspuren ziemlich ramponiert rüberkommen.

Gotschens

„Grube 2“ ist eindeutiger im Gelände ausmachbar. Der Stollen ist gegenwärtig ca 5 Meter tief wobei dieser klare Versturzanzeichen zeigt. Ergo könnte der Abbau einst untertägig tiefer geführt haben.

Die unterste Grube, nach Luisa „Grube 1“, liegt in zerklüftet steilem Gelände und ist auch mehrheitlich im Tagbau bespielt worden. Der kleine Stollen reicht etwa 6 Meter in den Berg hinein und nen ein klares Bergseeli sein eigen. Indessen dieser See eindeutig kein Fall für die Pumpen, die Stollendimensionen sind auf allen Axen eindeutig erkennbar.

Karte Gotschens

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Der Übersichtlichkeit willen mein Plan des gesamten Bergwerkareals, eben zuunterst Grube 1 und zuoberst Grube 4, die welche heute kaum noch Wasser hält. Das Alter der Gruben ist für mich schwer auszumachen weiter denk ich das einige an dieser Mission Beteiligte dies um Längen besser können.  Meine Beobachtungen indes stehen noch bei keinerlei Bohrlöcher auf dem Areal. Ein Graben wie auch eine Aufschüttung zeigen eindeutig auf Teile einer Erztransportinfrastruktur , mittels Schlitten, wie sie um 1800 weit verbreitet war. Der Erztransportweg könnte in die Epoche 1840 fallen. Die um 1840 weit verbreiteten Bohrlöcher wiederum fehlen gänzlich. Meine Vermutung ist folglich dass der Abbau sich damals aufs Halden sortieren unds Abstemmen beschränkte. Die unteren Stollen, welche hauptsächlich Magnetit aufschlossen, könnten neuer, Mittelalter, sein. Der oberste Stollen ist eindeutig Feuergesetzt und sehr alt, wie alt werden diesmal Andere besser wissen. Die Nähe zum Septimerpass und deren Bedeutung während der römischen Herrschaft lässt wiederum eine Römische Industrieanlage, vielleicht in Zwischenepochen, vermuten.

Vorgeschichte

Römische Eisen und sonstige verwässerte Abenteuer

Links extern zum Thema
Bündner Kupfer
Glück auf, auf Bündner Kupfer

Strom

am 30. Juli 2017 unter Seitwärts parkieren, Steinerne Unterwelten abgelegt

Da sich das Schachtgepumpe allmählich zu etablieren scheint war meinerseits eine kleine Investition von Nöten.

Drehstromgenerator

Drehstrom ist eine durchwegs feine Sache insbesondere bei Betrieb leistungsfähiger Tauchpumpen. Also nenn ich nun solch ein Drehstromteil, mit sparsamem Diesel getrieben, mein Eigen.

Erfahrungswerte gibt’s meinerseits bis anno Dato gar keine, Prämiere wird  sein die wassergefüllten Untertagewerke von Gotschens.

Links
Erstes Schachtgepumpe in Cava sul Rhein
Zweites bevorstehendes Schachtgepumpe in Gotschens

Val Tisch und die verschollenen Unterwelten

am 30. Juli 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Längst nicht alles ist im Bergwerk Minas da Fier im Val Tisch einer Klärung unterworfen. Vielleicht auch, aus meiner Sicht, das Attraktive an solch längst geschlossenen Industrieanlagen. Es bleibt viel Offenes was so manch Forscherherz höher schlagen lässt und so war dies letzte Wochenende wieder ein Puzzlestein ins Val Tischer Geschichtsbuch eingefügt.

Anfänglich sollte der Schacht II, das noch undokumentierte Bauwerk, genauer auf meinen Plan gebannt werden also war wieder eine Vermessung, inklusive Schnitterfassung, notwendig, da die Zeit jedoch grosszügig bemessen war und wir erstaunlich leichtfüssig  die Wanderung auf uns nahmen, blieb genügend Zeit zur Erkundung weiterer Geheimnisse. Auch so mit im Abwärtsgepäck schöne Bilder die hier im Blog Platz finden.

Val Tisch Minas da Fier

Schacht II war unser zu vermessendes Teil. Im Bild eine sich tief weitende Halle mit Holzboden, folglich wird der Seilabstieg, im Seil Sepp, ziemlich bald überhängend. Das gelbe Band im Bild ist unser Messband welches als Schnittorientierung fungierte.

Val Tisch Minas da Fier

Die Holzbodenunterseite, nach rund 175 Jahren, noch in Topform.

Val Tisch Minas da Fier

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Im Plan steht nun der Schacht welchen wir in 3 Sohlen unterteilten.  Bergmännisch wird jetzt einiges Klarer. Der Abbauverlauf folgte einer reichen Hämatitader Nordwest zu Südost.  Die übereinadergelegten Hohlräume passen ins Abbaubild aus Albertini-Zeit um 1840.

Abgesehen von schönen Plänen gabs auch hin und wieder schöne Bilder.

Val Tisch Minas da Fier

Da wir wieder als eher grösseres Grüppchen unterwegs waren gabs immer wieder viel Geleucht im wirren Stollengetümmel.

Ein weiteres Geheimnis ist noch tief in Erde vergraben. Die Rede ist vom Verbleib des Stollens III der seit mindestens 1927 niemand mehr zu Augen bekam. Für die Existenz des III-ers sprechen insbesondere die Aufzeichnungen von Jacob Ulrich von Albertini  des 22. Septembers 1835. Es sind in diesem Schriftstück die Stollen beschrieben so auch der Stollen III doch nach Aufgabe des Bergwerks verschwand diese Haue im Berggeschiebe. Einige Wissenschaftler mutmassten über den Standort des ehemaliges Zugangsmundloch so auch Max Müller vom Büro Fisch 1942. Genannter Max Müller vermass mit einem Theodoliten die Mundlochpositionen, respektive die angenommenen ehemaligen Positionen der Stolleneingänge. Da wir im Besitze sind dieser Aufzeichnungen und wir 3 Stollen sehr detailiert kennen wars einzig Fleissarbeit die Werte auf eine Karte respektive auf ein Satellitenbild zu übertragen mit doch positiv verblüffendem Resultat.

Val Tisch Minas da Fier

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Die Positionen scheinen wo bekannt, recht genau zu stimmen alle weiteren Positionen wirken plausibel.

Von oben nach unten,

  • Stollen II angeben (Wahrscheinlich aus Albertinis Beschreibung)
  • Stollen II vermutet (unterirdisch liegt an dieser Position unsere hohe Steinmauer)
  • Stollen I (bekannt)
  • Stollen V (bekannt)
  • Stollen IV (bekannt)
  • Stollen III (verschollen)

Zu Stollen III nennt Max Müller einen angepeilten Felsblock in der Runse.

Val Tisch Minas da Fier

Tatsächlich ist diese Position in Natura äusserst interessant. Im Gelände ist eine leichte Mulde erkennbar. Eine Wegspur endet ziemlich genau an dieser Mulde und unterhalb der Mulde finden wir die Reste einer Trockenmauer. Oberhalb der Stollen III-Vermutung sitzt der mächtige Tagebau mit allen tiefen Bergfurchen. Das hier der Stollen III begraben liegt macht Bergbautechnisch durchaus Sinn doch ein Aufsuchen dieses Werkes wird richtig Aufwendig. Die mögliche Mundlochpositionsfläche liegt bei 10 m x 20 m, bei Berücksichtigung einer 45 Grad Steigung sind folglich 100 m3 zu bewegen. Sofern dies Stollenwerk, unter der Erdlawine, noch intakt ist, könnte eine Wiederaufwältigung möglich sein. Leider jedoch vermute ich auch im Bauwerk selbst tiefe Einbrüche. Der Tagebau ist sehr zerklüftet, das Gestein grösstenteils mürbe und brüchig. 30 Meter unter der Tagebaustelle wird’s kaum besser aussehen.

Vorbeiträge zu Bergbau in Bergüner Gemeindeboden:
Val Tisch im 2017
Fopa da Chianols, noch mehr Geschichten
Wer war Anton ?
Eisenbergwerk Val Tisch so is es
Internationale Val Tischer Bergwerke
Eisenbergwerk Val Tisch, Neues
Minas da Fier Val Tisch
Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch
Bergbausachverständige am graben

Eiserne Einblicke

am 16. Juli 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es waren mir wieder richtig entspannende Einblicke damalig Schwerindustrieller Eisenabauten gewährt.  Unterschiedlich zu zahlreichen Forschungsprojekten, Val Tisch, Gotschens, Sierra Alhamilla, könnte ich diesmal auf das spannende Wissen unserer 3 Führer an einer 2 Tägigen Gonzenbefahrung zugreifen. Namentlich war ich mit illustrer Bündnerbergbaufreude-Runde und Sonstige an einer 2 Tägigen Gonzentour. So wie mir erzählt wurde, eine Tour mit besonderer Herausforderung in Vertikal und Horizontalbefahrung, eine Herausforderung die ich, zweifelsohne gerne annahm.

Any, entstanden sind allererst, da ich nix Forschen musste, jede Menge tolle Bilder die ich, in kleiner Auswahl, hier zum Besten geben werde.

Der Übersichtlichkeit, soweit ichs verstanden habe, das Eisenbergwerk Gonzen erstreckt sich von der Westseite des Gonzenmassivs,  1350 müm, wo in früheren Jahren die Erze in der Felsflanke ausbissen, bis fast unter Trübbach, knappe 330 müm. Leider sind die letzten Meter, ca 150 derer, gnadenlos im Rheinwasser versoffen. Folglich bewegte sich der damalig aktive Abbau auf der Schiefebene. Zahlreiche Bremsberge führten, während der Betriebszeit bis 1966, Eisenerze Aufwärts oder Abwärts zur jeweiligen Verladeeinrichtung. Unsere Führung startete bei Kote 484 und erreichte den höchsten Punkt auf Kote 1200.

Gonzenbergwerk

Im tiefst gelegenen Fahrstollen auf, eben, knappe 490 müm steht noch, nahe des Verladebahnhofs, der letzte noch verbleibende wuchtige Kompressor.  Letztes Relikt 1960er Maschinenbau.

Gonzenbergwerk

Nicht weit fern der erste, baldig im Wasser verschwindende, Bremsberg welcher Erze von tiefer gelegenen Zonen in die Verladesilos schleppte. Im Bild der Erzwagen kurz vor den Erzsilos.

Gonzenbergwerk

Der recht gute Zustand der Förderanlage überrascht wenn gleich, bei genauer Betrachtung, sowohl Motor wie Kupferhaltige Kabel längst geklaut wurden.

Gonzenbergwerk

Bremsberge, Gesenke, sind lange wichtige Hilfsmittel zur Überwindung der 800 Höhenmeter. Einigen Gesenken sind noch umfangreiche Installationen geblieben.

Gonzenbergwerk

Immer wieder scheiden Ladebrücken die Gesenke. An diesen Ladebrücken münden lange Fahrstollen welche wiederum in die Abbauten reichten.

Gonzenbergwerk

In machen Fördergesenken indes wüteten kaum vorstellbare Wassermassen die in früheren Tagen Schutt und Installationen in die Tiefe rissen. Rechter Hand noch der halbwegs verbleibende Treppenkasten im Stollengesenk.

Gonzenbergwerk

Zeitweilig sind parallel zu den Fördergesenken,  Schrägstollen im eingebauten Fahrten getrieben worden. Der Aufstieg über diese Fahrten erwies sich indes  durchwegs als Kräfteraubend. Gegenteilig zur optischen Ansicht zeigten sich die noch vorhandenen Treppenkästen kaum eines Bergknappen tragfähig. Wir mussten uns zur Höhenüberwindung mühsam am Eisenrohr-Geländer hochziehen.

Gonzenbergwerk

Der Abbau, im Pfeilerbau bespielt, besitzt meist eine Mächtigkeit von 2 Meter plus. Rund alle 10 Meter Höhendifferenz wurden, mit Rollmaterial ausgestattete, Förderstrecken eingeschlagen.

Gonzenbergwerk

In den zentralen Förderstecken sind noch heute Gleise eingebaut. Im Bild die Gleisstrecke durchs Abbaufeld Ebene Naus, 1000 müm.

Gonzenbergwerk

Auf Nausebene, ebenso fotogen, der Verladebahnhof mit den zwei Silos, Eisenerz und Kalk.

Gonzenbergwerk

Und, die Rollenschnauzen der Siloanlage Naus nochmals im Detail.

Gonzenbergwerk

Doch nicht aller Abbau bewegt sich im Gonzen auf bequemer 30 Grad Schiefe. Die Gebirgsfaltung des Gonzenmassivs warf wilde Kurven in die Erzschicht. An machen Stellen stehen die Eisen-Manganerze fast senkrecht an.  Unser Weg führte uns über steile Fahrten in die Abbauten.

Gonzenbergwerk

Am Erzsteillager sind dementsprechend die Silos senkrecht angesetzt. Im Bild die Strecke Wolfsloch mit Rollenschnauze-Batterie.

Gonzenbergwerk

Plan gross machen, Plan anklicken

Das Gonzenbergwerk erstreckt sich über eine Fläche von rund 3 x 2 Kilometern nördlich von Sargans. Auf meinem Plan sind die 3 Hauptstrecken, Vild, Wolfsloch und Naus, visualisiert. Hinzu kommen die älteren Stollen, vor 1900, Grube 1 und Grube 2. Der Abbau Eisen und Manganerzen fand  vorwiegend auf der blauen Fläche statt.

Gonzenbergwerk

Plan gross machen, Plan anklicken (Quelle: BEITRÄGE ZUR GEOLOGIE DER SCHWEIZ / Die Eisen- und Manganerze des Gonzen W. Epprecht)

Herr Epprecht publizierte in „BEITRÄGE ZUR GEOLOGIE DER SCHWEIZ“ genannte Ausgabe „Die Eisen- und Manganerze des Gonzen“ 1946 ein gut verständliches Stereogram des Gonzenwerks. Der Betrachter muss einzig virtuell die Zeichnung auf Gegenseite spiegeln um den Erzverlauf mit der Kartenrichtung in Einklang zu fügen. Deutlich erkennbar der leicht steigende Erzgang in Richtung des Gonzengipfels. Zeitweilig ist der Erzgang von Verwerfungen zerschnitten und höhenversetzt wieder gegeben. In Gipfelrichtung steigen die Erze bis fast ins Senkrechte. Die feinen Linien im Erzabbau symbolisieren die zahlreichen Galerien des Bergwerks. Das Stereogram ist eine Bestandsaufnahme bis 1946 womit die maximalabbautiefe unter Strecke Wolfsloch bei 600 müm endet. Das Bergwerk jedoch war noch bis 1966 aktiv womit noch weit bis 330 müm gefördert wurde. Auch die heute zu Museumszwecke genutzte Strecke Vild ist nach 1946 getrieben wurden.

Kurzum, ein toller Einblick und die Zweitagesexkursion durchwegs zu empfehlen.

Die Links bei mir
Kleines Bild der Verarbeitungsanlage in Sagans auf Dinner mit Amporn

Externes

Gonzen-Webseite www.bergwerk-gonzen.ch

Forschungsreise Almeria

am 02. Juli 2017 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Naja, weils so schön war, mal wieder was an Gruppenbildern zu Almeria hier postend.

Descuido

Viele Wege führen nach Descuido, die einten obendurch die anderen untendurch.

Descuido

Hauptsache abends ganz schön rostigrot.

Hund am Decuido-Tunnel

Und des Abschlusses, der Held damaliger Descuido-Reise.

Die Bilder sind aus Andreas Schatzmanns Fundus. In diesem Sinne es liebs Dankeschön an den Spender und Fotografen.

Der DistoX2 das unbekannte Helferchen

am 02. Juli 2017 unter Kartografie, Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist ein feines Kerlchen der gepimpte Disto X310 welcher, nach Austausch der Hauptplatine, zum DistoX2 mutiert, doch irgendwie entgleiten mir die einten oder anderen Eigenarten dieses Vermessungstools. Insbesondere die Kalibrierung  macht mir wie auch einiger meiner Freunde richtig Mühe darum hier eine kleine Anleitung für all jene die auch so wie ich am räumlichen Verständnis scheitern.

Mal in Kürze repetitiv,

der DistoX2 ist entwickelt worden um unterirdische Hohlräume zu vermessen. Die Hauptplatine wie auch die nötige Firmware stammt aus Beat Heebs Küche und sollte zur Erfassung von Höhlen dienen. Klar auch Bergbauforscher und Forscherinnen greifen gerne auf dies nützliche Gerät zurück. In Kombination mit einem Tablett und dem App „Topodroid“ kann während der Vermessung das Untertagewerk auch gleich rudimentär gezeichnet werden.

DistoX2

Kurzum, der DistoX2 verfügt über Kompass und Neigungsmesser. Die Messwerte kann er mittels Bluetooth an ein Tablett übermitteln. Auf dem Brett wiederum kann, eben mit entsprechendem Programm, die Unterwelt zeichnerisch umgesetzt werden. All diese verbauten Sensoren benötigen jedoch eine periodische Kalibrierung zur fehlerfreien Funktion und diesem Prozedere will ich mich, für mich und andere, diesem Texte widmen.

Der DistoX2 misst die Länge und die Richtung des Laserstrahl unabhängig davon wie der Disto gehalten wird. Um Neigung wie Azimut genau bestimmen zu können müssen die Sensorwerte durch Multiplikatoren. Diese Faktoren sind im DistoX2 gespeichert und müssen, wie bereits erwähnt, mittels Kalibrierung spätestens alle Jahre erneuert werden.

Zur Kalibrierung müssen 56 Messungen im Würfel durchgeführt werden.

Der Kalibrierwürfel

Die 56 Messungen setzen sich zusammen wie folgt:

Im Würfel sind 7 Strecken zu erfassen. 2 Horizontale,  der Kantenlänge entsprechende, eine Vertikale, der vertikalen Würfelkante entsprechend, und 4 Messungen vom Würfeleck aufs diagonal gegenüberliegende Würfeleck.

Alle Messungen werden Vorwärts und Rückwärts erfasst womit aus 7 Messstrecken 14 werden. Jede Messstrecke wird 4 mal gemessen will heissen bei jeder einzelnen Messung muss der DistoX2 um 90 Grad abgedreht werden, also Display oben, Display seitlich, Display unten, Display gegenüberliegende Seite.  Total sind wir somit bei 56 Messungen aus denen mittels Kalibrierprogramm, in meinem Fall der „Topodroid“ die Kalibrierungs-Koeffizienten entstehen. Diese Koeffizienten werden am Schluss des Kalibrierungsrituals per Bluetooth an den DistoX2 übermittelt.

Der Würfel kann in einer Höhle oder, in meinem Fall bevorzugt, im Wald wieder gefunden werden. Wichtig hierbei, alle magnetischen Störeinflüsse müssen möglichst eliminiert werden. Also, weit weg von Siedlungen, Hochspannungsleitungen, Sendeantennen, Bahnlinien usw. Auch sollten alle magnetischen Teile bei der Kalibrierung abgelegt und in reichlicher Distanz zum Disto deponiert werden, Handy, Uhr, Gürtelschnalle und sonstig Metallisches.  Ich war, im meinem Falle, am Hönggerberg weit des Sendemasten und auch so möglichst fern der Siedlungen.

Der Kalibrierwürfel

Im Wald braucht’s 4 Bäume um den Kalibrierwürfel aufzubauen. Einer der Bäume sollte ein gut erreichbarer Ast, zum Aufbau der Vertikalstrecke, haben, ca 1.80 Meter hoch gelegen. Die Streckenlängen sind im Kalibrierwürfel sekundär.

Der Kalibrierwürfel

Im nächsten Schritt markierte ich meine Punkte mittels Malerklebband. Auf das Klebband muss ein gut sichtbarer Punkt, wasserfester Filz, gemalt werden. Auf diesen Punkt muss ich letztlich mein Laser möglichst präzise richten und die Messung starten.

DistoX2 und Topodroid

Nach Verzierung der 4 Bäume wird der DistoX2 eingeschaltet und der Topodroid aufgerufen. Im Modus „Disto verwalten“ wird nun der zu kalibrierende Disto selektiert. Meiner heisst „X310 3010 Luisa“. Nun wird auf das Symbol zweier Schwanzbeissender  Pfeile geklickt worauf am Disto die Anzeige CAL 000 erscheint. Anschliessend das Zahnrad anklicken um eine neue Kalibrierdatei vorzubereiten. Nach erfolgter Dateispeicherung Ordnersymbol anklicken und der Topodroid ist bereit zur Datenverarbeitung.

Nun können die Kalibriermessungen gestartet werden.

Am besten beginnt man mit den einfachsten Messungen, genannte Horizontale, auf meinem Plan die Grünen, anschliessend die Vertikalstrecke, die Blaue, und am Schluss, als Zückerchen, die Eck zu Eck Messungen, auf meiner Zeichnung die roten Linien.

Es ist sinnvoll wenn die genaue Reihenfolge an jeder Messstation befolgt wird, DistoX2 um 90 Grad abdrehen, also Display oben, Display seitlich, Display unten, Display anschliessend die gleiche Strecke in Umkehrrichtung. So kann auch Mensch mit eher minderem räumlichen Verständnis bis zum Schluss die Übersicht behalten des weiteren erscheinen die Messungen beim Herunterladen bereits in korrekter Reihenfolge. Jede Messung wird auf dem Distodisplay anzeigt, CAL 001 bei Abschluss der ersten Messung und, logisch, CAL 056 bei erfolgter letzter Messung. Die kleine Zahl oberhalb rechts im Display zeigt die noch nicht heruntergeladenen Kalibriermessungen. Am Ende des Messrituals, vor Upload, sollte  folglich eine 56 stehen.

Nach Abschluss der 56 Messungen müssen diese auf Topodroid geladen werden. Dazu der uns best vertraute Herunterladepfeil betätigen.

DistoX2 und Topodroid

Wenns richtig funzt landen 56, in weiss dargestellte, Messungen im Topodroiddisplay. Als nächstes sind die Zahlen, mittels „123…“ Symbol, richtig zu gruppieren. Und auch da, wenns hinhaut entstehen 4er Gruppen alternierend Hellblau/Gelb so wie auf meinem Foto.

DistoX2 Kalibrierung

Und jetzt, einmal Zaubern bitte.

Wieder das bekannte Zahnrädli und los geht’s. Auf dem Tablett-Display erscheint, nach einiger Rechenzeit, ein übergelagertes Fenster mit den begehrten Kalibrierungskoeffizenten. Nun zur Feier des Tages auf den Hochladen Botton drücken und im Disto beginnt die Bluetooth-Anzeige zu blinken.

Nach Abschluss der Aktion erscheint kurzzeitig eine Meldung die besagt dass die Übertragung erfolgreich war. Nun kann die Programmseite, mittels Backtaste, wieder verlassen werden und der Disto, im Distoauswahlmenu, wieder, mit den Schwanzbeisserpfeilen, auf Normalbetrieb gesetzt werden.

Die Kalibrierung  kann im Topodroid gespeichert wie auch exportiert werden. Die Exportdatei liegt im Verzeichnispfad „\TopoDroid\ccsv“

Kalibrierdatei DistoX2

Ins Exel importiert sind die 56 Messungen mit den Rohsensorwerten erkennbar. Auch erkennt der Leihe die erfolgreiche Gruppierung in 14 Messstrecken. Wenns so kommt, kommts gut.

Wie bereits erwähnt, der DistoX2 hat eine regelrechte Aversion gegenüber allem was irgendwie magnetisch ist.  Magnetismus hat einen schlechten Einfluss auf die Kalibrierung. Nach Kontakten mit magnetischen Störgrössen sollte die Kalibrierung unbedingt erneuert werden.

In meinem Fall warens die hochaktiven Eisenbergwerke auf Gotschens die mich zur Erneuerung der Kalibrierung  veranlassten.

Und, Wichtig-ergänzend die Tutorials des DistoX2-Machers
http://paperless.bheeb.ch/download/DistoX2_Bedienungsanleitung.pdf
http://paperless.bheeb.ch/download/DistoX2_Kalibrierung.pdf

Macherwebseite
Disto X2 http://paperless.bheeb.ch
Topodroid http://marcocorvi.altervista.org/
Appseite Topodroid https://sites.google.com/site/speleoapps/home/topodroid

Val Tisch im 2017

am 30. Juni 2017 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es ist bald ein Jahr seit letzter Val-Tisch, Minas da Fier -Geschichte vergangen und so war die Freude umso grösser zu neulichem Besuch. Damals, eben ein Jahr zurückliegend,  berührte mich die Frage Wer war Anton ?

Inzwischen erliess die geistreich nicht wirklich weitermutierte Bergüner  Gemeindeversammlung auf Gemeindeboden ein allgemeines, als Marketinggag verkauftes,  Fotografierverbot . Ich ignorierte richtigerweise gesagtes  Verbot  im Wissen dass dies Dekret kaum der hiesig  geltenden Gerichtsbarkeit statt halten würde. Also gibt’s wieder jede Menge schöner Bilder in meinem Texte.

Aber zurück zum Kernthema, im Val Tisch, einem Tal auf, wie genannt, Bergüner Boden, liegt ein bedeutendes Bergwerk welches ich mit Freunden seit vielen Jahren regelmässig beforsche. Noch liegen viele Geheimnisse im Dunkeln doch die Geheimnisse schrumpfen allmählich und es entsteht ein klareres Bild damaliger Eisenproduktion. Und, auch immer wieder ein Ausflug wert, die herrliche Landschaft, die, auch ohne  Marketinggag, durchaus sehenswert erscheint.

Val Tisch Minas da Fier

Die Bergwerksanlage erlebte deren Betriebsende um 1840 wenn doch dieser Bruch nicht eindeutig festsetzbar erschein. Immer wieder war die Industrielandschaft Ort verschiedener Forschungen und umfangreicher  Abbauwürdigkeits-Abklärungen. Die letzen dortig Forschend und Vermessenden waren Eugster und Müller vom Büro Fisch um 1943. Aus dieser Zeit geht eine detailierte Aufzeichnung der Stollenanlagen hervor die einige Fragezeichen beherbergte. Unsere Mission war es die noch sitzenden Fragezeichen zu verbannen und die unbekannten, noch nicht dokumentierten Stollenbauten, genauer zu vermessen. Auch so wollte ich in Ruhe etwas tiefer in die Bergbaugeschichte, anhand konkreter Spurensuche, hineinblicken.

Val Tisch Minas da Fier

Wie immer ist der Einstieg ins Stollentief zwar Eng aber dafür von beindruckender Ästhetik.

Val Tisch Minas da Fier

Die Bergleute um 1840 machten jagt aufs begehrte Hämatit, welches noch heute, in zahlreichen Adern reichlich zu finden ist.

Wir indessen machten Jagt auf unbekannte, verschlossene Schächte und sonstwie nicht abschliessend dokumentierte Stollenwerke.

Val Tisch Minas da Fier

Ein immer wieder absolut kickender Deckel sitzt oberhalb des 38 Meter tiefen Hauptschachtes. Die genaue Vermessung, respektive ein genaues Aufzeichnen des  Standortes im Kontext zu den bekannten Abbaustollen, zwecks des Verständnisses, tat Not. Ursprünglich wollten wir den Deckel gewaltsam, unter hohem Risiko, knacken doch die minutiöse Umsetzung der Messwerte in Form eines Plans rettete letztlich dies edle Holzwerk. Zu eindeutig erscheint gegenwärtig das Gegenende des verschlossenen Schachtes. Dieser endet namentlich in einer oberen Halle. Auf dem Holzdeckel ruht  folglich heute rund 3 Meter Steinversatz mit samt Stützmauer. Über ein Nebendurchgang  lässt sich heute die Halle oberhalb des Holzdeckels befahren.

Val Tisch Minas da Fier

In dieser oberen Halle sind weitere interessante Geheimnisse verborgen. Im Innern liegt viel Holz am Boden. Zwischen den Holzbalken wiederum, in noch offenen Hohlräumen, kleine Stützmauern die wahrscheinlich breite hölzerne Arbeitsbühnen trugen.  Die Halle selbst erreicht eine Maximalhöhe von rund 7 Metern.  Und, in Tagrichtung  erhebt sich eine mächtige Trockenbauwand bis Hallendach.

Val Tisch Minas da Fier

An kleiner Stelle liegt eine Öffnung die einer genaueren Vermessung bedurfte. Oberhalb der Mauer wird klar ersichtlich ein Schutteinbruch welcher von Tage her ins Untertagereich eindrückte. Dieser Einbruch ist eindeutig Grund für die Mauerexistenz. Die Stützmauer sollte, soviel ist heute klar, ein weiteres Zuschütten der Halle verhindern. An Position des Einbruchs, dies jedoch auf Tage, markieren die damaligen Vorgänger, im Jahre 1943, den „vermuteten Stollen II“ auf dessen Pläne .  Der damalige Stollenkartograf, genanntes Büro Fisch aus Zürich, kannte die Halle nicht.

Der heute bekannte Abbauraum mündet in ein Gesenk welches hoch steigt und unsereins auch schon bereits bekannt war. Dies Gesenk verbindet über einen, wieder abwärts verbindenden Gang, die, um 1943 gezeichnete, Halle 1.

Val Tisch Minas da Fier

Die Halle 1 kann auch über den Hauptstollen befahren werden.  Mittels dieser Strecke untendurch besuchten bereits 1943 die Forscher des Büros Fisch den Abbau. Noch heute steht drohend oberhalb des engen Durchschlupfs eine halb zerfallene, voll beladene Bühne festgeklemmt zwischen den zwei Stollenwänden.

Dank viel Fleissarbeit meiner Begleiter konnte der enge Verbindungsgang steil hoch ins Gesenk weiter ausgeräumt werden so das ein Durchschlupf in die Parallelhalle möglich wurde.

Val Tisch Minas da Fier

Der Aufstieg ist Steil und Teil eines Gesenks welches sich, wahrscheinlich mittig, mit dem etwas flacherem Schrägschacht  der Parallelhalle verbindet.  Im der Gesenköffnung klemmt ein schweres Kantholz, ein Indiz für mögliche grössere Bergbautätigkeiten im oberen Gesenkteil. Bei zunehmender Gesenkhöhe indes nimmt die feuchte Versturzmasse, bis hin zur kompletten Verfüllung, zu.  Das Material stammt eindeutig von Tage und zeigt in Richtung des auf Aussenskizzen, aus Jahren 1943, markierten „Stollen II Angegeben“ Punktes. Wo dieser Stollen II angegeben wurde entzieht sich unserem Wissen. Der letzte  Betriebsleiter des Bergwerks Albertini beschrieb die Stollenbauten teils recht detailiert doch vom Stollen II lass ich nirgends, hinzukommend dürfte dieser obere Stollen II mit zugehörigem Gesenk noch vor Albertinis Zeit stammen.

Val Tisch Minas da Fier

Im unteren Ende der Halle 1, auch immer wieder faszinierend, ein weiterer Schacht, knappe 14 Meter tief, welcher nur so strotzt von Hämatit. Ich liess mich in dieser tief gelegenen Bergbauregion, nahe des Schachtkopfes,  nieder zwecks Studium vorhandener Inschriften im letzten Stollenstummel.

Val Tisch Minas da Fier

Ein letztes Namenstäfeli, wie jenes von Anton in Stollen IV, an flacher Wandfläche, ist noch übrig geblieben. Ich vermute dass einst mehrere solch schwarze Flächen mit eingeritztem Namen die aktuell unten abgebrochene Wand zierten.

Val Tisch Minas da Fier

Der genaue Blick jedoch lässt leider keine Texte mehr auf der schwarzen Fläche erkennen. Stattdessen ist nebenan eine Fingerinschrift, wahrscheinlich neuerem Datums,  erkennbar. Wer diese Inschrift festsetzte ist schwer zu erahnen. Dies Stollenwerk war lange sehr schwer zugänglich. Mit Werkzeug ausgestattete Bergleute werden kaum sich der Fingerkunst gewidmet haben.  1955 stiess eine Pfaditruppe in den 36 Meter tiefen Hauptschacht diese Jungs indes werden kaum diesen Stollen erreicht haben. Auch nach 1955 könnten Einige dies Werk besucht haben. Alleweil, wir werdens nie so genau wissen und auch die Inschrift ist nicht restlos entziffert aber wir bleiben dran.

Der Plan jedoch ist das wichtigste Produkt jahrelanger Forschung.

Val Tisch Minas da Fier

Heute ist die gänzlich undokumentierte Ebene +10 fertig vermessen. Dieser obere Plan mit der unteren Ebene verknüpft zeigt eindrücklich die Durchgänge in die 1840er Hauptstrecke. Auch sind die Bergbauperioden, die von oben nach unten sich ausdehnten,  weiter nach verfolgbar. Trotzdem ist mein Plan lange nicht fertig und es fehlt noch die Integration der unteren Etagen wie auch der definitive Seigerriss.

Val Tisch Minas da Fier

Nichts desto trotz wars wieder mal ein tolles Wochenende in Bergüner Gefilde mit toller Aussicht aus Stollen I heraus.

Und, ja wie bekannt, diese Geschichte wird fortgesetzt.

Vorbeiträge zu Eisenproduktion in Bergüner Gemeindeboden:
Fopa da Chianols, noch mehr Geschichten
Wer war Anton ?
Eisenbergwerk Val Tisch so is es
Internationale Val Tischer Bergwerke
Eisenbergwerk Val Tisch, Neues
Minas da Fier Val Tisch
Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch
Bergbausachverständige am graben
Val Tisch, die Fortsetzung
Das Geheimnis von Val Tisch