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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Heimische Eisenerzer

am 14. Juni 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Eine Ferrera-Tal-Geschichte den es wird nicht alles Almeria sein und irgendwie muss ich wohl mal wieder hierzulande ankommen.

Val Ferrera, konkret dreht meine Geschichte ums Eisenwerk am „Ual Martin“, Bach Martin, heute Ual da Martegn und die nahegelegenen Erzgruben.

Schmelze Martegn

Trotz der verhältnismässig kurzen Betriebszeit, von 1806 bis 1827,finden Schmelzwerke auf einigen alten Dokumenten Erwähnung und noch heute sind Reste einer grossflächigen Industrieanlage auffindbar.

Und doch, liegt erstaunlich wenig Überlieferung zu dieser Anlage und den umliegenden Gruben. Für mich ein interessantes Forschungsrevier mit reichlich ungeklärten Fragen welches mich bereits im Februar des Jahres 2011 faszinierte, indes, mangels Zeit, irgendwo in der Versenkung landete. Gelegenheit im 2019, nach reichlich Almeria-Eisen, mich dieser Geschichte anzunehmen. Also führten mich die letzten zwei Wochenenden in dies Industrierelikt. 

Schmelze Martegn

Von der grossen Verhütungsanlage sind hauptsächlich die gemauerten markanten Pfeiler, welche Strickwände umschlossen, erhalten geblieben. Drei solche, wahrscheinlich als Lagerräume oder Stähle genutzte, grössere Gebäudeumrisse sind im Gelände der Kraftwerke Hinterrhein ausmachbar. Daneben finden sich zahlreiche kleinere Gebäudereste, wie auch Kanalanlagen weit verstreut. Die beiden Öfen, respektive wenige Reste davon, wahrscheinlich ehemalige Blashochöfen,  liegen unmittelbar etwas oberhalb des Averser Rheins in der Nähe des Ual da Martegn. Eine erahnbare Kanalanlage könnte das Blasbalg-Triebwasser vom Ual da Martegn abgeleitet haben. Könnte, denn, meine Beobachtungen widersprechen sowohl der historischen Tuschzeichnung wie auch der Siegfriedkarte Erstausgabe doch zu diesen Wiedersprüchen will ich an späterer Stelle, nach kurzem Bergwerksrundgang, eingehen.

Nicht unweit der Schmelzanlage, nahe dem Bach Martegn, 300 Meter westlich und auf einer Höhe von ca. 1550, liegt die erste grössere Zuliefergrube.

Grube Martegn

Das Areal ist heute, trotz komplettem Kahlschlag um 1826, schwer zu erreichen. Die Vegetation eroberte sich, in den fast 200 Jahren Erholungszeit, grosse Flächen der Anlagen zurück. Markant an dieser Abbaustelle sind die zahlreichen kleineren Gebäuderesten welche nördlich des, rund 140 Meter langen, Abbauschlitzes gruppiert sind.

Grube Martegn

Der Abbauschlitz erreicht teils Tiefen um die 20 Meter.

Grube Martegn

Noch heute stützen unermüdlich ein paar wenige Stempel die überhängende Schlitzdecke. Die Grube macht, trotz einiger Verstürze, einen gesamthaft stabilen Eindruck.

Grube Martegn

Zeitweilig schwindet der Tagbauschlitz ins Untertägige.  Die 140 Meter Abbauschlitz sind mittig mit einem Steindamm getrennt. Auf Höhe des Steindamm findet sich Grundmauerreste die auf eine ehemalige Bergbau-Schmiede hindeuten. In der Grube sind Bohrlöcher erkennbar die auf den Einsatz von Sprengmittelns schliessen lassen.

Über den Erztransport, Siderit / Hämatit lässt sich heute nur spekulieren. Erdrutsche, Lawinen, und die wiederblühende Vegetation veränderten die nähere Umgebung frappant. Auffällig jedoch, die geordnete Haldenaufschüttung und Südposition des Tagschlitzes diese teilweise durch Stützmauerwerk abgesichert.

Das Bergwerk liegt exakt oberhalb der Weiterverarbeitungsanlagen.  Es ist durchaus denkbar das ein Abwurfgraben genutzt wurde um das Erz in die Anlage zu befördern. Wege sind aktuell keine eindeutigen auffindbar.

Was jedoch auf der Martegn-Seitigen Grube nicht zu beobachten war, war ein Röstofen wie er an den weiteren Standorten erkennbar ist.

Szenenwechsel, Gegenseite, diesmal östlich der Schmelze, in rund 200 Meter Luftlininie ferne und Gegenseite auf des Averser Rheins aber aus damaliger Erschliessungssituation, wahrscheinlich einiges schwieriger zu erreichen, eine weitere Eisenerzgrube.

Diesmal eine Erz-Grube mit eigenem Röstofen.

Grube Martegn Ost

Der Ofen ist heute, anhand des noch verbleibenden Steinhalbkreises, eindeutig ausmachbar. An der Ofenwand klebt noch ein kleiner Rest Schlacke welcher unbeschadet die vielen Jahre überdauerte.   

Grube Martegn Ost

Das eigentliche Bergwerk ist, dank einer noch heute intakter Versatzwand, leicht auszumachen. Der letzte genutzte Untertagezugang liegt wahrscheinlich oberhalb des Felsvorsprungs, quasi hinter der Versatzwand. Ein weiterer Zugang in dies, verhältnismässig kleine Werk, liegt auf der Gegenüberliegenden Flanke.

Grube Martegn Ost

Innendrin, hinter der seitlichen Versatzwand, ists vorwiegend eng und weitläufig eingebrochen. Trotzdem spricht viel für ein kleines Bergwerk mit eher geringer Ausbeute welche jedoch, zur Optimierung, im Ofen auf eine höhere Güte getrimt wurde.    

Grube Martegn Ost

Ich klaute aus der herumliegenden Erzauswahl ein kleines Stück Siderit welches, behaupte ich, noch des Ofens verschont blieb.

Die letzte Grube die ich besuchte liegt im Gebiet „Gruoba“ und ist auch auf der Ostseite des Ferreratals aber bereits auf stolzen 1720 müm. Die Bergknappen mussten bereits 300 Höhenmeter überwinden um das Eisenwerk zu erreichen.  Folglich findet sich auf diesem Grubenareal sowohl Ofen, Schmiede wie auch Schlafgebäude.

Grube Gruoba

Die Grube selbst ist, wie bereits beobachtet, ein Abbauschlitz welcher unbekannt in die Tiefe reicht, denn, seit Überlieferung, steht Wasser im Gesenk. Es wird berichtet dass in optimaler Jahreszeit, wenns Wasser frisch und klar wirkt, ein tiefer Verlauf mit abgesoffener Türstockzimmerung sichtbar wird. Bei meinem Besuch lag das Wasser trübe und abgestanden über die Geheimnisse. Auch das obligate Lampenversenken brachte einzig eine 30 cm Sichterweiterung. Auch in dieser Abbaukammer folgten die Bergknappen der schmalen Sideritschicht ins dunkle Tief.

Grube Gruoba Schlafhaus

Das Leben der Bergleute war alles andere als entspannt dies verdeutlicht das kleine Schlafgebäude welches den Aufrechten Gang in keinerlei Stelle erlaubte. Der Bau mit Gibeldach ist kaum über 1.30m  und platzbietend für eng aneinander liegende 10 Knappen. Die Bergschmiede ist da deutlich grösser ausgelegt.

Gruben Innerferrera

Die Situation im Überblick

Das ehemalige Eisenwerk steht heute auf dem Areal der Kraftwerke Hinterrhein. Durch den Bau der Turbinenkavernen, nördlich des Eisenwerks, ist viel der ursprünglichen Industrielandschaft verloren gegangen. Die Gruben westlich wie östlich des Werkes sind indes noch heute erhalten. Die Grube Gruoba ist leider abgesoffen  dies wahrscheinlich knapp nach Ende des Bergwerksbetriebs. Ein angefangener, tiefer gelegene Querschlag könnte ein Indiz sein für den Lösungsansatz des Wasserproblems. Leider ist der Querschlag nur bis ein Meter angefahren, Richtung und Höhe hätte bei Vollendung indes doch einige Liter vernichtet.

Das Gebiet um die 3 mir bekannten Gruben und ums Eisenwerk war um die 1826er ziemlich kahl geschoren. In den 21 Jahren der Eisenproduktion vernichteten die Öfen eine Unmenge an Wald womit das Eisenwerk mangels Rendite um 1826 die Tore schloss. Die Gruben rund herum wurden indes noch längere Zeit betrieben. 

Der Weg auf Gruoba und zu weiteren, noch höher gelegeneren, Gruben ist im Inventar historischer Verkehrswege unter Nummer GR 7855. Noch heute zeugt diese Verkehrsverbindung von schwerer Transportlast wie dies üblich ist beim Eisenerzbergbau.

Zulieferbergwerke sind etliche weitere bekannt die ich jedoch an dieser Stelle nicht näher beschrieben werde, ein andermal.

Gruben Innerferrera

Interessantes Detail welches mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet sind die unterschiedlichen Kartografischen Erzeugnisse die irgendwie alle nicht so recht mit den Beobachtungen auf dem Industrieareal passen.

Stand Siegfried Karte die Erste um rund 1875 mit meiner Anlagenüberlagerung zeigt erste mir nicht passende Unstimmigkeiten. Der Bach Martegn fliesst diesmal nördlich meiner Schmelze. Eingezeichnete Ruinen mit dem Vermerk ehem. Eisenschmelze liegen nördlich des  Martegn Baches was mit der historischen Tuschzeichnung am Anfang meines Artikels übereinstimmen würde.

Ein Teil des Martegn Bachs fliesst heute in aller Gemütlichkeit durchs Bergwerk was für eine aktive Umleitung des Wassers sprechen würde anderseits könnte einfach nur die Siegfriedkarte an dieser Stelle reichlich Ungenauigkeiten beinhalten.

Gruben Innerferrera

Den wenn jetzt die Verkehrswege der Siegfriedkarte auf die aktuelle Karte übertragen werden, zeigen sich einige merkwürdig anmutende Unstimmigkeiten zwischen  Gewässer und Wege.

Luftbild 1944 Schmelze Martegn

Exakt 75 Jahre vor meinem Besuch, also am 9.6.1944, Fotografierte ein Flugzeug die Gegend. Auf dem Bild ist meine gewohnte Ansicht durchaus wiedergegeben. Zwar liegen im Norden einige wenige Mauerreste die infolge des Kraftwerkbaus geschliffen wurden doch die Ofenanlage will ich an der von mir beobachteten Stelle wiedererkennen.

Auf dem Luftbild ist deutlich weniger Wald sichtbar was den Blick was die Sicht ins damalige wiederum deutlich vereinfacht.  

Somit bleibt aus meiner Sicht die plausibelste Erklärung die einer reichlich unpräzisen Siegfriedkarte.

Geschichte

Der Namen Ferreratal lässt sich eine frühe Eisenbergbautradition ableiten. Berichtet wird von Römern die bereits nach Eisen und Bundmetallen suchten. Erste schriftliche Überlieferungen indes datieren auf die Jahre 1605.

Sowohl die Gruben wie auch die Schmelzen könnten demzufolge bereits lange vor deren Industrieller Ausbeutung, in Form kleinster Betriebe, existiert haben.

Die Industrielle Gewinnung von Eisen an den Standorten Innerferrera  und Ausserferrera begann anfangs 19tes Jahrhundert.

Im Jahre 1806 erbauten die Gebrüder Venini aus Veltlin die Eisenschmelze Innerferrera und öffneten erste Erzgruben. 200 Arbeiter förderten und verhüteten grosse Eisenerzmengen bis 1827 die schrumpfenden Waldbestände eine rentable Eisengewinnung verunmöglichten. Die Veninis schlossen in der Folge die gesamte Eisenproduktion.

1829, ein Marietti aus Mailand übernimmt die Gruben im Ferratal doch da kaum noch Holz zur Verhütung zur Verfügung steht, kommt’s nie zu aktivem Bergbau.

1830 betreibt die Firma del Negri die Erzgruben im Ferreratal. Del Negri und dessen gutbetuchter Teilhaber Gaspere Ordogno de Rosales waren politische Flüchtlinge die den italienischen Unabhängigkeitskrieg unterstützen. Sie wollten mit dem gewonnenen Erz Waffen für den Freiheitskampf in Italien herstellen. Da im Ferreratal kaum noch Holz zu finden war, bauten Del Negri  und Rosales zwei neue Schmelzen in Sufers und Andeer.

Haus Rosales

Während die Schmelze Sufers dem Autobahnbau A13 weichen musste, steht die Schmelze in Andeer im Haus Rosales noch heute.

Die aufwendige Produktion stand in keinem Verhältnis zum erreichten Ertrag, das Vermögen von Rosales neigte sich dem Ende worauf 1848 der Bergbau eingestellt wurde.

Es sind noch, nach 1848, immer wieder neue Prospektionsversuche im Ferreratal  unternommen worden. Bekannteste Gesellschaft war die  Bergbau AG Chur unter der Leitung des Ingenieurs Markwalder die zwischen 1917 und 1921 Manganerz auf Starleta abbaute.

Quellen:

Tuschkarte erzminen-hinterrhein.ch / Landeskarte, Flugbild 1944 map.geo.admin.ch

Texte / Recherchen erzminen-hinterrhein.ch , boehm-geologie.ch

Weitere Texte von mir zum Ferreratal

Buntmetalle im Ferreratal Ursera 2018

Haus Rosales

Euterpe

am 30. Mai 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Euterpe ist, entgegen meinen Erstbehauptungen, eine Sterbliche und Teil der 9 Musen aus altem Griechenland. Gerne wird sie dargestellt mit gewelltem Haar und Flöte in der Hand. Soviel zum Altgriechischen, was keineswegs in meiner Steckenpferdsammlung  liegt.

Euterpe auch, ohne Flöte und Dingsdangs, eine richtig spektakuläre Mine auf den Hügelspitzen der Sierra de Gador.  Eine Geschichte passend zu meiner letzten Almeriareise und die Aufarbeitung zahlreicher Sierra de Gador-Geheimnisse.

Während im nordöstlichem Eck der Sierra de Gador oft beschriebene Schwefelfelder Bergbau begünstigten, finden sich in weiten Teilen des mächtigen Hügelmassivs, bis 2200 müm, zahlreiche Bleivorkommen.  

Karte Sierra de Gador

Die westliche Hälfte der Sierra de Gador war somit bis weit in die 1970er immer wieder Schauplatz grosser Bergwerksbetriebe. Blei, aus Römerzeit bekannt, bis zu Silber, Zink und zuletzt Fluorit wurden, mehr oder minder Erfolgreich, dem Erdreich entzogen.

Von denen vielen Minen, auf meiner Karte die pinken Punkte, gilt mein Augenmerkt der vermutlich höchstgelegenen Anlage „Euterpe“. Bereits im Mai 2012 wagte ich den Aufstieg in die Bergbaureviere über den Westzugang beschrieben unter Lavaderos del Segundo / Minas de Almagrera. Diesmal führte die Reise über den Ostzugang auf den weitläufigen Satteln der Sierra de Gador.

Mina Euterpe

Wie bereits erwähnt, liegt die Bergwerksanlage auf stattlicher Höhe, Mundloch bei 1840 müm. Im Bild das Areal vom oberen Betriebsgebäude aus betrachtet.

Mina Euterpe

Im Netz immer wieder anzutreffen, die Ansicht des Pferdegöpel-getriebenen Haspels oberhalb des Schachtes San Diego. Noch heute ist die Mechanik mit Stirnradgetriebe gut erhalten.  Der Schacht ist, nicht gänzlich unbegründet, mit einem Armierungseisen-Gitter abgedeckt.

Mina Euterpe

Die Pferde, respektive die Maultiere, trieben den Erzaufzug, wie sich herausstellen sollte, bis zur Tiefe von 210 Metern. Folglich, denke ich, war die Aufzugsvorichtung mit Gegengewicht ausgestattet womit das Aufzugseil permanent nur wenige Windungen um dem Haspel gewickelt lag.

Im Hintergrund das wahrscheinlich um die 1970er neu hergerichtete Betriebsgebäude. Naheliegend folglich dass bis in die Jahre 1970er, in letzter Bergbauperiode, Maultiere Fluorit zu Tage zogen.

Mina Euterpe

Ein weiterer, wir nicht bekannter, Exot damaliger Bergbaukunst liegt am Mundlochzugang. Der Untertageeingang liegt unter einem halb verbrochenen Steiniglu. Das Iglubauwerk  war von zwei Auftage-Galerien  erschlossen. Da auf knappen 2000 Metern Schnee doch hin und wieder vorkam ist einzige Erklärung für diesen überdeckten Mundloch Zugang die Gewährleistung der Schneefreiheit vor und nach Mundlocheinstieg.

Mina Euterpe

Der Eingang fällt steil ins Berginnere. Noch liegt das prächtige schmiedeeiserne Tor, halb verbrochen, im Eingangsbereich. Mittels etlichen Stufen müssen, in erstbefahrung, erstmals 64 Höhenmetern vernichtet werden ehe das eigentliche Bergwerk sich öffnet.  

Mina Euterpe

Wenige Förderstrecken, mit Horizontalem Verlauf, schliessen an Schächte. Von den Zahlreichen Schachtanlagen die auftage offen stehen, können zwei eindeutig  der Euterpe-Mine zugeordnet werden. Beide Förder-Schächte sind noch heute Untertage erreichbar.

Mina Euterpe

Sauber ausgeführte Trocken-Versatz-Ausbauten durchfahren Abbauzonen.

Mina Euterpe

Generell jedoch, wie bei den meisten Andalusischen Gruben, beeindrucken die oft umständlichen, immer wieder grosse Höhenunterschiede überwindende, Fahrstrecken. Die Anlagen  zeugen von schwerster Handarbeit und Korbförderung vergleichbar hiesige Gruben-Arbeitsbedingungen des endenden 18ten Jahrhunderts.

Mina Euterpe

Selten trifft man auf kurze horizontale Fahrstreckenabschnitte die dafür umso kunstvoller ausgebaut wurden.

Mina Euterpe

Abbauzonen gibt’s etliche. Da die Zeit eher knapp war, beschränkten wir uns hauptsächlich auf reine Fahr und Förderstrecken.

Mina Euterpe

Wie wirs bereits von Schweizer Kohlebergwerken kennen. Die gelben Schwarzbefahrerpfeile waren auch auf Euterpe eher missverständlich. Wir bedienten uns eines, aus vermutet 1970 stammenden, Grubenplans welcher wichtige Orientierungshilfe leistete.

Mina Euterpe

Die mit dem Grubenplan korrespondierenden Messpunktnummern waren da deutlich hilfreicher.

Mina Euterpe

Die Vorbefahrer scheinen ein grosses Mitteilungsbedürfnis, dies nicht nur mit Gelber Spraydose, gehegt zu haben.  An prominenter Streckenstelle beschreibt einer der Befahrer die auftretenden Probleme mit der beschlagenen Brille. Ob an linker Blattseite Blut liegt entzieht sich meiner Kenntnis ein Skelett ist uns indes keines begegnet.

Wir erreichten eine Nominaltiefe von 160 Metern ehe wir den Rückzug antraten. Die Fahrstrecke, steil abwärts führend, indes war lange nicht zu Ende.  

Aus den  abfotografierten Plänen generierte ich ein halbwegs ansehnlicher Grubenplan zur Verdeutlichung der Anlagen. Obschon irgendwo im Netz auf nem Dokument die Jahreszahl 1953 auftaucht spricht vieles für die Vermessung um die 1970er. Einige Spuren deuten auf ein Wiederaufwältigungsversuch um die besagten Jahre.

Mina Euterpe

Im Grundriss, durchaus Handzahm wirkend, sitzt das Quadrad auf Masse 20 x 20 Meter. Die Ausrichtung ist, soweit ich dies rekonstruieren konnte, auf magnetisch Nord. Den Originalplan gibts Online auf San Diego / Euterpe bei Minas de Almeria.

Mina Euterpe

Erst die stark vereinfachte Seigerrissdarstellung macht das Ausmass der Anlage so richtig deutlich. Meine Darstellung basiert auf wenige gefundene Höhenangaben an ausgewählten Messpunkten.

Fest steht, der kleine Schacht mit Namen San Pedro rangt minimum 90 Meter in die Tiefe. Der grosse, mit Armierungseisen abgedeckte Haspel-Schacht nennt sich San Diego und erreicht Tiefen um 210 Meter. Fahrstollenende ist weder im Originalplan noch sonstwo ersichtlich. Wir haben nur ein Bruchteil des Werks erkundet und waren doch rund 5 Stunden unter Tage.  

Die Geschichte der Mine ist, wie so oft, eher schwierig zu rekonstruieren. Aus der Seite „Patrimonio Minero de Andalucía oriental“ ehemals Minig Andaluz  geht hervor:

1889 Nannte sich dies Bergwerk „Mina San Diego“ mit Konzessionsnummer 15409, Abbau von Blei. Noch heute ist die Mine auf der offiziellen Topolandeskarte als Mina San Diego ausgewiesen.

1944 beantragt Francisco Javier Brea Malgarejo die Konzession für die Bleiförderung  mit Namen Euterpe Nummer 38 478

1953 Erwerb durch  Fernando Brea Melgarejo ?

1971 Überschreibung an  D.Rufino Brea Malgarejo und Brüder.

Nutzungsrechte werden für 99 Jahre an Minas de Almagrera , S.A. überschrieben

1979 Abbau von Fluorit

 Links

Lavaderos del Segundo / Minas de Almagrera

Mein Grubenplan im PDF

Almeria 2019

am 25. Mai 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die dritte Almeriastudienreise ist nun Geschichte und, in der Tat, viele Geschichten generierte diese letzte Reise. Geschichten die wahrscheinlich sein Weilchen auf Ausarbeitung warten werden denn, zu viele sind es.

Klar ist jetzt schon, viele Geheimnisse, die meine Kindheit stark prägten, sind entschlüsselt und viele noch heute herumgeisternde Mythen sind beseitigt.

Eines ist klar, der Bergbau in Almeria zeugt von tiefer Armut. Oft erinnern Anlagen aus ende 19tes Jahrhundert an hiesigen Mittelalterbergbau.  Handarbeit war im fernen Almeria billig und die Epoche der Leibeigenschaft nicht lange zurückliegend. Für mich interessante Einblicke vorindustrieller Zeitgeschichte.

Alleweil gabs auch viel Bilder im Gepäck von denen ich erstmals welche hier zum besten geben möchte.

Almeria 2019

Geht nicht gibt’s nicht, ist eines meiner Lebensmotti. Die Neugierde ist ein starkes Pferd welches gar mich zur Geisfuss-schwingender Bestie wandelt. (Bild Hansjürg)

Minas de Alfaro

Allen voran trug ich knappe 50 Jährige Mythen in meinem Köpfchen zum, vom Barrio Paulenca fern, sichtbarem Alfaro-Bergwerk. Dies Jahr, es hat 53 Jahre gedauert, schafte ichs da rauf,

Minas de Alfaro

mit zurück, beeindruckende Einblicke in eine längst mystifizierte Industrielandschaft.

Minas de Alfaro

Mal ausnahmsweise die Umkehrsicht. Stehend auf der Mittelförderstrecke, unter meinen Füssen die grosse Verladeeinrichtung, der ungetrübte Blickt, ziemlich Bildmittig, ins Barrio Paulenca.

Mittelspannungsunterquerung Gergal

Der Eisenerzspur folgend, in Richtung Nord,  liegen weitere Exoten damaliger Seilbahnlandschaften.  Im Bild eine sogenannte Mittelspannungsunterquerung, sowas hab ich hierzulande nie gesehen.

Soria Gergal

Im Soria-Revier sucht doch tatsächlich eine Fledermaus die direkte Konfrontation mit meiner Fotomaschine.

Schacht San Jorge

Nicht weit fern, Schachtansichten San Jorge, Revier „La Fee“ Los Malagueños / Gergal.

Nacimiento

Wer der zuwachsenden Erzstrecke folgt wird den Geisterbahnhof Nacimiento mit grosszügigen Bahnangestellten-Häusern nicht verfehlen. Ein muss für ausgesprochene Urban-Ex-Fetischisten.

Nacimiento

Die dazugehörige Bergbausiedlung ist, mittels gestempeltem T-Träger, aufs Jahr 1890 datierbar.

Pozo San Diego

Dies Bild taucht tausendfach im WWW auf. Die Spindel passt zu einer rund 200 Meter tiefen Schachtanlage ziemlich nahe des Sierra de Gador Gipfels. Den Untergrund kennenlernen war für mich eine grosse Freude und Wissenschaftlich äusserst lehrreich. Gibt sicher mal ne Sondergeschichte „Euterpe“ benannt nach einer der neun Musen.

Polvorin Rodalquilar

Rodalquilar ist auch immer wieder ein Ausflug wert. Die sehr kompakte Anlage zeigt auf engem Raum viele interessante  Bergbaurelinkte, im Bild das berühmte Sprengstoffmagazin-Tor.

Rodalquilar

Letzte Bergbauepoche in Rodalquilar, um die 1990 er, die letzte Cyanidlaugerei im Hintergrund.

Streetart Cortijo San Diego

Auch bereits prominent zu finden in der Streetartszene, die Graffitis in den San Diego-Häusern.

Cottijo del Fraile

Erinnerungen an Bud Spencer und co, der „Cortijo del Fraile“.

Balneario Sierra Alhamilla

Und wie üblicher wieder, 11 schöne Tage im romantischen Balneario mittig Bergbaugebiet Sierra Alhamilla,

Balneario Sierra Alhamilla

mit, wie sichs für en Thermalbad gehört, entspannendem Bad im 40 Grädigem-Eisenerzwasser.

Die mitgebrachten Geschichten sind viele an der Zahl, wichtig ist es diese zu erzählen und dies wird dauern denn ein minimaler wissenschaftlicher Anspruch ist auch mir zuteil gleichzeitig neige ich vieles zu vergessen was der Ausarbeitung weitere Steine im Wege legt.

Wie üblich bei Rückkehr aus Spanien plagen mich grosse innere Unruhen. Ich hinterfrage meine gesetzten und etablierten Lebensmodelle. Wieder packen mich Zweifel ob die hier gewählte Lebensform tatsächlich auch meiner gewünschten Lebensqualität entspricht. Leider hat mich dies Jahr auch nicht unbedingt das Auftragsglück heimgesucht und so tendiert mein berufliches Wirken eher Richtung Brotjob als  Richtung Berufung. Ich hab Lust auf viel in einer Umwelt die wenig Freiraum beinhaltet. Dieser Freiraum, wird zumindest in Mitteleuropa, für den unteren Mittelstand, in Zukunft tendenziell abnehmen. Es gilt hier wieder mal den Spagat zu finden zwischen maximaler Entfaltung und möglichst konstanter Solvenz. Nun ja, ich werds packen, wie weiss ich noch nicht doch eines ist klar, Wissenschaft ist Teilen, ergo was ich mach zu den Almeriabergwerken werde ich als erhaltenswertes Kulturgut  teilen.

Bis anhin gibt’s auf Luisa.net die,

Bergbau, Gador und Benahadux Seite,

Minas Los Baños Sierra Alhamilla Seite

und die

Goldminen Rodalquilar Seite

Lochezen, die verlorene Zugskomposition

am 22. April 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Alte Bergwerke sind Fundament zu tollen Gerüchten und Abenteuergeschichten. Es mag zwar nicht so Fantasievoll erscheinen wie in manchen Geisterintensiven Regionen doch auch hierzulade wird rege spekuliert.

Der obere Ausläufer des Seemühle-Kalkbergwerkes nennt sich Lochezen und diente auch lange als Kalk, respektive Zementsteinbergwerk. Lochezen teilt sich in ein Untertagebereich und ein klassischer Steinbruch. Der Untertageteil wiederum ist in Abbausohle und Fördersohle getrennt. In den Förderstrecken verkehrten, bis in die 1970er, übergrosse Grubenhunte die den Kalkstein über Schächte vom eigentlichen Abbau bezogen.

Lochezen

Soweit so klar, und zur Verdeutlichung, die Fördersohle Feld 4 , im Bild die letzte Verladestation von genannten 4 im Feld 4. Auch im Bild noch scheu zu erkennen, und wahrscheinlich einige Billiarden mal Fotografiert, der Hunt in Übergrösse.

Lochezen

Und eben, die darüber liegende Abbaukaverne, etwa im Ausmasse l 100m x  b 30m x h 50m, im besagten Feld 4. Wobei die Felddefinitionen aus meiner Feder stammen und sich auf meinen, von mir gezeichnetem Plan beziehen.

Es gibt jedoch noch eine zweite, deutlich grösser wirkende, Halle dessen Eingang jeweils von der Walenseegegenseite deutlich sichtbar ist. Diese Halle ist im Luisianischem Feld 5 und war bis anhin von uns kaum erforscht. Auch diese Halle verfügte über eine Unterhalb liegende Transportinfrastruktur.

Die grosse Halle im Feld 5 war somit auch interessantes Ausflugsziel des diesjährigen Ostersonntags. Das Wetter schien ideal, nicht zu warm, nicht zu kalt, um, möglichst ohne Steinschlag, die gefährlich geweiteten Halle bis an deren Ende abzulaufen.

Lochezen

Im Innern sind riesige Abführtrichter, deren 3, die auf gleiche Erschliessung wie in Feld 4 deuten. Leider jedoch scheinen alle Schächte eindeutig verstopft um die Fahrstrecke zu erreichen.

Lochezen

Die grossen Geröllhalden, teilweise bis zu 50 Metern hoch, sind äusserst mühsam zu übersteigen. Über den Abbau ist die verschwundene Fahrstrecke, in welcher noch einige Bergbauartefakte lagern sollen, gänzlich unerreichbar. Soweit nix neues und Einigen bereits bekannt.

Lochezen

Eines der lange gehegten Gerüchte besagte das die gesuchte Fahrstrecke durch den Tagebau angeschnitten wurde. Der Stollenfortlauf beschrieb Thomas, der damalige Steinbruchbetriebsleiter, bei einer Begehung mit Gemeindebehörden im Jahre 2015, in der Felswand verschwunden.

Diese Geschichte, angeheizt durchs Gerücht wonach die zwei fehlenden Elektroloks im Stollen anzutreffen seinen, animierte uns, mein Bergbaufreund Matti und mich, zur Suche dieses Mysteriums.

Lochezen

Im Sommer des Jahres 2016 stiegen wir, mit Schaufel und Hacke, ins besagte Stollenanzeichen. Wir fanden damals keinen Einstieg worauf wir die Position des verschwundenen Stollenfortlaufes korrigierten und diesen nun eher rechts, unter einen mächtigem Haufen Schutt, vermuteten.

Lochezen

Die Geschichte des 2019 öffnete neue Erkenntnisse. Ziemlich früh, im aktuellem Jahre, war ein wichtiger Stützpfeiler am Rande des klassischen Pfeilerbaus, ernsthaft havariert. Dieser Schaden hätte ein schwerer Felssturz auslösen können was mich zur Meidung der Anlagen veranlasste.

Lochezen

Nun beschlossen die Behörden diesen Pfeiler, der zweite von Rechts, wieder herzurichten. Neu, in glänzendem Spritzbeton, erstrahlt das Wunderwerk in noch nie gewesener Festigkeit.  Bei diesem Anlass wurde wieder mächtig Ordnung geschaffen und alle Bruchsteine um Pfeiler 2 wurden weggeräumt. Der Blick ist nun ungetrübt, 3 Pfeiler, der mittige im Spritzbeton-Lock, und unterhalb der kleine Stollen welcher eindeutig zerschnitten ist. Nun das Problem, es gibt kein Stollenweiterverlauf links im Bild. Der Schutt ist weggeräumt und es öffnet sich keine Stollenweiterführung.

Des Rätsels Lösung ist so einfach wie banal.

Lochezen

Es gibt en Plan, eher schlecht als schlecht, meine, vom Betriebsleiter erhaltene Kopie, nochmals nen tig schlechter. Auf diesem Plan sind die untertägigen Verläufe leicht angedeutet. Wenn ich nun die Pfeiler zähle so liegt von unten zu oben im Norden der neu bespritze Pfeiler an Position 2. Zwischen Pfeiler 2 und 3 liegt der bekannte Stollenstummel welchem ich, respektive der ehemalige Betriebsleiter, einen irrsinnverlauf andichtete. Doch nur zwischen Pfeiler 3 und 4 liegt der verschwundene Förderstollen. Leider, schnell wird klar, an Stelle des Zugangs liegen heute Türme von Bruchstein die nur mit schwerstem Gerät zu bezwingen sind.

Kurzum, der Stollen bleibt verschwunden, die Eingangsposition erscheint plausibel unter einigen hundert Kubikmetern Bruchstein. Das herumgeisternde Gerücht des Stollenverlaufs an der Felswand ist falsch. Wir haben damals die Stollenbrust eines nicht im Plan eingezeichneten Stollens zwischen Pfeiler 2 und Pfeiler 3 gefunden.

Wir wissen nicht ob die zwei Stadler-Rail-Akkuloks im Fahrstollen Feld 5 ruhen. Es gibt anderseits auch keine mir bekannte Überlieferung wonach die zwei Loks abtransportiert wurden. Irgendwo müssen die Teils ja stehen und da ichs Bergwerk ziemlich in und Auswendig kenne scheint dieser, noch nicht erforschte, Standort möglich.

Ansonsten war en toller Ausflug,

Kompressor

mit blitzblank gepützelten Kompressoren als wollten diese demnächst in die Inbetriebnahme hüpfen.

Lochezen

und eben auch wieder stylische Bilder

Links zu Seemühle von mir

Auf Luisanet
Die Seemühle

Und im Blog

Seemühlegezeichne
Und immer wieder lockt das vermeidliche Lebenswerk
Seemühle, das ewige Werk
Seemühle, jähes Ende letzter Geheimnisse
Das Tor stand offen
Seemühle überall
Seemühle, was war? ,
Die Geheimnisse der Seemühle
Seemühle Borner AG
Das Geheimnis des Steinebrechers

Bilderseite zu den Werken
Seemühle

Flachlandwochenende

am 17. Februar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die Tradition des gemeinsamen Flachland-Bergbau-Wochenendes hat sich definitiv, als feste Institution, irreversibel in den Kalender eingebrannt. Meinerseits gibt’s bereits 3 oder 4 Beiträge die dies legendäre Wochenende beschreiben also soll hier die 2019er-Ausgabe nicht fehlen.

Für mich gibt’s indes, in diesem Beitrag, mal vorerst viele Bilder die ich zum besten geben werde.

Der Freitag war ganz im Zeichen der Schrottkohlen auf Ennetbach

Ennetbach

Was braucht Frau mehr zum erfülltem Leben?

Viel Sonne, etwas Bündnerfleisch und Stollen in greifbarer Nähe reichen vollkommen.

Nach Verköstigung wollt ich indes doch noch etwas Weniges nach den verfallenen Stollen 1 und 2 suchen ehe meine Freunde zu mir stossen würden.

Ennetbach

Wie bereits im November 2011 festgestellt langen noch immer die alten Stollen des 19ten Jahrhunderts tief im Schutt. Indes sind die Spuren, denk ich, noch heute eindeutig. Nichts desto trotz, das Wetter war herrlich und das Brombeergestrüb  angenehm ausgedörrt, sprich optimale Bedingungen zur Stollensuche.

Ennetbach

Nach ausreichender Geländeerkundun und kleiner Siesta kreuzten meine Freunde auf und die nassen Stollenabenteuer konnten beginnen.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Alle jene die wissen wollen wies drüben der Zementröhre aussieht, ein illustres Wasserratengrübchen, mich mit eingeschlossen, wagte den Durchschlupf.

Auch wieder viel Wasser

Ennetbach

Und noch mehr Schlamm.

Und am Anschlusstag folgte die tolle Finstergrund-Exkursion. Ein Schwerspat, Flussspatbergwerk in Schwarzwälder Regionen.

Finstergrund

Diesmal bequem per Zug eingefahren.

Finstergrund

Zeitweilig waren einige UV-Lampen volle pulle im Einsatz.

Finstergrund

Wie üblich gabs jede Menge fotografische Sehenswürdigkeiten.

Finstergrund

Kurzum, ein gelungenes, wohlverdientes Wochenende.

Links
Enntbach die Erste
Ennetbach die Zweite
mein Vorbeitrag Finstergrund
und die Finstergrundwebseite

Heimische Schrottkohlen

am 03. Februar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein kleiner Abstecher in die hiesige Braunkohleförderung Anno 2. Weltkrieg und vorherige nationale Notlagen. Wir nennen das schmucke Eck im Sanktgaller Kanton, Echeltswil Ennetbach, also, wies der Name sagt, jenseits des Baches, genauer, jenseits des Brückenbaches. Das Braunkohlebergwerk indes liegt auf Echeltswiler Hangseite.

Braunkohlegrube Ennetbach

Die Stollen sind allesamt nahe dem Bach was zweifelsohne, zu allen Epochen, für schier unüberwindliche Entwässerungsprobleme sorgte. Ich war vor geschlagenen 7 Jahren-Plus, damals ein ziemliches Bergbaugreenhorn, in den verborgenen Anlagen.

Heute nun ist mein Wissen umfangreicher und die Sicht auf diese abenteuerliche Braukohlegrube eine ganz andere, hinzukommend sind einige Vermessungsplane bereits in meinen Fundus gewandert.  Mein Fokus soll, in dieser Geschichte, der Zeitepoche um den 2. Weltkrieg gelten als Kohle zunehmend knapp wurde und alte Berghauen aus letzter Krise wieder reaktiviert wurden.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Die Mundlöcher, im Bild die Nummer 3, erinnern doch eher an Nagelfluh-Naturhöhlen als an modernen Bergbau.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch Stolleneingang der 4. ist nicht minder Rustikal, erschwerend plätschert der Bach frischfröhlich ins Stollensystem.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das 5. und um 1942 das wichtige Fördermundloch, ist heute mit einer Zementröhre ausgebaut die der Entwässerung dienen sollte. Wasser indes kommt nur Weniges aus der verhältnismässig grossen Röhre heraus.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das Wasser staut sich stattdessen bis fast aufs Stollendach in der rund 300 Meter langen Hauptstrecke. Das Kohleflöz, selten über 3 cm dick, verläuft, Bild Links recht, 45 Grad fallend. Es ist in der Hauptstrecke, deutlich sichtbar, Braunkohle, äusserst minderer Qualität, ausgekratzt. Immer wieder sind Gesenke, unbekannter Tiefe, im klaren Wasser sichtbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch die Gegenseite in Richtung des alten Abbaus ist eher Nass ich Nass und ohne Schwimmbereitschaft, mag ironisch klingen, kaum Fahrbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Der Blick in den Grubenplan zeigt den Stand 1942 mit einigen Ergänzungen meinerseits. Die Auftageanlagen sind alle Rückgebaut. Das alte Bergwerk, aus 1896, ist heute nur noch mittels Schwimmen, über Stollen 3, zu erreichen. Stollen 1 und Stollen 2 sind verfallen. Die Gesenke sind, gemäss Originalplan aus 1942, alle mit Versatz aufgefüllt. Ein aktueller Plan (1990) von Peter Heierle gezeichnet, offenbart ganz andere, interessante Details. So sollen einige Gesenke zwar voll Wasser aber ohne Versatz offen liegen. Tatsache ist, im klaren Wasser sind einige Abteufungen gut zu erkennen.

Das dies Bergwerk sich der Arbeitskraft des nahegelegenen Armenhauses bediente, könnte durchaus plausibel erscheinen. Die Nähe des, heute verschwundenen, Bürgerasyls legt diese Vermutung nahe. Das Amt für Kriegswirtschaft (die Oberhoheit des Bergbaus zu jener Zeit) und die Fürsorge könnten zu solch Krisenjahren eine durchwegs funktionale Zweckvereinigung gebildet haben. Die äusserst prekären Arbeitsbedingungen im Ennetbacher Braunkohlewerk sind kaum vergleichbar mit grösseren Braunkohlebergwerken welche über gut bezahltes Personal verfügten. Armut gepaart mit etwas subtilen Zwang könnte die abenteuerliche, lebensbedrohliche Untertagearbeit ermöglicht haben

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

So findet sich am Gegenseite der  Hauptstrasse ein altes Relikt, das Waschhaus, welches meine Theorie bestätigen täte.

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

(Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo). 

Der Blick aufs Flugbild von 1944 zeigt, rechts im Bild die beiden Bauten wovon das Strassenseitig anliegende Gebäude, das eigentliche Bürgerasyl, heute nicht mehr steht.

Die Vorgeschichte Ennetbach vom 9. November 2011 Auf den Spuren nahe verborgenen Kohlen

Dippoldiswalde

am 26. Januar 2019 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Nun ja wer eine Reise tut……

Nochmals, Beziehungen sind äusserst hilfreich um Einblicke ins längst Vergangenes zu erhaschen. Nicht weit von Freiberg, rund 25 Kilometer westlich findet sich das kleine Städtchen Dippoldiswalde. Dieser Ort, damals in mitten eines kaum durchdringbaren Dschungels, erblühte im 12. Jahrhundert dank reicher Silbererze.

Die alten Bergwerke, heute auf Stadtgebiet, sind kaum dokumentiert und einzig dank bekannter Bergsanierung wieder auffindbar. Es folgte, die Jahre 2012 bis heute, eine umfangreiche archäologische Aufarbeitung. Ein solcher, alter Schachtabbau schlummert zwischen Glashütterstrasse und Reinholdhainerweg in einer knapper Tiefe von ca. 20 Metern.

Dippoldiswalde

Wie üblich wieder die Freitaler Bergbausicherungsfirma mit Dreibeinförderanlage auf dem Schacht.

Dippoldiswalde

Was anfänglich ein dicker, grosser, zeitgenössischer Arbeitsschacht ist,

Dippoldiswalde

verengt sich zunehmend auf die annähernde Original-Feuersetzdimension des 12. Jahrhunderts.

Dippoldiswalde

Ein noch belassener, vertikaler Abbauschlitz, zeitweilig kaum 20 cm breit, verdeutlicht die beschwerlichen Arbeitsbedingungen welche die Knappen, fürs wenige Silber, auf sich nehmen mussten. Kinderarbeit war zu jener Zeit die Regel in solch eher kleineren Gruben.

Dippoldiswalde

Zurück auf der modernen Bergsicherungsbaustelle tröpfelt überall Wasser von den Wänden. Die Befürchtung das tief im Wasser weitere Unterwelten ruhen, wird sich bald bestätigen.

Dippoldiswalde

Wasser plätschert über manch wunderschön feuergesetztes Mittelalterprofil.

Dippoldiswalde

In einer Seitenabzweigung findet sich ein Stollenkreuz welches anfänglich vorgibt rein Horizontal 4 verschieden lange Stollenwerke zu verknüpfen. Wehe jedoch es wage der / die Neugierige das kleine Abbauschlitzlein im Bildhintergrund zu erreichen. Das trübe Wässerchen weiss unerwartet, überraschende Tiefe eines Schachtes auf. Schlammgefüllt wird dieser Abwärtsgang zur äusserst unangenehmen Erfahrung.

Bei genauerer Betrachtung erscheinen, knapp oberhalb der Wasserlinie, Balkenlager einer früheren Holzbühne. Es besteht kein Zweifel, in dieser Weitung stand einst ein Haspelgestell.

Dippoldiswalde

Das Haspelgestell könnte in etwa denjenigen entsprechen welches gegenwärtig im Bergbaumuseum Dippoldiswalde steht.

Dippoldiswalde

Kleines Plänchen zur Verdeutlichung der  Gruben.

Im 12. Jahrhundert sind meist vertikale Schächte, dem Erzgang folgend, getrieben worden. Viele solcher Schächte mit anschliessender, rund 40 oder mehr Meter, langen Stollenseitenarmen, finden  sich auf Stadtgebiet. Einige dieser Anlagen sind bereits archäologisch ausgewertet und, zur Stabilisierung, mit Beton verfüllt. Mein besuchtes Exemplar ist leicht ausserhalb des Stadtzentrums, wobei wohlbemerkt, die erste Stadt um ca. 1100 an Flüsschen „Rote Weisseritz“ zu stehen kam. Im 12. Jahrhundert war die Gegend stark bewaldet und kaum durchdringbar. Erst ums 13. Jahrhundert entstand die heutige Stadt etwas erhaben, im Schutze des Hochwassers, auf einem Felsvorsprung.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Die romanische Nicolaikirche steht am ursprünglichem Stadt-Ort und wurde ums 1200 gebaut. Damals erlangte Dippoldiswalde, dank des Bergbaus, üppigen Reichtum.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Reichtum welcher sich auch in reich verzierten Grabesstätten artikulierte.

Der Bergbau indes verstand in den Jahren um 1400 fast gänzlich von der Bildfläche.

Stollen Dippoldiswalde

Zwar sind einige Stollen bis in die Neuzeit bekannt doch deren Bedeutung schwand, im Gegensatz zu Freiberg, aufkommendes 19. Jahrhundert.

Geolokation Dippoldiswalde

Freiberg noch mehr Sehenswürdigkeiten

am 25. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Zweifelsohne, die Zeit schwimmt mir weg und irgendwann mal sollt ich ja auch wieder Geld verdienen. Trotzdem gibt’s in Freiberg immer noch schöne Sachen die ich schnell zum besten geben will.

Also mal kurzum en paar Bilder vom Besuch der Radstube des ehemaligen Pochwerks Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Aber erstmals das Fördergebäude mit dahinter liegendem Fördergerüst Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Wie ichs bereits von Gador kenne, unterhalb des Förderbaus, der Förderstollen welcher an den Schacht anknüpft,

Turmhofschacht

mit dem Klima entsprechender Eiszapfendekoration.

Aber nun mal die versprochenen Bilder der Radstube. Das Wasserrand mit 9 Meter durchmesser trieb einst die Pochstempel.

Radstube Turmhofschacht

Ansicht des Rads am Auflager

Radstube Turmhofschacht

und der Blick hinauf in Richtung Wasserrinne.

Radstube Turmhofschacht

Allerletzt an dieser Stelle, erst jetzt entdeckt, alte Bekannte aus städtischen Unterwelten,

Freiberg Ostwerke

Löfflerschacht, Stadtmauerschacht und Wiesenschacht sind doch irgendwie bereits im Vorbeitrag, mir übers QGIS gekrochen. Vielleicht packt mich wieder die Georeferenzierungslust, momentan lass ichs mal gut sein.

Die Geolokation in Topokarte

Freiberg

am 25. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wer etwas ambitionierter historische Bergbauforschung betreibt sollte minimum einmal des Lebens den Bergbauwahlfahrtsort Freiberg aufsuchen. Was für den gläubigen Moslem Mekka ist, ist für den Untertageforscher das Bergbau-Uni-Städtchen Freiberg. Freiberg ist, wie etliche Städte von zahlreichen Gängen unterhöhlt. Doch im Unterschied zu Rom oder Paris, waren dem Untergrund keineswegs nur vulgäre Baustoffe entlockt.  Freiberg baute auf Zinn, Silber und Blei und lies sich, gerne verbautes, sakralles Steinzeugs importieren.

Ich habe das Glück jemandem mit exzellenten Zugängen, in dieser schönen Stadt, zu kennen also nix wie hin den auch Luisa lebt nicht ewig.

Wie so oft auf Auslandpfaden hätt auch dieser Ausflug Platz in einigen Büchern. Da mein Wissen eher bescheiden ist und intensive Geschichtsaufarbeitung von Seiten einiger engagierter Freiberger bereits läuft, beschränke ich mich auf einen, eher rudimentären Befahrungsbericht des Familienschachtes unter dem „Untermarkt“.

An der Geschwister-Scholl-Strasse im Freiburger Dom-Viertel steht ein merkwürdig anmutendes Holztürmchen neueren Datums welches, mach Spaziergänger etwas verwundern mag.

Freiberg Familienschacht

Das kleine Holzhäuschen baute die Bergsicherung Freital GmbH, im Auftrag des Oberbergamt Saschen. Erst der innere, mir gewährte, Einblick offenbart deren genauere Bestimmung. Das Holzhaus umschliesst ein Fördergerüst mit dazu passenden Schacht. Der tonnlägige Schacht mit vertrauenserweckender Bezeichnung „Familienschacht“ führt ausgemauert 46 Meter in die Tiefe auf die erste Strecke des sogenannten „Jonas Spats“ ein Erzgang längeren Ausmasses. Das Schachtbauwerk in einer Schnittdimension von rund 4 x 2 Metern ist fast über die gesamte Falldistanz ausgemauert. Parallel zum Familienschacht liegt streckenweise ein zweiter Schacht welcher über Seitenstrecken, vom Hauptschacht aus, zu erreichen ist.

In der Tiefe – 46 Meter geschäftiges Treiben auf der oberen Sohle des Erzgangs.

Freiberg Familienschacht

Das umfangreiche Untertagewerk  wird gegenwärtig erkundet und Saniert womit ich, dank einer tollen Freundschaft, in dies, sonst kaum befahrene, System blicken durfte. Im Bild der Schachtboden mit Fördertonne auf dem 35 cm Spurweite-Hunt. Gemäss mir vorliegendem Plan sollt ein zweiter Schacht tonnlägig in Gegenrichtung eine noch tiefere Sohle erschliessen, doch zweiteres Bergmannswerk scheint ganz und gar nimmer Familientauglich. Der Wasserspiegel sitzt ziemlich nahe unter Holzboden, ergo, der tiefe Stollen ist abgesoffen. Ohnehin scheint Wasser in dieser Unterwelt allgegenwärtig, die Investition in eine 30m-Wasserdichte Kamera lohnte. Die Bergleute aus 18. Jahrhundert suchten dies Wasser mittels eingeschlagener Gequelle zu zähmen was mir eher wenig nützte.

Jonas Spat Freiberg

Neben der Schachtausmauerung, der Blick nach oben gerichtet, in den ausgeräumten Jonasspat. Bildmittig, trotz vernichtendem Blitzlicht, noch leicht zu erkennen, die Aussenseite der Schachtauskleidung.

Jonas Spat Freiberg

Und, nebenan, im ausgemauerten Familienschacht welchen wir zum Abstieg nutzten, auch die nach oben gerichtete Fotoperspektive, der Tonnlägige Schacht mit den Führungsbrettern für die Fördertonne. Hinter den Holzbrettern der Zuluftschlauch, zuständig für die Bewetterung der tiefen Grubenhauen.

Jonas Spat Freiberg

Knapp am Familienschacht zu, ein Relikt auf vergangener Tage welches Aufschluss über die frühere Bergbautätigkeit gewährt. Die, in die Stollenwand gehauene, Fund- und Gangtafel gibt Auskunft über den Gangnamen, das Jahr der Auffahrung und das Namenskürzel des amtlichen Vertreters. Ich entziffere ein 1786 auf der Gangtafel was, mit der, auf dem Grubenplan nahe markierten Jahreszahl 1790, plausibel erscheint.

Jonas Spat Freiberg

Leider ist der Fortlauf dieser Strecke bald von Metertiefen Seen durchkreuzt. Die Strecke folgt dem fast senkrecht stehenden Erzgang „Jonas Spat“ Nordwest und erreicht immer wieder bearbeitete Gangkreuzungen. Trotz Kanalhosen waren die tiefen Abteufungen in Richtung Bergakademie Freiberg unpassierbar.

Die Gegenseite, nicht minder interessant und bedeutend weiter fahrbar, diesmal auf  Südost-Kurs.

Jonas Spat Freiberg

Im Bild die trocknende Aufwältigungsstrecke, immer noch im Jonas-Spat-Erzgang. Die Bergleute der Bergsicherung verlegten Schienen wie auch den Zuluftschlauch tief ins Innere.

Jonas Spat Freiberg

Doch auch in diesem Bau artikuliert sich allmählich das ungeliebte Nass.

Jonas Spat Freiberg

Dies abfliessende Wässerchen, glücklicherweise lange, als harmloses Rinnsal, ermöglicht uns den Einblick in zunehmend flacher werdende Abbaugesenke. Zeitweilig ist ein Hineinkriechen in die Abbauspalten möglich aber eher beschwerlich.

Jonas Spat Freiberg

Das Wasser nimmt leider zu und der Stollen neigt sich, gefühlt, in die Tiefe. Leichter Dieselduft, ein Indiz für mögliche Verknüpfungen ins 20ste Jahrhundert, macht sich breit. Soweit ich glaube, erfolgte eine Kursänderung, die Abkehr vom Jonasspat, Richtung Nordost zum Wiesenschacht.

Da ich immer bedacht bin meinen Standort zu kennen ich jedoch, bei zunehmendem Alter, der Orientierung klage, bin ich froh um aufschlussreiche Grubenpläne die mir meiner Erinnerung und meinem Verständnis behilflich sind.

Solch einem machte ich Georeferenziert Digital in diverse Kartenwerke und wenn ich doch nur ganz wenig von Freiberg kenne so warens irgendwie immer 3 Punkte die ich übers Kartenmaterial wieder identifizieren konnte.

Erstmals interessiert mich die Gegenwart mit dem aufgelegten Grubenplan.

Freiberg im 2014

Der Gelb markierte Stollen ist unser befahrenes Werk. Der Einstieg führte, wie bereits erwähnt, über den Familienschacht in der Altstadt von Freiberg. Das rote Stollensystem liegt tiefer, wie tief entzieht sich meiner Kenntnis. Eindeutig, Rot ist masslos abgesoffen. Die hier dargestellten Stollen waren über 6 Tages-Schächte erschlossen wovon, heute, ich behaupte, keiner mehr zugänglich ist. Im Stollensystem selbst liegen weitere Blindschächte, unbekannter Tiefe und voll Wasser, mehr oder minder offen.

Indessen, soviel erscheint klar, haben sowohl Gelb wie auch Rot Verbindung zu anderen Gruben.

Freiberg Erzgänge

Eindrücklich wird dies ersichtlich auf obenstehender Grafik welche die Erzgangverläufe Raum Freiberg visualisiert. Die besuchten Erzgänge, Jonas und co, sind meinerseits Gelb-Rot koloriert.

Für mich als Geschichtsinteressierte Person sind die Vergangenheiten nicht minder spannend. Gutes Kartenmaterial gibt’s reichlich und QGIS, was ich langsam drauf habe, macht allerlei möglich.

Freiberg 1940

Mein erster Zeitmaschinenausflug führt mich ins Jahr 1940. Zu jener Zeit scheinen alle 6 Schachtkopfstandorte unverbaut. Einzig der Stadtgrabenschacht könnte, in Jahren der Hitlerdiktatur, unter der Strasse verschwunden sein. Ob der schmale Familienschacht damals offen war, ist eher anzuzweifeln. Die Geschwister-Schollstrasse, wenn doch 1940 eindeutig mit anderem Namen, könnte bereits in den 1940ern mit Pflastersteinen, wie im aktuellen Google Bild sichtbar, belegt gewesen sein. Auf dem Googlebild ist weit und breit kein Familienschacht-Einstieg in Sicht. So dürfte die Strasse Plus-Minus auch 1940 ausgesehen haben.

Freiberg 1600

Noch vor Zeiten des Familienschachtes geschweige den des Bergwerkes unter der Stadt, im 1600, sind alle Positionen der Schächte auch so, unverbaut. Das Wasser im nördlichen Stadtgraben indes musste eindeutig weichenansonsten wär der Stollen richtig rapide vollgelaufen. Meine visuelle Verlängerung des Jonas-Spats führt geradewegs ins Schachthäuschen Südost, ausserhalb der Stadtmauern. Diese Positionen sind, wahrscheinlich die längst betriebenen Bergwerke in Freiberg. Nochmals  

Allerletzt hier an dieser Stelle will ich die wahrscheinlich interessanteste Kartenprojektion, dem neugierigem Leser / Leserin nicht vorenthalten.

Die Karte nennt sich Berliner Meilenblätter von Friedrich Ludwig Aster und denkt die Zeitepoche 1781 bis 1810 also genau jene Zeitepoche in welche die gefundene Gangtafel fällt.

Freiberg 1800

Doch deren Ansicht offenbart mein versagen um rund 100 Meter an Stollenendausdehnung. Zwar stimmt mein Familienschacht haar genau und auch die Ostseite macht soweit Sinn doch mein Westlichster Schacht liegt 100 Meter daneben.

Detail 1800 Freiberg

In der Detailansich nochmals ersichtlich, der Familienschacht mit zu gehörigem Häuschen stimmt und ist auch auf den Meilenblättern drauf. Der Tagesschacht vom Priesterlichem Glückwunsch indes auf meiner Grubenplanzeichnung rund 100 Meter Nordwestlich vom Häuschen mit Flurnamen „Der Priesterliche Glückwunsch“.

Erkenntnis A) ich mach Fehler

Erkenntnis B) das Bergwerk existierte, als die Berliner Meilenblätter aufgenommen wurden, zwischen 1781 bis 1810 unter dem Namen „Der Priesterliche Glückwunsch“. Auch so erscheint auf der historischen Karte die Einhausung des Familienschachtes.

Kurzum, die kleinen QGIS Fingerübungen machten Spass und die Befahrung noch viel mehr.

Die Sachsen-WMSer sind auch richtig was Geiles.

Und allerletzt,  mein markantes Georeferenzierbollwerk und der Blick aus em Hotelzimmer darf an dieser Stelle keineswegs fehlen.

Donatturm Freiberg

Der Donatsturm so wie er steht und dies, so wies aussieht, seit über 419 Jahren, was sehr hilfreich war.

Und die Links:

Geoportal Sachsen, ist richtig was Gutes http://www.landesvermessung.sachsen.de

St Blasien Reviere noch Eine

am 13. Januar 2019 unter Steinerne Unterwelten, Ungelistet abgelegt

Es gibt kaum was schöneres als verschneite Wintertage obschon die Bergbauforschung in winterlicher Pracht zu versaufen droht. Zweifelsohne viel Schnee hilft der abenteuerlichen Stollensuche nicht wirklich trotzdem gabs eine kleine Bildergeschichte auf Klösterlichen Territorien.

Man kann nicht immer in warmer Stube alten Stollenbauten nachstehen und die Tage waren prädestiniert zu weiteren Entdeckungen. Dass wir den Schnee sichtlich unterschätzten tat einem schönen Ausflug keineswegs Abbruch. Da uns noch offene Geheimnisse nördlich der Gruben Gottesehre plagten, war der kleine Schneewanderausflug fast schon perfekt.

Sankt Blasien Reviere

Unsere Reise führte uns in südliche St Blasien-Reviere, Bergbau welcher schwergewichtig seinen Ursprung im spätem Mittelalter des klösterlichen Betriebs, hatte.

Der unterhalb Urberg gelegene, markante Erzgang war uns bereits bekannt wie die eigene Rucksacktasche. Geschichten zu diesen Fluoritvorkommen stehen auf „Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter“ respektive auf „Gottesehre“ doch die oberhalb gelegenen Gruben waren bis anhin gänzlich unbekannt. Da der Erzgang markant immer wieder aufgebrochen wurde, finden sich die Hauen, auch bei reichlich Schnee, erstaunlich fix.

Wetterschacht Gottesehre

Unterhalb Vogelsang, wo bis ins Jahr 1984 der Wetterschacht Gottesehren stand, startet heute ein Bergbaulehrpfand mit Infotafeln zum Thema. Denen Tafeln konnte ich den Verbleibt des mächtigen Bewetterungsschlitzes entlocken. So solle dies eindrucksvolle Belüftungssystem, nach Grubenstilllegung, mit Beton verfüllt worden sein. Unter solch Schneemassen wars uns ganz und gar nicht nach kräftiger Bestampfung des Schachtdeckels.

Erzgang Gottesehre

Auch die weiteren Erzgangaufhauen zeigten wenig relevante Details.

Leopoldstollen

Am gegenende des Berges im Steinbächletal indes eindeutig der erste wirklich interessante Bergbaufund, dieser jedoch mit Stahltür gut verriegelt. Die Türe schliesst eine Trinkwassersammelstelle die im Leopoldstollen verweilt, was uns zur Abkehr bewegte.

Nicht weit fern, auch noch in greifbarer Nähe zum Kloster, liegt ein weiteres, äusserst Spannendes Bergbaurelikt vergangener Tage. Genannt die Nickelgrube Friedrich August ob dem Klosterweiher. Ob der Weiher zum Sankt Blasien Kloster gehörte entzieht sich meiner Kenntnis, Tatsache ist, im Spätmittelalter gehörte so ziemlich alles den Sankt Blasien-Mönchen.  Das Nickelbergwerk indes ist erst ab 1800, als Teil eines weltlich geführten Vitriolwerkes, bekannt.

Friedrich August Grube

Nicht unweit des Weihers steht ein Bachsteinbau mit klaren Bergbauambitionen.

Friedrich August Grube

Und auch innerhalb des, halb abgebrannten, Gebäudes sind die Bergbauspuren offensichtlich. Mittig im Bildhintergrund öffnet ein Mundloch seine Pforten. Doch die Hoffnung einer ausgedehnten Befahrung  scheitert am Kegel eines ziemlich üblen Versturzes.

Friedrich August Grube

Zwar liesse sich der Versturz oberirdisch überbrücken doch das gestaute Stollenwasser ist nicht Weniges und füllend bis aufs Dach. Dies Werk muss eindeutig auf trockene Tage warten also suchten wir die oberen Bereiche der Friedrich August Grube.

Friedrich August Grube

Die oberen Etagen des, noch auffindbaren, Nickelbergwerks bestehen aus einem, abgesperrtem Tagebauschlitz und einem Familienausflugsplatz mit ausführlicher Infotafel zum früheren Bergbau. Zu endeckende Stollen fanden wir leider keine.

Friedrich August Grube

Indessen gibt’s ein sogenanntes Spielbergwerk mit kurzem Stollen und Grubenhunt vor dem Mundloch.

Friedrich August Grube

Was so in aller Öffentlichkeit, wenn doch gestern ziemlich verweist, dürfte uns eher weniger interessieren.  Was die Neugierde weckt sind die paar Kilometer Stollenbauten die wir leider nicht befahren konnten. Am Infopoint war ein prächtiger Grubenplan welcher ich rudimentär im QGIS georeferenzierte um mich auf die Vorfreude einzustimmen.

Friedrich August Grube

Etliche Stollen und Schächte durchziehen das Gebiet des Spielplatzes. Der alles verknüpfende unterste Stollen ist offen doch leider ziemlich voll Wasser. Da in Deutschland die Erkundung alter Bergwerke als schwerstes Kapitalverbrechen geahndet wird, lass ich weitere Details zum gestrigen Ausflug eher bleiben.    

Die Grube besteht, entgegen den meisten Hauen in näherer Umgebung, erst seit 1800 und förderte anfänglich Schwefelkies zur Herstellung von Schwefelsäure. Der hohe Nickelgehalt wurde im Jahre 1847 von Friedrich August Walchner, welcher der Grube den Namen gab, entdeckt. Fortan förderten die Stollen Nickelerz welches in Sankt Blasien verhüttet wurde. Während den Weltkriegen funktionierte die Grube hauptsächlich als Spekulationsobjekt der nach Nickel gierenden Kriegsindustrie.

Kilometerlange Stollen entstanden nennenswerte neue Vorkommen aufzufahren.

Vorgeschichten im Sankt Blasien Gebiet
Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter
Gottesehre

Und weitere Schwarzwaldgeschichten
Brenden Part II
Bergbaueinsichten Brenden
Gurgelnde Bergleuts und sonstig Süddeutsche Erkundungen
Altbergbau vs. moderne Zeiten
Noch mehr Segalerbacher Fluoriter
Segalenbacher Flourite
Sankt Basiens Bleiglänzer und sonstige Fluoriter

Saint-Sulpices Zementer und weitere Pilze

am 26. Dezember 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Das Val de Travers hat viel zu bieten und wer Hochentzündliches sucht wird sowohl beim Absinth wie auch beim Bitumen fündig, Zweiteres, zugegeben, doch nicht besonders Hochentzündlich, findest die neugierige Bergbauforscherin tief im Boden.

Doch  die Tage sind gezählt an denen, über Privatgeländer, ins Tief des Val de Travers eingefahren werden kann. Der 24. Dezember ist ideal zu solch Unternehmung und so war den dieser 24ste auch wieder ein Bergbautrip der eher grösseren Art realisiert.

Diesmal wars ein kleines Seiteneck des Val de Travers wo sich Stollensymbole auf dem Geologischen Atlas laut und deutlich artikulierten.

Das kleine Örtchen heisst Saint-Sulpice und solle zwischen 1879 und 1945 ein grosses Zementwerk beherbergt haben. Dieses Zementwerk nutze ein grosses Untertagekalkbergwerk zur Produktion.

Das Mundloch ist bereits auf dem Luftbild als effizient eingezäuntes Gebiet erkennbar, also nix wie hin.

Tatsächlich steht ein mühsamer Zaun und immer wieder Stacheldraht im Wege doch der Einstieg erforderte keinerlei Gewaltanwendung, etwas Baucheinziehen reichte und die Hürden waren überwunden.

Eingangs grosser Strecke steht einer Gedenkstätte unter drohender Warntafel die uns wieder die Gefahren des Alt-Bergbaus vor Augen führt.

Mine Saint-Sulpice

Ohne Zweifel wird hier, anhand des Textes ableitbar, an eine verstorbene Person erinnert. Die aufgestellten Artefakte könnten zu einem jungen Menschen mit Affinitäten fürs Fantasythema passen. Das gar diese Person im Bergwerk tödlich verunfallte scheint auch durchwegs plausibel.

Rund einen Meter des Gedenkplatzes entfernt warnt eine Tafel, in sehr grossen Lettern, vor, Steinschlag, Sauerstoffmangel und Orientierungsverlust. Alle drei Gefahren können eindeutig zutreffen wovon die gemessene Luft bei unserer Befahrung überall sichere Werte anzeigte. Indessen ist das Bergwerk von sehr grosser Liga und das Stollensystem, insbesondere in den alten Abbauten, äusserst unübersichtlich und Steinschlaggefährlich.

Der Betonierte Hauptstollen zieht sich einige 100 Meter in die Länge bis endlich zerklüftetes Bergbaufeeling aufkommt. Zwar gibt’s ziemlich anfangs der Hauptstrecke ein alter Abbau mit Stollenbahnschienenresten doch dieser Abbau war schnell erkundet und an Stelle wo es potentiell intersannt wurde, gnadenlos verstürzt.

Im zerklüfteten Stollensteil begegnet uns ein gut gebauter Bewohner. Ein Fuchs, ein sehr grosses Exemplar, scheint deutlich mehr Furcht zu haben als meine eher scheue Person. Ich versuch noch dies prächtige Tier abzulichten doch ohne Erfolg er weiss sich gut zu verbergen. Letztlich flüchtet der Fuchs ins Berginnere.

Mine Saint-Sulpice

Nach deutlichen Metern kreuzt unser Weg ein, in einer Wand eingebautes, Gebläse. Fest steht, wir beschritten eine zuletzt als Wetterstollen genutzte Strecke. Im Innern öffnet sich eine komplett neue Welt.

Zurückgelassene Landmaschinen, Kunststoffharasse und Spritzbetonauskleidung wir, mein Begleiter Matti und ich, befanden uns offensichtlich einer ehemaligen Champignon-Zucht.

Mine Saint-Sulpice

Traktore, stehen zwei in den Stollen und auch sonstwie Landwirtschaftsgerätschaften stehen einige rum.

Mine Saint-Sulpice

Teilweise hängen noch alte Leuchtstofflampen an Drähten. Die Stollen sind in diesem Sektor grösstenteils mit Spritzbeton ausgekleidet und oft ragen noch die Zuchttischstützen aus den Stollenwänden. Der Champignon-Sektor erstreckt sich über einige Kilometer.

Mine Saint-Sulpice

In tiefen Sohlen war Wasser ein, so wies aussieht, oft ärgerliches Problem. Einige Pumpen rosten vor sich her und ins Tief steht noch eine improvisierte Brücke. Das System verfügt über eine zweite Sohle die kaum bemerkbar unter die obere Sohle rutscht.

Mine Saint-Sulpice

Am Ende eines  dieser Stollen öffnet ein Schacht welcher wieder ins obere Stockwerk führt und mein Orientierungsdefizit wieder korrigiert.

Mine Saint-Sulpice

Kleine Abbau-Gesenke erinnern wieder an den Ursprung dieser Untertageanlage, namentlich des Abbaus von Kalk fürs damalige Zementwerk.

Wieder auf einer Pneu-Hauptstrecke, diesmal auf der Parallelstrecke Richtung Tag, sind auch wieder lange ausbetonierte Tunnelabschnitte durch den Berg getrieben. Geglaubt nahe Tag, wir wissens nicht so genau, erreichen wir ein unüberwindbares Versturzhindernis welches somit das Zweitmundloch weiterhin verbirgt.

Mine Saint-Sulpice

Kurz davor ein Wasserreservoir mit kleiner Öffnung obendurch. Eine Öffnung die spannende  Einblicke in den Kalkbergbau der ersten Stunde gewährte.

Mine Saint-Sulpice

Riesige Hallen, unterbrochen von meterhohen Versturzkegeln, prägen in dieser Zone Altbergbau das Bild. Klar ist nun, die betonierten Stollenabschnitte sind Teils in alte Stollen gepasst. Zeitweilig ist der Spaziergang auf der betonierten Stollendecke problemlos möglich.

Mine Saint-Sulpice

Ein heimtückisches Wirrwarr an Seitenstrecken macht jede Orientierung zunichte. Die Kunst des Auffindens der kleinen Öffnung ins neuere Pneufahrzeug-System war somit eher zufällig.

Mine Saint-Sulpice

In den hinteren Zonen liegt viel Wasser auch schmecken wir auf einigen Versturzhaufen den penetranten Duft ausgelaufenen Diesels. Die Zone ist, darin besteht kein Zweifel, a) sehr alt b) äusserst selten besucht.

Ich war überaus erfreut als wir den Durchschlupf ins neuere Werk, übers Wasserbecken, wieder fanden.

Mine Saint-Sulpice

Eine rudimentäre Handzeichnung aus dem Kopf heraus solle Helfen dies wirre Bergwerk zu begreifen.

Mine Saint-Sulpice

Hier nochmal das Ganze als Luftbild. Ich hab nichts ausgemessen, zwar haben wir irgendwo nen Messpunkt 1.0, welcher ein Indix fürs Pokettopo der HöFos ist, gefunden doch ein Plan kenn ich keinen. Einzig zwei Markierungen an der Wand die ein Hinweis aufs oberhalb liegende CFF-Trasse beinhalteten, eine Doline und die zwei Mundlochpositionen, wovon eines offen ist, halfen zum Bauen der QGIS-Zeichnung.

Der eigentliche Altbergbau, in zwei Bereiche unterteilt, West und Ost, liegt nahe Tag im Süden, die neueren Pneufahrzeugbau-Stollen, die zuletzt als Champignon-Zucht dienten, sind tief im Berg nördlich zu finden.  Mundlöcher vermute ich 2 wovon das östliche offen ist. Die Weststrecke ist ziemlich bald eingestürzt. Die Stollenlängen sind äusserst zurückhaltend gezeichnet. Wir waren 5 Stunden unter Tage und dies fast immer in Bewegung.

Mine Saint-Sulpice

Am Mundloch West, wo die Gedenkstätte steht, liegt ein vergittertes Nebenmundloch welches, ich vermute, einst ein Förderbandzugang ins Zementwerk war. Später wurde dieser Transportgang als Wetterstrecke für die Pilzzucht verwendet.

Mine Saint-Sulpice

Die Doline welche, da bin ich mir ziemlich sicher, dank des Ostabbaus entstanden ist, beherbergt eine Reihe interessanter Artefakte altertümlicher Konsumgüter. So liegt ein halbes Auto, geschätzte Modeepoche um 1950, und auch die Fässer sind eher älterem Baujahrs.

Trotz des Val de Travers ist uns nicht ein bisschen Bitumen begegnet. In den Stollen soviel stett fest war einzig Kalk und Champignons gefördert worden.

Zwischen 1879  und 1945 förderte das Zementwerk Portland St. Sulpice Kalk in verschiedenen Gruben.  

Nach Aufgabe des Zementwerks 1945 folge die Champignonzucht zuletzt von „Champignons Ducommun St-Sulpice SA“ betrieben.

2002 meldete die genannte Gesellschaft Konkurs welcher im 2004 abschloss. Der Einsturz des Mundlochs dürfte kurz nach Konkursabschluss erfolgt sein.

Im noch fahrbaren Hauptstollen haben wir Pferdespuren gefunden. Es bleibt indes ein Rätsel was die Pferde im Stollen sollten. Sicher ist, Traktore und sonstige Grössere Gerätschaften bleiben im Berg, durch den noch offenen Stollen sind die Teile nicht transportierbar.

Die Aussenanlagen, das Aussenareal ist Privat und dient Teils aus Weidewiese teils, ich vermute, als illegaler Entsorgungshof. Es stehen einige zerstückelte Autos rum auch steht, nahe den alten Lagerhallen, ein mächtiger, selbstgebastelter Müllverbrennungsofen.

Vorgeschichte Val de Travers vom 25.12.2016 Heimische Erdöle

Flüela

am 30. Oktober 2018 unter Reisen, Steinerne Unterwelten abgelegt

Oder, wo mal einst aus allen Rohren geballert hätte werden sollen.

Kleine Bilderserie einer Passfahrt auf em Weg ins Buffalorageheimnis mit Zwischenhalt in sonstigen Militärgeheimnissen.

Flüelapass

Wie nur selten waren dieser Herbsttage von kaum zu übertreffender Schönheit.

Flüelapass

Die Reise führte uns, Christina und mich, erstmals ins Flüela-Hospiz zu feinem Rehschnitzel was sich leider als doch nicht so lecker erwies. Wie oft geschmeckt, wird feinstes Wild in minder feiner Gastro-Packungs-Sauce ertränkt. Dafür kompensierten die starken Herbstfarben in naher Parkplatzumgebung.

Chant Sura

Wenige Meter unterhalb des Passes eine, noch friedliche Alpwiese, die zu Verweilen einladete.

Chant Sura

Noch eins weils so schön war.

Ich glaubte auf erster MG-Stellung zu stehen was sich, bei zweiter Sichtung meines Untergrundes, als Irrtum erwies.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Wieder was Weniges tiefer tauchen die ersten Sperrstellen im Berg auf.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Die Neugierde war gross und ich wollte den Einstieg wagen. Leider jedoch war der Zugang zur Doppel-MG-Stellung mit KESO-Zylinder gut verriegelt. Zwar lag Aufbohrzeugs im nahe geparktem Auto doch ich wollte mich dieser Tage von meiner beherrschten Seite zeigen. Vielleicht sollte die eigentliche Stellung oder ein Notausstieg noch offen sein.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Leider weit gefehlt, die erste erreichte MG-Stellung war mit Quadern vermauert

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

und auch zweiter MG-Stand verweigerte Einlass.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

So musste ich mich mit der Erkundung des möglichen Sprengobjektes, der Brücke begnügen.

Chant sura

Wahrscheinlich als Truppenunterkunft könnte das Gebäude am Strassenrand gedieht haben.

Chant Sura Sperrstelle

In der Kartensituation ist die nördliche MG Stellung meinerseits eindeutig erkundet. Die südlichen Stände sind indes meinerseits einzig Annahme wobei ich, anhand des Wegverlaufes, wahrscheinlich gar nicht so falsch liegen dürfte.

Zu meiner Wehranlage gibt’s auf der Festungs-Oberland-Seite weitere, aufschlussreiche Informationen unter: Sperre 1249 Flüela-Pass GR

Buffalora Ergänzendes

am 28. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Nach einigen QGIS-Schiebereien und weiteren Austausch mit beteiligten Mitforschern sind mir nun die Stollennamen des Produktiven Bergwerks bekannt. Auch tretten immer wieder neue spannende Funde die einer Geschichte würdig sind. Klar, im Munt Buffalora liegt ungeahnt viel Geschichte drin. Wenige Industrieanlagen aus der Zeit zwischen 1100 und 1600 sind in solch ursprünglichem Zustand erhalten geblieben.

Stollen Buffalora

Soviel steht fest, es gibt minimum ein produktives Bergwerk welches Eisenerz förderte und eine Vielzahl von Suchstollen wovon der grösste Teil keine nennenswerte Erze zu Tage förderte. Wenige Suchstollen trotzten dem Zahn der Zeit noch bis heut oder sie waren nicht überliefert wieder aufgewältigt worden. Fest steht, von den rund 80 Stollen die Daniel Schläpfer in seiner  Disertationsarbeit erkannt haben will, sind 2 bis 3 offen geblieben oder undokumentiert wieder geöffnet der Rest lang oder liegt noch tief im Schutt.

Die Ersten Bergmännischen Erfolge traten auf Tage am „Crap Gotschna“ dem roten Stein bei 2507 müm auf. Dieser Rote Stein ist ein Eisenerzhaltige Felsblock welcher noch heute gut erkennbar auf Luftbildern wiederzufinden ist. Ab Crap Gotschna begann ein aktiver, immer mehr Untertage-wirkender, Bergbau welcher dem Erzgang unter Crap Gotschna folgte. Crap Gotschna, wissen wir heute, ist der Erzausbiss eines Ganges welcher in Nordrichtung steil fällt.

Halden Buffalora

Über einige Jahrhunderte sind, mit Unterbrüchen, etliche Stollen entstanden welche den Erzgang unterfuhren und somit die Transportlogistik zunehmend verbesserten. Das produktive Bergwerk welcher sich unter den roten Stein grub dürfte rund 10 Hauptförderstollen umfasst haben.  Bekannt sind heute deren 4. Die unteren 2 nennen sich „Sonch Michael I und II“ die oberen sind die genannten „Sonch Rafael I und II“ beide Stollennamen basieren auf neuzeitliche 21. Jahrhundert Namensgebung. Die unteren Halden im Bild könnten zu „Sonch Rafael“ gehören. An den Halden indes sind keine Mundlöcher mehr offen.

Bis Sonch Michael I könnte der Erzgang geführt haben. Sonch Michael I ist in kurzen Abschnitten Fahrbar doch an keiner Stelle sind Anzeichen einer Abteufung sichtbar. Alle tieferen Stollenbauten waren wahrscheinlich gut gebluffte Bauernfängerei denn, das Eisenfieber grassierte in damaliger Bergbau und Händlersiendlung  Buffalora und etliche Abenteurer versuchten sich im Eisenschürfen. Währenddessen, so berichtet „CAMPELL“ um 1571, das ansässige Wirtepaar im Dorfe Buffalora sich der Dieberei und des Raubtums betätigte.

Halden Buffalora

Wer den Blick in die untenstehenden Bergwerksanlagen schweifen lässt wird, mit bescheidener Phantasie, unsäglicher Arbeits- und Materialaufwand anno 1560 wiedererkennen und dies ohne erkennbares Resultat. Manche der heute aufgewältigten Stollen, etwa „Scheraweg I“ messen über 200 Meter Länge ohne den Hauch eines Erzkrümelchens.  Der Erzgang, so kann ichs heute zurückverfolgen, wäre wenn überhaupt,  erst ab einer Stollentiefe von rund 400 Meter auffindbar. Die 400 Stollenmeter ohne Gewinn hätte auch damals jede Gesellschaft in den Ruin getrieben. So muss sich auf Buffalora ein illustres Grüpplein schlauer Händler, rauer Bergleut und diebischer Leut zusammengefunden haben. Der 3 Länderknoten, Bormio, Sta. Maria, Zernez war aber zweifelsohne auch Handwerkskunstdrehscheibe und vermutlich Testgelände moderner ferner Bergbau und Hüttenkunst.

Während vermutlich die Pächter der rund 40 unteren Stollenbauten sämtliche Investitionen in den Schutt setzten rollten die Erzgefüllten Hunte auf den oberen Anlagen.  Der heutige Einstieg ins produktive Bergwerk erfolgt über, einen Schacht Baujahr 2017, welcher die Nebenstrecke „Sonch Rafael I“  anschneidet.

Sonch Rafael I

Sonch Rafael I ist mit Holzlauf-Schienen für Mitteldornhunte ausgestattet, soweit nichts aussergewöhnliches, den alle grösseren Strecken sind mit diesem System ausgebaut. Einzig,  unser Einstiegs Sonch Rafael I fährt keine Erzlager an.

Alter Mann Sonch Rafael I

In Sonch Rafael  I führt ein Nebenstollen, ohne Erkennbaren Grund, durchs taube Gestein wieder Richtung Norden. Der Stollen ist gekennzeichnet mit Andreaskreuz, welches in Bergmannssymbolik auf die Gefahren des alten Mannes aufmerksam macht. Wie üblich im Mittelalterbergbau, folgt auch Sonch Rafael I grösstenteils einer weichen Verwerfung. Einzig der Seitenstollen, wie auch gegen Ende des Hauptstollens, ist ins Harte Gestein gearbeitet worden. Unser Sonch Rafael I endigt an harter Felsfront in eine Schachtanlage die auf die Förderstrecke Sonch Michael II knüpft.

Der Einstiegs- Sonch Rafael I kennt keinerlei, respektive nur sehr bescheidene Erzzeichen, die Erzfelder öffnen sich ab Laufmeter 100 an Aufwärts. Sonch Rafael I bis Schachtanlage erreicht die 100 Meter nicht. Im Innern des Bergwerk indes wird eine klare Struktur symmetrisch angeordneter Förderstollen ersichtlich.  Es gibt’s also, tief im Berginnern, eine zweite Sonch Rafael I Strecke die über einen separaten Zugang verfügte.

Es gibt’s somit ein Sonch Rafael I welcher uns als Zustieg dient und ein Sonch Rafael I welcher damals den Bergleuten als Transportstrecke diente.

Ich glaube der Sonch Rafael I wie wir in kennen hätte die Transportstrecke Sonch Rafael I anfahren sollen. Wir wissen nicht wie die Sonch Rafael I-Transportstrecke erschlossen war. Es könnte sein das der Aushub mühsam mittels Schacht ans Tageslicht gezogen wurde. Das Bergwerk zeigt eindeutige Zeichen periodischer Modernisierungsarbeiten. Der Transport war bei Stollenlängen um die 500 Meter richtig en Problem. Steigungen mit prall gefüllten Grubenhunten schmälerten den Gewinn eines Bergbaubetriebs teils massiv. Immer wieder treffen wir Rolllöcher und Abwurfbrücken die auf eine gewollte effiziente Transportlogistik hinweisen.

Unser Sonch Rafael I, so meine Theorie, hätte auf den Transportstollen Sonch Rafael I treffen sollen doch auf dem Weg dorthin machte sich hartes Gestein breit. Währenddessen entsteht, eine ebene Tiefer, heutiger Sonch Michael II. Die Schachtverbindung zwischen Sonch Rafael I und  Sonch Michael II sollte als Feuersetzkamin amten um Sonch Michael II wie auch eventuell Sonch Rafael I mit Feuersetztechnik Vorzutreiben. Heute ist Sonch Michael II eine, zwar zeitweilig verstürzte aber eindeutig leicht fallende Förderstrecke mit klar erkennbarer Halde.

Und auch die nächsttiefere Strecke war, soweit wir dies beurteilen können, durchgehend leicht fallend ohne Schacht Tageführend.

Die höchste uns bekannte Strecke des Werkes ist Sonch Rafael II indes, eindeutig erkennbar, weitere Strecken oberhalb.

Klar ist, Sonch Rafael I unser Zustiegsstollen endet genau an der Schachtanlage. Das Vorhaben diesen weiterzutreiben mit Hilfe des Mürbemachenden Feuers wurde nie realisiert.

Plan Minieras da Fiern

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Bestückt mit aktuellen Angaben lässt sich die Grubenstruktur, auch ohne Umfangreiche Vermessung, rudimentär recht gut zurückverfolgen. Die 4 Abbaufelder scheinen plausibel und auch die 4 Tageführenden Strecken sind einleuchtend. Sonch Rafael I bleibt unterteilt in Förderstrecke und vermutet Feuersetzstrecke.

Plan Minieras da Fiern

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Im Luftbild die erkennbaren Halden mit dazugehörigen Stollenwerken.

Plan Minieras da Fiern

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Auch die Schnittzeichnung darf sich einiger Anpassungen erfreuen. Neu sind die Namen klar und auch das Konstrukt der zwei Sonch Rafael I-Strecken erscheint mir plausibler den je.

Und abschliessend Buffalora wird, so fürchte ich, noch viele Geschichten beinhalten.

Die Vorgeschichten:
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Buffalora Part II

am 21. Oktober 2018 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es könnt nicht anders sein, dies Eisen-Bergwerk, genanntes Minieras da Fiern, birgt viel Suchtpotential. Insbesondere das Forscherherz findet viele Kulturhistorische Schätze die, noch, einer Geschichtsschreibung entbehren.

Klar, meine Freunde und ich waren wieder da.

Klar auch, wir mussten tiefer Vordringen, zwei weitere obere Grundstrecken haben wir, unter Einsatz üblicher Seilschaften, erreicht.

Und klar, ich muss die Geschichte aufarbeiten ehe ich alles wieder vergesse.

Am Mount Buffalora südwestlich des Ofenpasses liegt eine weitläufige, längs versunkene Industrieanlage die gemäss Überlieferung gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Betrieb einstellte. In Rund 80 Stollen sollen, gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit, hauptsächlich Eisenerzen gefördert worden sein wobei vermutlich ein Bruchteil der 80 Stollen effektiv Gewinn erwirtschaftete. Die Betriebsepoche erstreckte sich zwischen 1300 und was Weniges nach 1600. In dieser Zeit herrschte reges Treiben auf Buffalora. Eine Bergbau und Händlersiedlung  schmiegte sich vom Talboden hinauf zur Alp Buffalora. An der Nordflanke des Mount Buffalora kippten arme Schutter-Buben Kubikmeter für Kubikmeter Schutt auf mächtig anwachsende Halden.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Halden sind noch heute gut Sichtbar sowohl auf Luftbilder wie in freier Wildbahn. Unsereins nutze die eher Windgeschützen Halden zu willkommenen Zmittagplatz in kalten Oktobertagen.

Indes will ich mich aufs Innenleben eines relativ modernen Bergwerks konzentrieren. Nach wie vor sind von den 80 Stollen nur wenige bekannt, insbesondere die nicht produktiven, im tauben Fels verlaufenden, Gruben finden Erwähnung auf  Daniel Schläpfers Disertationsarbeit. Der Durchbruch ins Produktive Bergwerk, mit vermutet ca 10 zusammengehörenden Grundstrecken, schaffte  Cristian Conradin mit seinen Freunden vor kurzem. Es bleibt ein zu entdeckendes Bergwerk welches seiner Zeit damals weit voraus lag.

Eine Kurzvermessung schaffte bei unserem ersten Besuch einen ganz tauglichen Überblick über die umfangreiche Anlage, siehe Beitrag Buffalora. Aus dieser Kurzvermessung konnte ich ein Seigerriss konstruieren welcher die vermessene Strecke wiedergab.

Minieras da Fiern Buffalora

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Alle Grundstrecken des Eisenerzfördernden Bergwerks sind verfallen. Die, in einen Schacht einlaufende, Grundstrecke San Rafael konnte indes,  mittels Tagesschacht, aufgewältigt werden. Der Einstieg in die Bergbau-Industrielandschaft war somit möglich. Da wir, in der Hauptsache, dies Werk zum Zweiten aufsuchten waren weitere Erkenntnisse zur Struktur der oberen wie auch der untersten Sohle gegeben.

Minieras da Fiern Buffalora

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Ich habe nun eine durchaus gewagte Schnittzeichnung aus meiner Vorstellungskraft heraus gezeichnet. Geschnitten habe ich das Werk auf einer Nord-Südachse auf ungefährer Stollentiefe des letzten Abbaufeldes.

Minieras da Fiern Buffalora

Ich nehme an dass die Knappen auf ca. 4, fast vertikal verlaufenden, Abbaufeldern den Erzgang abtrugen. Die Felder waren mittels etwa 10, mit Rollmaterial (Mitteldornhunte) ausgebauten, Fahrstollen, auf einer Gesamthöhe von 120 Metern, erschlossen. Bekannt sind uns bis zur Stunde die tiefsten 4 Grundstrecken, in meiner Karte 4 rote Linien. Ungefähre Maximallänge der Stollen könnte bei 500 Meter liegen.  Die uns bekannten Stollen sind mit San Rafael und San Michael benamst, indes erwähnend, die Namensgebung der Stollen stammt aus 21. Jahrhundert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Karte um 1896 zeigt auf dem höchstgelegenen Werkareal zwei Ruinensymbole die vermutlich vom dortig ansässigen Tagebau stammen. Noch ist einiges Nebulös im Innern der rund 30 Stollenkilometer umfassenden Hauptgrube doch allmählich lichtet sich, pro neu entdeckte Grundstrecke, der Nebel der Vergangenheit.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Abbauten, ich teile diese in 3 bis 4 ungefähr ausmachbare Felder ein, verlaufen meist Steil dem, immer wieder auskeilendem Erzgang, von Nord nach Süden folgend. Manche Abbauten sind Handzahm zu Fuss fahrbar. Im Bild Feld 3 ab San Michael II Grundstrecke.

Minieras da Fiern Buffalora

Wiederum welche Gesenke, im Bild Feld 4 ab San Rafael Grundstrecke, sind einzig per Seil zu befahren.  Über diese, noch offenen, Gesenke war uns die Erkundung der oberen Grundstrecken möglich.

Minieras da Fiern Buffalora

Eine raffinierte Schachtvernetzung machte den unterirdischen Material und Personentransport effizienter. Im Bild ein rechteckig ausgehauener Schacht zwischen einem versetzten Abbau  Feld 4 / San Michael II  und der Grundstrecke San Rafael I.

Minieras da Fiern Buffalora

Dies Exemplar des Fahr und Fördertrums erschliesst Feld 3 / San Michael II mit einer Nebenstrecke San Rafael I. Schutthaufen am Schachtboden lassen darauf schliessen dass die Schächte in der letzten Betriebsperiode hauptsächlich als Rolllöcher für den Aushub amteten.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Hauptstrecken sind, wie wirs bereits von der Michael II Strecke kennen, gegen Tag mit Holz ausgebaut. Das 700 Jährige Stützmaterial lebt kaum noch an irgend einer Stelle.

Minieras da Fiern Buffalora

Interessant, und nicht wirklich erklärbar sind die offensichtlichen Stollentrennungen mittels Holzwände auf den oberen zwei uns bekannten Hauptstrecken. Als Wettertüre ist die Konstruktion zu tief angelegt, einzig vielleicht zur Verhinderung des unvorsichtigen Betretens könnte diese Bretterwand gedient haben. Tatsache ist, hinter den Brettern klafft am Boden ein Abbauschacht.

Minieras da Fiern Buffalora

Auch auf der zweiten Sohle gibt’s, am Schacht zu, solch eine Wand, diese indes bereits mit etwas Schutt befüllt. Interessantes Detail an diesem Standort ausmachbar, die Wand ist unter anderem mit zwei Haspelaufzugsstützen gebaut. Die Hornlager indes, wie bei erster Befahrung Buffalora beobachtet, fehlen an diesen Elementen. Wahrscheinlich war einst ein Haspelaufzug am Schacht montiert, nach deren Gebrauch wurde das Holz schnell zur Trennwand umfunktioniert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Strecken waren, so wies aussieht, ausnahmslos mit einem Mitteldornschienensystem ausgestattet.

Minieras da Fiern Buffalora

Teilweise sind die Holzschienen demontiert einzig die Schwellen, respektive die Verbinderschwellen liegen noch am Boden.

Minieras da Fiern Buffalora

Fein säuberlich liegen Erztrog wie Erzmocken nebeneinander als hätten die Knappen noch am letzten Betriebstag sauber die Spuren drapiert.

Minieras da Fiern Buffalora

Mancherorts sind lustige Stillleben erhalten die vermutlich aus Nachbergbauepochen stammen. Auf einer hochgelegenen, verspannten Holzlatte sind edle 2 Erzbrocken platziert. Minderwertige Erzware liegt gehäuft am  Stollenboden. Entweder haben hier unsere Jungs ein Streich gespielt oder sonstwie in Neuzeit wollte jemand die besseren Klümpchen verbergen. Effizient war dieser Jemand keineswegs, das auf der Latte platzierte Eisenerz springt förmlich ins Sichtfeld.

Minieras da Fiern Buffalora

Mich interessierten weiter die überall eingeritzten Schriftzeichen. Hier im Bild ein etwas erweitertes Andreaskreuz in Strecke Michael I. Da Schrift und Zeichen viel über vergangene Geschichte erzählen, versuchte ich, mit echt unwissenschaftlichen Methoden, die Zeichen zu deuten.

Dazu bannte ich die Literarischen Werke erstmals in Vektorgrafiken um gewisse Gemeinsamkeiten zu analysieren und womöglich Zeitepochen herauszufiltern.

Minieras da Fiern Buffalora

Es gibt regelrecht eingeschlagene Zeichen und Buchstaben, links in meiner Visualisierung Sichtbar, und es gibt eingeritzte Zeichnungen, rechts im Bild. Die eingeschlagenen Zeichen, könnte F R sein, sind mit Stumpfem Werkzeug, unter Gewaltanwendung, in den Fels eingeschlagen. Als mögliche Werkzeuge kommen Fäustel und Bergeisen in Frage indes könnte das F R auch mit Elektromeisel und Schlosserhammer gefertigt sein. Zweitere Variante, 20. Jahrhundert, erachte ich jedoch eher als Unwahrscheinlich.  Die Grube, so weiss es Daniel Schläpfer, solle einige Hundert Jahre unerreichbar gewesen sein. Die Andreaskreuze wie auch das Christenkreuz sind mit scharfem Gegenstand eingeritzt. Frisch gespitztes Bergeisen wie auch zeitgenössisches Sackmesser wäre denkbar, jedoch auch hier, Variante 2 eher unwahrscheinlich.

Das Andreaskreuz ist im Bergbau als Warnsymbol, seit vielen Jahrhunderten, weit verbreitet. Mittels  Andreaskreuz, zumeist in Form zweier überkreuzter Bretter im Stollen, wird vor den Gefahren des alten Mannes gewarnt. Da der Fundort des Andreaskreuzes im Stollen San Michael I zur letzten Bergbauperiode zugeordnet werden kann, ist alter Mann so ziemlich ausgeschlossen. Das Christenkreuz verweist im Bergbau auf einen Todesfall. Die Kombination Todesfall im alten Mann macht in der beobachteten Situation kaum Sinn trotzdem könnt vielleicht ein Krümel Plausibilität drinne sein.

Minieras da Fiern Buffalora

Zweites Artefakt, die Zeichen P A, meiner Meinung nach Bubengekritzel. Die Initialen des Bergknappen sind zwar im Bergbau seit vielen Jahrhunderten weit verbreitet doch das repetitive Anbringen dieser Initialen ist unter Bergleuten, als unkameradschaftlich, verpönt. Der Schriftstill ist unbestritten eher ältere Kulturepoche doch die repetitive Darstellung, trotz einigem Symbolgehalt (Grabkreuz, Grab), kann kaum dem Bergbauhandwerk zugeordnet werden. Auch die Tatsache, Übung macht den Schriftgelehrten von rechts nach links spricht eher fürs Abenteuerspielplätzchen.

Minieras da Fiern Buffalora

Dieser Fund stellt mich definitiv an die Wand. Links ist das erweiterte Andreaskreuz vom oberen Foto, mittig und rechts ein offensichtlich sich wiederholendes Symbol. Das Andreaskreuz könnte, mit viel Fantasie, sowas in der Form wie überkreuzter Fäusten und Bergeisen sein. Wie gesagt, die Fantasie muss, zu solch Interpretation, förmlich quadriert in Erscheinung treten. Zweiteres Symbol, das erweiterte W, kommt in leicht geänderter Form, in der tiefsten San Michael I Grundstrecke vor. Symbol sind 4 Christenkreuze um ein W angeordnet. Das Zeichen ähnelnd der Anschlägersymbolik doch ohne ersichtlichen Zusammenhang. Der Zimmermann ist ohne Zweifel, in dieser Anlage, ein wichtiger Facharbeiter doch sein Holz hat ausgerechnet auf Sohle  San Michael I eine ziemlich sekundäre Bedeutung. Das Symbol des erweiterten W kommt oft vor, so als wolle der Tagsetzer, wie zu neuzeitlicher Streetartkultur, sein Revier weitläufig markieren. Bergbau, aus meiner Sicht, eher nicht.

Minieras da Fiern Buffalora

Hier im Bild das repetitive Symbol, links in Grundsohle San Michael I rechts in Grundsohle San Michael II. Der Schriftgelehrte wechselte über, einzig zugänglichen Zugang, Abwurf um Feld 3 bis 4, die Sohle auf Grundsohle San Michael II, + 12 bis 15m.

Zweifelsohne, die Zeichen, nur wenige sind von mir erfasst, geben einige Rätsel auf. Die Rätsel sind, meiner Meinung nach, wahrscheinlich nie eindeutig knackbar, es bleibt bei viel Interpretationsspielraum trotzdem wird allmählich eine Annäherung möglich werden. Die Masse der erfassten Daten verfeinert die Auswertung, in diesem Sinne, ich bleib dran.

Vorbeiträge
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora