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Archiv der Kategorie 'Steinerne Unterwelten'

Eine Buffalorageschiche

am 06. November 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

oder die Dynamik einer verlorener Colaflasche und die damit verbundene Entdeckung der Strecke Michael I.

Vorweg, Streckennamen sind Neuzeit, von uns, der Buffalora / Valdera -Truppe, kreiert. Der Name für die heute nachweislich tiefste Strecke eines aktiv Eisenerzförderndes Bergwerks ist von uns, oder genauer, von Cristian, als Michael I getauft worden.  Die Namensgebung diverser Stollen demzufolge in den Jahren 2000 bis 2022 etstanden. Die Strecke Michael I galt als verstürzt und unerreichbar. Versuche diese aufzuwältigen scheiterten in verschiedenen bekannten Zeitepochen. Die Bergleute um die Jahre 1520er indes wussten um deren Bedeutung und deren Stabilitäts-Problematik.

Michael I Buffalora

Verfallenes Mundloch Michael I rechts von meiner Partnerin im Herbst 2020. Links sichtbar die riesige Abraumhalde der Strecke Michael II.

Buffalora Gruben 1934

Auch am 15.09.1934 waren wahrscheinlich alle Mundlöcher des Hauptbergwerks bereits verfallen. Einige wenige Sondierstollen indes waren, und sind heute noch offen. Auf dem Foto von 1934 sind kaum Spuren möglicher offener Mundlöcher sichtbar.

Aber, an dieser Stelle, nach kleiner Ausschweife, zurück zur gut verborgenen Colaflasche. Damals, ich berichtete auf „Die verlorene Colaflasche“ warf jemand eine Colaflasche in einen, an Michael II anschliessenden Blindschacht. Die Offenlegung dieses Schachtes brauchte keine Colaflasche zu Tage stattdessen tauchten neue Schachtbauten auf. Auch diesmal waren die Schachtbauten abwärtsführend mit Sand verfüllt. Am 24.9.2022 beschloss ein kleiner Teil unserer Truppe weiter abwärts in die Schachttiefe zu graben mit wahrhaftig durchschlagendem Erfolg. Auch dieser Blindschacht führte weiter auf eine fast schon bedeutend, legendäre Strecke.

Klar ist, die Colaflasche bleib bis heute unentdeckt stattdessen gelang der Durchstich auf Michael I und damit waren neue, richtig bahnbrechende Erkenntnisse möglich.

cogischacht

Im Detail, die Michael I Strecke schliesst an die Verlängerung des Cogi-Schachtsystems. Der heute gut abgedeckte Parallelschacht zum Cogischacht diente als Abwurf. Die Verladestelle auf Michael I ist eng und alles andere als komfortabel was auf eine eher nebensächliche Förderstrecke hindeutet. Auch die Halde Michael I ist deutlich kleiner als der Michael II Abraumhaufen.

Grundstrecke Michael I

Auf Sohle 1, Michael I, bleibt die Stollenhöhe sowohl in die bereits vermessene Tagesstrecke wie auch in die noch nicht vermessene Bergstrecke lange bescheiden niedrig. Indessen ist alles mit Laufbrettern für die Grubenhunte ausgebaut. Bergseitig wie auch Tagseitig weitet sich die Strecke jedoch auf Aufrechtstehend-Höhen.

Grundstrecke Michael I

Bergseitig liegen verfüllte Abbauten in vertikal steigender Richtung an. Eine mögliche Abbau oder eine Abwurföffnung ist mit Holzdacht robust und 500 Jährig verschlossen.

In Tagrichtung knickt die Michael I Fahr-Strecke rechtwinklig.

Grundstrecke Michael I

Zur effizienten Überwindung der Richtungsänderung sind gebogene Holzplanken eingebaut. Die sichtbare Geradeaus-Strecke endet nach 18.6 Metern in Stollenbrust. Trotz fehlender Vermessung der Bergstrecke spricht viel für eine, nie vollendete Umgehungstrecke welche den Verladeplatz mit niederer Stollenhöhe hätte umfahren sollen.

Die Strecke Michael I kann nach heutigem Erkenntnisstand als letztes Aufbäumen des Valderabergbaus um ca. 1520 betrachtet werden. Einige Spuren deuten auf umfangreich projektierte Bauvorhaben zur Rationalisierung der Förderlogistik. Bauvorhaben jedoch die, mangels Ertrag, nie Vollendung fanden.

Grundstrecke Michael I

Fest steht, wo die Gesteinsschicht genügend stabil wirkte, weisst die Strecke Michael I ähnlichen Charakter wie die Strecke Michael II auf. Schmale aber über 2 Meter hohe Stollenteilstücke sind  keine Seltenheit.

Grundstrecke Michael I

Tagseitig jedoch bröckelt der Stollen und Abstützungen wurden nötig. Der Zustand wird immer desolater bis Unpassierbarkeit, 150 Meter vor Tag, dominiert.

Es ist anzunehmen das bereits um 1500 die Einsturzgefahr beträchtlich war. Viel Holz ist, trotz trockener Verhältnisse eingebrochen. Spuren etwelcher, ruhesuchender Fledermäuse sind keine auszumachen.

Erstes Mysterium

Michael I verläuft weit weg vom reichen Erzgang 1.  Erzgang 1 erreichte Tiefen weit unter Michael I und bleibt somit in Nominaltiefe Rekordhalter unter den  Erzgängen. Erzgang 1 war reich an Ausbeute und, anzunehmen, hauptsächlich über Michael II erschlossen.

Zweites Mysterium

Michael I verengt am Verladeplatz und weitet wieder Bergseitig. Die Verengung basiert auf hohe Schuttmengen in der Strecke dies über eine Länge von rund 80 Metern. Das Abführen des Schuttes wär eine einfache Aufgabe gewesen stattdessen bauten die Knappen das Laufbrettersystem auf der Schuttanhäufung neu. Das Projekt der Schuttumfahrung wurde  auf 18.6 Metern vorgetrieben jedoch nie fertiggestellt.

Ich bin nicht die einzige Stollenplanzeichnerin. Kein Zweifel, während des Bergwerkbetriebs existierte bereits eine Stollenkartierung, zu genau passen die Strecken auf einander.

Heute ist auch klar, die von uns genutzte Einstiegsstrecke Rafael I war bereits zu Betriebszeit Einstieg, respektive Notausgangsstrecke. Zwar sollte  Rafael I den Erzgang 1 anfahren doch der Vortrieb erwies sich als zu Aufwendig so wurde stattdessen die Abteufung an Michael II realisiert. Michael II wie auch Michael I waren ständiger Einstürze ausgesetzt. Auf Michael II sind Tagseitig verschiedene, nach einander erfolge, Stützarbeiten zu beobachten. Auf Michael I ist bis zur Stunde noch kein durchkommen an Tagnahe Zonen denkbar.

Zeichensetzende Bergknappen

Überall finden sich, vornehmlich auf glatten Wänden, Zeichen, Schriftzeichen, Symbole oder Handwerkssignaturen. Auch auf Michael I liegt so eine, von uns entdeckte Stelle.

Grundstrecke Michael I

Wie üblich lassen sich auf diese Darstellungen kaum sinnvoll einordnen. Fest steht, die Zeichnung stammt aus der Betriebszeit oder knapp danach irgendwo um 1540. Der Stollen wurde, zu Betriebszeit, über Cogischacht verfüllt und das Mundloch Michael I verfiel bald nach Betriebsaufgabe um 1571. Folglich blieb bis zum 24. September 2022 der Stollen über 500 Jahre unerreichbar. Der, auf dem Foto dokumentierte 12 geteilte Kreis ist Teil einer Zeichen, Buchstabengruppe, die auch wieder einer Interpretation entbehrt.

Michael I

Was da stehen soll, respektive ob da überhaupt etwas steht, ist heute kaum auszumachen. Sicher ist, um 1500 konnten die wenigsten Bergarbeiter flüssig Lesen und Schreiben trotzdem gibt einige halbwegs interpretierbare Zeichen auf anderen Strecken. Die bis anhin beobachteten Zeichen sind auf http://blog.ateliereisen.ch/wp-content/uploads/2022/07/schriften_haspel_V2.pdf dokumentiert.

Interessantes Detail indes offenbart sich bei Betracht des Grubenplans.

Michael I

An genau dieser Wand, bei Punkt 2125, ist die letzte mögliche Grubenhunt-Ausweichstelle ehe der Verladeplatz folgt. In Strecken um die 300 Meter Länge zirkulierten einige Grubenhunde die mühsam aneinander vorbei navigiert wurden. Ausweich-Laufbretter sind keine beobachtet worden und so musste das leere unförmige Transportgefährt aus den Laufbrettern gestemmt werden um dem vollen Fahrzeug die Vorfahrt auf den Laufbrettern zu gewähren.

grubenhund

Dies Manöver geschah mit einem, vermutet hier dargestelltem Hunt, bei besagter Stelle. Dieser von mir dargestellte Grubenhunt basiert auf den, von Martin Schreiber gefundenen, Hunt in den Gruben des Mot Madlain. Zeitepoche wie Stollenform würden mit Valdera-Bergbau korrespondieren.

Den Hunt ist von mir Massstabsgetreu durch alle Hauptstrecken, sowohl im Grundriss wie im Seigerriss geführt worden. An keiner Stelle verhakelte das Gefährt an Wand oder Stollendach.

Die Achskonstruktion entspricht der, auf Michael II gefundenen, Unterlagscheibe und der Spurnagel basiert auf mein bescheidenes Mittelalter-Schmiede-Wissen.

Seigerriss Valdera-Bergwerk

Die heute bekannten Strecken in der Seigerissdarstellung  lassen einige Rückschlüsse auf damaligen Verhältnisse um 1520 zu.

Seigerriss Valdera-Bergwerk

Das damals für damalige Verhältnisse moderne Eisenerz-Bergwerk war nach allen Regeln bekannter Bergbaukunst konzipiert. Die Sohlendifferenzen bewegen sich, wie von Agricola beschrieben, regelmässig im 16 Meter Abstand. Die Firstbauzonen sind in fortschrittlicher Holzbaukunst ausgebaut und die Fahrstrecken waren alle, je nach Abbauperiode, mit Rollwagen ausgestattet. Fahrstrecken sind entweder Ausgezimmert, Höhe 1.4 Meter, oder geschrämt, 2 Meter.

Kurz um ein modernes italienisches Bergwerk aus einer Zeitepoche als die Italiener sich weltführend  in der Eisenproduktion positionierten.

Und ein Bergwerk welches, so wies aussieht, mich zum Buchschreiben bewegen wird. Zuviel ist nun das angehäufte Wissen zu dieser Anlage.

Unterlagen dazu:

Der Plan aktuelle Fassung https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2022/10/Buffalora_plan2022_V5.pdf

Der Seigerriss https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2022/11/Buffalora_plan2022_V5_seiger_uebersicht.pdf

Der Grubenhund http://blog.ateliereisen.ch/wp-content/uploads/2022/11/grubenhund.pdf

Die Schriften http://blog.ateliereisen.ch/wp-content/uploads/2022/07/schriften_haspel_V2.pdf

Valdera, der Bergbau lebt

am 14. August 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es sind einige, grössere und kleine Bergbausachverständige am Werk.

Mung

Dieses kleine Kerlchen scheint die Geheimnisse des Steinebrechens längst gelüftet. Alleweil, deren Halde lässt ein grösseres Untertagewerk erahnen wenn doch ich definitiv nicht reinpassen werde.

Fest steht, die kleinen Kerlchen, es gibt einige davon, sind mir in Sachen Neugierde ebenbürtig.

Buffalora / Valdera Aussenansichten

am 14. August 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Schönes Wetter, ein Probeessen und die Neugierde lockten zu lockerer Spazierrunde über Stock und Stein des ehemaligen Industrieareals Valdera. Eine Anlage die sich zwischen 1300 und 1560 der Eisenproduktion verschrieben hatte und aus Bergwerk, Dorf und Eisenschmelzen bestand.

Valdera

Diesmal folgen wir, Christina und ich, der damaligen Wasserversorgung des Dorfes Valdera dem Bach „Aua da Murtaröl“ entlang bis zur ausgedehnten Bergbaulandschaft.

Eisenminen Valdera

Im Hochmoorgebiet wird, in weiter Ferne, der Munt Buffalora, aktueller Namensgeber fürs Gebiet, sichtbar, rechts davon die Bergbaulandschaft.

Ich steuerte in die, bis anhin eher wenig erforschten Nebenstollen, Zug-Maragung und Zug Westsondierung Hauptmine.

Karte Minieras da Fier

Namentlich lag meine Wegstrecke, blau auf der Karte dargestellt, zwischen all den bin anhin erfassten Erkundungsstrecken.

Maragun Minieras da Fier

Startpunkt folglich, auf sportlicher Tour, der Mysteriöse Stollen Maragun (Punkt Nummer 8 nach Daniel Schläpfer) welcher in kaum bearbeitbaren Fels geschlagen wurde und dies ohne erkennbare Spur eines Wertschöpfenden Erzes.  

Minieras da Fier

Etwas unterhalb zu Maragun drückt eine Wasserquelle aus vermutet alter Stollenbaute.

Minieras da Fier

Des weiteren finden sich vereinzelt Anzeichen eines Tagebaus. Sinn und Zweck dieses Aufschlusses bleiben rätselhaft.

Minieras da Fier

Auf Höhe Michael I aber 150 Meter Ost entblösst eine riesige Pingenlandschaft viele damalig unterirdische Geheimnisse.

Minieras da Fier

Die Überdeckung war schon damals wenige Meter so das Abstützungen, im Lauf der 500 Jahre, zusammenbrachen und für eine durchfurchte Bodenansicht  sorgten. Im Hintergrund Sichtbar die Haldenlandschaft des Hauptbergwerks.

Die Haldenresten am Anfang des Pingenzugs deuten auf durchfahrenen Schiefer in grosser Menge. Doch auch wieder, keine Spur des begehrten Erzes.

Minieras da Fier

Etwas seitlich liegend, nahe Punkt 15 nach Schläfper, wieder ein Steinbruch unbekannten Zwecks.

Roter Stein

Erwiesen ist, am Roten Stein begann die Bergbauära. Dank des Reichtums am Erzausbiss entstand die mächtige Industrielandschaft mit dazugehörigem Dorf Valdera.

Minieras da Fier

Noch heute findet sich reiches Erz um den Roten Stein herum.

Minieras da Fier

Die Siegfriedkarte Erstausgabe nennt diese Position „Ehemalige Eisengruben“ und bezeichnet zwei Ruinen im heutigen Nationalparkteil.

Minieras da Fier

Die Siegfriedkarte ist reichlich ungenau. Beide Gebäudekonturen, eher grösser, sind feststellbar an Ostseite des Munt Buffaloragrats.

Minieras da Fier

Die Gegenseite ist eine ständig nachrutschende Steinhalde absolut Bauwerkunfreundlich.

Fast jedes, erkennbar grössere Stollenwerk besass ein eigenes Gebäude. Einige lassen sich im Felde recht eindeutig Rekonstruieren. Je nach Stollengrösse, respektive Gewerkgrösse, sind die Bauten grösser oder kleiner.

Minieras da Fier

Westlich des Hauptbergwerks sind 4 eher kleinere Halden erkennbar, nach Schläpfer 61 bis 64. Zwischen der tiefsten Halde und dem vermuteten Mundloch ist ein Bauwerk erahnbar. Dieses Gebäude war vor das Mundloch gebaut und sollte als Wohnmöglichkeit den Knappen dienen. Das Gebäude im hiesigem Fall könnte eine maximale Grundfläche von 2 x 3 Metern aufgewiesen haben.

Der Bau wird knapp 3 Personen mit Küche und Material Unterschlupf gewährt haben.  Es ist aber davon auszugehen dass keiner der 4 Stollen tiefer als 15 Meter ins Bergreich führte. Alle 4 Halden sind eher klein und ohne jede  Erzspur, folglich dürfte hier eine eher kleinere Arbeiterschaft gewirkt haben.

Unsere bekannten Stollen Michael II und Rafael I verfügen beide auch über ein vorgebautes Gebäude. Beide sind jedoch im genannten Fall deutlich grösser. Wovon Michael II mit Hausgrundfläche 5.36 x 5.36 Meter eindeutig heraussticht. Aber, der Stollen ist, heute bekannt, fasst 500 Meter in den Berg führend was eine grössere Belegschaft erforderte.

Die verlorene Colaflasche

am 03. August 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Schon wieder eine Buffalorageschichte aber diesmal eine kurze.

Die Vorgeschichte, einer warf eine Colaflasche in einen Schacht worauf diese auf nimmer wieder verschwand.

Ein Team neugieriger Menschen machte sich auf um diesem Mysterium auf die Schliche zu kommen und schaufelte den, im Schacht liegenden, Schutt heraus doch die Colaflasche blieb immer noch verschwunden. Indes führt der somit geöffnete Schacht in ein weiteres System unter der Hauptstrecke ergo die Schlauflerei ein lohnendes Unterfangen.

Cogischacht ab Michael II

Wir, Sepp und ich, stiegen ab um dies kryptisch anmutende Stollenwerk zu vermessen. Vielleicht wär die Colaflasche uns irgendwo in unbekannter Nische entgegen gesprungen.

Cogischacht ab Michael II

Der Einstieg ins Stollenwerk indes ist eng und muss verdient werden. Das Bild ist rund 10 Meter unter Hauptstrecke Michael II aufgenommen.

Cogischacht ab Michael II

Noch ein Schacht tut sich auf, dieser noch viel grösser und genau unter die Hauptstrecke führend. Am Ende sitzt fest ein Holzdeckel über den die Hauptstrecke Michael II führt.

Cogischacht ab Michael II

Am Schacht vorbei öffnet ein reicher Erzabbau seine Pforte. Der Erzhaufen mittig Bild wartet nun seit 500 Jahren auf den Abtransport. Schön zu wissen, wir befinden uns im Erzgang 1.

Michael II

Wieder auf der Hauptstrecke Michael II musste en Bild aus meiner neuen Wasser und Staubdichten Olympus her. Die alte Canon G1X hielt sich tapfer bis letztes, irreversibles Aufbäumen.

Maragun-Stollen

Es gibt auch, mir unbekannte, Stollenbauten auf Buffalora / Valdera. Der richtig geräumige Maragunstollen ist so einer.

Maragunstollen

Auch hier gilt, der Geduldige und Gelenkige sei belohnt.

Maragunstollen

Innendrin eine komplett ausgezimmerte indes zusammengebrochene Grundstrecke. Leider ist der Versturz nach 30 Metern unüberwindbar.

Maragunstollen

Das der Stollen einst viel länger war, weiss die davor liegende Halde zu berichten.

Wasser auf Valdera

Das Dorf war einst, noch vor 1571, sehr durstig und die Wasserkraft ein beliebter Energielieferant. Ein System von Kanälen durchzog das eher trocken liegende Passdorf Valdera.

Wasser auf Valdera

Die Wasserfassung, respektive Stauung, war auch so ein Artefakt welchem ich nie auf die Pelle rückte. Nun am 1. August, nach getaener Vermessung war, als Alternative zu selbstdarstellenden Politidioten an jedem Eck, die Gelegenheit gegeben.

Wasser auf Valdera

Der Kanal zur Wasserfassung ist teils heute noch sichtbar ausgemauert.

Wasser auf Valdera

Oben ab Bach gibt’s noch Reste der alten Holz-Stau-Einrichtung.

Wasser auf Valdera

Und eine prächtige Wildnislandschaft  fernab etwelcher, berseanischer Dummschwätzer.

Definitiv, 2022 für mich ein sinnvoller 1. August ohne nerviges Politgeraspel.

Valdera des Lesens und des Schreibens

am 25. Juli 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Die Texte, Zeichen und sonstwie artikuliertes Mitteilungsbedürfnis sind Gegenstand meiner aktuellen Forschung und dieses Textes. Wir wissen, auf und um die, nicht unwesentliche Grundstrecke Michael II finden sich einige Texte, Textfragmente, Initialen und Zeichen aber auf anderen Strecken gibt’s reichlich Geschriebenes. Unter Betracht dass in Valdera, das heutige Buffalora, ums Jahr 1500, kaum jemand im Berg arbeitete mit Schreibfähigkeit machen die Artefakte um so interessanter. Klar ist, was geschrieben wurde ist kaum zu entziffern und so bleibt reichlich Raum zu Spekulationen. Fest steht heute indes, die Untertagebauten waren schnell nach Aufgabe Mundlochseitig verstürzt und unzugänglich. Das dazugehörige Dorf Valdera beschreibt Gampell im Jahre 1571 als unbewohnter Ruinenort.

Ob Besucher die Stollen nach 1571 aufsuchten bleibt strittig. Auf ersten 70 Metern der Michael II Strecke gibt’s Fledermauskott was auf eine, zumindest für Fledermäuse, kurze Zugänglichkeit nach Betriebsschluss, hindeutet. Weitere 20 Meter in Tagrichtung ist die Strecke komplett eingedrückt. Die Fledermäuse hatten nur kurze Zeit Spass am Quartier.

Kurzum, die Texte sind aus der Betriebszeit oder vielleicht wenige Jahrzehnte nach Betriebsendigung. Potentiell ein Zeitbereich, gemäss Dendrochronologischen Proben, zwischen 1430 und 1550.

Die gesprochene Sprache ist ums Jahr 1500 mehrheitlich Italienisch. Die Bergleute, Wanderarbeiterfamilien, kahmen aus Bormio und dem südlichen Tirol.

Es gibt nach meinem Wissenstand 5 Typen Texte und Zeichen die alle aus der Zeitepoche des Betriebs Michael II, vermutet letzte Betriebsperiode um 1550, stammen.

Die Initialen  

Initialen haben Untertage eine lange Tradition. Mittels Initialen verewigte sich der Bergmann, um diese Zeitepoche nur Männer oder Knaben. Moderne Initialen (1850 bis heute) finden sich oft am Mundloch zu. Es gibt aber auch Initialen die auf den Macher eines bestimmten Streckenabschnitts hindeuten.

Zeichen Valdera

Gefunden beide Initialen, NO und BJ, in der Grundstrecke Michael II, 305 m nach Mundloch Baujahr 1500.

Es ist anzunehmen das die Bergleute die Bedeutung der Buchstaben nur annähernd kannten. Irgendwer mit Lesekenntnisse zeigte den Knappen die Zeichen im Zusammenhang mit dessen Namen. Ob sich tatsächlich Vor und Nachname ableiten lässt ist fraglich.

Die Hauszeichen

Erwähnend hier, Hauszeichen könnten auch weiter ausgeschmückte Initialen sein. Die Form und Anordnung erinnert an Hauszeichen wie sie, in alten Holzbauten an dominanten Holzelementen zu finden sind. Ob Initialen frei und Kreativ ausgeschmückt worden sind oder ob ganzheitliche Hauszeichen kopiert wurden ist heute, 500 Jahre danach, kaum feststellbar. Hinzukommend ist die Gestaltung und die örtliche Platzierung fliessend, in einfache Initialen übergreifend.

Zeichen Valdera

Auch diese Zeichen sind in Michael II  305 m ab Originalmundloch zu finden. Anzunehmen ist dass die Niederschrift mit Hilfe des frisch geschliffenen, in der Faust gehaltenem, Schrämeisen gekritzelt wurde.  

Zeichen Valdera

Ich hab die Zeichen, wo meiner Meinung nach relevant, abgezeichnet.

Die Wiederholungen könnten auf ein mögliches Üben, Optimieren, hindeuten. Es gibt Kombinationen PA, S,OZ.

Zeichen Valdera

Welche Symbol-Buchstabengruppen sind reichlich ausgeschmückt mit Sternen, Schweiflinien und sonstiger Krimskrams.

Zeichen Valdera

Meine Umsetzung mit möglicher Interpretation BA oder BNA untenstehend en P.

Die Handwerkszeichen

Dieser Zeichentypus lässt viel Interpretationsspielraum offen. Es ist anzunehmen dass in dieser Bergwerksanlage auch gut qualifizierte Handwerksmeister wirkten. Insbesondere der Holzbau zeugt von einer komplexen und aufwendigen Herstellung.

Zeichen Valdera

Dies Zeichen könnt die gekreuzten Äxte des Zimmermanns darstellen. Daneben steht ein sehr rätselhaftes Symbol, W-Artig, welches möglicherweise als Signatur interpretiert werden kann.

Zeichen Valdera

Meine Umsetzung gibt leider hierzu auch nicht weitere, klärende Antworten. Interessant jedoch dieses Zeichen liegt eine Sohle tiefer, Ebene Michael I, deutlich weiter weg vom Mundlochs. Auch an dieser Position, eine glatte Wand, gruppieren sich zahlreiche weitere Symbole. Interessant auch, an besagter Stelle sind nur wenige Holzbauten zu finden. Der Zimmermann tat hier keineswegs sein Hauptwerk.

Auf dieser Gruppe finden sich sowohl Initialen wie auch mögliche Zeichen.

Zeichen Valdera

Das die beiden Buchstaben sind mittels Kreuz mit den zwei Andreaskreuzen verknüpft.

Zeichen Valdera

Die Umsetzung meinerseits, FR mit Kreuzen, mögliches Handwerkersymbol.

Zeichen Valdera

Das W mit den Kreuzenden kommt immer wieder, auch als alleinstehendes Symbol, vor. Anzumerken ist, der Schutt transportierten die Knaben mit den Grubenhund. Während des Verladens des Hunds kams zu Wartezeiten die möglicherweise zu Kritzeleien genutzt wurden. Die bisherigen Zeichenwände liegen an ausgebauter Fahrstrecke.

Die Texte

Im Bergwerk waren Personen mit Schreibkompetenz zu jener Zeit eher selten nichts desto trotz dürften einige über solch Fähigkeiten verfügt haben. Texte sind uns bis zur Stunde nur zwei bekannt wovon der einte nur schwer als Text zu erkennen ist.

Zeichen Valdera

Dieser abgebildete Text liegt zwischen Sohle Michael II und Michael I in einer grossen Geleuchtnische. Der Russ brennenden Kuhfetts ermöglichte eine kontrastreiche Schreibunterlage. Hier wusste jemand um die Kunst der Kursivschrift. Die geschwungenen Buchstaben deuten auf eine Schreibbewanderte Person hin.  

Zeichen Valdera

Die Abzeichnung indes wirkt ernüchternd. Mit viel Fantasie liesse sich ein Ciao Andrea herauslesen. Die weiteren Textpassagen sind für mich nicht weiter Verständlich. Es ist weiter denkbar dass am Geschriebenem sich zu späterem Zeitpunkt eine zweite Person zu schaffen machte. Die Schreibführung der Passage „Sit pan“ oder „Sit paun“ ist anders und eindeutig Blockschrift.

Die Strichliste

Strichlisten sind gegenwärtig zwei bekannt.

Zeichen Valdera

Die einte liegt knapp nach Sondierstollenansatz neben einer Werkzeugnische. Es ist anzunehmen das diese Strichliste zur Stollenvortriebsabrechnung diente. Die Striche sind mit Russ einer Lampe (Frosch) auf die Stollenwand gezeichnet. Die obere Zeile umfasst 7 Striche, die untere ist mit 18 Strichen bestückt. Dies Artefakt liegt, weit fern anderer Zeichen, auf Sohle Rafael II, Ebene 4. Leider lies sich dies Geheimnis nicht eindeutig entschlüsseln obschon die Striche im Zusammenhang mit dem Sondierstollenbau stehen. Das Verhältnis 7 zu 18 ergab keine schlüssigen Werte die sich Beobachtungen abgleichen liessen. Im Artikel Buffalora 2021 versuchte ich mittels gängigen Lachtermassen zur Rätsel zu enträtseln mit mässigem Erfolg.

Gut gibt’s einige Etagen tiefer, Michael II fast am Ende, 400 m ab Originalmundloch, eine vergleichbare Strichliste, im ähnlichen Kontext, diese jedoch wieder geritzt.

Valdera Michael II

Diesmal indes liegt ein langer eingeritzter Text oberhalb meiner Strichliste.

Valdera Michael II

Die Strichliste umfasst 16 Striche. Die Position der Liste deutet auf ein nebenstehendes, abgerechnetes Stollenwerk. Anmerkend dazu, im tauben Gestein verlaufende Stollenbauten waren oft undankbare aber nötige Bergbauarbeit die zumeist per Lachter bezahlte Wanderarbeiter ausführten. Während die Bergknappen ein Teil des Erzes als Bezahlung erhielten und somit primär nach den Erzen suchten, bauten Wanderarbeiter Erschliessungs- und Sondierstrecken in mühsamer Schrämarbeit. Es sind einige solcher Subunternehmer-Bauwerke auf Valdera auszumachen. Abrechnungen und Bezahlungen dürften, anhand gefundener Spuren, vor Ort erfolgt sein.

Der Text indes ist, heutiger Wissensstand, nicht näher entzifferbar. Ob hier unser lateinisches Alphabet zum tragen kommt ist schwer feststellbar. Gut möglich das Bergleute hier eigene Schreibformen entwickelten.  Solch eine Zeichenentwicklung ist in verschiedenen Epochen  dokumentiert.    

Unsortiertes

Es gibt’s reichlich Inschriften hauptsächlich in der, fast 500 m langen, Michael II Strecke.

Zeichen Valdera

Mache sind eindeutig und verständlich, annehmend Initialen.

Zeichen Valdera

Manche dieser Zeichen und Buchstaben sind Zusammenhanglos über ganze Stollenwände verteilt.

Valdera Michael II

Manche Symbole erinnern an Gelindezeichen würden diese nicht Gruppenartig auftreten.

Es ist und bleibt Spannend und längst nicht enträtselt.

Die gesamte Schriftensammlung: http://blog.ateliereisen.ch/wp-content/uploads/2022/07/schriften_haspel_V2.pdf

Valdera, Strecke Michael II, das Ende

am 24. Juli 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Trotz der Begrifflichkeit „Valdera“, wir bewegen uns immer noch im Eisenbergwerk Buffalora nur das dieses, um 1500, vermutet, wie das dazugehörige Dorf, den Namen Valdera trug.

Fest steht, das gar nichts fest steht so wunderst nicht weiter dass in Schweizer Karten die Bezeichnung “ Minieras da Fiern“ sich einschlich obwohl „Fiern“ kein Idiom des Rätoromanischen kennt.

Der Flurname “ Valdera“ indes scheint heute, von verschiedensten Quellen, bestätigt. Valdera steht fürs heute verschwundene Dorf Valdera. Naheliegend dass auch das dazugehörige Eisenbergwerk um 1500 sich so nannte. Buffalora ist ein längst neuerer Flurname entlehnt des Bergs „Munt Buffalora“.

Aber, dies ist nicht meine gewollte Geschichte, viel eher solle etwas ins Tiefe des neu entdeckten Teilabschnitts Grundstrecke Michael II geblickt werden. Namentlich blicke ich in den lange vermissten und neu erkundeten Endteil dieser prizipalen Strecke.

Valdera Michael II

Ende Michael II ist eindeutig, ca 500 Meter ab Tag, Stollenbrust mit viel Aushub.  

Valdera Michael II

Michael II erschliesst noch weitere wichtige, bis anhin unbekannte, Erzfelder. Geschätzte 3 dieser Erz-Felder schloss die, lange verborgen gebliebene, Teilstrecke Michael II, auf einer Länge von geschätzen 130 Metern, auf.

Valdera Michael II

Heute finden sich diese reichen Erzlager bis über weite Stellen abgebaut. Im Bild, die Ansicht an die Holzverbaute Decke. Bildmittig untere Hälfte eine Holzverstrebte Versatzpackung.

Valdera Michael II

Unter der Versatzpackung führt eine kleine, mit massivem Holzbau gedeckte, Zwischenstrecke. Michael II ist unterhalb, über 30 Meter Länge, eingebrochen. Einzig das letzte, rund 80 Meter lange Michael II Endstück ist noch fahrbar. Die Versturzzone indes muss über ein unübersichtliches Wirrwarr an Zwischensohlen überklettert werden. Verantwortlich für den Einsturz des Michael II  Teilstücks sind diverse eingebrochene Firstbauabschnitte.

Valdera Michael II

Weitere Mysterien machen, in den verwinkelten Zwischensohlen, auf sich Aufmerksam. An einem Türstock machte sich wutentbrannt eine Axt zu schaffen. Die rechte Seite des Türstocks ist in gewohntem Kreuzschlag ausgeweitet. Am linken Türstockposten dominierte indes die entnervte Wut in Form eines einseitigen permanent Schlags. Der Türstock steht 500 danach, soviel ist klar, immer noch. Bildmittig steht ein Sieb für grobes Gestein.

Valdera Michael II

Das Detailfoto zeigt die aufwendig verzapfte Siebvorichtung teils voneinander genommen.   Es war mir bereits im Jahr 2021 solch ein Teil vor die Linse gerutscht. Dieses lang in der Strecke Rafael II, 3 Etagen höher, und damals rätselte ich rege über deren Funktion. Genannt das Gerät im Beitrag Buffalora 1520. Damals erkannte ich kein näherer Zusammenhang anders jetzt irgendwo in der Zwischensohle nahe Michael II. Versatz ist nach Korngrösse sauber aussortiert und in die entsprechenden Deponiekonstruktionen abgefüllt. Das Eisenerz ist klein und brüchig das Nebengestein indes hart und dadurch eher grösser. Beide Dinger das in Etage Rafael II wie auch des neu entdeckte sind Siebvorrichtungen.

Minieras da Fier

Im Bild das Sieb auf der Strecke Rafael II.

Valdera Michael II

Ein prächtiges Stück Holzarbeit steht auf einer Querspriessung. Dieser hier, seit 500 Jahren oder länger, ruhende Kännel könnte Wasser oder, halte ich für wahrscheinlicher, Eisenerz transportiert haben. Die genaue Verwendung lässt sich heute indes nicht weiter bestimmen. Die Umgebung ist stark zerfallen, der Zusammenhang nicht weiter ersichtlich. Wasser war, wie diverse Spuren zeigen, en Thema, Eisenerz, in nem Eisenbergwerk, war durchaus auch Thema.

Allerletzt, was Thema reichlicher Spekulationen ist und mich zu einem gesonderten Beitrag animieren tut, es gibt auch im Abschluss Michael II ein literarisches Artefakt.

Valdera Michael II

Das hier ein Text steht erscheint mir eindeutig. Unterhalb gibt’s eine Strichliste. Die Strichliste gibt’s auch auf einer Seitenstrecke Rafael II, die ich im Beitrag Buffalora 2021 zu entschlüsseln versuchte. Damals wie heute und beim hiesigem Beispiel, ich glaub an eine Streckenabrechnung. Die nahe befindliche Situation deuten auf einen Vortriebsauftrag hin. Beide Strecken haben ähnliche Charakteristiken und beide Streckenteile sind vermutlich das Werk von per Lachter bezahlten Subunternehmern. Was indes der Text aussagt lässt sich, stand heute nicht klärend beantworten. Fest steht, auf Buffalora, respektive Valdera, konnten nicht viele Lesen und Schreiben. Der Personenkreis mit solch Fähigkeiten war um 1500 doch eher bescheiden.   

Valdera Michael II

Hier meine Interpretation, Abzeichnung der Felseinritzungen.

Valdera Michael II

So bleibt auch offen ob dies ein Gelindezeichen oder zufällige Kritzelei, Anno 1500, ist.

Der Aktuelle Bergwerkplan: https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2022/07/Buffalora_plan2022_V2.pdf

Die gesamte Schriftensammlung: http://blog.ateliereisen.ch/wp-content/uploads/2022/07/schriften_haspel_V2.pdf

Die Tage in St. Gallen

am 12. Juni 2022 unter Kartografie, Reisen, Stadtindianer, Steinerne Unterwelten, Vergangenes abgelegt

Ich und meine Partnerin Christina weilten, des Berufes wegen,  die letzten Tage, in schönen St. Gallen. Grund genug dies Örtchen, welches uns beherbergte, etwas näher zu entschlüsseln dies, wie üblich, mit viel Bilder und diese, wie unüblich, ausnahmsweise mit Smart-Phönchen abgelichtet.

Die erste imposante Begegnung die der Reisende macht, ist definitiv die wuchtige Stiftskirche und Kathedrale. Der um 1755, in 11 Jähriger Bauzeit, errichtete Barocke Neubau ersetzte die damalige, allmählich baufällig werdende,  Klosterkirche aus dem Jahr 800.

Die Fürstabtei St. Gallen (gegründet 719, aufgehoben 1805) war eine Benediktinerabtei die an Stelle des, vom irischen Mönch Gallus (Namensgeber der Stadt), um 612, gründete Einsiedlerzelle, an der Steinach, zu stehen kam.  

Dank der ältesten, noch erhaltenen, Gebäudegrundriss-Zeichnung, dem karolingischem Klosterplan St. Gallen, lässt sich Grösse und Ausstattung des Benediktinerklosters um ca. 827 rekonstruieren.

Der karolingische Klosterplan Stand 819 oder 827/830,  Quelle: St. Gallen, Stiftsbibliothek, Ansicht in gross auf http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/1092/recto

Die Stadt St. Gallen wird in den Folgejahren nördlich des Klosters allmählich zur bedeutenden Tuchmacher-Metropole heranwachsen. Die Benediktinerabtei indes schliesst, nach diversen Konflikten, rund um Reformation und Autonomiebestrebungen der Stadt, um 1805 den Klosterbetrieb.

St Gallen um 1770

Ansicht der reformierten Stadt St. Gallen mit massiv ummauerter Klosteranlage datiert aufs Jahr 1770. Ich indes wage die Behauptung einer früheren Stadtaufnahme. Die Kathedrale, respektive deren Neubau, verfügt, auf der Zeichnung, über ein einzelnes Türmchen. Der alte Plan wie auch der Barocke Bau kennt 2 Türme.

St Gallen um 1899

Plan, Quelle: Zentralbibliothek Zürich

Im Jahre 1899 ist der Klosterbau mit Kathedrale und allem drumrum Staatsbesitz. Die Südostbahn betreibt den Bahnhof nordwestlich der Stadt und ein anwachsendes, heute grösstenteils verschwundenes, Strassenbahnnetz, durchzieht die Aussenquartiere. Eine moderne Stadt entsteht so wie wir sie heute Innerstädtisch wiederfinden.

Abgesehen vom sakralem Wirken  gibt’s in St. Gallen weitere durchaus lohnenswerte Sehenswürdigkeiten die uns bei nächtlichen Spaziergängen auffielen.

Drei Weiher

Die drei Weiher sind der ganze Stolz eines jeden waschechten St. Gallers. Tatsächlich waren die Weiher oberhalb der Stadt gelegen, ganz und gar, den Erwartungen entsprechend. Mein Bild ist, der Absicht Willen, und 180 Grad gedreht da die Spiegelung ein imposantes Wolkenschauspiel bot und dieses die obere Bildhälfte verdient.

Die Weiher waren, so wird vermutet, ursprünglich als Steinbruch dienend, künstlich angelegt. Um 1610 wurden die Brüche geflutet um die Wasserversorgung der Stadt und des Tuchgewerbes sicherzustellen. Heute sind diese viel besuchtes Naherholungsgebiet.

Mühleggbahn

Die drei Weiher sind bequem zu Fuss oder, seit 1893 per Standseilbahn erreichbar. Die damalig erbaute Mühleggbahn verläuft noch heute parallel zur Steinach grösstenteils unterirdisch bis Mühlegg. Die erste Standseilbahn funktionierte bis 1950 als Wassergewichtsseilbahn. Heute fährt eine vollautomatisierte Bahn durch den Tunnel. Im Bild die Talstation am steilen Ufer der Steinach.

Wer, wie wir, eher sportlich unterwegs, die 69 Meter Höhenunterschied, bewältigen, findet in der Steinach-Schlucht weitere Geschichtsträchtige Überbleibsel.   

Steinachschlucht

Zahlreiche Mühlen bewirtschafteten das steil herunter donnernde Steinachwasser. Heute finden sich vereinzelte, ungenutzte Radstuben aus dem 19. Jahrhundert, entlang des Fussweges.

Berneggstollen

Und auch en Stollen, leider bei meinem Besuch verschlossen, liegt am Wege. Wie ich später erfahre der sogenannte Berneggstollen welcher in Zeiten um den 2. WK angelegt wurde.

Berneggstollen

Das Bauwerk ist, wie die amtliche Vermessung zeigt, in Tat und Wahrheit ein Tunnel welcher den Berg von der Steinachschlucht zur Strasse Am Sturz quert. Ergo ein Teil mit Ein und Ausgang obschon die Militärarchitekten eher von Eingang und Notausgang reden täten. Die ganze Anlage war damals als Luftschutzalarmzentralle projektiert. Fertiggestellt wurde das Untertagewerk nie.

Steinach

Und wers aufs Einächtigen des bewölkten Sommertages schafft kann eindrückliche Bildstimmungen einfangen.

Kathedrale

Dito nochmals Smartphöndlibild mit Kathedrale.

Guppenalp Ysenberg 2022

am 15. Mai 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Über besagtes, im Titel genanntes Eisenbergwerk wusste ich bereits reichlich zu berichten, insbesondere meine Seite Eisenwerke Guppenalp weiss die historischen Zusammenhänge etwas genauer zu erläutern. Ich selbst war dem schönen Mittelalterbergwerk  seit gut 9 Jahren abstinent. Motiv genug um die Stollen wieder zu besuchen.

Ysenberg Guppenalp

Immer wieder beeindruckend der breite Schlitz der eher kleineren Nebengrube in mitten der Felswand.

Ysenberg Guppenalp

Im Schlitz eine prächtige Aussicht aufs weite Linthtal.

Ysenberg Guppenalp

Im Stollenvorhof  steigt bald  die nie enden wollende Spalte alter Legenden in unergründliche Höhen.

Ysenberg Guppenalp

Die Hauptgrube mit etwas Schnee vor den Toren überraschte mich doch wieder ab deren steiler Umgebung.

Ysenberg Guppenalp

Und auch der Blick in Wanderwegrichtung zeigte fast vergessene Steile.

Ysenberg Guppenalp

Die Hauptgrube, ein Archäologisches Juwel, voller spannender Artefakte. Im Bild die Installations- und  Pausenplattform des Bergwerks, Baujahr um die 1540.

Ysenberg Guppenalp

Abstieg durch die Versatzgänge.

Ysenberg Guppenalp

Stempel

Ysenberg Guppenalp

Und noch mehr Stempel

Ysenberg Guppenalp

Der See, gestern mit viel Wasser drin.

Ysenberg Guppenalp

Ein besonderes Stück vergangener Bergbautätigkeit, die Spuntwände welche, 3 Schichtig, taubes Gestein zurückhalten.

Ysenberg Guppenalp

Ein ganz und gar nicht freudiges PVC-Insekt liegt am Stempel gekettet im unteren Grubenteil. Der nähere Untersuch zeigte als Zweck des Insektes ein Geocache. Des Textes auf schwarzem Schraubdeckel zu urteilen behauptet dies Ding gar offiziell zu sein was ich wiederum  ernsthaft anzweifle.

Fakt ist, die Illustre Wandergruppe die mit Einweggrill an der Alphütte Würste dünstete erfüllte jedes Vorurteil des Geocachers. Gut waren die Jungs und Mädels eher mässigen Erfolges unterwegs ansonsten hätt der Stempel nochmals leiden müssen. Der Geocache selbst liegt nicht im Rohr statt dessen ziert dieser, im nicht wirklich attraktivem, Tupperware den Durchgang zur geschrämten Abteufung.

Positive Erkenntnis, noch immer weiss die Hauptgrube sich gekonnt, im zerklüftetem Gestein der Felsbänder, zu verstecken.

Ysenberg Guppenalp

Und auch der letzte Sondierstollen steht noch offen. Zwar in enger Dimension, ohne Schaufeln nicht fahrbar, dafür Geocacher abhaltend.  

Ysenberg Guppenalp

Und die Übersicht der Anlage hier visualisiert auf em 3D Model.

Und der Erstbeitrag zum Isenberg, gut und gerne 11 Jahre her, Das Geheimnis des Isenbergs

Fahlerzgruben Gnapperkopf

am 18. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Dies kleine Bergwerk wusste seine Reize gekonnt zu verbergen. Insbesondere die kleine, damals beim ersten Versuch, leicht Schneebekreuselte Passage zum Gnapperkopf weckte in mir alle Schwindelreaktionen. Diesmal, Versuch zwei, war der Schnee an exponierter Lage weg und der Weg frei zur Erkundung der Gruben.

Die Gruben, 4 Stollen in der Zahl, liegen nahe beieinander, rund 2 10er-Höhenlinien kurz vor dem steilen Gnapperchopftobel. Ein 5. Stollen, so wird berichtet, solle sich weiter oben auf 1217 müm im oder neben dem Gnapperchopftobel liegen. Da das besagte Tobel richtig rutschig war verzichtete ich auf Stollen Nummer 5.

Die 4 bekannten Stollen, Baujahr vermutet 1713 bis 1866, fand ich indes, dank guter Beobachtungsgabe und brauchbarer Höhenangabe, relativ schnell.

Bergwerk Gnapperkopf

Auffällig hierbei, eine breit angelegte Installationsfläche vor den Stollenwerken die ich auf letzte eindeutig bekannte Abbauperiode datiere, 1865 bis 1866. Etwas speziell indes, zwei Stahl-T-Profile fest im Boden eingerammt, vordergründig im Bild, die vielleicht einst eine Tafel, Verbotstafel, was auch immer, trugen.  Klar ist, Strahler, respektive deren Zerstörungsspuren,  sind durchs Band omnipräsent.

Stollen 2 Gnapperkopf

Stollen 2, oberhalb des verstürzten unteren Stollens, führt bald in ein steiles Abbaugesenk. Sehr viel nachträglich eingestürzte Steinklötze erschweren die Befahrung.

Stollen 2 Gnapperkopf

Es sind einige Holzeinbauten mehr oder minder stehend, auszumachen. Klar ist,  die Grube war einst tiefer aber heute mit reichlich Steinen aufgefüllt. Eventuell könnten auch ganze Versatzpackungen ins Gesenk gekullert sein. Spuren in Form von Trockenmauerwerk konnte ich nicht ausmachen. Am verstürzten, verfüllten Gesenkende plätschert Wasser.

Stollen 2 Gnapperkopf

Augenmerk in Grube 2,  wie ich später herausfand verbunden mit Grube 3, es liegen reichlich schwere bearbeitete Kanthölzer im Schutt. Denkbar dass dies Bauholz einst für den untertägigen Gerüstbau verwendet wurde. Denkbar auch das dies Material einst zu auftägigen Bauwerken gehörte. In südwestlicher Richtung, auf Stollen 1, zulaufend, ist kein gewachsener Fels erkennbar. Nur Schuttmasse begrenzt die Südwestrichtung. In Gegenrichtung Ost, beim Stollen 3 indes ist die Bergknappenbegierde deutlich wiedererkennbar.

Fahlerz im Stollen 3 Gnapperkopf

Feine Fahlerzstufen, bis zu 12 cm mächtig, säumen den Aufgang über Stollen 3. Stollen 3 mündet Tagseitig wieder auf kleiner Fläche. Der letzte Stollen, Nummer 4 wenige Meter vom 3 fern, sucht sich auch so, seinen Weg zur Fahlerzschicht. Doch leider ist auch Stollen 4 nach wenigen Metern mit Felsbrocken verfüllt.

Eine Dorf-Legende besagt, die Knappen einst sollen strikte um Mitternacht bis ein Uhr die Arbeit ruhen lassen. Nur so könne Frieden mit den Bergmächten herrschen. Die Knappen indes liessen, an einer unglücklichen Nacht, ab von dieser Regel. Infolge dessen stürzte schweres Gestein von obenliegender Felswand  worauf das Knappenvolk jähes Ende unter Trümmern fand und die Stollen im Schutt verschwanden. Trotz Nachgrabung wurd von den unglücklichen Bergleuten nie Spur gefunden.

Einige Höhenmeter oberhalb liegt tatsächlich drohend eine steile Felswand offen. Es gibt auch einige Anzeichen für hin und wieder  herunter trollendes Gestein.

Die Stollen 1 bis 4 liegen auf einer Höhe verteilt von 1178 bis 1199 müm. Die grösste Untertageausdehnung liegt, vorsichtig geschätzt, bei 15 x 15 Meter (Stand 17.4.2022).

Pikantes Detail, als ich mich von den Gruben abwandte um allmählich den Heimweg anzutreten, fielen mir rote, gepinselte Strichlinien an einigen Bäumen auf. Auf Spur den markierten Bäumen folgend, glaube ich den Knappenweg gefunden zu haben. Soviel ist klar, die markierten Bäume  wiesen mir ein recht bequemer Weg zur heute bekannten Wanderroute. Hätt ich dies beim Aufstieg gewusst wären mir viele Ausrutscher auf feuchtem Waldboden erspart geblieben.  Spät Nachmittags, im Dorf Vättis, begegnete ich einer, etwas in die Jahre gekommene, Hinweistafel die Führungen ins Bergwerk anpries.  

Gruben Gnapperkopf

Am Vorsprungsfels, dem Namensgeber „Gnapperkopf“, stand einst, der Siegfriedkarte 1890 entnommen, ein Gebäude. Möglich hier der Standort des Knappenhauses welches letztlich Namensgebend für Tobel und Felsvorsprung amtete. Heute sind, meine Sichtung, keine Spuren eines Bauwerkes auszumachen. Berichtet wird indes von einem zweistöckigem Holzbau welcher als Knappenunterkunft und Werkzeugdepot amtete.

Gnapperkopf

Die Aussicht vom Felsversprung lässt, soweit erkennbar, keine Wünsche offen. Ideal für den Bau einer möglichen Seilbahn die jedoch nie zu Stande kam.

Gnapperkopf

Und auch der Blick ins benachbarte Dorf „Vättis“ eine pure Augenweide. Ganz ohne Zweifel, die Knappen wussten wie sichs leben lässt.

Gnapperkopf

Der Vollständigkeitshalber, der Gnapperkopf Bildmittig von unten betrachtet.

Der Blick ins alte Kartenwerk, wieder mal Siegfried 1889 zeigt weitere Details die historisch interessant sein dürften.

Bergwerk Gnapperkopf

Der damalige Weg zum Grubengelände verläuft, beginnend Dorfmittig, in sanfter Steigung zum Gebäude Knapperkopf. Im Dorf neben der Bezeichnung Mühle stand eine Wassergetriebene Poche.

Poche Vättis Winkel 10

Bild der ehemaligen Poche (Quelle: Texte zur Dorfgeschichte von Untervaz / Knappen und Geister auf Gnapperchopf https://www.burgenverein-untervaz.ch )

Das Gebäude der ehemaligen Poche steht noch heute, ohne Wasserrad und ohne Poche an der Adresse Winkel 10 in Vättis.

Vättis

Ohne Zweifel, der Bergbau war nicht die Haupteinnahmequelle des Örtchens Vättis. Trotzdem erlebten die zwei auf Vättiser Boden befindlichen Bergwerke Silberegg und Knapperkopf eine nicht unerhebliche Stellung im Dorf. Das Bergwerk Silbereck ist heute unauffindbar und die Knapperkopf-Anlagen nur noch Bruchhaft vorhanden. Trotzdem war der Bergbau von keinem Erfolg gekrönt. Immer wieder wurden optimistisch anmutende Versuche unternommen die jedoch nach kurzer Zeit wieder zur Aufgabe führten.

Erwähnt wird im Jahre 834 ein „altes Knappenhaus in Vättis“. Obs sich hierbei um das Gebäude Winkel 10 handelt ist unbekannt.

Im Jahre 1713 stellte ein Mathias Schreiber aus Basel, der im Wallis ein Bleibergwerk betrieb an den Abt von Pfäfers, Bonifazius II., das Gesuch, die ‚Gänge‘ zu erschürfen, von welchen der erstgenannte durch Bergleute Erzproben erhalten hatte. 1715 ruhte, auf Richterliche Anordnung hin, der Bergbau wieder.

1719 Jos. Ant. Reding von Biberegg meldete Interesse am Bergwerk. Es bleibt schleierhaft ob in den Folgejahren  namhafte Tätigkeit erfolgte.

1850 wurde der Bergbaubetrieb wieder aufgenommen. Das gewonnene Erz gelangte zur Weiterverarbeitung nach Deutschland. Die Arbeit jedoch waren auch im 19. Jahrhundert von mässigem Erfolg. Immer wieder standen die Arbeiten still.

Letzte Abbauversuche werden 1860 bis 1861, 1865 bis 1866 und kurze Zeit im 1880 initiiert.  Auch diese Betriebsepochen erwiesen als gänzlich unrentabel.

Die aktuelle Sichtung der Gruben lässt keine grosse Tätigkeit erahnen. Anderseits spricht das heute erhaltene Pochwerkfoto für durchaus grössere Aktivität. Denkbar könnten grosse Teile damaliger Bergwerke heute unauffindbar erscheinen. Erzählungen berichten von grosser Bergknappenbehausung und mit Stahltüren versehenen Stolleneingängen. Ich selbst fand grösstenteils in sich zerfallene Abbaugesenke. Die Kanthölzer indes machten mich schon en bisschen stutzig.

Quellen: Bergknappe 13 https://www.burgenverein-untervaz.ch

Hohe Rone, die Fortsetzung

am 16. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wie angeküngigt, mit etwas mehr Zeit und etwas mehr Muse, hier Teil Zwei der Gottschalkenberger-Geschichte.

Eine Grube, eine sehr bedeutende Grube, die in dieser Aufzählung nicht fehlen ist die Grube „Im Greit“, die letzte noch verbleibende von beschriebenen 5.

Mundloch im Greit

Im Bild das aktuell noch offene Mundloch mit Grössenvergleich, Jagdhund vor dem Mundloch. Das Foto stammt aus November 2010, meine zweite Befahrung. Welche Grube diese nach Kopp sein mag, bleibt unklar. Tatsache ist, Geologe Kopp öffnete am Greit einen verfallenen Luftschacht um das Untertagewerk zu erreichen. An dieser, mir bekannten Grube ist kein Luftschacht offen respektive sichtlich um die 1941er geöffnet worden. Indes könnte auch diese Grube über einen Wetterschacht, ungünstigerweise oberhalb des Querschlags, verfügen.

Der Überlieferung zufolge ist die besagte, heute offene Grube am Greit eine der ältesten.

Grubenplan Greit

Zusammen mit weiteren 4 Gruben gehörte diese zur Konzession von Lehrer Staub und der Landrat Heggli. Misswirtschaft und fehlendes Fachwissen führten jedoch schnell zum Ruin der Bergbauunternehmung. Nichts desto trotz leisteten die 60 Arbeiter mit primitiven Mitteln und unter widrigen Arbeitsbedingungen erstaunliche Erdbewegungen.

Heute sind am Greit einige Bergbauspuren zu beobachten. Stollen indes ist nur einer Fahrbar.

Grubenplan nach Kopp

Ob die Profilzeichnung aus Kopps Notizen der heute offenen Grube entspricht ist nicht weiter beantwortbar. Sicher ist, einige Gruben aus Kopps Zeit änderten, nach Bergbautätigkeit der FUGA AG Luzern, massiv deren Aussehen, wiederum welche sind bis dato heute zerfallen.

Kohlegruben Gottschalkenberg

Über die Gottschalkenberger Revieren hinweg betrachtet sind, Stand heute, sind noch 4 verbleibenden Gruben, exakt positionierbar im Landschaftsbild. Wir kennen aktuell 4 offene Mundlöcher durch welche ein ausgewachsener Mensch hindurch passt. Einige Passagen, die damals Emil Letsch erkundete, sind heute eindeutig nur Fuchs und Dachs vorenthalten.

Gruben am Gottschalkenberg

Auf der Karte, gross machen, anklicken, sind als gelbe Punkte meine bekannten Mundlöcher, durch welche ich passe, visualisiert. Orange kennzeichnet mir bekannte verstürzte Mundlöcher. Rote Punkte sind Stollenzugänge die Emil Letsch im Jahr 1899 als offen erkannt haben soll und die violetten Kringel zeigten sich, ums Jahr 1899, zerfallen.  Fest steht, Emil Letsch verfügte kaum über solch moderne Ausstattung um die Stollen punktgenau in die Karte einzufügen. GPS, 3D-Online-Landschaftsmodelle und grosse Online-Kartensammlungen ermöglichen eine exakte Positionierung der Bergbauspuren.

Gottschalkenberger Kohlegruben

Im Detail hier, als Karte mit unterlegtem 3D Modell, die Gruben Wurf und Greit.

Aus Touristischer Sicht, des Abschlusswortes willen, durchaus sehenswerte Bergwerke absolut Kiditauglich. Die Kids, soviel steht fest, hatten richtig Spass.

Und an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Iwan für die tolle 3D-Aufbereitung.

Genannte, beziehende Dokumente in diesem und im letzten Beitrag:

Die Schweizerischen Molassekohlen östlich der Reuss / Dr. Emil Letsch 1899

Geologisch – technisches Gutachten über die Kohlenvorkommen und die Kohlengewinnung an der Hohen Rone oberhalb Finstersee (Menzingen) Kt. Zug. / Dr. Kopp 1941

Zusammenfassender Bericht über die Braunkohlegruben Mühlebach und Sparrenweid, Hohe Rone, Gemeinde Menzingen (Kt. Zug) / Dr. E. Brändlin + Büro für Bergbau 8. März 1944 respektive 25. Juli 1944

Kohle, ein Kapitel aus der Erd- und Wirtschaftsgeschichte von Menzingen  / Karl Landtwing ca. 1990

Link zum Vorbeitrag Gottschalkenberger Einsichten

Hohe Rone

am 09. April 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

oder die Gottschalkenberger Kohlestollen und die neugierigen Menschen

Ich war, dies ist bald ein Monat her, wieder einst in Gottschalkenberger Kohlegruben. Anlass dazu ein äusserst spassiger Kindernachmittag in besagter Unterwelt.

Im Wurf

Anlass daraus resultierend dies kleine Geschichtchen. Wir wissens, Kinder sind sehr neugierig und mutig, Kinder sind die wahren Forscher, ich kann dazu einzig die wieder gewonnenen Erkenntnisse niederschreiben. Es sagte neulich einer welcher bereits im Jahre 1979 die Kohlegruben am Gottschalkenberg mit Kinderschar erkundete,  es ist der natürliche Reflex der Kinder sich in jede, nur so enge Spalte zu verkriechen. Insofern kennen Kinder keinerlei Platzangst und so war dies auch meine neuliche, recht spassige Erfahrung.

Wie erwähnt sind mir diese Stollenwerke seit 2012 bekannt und ich reihe mich in die lange Liste neugieriger Menschen. Und die Liste ist richtig lang.

Wo und vor allem wann diese Gruben deren Anfang fanden ist nur spärlich bekannt.  Die ersten Kohlen sollen um 1835 am Greit erstmals zu Tage getreten sein. Erste Konzessionäre wird der Lehrer Staub und der Landrat Heggli um 1838 genannt. Es werden die Folgejahre etliche weitere mehr oder eher minder erfolgreiche Bergbauunternehmer nachrücken. Was und wie viel all Gewerke angruben bleibt bis heute eher Nebulös.

Emil Letsch beschreibt um 1899 ausführlich die Kohlegruben an der Hohen Rone. Wovon bereits zu Letschs Zeiten etliche Mundlöcher eingebrochen sind. Einzig die vorliegenden Halden können einen Hinweis auf ehemalige Untertagewerke liefern.

Gruben am Gottschalkenberg um 1899

Der Forscher Emil Letsch will 14 Stollenbauten ausgemacht haben zwischen Steinerfluh und Greit. Auf dessen Plan sind diese als rote Linie markiert wovon alle Stollen am Steinerfluh bereits im Jahr 1899 verstürzt sind. Die Stollen in östlicher Region jedoch kaum in besserer Verfassung. Alle Gruben sind vorgefunden eindeutig aufgegeben. Trotzdem sind die Werke immer wieder Gegenstand neugieriger Forschung. Einige Gruben dürften über die Jahre hinweg immer wieder sich regen Besuches erfreut haben.  

Im ersten Weltkrieg wird von stiller Bergbautätigkeit berichtet dies jedoch eher im kleinen, um zu nennen, fast schon nebenberuflichen Stil. Abbaudaten sind keine bekannt und Orte eher geheim gehalten.

Massgebliches Interesse erlangen die Gottschalkenberger Gruben im mitten des, in Europa tobenden, 2 Weltkriegs. Die Rohstoffautonomie wird erneut zur geistigen Landesverteidigung erklärt und die Bergwerke erfreuen sich einer erneuten intensiven Beforschung.

Am 17. Juni 1941 wird der Geologe J. Kopp beauftragt die Abbauwürdigkeit der Gruben zu erkunden.

Herr Kopp im Stollen am Mühlebach

Herr Kopp im Nebenstollen am Mühlebach (Wurf)

Seine Arbeit mit Namen „Geologisch – technisches Gutachten über die Kohlenvorkommen und die Kohlengewinnung an der Hohen Rone oberhalb Finstersee (Menzingen)“ wird im Folgejahr als Grundlage zur Erschliessung der Kohlevorkommen am Standort „Wurf“ und „Sparrenweid“ dienen.  

Dank Herr Kopps Arbeit sind die alten Aufbrüche aus Jahren 1840, welche heute teils Verstürzt, teils ausgeweitet sind, näher dokumentiert.

Grubenplan umd 1941

Die Grubenzeichnungen aus Kopps Feder sind noch heute wichtiger Hinweis über damalige Bergbauverhältnisse. Die Nach Kopp beschriebene Grube Mühlebach ist meines Wissen nicht weiter Identifiziert worden. Diese Grube könnt definitiv Verfallen sein.

Grube II Wurf gibt’s noch immer und ist mit etwas Akrobatik noch heut Fahrbar.

Grube II Wurf

Auf em Bild Grube II Wurf nach Kopp im Jahre 2012

Gottschalkenberg im Wurf

Und dazugehöriges Mundloch im Jahre 2022

Die Grube III Wurf könnt die heute bekannte, 1942 aufgewältigte Grube sein. Im Oktober 1941 erhielt die Firma FUGA AG Luzern die Konzession zur Ausbeutung der Braunkohle am Gottschalkenberg. Gestützt auf das Gutachten von Herrn Kopp öffneten die Bergleute der FUGA AG alte Stollen am Wurf und am Sparrenweid. Geologe Kopp wird von nun an den Bergwerksbetrieb im Auftrag der FUGA AG überwachen und Monatsberichte dem Büro für Bergbau abliefern. Insgesamt werden 4 Grundstrecken bis zur Auskeilung des Flözes angelegt, zwei in Sparrenweid und zwei im Wurf. Alle 4 Strecken durchfahrten alter Mann. Sowohl im Sparrenweid wie auch im Wurf werden die zwei Parallelstrecken mittels Abbaugesenk miteinander verbunden. In der Zeitspanne zwischen September 1942 und Februar 1943 resultierten geringe Kohleerträge. Ende  Februar 1943 wurde der Bergbau definitiv eingestellt.

Gottschalkenberg im Wurf

Heute ist die Grube am Wurf mittels Deckeneinsturz über en Loch im Waldboden fahrbar, inklusive alte, nicht versetzte Grubenbauten aus 19. Jahrhundert.

Plan Grube im Wurf 2022

Mein Plan, auf Basis des Plans Firma FUGA AG ist um die alten Bauten erweitert. Diese Teile sind noch heute Fahrbar so wie Grube II Wurf und eine Grube am Greit.

Die Befahrung der zweiten, von der FUGA betriebene Grube am Sparrenweid indes muss hart verdient werden.

Mundloch Sparrenweid

Anfänglich ganz geräumig wird’s bald auf verbrochener Grundstrecke richtig Ungemütlich.

Luisa im Sparrenweid

Am Einstieg wiehert kein Pony und die beklemmende Enge muss gar noch mit, übervertretener Fuchsmarkierung geteilt werden.

Bergwerk Sparrenweid

Innen wieder, der bekannte Aufbruch.

Grubenplan Bergwerk Sparenweid

Der Plan  aus Jahren 2013 zeigt die aktuelle Situation.

Und, Fortsetzung folgt, jetzt geh ich mal erst was kochen.

Von-Rollische Tiefgründe

am 20. März 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Wies der Namen vermuten lässt führte mich dieser Ausflug ins tiefste Solothurn in Fortsetzung dortigen Eisen-Macher-Geschichte. Nicht weit meiner kleinen Forschungsexkursion lang das verträumte Dürsteltal welchem ich bereits eine kleine Eisenproduktionsgeschichte widmete. Inzwischen sind einige Jahre, gut und gerne 400 bis 600, ins Land gezogen und die Zeit grosser Aktiengesellschaften erreichte auch Solothurner Täler.

Diesmal führte mich die Spurensuche ins benachbarte Dünnerntal, Zuliefertal wertvoller Bohnerz-Böhnchen aus denen zwischen 1806 und 1874 feinstes Gusseisen verhütet wurde.

Zweifelsohne waren auch vor 1800 fleissige Bergleute am Graben unterwegs. Diverse Schlackenfunde belegen Mittelalterliche wie auch Römische Bergbauaktivität, auch unbestritten. Die Bergleute im 19. Jahrhundert nutzen die letzen Bergbauspuren beim Anlegen neuer Gruben.

Von grösserer Bedeutung im Dünnerntal jedoch wird Ludwig von Roll, mit Gründung der von Roll Eisenwerke, Industriegeschichte schreiben. Gerne wird die Ludwig von Roll Aktiengesellschaft als erste Aktiengesellschaft auf Schweizer Boden genannt ob dem so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wie den auch sei, jener Ludwig von Roll betrieb ums frühe 18. Jahrhundert, zwei Hochofenanlagen eine im Balstal Klus und eine in Gänsbrunnen.

Eisenschmelze Klus

Frühe Eisenschmelze Klus Balstal

Die Bergbauspuren aus der von Rollischen Zeitepoche sind Gegenstand einer umfangreichen, im Jahre 1923 verfassten, Bohnerz-Vorkommen-Studie unter der Leitung von Dr. E. Baumberger. Ein Forscher welcher mich bereits am Hungerberg inspirierte. Die Studie beschreibt um 1923 einige grössere Bergwerke denen ich, rund 100 Jahre später, auf den Grund gehen wollte.

Diesem Baumberger verdanke ich einige recht genaue Mundlochpositionen sowohl vom Hungerberg wie auch vom Dünnerntal die mein Spaziergang merklich erleichterten.

Geokarte Baumberger

Mit Hilfe der Geologischen Karte von Dr. Baumberger machte ich mich auf die Suche nach den Bergbauzeugen der Von Roll Epoche. Insbesondere 3 Bergwerke beschreibt Baumberger recht detailiert eines gar mit Grubenplan, diese wären „Im Hohl“, „Bachtalen“ und „Schadenboden“. Alle Mundlöcher will Baumberger gar 1921 leicht aufgespürt haben. In der Siegfriedkarte findet sich die Eintragung „Erzgruben“ alles in allem vielversprechende Indizien um die Gruben aufzuspüren.

Grubenplan Schadenboden

Und mit Hilfe des Grubenplans, aus der Geotechnische Serie Nr 13 Band 1 geklaut, waren weitere wichtige Feldinformationen fix in meine QGIS-Karte integriert.

Karte Laupensdorf

Nun musste ich nur noch fleissig alle Punkte abklappern und auf zahlreiche Stollenfunde hoffen. Meine abgelaufene Route ist als pinke Linie dargestellt.

Luftbild Laupensdorf

Leider indes, zeigt bereits das Luftbild, merkliche Veränderung und kaum merkliche Bergbauspuren.

Schacht Schadenboden

Und auch im Feld ist kaum noch der Schadenbodenschacht auszumachen. Die Landwirtschaftsflächen sind sichtlich abertausend male durch planiert und die Zugänge kaum erahnbar.

Oberhalb meiner Schadenboden-Schachtanlage sind im Boden Fundamentreste eingegraben auch steht ein zigmal verbogener H-Träger herum. Um dies Zeugs zum Bergbau passt ist doch eher anzuzweifeln. 100 Jahre sind definitiv viele Jahre.

Halde Bachtalen

Die Zweite Grube „Bachtalen“ war dank imposanter Halde schnell gefunden doch auch hier fehlte das Mundloch. Klar ist, 1954 beschlossen einige Laupersdorfer den Bau einer Lourdes-Grotte am nahegelegenen Jurafelsen. Der Zufahrtswerg schneidet den Bergwerkszugang. Wahrscheinlich ist dies Mundloch im Zuge der Lourdes-Grotte-Erschliessung komplett weggefegt worden.

Gruben im Hohl

Dritte und letzte Grube meiner Suche hört auf den Namen „Im Hohl“ und ist, auch wieder, nur noch als richtig grosser Haldenkomplex erkennbar. Das Mundloch ist auch wieder dem Erdboden gleichgemacht.

Die Wahrscheinlichkeit irgendwelche Stollen aufzuspüren scheint, im Dünnerntal, ziemlich null bis unternull zu liegen. Indes gibt’s ein grosser Reichtum an Bohnerz-Böhnchen.   

Bohnerz

Ohne nennenswerte Anstrengung fischte ich schnell aus den Halden 4 bis 5 feine Böhnchen bester Qualität.

Und das Fazit, sehr schönes Minengelände, interessantes Industriegeschichtskapitel doch leider alles zu Tode planiert. Auch der kleine Abstecher in die Jurafelsregionen brachte keine älteren Stollen zu Tage.

Die Nachbarsgeschchte Verborgene Eisen im Dürsteltal

Baulmes Part II

am 16. Januar 2022 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ein Weilchen sei vergangen seit Part I, genannter Text unter Kalkminen Baulmes, darum hier die Fortsetzung im unteren Teil des Bergwerkes, viel Bilder und wenig Bla.

Grubenplan Baulmes

Übersichtskarte anklicken, Übersichtskarte kommt als PDF auf neuer Seite

Das Kalk und Zementsteinbergwerk liegt nahe dem schmucken Dörfchen Baulmes. Es gibt ein oberes Bergwerk welches in Struktur und Stollenbau an die Seemühle erinnert und es gibt das untere Bergwerk in klassischer Kammerbautechnik vorgetrieben. Beide Bergwerke sind zwar nicht miteinander verbunden doch dadurch dass diese ziemlich genau Übereinader liegen ist die Rede von insgesamt 11 Sohlen.  Das obere, auf Kalkminen Baulmes beschrieben, verfügt über 4 Sohlen und im unteren Bau sind 7 Sohlen miteinander verknüpft.

In diesem Bericht streune ich, in Begleitung meines planlesenden Freundes, durch die unteren 7 Hauen.

Kalkbergwerk Baulmes

Mundloch ist wie immer, offen, schön geölt und erst noch mehrheitlich trocken.

Die unteren Sohlen sind, dank Direktanschluss an die zwei Hauptmundlöcher, ziemlich leergeräumt.

Kalkbergwerk Baulmes

Bald auf Hauptstrecke öffnet der allesverbindende Schrägschacht seine Pforten. Dies Objekt spannender Entdeckungen befuhren wir mit Hilfe eines Seiles  von oben her.

Kalkbergwerk Baulmes

Wie üblich im Jura überall im Untergrund Überbleibsel vergangener Pilzkulturen.

Kalkbergwerk Baulmes

In oberen Gefilden wird’s, mit etwas Seilerei, richtig Spannend. Zahlreiches Bergbaumaterial blieb in den, nur schwer zugänglichen Sohlen, auf ewig liegen.

Kalkbergwerk Baulmes

Die bekannte, damals exklusiv geglaubte, Rodalquilar-Y-Weiche gibt’s, sage und schreibe, auch im Jura zu beobachten. Zugegeben diese steht weit fern des Ponyhofs.

Kalkbergwerk Baulmes

Eine etwas ramponierte Abwurfanlage zieht sich mehr oder minder übersichtlich über alle Sohlen hinweg.

Kalkbergwerk Baulmes

Manchmal guckt einizig die Röhre aus em Holzverbau hervor.

Kalkbergwerk Baulmes

Irgendwo auf einer Zwischensohle stapeln sich vergessene 60er Geleise.

Wer dies schöne Bergwerk besuchen möchte sollt unbedingt en Plan mithaben. Falls Seil so, ein über 80 Meter langes. Unseres erreichte die letzte Sohle nimmer.

Die Vorgeschichte gibt’s auf Kalkminen Baulmes

Und die Geschichte zum Ganzen lieg auf:
L’ancienne usine des chaux et ciments de Baulmes
Hauptseite arnexhistoire.blogspot.ch

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

am 05. Dezember 2021 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Am Fusse des Altbergs, auf heutigem Gemeindegebiet Oetwil an der Limmat, liegt eine künstlich geschaffene Höhle am Steilhang die Gegenstand neulich aufkeimender Neugierde war. Ein kleines Treffen unter Archäologiebewanderten sollte etwas Klarheit in dies Mysterium bringen.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Bergbautechnisch eher mässig interessant bieten indes die Entstehungsgeschichten Einblicke in das Leben einer damalig ärmlichen Landbevölkerung und deren Streben nach möglichen Zwischenverdiensten.

Das Bergwerk, sofern dies so genannt werden darf, ist von kurzer Stollenlänge, rund 5 Meter, mit zwischenliegender Halle.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Dem Untertagebau anschliessend liegt ein vorgebauter Tagebaubereich in etwa gleicher Volumengrösse. Kurzum ein Bergwerklein merkwürdigen Ursprungs wär nicht haufenweise von den Wänden rieselnder feinster Quarzsand. Der Schurf liegt exakt an der Quarzsand-Grenze und dies feine Material offenbarte sich an mach nahestehender Stelle am Steilhang des Altbergs.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Kurzum dies feine Bauwerklein ist in Nebentätigkeit entstanden und der feine Sand für Glas und Formenbau lockte.

Glasi Bülach

Bild, Glasi Bülach um 1910 (Fotograf, Leo Wehrli Zürich / Quelle ETH Bibliothek)

Ort des Abnehmers lag im Bahntechnisch gut erschlossenen Bülach und die dortig rasant wachsende Industrie verlange nach Rohstoff.

Die Gerüchte über reich gewordene Landwirte die sich des Nebenerwerbs Sandbergbau hingaben, erreichten mach umliegende Dorfkneipe.  Das manch von Armut gebeutelte Bauernfamilie das Glück in der Sandmine suchte, erscheint naheliegend.

Die Datierung des Bauwerks fällt richtig schwer den die Glasi Bülach wie auch die Sulzer Giesserei AG, am gleichen Ort domiziliert,  standen ab den 1920ern im auf und ab wirtschaftlicher Umstände. Mach einer schafte grosse Vermögenswerte und verlor genau so schnell all das gewonnene. Die geschichtlichen Zusammenhänge beider Werke, wie auch der Bahnlinie Otelfingen – Bülach, sind relevant bei der Datierung des Abbaus.

Karte 1770

Da ein Kartenstudium der Vergangenheit 17. ,  18. und 19. Jahrhundert keine  relevanten Indizien zeigt, bleib ich beim Jahrhundert 20 und der Hochblüte eines Industrie-Bülachs.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Die Grube, rotes Pünktlein, liegt auf dem Luftbild Anno 1946 nahe des Waldrandes und an der Waldgrenze liegt ein heute komplett verwaldetes Feld welches so Plusminus ein Pferdewagen in den Jahren 1930 / 1940 erreicht hätte.

Kurzum die Grube, eher bescheidenen Ausmasses, dürfte in Zwischenzeiten während der Feldarbeit, eher Semiprofessionel und ohne grosses Bewilligungstamtam, um die Jahre 1930 / 1940 entstanden sein. Der Sand liess sich schnell und ohne grosse Kraftanstrengung aus dem Berg hohlen. Da die Abbaustelle am Hang lang, könnte das Material einfach den Hang hinuntergekippt werden.

Plan Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Ein Hohlraum im Volumen 51 Kubikmeter entstand, vermutet in einer Woche Familienarbeit aber, der rund 1.5 Tonnen schwere Sand per Kubikmeter musste noch den Bahnhof Otelfingen erreichen und da liegt der Kruks der Pferde.  Zum nahegelegenen Bahnhof sinds 4.3 Kilometer schlechte Strasse und das Projekt Sandabbau scheiterte ziemlich bald nach deren Anfänge.

Quarzsandgrube Oetwil an der Limmat

Alle weiteren ein und ausgeschlagenen Nischen und die Feuerstelle im Tagbauteil sind, so denke ich, geselliges Zusammensein anwohnender Dorfbuben in späteren Jahren.

Mein detaillierterer Bericht zur Sandgrube gibt’s auf: https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2021/11/oetwil_V1.pdf

und der detaillierte Grubenplan liegt auf: https://www.luisa.net/wp-content/uploads/2021/11/oetwil_a_L_plan2021_V1.pdf