Einblicke in die erste Generation Bundesratsbunker, genannter K3 Harnischhuet in Bolligen bei Bern und weitere Verstecke
Gründe wieso sich Bundes-Chasperlis verstecken müssen gibt’s unzählige. Man denke an die kleine Episode eines totalitär anwachsenden Massnahmenstaates. Das Ideal eines jeden Diktators, eine gehorchende Untertanenschaft doch, die bittere Seite, eine versprengte Gruppe Abtrünniger trachtet den Eliten nach dem Leben.
Zu den militärischen Führungsstrukturen die in tiefen Felsen verborgen waren, gesellten sich ebenso eingegrabene Zivilregierungsverstecke. Insbesondere der gar nicht beliebte Bundesrat suchte, ab dem 2 Weltkrieg, im In und Ausland nach geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten. Gegenwärtig sind 4 solcher, mehr oder minder klassifizierter, Bunker auf Schweizer Boden bekannt. Hinzu kommen mögliche Exilverträge mit ausländischen Regierungen, etwa Dänemark während der P26 Ära. Allen in allem, die vereinigten Bundes-Chasperlis haben allen Grund sich zu verkrümmeln und ich en Haufen spannende Sachen anzukucken.

Die aufwendig zusammengestellte kartografische Darstellung offenbart die bevorzugte Nähe zu der Bundeshauptstadt. Viele dieser Anlagen stammen aus der Reduit-Strategie ab Beginn des 2. Weltkriegs.
Kleine Auflistung ohne Gewähr und keineswegs Vollständig
K1 Ried Armeeführungsbunker aufgegeben 2615794 / 1210568 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Burgdorf)
K2 Oberburg Armeeführungsbunker aufgegeben 2613190 / 1209507 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Burgdorf)
K3 Harnischhuet 1. Bundesratsbunker aufgegeben 2606351 / 1204240 1209507 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Bern)
K4 Kleiner Rugen Armeeführung / Luftwaffe aufgegeben 2632133 / 1169394 (Untertagebau Militär)
A1865 KP Goldey Armeeführung aufgegeben 2631525 / 1170948 (Untertage-Steinbruch Zulieferer Interlaken)
K8/A8760 Brindlistollen 2. Bundesratsbunker aufgegeben 2693986 / 1180935 (Untertagebau Militär)
K10 Alpenrösli Bundesratsbunker (Daten mir unbekannt)
K20 Eggeschwand Bundesratsbunker / Klassifiziert 2617313 / 1147169 (Untertagebau Militär Baujahr ca 1985)
Der K3, Innenansichten
Dieser Bundesratsbunker war nur kurzer Zeit in Betrieb. Man munkelt dass, noch während der Bauphase, ein grosser Deckenabbruch, im ungeschützten Teil, ein Militärfahrzeug unter sich begrub. Nach dieser Erfahrung verzichtete Armeeführung auf den Endausbau stattdessen bauten die Verteidigungsstrategen den, etwas edleren K8/A8760 Brindlistollen für die Führungselite.
Der K3 wirkt sehr spartanisch und nicht wirklich fertiggestellt trotzdem deuten einige Indizien auf langen militärischen Nutzen hin.

Am nahegelegenen Kommandogebäude, heute Wohnhaus, klebt aktuell die Aufgebotstafel Fortbildungsdienste Truppe Stand 2011. Sowohl das Kommandohäuschen wie auch der umwerfende K3 Steinbruch sind gegenwärtig in privaten Händen.

Der Haupteingang in den ungeschützten Teil wird dominiert von Wildwuchs und Erdeinsturz. Schwer vorzustellen das einst durch dieses, rund 20 Meter hohes Tor Fahrzeuge ein und aus kurvten.

Im Innern des ungeschützten Bereichs sind die Dimensionen beeindruckend.

Der geschützte Bereich besteht aus einer Steinbruchunterteilung mittels massiver Betonwände. Ein kleiner Durchgang, im Bild an der hinteren rechten Wand erkennbar, ermöglichte den Eintritt vom Untertageparkplatz in den geschützten Kommando / Bundesratsteil.

Der geschützte Bereich verfügt zusätzlich über einen separaten Zugangsstollen im Norden der Anlage.

Im Kommando-Führungsbereich, ehemals Teil des Steinbruchs, sind einige Infrastruktur-Einbauten aus der Zeit des Bundesratsbunkers erhalten geblieben.

Ein Kamin sorgte für Entrauchung einer Zentralheizung. Auf den Dächern der Versorgungsbaten hätten Baracken für die Landesregierung Platz gefunden. Die Baracken sind nie eingebaut worden. Es blieb bei den spartanischen, heute noch erhaltenen, Versorgungsbauten.

Fürs Brauchwasser sorgten zwei Zisternen im Bundesratsteil.

Geschichtliches und Sonstiges
Der Sandsteinbruch ist wahrscheinlich noch vor dem 19. Jahrhundert entstanden und diente als Zulieferer für zahlreiche Bauwerke der Berner Innenstadt.
Die heute ersichtliche Kubatur stammt aus der Epoche gegen Ende des 19. Jahrhundert als in Bern zahlreiche Bauten emporwuchsen. Der Hunger nach Sandstein war enorm und um Bern herum, Ostermundigen, Bolligen bis Krauchttal erblühten etliche grössere Steinbrüche. Auch die heute bekannte Justizstrafvollzugsanstalt Thorberg, mit damals angegliedertem Steinbruch, hat als Strafanstalt, Ursprung im aufkommenden 19. Jahrhundert.
Der Sandsteinbruch Harnischhuet mit angegliedertem Betriebsgebäude, später Kommandohäuschen, stand in naher Konkurrenz mit den, per Betriebsbahn erschlossenen Steinbrüchen von Ostermundigen. Womit, mit aufkommendem 20. Jahrhundert, Harnischhuet allmählich in Vergessenheit geriet.
Erst die Reduitstrategie ab 1941 hauchte den Hohlräumen neues Leben ein. Der Bundesratsbunker-Bau endete jedoch abgrubt nachdem ein grosses Stück Stollendach auf ein Armeefahrzeug stürzte und dieses bis zur Unkenntlichkeit zerdrückte. Der Bundesrat solle nie die Anlage besucht haben. In gleichen Jahren entstanden Zahlreiche weitere Führungsbunker, zu erkennen an der Bezeichnung K.
Die Anlage K3 indes, so glaube ich, blieb noch einige Jahre in militärischer Bedeutung.

An einer Wand im K3 Bunker ist ein schematischer Grundriss abgebildet. Die Zeichnung entstand sicher nach der Ära Bundeschasperli. Über deren Bedeutung lässt sich streiten.

Die schematische 5 km Markierung zielt weder auf die weiteren Steinbrüche noch aufs Bundeshäusle aber die Abschlusslinie deutet auf eine abrupte Trennung. Mögliche Talt-Kabeltrennung?
Die Pfeile markieren Durchgänge, am rechts stehendem Pfeil gibt’s keinerlei Stollen auch Kabelreste fanden wir keine an besagter Stelle. Die Bezeichnung A1X könnte auf ein mögliches Felsenwerk hindeuten. Alle A-Bezeichnungen beziehen sich auf Felsenwerke. Ich kenne im Umkreis von 5 Km kein solches Werke, anmerkend jedoch, ich kenne recht wenig Militärisches. Mein Kernthema ist definitiv Bergbau.
Noch mehr Mysterien
Trotzdem fuhren wir, meine Begleiterin und ich, zum nächstgelegenen Steinbruch, ca 1 km Luftlinie (oberhalb Bolligen). Auch an dieser Position stach uns ein militärisches Geheimnis ins Auge. Getrieben von der Neugierde suchten wir die nähere Gegend um diesen neuen Steinbruch ab und fanden,

eine verschlossene Panzertür neuerer Bauart, ein vermutet Belüftungsturm und eine zweite Türe oberhalb eines alten Steinbruch-Zugangs. Das Ganze ist umschlossen von massivem Maschendrahtzaun.

Im Situationsplan gelb markiert die Fläche des K3 Bundesratsbunkers nach Schweizerischer Landesvermessung, anmerkend, der K3 ist im Privatbesitz, eine Immobilienfirma, und folglich der betreffende Hohlraum in der Landesvermessung aufgenommen. Etwas westlich davon das kleine Kommandohäuschen, auch dieses ist im Privatbesitz und aus der Geheimhaltung ausgenommen. Westlich davon markiere ich eine unbekannte Anlage die ohne Zweifel auch länger aufgegeben ist.
Kurzum, weiterhin, eine spannende Geschichte.
Anmerkend zu Koordinaten
Alle hier publizierten Koordinaten sind mittels Desktoprecherche im beheizten Zimmerchen ausgeknobelt. Auch wenn gewisse Objekte noch heute der Geheimhaltung obliegen bin ich nicht die Erste die dieser Geheimnisse auf die Pelle rückte.
Und wenn Martin Pfister, wie sichs gebührt fürs Bundeschasperli, heute kräftig die Kriegsrhetorik schwingt so bin ich keineswegs die zu verhaftende Spionin. Ich gebe einzig weiter was ich aus etlichen Quellen heraus extrahierte.
Eine wichtig wertvolle Quelle, en grosses Dankeschön in diesem Sinne, Hans Rudolf Schneider mit https://www.festung-oberland.ch





































































































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