WWW-Links

Das breite Spektrum meiner Interessen als stetig wachsende Linkliste.

Archiv des Monats April 2013

Silberbergwerk Suggental

am 28. April 2013 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Ich war einst wieder in tiefen Unterwelten silberreicher Steine und dies nicht weit fern einer Stadt die des Mittelalters grosser Reichtümer sich erfreute. Reichtümer die wieder, wie in Schauinsland, des nahen Berges entstammten.

Genannt hier die Stadt, welche irgendwo ab 1200 ein wahrer Silberregen erfuhr, Freiburg im Breisgau und genannt weiter, eines der vielen Reichtum bescherenden Bergwerke,  das Silberbergwerk Suggental.

Förderturm Suggental

Im Suggental, nahe dem Städtchen Freiburg, sollen einst bis zu 92 Stollen und Schächte entstanden sein. In Spitzenzeiten um 1200 waren gar 1500 Einwohner im Dörfchen Suggental zuhause. Silber, Blei, Kupfer und auch Eisen zogen damals fleissige Männer und Kinder aus zahlreichen Gruben.

Ich jedoch will keineswegs hier näher auf deren Geschichte eingehen dies kann zweifelsohne der dortig ansässige Verein „Silberbergwerk Suggental“ einiges kompetenter. Indes waren mir, dank meinen bescheidenen Elektrotechnikkenntnissen, Einblicke in die spannenden Zeitepochen der Bergbautätigkeit gewährt worden die ich bebildert in meinem Blog, böse Zungen würden behaupten sehr Bergbaulastig, wiedergeben möchte.

Förderturm Suggental

Markantes Wahrzeichen des Suggentaler Bergwerks, der Förderturm welcher als Nachbau damaliger, vermutlich spätmittelalterlicher Fördereinrichtungen, auf dem Kleinmannschacht thront.

Förderturm Suggental Förderkübel

Das im Untergrund verborgene Gegenstück der Fördereinrichtung, der Förderkessel, findet sich bei meiner Erkundung im Sankt Josephi Stollen. An einem Drahtseil gezogen wird der Kessel, geführt von zweien Rundhölzern, rund 30 Meter den Schacht hinaufgezogen. Im Förderturm angekommen kann der gefühlte Kessel jeweils entleert werden. Damals, klar, statt des Drahtseiles und der Elektroseilwinde, Hanfseil und pure übersetzte Muskelkraft. Mittels diesem System konnte in früherer Zeit effizient der bergehrte Stein wie auch störendes Taubmaterial zu Tage gehievt werden. Heute dient dies Fördergerät zur Aufwältigung des noch verborgenen Stollennetztes.

Sankt Josephistollen

Der  Sankt Josephi Stollen wie bereits die Namensgebung des Förderschachtes erahnen liess, eher für kleine Mannen gebaut, zeigte baldig das auch kleine Frauen sich deutlich des Vorteiles erfreuen dürften. Damalig in mittelalterlicher Zeit, als Kinderarbeit gang und gäbe war, wurden Stollenprofile in Taubmaterial kaum über 1 Meter 20 gebaut. Einziges Argument zur Stollenweitung waren die immer fetter werdenden Grubenhunte. Die im Bild sichtbaren Holzschienen, auf welche Grubenhunte mit Führungsnagel verkehren, sind mit viel Geschicklichkeit, in neuerer Zeit, vom Bergbauverein verlegt worden. Obschon dies Transportsystem sehr alt ist, sind Holzschienen teils noch heute in aktiven Bergwerken im Einsatz.

Sankt Josephistollen

Im Abbauschlitz, gegenwärtig oberhalb verfüllt, die Grubenhunte welche sich auf den Holzschienen mittels Führungsmittelnagel durch die engen Stollenprofile schlängeln.

Damals folgten kleine Menschen auf Arbeitsbühnen stehend dem nach oben verlaufendem Erzgang. Das herunterfallende Gestein wiederum wurde, in scheisstreibender Arbeit, in Hunte verstaut und Tagwärts geschleppt. Es entstand ein Wirrwarr an Hohlräumen welche mit wertlosem Gestein aufgefüllt wurden.

Sankt Annastollen

Im Stollen der heiligen Anna, rund 30 Meter oberhalb des heiligen Josephi, der Klassiker moderner Bergbauerfahrung, Autobahnleitblanken ruhend auf verzinkten H-Trägern. Eine Türstockzimmerungstechnik die, wie mir öfters berichtet wurde, sich im rauen Klima des Stollens bestens bewährte.

Dieser Stollen dürfte, so rein aus dem Profil ableitend, aus Zeiten in denen Grubenhunte und Kipploren stattliche Breiten beanspruchten und nur noch auf Stahlschienen herumfuhren, stammen. Die Autobahnleitblanken -Türstockzimmerung indes stammt aus Gegenwartszeiten der Stollenaufwätigung und stützt eine der zahlreichen Störungszonen im Berg.

Der Bergbauverein organisiert interessante Führungen in die Unterwelten des Suggentaler Bergbaus dazu Näheres auf www.silberbergwerk-suggental.com

Links von mir zu Verwandtem

Das zweite freiburgbeienflussende Bergwerk „Schauinsland“
Erstbeitrag Schauinsland, Schauindenberg
Folgebeitrag Wiedermalig Schauinsland

Das Geheimnis des preussischen Adlers

am 20. April 2013 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Eine Verborgene Kohlengeschichte Schauplatz zwischen Herdern und Kalchrain.

Es war wieder einst die Neugierde die mich trieb auf zu alten  Stätten des Kohlebergbau. Doch statt der erwarteten Unterwelten begegneten mir andere Mysterien welche meine Suchlust potentierten.

Also mal vorerst der Reihe nach,

Der Geologieatlas stand 1940 kennt zwischen Herdern und Kalchrain nahe der Hauptstrasse ein Kohlebergwerk mit dazugehörigem Stollen. Da auf dem Atlasblatt im Stollensymbol der Punkt mittig, stehend für Verschüttet, fehlte malte ich mir minimale Chancen aus um das Mundloch wieder aufzuspüren.

Bergwerksareal Herdern

Das Bergwerk, damals von 1855 bis 1916 betrieben, indes zeigt sich heute als wahrscheinlich bereits tausendfach gepflügter Acker. Das in der Geologiekarte vermerkte Mundloch war einst hinter dem Busch, links im Bild, angelegt worden.  Heute indes kann das Mundloch einzig erahnt werden. Wahrscheinlich waren die lagen Holzgezimmerten Gänge unter der Last des dortig mürben Sandsteins zusammengebrochen.  Tatsache ist jedoch, 1940 offenbarte sich den Kartenzeichnern sowohl den Tagbaubereich, heute im Bild der Acker, wie auch der Stollen hinter dem Busch.

Doch wie bekannt pflege ich das Gelände genauer zu durchkämmen und da mir einige Ungereimtheiten im entsprechendem Bericht der Schweizerischen Gesellschaft für historische Bergbauforschung „Herdern“ auffielen, suchte ich nach weiteren Indizien für mögliche Bergbautätigkeit.  Vom Bergbaubüro ist mir ein Grubenplan bekannt welcher ich schnell ins Gelände hineininterpretieren kann indes finde ich ein zweiter Plan auf der besagten SGHB-Webseite welcher ich nicht zuordnen kann.

Herdern Steinbruch?

Je weiter ich mich talwärts Richtung Herdern bewege, je felsiger und steiler wirkt das Gelände. Das einst hier vielleicht lange vor den Kohlen nach qualitätiv hochstehendem Sandstein gegraben wurde erscheint durchaus realistisch.

Preussischer Adler in Herdern

Im Felsen wiederum finde ich, oh welch Mysterium, ein Adler. Ich Unwissende vermute erstmals ein Ritterwappen. Erst die Frage im Facebook schafft Klarheit, es solle auf Sandstein oberhalb Herdern ein preussischer Adler ruhen.

Zweifelsohne die Neugierde ist vollends erwacht gar hinzukommend will die Gemeinde von einem Werk eines Kohlebergwerksarbeiters wissen. Dieser Fund verdiente es  nach genauerer Betrachtung. Auch vermutete ich nahe des Adlers ein weiterer verfallener Stollen welcher jedoch ganz und gar nicht nach Kohle schmeckte. Ich rätsle an einem Steinbruch herum doch einiges spricht gegen diese Theorie.

Die Geokarte stand 1940 kennt einige verlassene Steinbrüche doch an meiner Stelle sei keiner gewesen.  Siegfried im Jahr 1889 weiss anhand der Flurnamen auch nichts vom Steinbruch geschweige denn der alte Dufour um 1850.

Bestückt mit Schaufeln und einigen fleissigen Händen, ein Dankeschön gebührt Matti und Gina, machten wir uns auf um unter das Federvieh zu blicken denn genau will ichs wissen.

Stollen unter dem Adler?

Resultat, zu 50prozentiger Wahrscheinlichkeit führt ein Stollen unter dem Adler in den Berg hinein.

Was dafür spricht:

  • Rund ein halber Meter unter dem Adler, dem Sandstein folgend, taucht eine butterweiche Lehmschicht auf  die schnell herausgekratzt ist. Die Lehmschicht könnte auf Verfüllung mit Wasser und Schlamm zurückzuführen sein .
  • Die Kante wirkt sauber gearbeitet und verläuft innerhalb unseres Sondierlochs exakt Waagrecht.
  • Eine solche Lehmschicht, trotz minutiösem Absuchen der offen zu Tage tretenden Felsen, begegnet  uns nicht wieder.
  • Eine Mundlochposition scheint bei genauerer Geländebeobachtung realistisch.

Was gegen ein möglicher Stollen unter dem Adler spricht:

  • Ein Hohlraum wie dieser bei verschütteten Stollen an der Stollendecke meist auftaucht war bei unserer Grabung auch nach 20 cm Horizontal nicht auffindbar.
  • Die Schicht wird leider zunehmend lehmiger und somit zäher.
  • Die Kante Felsverlauf zu Berginnern ist leider doch wiederum zu sauber. Beim Stollenbau wirkt sich Gewalt auf den Stein in Form von abgerundeten oder ausgebrochenen Kanten aus.

Ich jedoch glaube eher an die Existenz weiterer Stollen die nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Kohlebergbau stehen könnten. Die Theorie des Steinbruches wird bei meiner Weiterverfolgung immer dominater.

An der Stelle wo der Adler sich breit macht, berichten die Mannen der Abteilung für industrielle Kriegswirtschaft 1916 vom ausbeissendem Kohleflöz, abgesehen davon liegt mein Adler-Stollen einige, wenige Meter oberhalb des fast Waagrecht verlaufenden Kohleflözes. Ergo bleib ich entgegen der Geologiekarte bei der Steinbruchtheorie.

Doch um diese zu erhärten musste Kartografisches geleistet werden.

Bergwerke Herdern

Karte Gross machen, Karte Anklicken

Das Bergwerk findet sich im Westteil der Karte, die Halde ist im Gelände noch heute eindeutig auffindbar. Alte Stollen waren um 1855 nahe der Kalchrainstrasse angelegt worden. Später war im Tagbau nahe deren Mundlöcher die Restkohlen gefördert worden. In einer zweiten Phase 1916 wurde weiter nördlich in den Hang hinein, ein neues Stollensystem gebaut welches jedoch immer wieder auf den Alten Mann trifft. Östlich vom Bergwerk gelegen tauchen immer mehr Felsen im Waldboden auf. Das Gelände wird zunehmend steiler.

Handborloch in Herdern

Immer wieder sind Zeugen schweisstreibender Steinbruchsarbeit, wie etwa Handbohrlöcher,  im Sandstein verewigt. Sowohl das Kloster Kalchrain wie auch der Wehrturm Herdern verschlungen um 1300 wahrscheinlich Unmengen an Sandstein und sonstige Baustoffe. Die umliegenden in der Geokarte vermerkten Steinbrüche dürften, insbesondere dem Sakralbauhunger, kaum ausreichend gestillt haben.

Nischen im Sandstein

Weiter begegnen mir immer wieder exotischen Sandsteinbauwerken, etwa geschlagene Nischen in senkrechten Wänden, welche ich unmöglich mit Kohlebergbau in Verbindung bringen kann.

Ein Destillat aus verschiedenen Karten solle mir helfen die Logik weiter zu verstehen.

Bergwerke Herdern um 1860

Aus der Mischung von GIS-Thurgau, Siegfriedkarte, Dufourkarte, dem Grubenplan von 1916 und meinen Beobachtungen  entstand eine Karte, die durch anklicken grösser wird, welche annähernd die Entwicklung  bis 1862 wiedergeben soll.

Wahrscheinlich erstreckte sich ein Steinbruch, lange vor Kompressors Zeiten, von Cholegrueb bis Felse. Obschon der Flurnamen Cholegrueb um 1860 entstanden sein dürfte, war womöglich Kohle immer schon zufälligerweise vereinzelt gefördert worden.

Bei zunehmender Überdeckung den Steinbruch unter Tage zu verlegen wäre denkbar gewesen. Der Sandstein wirkt, östlich gelegen, genügend Robust für den Stollenbau. Ein Verlegen der  Steinbrüche Hangaufwärts in nördliche Richtung, um das Problem der zunehmenden Überdeckung zu umgehen, schaffte Anno 1300 neue Probleme des Transportes.

Die zunehmende Mechanisierung eröffnet indes neue Möglichkeiten so das immer mehr kleinere Steinbruche sich um Herdern herum platzieren.

Zwischen Steinbruch und Kalchrainstrasse siedelt  sich um 1800 ein Weinberg an. Ob sich unter dem Preussischen Adler gar ein edler, langgereifter Tropfen findet werden wir wohl kaum wissen. Möglich jedoch das diese Stollenbauten für weitere Landwirtschaftliche Tätigkeiten  genutzt wurden.  Die Kalchrainstrasse ist zu Dufours Zeit um 1850 nicht von Relevanz also nicht vermerkt indes sind Gebäude oberhalb wie auch unterhalb der Felsen lokalisierbar.

Kohle kommt, so wird berichtet, beim Bau respektive Ausbau, der Kalchrainstrasse um 1855 zum Vorschein.  Damals waren, nach dem Strassenbau, Stollen nahe der Strasse bis Weinberg angelegt worden.

Die beiden Stollenspuren welche ich glaube am Fels gefunden zu haben stehen jedoch, meiner Meinung nach nicht im direkten Zusammenhang mit der Kohle.  Generell fanden wir nirgends nur die leiseste Spur von Kohle indes ist die Halde welche im Grubenplan von 1916 abgebildet ist, im Gelände ziemlich in gleicher Form noch heute an deren Platz.

Wer den Adler meisselte bleibt ein Geheimnis.  Der Verwitterungsgrad lässt auf neueres Datum schliessen. Der Standort jedoch steht im Wiederspruch zum Kohlearbeiter, da wahren einst keine Kohlen. Ein Fremdarbeiter durchaus möglich. Das Frankfurter Stadtwappen zeigt so ein Vogel. Vielleicht auch sonst wie ein kreativer Zeitgenosse nach guter Traube aus deren nahegelegenen Keller.

Any, lassen wir dies Geheimnis ruhen auf alle Ewigkeit.

Ein Dank hier nochmals an Gina und Matti fürs Mitforschen auch ein Dankeschön gebührt der Gemeindeammannin für die Beantwortung meiner Fragen.

Die Links fremd zum Thema:
SGHB Herdern
Gemeinde Herdern
Kloster Kalchrain, Heute ein Jugendknast