Monat: Juli 2015

Stadtansichten, ein gelugener Fotospaziergang

Auf dem Fussweg zu meinen neuen GBICs ergab sich die Gelegenheit mein neues Spielzeug ausgiebig kennenzulernen.

Fujifilm X100T

Mein Leben lang wartete ich auf eine Digitalkamera mit Blendenring und Verschlusszeiteinstellrad. Nun gibt’s sowas von Fujifilm und ich habs mir geschenkt. Selbstverständlich nicht für den Stollentrip indessen in gepflegter Umgebung durchwegs passend.

Also kurz kommentiert ein kleiner Fotowalk in althergebrachter fotografischer Handarbeit.

Bagger in Anmarsch

Hilfe die Bagger kommen,

Swissmiltower

während der Swissmiltower friedlich vor sich hin wächst.

Balkon im 5

Zürich aus erstaunlich, umwerfend blumiger Perspektive an der Quellenstrasse.

Schwändli

Und weils Erinnerungen weckt, das Schwändli welches einst mal der Trans-Treffpunkt in hiesigem Lande war.

Und ja, macht Spass wieder mal am Blendenring und Zeiträdchen herum zuschrauben.

Rueuner Bergbaugeheimnisse

In Hinblick auf meine kleine Ganztagesexkursion am 18. Internationalen Bergbau & Montanhistorik Workshop im Rueuner Bergbaurevier war ein kleines Kennenlernen der mir noch unbekannten Gruben von durchaus grossem nutzen. Diesmal im Schlepptau einer best bewanderten Gruppe lies ich mich in die Geheimnisse gut versteckter Blei und Kupfergruben im Andestertobel einweihen. Gewiss dürfte diese Geschichte noch weitere Fortsetzungen erfahren doch allererstmals eine kleine Bildergeschichte zu den Gruben im ominösen Val Schmuer zwischen Rueun und Andiast.

Val Schmuer

Die Landschaft ist, wie so oft bei genannten Bergbauabenteuer von unübertroffener Pracht. Durch dickes Waldgesträucher führt eine Wegspur hinauf zu den Grubenwerken welche Gustav Weinmann um 1915, mit viel Aufwand und kaum Ertrag, nahe alter Grubenhauen anlegte.

Bergwerk Val Schmuer
Der erste Stollen findet sich bald in steiler Felswand,

Bergwerk Val Schmuer
welcher rechtwinklig zur Felswand rund 45 Meter ins Berginnere führt. Über die gesamte Länge sind kaum Spuren eines ertragreichen Bergbaus erkennbar. Der besuchte Stollen, eindeutig Weinmanns Handschrift tragend, ist ein tauber Sondierstollens im mitten kleinerer Schürfungen wahrscheinlich aus 17. Jahrhundert.
Bergwerk Val Schmuer

Nahe Mundloch sind einzig kurze Stollenausläufer gehauen die wahrscheinlich einer kleinen Erzlinse folgten. So dürfte auch der markante, wenn doch etwas gelangweilte, Stützpfeiler aus Weinmanns Zeiten stammen.

Bergwerk Val Schmuer

Ebenso der Weg zum zweiten Weinmannstollen führte uns durch wunderschöne Urwaldlandschaften. Dieser kommende Stollen, auch an einer kleinen Felswand, liegt dem Schmuerbach folgend knapp 150 Meter nordwestlich des ersten Stollens.

Bergwerk Val Schmuer

Auch dieses Werk, moderner Bergbau 20. Jahrhundert mit dazugehörigem Kipplorenprofil.

Bergwerk Val Schmuer

Doch auch bei diesem Stollen, keinerlei Anzeichen eines Erzsegens, infolge endet dieser nach rund 85 Metern ohne merklichen Abbau.

Bergwerke Val Schmuer

Auf der Karte finden sich die 3 massgeblich durch Gustav Weinmann untersuchten Reviere mittels Bergbausymbol dargestellt. Indes dürften in näherer Umgebung deutlich mehr Berghauen dazukommen und auch das Cava sul Rhein-Bergwerk, von mir beschrieben auf Silber und Bleibergwerk Cava Sul Rhein war einst Weinmannisches Spielfeld. Die Roten Punkte markieren die mir bekannten Stollenmünder und die orange Weglinie steht für den damaligen Erschliessungsweg welcher Weinmann bauen liess. Heute ist dieser Weg zu weiten Teilen abgerutscht. An der unteren Serpentinenkurve indes finden sich Spuren von Bauten.

Quellen:
Kartenbasis: Swisstopo über map.geo.admin.ch

Textrecherchen:
„Der Schweizerische Bergbau während des Weltkrieges“ von H. Fehlmann aus dem Jahre 1919 dazu im speziellen „Das Vorkommen bei Andest“.

Meine Vorbeiträge
Silber und Bleibergwerk Cava Sul Rhein
Cava Sul Rhein Rueun

Bleibergwerk Gemsegg

Ein weiterer Teil meiner Bristengeschichte

Noch offen war die Entdeckung, respektive die Erkundung eines weiteren Geheimnisses Bristener Industriegeschichte. Es sollen zwar einige, namentlich genannte, Apotheker Lavater um 1742 und Jean-Pierre Jenni um die 70er Jahre des 20 Jahrhunderts, die Gruben besucht haben doch mir blieben sie auch nach 2 Versuchen noch verborgen.

So war am 27.6.2015 ein dritter Versuch notwendig um die Grubenwerke genauer zu erforschen. Zwar wusste ich bereits sehr genau den Standort des Hauptförderstollens doch zumeist waren schlagartig kippende Wetterverhältnisse, die eine Befahrung, geschweige den ein Erreichen der Grubenhaue verunmöglichten.

Am 27. Juni schien das Wetter anfänglich mir wohlgesinnt und ich konnte die steile Reise von 737 Meter über Meer auf 1844 Meter aufgleisen. Zügigen Schrittes erreichte ich nach 3 Stunden die Jägerblockhütte auf 1784 Meter ergo mussten noch 60 Höhenmeter ohne erkennbare Wegspur zurückgelegt werden.

Route zum Bergwerk Gemsegg

So beschloss ich, mittels GPS-Helferchen den Weg von der Jägerblockhütte bis zum Mundloch aufzuzeichnen. Im Rucksack gut verstaut erfasste das kleine Garmin-GPS-Gerätchen mein, aus Zeiten 1740 geglaubter, Weg welchen ich, durch dicke Sträucher robbend, versuchte zu begehen. Im Resultat auf der Karte glaube ich den Bergbauweg annähernd zu erkennen. Das Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz https://s.geo.admin.ch/65aeab4549 hat, meiner Meinung nach, folglich gravierende Ungenauigkeiten in deren Aufzeichnungen. Insbesondere die beiden Bergwerkssymbole scheinen richtig falsch zu liegen. Einige Indizien sprechen eindeutig für meine Linienführung, insbesondere Felseinschnitte lassen die Annahme einer Verbindung zum Flurnamen Stube zu.

Wenn doch, unbestritten, am Stuben noch weitere Berghauen anzutreffen wären, ich jedoch, bei solch Aufstiegsdistanzen, bis anhin kaum die Zeit fand um das Gebiet rund um den Flurnamen genauer zu durchkämmen.

Darum will ich mich in dieser Geschichte aufs Bergwerk Gemsegg, welches ohne Zweifel zur Stuben-Gruppe gehört, beschränken.

Bergwerk Gemsegg

Das Mundloch zeigt sich bereits in aller Deutlichkeit von der Jägerblockhütte aus. Auf dem Foto dieses horizontal Bildmittig im unteren Bildviertel in der kleinen Felswand.

Bergwerk Gemsegg

Trotz sehr steilem Gelände war der Stolleneingang schnell erreicht und so liess ich mich erstmals nieder um ein Foto in die entgegengesetzte Richtung zu knipsen. Zu sehen diesmal die Jägerblockhütte vom Stolleneingang aus betrachtet.

Bergwerk Gemsegg

Das Mundloch indes war den doch kleiner als angenommen. Trotzdem, mit Hämmerchen und Muskelkraft war der Eingang schnell auf ein erträgliches Mass geweitet.

Bergwerk Gemsegg

Im Stollen fällt ziemlich bald ein schlankes Profil mit verlegten Holzschienen auf. Auch die Stollenhöhe ist selten über 1.60 Meter.

Bergwerk Gemsegg

An einigen Stellen ist massgeblich Material von der Decke gekracht was a) das wunderschöne Schienensystem überdeckt b) an richtig mühsamen Stellen Wasser zurückhält. Zweifelsohne sind nach Bergwerksaufgabe um 1742 viele Jahre ins Land gezogen umso grösser die Überraschung relativ intakte Mitteldornholzschienen anzutreffen.

Bergwerk Gemsegg

Nach 28.6 Laufmeter erreicht man die von oben her verfüllte Tagesspalte. Die Holzeinbauten sind noch nach 300 Jahren frisch und munter. An wenigen Stellen ist etwas Holz verbrochen wo hin und wieder etwas Schutt herunter rieselt was über die Jahre hinweg teils grössere Schutthaufen produzierte, ansonsten macht die Anlage einen sauberen und ordentlichen Eindruck als hätte 1742 noch jemand der Belegschaft gründlich gekehrt.

Bergwerk Gemsegg

Am Boden zwischen den Schutthaufen wird ein Schacht sichtbar welcher höchstens 1 Meter tiefe misst und randvoll mit Wasser gefüllt ist. Wasser scheint an dieser Stelle so ziemlich aus jeder Richtung zu quellen. Nicht lange blieb mein Kameraobjektiv, von all den umherschwirrenden Tropfen, verschont. Über der Abteufung ist das Schienensystem weitergeführt indes mit Holzzapfen so verspannt das die Holzschienen mit wenigen Handgriffen schnell demontiert werden können.

Bergwerk Gemsegg

Der Stollen endet nach ca 36 Metern. Im Bild die Sicht vom Stollenende Richtung Mundloch. Beim Tagespaltenansatz war wahrscheinlich eine Fahrte angebracht mittels dieser der obere Teil des Abbaus erreicht werden konnte. Leider fehlt heute a) die Fahrte b) ist die Holzbühne mit einer rund 5 Meter Versatzwand abgeschlossen. Der Aufwärts-Schacht misst rund 7 Meter vom Stollenboden aus. Am Schachtende zuoberst ist ein dichtes und mit Schutt beschwertes Holzdach sichtbar.

Grubenplan Bergwerk Gemsegg

Plan gross machen, Plan anklicken

Im Gegensatz zu Jennis Grubenplan, im Vorbeitrag Bleiwerke Bristen zu finden, erfuhr meine Version massgebliche Korrekturen. Die Stollenform und Richtung stimmt recht genau mit Jennis Aufzeichnungen doch das Werk ist eindeutig kleiner und vor allem kürzer. Auffallend ist, über die gesamte Stollenlänge von nur 36 Metern sind Mitteldornholz-Schienen verlegt. Zwar sind die Schienen mehrheitlich vom Schutt oder vom Wasser verdeckt doch deren Weiterverlauf erscheint eindeutig. Die Stollenbreite ist teils 0.8 Meter ergo müsste ein schlanker und kurzer Mitteldornhunt auf den Schienen verkehrt haben.

Im letzten Teil der Tagesspalte war zuletzt, wahrscheinlich nach komplettem Leerräumen des oberhalb liegenden Erzganges, eine Abteufung angesetzt worden. Die Schienen sind an dieser Stelle einfach demontierbar. Die Abteufung jedoch ist nicht wirklich tief.

Klar ist, oberhalb der Holzbühne befindet sich gänzlich unbekanntes Gebiet. Ich vermute das dieser Teil, einst im Fristbau bearbeitet, der viel grössere Untertagebau war. Heute ist dieser Bereich verfüllt dies sowohl bedingt durch den damaligen Firstbau wie auch durch Geschiebe welches zur Tagesspalte, über die 300 Jahre hinweg, hinein rieselte.

Die Tagesspalte, so glaube ich, war indes schon zu Betriebszeit verschlossen worden dies um den Geschiebefluss zu unterbinden. Letzter Akt dieses Bergwerks bleibt, meiner Meinung nach, die Abteufung am Stollenboden.

Grubenplan Bergwerk Gemsegg

Die Situation nochmals zur Verdeutlichung, Plan gross machen, Plan anklicken.

Nahe dem Bach standen Erzschichten, Bleiglanz und Zinkblende an. Diesen Schichten, damals um 1600 hauptsächlich dem Bleiglanz folgend, wurden an 3 Stellen abgebaut. Die Schicht fällt fast senkrecht, rund 60 Grad Südost. Da sich zunehmend Wasser in den 3 Spalten sammelte, beschloss man einen Stollen in den Berg zu treiben welcher an günstiger Lage die Erzschicht anfuhr.

So konnte das Erz, im Firstbau von unten her abgebaut werden. Ob mehre Holzbühnen wie dies Jenni auf seinem Plan darstellt, eingebaut waren tue ich eher anzweifeln, vielleicht war zuoberst eine die den Tagesspalt verschloss, wie auf meiner Zeichnung dargestellt, wissen indes tue ich dies nicht. Eines jedoch erscheint mir klar, bei solch geringen Höhendifferenz dürften kaum zwischendrin aufwendige Holzeinbauten gesetzt worden sein. Die Tagesspalte ist, meiner Schatzung nach, 10 bis 15 Meter lang.

Fest steht jedoch, die Holzkonstruktionen, das Schienensystem wie auch die, in den oberen Spalten gefundenen, Bohrlöchern zeugen, trotz kleiner Grube, von fortschrittlichen und um 1700 äusserst technisiertem Bergbau. Sprengstoff könnte früh eingesetzt worden sein.

Nicht gefunden habe ich am besagten Grubenstandort die eingemeisselte die Jahreszahl 1652 bei einem Bohrloch. Alois Blättler ein Lokomotivführer aus Erstfeld solle am Stuben vor bald 50 Jahren Bohrloch und Jahreszahl entdeckt haben. Wo genau dieser Fund erkannt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis, fest jedoch steht, der Flurname Stube ist auf der Gegenseite des Grates zwischen Tieftal und Langlaital. Auch klar, die Bergwerksanlagen dürften sich über ein grösseres Gelände um dem Flurnamen Stube gruppiert haben. Auf 694’301.8, 178’378.8 stehen Gebäudereste die möglicherweise auch mit Bergbau was zu tun hatten.

Geschichtliches

Es ist nicht viel über dies Bergwerk bekannt. Um die Jahre 1600 bis 1700 war jedoch rege Industrie zwischen Amsteg und Gurtnellen angesiedelt. Diverse lokale Bergwerke, Eisen, Kupfer, Blei und Alaun lieferten Rohstoffe die nahe weiterverarbeitet wurden. Das nahegelegene Maderanertal übernahm etwa den Namen der damaligen Eisenerzdynastie-Familie Madran um 1700.

Um 1567 solle Romanus Bassler von der Landsgemeinde während 100 Jahre das Bergbaurecht in der Gemeinde Silenen erhalten haben.

1626 war der ansässige Bergbau in vollen Gange als um 1629 die grosse Pest ausbrach und die Gruben wieder still standen.

Die Jahreszahl 1652 solle bei einem Bohrloch zu gefunden worden sein. Ich habe diese nicht gefunden, wenn doch die Berghauen deutlich weitläufiger sein dürften als angenommen. Es erscheint somit durchaus naheliegend dass im 1652 erneut Bergbautätigkeit entflammte.

1744 solle der Apotheker Lavater aus Zürich die Grube besucht haben die bis dato kurz nach Aufgabe Stillstand.

Die dortig gefundenen Spuren, insbesondere die Schienen wie auch die Stollenhöhe, passen in die Jahre um 1700.

Alte Jägerblockhütte Stuben

Etwas tiefer auf rund 1740 Höhenmetern liegt die alte Jägerblockhütte zusammengeschlagen im Wald herum. Auffällig waren die sauber bearbeiteten Hölzer die mich an die Brückenkonstruktionen im Stollen oberhalb der Abteufung erinnerten. Indessen will ich hier keineswegs behaupten die Hölzer hätten 300 Jahre überdauert obschon irgendwo ein Kausalzusammenhang stehen könnte.

Auch finde ich im Vorbeitrag Bleiwerke Bristen die Jahreszahl 1678 auf meinem Fussweg in Stein verewigt. Auch bei diesem Fund könnte ein möglicher Kausalzusammenhang zum Bergwerk existieren.

Quellen:
Kartenbasis: Swisstopo über map.geo.admin.ch

Textrecherchen:
Jean-Pierre Jenni „Die Vorkommen von Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende des Bristenstocks (Kt. Uri)“
Ueli Wenger „Bergbau im Kt. Uri“