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Archiv des Monats Januar 2016

Ewattinger Geheimnisse

am 17. Januar 2016 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es gibt nach wie vor im deutscher Nachbarschaft viel Untertägies zu erkunden. Insbesondere die Verknüpfungen mit den Wirren um den 2 Weltkrieg öffnen mir neue, äusserst spannende Dimensionen möglicher, aktueller Bergbauforschung.

Und, zweifelsohne, auch die Landschaft um die Wutach herum versetzt uns, Hochgebirgsverwohnte Schweizer, immer wieder ins staunen.

Ewattingen

Da mein Auto auch ganz gut als Schneemobil funktioniert, waren wir, mein geduldiger Begleiter Matti und ich, in schöner und geheimnisumwitterten Wutachmühle bei Ewattingen. Genauer gesagt am ehemaligen Zubringer, der Gipsgrube am Gänsbach. Doch erstmals, die Fahrt dorthin, auf prächtiger Anhöhe knapp vor Ewattingen und in genannten 800 Meter Plus Meereshöhe, ein erster Fototermin zur Bestaunung der Landschaft.

Wieder zurück zur Ursprungsgeschichte, das Jahr 1945 wird genannt als Dorfchronist und Pfarrer August Gantner aus Ewattingen die letzten Kriegsereignisse in dessen Gemeinde niederschreibt. Die Schwarzwaldarmee beschiesst die Ewattinger Kirche und die Dorfbevölkerung macht sich auf den Weg in die, zur U-Verlagerung umfunktionierte aber nie so richtig genutzte, Gipsgrube am Gänsbach.

Die Gipsgrube ist immer wieder in historischen Dokumenten erwähnt und tatsächlich noch in Neuzeit um 1950 wieder als Gipsabbaustelle genutzt worden also ein Ziel welches genauerer Untersuchung bedurfte.

Gipsgrube Wutachmühle

Heute sitzt der vermutete Eingang zum Untertagewerk an tiefster Stelle eines Steinbruchs. Ein nur sehr spärlich lesebarer Grubenplan interpretierte ich neu zu einem sauberen Grundriss auf welchem die Steinbruchkonturen erkennbar wurden. Somit führte uns der Grubenplan genau an ein Magerbetonkegel welcher allmählich Sinn zu machen schien.

Oberhalb des Magerbetonstützelementes sind zwei in der Felswand eingemauerte und richtig verbogene Stahlprofile erkennbar. Noch sind die Dinger etwas rätselhaft doch die genauere Sichtung offenbart deren möglicher Zweck.

Es zeigt sich dass die Eisenprofile rudimentär gebogene Stollenbahnschienen sind. Beide U-Winkel liegen senkrecht im Abstand von rund 7 Meter übereinander. Beide sind sichtlich vom Steinschlag zusammengestaucht aber noch immer fest im Fels verankert. Ein drittes Profil liegt, im Baumgetümmel verfangen, ziemlich unkenntlich verbogen, herum.

Auch der Betonblock weiss einige Geschichten zu erzählen. Gemäss Grubenplan steht dieser an einer Mundlochkannte. Welche indes sorgte für kontroverse Diskussionen zwischen meinem Begleiter und mir.

Die Westseite des Betonmauerwerks zeigt eine auffällige Musterung deren Auflösung nach nur wenigen Schaufelhüben eindeutig zu tage trat. Westseitig, nach kurzer Erdtiefe, der Mauer folgend, klebt ein Vollbacksteinmauerwerk am Betonriegel. Beim Graben finden wir immer wieder wild herumliegende Backsteine die eindeutig in früherer Zeit sich vom Betonklotz lösten und zu Boden stürzten. Aus meiner Sicht ist dies eindeutiges Indiz für nen ausgemauertes Mundloch. Matti indes, sich auf den Grubenplan berufend, will den Bergwerkseinstieg eher Ostseitig erkennen. Tatsächlich ist, aus dem Grubenplan herauslesend, die Eingangsposition doch eher Ostseitig angesiedelt doch diese Seite, dem Betonriegel folgend zeigt eine raue, sehr rudimentär ausgeschallte, Betonoberfläche. Die beiden, im Fels eingelassenen Bügeln liegen, geistig etwas zurückgestaucht, vertikal Ostseitig des Betonkegels was wiederum ein möglicher Zusammenhang zum Mundloch Ostseitig erklären könnte.

Am Betonkegel finden wir weiter zwei Stirnseitige Einbuchtungen. Die Untere von uns ausgegrabene Einbuchtung ist mit zwei Vollmaterialbacksteinen, wie sie zuhauf im westseitigem Loch liegen, ausgefüllt. Die obere Einbuchtung ist, grob geschätzt, in, weit verbreiteten Kantholznormmassen, dimensioniert. Das dieser Ausschnitt einst ein Kantholz trug scheint somit durchaus denkbar.

Gipsgrube Wutachmühle

Seitlich der Tagebaugrube glaubt mein Freund eine leichte Trasseeinbuchtung im Gelände zu erkennen.

Gipsgrube Wutachmühle

Tatsächlich scheint hier einst ein Weg, ein Bremsberg oder, wie in teils Literatur beschrieben, eine Seilbahn sich den Weg talabwärts gebahnt zu haben. Auf dem Bild die Sicht vom Trasse aus in Richtung West an die nackte Steinbruchwand welche oberhalb des Mundlochs thront. Auch die beiden Bügel sind aus dieser Perspektive erkennbar und nun etwas einleuchtender Interpretierbar.

Gipsgrube Wutachmühle

Der von mir rekonstruierte Grubenplan dürfte im Original so um die Jahre 1940 entstanden sein. Die hier dargestellten Stollen entsprechen dem Beschrieb aus dem „JIOA Final Report“. Im JIOA Final Report werden die Untertageindustrieverlagerungen die während dem Naziregime angelegt wurden, minutiös gelistet.

Die Gipsgrube ist auch so gelistet unter dem Decknamen Wichert. In den Gipsstollen solle, so wird berichtet, die Kienzle Apparate Bau AG Villingen Flugmotorenregler zusammengeschraubt haben. Nicht restlos geklärt ist inwiefern die Kienzle tatsächlich genannte Untertagekavernen nutzten. Tatsache jedoch, der JIOA Final Report beschreibt Stollenlänge und Dimensionen ziemlich stimmig mit dem mir bekanntem Grubenplan. Weiter nennt der Bericht eine Backstein gemauerte Trafostation die a) zu einem Industriebetrieb passen würde b) die noch heute vorhandenen, im Fels eingemauerten, Bügel recht genau erklären würden. Aus meiner Betrachtung könnte an den Eisenstützen eine Mittelspannungsleitung gehangen sein. Dimensionen, Abstände und so könnten ganz gut zu Kriegsmässig erstellten Isolatorenträger passen. Die vom JIOA Final Report genannten Bricks sind auch so auf dem Steinbruchgelände allgegenwärtig.

Eine Zwangsarbeiterbaracke solle lange bis in die 1960er Jahre an der Wutachmühle gestanden haben.

Pfarrer August Gantner aus Ewattingen wiederum beschreibt die Flucht in die Stollenanlage des Industriebetriebs Kienzle beim der Bombardierung des Dorfes Ewattingen am 24.4.1945.

Die Gipsstollen existieren und diese haben eindeutig eine wichtige Bedeutung, gegen Ende des Naziregimes, inne gehabt.

Es gibt kein Zweifel wir liegen ziemlich richtig doch das wenige heraus geschaufelte Material reichte nicht um die Stollendecke zu erreichen.

Auch zweifelsfrei eruierbar sind die minimum 3 Bergbauepochen die dies Werk auszeichnen.

Der Steinbruch ist eindeutig älterem Datums und könnte zusammen mit dem grösserem, westwärts liegendem Steinbruch im 19ten Jahrhundert den Gipsrohstoff in die Wutachmühle geliefert haben.

Kurz vor respektive im 2. WK wird wohl die Umstellung auf Untertagebau erfolgt sein. Es spricht einiges für den Seilbahnbetrieb über die gefundene Waldschneise. Gegen Kriegsende wird wahrscheinlich die Flugmotorenregler-Fabrik ins Bergwerk eingebaut.

Gipsgrube Wutachmühle

Bildquelle: map.geo.admin.ch

Um die 1954er sind, wie auf dem Flugbild erkennbar, Lastwagen im Einsatz. Das längliche Gebäude dürfte die Seilbahnentladestation gewesen sein die, anno Flugbild, eindeutig seiner Funktion beraubt wurde. Auch die Zwangsarbeiterbaracke könnte im Bild zuoberst Links noch erkennbar sein.

Wutachmühle

Bildquelle: map.geo.admin.ch

Auch der Kartenausschnitt aus dem Jahre 1970 deutet eher auf eine Strasse als auf eine Seilbahn hin. Der Steinbruch ist gestalterisch stark herausgehoben als hätte nochmals ein reger Tagbau geherrscht während die Stollen vielleicht allmählich verfielen.

Alleweil werden wir genaue Erkenntnis allerhöchst beim Einstig ins Untertagewerk erfahren bis dahin bitte ich die interessierte Leserschaft um etwas Geduld.

Seemühle, jähes Ende letzter Geheimnisse

am 09. Januar 2016 unter Steinerne Unterwelten abgelegt

Es war neulich, bei feinem Fondue, die Frage letzter noch verbleibeder Unbekannten in jenen verworrenen Werk aufgetaucht also machten wir uns auf zu weiterer Erkundung. Genannte diese konkrete Geheimnisentschlüsselung stieg nun am Freitag bei strömendem Regen.

In diesem Sinne ein kleiner bebilderter Reisebericht in die Unterwelt der Bornerdynastie mit resultierenden Ergebnissen. Eines jedoch vorweg, jene Pappnasen die was von Zwillingtunnels herum publizieren, sollen mal endlich anständiges Zeugs rauchen.

Seemühle Grundstrecke

Wie üblich unser Einstieg über den ausgemauerten Querschlag auf unterster Sohle.

Hauptaugenmerk unserer disiegen Befahrung galt den unbekannten Löchern südlich der tiefsten Grundstrecke. Diese Unbekannte war unser beiden, Mattis und meines, Ziel auch galt das Gerücht etwelcher Zwillingtunnels definitiv zu entkräften.

Seemühle Grundstrecke

Der wieder aufwärts verlaufende Südabbau liegt oberhalb eines Rolllochs welches in der Grundstrecke mündet. Im Rollloch sitz ein Pressloftrohr welches grössere Bergbautätigkeit erahnen liess. Die letzte Bergbauperiode liegt wahrscheinlich genau in dieser mir bis anhin unbekannten Zone. Alle Presslufteinrichtung scheint sich genau in dortiger Region zu versammeln.

Seemühle Grundstrecke

Der Abbau Süd ist schnell oberhalb der Rolllochs gefunden. In steilem Serpentinenpfad sind die obersten Zonen rund 60 Meter, oberhalb der Grundstrecke, erreichbar. Indessen ist diese Zone nicht weiter Geheimnisbehaftet. auf einer rund 100 Meter x 100 Meter Gesenkfläche ist mit grobem Sprengzeugs gewirkt worden. Auf der Hochperspektive sind weitere, hintereinanderliegende Rolllöcher drohend erkennbar. Der Boden besteht aus einer gefährlichen Schuttschicht die nicht über jede Rutschfestigkeit erhaben scheint. Drohend umso mehr als doch eine Rutschsituation zwangsläufig in einer der rund 20 Meter hohen Rolllöcher münden täte.

Klar zeigt sich indes ein definitives Ende des Abbaus ohne weitere Bergbauwerke auf einer Höhe ca. 55 Meter ab Grundstreckenboden.

Nach Auflösung dieses Geheimnisses machten wir uns auf die Suche nach den, Bergbautechnisch absolut unsinnigen, Zwillingsröhren. Zwar war ich mir dessen Sicher dass dies Gerücht so ziemlich gar nichts haben könnte und offensichtlich jemanden ganz gehörig die Fantasie durchdrehte, der Präzision willen sollten wir indes doch nochmals genauer hingucken. Auch hinzukommend waren wir beide lange nicht in dieser schönen Untertagewelt zu Gast. Und allerletzt erwachte auch wieder die Lust zu schönen Fotos welche uns um jeden Sicherheitspfeiler trieb.

Seemühle Grundstrecke

Und nochmals eine eindrucksvolle Perspektive am Abgrund eines massiv geweiteten Rolllochs in die Grundstrecke hinunter.

Auf unserer Tour lässt sich, im gesamten Werk, der native Fels kann unmissverständlich identifizieren. Verstürzte Stellen sind keine Erkennbar, dies nicht im hintersten Winkel alle Sicherheitspfeiler um zirkelnd. Also, Irrtum ausgeschlossen, ein für alle mal, keine Zwillingtunnels.

Aber den Spaziergang in die obere Zone liessen wir uns trotzdem nicht nehmen und vielleicht sollten in den oberen Stollen Zwillingtunnels versteckt sein.

Rollloch Ost

Diesmal bevorzugten wir das Rollloch Ost, auch bekannt als die geheimnisvolle aus dem See ragende Leiter. Wie immer steht noch die Leiter am besagten Platz was die vermutung nahelegt das dies Rollloch lange nicht mehr als Rollloch diente. Vieleicht liesse sich dies Gebilde als eines der Zwillingtunnels interpretieren obschon das einzig zweite Rollloch rund 200 Meter westlich zu finden ist.

Oben angekommen der prächtige See welcher uns, nach neulicher Stubenerfahrung , zu nochmaliger Lampenversenkung inspirierte.

See Seemühle

Und, auch dies Experiment schien gelungen. Das strahlende Blau verlockte gar schier zeitweilig zu anmächlichem Thermalbad wenn doch, Realität on, die Kühlkörper der LED Leuchten, dies Bergwasser leider nicht auf Themalbadniveau hievten.

Auch hier auf dieser Anbaustrecke, welche eins über ein, heute verstürzter, eigener Querschlag erschlossen war, weit und breit kein Zwillingsrohr, einzig unserer beiden, im Abstand von 200 Metern, liegender Rolllöcher.

Bahndamm oberer Abbau

Auf Tag zu steigt der Bahndamm zu stattlichen 3 Metern auf. Auf Stollendach noch sichtbar die Isolatoren der einstigen Elektroleitung die den Strom für die Beleuchtung lieferte. Am Bahndammende der zugeschüttete Bremsberg des Querschlags.

Unser Weg führte uns wieder hinter übers zweite Rollloch, welches unbestritten auch lange nicht mehr rollte, wieder zurück zur Grundstrecke.

Rollloch West

Unterwegs, die kläglich durchgerostete Absperrung des Rolllochstollens.

Hauptsilo Seemühle

Und nochmals in Erinnerung die Sammelsilos mit Rollenschnauzen.

Grubenplan Seemühle

Die Grundlage unserer Forschung ein Grubenplan mit kreativer Ausarbeitung von Babs. Ich zog aus diesem eine nicht allzu ernstgemeinte Schnittgerade, andere wiederum täten behaupten hier seie unmissverständlich ein Zwillingstunnel begraben.

Schnitt Seemühle

Die Schnittgeschichte, so rein gefühlsmässig interpretiert, macht in Seigerdarstellung folgendes Bild. Wohlverstanden, nix ist ausgemessen und wenn doch mein Disto mit mir war, so blieb ich bei meiner Empfindung. Vermerkend sei, die Erstellung eines kompletten Grubenplans, könnte zur Lebensaufgabe mutieren. Solange nicht ein glücklicher Samariter mich monetär zu solch Sisyphustätigkeit anspornt, werde ich dies unterfangen tunlichst lassen. Hinzukommend, ich kanns nicht lassen, dünkt mich, versammeln sich im Dunstkreis der Bornergeschichte einige äusserst abgedrehte Charaktere. Ich hab ohnehin genügend über die Seemühle berichtet und Bergwerke gibt’s noch etliche zu erkunden.

Vorgeschichten:

Auf Luisanet
Die Seemühle

Und im Blog
Das Tor stand offen
Seemühle überall
Seemühle, was war? ,
Die Geheimnisse der Seemühle
Seemühle Borner AG
Das Geheimnis des Steinebrechers

Bilderseite zu den Werken
Seemühle