Monat: Oktober 2018

Herbstbilder

Zweifelsohne der Herbst ist hierzulande prächtigste Zeit und ins Val Müstair verirrt sich Frau nicht nur wegen den Bergwerken.

Pra Sot

Die Ruhe vor dem Untertage-Sturm auf Pra Sut in Tschierv.

Siedlung Chasuras

Siedlung Chasuras

Siedlung Chasuras

und riesig neugierige Kälber.

Alle Bilder machte mein CAT s60 Phon in erstaunlicher Qualität.

Flüela

Oder, wo mal einst aus allen Rohren geballert hätte werden sollen.

Kleine Bilderserie einer Passfahrt auf em Weg ins Buffalorageheimnis mit Zwischenhalt in sonstigen Militärgeheimnissen.

Flüelapass

Wie nur selten waren dieser Herbsttage von kaum zu übertreffender Schönheit.

Flüelapass

Die Reise führte uns, Christina und mich, erstmals ins Flüela-Hospiz zu feinem Rehschnitzel was sich leider als doch nicht so lecker erwies. Wie oft geschmeckt, wird feinstes Wild in minder feiner Gastro-Packungs-Sauce ertränkt. Dafür kompensierten die starken Herbstfarben in naher Parkplatzumgebung.

Chant Sura

Wenige Meter unterhalb des Passes eine, noch friedliche Alpwiese, die zu Verweilen einladete.

Chant Sura

Noch eins weils so schön war.

Ich glaubte auf erster MG-Stellung zu stehen was sich, bei zweiter Sichtung meines Untergrundes, als Irrtum erwies.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Wieder was Weniges tiefer tauchen die ersten Sperrstellen im Berg auf.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Die Neugierde war gross und ich wollte den Einstieg wagen. Leider jedoch war der Zugang zur Doppel-MG-Stellung mit KESO-Zylinder gut verriegelt. Zwar lag Aufbohrzeugs im nahe geparktem Auto doch ich wollte mich dieser Tage von meiner beherrschten Seite zeigen. Vielleicht sollte die eigentliche Stellung oder ein Notausstieg noch offen sein.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

Leider weit gefehlt, die erste erreichte MG-Stellung war mit Quadern vermauert

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

und auch zweiter MG-Stand verweigerte Einlass.

A7700 Felsenwerk Chantsura-Kehren

So musste ich mich mit der Erkundung des möglichen Sprengobjektes, der Brücke begnügen.

Chant sura

Wahrscheinlich als Truppenunterkunft könnte das Gebäude am Strassenrand gedieht haben.

Chant Sura Sperrstelle

In der Kartensituation ist die nördliche MG Stellung meinerseits eindeutig erkundet. Die südlichen Stände sind indes meinerseits einzig Annahme wobei ich, anhand des Wegverlaufes, wahrscheinlich gar nicht so falsch liegen dürfte.

Zu meiner Wehranlage gibt’s auf der Festungs-Oberland-Seite weitere, aufschlussreiche Informationen unter: Sperre 1249 Flüela-Pass GR

Buffalora Ergänzendes

Nach einigen QGIS-Schiebereien und weiteren Austausch mit beteiligten Mitforschern sind mir nun die Stollennamen des Produktiven Bergwerks bekannt. Auch tretten immer wieder neue spannende Funde die einer Geschichte würdig sind. Klar, im Munt Buffalora liegt ungeahnt viel Geschichte drin. Wenige Industrieanlagen aus der Zeit zwischen 1100 und 1600 sind in solch ursprünglichem Zustand erhalten geblieben.

Stollen Buffalora

Soviel steht fest, es gibt minimum ein produktives Bergwerk welches Eisenerz förderte und eine Vielzahl von Suchstollen wovon der grösste Teil keine nennenswerte Erze zu Tage förderte. Wenige Suchstollen trotzten dem Zahn der Zeit noch bis heut oder sie waren nicht überliefert wieder aufgewältigt worden. Fest steht, von den rund 80 Stollen die Daniel Schläpfer in seiner  Disertationsarbeit erkannt haben will, sind 2 bis 3 offen geblieben oder undokumentiert wieder geöffnet der Rest lang oder liegt noch tief im Schutt.

Die Ersten Bergmännischen Erfolge traten auf Tage am „Crap Gotschna“ dem roten Stein bei 2507 müm auf. Dieser Rote Stein ist ein Eisenerzhaltige Felsblock welcher noch heute gut erkennbar auf Luftbildern wiederzufinden ist. Ab Crap Gotschna begann ein aktiver, immer mehr Untertage-wirkender, Bergbau welcher dem Erzgang unter Crap Gotschna folgte. Crap Gotschna, wissen wir heute, ist der Erzausbiss eines Ganges welcher in Nordrichtung steil fällt.

Halden Buffalora

Über einige Jahrhunderte sind, mit Unterbrüchen, etliche Stollen entstanden welche den Erzgang unterfuhren und somit die Transportlogistik zunehmend verbesserten. Das produktive Bergwerk welcher sich unter den roten Stein grub dürfte rund 10 Hauptförderstollen umfasst haben.  Bekannt sind heute deren 4. Die unteren 2 nennen sich „Sonch Michael I und II“ die oberen sind die genannten „Sonch Rafael I und II“ beide Stollennamen basieren auf neuzeitliche 21. Jahrhundert Namensgebung. Die unteren Halden im Bild könnten zu „Sonch Rafael“ gehören. An den Halden indes sind keine Mundlöcher mehr offen.

Bis Sonch Michael I könnte der Erzgang geführt haben. Sonch Michael I ist in kurzen Abschnitten Fahrbar doch an keiner Stelle sind Anzeichen einer Abteufung sichtbar. Alle tieferen Stollenbauten waren wahrscheinlich gut gebluffte Bauernfängerei denn, das Eisenfieber grassierte in damaliger Bergbau und Händlersiendlung  Buffalora und etliche Abenteurer versuchten sich im Eisenschürfen. Währenddessen, so berichtet „CAMPELL“ um 1571, das ansässige Wirtepaar im Dorfe Buffalora sich der Dieberei und des Raubtums betätigte.

Halden Buffalora

Wer den Blick in die untenstehenden Bergwerksanlagen schweifen lässt wird, mit bescheidener Phantasie, unsäglicher Arbeits- und Materialaufwand anno 1560 wiedererkennen und dies ohne erkennbares Resultat. Manche der heute aufgewältigten Stollen, etwa „Scheraweg I“ messen über 200 Meter Länge ohne den Hauch eines Erzkrümelchens.  Der Erzgang, so kann ichs heute zurückverfolgen, wäre wenn überhaupt,  erst ab einer Stollentiefe von rund 400 Meter auffindbar. Die 400 Stollenmeter ohne Gewinn hätte auch damals jede Gesellschaft in den Ruin getrieben. So muss sich auf Buffalora ein illustres Grüpplein schlauer Händler, rauer Bergleut und diebischer Leut zusammengefunden haben. Der 3 Länderknoten, Bormio, Sta. Maria, Zernez war aber zweifelsohne auch Handwerkskunstdrehscheibe und vermutlich Testgelände moderner ferner Bergbau und Hüttenkunst.

Während vermutlich die Pächter der rund 40 unteren Stollenbauten sämtliche Investitionen in den Schutt setzten rollten die Erzgefüllten Hunte auf den oberen Anlagen.  Der heutige Einstieg ins produktive Bergwerk erfolgt über, einen Schacht Baujahr 2017, welcher die Nebenstrecke „Sonch Rafael I“  anschneidet.

Sonch Rafael I

Sonch Rafael I ist mit Holzlauf-Schienen für Mitteldornhunte ausgestattet, soweit nichts aussergewöhnliches, den alle grösseren Strecken sind mit diesem System ausgebaut. Einzig,  unser Einstiegs Sonch Rafael I fährt keine Erzlager an.

Alter Mann Sonch Rafael I

In Sonch Rafael  I führt ein Nebenstollen, ohne Erkennbaren Grund, durchs taube Gestein wieder Richtung Norden. Der Stollen ist gekennzeichnet mit Andreaskreuz, welches in Bergmannssymbolik auf die Gefahren des alten Mannes aufmerksam macht. Wie üblich im Mittelalterbergbau, folgt auch Sonch Rafael I grösstenteils einer weichen Verwerfung. Einzig der Seitenstollen, wie auch gegen Ende des Hauptstollens, ist ins Harte Gestein gearbeitet worden. Unser Sonch Rafael I endigt an harter Felsfront in eine Schachtanlage die auf die Förderstrecke Sonch Michael II knüpft.

Der Einstiegs- Sonch Rafael I kennt keinerlei, respektive nur sehr bescheidene Erzzeichen, die Erzfelder öffnen sich ab Laufmeter 100 an Aufwärts. Sonch Rafael I bis Schachtanlage erreicht die 100 Meter nicht. Im Innern des Bergwerk indes wird eine klare Struktur symmetrisch angeordneter Förderstollen ersichtlich.  Es gibt’s also, tief im Berginnern, eine zweite Sonch Rafael I Strecke die über einen separaten Zugang verfügte.

Es gibt’s somit ein Sonch Rafael I welcher uns als Zustieg dient und ein Sonch Rafael I welcher damals den Bergleuten als Transportstrecke diente.

Ich glaube der Sonch Rafael I wie wir in kennen hätte die Transportstrecke Sonch Rafael I anfahren sollen. Wir wissen nicht wie die Sonch Rafael I-Transportstrecke erschlossen war. Es könnte sein das der Aushub mühsam mittels Schacht ans Tageslicht gezogen wurde. Das Bergwerk zeigt eindeutige Zeichen periodischer Modernisierungsarbeiten. Der Transport war bei Stollenlängen um die 500 Meter richtig en Problem. Steigungen mit prall gefüllten Grubenhunten schmälerten den Gewinn eines Bergbaubetriebs teils massiv. Immer wieder treffen wir Rolllöcher und Abwurfbrücken die auf eine gewollte effiziente Transportlogistik hinweisen.

Unser Sonch Rafael I, so meine Theorie, hätte auf den Transportstollen Sonch Rafael I treffen sollen doch auf dem Weg dorthin machte sich hartes Gestein breit. Währenddessen entsteht, eine ebene Tiefer, heutiger Sonch Michael II. Die Schachtverbindung zwischen Sonch Rafael I und  Sonch Michael II sollte als Feuersetzkamin amten um Sonch Michael II wie auch eventuell Sonch Rafael I mit Feuersetztechnik Vorzutreiben. Heute ist Sonch Michael II eine, zwar zeitweilig verstürzte aber eindeutig leicht fallende Förderstrecke mit klar erkennbarer Halde.

Und auch die nächsttiefere Strecke war, soweit wir dies beurteilen können, durchgehend leicht fallend ohne Schacht Tageführend.

Die höchste uns bekannte Strecke des Werkes ist Sonch Rafael II indes, eindeutig erkennbar, weitere Strecken oberhalb.

Klar ist, Sonch Rafael I unser Zustiegsstollen endet genau an der Schachtanlage. Das Vorhaben diesen weiterzutreiben mit Hilfe des Mürbemachenden Feuers wurde nie realisiert.

Plan Minieras da Fiern

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Bestückt mit aktuellen Angaben lässt sich die Grubenstruktur, auch ohne Umfangreiche Vermessung, rudimentär recht gut zurückverfolgen. Die 4 Abbaufelder scheinen plausibel und auch die 4 Tageführenden Strecken sind einleuchtend. Sonch Rafael I bleibt unterteilt in Förderstrecke und vermutet Feuersetzstrecke.

Plan Minieras da Fiern

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Im Luftbild die erkennbaren Halden mit dazugehörigen Stollenwerken.

Plan Minieras da Fiern

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Auch die Schnittzeichnung darf sich einiger Anpassungen erfreuen. Neu sind die Namen klar und auch das Konstrukt der zwei Sonch Rafael I-Strecken erscheint mir plausibler den je.

Und abschliessend Buffalora wird, so fürchte ich, noch viele Geschichten beinhalten.

Die Vorgeschichten:
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Buffalora Part II

Es könnt nicht anders sein, dies Eisen-Bergwerk, genanntes Minieras da Fiern, birgt viel Suchtpotential. Insbesondere das Forscherherz findet viele Kulturhistorische Schätze die, noch, einer Geschichtsschreibung entbehren.

Klar, meine Freunde und ich waren wieder da.

Klar auch, wir mussten tiefer Vordringen, zwei weitere obere Grundstrecken haben wir, unter Einsatz üblicher Seilschaften, erreicht.

Und klar, ich muss die Geschichte aufarbeiten ehe ich alles wieder vergesse.

Am Mount Buffalora südwestlich des Ofenpasses liegt eine weitläufige, längs versunkene Industrieanlage die gemäss Überlieferung gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Betrieb einstellte. In Rund 80 Stollen sollen, gemäss Daniel Schläpfers Disertationsarbeit, hauptsächlich Eisenerzen gefördert worden sein wobei vermutlich ein Bruchteil der 80 Stollen effektiv Gewinn erwirtschaftete. Die Betriebsepoche erstreckte sich zwischen 1300 und was Weniges nach 1600. In dieser Zeit herrschte reges Treiben auf Buffalora. Eine Bergbau und Händlersiedlung  schmiegte sich vom Talboden hinauf zur Alp Buffalora. An der Nordflanke des Mount Buffalora kippten arme Schutter-Buben Kubikmeter für Kubikmeter Schutt auf mächtig anwachsende Halden.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Halden sind noch heute gut Sichtbar sowohl auf Luftbilder wie in freier Wildbahn. Unsereins nutze die eher Windgeschützen Halden zu willkommenen Zmittagplatz in kalten Oktobertagen.

Indes will ich mich aufs Innenleben eines relativ modernen Bergwerks konzentrieren. Nach wie vor sind von den 80 Stollen nur wenige bekannt, insbesondere die nicht produktiven, im tauben Fels verlaufenden, Gruben finden Erwähnung auf  Daniel Schläpfers Disertationsarbeit. Der Durchbruch ins Produktive Bergwerk, mit vermutet ca 10 zusammengehörenden Grundstrecken, schaffte  Cristian Conradin mit seinen Freunden vor kurzem. Es bleibt ein zu entdeckendes Bergwerk welches seiner Zeit damals weit voraus lag.

Eine Kurzvermessung schaffte bei unserem ersten Besuch einen ganz tauglichen Überblick über die umfangreiche Anlage, siehe Beitrag Buffalora. Aus dieser Kurzvermessung konnte ich ein Seigerriss konstruieren welcher die vermessene Strecke wiedergab.

Minieras da Fiern Buffalora

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Alle Grundstrecken des Eisenerzfördernden Bergwerks sind verfallen. Die, in einen Schacht einlaufende, Grundstrecke San Rafael konnte indes,  mittels Tagesschacht, aufgewältigt werden. Der Einstieg in die Bergbau-Industrielandschaft war somit möglich. Da wir, in der Hauptsache, dies Werk zum Zweiten aufsuchten waren weitere Erkenntnisse zur Struktur der oberen wie auch der untersten Sohle gegeben.

Minieras da Fiern Buffalora

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Ich habe nun eine durchaus gewagte Schnittzeichnung aus meiner Vorstellungskraft heraus gezeichnet. Geschnitten habe ich das Werk auf einer Nord-Südachse auf ungefährer Stollentiefe des letzten Abbaufeldes.

Minieras da Fiern Buffalora

Ich nehme an dass die Knappen auf ca. 4, fast vertikal verlaufenden, Abbaufeldern den Erzgang abtrugen. Die Felder waren mittels etwa 10, mit Rollmaterial (Mitteldornhunte) ausgebauten, Fahrstollen, auf einer Gesamthöhe von 120 Metern, erschlossen. Bekannt sind uns bis zur Stunde die tiefsten 4 Grundstrecken, in meiner Karte 4 rote Linien. Ungefähre Maximallänge der Stollen könnte bei 500 Meter liegen.  Die uns bekannten Stollen sind mit San Rafael und San Michael benamst, indes erwähnend, die Namensgebung der Stollen stammt aus 21. Jahrhundert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Karte um 1896 zeigt auf dem höchstgelegenen Werkareal zwei Ruinensymbole die vermutlich vom dortig ansässigen Tagebau stammen. Noch ist einiges Nebulös im Innern der rund 30 Stollenkilometer umfassenden Hauptgrube doch allmählich lichtet sich, pro neu entdeckte Grundstrecke, der Nebel der Vergangenheit.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Abbauten, ich teile diese in 3 bis 4 ungefähr ausmachbare Felder ein, verlaufen meist Steil dem, immer wieder auskeilendem Erzgang, von Nord nach Süden folgend. Manche Abbauten sind Handzahm zu Fuss fahrbar. Im Bild Feld 3 ab San Michael II Grundstrecke.

Minieras da Fiern Buffalora

Wiederum welche Gesenke, im Bild Feld 4 ab San Rafael Grundstrecke, sind einzig per Seil zu befahren.  Über diese, noch offenen, Gesenke war uns die Erkundung der oberen Grundstrecken möglich.

Minieras da Fiern Buffalora

Eine raffinierte Schachtvernetzung machte den unterirdischen Material und Personentransport effizienter. Im Bild ein rechteckig ausgehauener Schacht zwischen einem versetzten Abbau  Feld 4 / San Michael II  und der Grundstrecke San Rafael I.

Minieras da Fiern Buffalora

Dies Exemplar des Fahr und Fördertrums erschliesst Feld 3 / San Michael II mit einer Nebenstrecke San Rafael I. Schutthaufen am Schachtboden lassen darauf schliessen dass die Schächte in der letzten Betriebsperiode hauptsächlich als Rolllöcher für den Aushub amteten.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Hauptstrecken sind, wie wirs bereits von der Michael II Strecke kennen, gegen Tag mit Holz ausgebaut. Das 700 Jährige Stützmaterial lebt kaum noch an irgend einer Stelle.

Minieras da Fiern Buffalora

Interessant, und nicht wirklich erklärbar sind die offensichtlichen Stollentrennungen mittels Holzwände auf den oberen zwei uns bekannten Hauptstrecken. Als Wettertüre ist die Konstruktion zu tief angelegt, einzig vielleicht zur Verhinderung des unvorsichtigen Betretens könnte diese Bretterwand gedient haben. Tatsache ist, hinter den Brettern klafft am Boden ein Abbauschacht.

Minieras da Fiern Buffalora

Auch auf der zweiten Sohle gibt’s, am Schacht zu, solch eine Wand, diese indes bereits mit etwas Schutt befüllt. Interessantes Detail an diesem Standort ausmachbar, die Wand ist unter anderem mit zwei Haspelaufzugsstützen gebaut. Die Hornlager indes, wie bei erster Befahrung Buffalora beobachtet, fehlen an diesen Elementen. Wahrscheinlich war einst ein Haspelaufzug am Schacht montiert, nach deren Gebrauch wurde das Holz schnell zur Trennwand umfunktioniert.

Minieras da Fiern Buffalora

Die Strecken waren, so wies aussieht, ausnahmslos mit einem Mitteldornschienensystem ausgestattet.

Minieras da Fiern Buffalora

Teilweise sind die Holzschienen demontiert einzig die Schwellen, respektive die Verbinderschwellen liegen noch am Boden.

Minieras da Fiern Buffalora

Fein säuberlich liegen Erztrog wie Erzmocken nebeneinander als hätten die Knappen noch am letzten Betriebstag sauber die Spuren drapiert.

Minieras da Fiern Buffalora

Mancherorts sind lustige Stillleben erhalten die vermutlich aus Nachbergbauepochen stammen. Auf einer hochgelegenen, verspannten Holzlatte sind edle 2 Erzbrocken platziert. Minderwertige Erzware liegt gehäuft am  Stollenboden. Entweder haben hier unsere Jungs ein Streich gespielt oder sonstwie in Neuzeit wollte jemand die besseren Klümpchen verbergen. Effizient war dieser Jemand keineswegs, das auf der Latte platzierte Eisenerz springt förmlich ins Sichtfeld.

Minieras da Fiern Buffalora

Mich interessierten weiter die überall eingeritzten Schriftzeichen. Hier im Bild ein etwas erweitertes Andreaskreuz in Strecke Michael I. Da Schrift und Zeichen viel über vergangene Geschichte erzählen, versuchte ich, mit echt unwissenschaftlichen Methoden, die Zeichen zu deuten.

Dazu bannte ich die Literarischen Werke erstmals in Vektorgrafiken um gewisse Gemeinsamkeiten zu analysieren und womöglich Zeitepochen herauszufiltern.

Minieras da Fiern Buffalora

Es gibt regelrecht eingeschlagene Zeichen und Buchstaben, links in meiner Visualisierung Sichtbar, und es gibt eingeritzte Zeichnungen, rechts im Bild. Die eingeschlagenen Zeichen, könnte F R sein, sind mit Stumpfem Werkzeug, unter Gewaltanwendung, in den Fels eingeschlagen. Als mögliche Werkzeuge kommen Fäustel und Bergeisen in Frage indes könnte das F R auch mit Elektromeisel und Schlosserhammer gefertigt sein. Zweitere Variante, 20. Jahrhundert, erachte ich jedoch eher als Unwahrscheinlich.  Die Grube, so weiss es Daniel Schläpfer, solle einige Hundert Jahre unerreichbar gewesen sein. Die Andreaskreuze wie auch das Christenkreuz sind mit scharfem Gegenstand eingeritzt. Frisch gespitztes Bergeisen wie auch zeitgenössisches Sackmesser wäre denkbar, jedoch auch hier, Variante 2 eher unwahrscheinlich.

Das Andreaskreuz ist im Bergbau als Warnsymbol, seit vielen Jahrhunderten, weit verbreitet. Mittels  Andreaskreuz, zumeist in Form zweier überkreuzter Bretter im Stollen, wird vor den Gefahren des alten Mannes gewarnt. Da der Fundort des Andreaskreuzes im Stollen San Michael I zur letzten Bergbauperiode zugeordnet werden kann, ist alter Mann so ziemlich ausgeschlossen. Das Christenkreuz verweist im Bergbau auf einen Todesfall. Die Kombination Todesfall im alten Mann macht in der beobachteten Situation kaum Sinn trotzdem könnt vielleicht ein Krümel Plausibilität drinne sein.

Minieras da Fiern Buffalora

Zweites Artefakt, die Zeichen P A, meiner Meinung nach Bubengekritzel. Die Initialen des Bergknappen sind zwar im Bergbau seit vielen Jahrhunderten weit verbreitet doch das repetitive Anbringen dieser Initialen ist unter Bergleuten, als unkameradschaftlich, verpönt. Der Schriftstill ist unbestritten eher ältere Kulturepoche doch die repetitive Darstellung, trotz einigem Symbolgehalt (Grabkreuz, Grab), kann kaum dem Bergbauhandwerk zugeordnet werden. Auch die Tatsache, Übung macht den Schriftgelehrten von rechts nach links spricht eher fürs Abenteuerspielplätzchen.

Minieras da Fiern Buffalora

Dieser Fund stellt mich definitiv an die Wand. Links ist das erweiterte Andreaskreuz vom oberen Foto, mittig und rechts ein offensichtlich sich wiederholendes Symbol. Das Andreaskreuz könnte, mit viel Fantasie, sowas in der Form wie überkreuzter Fäusten und Bergeisen sein. Wie gesagt, die Fantasie muss, zu solch Interpretation, förmlich quadriert in Erscheinung treten. Zweiteres Symbol, das erweiterte W, kommt in leicht geänderter Form, in der tiefsten San Michael I Grundstrecke vor. Symbol sind 4 Christenkreuze um ein W angeordnet. Das Zeichen ähnelnd der Anschlägersymbolik doch ohne ersichtlichen Zusammenhang. Der Zimmermann ist ohne Zweifel, in dieser Anlage, ein wichtiger Facharbeiter doch sein Holz hat ausgerechnet auf Sohle  San Michael I eine ziemlich sekundäre Bedeutung. Das Symbol des erweiterten W kommt oft vor, so als wolle der Tagsetzer, wie zu neuzeitlicher Streetartkultur, sein Revier weitläufig markieren. Bergbau, aus meiner Sicht, eher nicht.

Minieras da Fiern Buffalora

Hier im Bild das repetitive Symbol, links in Grundsohle San Michael I rechts in Grundsohle San Michael II. Der Schriftgelehrte wechselte über, einzig zugänglichen Zugang, Abwurf um Feld 3 bis 4, die Sohle auf Grundsohle San Michael II, + 12 bis 15m.

Zweifelsohne, die Zeichen, nur wenige sind von mir erfasst, geben einige Rätsel auf. Die Rätsel sind, meiner Meinung nach, wahrscheinlich nie eindeutig knackbar, es bleibt bei viel Interpretationsspielraum trotzdem wird allmählich eine Annäherung möglich werden. Die Masse der erfassten Daten verfeinert die Auswertung, in diesem Sinne, ich bleib dran.

Vorbeiträge
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

Mürtschenalp noch mehr Erleuchtung

Zweifelsohne, die Lampen werden besser und auch das fotografische Können steigert sich über die Jahre hinweg. Grund genug um weiteren Gemeinissen tiefer auf den Grund zu fühlen. Doch allererst vorwarnend, über die Bergwerke der Mürtschenalp ist viel geschrieben worden ich will dieser Geschichte hauptsächlich den aktuellen Fotos Platz einräumen.

Plan Hauptgrube Mürtschenalp

Stiefmütterlich von allen Forschern sind bis anhin die alten Gruben östlich der Hauptgruben behandelt worden. Deren Zugang ist den heute auch nimmer von Bequemlichkeit geprägt.  Ich zumindest sammelte einige blaue Flecken ehe mir der Einblick ins  Feuergesetzte Gesenk gewährt wurde.

Mürtschenalp alte Grube

Das Gesenk, Südostfallend, ist unter Einfluss grosser Feuerwärme, geruste Decke, entstanden, trotzdem findet sich hin und wieder vereinzelt Bohrlöcher aus neuer Bergbauepoche.

Mürtschenalp alte Grube

In der deutlich zugänglicheren Grube, nebenan gelegen, sammelt sich Wasser bis auf einen Meter. Auch in dieser Seelandschaft mussten unsere Lampen, traditionsgemäss, auf Tauchgang.

Mürtschenalp Bergwerksanlage

Die Sicht vom Stollensims aus zeigt die Landschaft der alten, längst verschwundenen, Industrieanlage im Tal.  In den vereinzelten 3 Tannen am Talboden lang einst das Pochwerk, rechts davon die Knappenunterkünfte.

Nicht minder interessant und absolut fotogen, die Grube Erzbett dessen Einstieg  hart verdient sein soll.

Mürtschenalp Erzbett

Da der Durchschlupf sehr eng ist und die Stabilität sämtliche Wünsche ignoriert, legten wir ein rotes Seil um bei allfälligem Einsturz doch gefunden zu werden.

Wir, Matti und ich, besuchten diese Grube bereits am 1.8.2013. Damals waren sowohl Leuchten wie auch die Erfahrung eher suboptimal zur Gestaltung schöner Bilder. Meine Bilder im Beitrag Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp sind alle samt im aggressivem Blitzlicht erschlagen. Diesmal am 5.10.2018 sollte alles besser werden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich, nach Akrobatiknummer, folgen zwei Türstöcke. Der erste erfreut sich bester Statik,

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

während der Zweite, den sehr vorsichtigen Befahrer, schelmisch böse, in Bergtrollentradition,  anlächelt.  Trotzdem zeigte ein Fotovergleich 1.8.2013 vs 5.10.2018 kaum nennenswerte Veränderung. Nichts desto trotz, liebe Leser, Liebe Leserinnen, geht da nicht rein. Irgendwann wird’s nicht beim Lächeln bleiben.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Bald folgt der Hauptabbau mit weitläufig versetzten Flächen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ob den versetzten Abbauten sind Stollen offen wo noch vereinzelt eine leichte Vererzung ausmachbar ist.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Hauptattraktion ist, klar, das gut erhaltene Haspelaufzugsgestell welches die Erzkessel aus dem Schrägschacht empor förderte.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Der Schacht ist auf ganzer Tiefe, 29 Meter, mit klarem Wasser, aufgefüllt. Die Holzbühne ist noch in bester Verfassung und auch die abgesoffene Fahrte hat die letzten 102 Jahre unbeschadet überstanden.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Wie üblich ist solch ein Wasserschacht wie geschaffen für die wasserdichten Lampen und verspielte Fotografen. Im Bild die Förderkübelstrecke am Schacht.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Auch noch, wie bereits 2013, respektive 1919, fliesst das Stollenwasser diszipliniert durch den Holzteuchel als wär die Zeit abrupt gestoppt.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Einige Sehenswürdigkeiten finden sich in den tauben Suchstrecken. Im Bild eine Raumtrennung mit Türe. Die Beschläge der Türe liegen in diversen Seitenstollen, es scheint so als hätte bereits jemand, vor langer Zeit, etwas Eisen gefördert.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Ein einem weiteren Seitenarm liegt ein langsam verrottendes Holzschienensystem. Die Eisen-L-Profile, wie üblich bei dem System, fehlen.

Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp

Und der Plan in aktualisierter Form.

Als PDF der Plan Erzbett respektive der Plan Hauptgrube

Auch von Interesse war die Befahrung des tiefer gelegenen Weinmannstollens.

Halde Erzbett Mürtschenalp

Dieses Werk liegt rund 40 Meter unter der Erzbetthalde und sollte ursprünglich den Wassergefüllten Schacht in reicher Kupfererzzone unterfahren. Leider blieb der Kupferreichtum aus und der Stollen erreichte nie die Durchschlägigkeit mit dem Erzbettschacht.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Der Weinmannstollen liegt gut versteckt im Baumwald unter der Halde Erzbett.

Weinmannstollen Mürtschenalp

Im Innern staut sich bald das Wasser auf eine Höhe von knappen 1.20 Metern.

Mir wars eindeutig zu nass und da ich aus einschlägiger Literatur von unspektakulären Beschreibungen des Werkes wusste, obliess ich den Einstieg. Ganz anders mein Begleiter welcher sich durchs kalte Nass, die 181 Meter bis Stollenbrust, vorarbeitete.

Vorgeschichten Mürtschenalp
Hauptgrube Mürtschenalp
Kupfergrube Erzbett Mürtschenalp
Uranier und sonstwie Hochdekorierte
Kupfer und Silberbergwerk Mürtschenalp
Mürtschenalp, eine Wanderung
Die Bilderseite: Mürtschenalp