Monat: Januar 2019

Dippoldiswalde

Nun ja wer eine Reise tut……

Nochmals, Beziehungen sind äusserst hilfreich um Einblicke ins längst Vergangenes zu erhaschen. Nicht weit von Freiberg, rund 25 Kilometer westlich findet sich das kleine Städtchen Dippoldiswalde. Dieser Ort, damals in mitten eines kaum durchdringbaren Dschungels, erblühte im 12. Jahrhundert dank reicher Silbererze.

Die alten Bergwerke, heute auf Stadtgebiet, sind kaum dokumentiert und einzig dank bekannter Bergsanierung wieder auffindbar. Es folgte, die Jahre 2012 bis heute, eine umfangreiche archäologische Aufarbeitung. Ein solcher, alter Schachtabbau schlummert zwischen Glashütterstrasse und Reinholdhainerweg in einer knapper Tiefe von ca. 20 Metern.

Dippoldiswalde

Wie üblich wieder die Freitaler Bergbausicherungsfirma mit Dreibeinförderanlage auf dem Schacht.

Dippoldiswalde

Was anfänglich ein dicker, grosser, zeitgenössischer Arbeitsschacht ist,

Dippoldiswalde

verengt sich zunehmend auf die annähernde Original-Feuersetzdimension des 12. Jahrhunderts.

Dippoldiswalde

Ein noch belassener, vertikaler Abbauschlitz, zeitweilig kaum 20 cm breit, verdeutlicht die beschwerlichen Arbeitsbedingungen welche die Knappen, fürs wenige Silber, auf sich nehmen mussten. Kinderarbeit war zu jener Zeit die Regel in solch eher kleineren Gruben.

Dippoldiswalde

Zurück auf der modernen Bergsicherungsbaustelle tröpfelt überall Wasser von den Wänden. Die Befürchtung das tief im Wasser weitere Unterwelten ruhen, wird sich bald bestätigen.

Dippoldiswalde

Wasser plätschert über manch wunderschön feuergesetztes Mittelalterprofil.

Dippoldiswalde

In einer Seitenabzweigung findet sich ein Stollenkreuz welches anfänglich vorgibt rein Horizontal 4 verschieden lange Stollenwerke zu verknüpfen. Wehe jedoch es wage der / die Neugierige das kleine Abbauschlitzlein im Bildhintergrund zu erreichen. Das trübe Wässerchen weiss unerwartet, überraschende Tiefe eines Schachtes auf. Schlammgefüllt wird dieser Abwärtsgang zur äusserst unangenehmen Erfahrung.

Bei genauerer Betrachtung erscheinen, knapp oberhalb der Wasserlinie, Balkenlager einer früheren Holzbühne. Es besteht kein Zweifel, in dieser Weitung stand einst ein Haspelgestell.

Dippoldiswalde

Das Haspelgestell könnte in etwa denjenigen entsprechen welches gegenwärtig im Bergbaumuseum Dippoldiswalde steht.

Dippoldiswalde

Kleines Plänchen zur Verdeutlichung der  Gruben.

Im 12. Jahrhundert sind meist vertikale Schächte, dem Erzgang folgend, getrieben worden. Viele solcher Schächte mit anschliessender, rund 40 oder mehr Meter, langen Stollenseitenarmen, finden  sich auf Stadtgebiet. Einige dieser Anlagen sind bereits archäologisch ausgewertet und, zur Stabilisierung, mit Beton verfüllt. Mein besuchtes Exemplar ist leicht ausserhalb des Stadtzentrums, wobei wohlbemerkt, die erste Stadt um ca. 1100 an Flüsschen „Rote Weisseritz“ zu stehen kam. Im 12. Jahrhundert war die Gegend stark bewaldet und kaum durchdringbar. Erst ums 13. Jahrhundert entstand die heutige Stadt etwas erhaben, im Schutze des Hochwassers, auf einem Felsvorsprung.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Die romanische Nicolaikirche steht am ursprünglichem Stadt-Ort und wurde ums 1200 gebaut. Damals erlangte Dippoldiswalde, dank des Bergbaus, üppigen Reichtum.

Nicolaikirche Dippoldiswalde

Reichtum welcher sich auch in reich verzierten Grabesstätten artikulierte.

Der Bergbau indes verstand in den Jahren um 1400 fast gänzlich von der Bildfläche.

Stollen Dippoldiswalde

Zwar sind einige Stollen bis in die Neuzeit bekannt doch deren Bedeutung schwand, im Gegensatz zu Freiberg, aufkommendes 19. Jahrhundert.

Geolokation Dippoldiswalde

Freiberg noch mehr Sehenswürdigkeiten

Zweifelsohne, die Zeit schwimmt mir weg und irgendwann mal sollt ich ja auch wieder Geld verdienen. Trotzdem gibt’s in Freiberg immer noch schöne Sachen die ich schnell zum besten geben will.

Also mal kurzum en paar Bilder vom Besuch der Radstube des ehemaligen Pochwerks Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Aber erstmals das Fördergebäude mit dahinter liegendem Fördergerüst Turmhofschacht.

Turmhofschacht

Wie ichs bereits von Gador kenne, unterhalb des Förderbaus, der Förderstollen welcher an den Schacht anknüpft,

Turmhofschacht

mit dem Klima entsprechender Eiszapfendekoration.

Aber nun mal die versprochenen Bilder der Radstube. Das Wasserrand mit 9 Meter durchmesser trieb einst die Pochstempel.

Radstube Turmhofschacht

Ansicht des Rads am Auflager

Radstube Turmhofschacht

und der Blick hinauf in Richtung Wasserrinne.

Radstube Turmhofschacht

Allerletzt an dieser Stelle, erst jetzt entdeckt, alte Bekannte aus städtischen Unterwelten,

Freiberg Ostwerke

Löfflerschacht, Stadtmauerschacht und Wiesenschacht sind doch irgendwie bereits im Vorbeitrag, mir übers QGIS gekrochen. Vielleicht packt mich wieder die Georeferenzierungslust, momentan lass ichs mal gut sein.

Die Geolokation in Topokarte

Freiberg

Wer etwas ambitionierter historische Bergbauforschung betreibt sollte minimum einmal des Lebens den Bergbauwahlfahrtsort Freiberg aufsuchen. Was für den gläubigen Moslem Mekka ist, ist für den Untertageforscher das Bergbau-Uni-Städtchen Freiberg. Freiberg ist, wie etliche Städte von zahlreichen Gängen unterhöhlt. Doch im Unterschied zu Rom oder Paris, waren dem Untergrund keineswegs nur vulgäre Baustoffe entlockt.  Freiberg baute auf Zinn, Silber und Blei und lies sich, gerne verbautes, sakralles Steinzeugs importieren.

Ich habe das Glück jemandem mit exzellenten Zugängen, in dieser schönen Stadt, zu kennen also nix wie hin den auch Luisa lebt nicht ewig.

Wie so oft auf Auslandpfaden hätt auch dieser Ausflug Platz in einigen Büchern. Da mein Wissen eher bescheiden ist und intensive Geschichtsaufarbeitung von Seiten einiger engagierter Freiberger bereits läuft, beschränke ich mich auf einen, eher rudimentären Befahrungsbericht des Familienschachtes unter dem „Untermarkt“.

An der Geschwister-Scholl-Strasse im Freiburger Dom-Viertel steht ein merkwürdig anmutendes Holztürmchen neueren Datums welches, mach Spaziergänger etwas verwundern mag.

Freiberg Familienschacht

Das kleine Holzhäuschen baute die Bergsicherung Freital GmbH, im Auftrag des Oberbergamt Saschen. Erst der innere, mir gewährte, Einblick offenbart deren genauere Bestimmung. Das Holzhaus umschliesst ein Fördergerüst mit dazu passenden Schacht. Der tonnlägige Schacht mit vertrauenserweckender Bezeichnung „Familienschacht“ führt ausgemauert 46 Meter in die Tiefe auf die erste Strecke des sogenannten „Jonas Spats“ ein Erzgang längeren Ausmasses. Das Schachtbauwerk in einer Schnittdimension von rund 4 x 2 Metern ist fast über die gesamte Falldistanz ausgemauert. Parallel zum Familienschacht liegt streckenweise ein zweiter Schacht welcher über Seitenstrecken, vom Hauptschacht aus, zu erreichen ist.

In der Tiefe – 46 Meter geschäftiges Treiben auf der oberen Sohle des Erzgangs.

Freiberg Familienschacht

Das umfangreiche Untertagewerk  wird gegenwärtig erkundet und Saniert womit ich, dank einer tollen Freundschaft, in dies, sonst kaum befahrene, System blicken durfte. Im Bild der Schachtboden mit Fördertonne auf dem 35 cm Spurweite-Hunt. Gemäss mir vorliegendem Plan sollt ein zweiter Schacht tonnlägig in Gegenrichtung eine noch tiefere Sohle erschliessen, doch zweiteres Bergmannswerk scheint ganz und gar nimmer Familientauglich. Der Wasserspiegel sitzt ziemlich nahe unter Holzboden, ergo, der tiefe Stollen ist abgesoffen. Ohnehin scheint Wasser in dieser Unterwelt allgegenwärtig, die Investition in eine 30m-Wasserdichte Kamera lohnte. Die Bergleute aus 18. Jahrhundert suchten dies Wasser mittels eingeschlagener Gequelle zu zähmen was mir eher wenig nützte.

Jonas Spat Freiberg

Neben der Schachtausmauerung, der Blick nach oben gerichtet, in den ausgeräumten Jonasspat. Bildmittig, trotz vernichtendem Blitzlicht, noch leicht zu erkennen, die Aussenseite der Schachtauskleidung.

Jonas Spat Freiberg

Und, nebenan, im ausgemauerten Familienschacht welchen wir zum Abstieg nutzten, auch die nach oben gerichtete Fotoperspektive, der Tonnlägige Schacht mit den Führungsbrettern für die Fördertonne. Hinter den Holzbrettern der Zuluftschlauch, zuständig für die Bewetterung der tiefen Grubenhauen.

Jonas Spat Freiberg

Knapp am Familienschacht zu, ein Relikt auf vergangener Tage welches Aufschluss über die frühere Bergbautätigkeit gewährt. Die, in die Stollenwand gehauene, Fund- und Gangtafel gibt Auskunft über den Gangnamen, das Jahr der Auffahrung und das Namenskürzel des amtlichen Vertreters. Ich entziffere ein 1786 auf der Gangtafel was, mit der, auf dem Grubenplan nahe markierten Jahreszahl 1790, plausibel erscheint.

Jonas Spat Freiberg

Leider ist der Fortlauf dieser Strecke bald von Metertiefen Seen durchkreuzt. Die Strecke folgt dem fast senkrecht stehenden Erzgang „Jonas Spat“ Nordwest und erreicht immer wieder bearbeitete Gangkreuzungen. Trotz Kanalhosen waren die tiefen Abteufungen in Richtung Bergakademie Freiberg unpassierbar.

Die Gegenseite, nicht minder interessant und bedeutend weiter fahrbar, diesmal auf  Südost-Kurs.

Jonas Spat Freiberg

Im Bild die trocknende Aufwältigungsstrecke, immer noch im Jonas-Spat-Erzgang. Die Bergleute der Bergsicherung verlegten Schienen wie auch den Zuluftschlauch tief ins Innere.

Jonas Spat Freiberg

Doch auch in diesem Bau artikuliert sich allmählich das ungeliebte Nass.

Jonas Spat Freiberg

Dies abfliessende Wässerchen, glücklicherweise lange, als harmloses Rinnsal, ermöglicht uns den Einblick in zunehmend flacher werdende Abbaugesenke. Zeitweilig ist ein Hineinkriechen in die Abbauspalten möglich aber eher beschwerlich.

Jonas Spat Freiberg

Das Wasser nimmt leider zu und der Stollen neigt sich, gefühlt, in die Tiefe. Leichter Dieselduft, ein Indiz für mögliche Verknüpfungen ins 20ste Jahrhundert, macht sich breit. Soweit ich glaube, erfolgte eine Kursänderung, die Abkehr vom Jonasspat, Richtung Nordost zum Wiesenschacht.

Da ich immer bedacht bin meinen Standort zu kennen ich jedoch, bei zunehmendem Alter, der Orientierung klage, bin ich froh um aufschlussreiche Grubenpläne die mir meiner Erinnerung und meinem Verständnis behilflich sind.

Solch einem machte ich Georeferenziert Digital in diverse Kartenwerke und wenn ich doch nur ganz wenig von Freiberg kenne so warens irgendwie immer 3 Punkte die ich übers Kartenmaterial wieder identifizieren konnte.

Erstmals interessiert mich die Gegenwart mit dem aufgelegten Grubenplan.

Freiberg im 2014

Der Gelb markierte Stollen ist unser befahrenes Werk. Der Einstieg führte, wie bereits erwähnt, über den Familienschacht in der Altstadt von Freiberg. Das rote Stollensystem liegt tiefer, wie tief entzieht sich meiner Kenntnis. Eindeutig, Rot ist masslos abgesoffen. Die hier dargestellten Stollen waren über 6 Tages-Schächte erschlossen wovon, heute, ich behaupte, keiner mehr zugänglich ist. Im Stollensystem selbst liegen weitere Blindschächte, unbekannter Tiefe und voll Wasser, mehr oder minder offen.

Indessen, soviel erscheint klar, haben sowohl Gelb wie auch Rot Verbindung zu anderen Gruben.

Freiberg Erzgänge

Eindrücklich wird dies ersichtlich auf obenstehender Grafik welche die Erzgangverläufe Raum Freiberg visualisiert. Die besuchten Erzgänge, Jonas und co, sind meinerseits Gelb-Rot koloriert.

Für mich als Geschichtsinteressierte Person sind die Vergangenheiten nicht minder spannend. Gutes Kartenmaterial gibt’s reichlich und QGIS, was ich langsam drauf habe, macht allerlei möglich.

Freiberg 1940

Mein erster Zeitmaschinenausflug führt mich ins Jahr 1940. Zu jener Zeit scheinen alle 6 Schachtkopfstandorte unverbaut. Einzig der Stadtgrabenschacht könnte, in Jahren der Hitlerdiktatur, unter der Strasse verschwunden sein. Ob der schmale Familienschacht damals offen war, ist eher anzuzweifeln. Die Geschwister-Schollstrasse, wenn doch 1940 eindeutig mit anderem Namen, könnte bereits in den 1940ern mit Pflastersteinen, wie im aktuellen Google Bild sichtbar, belegt gewesen sein. Auf dem Googlebild ist weit und breit kein Familienschacht-Einstieg in Sicht. So dürfte die Strasse Plus-Minus auch 1940 ausgesehen haben.

Freiberg 1600

Noch vor Zeiten des Familienschachtes geschweige den des Bergwerkes unter der Stadt, im 1600, sind alle Positionen der Schächte auch so, unverbaut. Das Wasser im nördlichen Stadtgraben indes musste eindeutig weichenansonsten wär der Stollen richtig rapide vollgelaufen. Meine visuelle Verlängerung des Jonas-Spats führt geradewegs ins Schachthäuschen Südost, ausserhalb der Stadtmauern. Diese Positionen sind, wahrscheinlich die längst betriebenen Bergwerke in Freiberg. Nochmals  

Allerletzt hier an dieser Stelle will ich die wahrscheinlich interessanteste Kartenprojektion, dem neugierigem Leser / Leserin nicht vorenthalten.

Die Karte nennt sich Berliner Meilenblätter von Friedrich Ludwig Aster und denkt die Zeitepoche 1781 bis 1810 also genau jene Zeitepoche in welche die gefundene Gangtafel fällt.

Freiberg 1800

Doch deren Ansicht offenbart mein versagen um rund 100 Meter an Stollenendausdehnung. Zwar stimmt mein Familienschacht haar genau und auch die Ostseite macht soweit Sinn doch mein Westlichster Schacht liegt 100 Meter daneben.

Detail 1800 Freiberg

In der Detailansich nochmals ersichtlich, der Familienschacht mit zu gehörigem Häuschen stimmt und ist auch auf den Meilenblättern drauf. Der Tagesschacht vom Priesterlichem Glückwunsch indes auf meiner Grubenplanzeichnung rund 100 Meter Nordwestlich vom Häuschen mit Flurnamen „Der Priesterliche Glückwunsch“.

Erkenntnis A) ich mach Fehler

Erkenntnis B) das Bergwerk existierte, als die Berliner Meilenblätter aufgenommen wurden, zwischen 1781 bis 1810 unter dem Namen „Der Priesterliche Glückwunsch“. Auch so erscheint auf der historischen Karte die Einhausung des Familienschachtes.

Kurzum, die kleinen QGIS Fingerübungen machten Spass und die Befahrung noch viel mehr.

Die Sachsen-WMSer sind auch richtig was Geiles.

Und allerletzt,  mein markantes Georeferenzierbollwerk und der Blick aus em Hotelzimmer darf an dieser Stelle keineswegs fehlen.

Donatturm Freiberg

Der Donatsturm so wie er steht und dies, so wies aussieht, seit über 419 Jahren, was sehr hilfreich war.

Und die Links:

Geoportal Sachsen, ist richtig was Gutes http://www.landesvermessung.sachsen.de

St Blasien Reviere noch Eine

Es gibt kaum was schöneres als verschneite Wintertage obschon die Bergbauforschung in winterlicher Pracht zu versaufen droht. Zweifelsohne viel Schnee hilft der abenteuerlichen Stollensuche nicht wirklich trotzdem gabs eine kleine Bildergeschichte auf Klösterlichen Territorien.

Man kann nicht immer in warmer Stube alten Stollenbauten nachstehen und die Tage waren prädestiniert zu weiteren Entdeckungen. Dass wir den Schnee sichtlich unterschätzten tat einem schönen Ausflug keineswegs Abbruch. Da uns noch offene Geheimnisse nördlich der Gruben Gottesehre plagten, war der kleine Schneewanderausflug fast schon perfekt.

Sankt Blasien Reviere

Unsere Reise führte uns in südliche St Blasien-Reviere, Bergbau welcher schwergewichtig seinen Ursprung im spätem Mittelalter des klösterlichen Betriebs, hatte.

Der unterhalb Urberg gelegene, markante Erzgang war uns bereits bekannt wie die eigene Rucksacktasche. Geschichten zu diesen Fluoritvorkommen stehen auf „Gottes Ehre und noch viel mehr Fluriter“ respektive auf „Gottesehre“ doch die oberhalb gelegenen Gruben waren bis anhin gänzlich unbekannt. Da der Erzgang markant immer wieder aufgebrochen wurde, finden sich die Hauen, auch bei reichlich Schnee, erstaunlich fix.

Wetterschacht Gottesehre

Unterhalb Vogelsang, wo bis ins Jahr 1984 der Wetterschacht Gottesehren stand, startet heute ein Bergbaulehrpfand mit Infotafeln zum Thema. Denen Tafeln konnte ich den Verbleibt des mächtigen Bewetterungsschlitzes entlocken. So solle dies eindrucksvolle Belüftungssystem, nach Grubenstilllegung, mit Beton verfüllt worden sein. Unter solch Schneemassen wars uns ganz und gar nicht nach kräftiger Bestampfung des Schachtdeckels.

Erzgang Gottesehre

Auch die weiteren Erzgangaufhauen zeigten wenig relevante Details.

Leopoldstollen

Am gegenende des Berges im Steinbächletal indes eindeutig der erste wirklich interessante Bergbaufund, dieser jedoch mit Stahltür gut verriegelt. Die Türe schliesst eine Trinkwassersammelstelle die im Leopoldstollen verweilt, was uns zur Abkehr bewegte.

Nicht weit fern, auch noch in greifbarer Nähe zum Kloster, liegt ein weiteres, äusserst Spannendes Bergbaurelikt vergangener Tage. Genannt die Nickelgrube Friedrich August ob dem Klosterweiher. Ob der Weiher zum Sankt Blasien Kloster gehörte entzieht sich meiner Kenntnis, Tatsache ist, im Spätmittelalter gehörte so ziemlich alles den Sankt Blasien-Mönchen.  Das Nickelbergwerk indes ist erst ab 1800, als Teil eines weltlich geführten Vitriolwerkes, bekannt.

Friedrich August Grube

Nicht unweit des Weihers steht ein Bachsteinbau mit klaren Bergbauambitionen.

Friedrich August Grube

Und auch innerhalb des, halb abgebrannten, Gebäudes sind die Bergbauspuren offensichtlich. Mittig im Bildhintergrund öffnet ein Mundloch seine Pforten. Doch die Hoffnung einer ausgedehnten Befahrung  scheitert am Kegel eines ziemlich üblen Versturzes.

Friedrich August Grube

Zwar liesse sich der Versturz oberirdisch überbrücken doch das gestaute Stollenwasser ist nicht Weniges und füllend bis aufs Dach. Dies Werk muss eindeutig auf trockene Tage warten also suchten wir die oberen Bereiche der Friedrich August Grube.

Friedrich August Grube

Die oberen Etagen des, noch auffindbaren, Nickelbergwerks bestehen aus einem, abgesperrtem Tagebauschlitz und einem Familienausflugsplatz mit ausführlicher Infotafel zum früheren Bergbau. Zu endeckende Stollen fanden wir leider keine.

Friedrich August Grube

Indessen gibt’s ein sogenanntes Spielbergwerk mit kurzem Stollen und Grubenhunt vor dem Mundloch.

Friedrich August Grube

Was so in aller Öffentlichkeit, wenn doch gestern ziemlich verweist, dürfte uns eher weniger interessieren.  Was die Neugierde weckt sind die paar Kilometer Stollenbauten die wir leider nicht befahren konnten. Am Infopoint war ein prächtiger Grubenplan welcher ich rudimentär im QGIS georeferenzierte um mich auf die Vorfreude einzustimmen.

Friedrich August Grube

Etliche Stollen und Schächte durchziehen das Gebiet des Spielplatzes. Der alles verknüpfende unterste Stollen ist offen doch leider ziemlich voll Wasser. Da in Deutschland die Erkundung alter Bergwerke als schwerstes Kapitalverbrechen geahndet wird, lass ich weitere Details zum gestrigen Ausflug eher bleiben.    

Die Grube besteht, entgegen den meisten Hauen in näherer Umgebung, erst seit 1800 und förderte anfänglich Schwefelkies zur Herstellung von Schwefelsäure. Der hohe Nickelgehalt wurde im Jahre 1847 von Friedrich August Walchner, welcher der Grube den Namen gab, entdeckt. Fortan förderten die Stollen Nickelerz welches in Sankt Blasien verhüttet wurde. Während den Weltkriegen funktionierte die Grube hauptsächlich als Spekulationsobjekt der nach Nickel gierenden Kriegsindustrie.

Kilometerlange Stollen entstanden nennenswerte neue Vorkommen aufzufahren.

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