Monat: Februar 2019

Flachlandwochenende

Die Tradition des gemeinsamen Flachland-Bergbau-Wochenendes hat sich definitiv, als feste Institution, irreversibel in den Kalender eingebrannt. Meinerseits gibt’s bereits 3 oder 4 Beiträge die dies legendäre Wochenende beschreiben also soll hier die 2019er-Ausgabe nicht fehlen.

Für mich gibt’s indes, in diesem Beitrag, mal vorerst viele Bilder die ich zum besten geben werde.

Der Freitag war ganz im Zeichen der Schrottkohlen auf Ennetbach

Ennetbach

Was braucht Frau mehr zum erfülltem Leben?

Viel Sonne, etwas Bündnerfleisch und Stollen in greifbarer Nähe reichen vollkommen.

Nach Verköstigung wollt ich indes doch noch etwas Weniges nach den verfallenen Stollen 1 und 2 suchen ehe meine Freunde zu mir stossen würden.

Ennetbach

Wie bereits im November 2011 festgestellt langen noch immer die alten Stollen des 19ten Jahrhunderts tief im Schutt. Indes sind die Spuren, denk ich, noch heute eindeutig. Nichts desto trotz, das Wetter war herrlich und das Brombeergestrüb  angenehm ausgedörrt, sprich optimale Bedingungen zur Stollensuche.

Ennetbach

Nach ausreichender Geländeerkundun und kleiner Siesta kreuzten meine Freunde auf und die nassen Stollenabenteuer konnten beginnen.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Alle jene die wissen wollen wies drüben der Zementröhre aussieht, ein illustres Wasserratengrübchen, mich mit eingeschlossen, wagte den Durchschlupf.

Auch wieder viel Wasser

Ennetbach

Und noch mehr Schlamm.

Und am Anschlusstag folgte die tolle Finstergrund-Exkursion. Ein Schwerspat, Flussspatbergwerk in Schwarzwälder Regionen.

Finstergrund

Diesmal bequem per Zug eingefahren.

Finstergrund

Zeitweilig waren einige UV-Lampen volle pulle im Einsatz.

Finstergrund

Wie üblich gabs jede Menge fotografische Sehenswürdigkeiten.

Finstergrund

Kurzum, ein gelungenes, wohlverdientes Wochenende.

Links
Enntbach die Erste
Ennetbach die Zweite
mein Vorbeitrag Finstergrund
und die Finstergrundwebseite

Alt werden

Es gab mal einst die Zeit da war mir klar, der Mensch kann nicht nur auf den Mund fliegen, er kann auch Schaltnetzteile bauen. Es kommt irgendwas inne und es kommt genau 24 VDC ausse.

Schaltnetzteil

Ich hab so ziemlich alle diese geilen Teile unauffällig in meine Sporttasche gepackt.

Und heute, ich merkte, es sind über 30 Jahre verstrichen. Schaltnetzteile stecken in jeder E-Zahnbürste, in sämtlichen LED Birnen in allen nur erdenklichen Haushaltdingern und niemand kümmerts.

Es gilt Abschied zu nehmen von meiner Jugend und von den 27 tausend gestruzten Schalt-Spannungswandler-Dingers. Wenige dieser Apparate waren je wieder im Einsatz.

Die vergangene Woche war Aufräumen angesagt um mal endlich meine, weit verstreuten, Domizile zu zentralisieren. Die Jahre verstrichen und so auch meine Erinnerung über all das Vorhandene nur die zu zahlende Miete bleib als Konstante über die Jahrzehnte erhalten. Zeit um Aufzuräumen nicht nur mit meiner, langsam endenden Jugend.

Und doch, bei so viel Vergangenheitsaufwältigung, treten ganz andere Schätze meiner längs vergessenen Geschichte zu Tage.

Da war mal einst meine kindliche Leidenschaft fürs Feuer, den Dampf und die Bewegung.

Dampfmaschine

Neu entdeckt am Tage Donnerstag nach Estrichräumung. Die Leidenschaft ist den, die bald mal 45 Jahre, kein bisschen erlöschen.

So schrieb ich neulich im Facebook zum Thema,

„Wenn Frau älter wird macht sie definitiv wieder richtig komische Sachen. Viel Dampf, Rauch und Lärm statt TiVi-gucken.“

Nun ja, das Älterwerden hat definitiv auch seine Vorzüge wenn doch, zweifelsohne, in den üblichen Transgeschichten die biologische Tatsache des Älterwerden zu gerne verdrängt wird.  Ich selbst tue mich auch so sichtlich schwer mit dieser Lebensrealität.

Doch manchmal erfolgen Glücksmomente, welche all den Schattenseiten wieder etwas Sonne verpassen.

Sicherheitsventil

Da ist mir mein Stolz übers wieder dicht angelötete Sicherheitsventil nicht zu nehmen, alte Frauen halt.

Ergo, es ist nicht aller Tage pinke, Einhorn reitender Prinzessinnen. Irgendwo nimmt jede Zeitepoche schmerzliches Ende doch an deren Stelle treten neue spannende Wiederentdeckungen. Auch diesen, längst vergessenen, Geschichten sollen Platz in meinem Herzen gewährt werden. Die Zeit als mir die Rolle der begehrenswerten Prinzessin zukam, ist längst verstrichen. Es waren Zeiten voller BDSM, Romantik und Emotionen, richtig geile Zeiten.

Heute nun, ich etwas zerzaust, die Bergbauforscherin, die Mechanikerin, die Industrie-Archäologin, durch und durch, auch spannende Zeiten, nicht minder erfüllend und genauso einen wichtigen Platz in der Gesellschaft inne habend.

Links, klar

Beitrag Julia Engelmann zu „Lass uns Geschichten schreiben die wir später selber gerne erzählen“

Heimische Schrottkohlen

Ein kleiner Abstecher in die hiesige Braunkohleförderung Anno 2. Weltkrieg und vorherige nationale Notlagen. Wir nennen das schmucke Eck im Sanktgaller Kanton, Echeltswil Ennetbach, also, wies der Name sagt, jenseits des Baches, genauer, jenseits des Brückenbaches. Das Braunkohlebergwerk indes liegt auf Echeltswiler Hangseite.

Braunkohlegrube Ennetbach

Die Stollen sind allesamt nahe dem Bach was zweifelsohne, zu allen Epochen, für schier unüberwindliche Entwässerungsprobleme sorgte. Ich war vor geschlagenen 7 Jahren-Plus, damals ein ziemliches Bergbaugreenhorn, in den verborgenen Anlagen.

Heute nun ist mein Wissen umfangreicher und die Sicht auf diese abenteuerliche Braukohlegrube eine ganz andere, hinzukommend sind einige Vermessungsplane bereits in meinen Fundus gewandert.  Mein Fokus soll, in dieser Geschichte, der Zeitepoche um den 2. Weltkrieg gelten als Kohle zunehmend knapp wurde und alte Berghauen aus letzter Krise wieder reaktiviert wurden.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Die Mundlöcher, im Bild die Nummer 3, erinnern doch eher an Nagelfluh-Naturhöhlen als an modernen Bergbau.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch Stolleneingang der 4. ist nicht minder Rustikal, erschwerend plätschert der Bach frischfröhlich ins Stollensystem.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das 5. und um 1942 das wichtige Fördermundloch, ist heute mit einer Zementröhre ausgebaut die der Entwässerung dienen sollte. Wasser indes kommt nur Weniges aus der verhältnismässig grossen Röhre heraus.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Das Wasser staut sich stattdessen bis fast aufs Stollendach in der rund 300 Meter langen Hauptstrecke. Das Kohleflöz, selten über 3 cm dick, verläuft, Bild Links recht, 45 Grad fallend. Es ist in der Hauptstrecke, deutlich sichtbar, Braunkohle, äusserst minderer Qualität, ausgekratzt. Immer wieder sind Gesenke, unbekannter Tiefe, im klaren Wasser sichtbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Auch die Gegenseite in Richtung des alten Abbaus ist eher Nass ich Nass und ohne Schwimmbereitschaft, mag ironisch klingen, kaum Fahrbar.

Braunkohlebergwerk Ennetbach

Der Blick in den Grubenplan zeigt den Stand 1942 mit einigen Ergänzungen meinerseits. Die Auftageanlagen sind alle Rückgebaut. Das alte Bergwerk, aus 1896, ist heute nur noch mittels Schwimmen, über Stollen 3, zu erreichen. Stollen 1 und Stollen 2 sind verfallen. Die Gesenke sind, gemäss Originalplan aus 1942, alle mit Versatz aufgefüllt. Ein aktueller Plan (1990) von Peter Heierle gezeichnet, offenbart ganz andere, interessante Details. So sollen einige Gesenke zwar voll Wasser aber ohne Versatz offen liegen. Tatsache ist, im klaren Wasser sind einige Abteufungen gut zu erkennen.

Das dies Bergwerk sich der Arbeitskraft des nahegelegenen Armenhauses bediente, könnte durchaus plausibel erscheinen. Die Nähe des, heute verschwundenen, Bürgerasyls legt diese Vermutung nahe. Das Amt für Kriegswirtschaft (die Oberhoheit des Bergbaus zu jener Zeit) und die Fürsorge könnten zu solch Krisenjahren eine durchwegs funktionale Zweckvereinigung gebildet haben. Die äusserst prekären Arbeitsbedingungen im Ennetbacher Braunkohlewerk sind kaum vergleichbar mit grösseren Braunkohlebergwerken welche über gut bezahltes Personal verfügten. Armut gepaart mit etwas subtilen Zwang könnte die abenteuerliche, lebensbedrohliche Untertagearbeit ermöglicht haben

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

So findet sich am Gegenseite der  Hauptstrasse ein altes Relikt, das Waschhaus, welches meine Theorie bestätigen täte.

Waschhaus Bürgerasyl Ennetbach

(Quelle: Bundesamt für Landestopografie swisstopo). 

Der Blick aufs Flugbild von 1944 zeigt, rechts im Bild die beiden Bauten wovon das Strassenseitig anliegende Gebäude, das eigentliche Bürgerasyl, heute nicht mehr steht.

Die Vorgeschichte Ennetbach vom 9. November 2011 Auf den Spuren nahe verborgenen Kohlen