Monat: Dezember 2025

UTA Unterfels-Tank-Anlage Stockeren

Als wir neulich den Bundeskasperlis ins historisch vergangene, tief Vergrabene folgen blieben reichlich Fragen offen. Die Neugierde war keineswegs befriedigt und die Panzertüre in südwestlicher Kilometerdistanz leider immer noch fest im Riegel.

Panzertüre Stockeren I

Eine tiefgründige Recherche mit etwas Feldforschung schien längst überfällig. Ein Ausflug im Zwecke weiterer Erkundung folgte Zeitnah. Inzwischen bekannt, die Anlage oberhalb Bolligen, ehemals Sandsteinbruch, wie K3, war massgeblich beteiligt am Bau des Bundes-Kaspeli-Hauses in Bern. Im Stockeren-Hügel wurde seit einigen Jahrhunderten  Sandstein gebrochen. Wann genau erste Abbauten begannen ist indes nicht weiter bekannt. So wie am Harnischhuet begannen erste Arbeiten auftage. Erst in tiefen Lagen zeigten die Sandsteine eine zunehmende Qualität was letztlich zum Untertagebau führte.

UTA Stockeren

Riesige Einschnitte zeugen von grosser Abbautätigkeit. Auffällig die gemauerte Terrassierung im Einschnitt.

UTA Stockeren

Auch der nördliche Einschnitt, rechts neben der Panzertüre, zeigt solch eine nicht restlos erklärbare Terrassierung.

UTA Stockeren

An einem der Schlitze zieht ein Beton-Kamin am Felsen entlang in die Höhe. Alles bei Tageslicht betrachtet öffnet neue Perspektiven. Bin anno Dato Ausflug hatte ich noch keinerlei Ahnung über den Anlagenzweck. Klar war, militärischer Nutzen und in etwa Zeitgleich mit dem Bundesratsbunker entstanden. Die Panzertüre ist baugleich derer im K3.

Am südlichen Steinbruch-Haupteingang wird der volle Umfang der Anlage richtig klar.

UTA Stockeren

Die künstliche Felswand erreicht Höhen von geschätzten 80 Metern. Oberhalb des Tores prangt ein gemeisseltes Emblem welches nochmalig die militärische Bedeutung der Anlage herausstreicht.

UTA Stockeren

Soldatenkopf wie auch Schweizer Wappen lassen keine Zweifel offen, hier taten Armeestrategen die Untergründe richtig fett ausbauen.

Auch in der näheren Umgebung, namentlich an der Zufahrtstrasse, finden sich vielsagende Militärrelikte.

UTA Stockeren

Eine Türe im Waldboden lockte unsere Neugierde und, zu unserer Freude, die Türe war unverschlossen.

UTA Stockeren

Die Türe öffnet ein Beobachterstand mit 3 Gewehrscharten.

Mit diesen doch recht eindeutigen Impressionen war eine weitere Desktoprecherche leichtes Spiel. Infolge war dies Mysterium schnell geknackt und weitere Informationen lokalisiert.

Zweierlei  Adressen brachten meine Forschungstätigkeit weiter,

Einerseits  besteht ein DRS-Aktuell-Betrag vom 13.03.2003 mit Namen „Ehemaliges Bundes-Tanklager hat ausgedient„.

Anderseits fand ich eine private Webseite, Stand 2004, genannte „Virtuelles Museum der Toten Orte“  die mich weiter Informierte zum Bundestanklager Stockeren.

Aus vorhandenem Grubenplan und meinen Beobachtungen war es mir möglich eine einigermassen Massstabsgetreue Zeichnung aufzubauen.

UTA Stockeren

Die Unterfels-Tank-Anlage Stockeren besteht aus zwei Hauptkavernen die über zwei Haupteingänge erschlossen sind.

Im Norden liegt das Tanklager Stockeren I, ehemals eine Kaverne über ein Zugang im Einschnitt erschlossen. Dieses Lager umfasste 14 Stahltanks die im 2003 alle ausgebaut wurden.

Das Tanklager Stockeren II liegt im Süden in der Hauptsteinbruchanlage. Eine ehemals über vier Eingänge erschlossene Kaverne beherbergte die 17, heute auch rückgebauten, Stahltanks.

Die Steinbruch-Kavernenzugänge sind im Zuge des Baus des Bundestanklagers, so um 1941, mittels Betonriegel verschlossen worden. Vor den Betonriegeln entstand ein komplexes Netz an Erschliessungsstollen die auch beide Tanklager verbanden. Soweit ich dies Beurteilen kann, ist ein Grossteil dieser Stollen im Tagebauverfahren entstanden. Eine mächtige Abraumüberdeckung schützte die Versorgungsbauten. Dies erklärt die Terrassierung in verschiedenen Steinbruchzonen.

Unsere damals erkundete Türe führte folglich in das Treibstoff-Tanklager  Stockeren I. Indes ist mir nicht restlos erschlossen wieso der Zugangsstollen Stockeren I Bergmännisch erstellt wurde dies obschon nebenan der Einschnitt mit Terrassierung genügend Bombenschutz  gewährt hätte.

Auch der Lüftungskamin ist nicht restlos erklärt. Auf meiner Planvorlage, Quelle vimudeap, ist dazu nichts vermerkt.

Da ich nun mehr zum regionalem Sachverhalt kenne war auch en Update meiner QGIS-Zeichnung überfällig.

K3 Harnischhuet / UTA Stockeren

Nochmals Ausschnitt Harnischhuet, im Südwesten das Bundestanklager welches, soweit ich dies beurteilen kann, zeitgleich mit dem Bundesratsbunker K3 entstanden ist. Im geheimen Bundestanklager lagerten bis in die 1990ern Treibstoffe für die Landesverteidigung.

Quelle Grubenplanbasis vimudeap

Wo sich Bundes-Chasperlis verstecken

Einblicke in die erste Generation Bundesratsbunker, genannter K3 Harnischhuet in Bolligen bei Bern und weitere Verstecke

Gründe wieso sich Bundes-Chasperlis verstecken müssen gibt’s unzählige. Man denke an die kleine Episode eines totalitär anwachsenden Massnahmenstaates. Das Ideal eines jeden Diktators, eine gehorchende Untertanenschaft doch, die bittere Seite, eine versprengte Gruppe Abtrünniger trachtet den Eliten nach dem Leben.  

Zu den militärischen Führungsstrukturen die in tiefen Felsen verborgen waren, gesellten sich ebenso eingegrabene Zivilregierungsverstecke. Insbesondere der gar nicht beliebte Bundesrat suchte, ab dem 2 Weltkrieg, im In und Ausland nach geeigneten Unterschlupfmöglichkeiten. Gegenwärtig sind 4 solcher, mehr oder minder klassifizierter, Bunker auf Schweizer Boden bekannt. Hinzu kommen mögliche Exilverträge mit ausländischen Regierungen, etwa Dänemark während der P26 Ära. Allen in allem, die vereinigten Bundes-Chasperlis haben allen Grund sich zu verkrümmeln und ich en Haufen spannende Sachen anzukucken.

Bundesratsbunker

Die aufwendig zusammengestellte kartografische Darstellung offenbart die bevorzugte Nähe zu der Bundeshauptstadt. Viele dieser Anlagen stammen aus der Reduit-Strategie ab Beginn des 2. Weltkriegs.

Kleine Auflistung ohne Gewähr und keineswegs Vollständig

K1 Ried Armeeführungsbunker aufgegeben 2615794 / 1210568 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Burgdorf)

K2 Oberburg Armeeführungsbunker aufgegeben 2613190 / 1209507 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Burgdorf)

K3 Harnischhuet 1. Bundesratsbunker aufgegeben 2606351 / 1204240 1209507 (ehemals Untertage-Sandsteinbruch Zulieferer Bern)

K4 Kleiner Rugen Armeeführung / Luftwaffe aufgegeben 2632133 / 1169394 (Untertagebau Militär)

A1865 KP Goldey Armeeführung aufgegeben 2631525 / 1170948 (Untertage-Steinbruch Zulieferer Interlaken)

K8/A8760 Brindlistollen 2. Bundesratsbunker aufgegeben 2693986 / 1180935 (Untertagebau Militär)

K10 Alpenrösli Bundesratsbunker (Daten mir unbekannt)

K20 Eggeschwand Bundesratsbunker / Klassifiziert 2617313 / 1147169 (Untertagebau Militär Baujahr ca 1985)

Der K3, Innenansichten

Dieser Bundesratsbunker war nur kurzer Zeit in Betrieb. Man munkelt dass, noch während der Bauphase, ein grosser Deckenabbruch, im ungeschützten Teil, ein Militärfahrzeug unter sich begrub. Nach dieser Erfahrung verzichtete Armeeführung auf den Endausbau stattdessen bauten die Verteidigungsstrategen den, etwas edleren K8/A8760 Brindlistollen für die Führungselite.

Der K3 wirkt sehr spartanisch und nicht wirklich fertiggestellt trotzdem deuten einige Indizien auf langen militärischen Nutzen hin.

K3 Bundesratsbunker

Am nahegelegenen Kommandogebäude, heute Wohnhaus, klebt aktuell die Aufgebotstafel  Fortbildungsdienste Truppe Stand 2011. Sowohl das Kommandohäuschen wie auch der umwerfende K3 Steinbruch sind gegenwärtig in privaten Händen.

K3 Bundesratsbunker

Der Haupteingang in den ungeschützten Teil wird dominiert von Wildwuchs und Erdeinsturz. Schwer vorzustellen das einst durch dieses, rund 20 Meter hohes Tor Fahrzeuge ein und aus kurvten.

K3 Bundesratsbunker

Im Innern des ungeschützten Bereichs sind die Dimensionen beeindruckend.

K3 Bundesratsbunker

Der geschützte Bereich besteht aus einer Steinbruchunterteilung mittels massiver Betonwände. Ein kleiner Durchgang, im Bild an der hinteren rechten Wand erkennbar, ermöglichte den Eintritt vom Untertageparkplatz in den geschützten Kommando / Bundesratsteil.

K3 Bundesratsbunker

Der geschützte Bereich verfügt zusätzlich über einen separaten Zugangsstollen im Norden der Anlage.

K3 Bundesratsbunker

Im Kommando-Führungsbereich, ehemals Teil des Steinbruchs, sind einige Infrastruktur-Einbauten aus der Zeit des Bundesratsbunkers erhalten geblieben.

K3 Bundesratsbunker

Ein Kamin sorgte für Entrauchung einer Zentralheizung. Auf den Dächern der Versorgungsbaten hätten Baracken für die Landesregierung Platz gefunden. Die Baracken sind nie eingebaut worden. Es blieb bei den spartanischen, heute noch erhaltenen, Versorgungsbauten.

K3 Bundesratsbunker

Fürs Brauchwasser sorgten zwei Zisternen im Bundesratsteil.

K3 Bundesratsbunker

Geschichtliches und Sonstiges

Der Sandsteinbruch ist wahrscheinlich noch vor dem 19. Jahrhundert entstanden und diente als Zulieferer für zahlreiche Bauwerke der Berner Innenstadt.

Die heute ersichtliche Kubatur stammt aus der Epoche gegen Ende des 19. Jahrhundert als in Bern zahlreiche Bauten emporwuchsen. Der Hunger nach Sandstein war enorm und um Bern herum, Ostermundigen, Bolligen bis Krauchttal erblühten etliche grössere Steinbrüche. Auch die heute bekannte Justizstrafvollzugsanstalt Thorberg, mit damals angegliedertem Steinbruch, hat als Strafanstalt, Ursprung im aufkommenden 19. Jahrhundert.

Der Sandsteinbruch Harnischhuet mit angegliedertem Betriebsgebäude, später Kommandohäuschen, stand in naher Konkurrenz mit den, per Betriebsbahn erschlossenen Steinbrüchen von Ostermundigen. Womit, mit aufkommendem 20. Jahrhundert, Harnischhuet allmählich in Vergessenheit geriet.

Erst die Reduitstrategie ab 1941 hauchte den Hohlräumen neues Leben ein. Der Bundesratsbunker-Bau endete jedoch abgrubt nachdem ein grosses Stück Stollendach auf ein Armeefahrzeug stürzte und dieses bis zur Unkenntlichkeit zerdrückte. Der Bundesrat solle nie die Anlage besucht haben. In gleichen Jahren entstanden Zahlreiche weitere Führungsbunker, zu erkennen an der Bezeichnung K.

Die Anlage K3 indes, so glaube ich, blieb noch einige Jahre in militärischer Bedeutung.

K3 Bundesratsbunker

An einer Wand im K3 Bunker ist ein schematischer Grundriss abgebildet. Die Zeichnung entstand sicher nach der Ära Bundeschasperli. Über deren Bedeutung lässt sich streiten.

Die schematische 5 km Markierung zielt weder auf die weiteren Steinbrüche noch aufs Bundeshäusle aber die Abschlusslinie deutet auf eine abrupte Trennung. Mögliche Talt-Kabeltrennung?

Die Pfeile markieren Durchgänge, am rechts stehendem Pfeil gibt’s keinerlei Stollen auch Kabelreste fanden wir keine an besagter Stelle. Die Bezeichnung A1X könnte auf ein mögliches Felsenwerk hindeuten. Alle A-Bezeichnungen beziehen sich auf Felsenwerke. Ich kenne im Umkreis von 5 Km kein solches Werke, anmerkend jedoch, ich kenne recht wenig Militärisches. Mein Kernthema ist definitiv Bergbau.

Noch mehr Mysterien

Trotzdem fuhren wir, meine Begleiterin und ich, zum nächstgelegenen Steinbruch, ca 1 km Luftlinie (oberhalb Bolligen). Auch an dieser Position stach uns ein militärisches Geheimnis ins Auge. Getrieben von der Neugierde suchten wir die nähere Gegend um diesen neuen Steinbruch ab und fanden,

eine verschlossene Panzertür neuerer Bauart, ein vermutet Belüftungsturm und eine zweite Türe oberhalb eines alten Steinbruch-Zugangs. Das Ganze ist umschlossen von massivem Maschendrahtzaun.

K3 Bundesratsbunker

Im Situationsplan gelb markiert die Fläche des K3 Bundesratsbunkers nach Schweizerischer Landesvermessung, anmerkend, der K3 ist im Privatbesitz, eine Immobilienfirma, und folglich der betreffende Hohlraum in der Landesvermessung aufgenommen. Etwas westlich davon das kleine Kommandohäuschen, auch dieses ist im Privatbesitz und aus der Geheimhaltung ausgenommen. Westlich davon markiere ich eine unbekannte Anlage die ohne Zweifel auch länger aufgegeben ist.

Kurzum, weiterhin, eine spannende Geschichte.

Anmerkend zu Koordinaten

Alle hier publizierten Koordinaten sind mittels Desktoprecherche im beheizten Zimmerchen ausgeknobelt. Auch wenn gewisse Objekte noch heute der Geheimhaltung obliegen bin ich nicht die Erste die dieser Geheimnisse auf die Pelle rückte.

Und wenn Martin Pfister, wie sichs gebührt fürs Bundeschasperli, heute kräftig die Kriegsrhetorik schwingt so bin ich keineswegs die zu verhaftende Spionin. Ich gebe einzig weiter was ich aus etlichen Quellen heraus extrahierte.  

Eine wichtig wertvolle Quelle, en grosses Dankeschön in diesem Sinne, Hans Rudolf Schneider mit https://www.festung-oberland.ch