Monat: Juni 2026

Ova Spin Update

Es sind inzwischen zwei Jahre verstrichen sein meinem letzten Ausflug in die Bunkeranlagen der Sperrstelle Ova Spin (Ofenpass-Strasse). Schlechtes Wetter und ein angebrochener Samstag führten mich und Freunde neulich an dies Militärhistorisch bedeutende Fleckchen.

Wie immer bei erneuter Befahrung gibt’s Neues zu entdecken was mir bei erstmaligem Besuch entgangen war. Darum hier kleine Bildserie mit etwas wenigen Kommenten.

Sperrstelle Ova Spin

Sehr fotogen und nicht minder spektakulär das Hauptwerk A7632 Ova Spin Strasse. Der Bunker ist mit einer Burgenartigen Tarnung versehen. Der Anstrich glänz durch seine optische Detailtreue.

Sperrstelle Ova Spin

Die Bewaffnung umfasste zwei Maschinengewehre und einer Panzerabwehrkanone. Heute ist die Stellung demilitarisiert, will heissen alle Waffen ausgebaut.

Sperrstelle Ova Spin

Der Blick auf die gegenüberliegende Passstrasse beim damaligen Sprengobjekt offenbarte an jenem Samstag ein prächtigen Regenbogen im Blickfeld der Geschütze.

Sperrstelle Ova Spin

Der Wald ist übersät von kleineren Bunkeranlagen teils bis zurück in den ersten Weltkrieg reichend.

Sperrstelle Ova Spin

Immer wieder tauchen Bunkertüren im Waldboden auf. Dies Exemplar schliesst an ein Stützengrabensystem welches noch aus der 1. Weltkriegperiode stammt.  

Sperrstelle Ova Spin

Die grösstenteils verfallenen Schützengräben schlängen sich, der Höhenlinie folgend, dem Hang entlang an die Südseite.

Sperrstelle Ova Spin

Am Ende des Grabens liegt zu Füssen tief im Tal der Lai da l Ova Spin.

Sperrstelle Ova Spin

Auch an diesem Eck, an steiler Felskannte, liegt der südlichste Infanteriebunker A7637 ehemalige Bewaffnung 1 Maschinengewehr.

Sperrstelle Ova Spin

Aktueller Plan in Grossformat PDF gibt’s auf: Ova_Spin_Festungsanlagen.pdf

Und die Vorgeschichte findet Ihr unter: http://blog.ateliereisen.ch/?p=8356

Verwaltet, gepflegt werden die Bunker von Hans Stäbler respektive vom Verein Festungsmuseum Crestawald zu finden dieser unter:  https://www.crestawald.ch

Silser Bergwerke

Wer sich ins Engadin verirrt und den Malojapass ansteuert wird unweigerlich, am hässlichsten Punkt der Schweiz, gegenüber des Ortes Sils, auf schroffe Felsen entlang der Strasse stossen. Oberhalb dieser Steilhänge postieren sich Bergwerksstollen die  erstmalig 1578 Erwähnung finden. Die Bergwerke ist in zwei Gruppen aufgeteilt. Südwesten liegen die Stollen Blaunca oberhalb des Silsersees, im Nordosten stehen die Abbauten Plaz. Während die  Bergwerke  Blaunca, gemäss Überlieferung, Kupfer förderten wurde bei Plaz nach Silberhaltigem Bleiglanz gegraben.

Bergwerke Sils Engadin

Zwei Akteure werden gleichermassen auf  den Anlagen genannt. Einerseits solle von Salis an den Werken Erze gefördert haben, anderseits ist von der Planta-Familie aus Zouz die Rede. Nicht ganz klar ist wer welche Werke wie intensiv nutzte.

Ein Eintrag verweist auf V. J. von Salis welches, gesagter Investor, Erze von Buffalora (Eisen) und Erze von Sils, nach Filisur Bellaluna  über den Albulapass transportieren liess. Diese, nach dem Hütteprozess verarbeitenden Metalle, säumte die von Salis Gesellschaft  wiederum ins Italienische Chiavenna.  Die Rundreise welche die Metalle um 1578 zurücklegten vernichtete vermutlich  bereuts damals aller Gewinn. Ob die Plantas günstiger wirtschafteten entzieht sich meinem bescheidenem Wissen.

Da ich neulich im benannten Engadin bei einer Bergbauinteressierten Mitforscherin nächtigte lag ein Ausflug ins benachbarte Sils trotz Regen im Rahmen des machbaren. Zwar ist, wie so oft im touristisch überlaufenem Ausland, das ZH- Nummernschild von ganz grossem Nachteil doch, ich mied, als gebildete Ausländerin, tiefergreifende Parkplatzdiskussionen und schritt mit meiner Begleitung Gita, gezielten Weges in die Bergwerke Plaz.

Bergwerke Sils Engadin

Bald zeigte sich dass der untere, weitaus interessante Stollen bei nasser Wiese und ohne Seil kaum zu erreichen wäre. Die Situation war uns im Vorfeld bereits bekannt was den Besuch aufs obere Plazer-Werk eingrenze.

Der obere Stollen wiederum war schnell gefunden. Dieser liegt am Felsvorsprung unterhalb des Weges und ist easy zu erreichen.

Bergwerke Sils Engadin

Der Bergbau folgte offensichtlich einer anstehenden Bleiglanzader die nach Westen leicht ansteigt.

Bergwerke Sils Engadin

Der Stollen ist, wie zu jener Zeit üblich, eher in geringer Höhe angelegt. Der aufrechte Gang ist nie möglich.

Bergwerke Sils Engadin

Gegen Mitte Stollen liegt etwas Bruchmaterial am Boden was zu Kriechgang zwingt.

Bergwerke Sils Engadin

Immer wieder sind Schrämspuren zu beobachten die auf reine Handarbeit ohne Sprengmittel hindeuten. Die Gesamtlänge des Stollens umfasst 30 Meter und die Stollenbrust ist eindeutig.

Ich zeichnete anhand einer Vermessung im Februar 2023 einen Plan beider Stollen auf Plaz.

Bergwerke Sils Engadin

Im PDF-Format gibt’s den Plan auf  plan2020_V2.pdf

Und als Abschluss dieser Geschichte ein kleines Stollen-Luisa-Bildchen.

Bergwerke Sils Engadin

En Dankeschön der Fotografin Gita.

Und allerletzt, Rassismus ist latentes Problem, GR-Nummernschildern sind an mancherorts ne feine Sache.