Monat: August 2026

K20 noch Eine

Ja, bekanntlich, was ich nicht wissen sollte macht mich besonders heiss. Solch Grundgesetz wissen wohl auch Bundesräte, dessen legitimes Recht.

Nun, en Hausfriedensbruch ist mir diese Anlage, angesichts ganz vieler toller Unterwelten, nicht Wert. Nichts desto trotz, en bisschen schnüffeln werd auch ich dürfen.

Und so bin ich neulich auf einen NZZ Artikel mit Namen „Das letzte Versteck des Bundesrats“ gestossen. Dieser Artikel verfügte über viel Inspirationspotential.

K20 im 1995

(Bild: Alessandro della Valle / Keystone)

Das Foto im besagten Artikel bedurfte einer zweiten Betrachtung ehe ich den reellen Unterschied zu meiner Erkundung erkannte. Die Differenz zum jetzigem Zustand liegt in der Bauphase den das Bild aus dem NZZ-Artikel stammt von genau dieser Bauphase. Genannt wird das Jahr 1995.

K20 im 2026

Gleicher Fotostandort bei meiner Erkundung am 3.7.2026 zeigt eine vollständig geschlossene Fassade. Auch die provisorische Brücke ist inzwischen weg. Das Sichtmauerwerk ist ums Brückenlager ergänzt und die Linken 3 Fassanden-Elemente sind eingebaut. Die Bauzeit wird im Artikel mit 1995 angegeben und das Bild von Alessandro della Valle scheint unmissverständlich aus dieser Zeit zu stammen.

Das, mehr oder minder, bekannte Baujahr inspirierte mich wiederum zur Analyse allfälliger Luftbilder aus jener Zeit und da im offiziellen Landeskartenportal einige Zeitreihen an Karten und Luftbilder zugänglich sind war alles nur noch eine Frage des Fleisses.

Baustelle K20

Auf dem Luftbild gut ersichtlich die Baustelle Süd mit der provisorischen Brücke welche in der Frontansicht von Alessandro della Valle auch so abgebildet ist.

Wenn ich nun anhand der Notbrücke und anhand des, auf dem Bild von 1995, ersichtlichem Lichtsignals eine möglichst gerade Linie, den Strassenverlauf folgend, in den Berg ziehe so ist eine neue Hauptstollenrichtig denkbar.

Baustelle K20

Der Schnittpunkt zum Lötschbergtunnel ist näher Tag sowohl ab Tunnelportal wie auch ab Bunkereingang.

Resultierend könnt nun der Bunkerhaupterschliessungsstollen einen ganz anderen Winkel aufweisen.

Baustelle K20

Den zwei von uns erkundeten Stollen könnten somit einer durchaus logische Bedeutung, während der Bauphase um 1995, zuteil werden. Nach wie vor denke ich dass diese Stollenwerke an den Lötschbergtunnel anschliessen doch deren Bedeutung, respektive deren Funktion, dürfte mit dem  K20-Bau zusammenhängen.

Baustelle K20

Auf dem Luftbild am Nordportal Lötschberg von gleicher Bau-Zeitepoche glaube ich Schüttgutwagen zu erkennen die auf Parallelgeleisen stehen oder fahren.

Baustelle K20

Der Geleiseverlauf stimmt mit der Stollenrichtung jener zwei, heute verlassenen Stollen, überein. Auch die bauten aussenrum, gut Sichtbar auf em ALT3D, sprechen dafür. Auf den Luftbild von 1995 sind weitere Bauinstallationen zu erkennen. Zeitgleich sind in Folge sowohl am K20 Portal wie auch am Lötschbergportal diverse Baukräne und Baracken  zu erkennen.

Baustelle K20

Im Wald ist die, im ALT3D ersichtliche, mächtige Portalmauer der beiden Parallel-Stollen einfach zu finden. Im Vordergrund liegt eine Meterhohe Aufschüttung welche die beiden Stollenmünder fast vollständig zudeckt.

Baustelle K20

Aber eben, nur fast.

Baustelle K20

Kurz nachdem die beiden Parallelstollen zusammenkommen sperrt eine Vermauerung die Weiterbefahrung. Es ist anzunehmen dass die Mauer den Zugang in den Lötschbergtunnel sperrt. Entweder liegen hinter der Wand Parallelgeleise die zur Schuttabführung des K20 dienten oder aber hinter der Mauer liegen die regulären Lötschbergbahngeleise welches während der Bauphase auch als Schutttransportgeleise diente.

Die Lokalbevölkerung spricht vom Bundesratsbunker mit einem Bahnhof. So richtig wissen was hinter der Wand liegt wissen wir erst wenn wir ein kleines Löchlein in die KS-Steine gebohrt haben. Ansonsten bleibt die Geschichte weiterhin Geheimnisvoll.

Ich denk aber dass nachdem ich und weitere Neugierige so viel über diese Anlage in Erfahrung brauchten sich wohl kaum ein Bundesrat hier her verkrümeln wird. Viel eher denk ich dass dies, von der P26 damals entwickelte Konzept, einer Verlegung der Regierung ins Ausland durchaus noch Bestand haben könnte.   

Meine Vorgeschichte K20

K20 Bundesratsbunker ???

Lindi

Diese Kandergrunder-Kohle Geschichte bildet nun, nach rund 15 Jahren, den Abschluss und das letzte Puzzleteil rund um die Geheimnisse des Kandergrunder Bergbaus, namentlich der Kohlegruben des II Weltkriegs.

Panorama Lindi 1944

Flugbild Bergbau-Installationen 1944 (Quelle Swisstopo)

Lindi zählt zu den am ungenausten dokumentierten Gruben. Die Bergwerksanlagen auf 1288 müm sind sehr schwer zu erreichen eingespannt zwischen zahlreichen Felsbändern. Der damalige Betriebsleiter, 1939 bis 1945, Karl Iten galt als eigensinnig und eigenbrötlerisch. Als Chef stampfte er, mit Sprengstoff bewaffnet, tagtäglich in den schlecht belüfteten Stollen herum. Im Betrieb, welcher mit Schlechtwetter (Methan) zu kämpfen hatte, sind einige Unfälle vermerkt. Zwei Todesfälle durch eine Methandetonation sind überliefert. Auch dem Betriebsleiter flogen, so wird erzählt, nach einer Vortriebssprengung, en paar Finger davon.    

Nun, ideale Voraussetzungen für en ultimativen Abenteuertrip aber, aufgepasst, dies kleine Werk ist kein Sonntagsspaziergang. Die Wildnis lebt dort und dies nicht ohne Grund.

Panorama Lindi 2015

Am 6. Juli 2014 um 18:44 fotografierte Matti mittels Teleobjektiv das ehemalige Bergbauareal auf der Talgegenseite.

Gut ersichtlich hierbei, das Areal, welches in mitten steiler Felsen liegt, folglich sind die 5 verzeichneten Stollenmünder nahe den schroffen Felsen zu suchen. Des weiteren existieren beim Lindi, wie bei vielen 2. Weltkriegsbergwerken, gute Grubenpläne welche das damalige, dem Kriegswirtschaftsministerium unterstelle, Büro für Bergbau, pflegte.

Grubenplan Lindi

Grubensohlenplan Lindi (Quelle Staatsarchiv)

Auf der Sohlenzeichnung sind 5 Mundlöcher vermerkt die wir nun systematisch aufsuchten.

Lindi Mundloch 5

Nummer 5 war, dank wuchtiger Halde, schnell gefunden. Leider lang der Stolleneingang verstürzt unter meterdicken Steinverbruch.

Nummer 3 und 4 sind genauso verfallen nur liegen diesmal deutlich grössere Steinblöcke vor den zwei Eingängen.

Lindi Areal

Etwa Bildmittig am Fusse der Felswand waren die Stollenmünder 3 und 4 platziert. Im Flugbild 1944 sind die beiden Öffnungen noch deutlich erkennbar. Meine Fotoposition indes liegt neben Stolleneingang 2 welcher aktuell, zumindest der Gesenkzweig, fahrbar ist.

Lindi Mundloch 2

Leider ist die Horizontalstrecke am Mundloch 2 verfallen oder verfüllt doch die Gesenkstrecke verbindet, welch Freude, die Hauptstrecke und somit das Hauptmundloch Nummer 1.

Lindi Hauptstrecke

Am Ende des Zwischengesenks schliesst die horizontale Hauptförderstrecke. Rechtsseitig im Bild ist ein mächtiger Trockenmauerwerkriegel als Stütze eingebaut.

Lindi Hauptstrecke

Die Hauptstrecke ist an manchen Stellen eingefallen. Im Bild sichtbar die Hauptfördertagesstrecke Sohle 0 Meter. Rechts im Bild der Abzweiger zu Stollen V.

Zeitensprung

Lindi Hauptstrecke 1945

Ob das Foto von 1945 die identische Stelle nur in Umkehrrichtung zeigt ist nicht geklärt. Zwar ist an linker Bildseite eine Seilrolle erkennbar und auch der Hund wird eindeutig von einer Seilwinde den Bremsberg auf oder ab gezogen doch Bremsberge gabs im Lindi-Bergwerk einige. Es waren immerhin ca 90 Meter Höhenunterschied untertägig erschlossen.

Zurück zur Gegenwart.

Lindi Stollen V

Stollen V war als Bremsberg konzipiert und erschloss die nächsttiefere Sohle -26 Meter. Auf Niveau -26 sollte ein weiterer Bremsberg Sohle -50 anfahren doch dieser Abstieg scheint bis aufs Dach verfüllt zu sein. Der Abgang in die Horizontalstrecke -26 ist leider auch nach wenigen Metern unpassierbar. Auf der Ebene -26 ist, erschwerend, die Luftqualität katastrophal. Bei 15.6 Volumenprozent Sauerstoff, Tendenz abnehmend, machen sich 1.5 Volumenprozent CO2 breit, hier leider Tendenz zunehmend. Zwar sind diese Werte noch nicht lebensbedrohlich doch an Schaufelarbeit ist nicht zu denken. Die Luft wird mit Garantie nicht besser und zu körperlicher Arbeit 15.6  % zu wenig.

Die  Hauptförderstrecke endet am Stollenmund 1.

Lindi Mundloch 1

Heute ist von dieser Öffnung nur noch wenig übrig. Zwar ist das Mundloch ohne grössere Anstrengung fahrbar doch der einst Grubenhundtaugliche Eingang ist auf ein Kleines reduziert.  

Lindi Mundloch 1 im Winter 1945

Im Winter 1944 sah dieser Eingang ganz anders aus. Die 60er Geleise führten direkt an die Seilbahnbergstation.

Seilbahn Lindi

Heute liegen die Fundamente der einstigen Seilbahnstation tief im Wald verborgen.

Die Stollen-Holzeinbauten, Ausseninstallationen wie auch sämtliche Schienen sind rückgebaut. Vom Grubenwerk sind aktuell maximal 10 % fahrbar wovon in den zwei Kriechstellen „Alter Stollen I“ und „Steinerstollen“ die Atemluft kritische Sauerstoff/CO2 Werte erreicht. Beide Kriechstellen enden Unpassierbar nach 3 Meter.

Die Gerüchte wonach die Bergwerke mittels Sprengung versiegelt wurden sind nicht wirklich plausibel. Fest steht jedoch, der Betriebsleiter Karl Iten galt als Wildsau. Im Unterschied zu den beiden Kandertaler Kohlegruben Schlafegg und Horn waren im Lindi keine Bewetterungsstollen gerieben. Die Luft war katastrophal schon zu Betriebszeit, Methandetonationen waren die Regel. Auch der Ausbau noch vorhandener  Holzeinbauten spricht eher für die Wildsau.

Lindi

Im Luftbild unsere Route durch die Wildniss in rot. Die orange Linie markiert die Rollbahn. Die Glückauf-Symbole zeigen auf Stollenmünder (braun offen / violett verstürzt) und die violette Linie gibt die Seilbahn wieder welche damals sowohl Kohle wie auch Personen transportierte.