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Gottschalkenberg die Letzte

Kohle, Kohle und nochmals Kohle, eine Fortsetzungsgeschichte zum Schweizer Braunkohlebergbau.

Mein, so denke ich, letzter Streifzug auf der Suche nach deren Gottschalkeberger Braunkohlen war von interessanten Erfolgen gekrönt. Das Zusammenfügen verschiedenster Quellen und die Zusammenarbeit mit allerlei neugieriger Zeitgenossen erschloss mir ein Bild der damaligen Verhältnisse als noch Kohle, die Braune, dem Berg entnommen wurde. Die Jahre 1846 bis 1943 waren all die Bergwerke, von denen etliche angelegt wurden, aktiv, obschon die Betriebszeiten niemand so genau datieren kann.

Alleweil waren die Standorte und deren Zustand am Samstag den 26. März 2011 mein erstrangiges Interesse. Wahrhaftig ein Schweizer Käse würde manch Fremdländer den Gottschalkenberg bezeichnen, wenndoch ich nur wenig Schweizer Käse mit viel Löcher kenne.

Nun denn der Reihe nach, der Übersichtskarte entsprechend, die gefundenen Gruben oder deren Spuren und deren Zustand.

Die Karte kann mittels Klick vergrössert werden.
Rote Punkte zeigen verstürzte Stollen
Schwarze Punkte zeigen begebare Stollen

Molassekohlegruben Gottschalkenberg

1) Grubengruppe Steinefluh

Die Gruben sind vermutlich alle zu. Die Tatsache dass auf deren ungefähren Standort eine neuere Kiesstrasse gebaut wurde lässt darauf schliessen das wahrscheinlich die letzten Zugänge, welche noch offen waren, durch den Strassenbau verschüttet wurden. Halden konnten wir indes zwei ausmachen wovon auf einer tatsächlich offen Molassekohle herumlag. Die Halde welcher den Fund hervorbrachte ist auf der Karte markiert.

2) Sondierstollen Höllbach
Es findet sich überraschend nähe Pilgerweg eine mögliche Versuchsgrabung. Viel Bruchstein liegt an der besagten Stelle herum Molassekohle indes ist uns keine begegnet.

3) Grube Wurf 1
Unterhalb der Kiesstrasse parallel zum Mülibach findet sich eine Fahrterschliessung vermutlich für die Grube Wurf 1. Am Ende dieses Wegs ist ein grosszügiger Kehrplatz angelegt worden welches, ich nehme an, zum Manövrieren etwelcher Wagen, Traktore oder Eselchen gedacht war. Sowohl die Fahrtstrasse wie auch der Wendeplatz sind besäht mit Bruchstein und kleinen Kohlestückchen. Den Zugang zur Grube Wurf 1 könnten wir indes nur annehmen, auch der Zugang Grube Wurf 2 dürfte in der Nähe etwas höher gelegen gewesen sein. Die neuere Kiesstrasse dürfte hier wahrscheinlich die letzten Zeugen der Mundlöcher von Wurf 2 wie auch von Wurf 1 beseitigt haben. Siehe dazu auch meine Vorartikel Der Weg des Wassers und Die Gottschalkenberger Kohlegruben. Hansjürg Keller indes berichtet 1985 von einem Dachsloch welches zu Wurf 1 hätte führen sollen, wir konnten keines finden.

4) Grube Wurf 3
Diese Grube ist Zugänglich über ein enges Loch im Waldboden. Im Inneren des Stollens können, mittels Abstieg über den Abbauschlitz, die Stollen Wurf 2 und Wurf 1 erkundet werden. Das Geheimnis was unter Wurf 1 zu finden ist, bleibt indes bestehen,  siehe dazu auch meine Vorartikel Der Weg des Wassers und Die Gottschalkenberger Kohlegruben .

5) Grube Wurf 4
Diese Grube war zur Zeit unserer Erkundung nicht mehr begebar. Der Zugang wird nach rund 1 Meter Tiefe zu eng um durchschlüpfen zu können. Die dazugehörige Halde und deren Funde zeugen indes von reger Abbautätigkeit.

Ein Weg erschliesst alle fortlaufenden Grubenhalden bis hinauf zur asphaltierten Strasse.

6) Grube Wurf 5 und vermutlich Wurf 6
Auch die zwei weiteren Halden zeugen von ausgedehnter Abbautätigkeit. Kohle gibst auf denen zwei Halden in rauen Mengen wenn doch eher minderer Qualität.

Die Mundlöcher indes sind nicht begehbar. Ein Frechdachs respektive ein Bergbaufuchs haben hier das bestehende verschüttete Mundloch für dessen grosszügig dimensionierte Wohnung wieder geöffnet. Gekonnt sind die Tierchen den Felskonturen gefolgt. Der Waldboden wiederum weisst etliche Senken auf welche auf eine Verstürzung der Stollen hinweisen.

7) Grube Greit
Diese Grube wird genannt die Älteste. Alleweil ist dieser Stollen begehbar auf eine Länge von ca. 100 Meter, sofern man nicht ein Problem mit überaus zahlreich auftretenden Minispinnen hat. Die dazugehörige Halde solle bei Fossiliensucher ein Geheimtipp sein. Berichtet wird von weiteren zur Greitgruppe gehörenden Gruben in höher gelegenen Lagen. Wir fanden keine weiteren Spuren vergangener Stollen oberhalb. Siehe dazu auch mein Text Gottschalkenberg .

8) Grube Sparenweid 3
Auch diese Grube kann innen erforscht werden. Entgegen meiner ersten Vermutung ist jedoch hinter dem Felsblock nach rund 10 Meter ziemlich schnell Schluss. Vom Hauptstollen weg führen, wie gewohnt, die beiden Abbauschlitze der Molassekohle folgend einmal aufwärts und einmal Abwärts im 30Grad Winkel zum Hauptprofil. Der Abwärtsführende Abbauschlitz ist mit Schlamm aufgefüllt und der Aufwärts geschlagene Schlitz wird nach rund 3 Meter brutal eng. Auch der Hauptstollen ist nach etwa 10 Meter mit Schlamm aufgefüllt. Hierbei folgend, der Hauptstollen hat ein leichtes Gefälle Richtung Berginnern hinzu kommt eine abnehmende Höhe des Stollenprofils.

Die Bohrlöcher welche bestimmend für die Profilhöhe waren sind nie gesprengt worden.  Will heissen, die Stollendecke neigte sich wahrscheinlich Richtung Boden, sprich der Stollen verengte sich.

Wie lange dieser Hauptstollen je war ist schwierig zu erahnen. Wahrscheinlich jedoch war dieser um einiges Enger als das masslos überdimensionierte Eingangsportal. Hierbei weiteres dazu auf Das Geheimnis der zwei Fragezeichen

9) Grube Sparenweid 2
Dieser Stollen ist definitiv dem Erdrutsch zum Opfer gefallen. Einzig noch zeugt die grosse Halde mit zahlreichem Bruchstein von der damaligen Bergbautätigkeit.

10)  Grube Sparenweid 3
Auch hier einzig die Halde mag berichten von Bergbaugeschichte. Der Stollen selbst lässt sich knapp anhand des abgesackten Geländes erahnen. Ebenfalls hier fanden wir verwertbare Kohle.

11)  Sondierstollen Brusthöchi
Ein lange bestehendes Geheimnis konnte dank Marlene doch noch geklärt werden. Im tiefsten Schnee waren wir neulich auf der Suche nach diesem Mysterium, siehe dazu Gottschalkenberger Stollen .

Auf der Brusthöchi findet sich ein verstürzter Stollen mit dazugehöriger Bruchsteinhalde.

Interessant hierbei, ein stark vermoderter Standartholzrugel wie wir ihn von all den dem Zimmerungen kennen, genau 2 Meter lang, liegt in der Waldbodensenke wo einst das Mundloch war.

Die Gottschakenberger Braunkohle

Wie bereits erwähnt lang teil grosszügig auf den Halden verstreut jede Menge solch begehrte Molassekohle, 21 Tonnen sollen gesamthaft abgebaut worden sein. Relativ wenig wenn man bedenkt was ein Zürichsee-Hinundher-Gondelndes-Schiff damals benötigte. Da die Kohle nur in dünnen Schichten, zwischen schwarzen Sandstein eingepfercht, maximal 10 cm, auftrat und hinzukommend das spezifische Gewicht 1,33 g/ccm betrug, waren, logisch, etliche Stollen von Nöten um 21 Tonnen dem Berg zu entlocken

Ich wollte erfahren ob den auch der viel gepriesene Heizwert zu überzeugen vermochte. Also verbrannte ich genüsslich einige Stücke auf meinem Gasherd.

Fazit
Die Kohle entwickelt  in einem gut ziehenden Ofen eine hohe Heizleistung. Mein Versuch zeigte, nur ganz wenig Kohle vermöchte schnell eine ungeahnte Hitze zu erzeugen. Mit bescheidenem Chemiewissen und geringer Erfahrung im Kohleheizen kann gesagt werden das die gefundene Gottschalkeberger Molassekohle tatsächlich Heiztauglich ist. Alleweil interessant auch für unser Rennofenprojekt, siehe Das Eisen der Liebe.

Also Links von mir, Gottschalkenberger Geschichte
Die Molassekohle Greit und Wurf
Die erste Suche verborgener Stollen
Das Geheimnis des Eisendeckels
Gottschalkenberg
Das Geheimnis der zwei Fragezeichen
Die Gottschalkenberger Kohlegruben
Der Weg des Wassers

Fremde Links, nicht nur ich suche Molassekohle
Familie Keller Gottschalkenberg

4 Kommentare zu “Gottschalkenberg die Letzte”

  1. Steinzeichen sagt:

    Hoi Luisa

    Ich bin von deinem Blog und „deinen“ Bergwerken völlig fasziniert. Tolle Berichte – Gartulation.
    Zurzeit bin ich auf der Spur der Molassekohle in Obwalden. Ich habe vermutlich auch eine Abbaustelle gefunden, jedenfalls stinken die Gesteinsproben nach Schwefel oder Methan!

    Kennst du irgendwelche Hinweise/Karten/Bücher zur Molessekohle in Obwalden? Würdest mir sehr helfen 😉

    liebe Grüsse
    Bärti

  2. Luisa sagt:

    Werter Bärti

    Ein liebes Dankeschön für solch lieben Kommentar.
    Auch Deine Seite Steinzeichen viel und oho. Insbesondere die Kleinigkeiten die auf Deiner Seite wahrhaft spannenden Geschichten zu erzählen wissen, sind mehr als nur ein ausgedehnter Besuch wert.

    Mir ist in Obwalden nichts bekannt hinsichtlich Molassekohle, denn selten zeigt sich Molassekohle alleine. So war den auch der Gottschalkenberg Teil der Molassekohlefelder Käpfnach und Aeugst. Indes waren viele kleinere Gruben teils mit viel Aberglauben in bergigen Gegenden angelegt worden. Durchaus möglich dass auch in Obwalden zahlreiche solch kleinere Gruben zu finden sind.

    Ich meinerseits werde auch mal, rein der Neugierde willen, etwas die Archive und die Beziehungen ausfragen. Sollte sich was ergeben zu Obwaldner Molassekohle, lasse ichs Dich wissen.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  3. Bernhard(Pollux) sagt:

    Mich würde interessieren was Molassekohle ist, und wozu diese verwendet werden konnte.

  4. Luisa sagt:

    Werter Bernhard

    Die Molasse ist Bruchstein aus der späten Entstehungsphase der Gebirge. Kohle, im konkreten Fall, Braunkohle, ist ein über viele Millionen Jahre gepresster Urwald.
    Die Kohle war in der ersten Phase zum Heizen in der näheren Umgebung, von Menzingen bis Samstagern verwendet worden. Siehe dazu mein Geschichtserguss auf Gottschalkenberg.

    Später, so wird berichtet, solle das Zürichseedampfschiff Minerva mit Gottschalkenberger Kohle getrieben worden sein. Bei deren 21 Tonnen der abgebauten Kohle war dies wohl damalig ein kleiner Zürichsee.

    In den Jahren 1941 als die Brüder Sulzer, Georg Fischer und die Gonzner Bergbauer sich zum fröhlichen Stelldichein mit viel Technik dortig trafen war Hauptziel gesamtschweizerisch Kohle für eine Unabhängige Stahlproduktion zu fördern.

    Mit Eisenerz war die produktive Unabhängigkeit gegeben indes war die Kohle a) zu wenig b) schlechter Qualität, was letztlich die 3 Von Roll Hochöfen im Jura überflüssig machte.

    1943 war der Braunkohleabbau am Gottschalkenberg mangels Rentabilität eingestellt worden.

    Liebi Grüessli

    Luisa

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