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Kandergrunder Kohle

Es war ein traumhaftes Wanderwetter, nicht zu heiss, nicht zu kalt, um unsere Kandertaler Bergbauerkundungsgeschichte weiterzuführen. Wir waren neulich im Schlafegg und dies keineswegs der Müdigkeit willen. Die Kohlegruben waren unser Erkundungsziel in jener Höhe genant Schlafegg. Diesen prächtigen Samstag führte uns die Reise an die gegenüberliegende Talseite zu den Gruben Horn welche damals, 40erjahre, die „Bergbau-Gesellschaft Kandergrund AG“ betrieben haben soll .

Hinauf geht’s über den alten Knappenweg welcher in Kandergrund auf rund 857 Meter über Meer beginnt. Der Weg, oder treffender die Wegspur, schlängelt sich über teil schmale und gefährliche Stellen hinweg, das steile Gelände auf 1668 Meter hinauf.

Obschon wir untrainierte Städter 3 Sunden für die 4,1 Kilometer Distanz und die 811 Meter Höhendifferenz benötigten, war die mächtige Bergbauanlage, dank unseres kleinen GPS-Helferchens, schnell gefunden.

Mächtig,
die im Fels verborgene Trafostation umfasst 3 Trafoboxen, Trafos sind keine mehr drin. Die Elektrik ist, so mein erster Eindruck, grosszügig dimensioniert.

Und auch die davor im Fels gebaute Kompressorhalle lässt viel getätigte Arbeit in den unterirdischen Hallen erahnen. 3 Maschinenfundamente zähle ich, vermutlich alle 3 für die Kompressoren.

Meine Neugier auf die anzutreffende, umfassende Unterwelt stieg bei jedem auffinden eines weiteren Anlageteils. Also ab zum Mundloch welches nur über eine vor sich hin modernde Brücke zu erreichen ist. Zum Glück, ein Bleikabel oberhalb des Mundlochs, wie gewohnt weit überdimensioniert, welches mir die notwendige Sicherheit beim rüberangeln gewährte.

Das Mundloch, zu finden auf 615 542 / 154 988 / 1662 Meter, ist zumindest die ersten 2 Meter luxuriös ausgemauert. Leider jedoch war damals der Versuch unternommen worden den Stollen mit Müll und, dortig selten anzutreffenden Steinen, zuzustopfen. Da der Stollen im 30 Grad Winkel nach unten geneigt ins Berginnere sinkt, ist im Inneren ein reges Durcheinander von Zeugs was vom Eingangsportal hinunterpurzelte. Eine Tatsache die den Abstieg keineswegs erleichterte.

Hinzukommend war die Zimmerung absichtlich zerstört worden in der Hoffnung der Stollen könne für immer versinken. Einzig das Profil erhöhte sich durch diese Aktion da über die Jahre hinweg Einiges von der Decke stürzte. Ansonsten, ist der Hauptstollen, welcher damals mit Schrägliften ausgestattet war, begebar. Ich selber bin, mangels Zeit und Begleitung nur ein kurzes Stück hinunter gestiegen. Ein Stollenende sah ich, trotz HochleistungsLED, keines indes sind mir quer liegende Fahrstolle aufgefallen.

Erzählt wird, die Grube Horn solle in kurzer Betriebszeit von 1941 bis 1947 55 000 Tonnen Braunkohle gefördert haben dazu waren unter anderem 15 Kilometer Schienen in den Fahrstollen verbaut worden.

Der Blick zurück von der Mundlochplattform aus zeigt die Zugänge zu den Anlagen der Hilfsbetriebe welche im Fels gebaut waren. Oben, der Zugang zum Wasserreservoir welches die damals davor gebaute Barackensiedlung mit Trickwasser versorgte. Im unteren Felsloch war die Kompressorhalle, Trafostation und  diverse Lager untergebracht. Vor dem Mundloch standen anno 1945 ein Silogebäude und die Seilbahnbergstation mit welcher die Kohle verladen und in die Sortieranlage ins Tal befördert wurde. Das Mundloch selber ist zweiteilig, bestehend aus 2 Mundlöcher, das einte welches ich zum Abstieg nutze ist einigermassen begehbar während dasjenige  Nebenan zugestopft ist. Die Vermutung liegt nahe das beide Steigstollen parallel verlaufen und diese sich jeweils an den Fahrstollen treffen.

Lieder schien die Zeit wieder viel zu kurz für die genauere Erkundung. Da der Abstieg über den gefährlichen Knappenweg optimale Lichtverhältnisse erforderte mussten wir baldig wieder den Heimweg antreten.

Alleweil, noch viel Erkundungspotential welches kommend genauer ausgeschöpft werden wird.

Links dazu von mir
Berner Oberländer Braunkohle

Links Fremd
Bergknappe Nr. 32
Gruppe Projektwoche Berner Oberland mit dem Infoheft als PDF Schiefer und Kohle

8 Kommentare zu “Kandergrunder Kohle”

  1. beisser sagt:

    eines tages muss ich euch zwei irgendwo ausgraben……

  2. Luisa sagt:

    Nun mögen uns Mühe geben nicht dortig auf Ausgraber warten zu müssen. Alleweil schwand mein Mut an manch brenzliger Stelle.

    Danke fürs Kommentärchen.

    Liebi Güessli

    Luisa, aus der relativ sicheren 4 Zimmerwohnung

  3. Sibylle sagt:

    … auch Prinzessin sorgt sich um Euch zwei Maulwürfe! Die Faszination dafür jedoch kann ich bestens versehen.

    Häbet nech Sorg!

    Liebi Grüess, Sibylle

  4. Luisa sagt:

    Liebe Prinzessin

    Danke für Deinen lieben Kommentar.

    Keine Sorge denn oft sind die gefährlichsten Expeditionen doch irgendwie die sichersten.
    Wir erfahrene Berggängerinnen, oberirdisch wie auch unterirdisch, sind bei solch Begehungen, im Wissen um die lauernden Gefahren, sehr vorsichtig.

    Sowohl die Ausrüstung wie auch die nötige Konzentration stimmen Punktgenau. Hinzukommend, mit dem Backup meiner Liebsten die sich immer in Reaktionsdistanz und doch ausserhalb möglicher Gefahrenzonen befindet, wird kaum was schief gehen.

    Und allerletzt, zu sagen pflege ich, kaum ein Stein nimmt sich die Geduld um auf mich zu warten.

    Liebi Grüessli

    Luisa
    Geheimnisse entschlüsselnd

  5. Sibylle und Erich sagt:

    … ja, und die „einfachen“ Berge können leicht zu tödlichen werden, wenn Respekt und Vernunft fehlen. Zu meiner Jugendzeit erklammen englische Schulen schwarmweise den Hausberg von Interlaken, den Harder – und jedes Jahr gab es tödliche Zwischenfälle – fast allesamt aus menschlicher Unvernunft resultierend.
    So wünsch ich Euch beiden allzeit Berg heil und dass die Steine nie die Geduld aufbringen mögen, auf Dich zu warten.

    Weiterhin viel Erfolg und Spass in und auf den Bergen wünscht Euch,

    Sibylle und Erich.

  6. Luisa sagt:

    Liebe Sibylle
    Lieber Erich

    Ganz lieben Dank Euch beiden.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  7. Peschä sagt:

    Euer Bericht ist absolut der Hammer ! Super dass es so Leute gibt wie Euch ! Ich mag mich noch erinnern, wie ich Anfangs der 60er Jahren mit meinen Eltern unten den Betrieb angeschaut habe und oben ein schwarzes Gebäude stand in
    dem die Seilbahn verschwand,was für mich unheimlich war ! Unten war auch noch ein grosser schwarzer Steinhaufen von so schlechter Kohle welche nicht verkauft werden konnte.
    Ganz herzlichen Dank für Euren Bericht ! Lg Peschä

  8. Luisa sagt:

    Hoi Peschä

    Ich bedanke mich zu Deinem Kommentar. Der hier kommentierte Beitrag ist nimmer der aktuellste, meine letzte Befahrung folge September 2011, beschrieben auf http://blog.ateliereisen.ch/?p=1545 . Auf besagten Link sind die Zustände der einzelnen Stollen genauer dokumentiert.

    Liebi Grüessli

    Luisa

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