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Kohlebergwerk Horn

Die Kandergrunder-Kohle-Geschichte hat hier seine Fortsetzung zumal wir den Sonntag uns der dortigen Unterwelt annahmen und viel riskierten. Hier nun mein Bericht aus der Kadergrunder Unterbergwelt.

Es galt die Erkundung des, man sagt, das 12 Kilometer Stollennetz. Anhand des Grubenplans wollte ich nicht so recht an die 12 Kilometer glauben.

Nun allererst war das Geheimnis des Hauptstollens was mich mit grosser Neugier erfüllte. Bei meiner erstmaligen Erkundungstour war mir einzig ein unlogisches Durcheinander aufgefallen. Alleine traute ich mich nur wenige Meter hinab und so blieb offen was sich dort unten noch alles verbergen würde.

Diesmal waren wir zu Zweit folglich stand einem Abstieg nichts im Wege.

Der Hauptstollen, Schrägstollen und Förderstollen Swissgrid 615542 / 154988 / 1662 Meter

Nach 13 Meter abstieg, die beängstigende Überraschung. Wir Naivmädels spazierten während einigen Metern auf dem Stollen und nicht, wie anfänglich geglaubt, im Stollen. Das eigentliche, gezimmerte Stollenprofil lag teilweise unter unseren Füssen. In tieferen Regionen erklärt sich zunehmend das wilde Durcheinander im Stollen. Der gezimmerte Schrägstollen ist unter der Last des Bruchsteins an einigen Stellen eingebrochen. Hinzukommend sorgte der ungünstige Winkel der Türstockzimmerung, Rechtwinklig vom Schrägstollen her verlaufend, für ein Einbruch der jeweiligen tiefer liegenden Deckenauflager. Das effektive, in den Fels geschlagene, Profil ist weit grösser als das gezimmerte Profil so konnten wir lange, ohne zu bemerken, über dem Stollen Richtung Berginneres uns durchkämpfen.

Nach rund 30 Meter senkt sich das Stollenprofil zunehmend auf das Zimmerungsprofil. Für uns hätte dies ein Wechsel von der Schrägstollendecke zu dem viel gefährlicheren Schrägstollenboden bedeutet.

Die Verstürzungen indes wurden zahlreicher.

Ich wagte ein kleiner Blick ins gezimmerte Stollenreicht worauf ein Stützbalken dies mit einer sehr beängstigenden Reaktion zu quittieren wusste. Zwar war ich mir sicher das an der Stelle die ich zum Einstieg wählte die Fahrstollen, Horizontal verlaufend, liegen mussten, doch leider schien mir die Wahrscheinlichkeit eines Totaleinsturzes  über mich erschreckend nahe zu sein. Wir entschieden uns nach ca. 35 Meter zur Umkehr und zur nimmerwiederkehr in diesen Schacht. Allen die hier lesen und selbst neugierig sind sei gesagt, dieser Stollen ist sehr gefährlich, die Zimmerung wartet auf nur wenige Kilos bis diese mit Getöse alles unter sich begräbt. Ein Absinken ist untere Stollenprofil kann, durch Zusammenbruch der noch intakten Zimmerung, locker ein Bein abscheren.

Es liegt nun hier, um diese abstrakt anmutende Beschreibung zu verdeutlichen, ein Seigerriss des Hauptstollens, aus meiner Feder, auf.

Der Hauptstollen bewegt sich im 40 Gradwinkel in dem Berg hinein. Das Material wird mittels Schräglift zum Berg hinaus befördert. Oberhalb des Schrägstollens war das Kohleflöz abgebaut worden. Der Schrägstollen selbst war komfortabel mit Holz ausgezimmert. Oberhalb der Zimmerung indes sammelte sich Bruchmaterial, was das Gewicht auf die Schräg aufgebaute Holzkonstruktion erhöhte, die Konsequenz heute ist eine äusserst gefährliche punktuelle Verstürzung.  Im Mundlochbereich war das Material sortiert nach Kohle oder Abraum, entweder in den Silo gekippt oder, wenn wertlos, die steile Felswand hinab geschmissen worden.

Da nach dieser Hauptstollenerkundung genügend Zeit die unsere war, beschlossen wir den Rest des Nachmittages ausgestattet mit Grubenplan und Geologieatlas-Daten die weiteren Stollen zusammenzusuchen.

Schnell waren wir fündig beim Tiefsten, dem Erbstollen auf Swissgrid 615696 / 154850 / 1609 Meter.

Dieser Stollen, besser mit Gummistiefeln befahrbar, führt, einerseits in ein kompliziert verzweigtes Abbaufeld anderseits in einen eher nassen Fahrstollen. Beide  Zweige reizten wir nicht bis aller Enden aus. Zu Umfangreich ist dies System um am Nachmittag alles aufzuspüren.

Je länger je mehr wurde klar, hier im verzweigen Bergwerk Horn, waren tatsächlich 12 Kilometer Schienen verbaut worden.

Ein zweiter Stollen auch anschliessend an die Felswand findet sich etwas weiter oben auf  Swissgrid 615685 / 154852 / 1625 Meter.

Dieser Stollen mag zwar durch die verstürzte Zimmerung etwas Erschrecken doch begehbar ist er alleweil. Auf der verrotteten Zimmerung lastet kaum gefährlicher Bruchstein was dies spektakuläre Bild etwas entschärft. Indes findet sich etwas weiter im Berginnern eine gröbere Verstürzung die überklettert werden muss ehe man die 4untersten Abbausohle von 5  erreicht.

Der vierte von uns aufgespürte Stollen gleiches Höhenniveau, Annahme Abbausohle Nummer 4, hats eindeutig nicht geschafft. Einzig die Zimmerung blinzelt noch scheu aus der Wiese heraus. Indes kann auch hier, streng nach Grubenplan, die Verstürzung über Sohle 5 überbrückt werden. Ich vermute dass dieser Stollen früher direkt ins Abbaufeld Ebene 4 führte.

Der Grubenplan Horn leider nicht in grösserer Auflösung, Quelle: Kulturgutstiftung Frutigland

Abschliessend weiterführende Links zum Thema
Von mir
Die Erstgeschichte mit schönen Bildern, Kandergrunder Kohle

Links fremd
Gruppe Projektwoche Berner Oberland mit dem Infoheft als PDF “Schiefer und Kohle”
Kulturgutstiftung Frutigland mit der PDF Broschüre “Frutiger Schiefer und Kandergrunder Kohle”

6 Kommentare zu “Kohlebergwerk Horn”

  1. Sandra-Lia sagt:

    oh, mit bahn.. das wär was ^^

  2. Luisa sagt:

    Naja von der Bahn ist wenig noch irgendwie funktionstauglich. Wenndoch ich selber staunte wieviel vom Zeugs, insbesondere in den gefährlichen Bereichen, herumlag.

    Danke fürs Lesen und danke fürs Kommentieren.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  3. Sandra-Lia sagt:

    Na, mich interessiert das halt. 🙂 Wenn auch aus reiner Neugier. 🙂

  4. Luisa sagt:

    Grube Horn, der Legende nach, solle gegen Ende eine Elektrolok eingesetzt worden sein. So wie ich die Transportsituation beurteile dürfte dies Gefährt irgendwo in den unteren Ebenen zu finden sein.

    Ansonsten, viel Rollmaterial findet sich in der Goppensteiner Bleimine.

    Liebi Grüessli

    Luisa

  5. Sandra-Lia sagt:

    und das kann man auch ohne grosses aufsehen betreiben, in Goppensteiner Mine?

  6. Luisa sagt:

    Goppenstein hat zwar jede Menge Rollmaterial doch dieses ist kaum noch zu gebrauchen. Vieles ist den Hang hinunter gedonnert, die Grubenhunte liegen teils weit verstreut im Hang.
    Anders in Horn wo vieles in den unteren, nur sehr schlecht befahrbaren Stollen liegen gelassen wurde. In diesem Sinne dürfte eine kommende Befahrung unsererseits baldig anstehen.

    Liebi Grüessli

    Luisa

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