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Das Geheimnis von Ursera

Es war die Tatsache dass nicht alles immer gleich entschlüsselt wird,
und es ist gegeben das ich,  mich der Neugierde unterwürfig zeigend, nie des Wissens satt essen kann.

Also darum erneut eine Urserageschichte
a) weil die Gegend wunderschön ist
b) weil ein freier Sonntag herrschte
c) weil zwischen dem was ich weiss und dem Geologieatlas Diskrepanzen herrschen.

Ein Sonntagsspaziergang war der unsere. Diesmal nicht ins „Val Sassam Mines Company Ltd“ Abbaugebiet bekannt als Gruoba sondern zu den verborgenen Mundlöchern auf dem Alpenpfand Richtung Alp Nursera. Von denen Mundlöcher mit dazugehörigem Abbaugebiet weiss namentlich der Schweizer Geologieatlas zu berichten.

Der Geologische Atlas 1:25 000 wies mir diesmal den Weg. Seit unserer Begehung der Gruben Horn, auf Kohlebergwerk Horn berichtet, wissen wir das der Geo Atlas ein äusserst taugliches Werkzeug ist.

Wissen wollte ich was dortig noch zu finden ist, was dortig abgebaut wurde und wer wohl hier die Finger tief in Buntmetalle steckte. Warens gar die Engländer von der „Val Sassam Mines Company“? Das Abbaugebiet Gruoba kenn ich allmählich, inklusive deren Stollennamen, wie meine prallgefüllte Handtasche doch weiter Südlich waren mir nie Erzählungen von vorhandenen Gruben zu Ohren gekommen.

Ehe wir das Zielgebiet erreichten war eine schöne Naturlandschaft unser steter Begleiter. Ein Wald, wie dieser nur aus Märchen und Erzählungen bekannt, spendete uns den Weg hinauf angenehmer Schatten und erfrischende Kühle.

Am Zielpunkt angelangt machten wir uns erstmals auf die Suche nach denen verborgen Mundlöchern. Im tiefen Märchenwald jenseits etwelcher Pfade und Weg tauchten erste Zeitzeugen auf.

Wo gemäss  Geologischer Atlas ein Mundloch zu finden sein sollte, türmt sich stattdessen eine Natursteinwand, parallel zur im Hintergrund angesiedelten Felswand, aus dem Waldboden, empor. Die Wand stützt eine Ebene im steilen Hang an den Rändern wiederum sind Mauerreste sichtbar. Möglich das hier ein kleines Kappenhaus einst stand. Macht für mich jedoch wenig Sinn so nahe der Steinschlagexponierten Felswand stehend. Auch interessant, an der Felswand im Hintergrund offenbaren sich mir 2 Bohrlöcher, gewohnt Bergmännisch 30mm Durchmesser. Auch diese ergeben für mich wenig Sinn. Einzig, ich spekuliere auf ein Tagbaugebiet.  Die Felsen sind bunt in allen Farben, würd passen zu Bundmetallen.

Von da weg taten wir unsere Reise Richtung Süden fortfahren, dies immer auf der Höhenlinie bleibend. Leider jedoch oft umgefallene Bäume übersteigend, was teils recht mühsam war.

Baldig tauchte der erste Stollen, Koordinaten Swissgrid 751850 / 158990 / 1718 Meter, klassisch mit Halde vor dem Mundloch, auf. Der Zugang war, wie gewohnt eng indes durchaus möglich.

Im Innern ein gewohntes Stollenprofil welches nach rund 10 Meter, auf den ersten Blick, abrupt endet. Erst die Befahrung bis fast zum Schluss zeigt deren wahre Bestimmung. Am Ende des Stollens neigt ein Seitengang steil rechts.

Hier findet sich die eigentliche Abbauzone, ein Abbauschlicht schräg Richtung Oben verlaufend.

Auch wieder, zwei ungesprengte Bohrlöcher von denen ich ableite, das dieser Stollen eher neuer aus Zeiten, als Sprengstoff gang und gebe war, stammt.

Im hinteren Teil scheint der Stollen etwas aufwärts zu verlaufen. Genau wissen wolle ich es nicht, zuviel Wasser ruhte am Boden.

Der Höhenlinie folgend war den bald die zweite Halde mit dazugehörigem Stollen oder was von dessen übrig blieb, gefunden. Hier scheint das gesamte Stollenprofil auf einer Länge von ca. 20 Meter im Waldboden abgesunken zu sein. Meine Annahme dass hier einst ein längerer Stollen gebaut war begründet auf deren sichtbare Einschnittbreite. Der Fels scheint sauber Vertikal durchtrennt als wäre die Stollendecke in einem Guss auf dem Stollenboden geknallt. Die Breite ist beträchtlich komfortabel als wäre hier mit fetter Ausbeute gerechnet worden.  Auch die Halde ist etwas Grösser als am vorhergesehenen Stollen.

Und auch der dritte von uns gefundene Stollen ist versunken im Waldboden. Einzig bleibend auch hier eine eher kleine Halde die von bescheidenem Abbau zeugt.

Es ist und bleibt wahrscheinlich ein Geheimnis was dortig einst war.

Aber nun doch noch einige Schlussfolgerungen.

Ich denke die Stollen dortig sind eher neueren Datums, gar in Zeiten um die  Val Sassam Mines Company Ltd Anno 1866. Indes wird kaum hier die englische Gesellschaft am Bundmetall gekitzelt haben. Zu gerne rührten diese Bergmänner mit grossen Kellen. Seilbahnen, Verbindungbahnen und englische Flammöfen mussten, trotz bescheidener Abbaumenge, her. Wären Engländer dortig gewesen wäre eine Seilbahn vom gewohnten Gruobagebiet hinauf gespannt worden. Spuren von grober Industrietechnik sind keine auffindbar. Viel eher glaube ich das dortig lange schon buntes und wertvolles Metall, Kupfer und Silber, gefunden wurde. Dies Abbaugebiet dürfte älter sein als angenommen. Erst jedoch die Engländer brachte mach ein bergbauversierter Einheimischer  auf den Plan alte Gruben nahe der Alp Nursera zu revitalisieren. Viel werden diese Minen indes nicht gebracht haben. Die Halden sind im Vergleich zu denen auf Gruoba ein Bruchteil deren Grösse. Auch scheint hier nie die fette Technik sich niedergelassen zu haben. Einzig Sprengstoffe und Handbohreisen dürften zur Anwendung gekommen sein. Aber eben, mein Wissen dürfte hier doch eher bescheiden sein und so gründet manche meiner Erkenntnisse auf Beobachtungen die teils falsch liegen könnten.

In diesem Sinne, möge die Diskussion Neues bringen.

Die Links von mir zum „Val Sassam Mines Company Ltd“ Abbaugebiet
Erstgeschichte Wo sich Eisen versteckt
Römerstollen
Betlehem ist überall

2 Kommentare zu “Das Geheimnis von Ursera”

  1. Stephan Wanner sagt:

    Diese Abbaustellen habe ich mir in den vergangenen Jahren mehrfach auch schon angeschaut. Zur Datierung: Gemäss den Primärquellen, insbesondere aus den – leider nur lückenhaft vorhandenen – Rechenschaftsberichten der Val Sassam Mines Company Ltd., wurden diese Abbaue durch selbige Gesellschaft als völlig neue Versuche auf den in südwestlicher Richtung des Hauptabbaugebiets von Ursera wieder aufgefundenen Triaskeilen angesetzt (siehe zum Streichen der Triaskeile die Geologische Karte 1:25’000, Blatt Andeer). Diese Bemühungen standen im Zusammenhang mit den weitflächigen Explorationen der englischen Gesellschaft, um die silberhaltigen Buntkupfererze, welche auf Ursera eng an die Übergangszone zwischen Triaskeilen und Rofnagneis gebunden sind, an der Erdoberfläche auf möglichst grosser Erstreckung aufzuschliessen. Die Resultate blieben hinter den Erwartungen zurück. Die Arbeiten an dieser Lokalität haben daher nur begrenzten Umfang, es handelt sich um reine Schürfabbaue. Angelegt wurden diese 1866/67.

    Glück auf!
    Stephan Wanner
    Kurator Pro Gruoba

  2. Luisa sagt:

    Ich bedanke mich recht herzlich für die kompetente Antwort.

    Also doch unsere fleissigen Briten.

    Lieben dank und liebi Grüessli

    Luisa
    sich auf die Schlafeggexpetition vorbereitend

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