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Braunkohlegruben Schlafegg

Es seine hier, nach doch wieder einer langen Zeit unter Tage, meine Fortsetzungsgeschichte zur Erkundung der Kohlegruben Schlafegg niedergelegt.

Vorweg ehe hier der gewiefte Leser zur Nacherkundung inspiriert wird, zumal dieser Beitrag Koordinaten enthält, sei ein Wort der Warnung ausgesprochen.

Dies Bergwerk beinhaltet sehr gefährliche Stellen. Ich rate nur äusserst erfahrenen Maulwürfen den Einstieg in dies äusserst unübersichtliche Labyrinth. Wer sich ermächtigt fühlt die Gänge zu durchforsten solle dieser Beitrag aufmerksam sich zu gemühte führen. Mein Text könnte durchaus hilfreich sein.

Bei traumhaftem Sonnenschein sind wir am Sonntag den 3. Juli 2011 in dies schöne Eck ob Kandergrund gestiegen, die Mission, klar, ein Abstieg in die Geheimnisse damaliger Kohleförderung.

Wie gewohnt sind wir wieder durch den engen Wetterstollen gekrochen. Wie sich herausstellte Einer von Zweien wenn doch der Zweite, grössere Wetterstollen, Richtung Tag zu ist, wahrscheinlich, wie oft gesehen, zugesprengt.

Zweiter Wetterstollen, 30-gradfallend auf einer Länge von 60 Meter Richtung oberster Fahrstollen.

Any, unsere Mission, die Erkundung der beiden Schrägstollen Richtung Hauptrollstollen Nord.

Wie gewohnt nutzen wir zur Orientierungsreferenz den obersten Fahrstollen auf 1837 Meter über Meer. Bekannt waren uns die bizarr anmutenden Zimmerungen im besagten Werk vom letzen Besuch . Auch waren von Stollen alle abwärts führenden Schrägstollen bequem erreichbar.

Erstmal erkletterten wir den ersten Schrägstollen Nord welcher per Holztreppe zu befahren war, bis deren Ende. Wir vermuteten zwar im untersten Teil ein senkrechten Schacht Richtung Hauptrollstollen doch die Tatsache das komfortable Treppen dies Bauwerk zierten liess uns eine ebenso komfortable Anstiegsmöglichkeit im senkrechten Schacht erahnen, Falsch!!!

Unten angekommen zeigte sich die bedrohliche Ankündigung.

Wo Totenkopf steht, ist Totenkopf drin. Diesem Symbol, mit Spraydose verewigt, sollte absolute Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Graffiti findet sich im untersten Teil des Schrägstollens Nord an jener Stelle wo der senkrechte Schacht beginnt. Der Untergrund, Steine in Kiesform, vor dem rund 10 Meter tiefen Schacht, ist kaum tragfähig gar äusserst rutschfreudig.  Ein Annähern an den Abwurfschacht ist schlicht Lebensgefährlich.

Wir taten einzig Richtiges, rück und kehrt.

Auf dem Weg wieder aufwärts offenbarte sich uns ein Neuer, nicht im Originalgrubenplan von Eduard Böhringer verzeichneter Fahrstollen. In diesem Stollen, welcher doch überraschend lange, rund 200 Meter, findet sich das Datum 1944 6.9,  als schwarze, mit Kohle getätigte, Inschrift. Unsere Annahme nun, zumal bis anhin der Grubenplan kaum irrte, war dass dieser Stollen nach Grubenplanerstellung, irgendwo im Sommer 1944, angelegt wurde.

Ein sauber geschlagenes Profil schlängelt sich durch Felsen ehe unser Weg etwas instabile Zimmerungen kreuzen. Obschon das Holz hier noch sauber erhalten scheint, sind manche stützende Elemente irgendwie aus mysteriösen Gründen von der Last gefallen. Ob hier auf Niveau 1817 Meter der Bergbautroll wütet.

Erstaunlich viele Inschriften die wenig Sinn ergeben, hauptsächlich aus der weissen Spraydose, zieren die Stollenwände am Endpunkt. Es finden sich etwa die Worte „WEITER EIGENES RISIKO“ alles in Grossletern.

Und am Ende dieses neuen Stollens begegnet uns weiter ein sehr steiler Abwurfschacht, ca 80 Grad, ohne erkennbares Ende. Ich werfe einen Stein und versuche diesem mit 1000 Lumen LED-Leuchte  hinterher zu jagen, dies ohne Erfolg. Der Stein scheppert  lange an den Schachtwänden ehe wir diesen nicht mehr hören. Die Annahme 20 Meter bis zum Hauptniveau hinunter, scheint realistisch.  Ein Abstieg ohne Seil, Unmöglich. Seil, das Stichwort, am Fusspunkt des Schrägstollens, knapp neben der Inschrift machten wir eine weitere sehr interessante Entdeckung. Am Boden liegt ein kurzes Stück Halbzollrohr welches mit Steinen beschwert war. Das Halbzollrohr scheint bombenfest im Stollenboden verankert, eingerammt und beschwert, zu sein. Die Schlussfolgerung das hier sich die „gemeine Stollenwildsau“ abseilte, dürfte  folglich auf der Hand liegen.  Ob diese, passender Formuliert, „arme Sau“ je wieder da raufklettern konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn dieser Schrägschacht das Hauptniveau je erreichte so doch nach deren Verstürzung also folglich eine Falle.

Naja wir Weicheier stiegen nicht hinunter, a) fehlte Seil und Ausrüstung, b) erschien uns dieser Schacht der denkbar ungünstigste um wieder hinauf zukommen. Alleweil macht somit die Weisspraydose-Inschrift „WEITER EIGENES RISIKO“ durchaus Sinn.

In der Stollendecke finden wir einen grosszügig angelegten Abwurfschacht rund 15 Meter hoch, mit einigen Holzeinbauten drin. Auch diesen können wir nicht weiter zuordnen  zumal uns an dieser Position oberhalb nichts, wie etwa Abbaufelder oder weitere Fahrstollen, bekannt war. Zuoberst, auf dem Foto nur schwer erkennbar, scheint eine Arbeitsbühne angebracht.  Auch diese Bühne war uns im oberen Stollenlabyrinth nie begegnet. Die Frage bleibt, wie war dieser obere Arbeitsbereich Anno 1944 erschlossen.

Als wir alle Seitenstollen des Schrägstollens erkundeten, machten wir uns auf zum zweiten  Schrägstollen. Dieser, so weiss der Eduard Böhringerische Grubenplan zu berichten, solle schnurstracks, im Gefälle 40 Grad, im Hauptfahrstollen münden.

Leider, dieser Schrägstollen ohne best erhaltene Holztreppe. Auf dem Weg hinunter schien uns der Bergbautroll einige bösartige Fallen aufgebaut haben. Der Untergrund, etwas grössere Kiessteine, schien mit uns oder unter uns, das Tiefe gesucht haben. Zwischendrin eine, mit einen Holzbrett gebaute, Kiesstaumauer zum bersten gefüllt und weit durchgebogen. Über dies Brett mit all dem Steinzeugs drinn mussten wir klettern ehe die nächste unüberwindbare Falle auftauchte. 10 Meter unter dem drohenden Holzbrett war der Schrägstollenboden mit spiegelglatten Holztafeln ausgelegt. Es schien als hätte auch dieser Schrägstollen als Abwurfschacht geamtet. Ein Betreten dieses Untergrunds hätte eine ziemlich unkontrollierte Rutschpartie provoziert. Da das Ende des Stollens, auch mit der 1000 Lumenlampe nicht sichtbar wurde, wäre diese Rutschpartie eine Höllenfahrt ins ungewisse gewesen. Auch hier, nichts wie zurück weit weg von der Staumauer. Dieser Schrägstollen indes werden wir mit passender Kletterausrüstung erneut versuchen zu bezwingen.

Nachdem nun doch wieder der grösste Teil der 15 Kilometer Stollen verborgen blieb, beschlossen wir das Mundloch des obersten Fahrstollens aufzuspüren.

Und siehe da, schnell war dieser, hinter einen Felsvorsprung, gefunden. Ein Durchkommen,  auch hier, alles andere als Bequem, den auch dieser Stollen war effizient von der damaligen Betreibergesellschaft, zugemauert worden, doch unmöglich ist bekanntlich nichts und drin waren wir.

Das Stollenprofil in einer Breite von rund 3 Meter geschlagen, lässt ein  Hauptstollen erster Generation erahnen.

Auch dieser Stollen ist mit einer fiesen Falle ausgestattet die, bei Befahrung, volle Aufmerksamkeit erfordert. Rechter Hand nach kurzem Abbaufeld findet sich im Boden ein sehr tiefer Abwurfschacht, schlimmstenfalls, 40 Meter  Links davon als zweite Gefahrenquelle eine halb zerfaulte Zimmerung die auf den Einsturz wartet. Tendenziell sollte dieser Stollen eher gemieden werden.

Die Grubenpläne welche ich aus Eduard Böhringers Vermessungen und meinen Beobachtungen zusammenstellte der Logik willen hier niedergelegt. Wie gehabt, anklicken und gross machen. Als erstes, der Seigerriss die mir bekannte Strecke Nord.

Schlafegg Seigerriss Klein

Teils Gebiete sind bis heute mir Verborgen geblieben. Von denen rund 15 Kilometer sind mir vielleicht allerhöchst 2 bekannt. Doch eines sollte klar sein, Sicherheit geht vor.

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Kohlegruben Schlafegg
Berner Oberländer Braunkohle

Interessante Links nicht aus meiner Feder

Gruppe Projektwoche Berner Oberland mit dem Infoheft als PDF “Schiefer und Kohle”
Kulturgutstiftung Frutigland mit der PDF Broschüre “Frutiger Schiefer und Kandergrunder Kohle”

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