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Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch

Nicht das erste mal steigen wir in die eisigen Kälten längst vergangener Bergbauepochen indes war diesmal Einiges an Mysterien von Seiten dortiger Gemeindebehörden initiiert worden, was wiederum klar unsere Neugierde potenzierte. Sowohl das Telefonat mit dem Gemeindepräsidenten wie auch der nachfolgende Brief schien mir unerklärlich zumal ich keinerlei Anfragen bei dortiger Gemeinde stellte noch war ich jemals mittels Telefonnummer oder sonst wie bei denen Herren vorstellig. Dortig jedoch schien man mich zu kennen wie eine bunte Hündin. Auch so mysteriös die versteckten Original-Grubenplänen von Zeiten letzter Abbauperiode um 1820. Und zu allerletzt war gar eine lägst versprochene Fahrbewilligung nach Alp Tisch in letzter Sekunde verweigert worden.

Grund genug hier nochmalig genau in den Berg zu blicken und wie üblich, was einen Indianer, eine Indianaerin, nicht umhaut macht umso stärker. Also waren wir, eine Hand voll Bergbauinteressierter, zu Fuss in solch schöne Gegend unterwegs und Froh um die Sonnenstrahlen welche das etwas beschneite Gebiet ein Weniges erhellten.

Hauptmundloch Eisenbergwerk Val Tisch

Schnell war die Hauptmundlochposition gefunden, der dreieckige Einschnitt im Berg neben der Runse Bildmittig solle einst Installationsfläche gewesen sein.

Panorama Val Tisch

Oben auf dem ehemaligen Installationsplatz des Hauptmundlochs präsentiert sich uns ein herrliches Panorama Richtung Piz Alvra.

Hauptmundloch Eisenbergwerk Val Tisch

Doch erstmals war etwas Arbeit angesagt. Immer noch oder umso mehr wollte ich dies so leidenschaftlich gehütete Geheimnis entschlüsseln. Während ein Detagement, zwecks systematischer Mundlochsuche, den Berg auf und ab bekletterte, waren wir, den gebürtig harten Felsen folgend, auf der Suche nach dem Hauptmundloch.

Grabung Hauptmundloch Eisenbergwerk Val Tisch

Es zeigen sich bei zunehmender Tiefe interessante Spuren des damaligen Stollenuntergangs. Offensichtlich brachen etliche massive Felsblöcke nahe dem Mundloch vom Nativen Felsen. Diese Brocken stürzten auf die Installationsfläche vor dem Mundloch. Ich fürchte gar dass die Stollendecke nahe dem Eingang zerbrochen ist. Je näher wir uns dem vermutetem Einstieg nähern desto heftiger wird das Felsblockdurcheinander. Noch sind wir mit fast 3 Meter über der Installationsfläche viel zu hoch fürs Mundlochniveau meine Hoffnung indes beruht auf ein Einstieg über die Stollendecke.

Gian und Freunde im Val Tisch

Währenddessen offensichtlich Gian, Giachen und manch weitere neugierige Steinböcke, auf dem Bergkamm, interessiert unserem Treiben folgen.

Stollen Eisenbergwerk Val Tisch

Und auch die Gruppe Mundlochsucher konnte Erfolge verbuchen. Tatsächlich findet sich ein weiterer befahrbarer Stollen   rund 180 Meter östlich von unserer Grabungsstätte. Dieser Stollen ist, in bequemer  2 Meter Profilhöhe, rund 20 Meter ins taube Gestein getrieben worden ehe dieser flach endet. Es finden sich keinerlei Anzeichen für Erze. Mir scheint so als wäre nach den Erfolgen im Hauptstollen hier ein Sondierstollen angelegt worden in der Hoffnung ein weiteres reichhaltiges Eisenerzvorkommen zu finden. Der Erfolg jedoch blieb in diesem Stollenwerk definitiv aus.

Stollenpositionen Eisenbergwerk Val Tisch

Positionen der Stollen (gross machen, anklicken).

Gemäss verschwundener, oder besser gesagt best verschlossenen, Originalgrubenplänen (Name des Hüters, der Artikelautorin bekannt)  sollten 5 Stollen damals angelegt worden sein. 4 Positionen könnten wir bis anhin ausmachen an Zweien waren gar befahrene Stollen auffindbar, eine Position ist unser gesuchtes Hauptsystem und eine Position begräbt unter sich unwiderruflich ein weiterer Stollen. Ergo bleibt unauffindbar der 5te Stollen oder deren Position.

Mein Grundriss des Hauptstollens, welcher aufs Satellitenbild gelegt ist, entstammt einer Zeichnung aus dem Bergknappe, siehe dazu mein Vorartikel Bergbausachverständige am graben. Das Areal des damaligen Eisenbergwerks können wir somit auf rund 220 mal 160 Meter festlegen.

Eine interessante Entdeckung lässt meine Hoffnung auf eine baldige Befahrung des Hauptsystems erneut aufkeimen. Das Stollenprofil des Sondierstollens genannt Stollen 4 umfasst eine lichte Höhe von ca 2 Meter. Übertragen nun diese Erkenntnisse aufs Hauptsystem könnten wir bei einer gleichen Profilhöhe, mit nur wenig Aufwand, bald die Stollendecke erreichen. Indes könnte die Stollendecke auf eine längere Strecke eingebrochen sein. An der Stelle an welcher wir den Stolleneingang vermuten zieht der native Fels in den Berg hinein und macht leider einem wilden durcheinander von Bruchsteinen platz.

Eisenbergwerk Val Tisch Hauptstollen im 2012

Anhand der Grabung rekonstruiere ich die folgende Stollenposition im Jahre 2012. Die braune Linie gibt unser ereichte Grabungsgrenze an. Ergo liegen wir noch rund 2 Meter über der Stollensohle und 1 Meter westlich des effektiven Mundlochs. Das Problem jedoch liegt darin das der gebürtige Fels Richtung Osten immer tiefer in dem Berg verschwindet und stattdessen ein Steinedurcheinander sich breit macht. Es könnte sein das die Stollendecke eingebrochen ist und deswegen das Steinedurcheinander Richtung Stollen sich uns offenbarte.

Eisenbergwerk Val Tisch Hauptstollen im 1820

Anhand meiner Grabungserkenntnisse vermute ich die oben dargestellte Situation. Die Stollensohle lang wahrscheinlich etwas erhöht gegenüber dem Installationsplatz.  So konnte einerseits der wertvolle Inhalt des  Grubenhunt seitlich in den tiefer gelegenen Erzschlitten gekippt werden anderseits war geradeaus fahrend ein Ausschütten des Abraums auf die Halde relativ einfach.

Fazit nun, eine weitere Grabaktion ist von Nöten um sich den Zugang ins Hauptsystem zu verschaffen. Erzählt wird dass 1940 noch Personen im Hauptstollen gewesen sein sollen. Die Zerstörungen und Verschüttungen müssten folglich eher neueren Datums sein. Wie gross die Schäden sind lässt sich indes nicht weiter bestimmen.

Lohnenswert jedoch macht eine weitere Expedition das merkwürdige Verhalten diverser hier am Rande beteiligter Personen, siehe Artikelanfang, könnt doch gar im Bergwerk ein grosser Schatz verborgen sein, naja, wer weiss.

Die Links zu dieser Geschichte

Quellen
Satellitenbild, Swisstopo
Grubenplan, im Artikel von Peter Müller, Zürich Bergknappe Nummer 9

Links
Mein Vorbeitrag Bergbausachverständige am graben
Mein Vorvorbeitrag Val Tisch, die Fortsetzung
Mein Ersbeitrag Das Geheimnis von Val Tisch
Geostandort 1987
Geostandort 1887 (nach Siegfried)
Terra Grischuna Bündnerland

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