Desperate Housewives

Oder als Tonnen fliegen lernten.

Eine kleine Abrechnung mit der wahrscheinlich biedersten Szene die eine vormalige Subkultur hervorbrachte. Erzählen will ich hier von meinen subjektiven Empfindungen welche, durch mein Engagement in der Schweizer SM-Szene, über die Jahre hinweg generiert wurden. Nicht immer Empfindungen welche positive Auswirkungen auf mein Wohlbefinden auslösten.  Nichts desto trotz solle hier, nachdem mich gestern die Hausärztin nach meinen stressbedingten Magenverstimmungen fragte, eine kleine Bilanz erscheinen meiner Betrachtungen. Ich selber bin nach wie vor der SM- Spielart, oder präziser der BDSM-Spielart, angetan wenn doch die Magenverstimmungen, mit zunehmenden Gleichgültigkeit dem Konstrukt Szene gegenüber, verschwanden.

Will heissen, erfreuen tue ich mich bester Gesundheit aber, zurück zum Ursprungsthema.

Man könnte glauben, im Zuge einer zunehmender gesellschaftlicher Akzeptanz, sei diese Spiel und Liebesform zu einer spriessenden Kultur, wie dies etwa die Gothik-Szene erreichte, aufgestiegen.  Weit gefehlt eine Kultur ist nie entstanden. Zwar suggestiert  uns die Werbung, Medien in all Ihrer Vielfalt,  das Mensch von heute Cool ist wenn, er, sie, sich dieser Spielart irgendwie, von ganz Zart bis hin zu ganz Hart, hingibt doch die Realität ist weit ernüchternder als das gestylte  Hochglanz-SZ-Bildchen. Die Avantgarde welche immer wieder gerne Kopiert wird, *Seeemühle lässt grüssen, kann nicht erreicht werden, Kopie bleibt Kopie.  Kreativität ist eine Symphonie der Gefühle und nicht ein Konstrukt niedergeschriebener Regelwerke. Nicht die Frage des „Wie“ sollte interessieren viel eher liegt die Würze im „Wieso“.

Stattdessen, die Kaninchenzüchterfraktion, hinterher rennt sie den gestylten Regelwerken immer die Frage vor Augen „Wie“. Resultierend, den edlen Gesetzen des Neokapitalismus folgend, bildet sich eine regelrechte Industrie, in Form einer breiten Palette an Konsumgütern welche die gelangweilte Hausfrau nach deren Tatra-Eskapaden zu befriedigen versucht.

Gefühle sind die Folge von geschaffenen Räumen welche, wie ich heute zu denken geneigt bin, nur eine kleine Minderheit genannt die Avagarde schafft. Diese geschaffenen Räume welche, aufgefüllt mit starken Emotionen, in Kunst und Kultur Niederschlag finden,  sind leider oft zu bekämpfender Gegenstand durch ein Regiment Neider. Was sich ursprünglich in solch SVPligen Institutionen wie Stammtische um der Gleichgesinntheit zu frönen organisierte, verkommt zunehmend  zur Selbsthilfegruppe ständig frustrierter Tatrainnen und permanent Samenverteilenwollenden Mannsbilder. Kollektives Neidertum wird gepflegt und kultiviert all jenen gegenüber die diesen strukturellen Rahmen zu sprengen versuchen. Was bleibt ist eine in der Provinzialität erstickende Szene die versucht sich individuell mittels Bodageworkshop und sonstigem Blasurium in  die Höhen der Selbstfindung zu heben. So kanns kommen das heute in  Webseiten wie etwa die Sklavenzentrale mittels Hochglanzbildli  vorgaukelt wird, Tonnen könnten fliegen.  Der ernüchternde Blick in die Realität indes verrät uns, Tonnen sind Tonnen und Steine sind Steine wie einstmals **“And One“ uns vorsang.

Wieso dies Ganze so kam bedarf einer weiterfassenden Analyse. Allererst, die hier angewandten Betrachtungen sind übertragbar auf etliche weitere Gruppen und Szenen.

Begünstigt in der BDSM-Szene ist vielleicht deren Abstrakte nur schwer verständliche und wenig erforschte Neigung. Eine Neigung die deren Lust aus der Schmerzzufügung  respektive aus der Schmerzerfahrung bezieht.  Menschen die sich an klare Strukturen, wie etwa Religionen, Gesetzte oder vorgegaukelte Demokratiemärchen,  halten, dies sind die meisten Menschen, haben ein Grenzproblem wenn die so oft erwünschte Grenze zu schwinden scheint. Vielleicht kommen eines Tages höher intelligente Wesen zum Schluss das exakt auf dieser Argumentation berufend die Spezies Homo-Sapiens gar nicht befähigt ist in Freiheit zu leben. Naja hoffen wir, das dem nicht geschehe.

Any, wir wissen, das wir hinsichtlich BDSM gar nichts wissen. Das nährt die Unsicherheit vieler Zeitgenossen dem gegenüberliegend finden sich eine Vielzahl Elemente welche uns täglich von der Coolness dieser Spielart berichten. Onvogue ist wer sich zu dieser Spielart trifft und dieser frönt. Da alle, die sich unsicher in dieser Gemeinschaft sogenannt Gleichgesinnter bewegen,  denn Onvoguegrad immer wieder unter Beweis stellen  möchten, leben und spiessen Bilderupload-Plattformen alla Sklavenzentrale. Ein „Spieglein Spieglein an der Wand Effekt“ überkommt das Ganze SM-Land das Fundament der Copy-Paste-Kultur wird geschaffen, der solide Untergrund zur Missgunst.

Und ich?
Ich lernte ganz tolle Menschen kennen in dieser künstlich geschaffenen Gemeinschaft doch nicht nur, viele versuchten mich aus den Angeln zu heben, meinen Einfluss zu minimieren, mich an möglichst kurzen Ketten zu halten. Ja, ich stehe auf Ketten doch eine Liebe muss es sein die mich von dessen Notwendigkeit zu überzeugen vermag.
Als solches will ich dies Thema BDSM für mich immer noch als Grenzerfahrung, als Symphonie vielerlei Gefühle verstehen eindeutig ein Freiraum welcher ich mir nehme.

Es mag mich heute zu erstaunen das regelrechte Kriege, gegen Ende mittels Anwälten, gegen mich geführt wurden. Wieso, niemand weiss es, denn es scheint einzig das „Wie“ zu interessieren.  Die Kriege haben rein gar nichts gebracht, wie immer bei Kriegen sind alle Kriegsparteien die Verlierer. Mir bleibt eine für mich enorm gesunde, letztlich jedoch für die mögliche Gemeinschaft äusserst destruktive, Portion „Leck mich am Arsch“. Die genannte Gemeinschaft indes entfernt sich zunehmend vom Ausdruck „Wahre Gefühle“ hin zum  „Spieglein Spieglein an der Wand Effekt“.

Allen ein schöner Sonntag, ich bin leider am Kassen bauen im Globus.

Zuletzt, wie üblich, die von mir relevant erachteten Links.
* Die legendäre und nie wieder erreichte Seemühle-Bilderserie auf meiner Seite unter Walenstadt

**Kreativität ist ein schwer zu verstehender Begriff insbesondere deren Blüten. Menschen mögen keine Interpretationsspielräume,
darum „And One“, Interpretationspielräume in der Kunst: www.andone.de.

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