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Eisenbergwerk Val Tisch so is es

Zweifelsohne die Geschichte zieht Fäden und zwar richtig lange doch die Entwirrung dieser Fäden macht mir und vielen anderen hier irgendwie Mitbeteiligten richtig viel Spass.

Die Zusammenreihung einiger merkwürdigen Randgeschichten rund um dies Bergwerk nährt meine Neugierde noch zusätzlich.

  • Die Gemeinde Bergün erfuhr irgendwie von meiner Grabesabsicht, wie dies geschah bleibt mir ein Rätsel. So rasseln hin und wieder eingeschriebene Briefe bei mir ein.
  • Alle aus unserem Umfeld eingereichten Anträge für eine Fahrbewilligung nach Alp Tisch werden ablehnend entschieden.
  • Es wird ein Riesenmysterium um etwelche existente alte Grubenpläne gemacht. Das Ölgemälde welches die Minen von Val Tisch zeigt, verschwand unter Mysteriösen Umständen aus dem Schmelzboden Bergbaumuseum.

Entgegen dieser Geheimnisse findet das Bergwerk Val Tisch in Amerikanischen Gefechtskarten, aus Zeiten den Kalten Krieges, Nennung als Eisenbergwerk. Wirklich bedeutende Bergwerke wie Gonzen sind auf den besagten Karten nicht mal ein Symbölchen wert.

Also weiterforschen und da kommen mir zugereichte Aufzeichnungen des Dr. H. Eugsters aus Jahren um 1920 äusserst gelegen, lieben dank hier an Matti.

Die Worte Eugsters versuche ich folgend zu Übersetzten um ein mögliches Bild des Bergwerks zu erarbeiten. Noch immer sind wir am Graben und aufspüren längst verschütteter Stollen.

Eugster wiederum bediente sich bei der Stollen-Positionsbestimmung wahrscheinlich zu grossen Teilen den Aufzeichnungen von Albertini, Betriebsleiter Bergwerke Belaluna um 1835.

Die Stollennummerierung übernehme ich der Einfachheit definitiv nur von Eugster.

Stollenpositionen Val Tisch

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Der obere Bildvergleich zeigt die Mundlochpositionen nach Eugster um 1920 und die Mundlöcher übertragen ins Panoramabild aus dem Jahre 2012. Beim Besuch von Eugster 1920 auf Val Tisch sind fasst alle Mundlöcher verschüttet einzig der Stollen I beschreibt er mittels Grubenplan sehr detailliert. Bei allen weiteren Stollenbeschreibungen bediente sich Eugster wahrscheinlich den Aufzeichnungen von Albertini.

Stollenpositionen Val Tisch

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Meine ermittelten Koordinaten an den Mundlochspuren verknüpft mit Eugsters Aufzeichnungen ergibt die oben  dargestellte Situation. Auffällig sind die teilweise resultierten Positions-Differenzen zwischen mir und Eugster. Begründen tue ich dies vorwiegend mit der Kartenungenauigkeit Siegfried zu aktueller 25tausender. Die Siegfriedkarte welche Eugster als Basis verwendete stimmt nicht mit dem vorhandenen Gelände überein. Felsen und Runsen springen im Quervergleich Siegfried zu aktueller 25tausender bis zu 100 Meter umher.

Trotzdem konnte ich ein stimmiges Destillat aus all den Informationen gewinnen welches auch noch logisch erscheint. Es sei an dieser Stelle erwähnt das ich in Vorbeiträgen ganz gewaltig irrte und ich nun dank den Eugsteraufzeichnungen eines besseren belehrt wurde.

Ein Grubenplan ist entstanden welcher drei Stollen im näheren logischen Kontext zeigt. Klar nun auch, der Hauptabbau liegt oben auf 2476 Meter und nicht wie angenommen auf 2427.

Grubenplan Eisenbergwerk Val Tisch

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Wie folgt nun die Stollenbeschreibung aus Eugsters Sicht kombiniert mit meinen Erkenntnissen.

Stollen I (2476m)

Dieser Stollen hat Eugster als einzigen befahren. Der Stollen umfasst eine Gesamtlänge von 56m. 3 Meter ab Mundloch wurde ein Hochstoss angelegt welcher etwa 3 Meter hoch reicht. Auf Meter 31 nach Mundloch findet Eugster eine Seilwinde gehörend zum Schräglift des Tiefbaus. Oberhalb der Haspel findet sich wiederum ein Hochstoss welcher, da verbrochen, nicht weiter verfolgt werden konnte. Möglich das dieser Hochstoss in Stollen II reichte. Im weiteren Stollenverlauf treffen zwei kurze Stollen auf den Hauptfahrstollen ehe dieser nach denen 56 Meter endet. Der Tiefbau ist 22 Meter reichend unterteilt in zwei Abbausohlen. Die Tiefere indes dürfte, da weiter ausgeschlagen, am meisten verwertbares Hämatit geliefert haben. Am Boden der tiefst gelegenen Abbausohle wurde zusätzlich ein Schacht mit 12 Meter tiefe abgeteuft. Wahrscheinlich sollte einst dieser Schacht als Verbindung zu Stollen IV gedacht worden sein. Indes war dies Werk mangels Ergiebigkeit nicht fertiggestellt worden

Auch ich hab dieses Stollensystem befahren indes mit mässigem Erfolg.

Stollen I Val Tisch

Zwar war das Mundloch schnell aufgespürt doch nur nach wenigen Metern versperrt ein Schutthaufen die Weiterbefahrung.

Stollen I Val Tisch

Im Innern versuchten wir, bei unserer zweiten Expedition, den Schutthaufen soweit abzubauen  so das eine Weiterbefahrung möglich würde. Irgendwann jedoch stiessen wir an eine vertikale Wand die uns in Glaube setzte der Stollen nähme ein definitives Ende. Dies zeigte sich, nach Bearbeiten der Eugsteraufzeichnungen, als Irrtum. Die gefundene Wand ist das Ende des Hochstosses, in Tat und Wahrheit folgt der Stollen 3 Meter tiefer seiner gewohnten Richtung.

Hämatit im Val Tisch

Oberhalb Stollen I finden sich etliche Hämatitspuren auf Tag. Dies könnte die Erklärung für den angelegten kurzen Hochstoss sein. Wir werden dies Jahr unsere Forschung am Stollen I intensivieren.

Stollen II (2491m)

Sowohl 1920 wie auch im Jahre 2012 gilt dieser Stollen als komplett zugeschüttet. Die Halde jedoch zeugt von regen Abbau. Eugster beschreibt diesen nicht näher. Mir erscheint ein Zusammenhang mit Stollen I durchaus einleuchtend näheres ist jedoch auch mir nicht bekannt. Eine Aufwältigung dieser Anlage ist, aus meiner Sicht, ohne schweres Gerät kaum realistisch.

Stollen III (2422m)

Auch diese Baue war 1920 Schutt und Steine. Eugster beschreibt den Stollen einzig als unterteufenden Stollen von Nummer I welcher taubes Gestein durchquerte. Ich selbst fand weder Spuren noch sonst wie Indizien für ein Stollenwerk. Die Koordinaten sind meiner Interpretation entsprungen.

Stollen V (2473m)

Eugster beschreibt in diesem Stollen, welcher nach seinen Worten 19 Meter lang sein soll, eine 2 cm breite Erzader. Ob Eugster tatsächlich im Stollen V war oder ob er hier einzig Albertinis Beobachtungen wiedergibt entzieht sich meiner Kenntnis. Eugster will, nach dessen Worte, einzig den Stollen I befahren haben.

Stollen V Val Tisch

Merkwürdig jedoch, an annähernd seiner Positionsbeschreibung Stollen V finden wir im Jahr 2012 ein edelst hoher Stollen welcher in aufrechter Haltung bis weit über 19 Meter befahren werden kann. Wir Messen grob geschätzt minimum 30 Laufmeter ohne leiseste Hämatitspur. Die Koordinaten stammen eindeutig aus meinem Fundus.

Stollen IV (2427m)

Dieses Bauwerk beschreibt Eugster als 132 Meter lang. Das Mundlch solle bereits 1920 verschüttet gewesen sein. Der Stollen, so will es Eugster wissen, unterteuft den Schacht des Tiefbaus Stollen I dies bei Meter 125 bis 130 Meter ab Mundloch. Auf Meter 115 findet sich ein 8 Metriger Hochstoss. Seitenstösse in unbekannter Richtung waren auf 7.5 und auf 11 Meter angelegt worden. Wahrscheinlich sollte dieser Stollen einst die Erschliessung des Tiefbaus Stollen I sicherstellen. Da jedoch die Ergiebigkeit der Bergwerke allmählich nachliess wurde die Verbindung zu Tiefbau Stollen I nie fertiggestellt.

Ich glaubte lange  an dieser Mundlochposition den Zugang zum Hauptabbau gefunden zu haben was sich letztlich als Irrtum herausstellte. Die Tatsache das hier, vor dem ehemaligen Mundloch, eine stattliche Installationsfläche, noch heute, wiedererkennbar ist, veranlasste mich zu dieser Annahme.

Stollen IV Val Tisch

Im Jahr  2012 begannen wir am Installationsplatz mit der Suche des Mundlochs. Dem nativem Fels folgend sind wir gegenwärtig durchaus auf der richtigen Spur indes dürfte das Mundloch einiges tiefer liegen. Trotzdem erachte ich ein Auffinden eines fahrbaren Stollens auch hier als durchaus realistisch.

Die Geschichte in Meilensteinen zusammengetragen aus Eugsters Schriften

1568 erste Erwähnung der Eisenbergwerke der Gemeinde Bergün. Damals solle Georg Besserer aus Ulm die Eisengruben im Val Tisch, Val Tuors und dazugehörige Schmelzhütten gepachtet haben.

1576 erwirbt Johann von Salis die Eisengruben und Werke.

1682 wird bei Filisur eine Schmelzhütte erwähnt, die aus 2 Schmelzöfen, 4 Blasebalgen, 1 Röstofen, 1 Schmiede und Behausungen bestand.

1717 beutete Le Maire aus Neuenburg die Eisengruben im Val Tisch aus.

1737 wird auf Ballalüna das Eisenwerk Bellaluna vom Zürcher Heidegger gebaut.

1745 steht das neu errichtete Werk Bellaluna bereits still.

1833 nimmt die Gruben- und Hüttengewerkschaft Bellaluna den Bergbau und Hüttenbetrieb wieder auf. Albertini verwaltet während dieser Zeit die Betriebe.

1835 waren während den Sommermonaten bis zu 11 Erzhauer auf Val Tisch beschäftigt.

1837 stehen Berg und Hüttenwerke erneut still.

1840 übernimmt Graf Renard aus Schlesien die Werke.

1850 wird der Betrieb erneut eingestellt.

bis 1913 zahlt ein französisches Konsortium Gebühren für die Abbaukonzession indes waren die Minen seit 1850 nimmer aktiv.

1. Januar 1917 die Konzession für die Dauer von 50 Jahren wird Ingenieur G. Küng aus Chur erteilt. Auch der neue Konzessionär wird keines der Werke wieder aktivieren. Nicht mal die Erzlager werden weiterverwertet.

Bellaluna

Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Eisenwerks Bellaluna 1737 vom Zürcher Heidegger gebaut ist nach einer langen und bewegten Geschichte heute ein bekanntes Ausflugsrestaurant.

Quellen Texte Eugster, Panorama Eugster
Die Eisen und Manganerze der Schweiz
Beiträge zur Geologie der Schweiz
Geotechnische Serie XIII Lieferung, 1. Band

Vorbeiträge
Internationale Val Tischer Bergwerke
Eisenbergwerk Val Tisch, Neues
Minas da Fier Val Tisch
Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch
Bergbausachverständige am graben
Val Tisch, die Fortsetzung
Das Geheimnis von Val Tisch

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