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Guppenalp das Ende der Seeungeheuer

oder, vieler Mythen erleichtert

Wieder trafen sich zwei Generationen Guppenforscher, wie letztmalig in gleicher Zusammensetzung, Gina, Matti, Hansjürg und meine Wenigkeit in solch schöner Landschaft. Ziel unserer Reise war die letzte noch mir und Gina unbekannte Grube. Ein Stollenbau welcher meine Nummerierung  richtig hässlich durcheinander bringen sollte. Und da doch einige Kritik an meinen Grubenbezeichnungen laut wurden, drängte sich ohnehin ein Redefinieren der Berghauen auf.

Also, ehe schwergewichtig ich mich dem Reiseberichtchen zuwende, aufs Risiko hin das mich einige abgrundtief hassen werden, die neue Grubennummerierung. Da mir die Spuren von Kaspar Zimmermann am ehesten zusagen, ich jedoch mich teils gewaltig in deren Deutung Irrte, will ich diesem Herrn alle Ehre schenken und dessen Grundbetrachtung weiterführen.

Also hierbei erstmals die Standorte genauer erklärt.

Übersicht Eisengruben Guppen

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Herr Kaspar Zimmermann macht einzig Richtiges. Er nimmt die Karte und definiert die erste grössere  westlich gelegene Grube als „Grube I“. Nach Osten hin zählt dieser besagte Herr römisch aufwärts, also Grube II und Grube III.

Eisenbergwerke Guppenalp

Wir, Luisa, Hansjürg und manchmal weitere Verwirrte,  indes wanderten von Sünden nach Norden und erkannten logischerweise Erstere ganz Links und darauffolgend Nummer 2, Nummer 3 und Fortlaufend.

Inzwischen sind die 2 von Kaspar Zimmermann gezeichneten Gruben eindeutig  identifiziert, womit deren Nummerierung klar und logisch erscheint. Die Folgegrube  Nummer 4 ist unsereins entdeckt worden, siehe Vorbeitrag, worauf sich deren Nummer, trotz geografisch verwirrendem Standort, begründet.

Die Gruben Nummer 5 bis 7 sind kleine Schürfstellen oder verstürzte Werke die gegenwärtig kaum tiefer als 2 Meter ins Felsreich stechen. Trotzdem sind die kleinen Hauen nennenswert da diese des Verständnisses eines Werkareals um 1500 herum, dienen, dienen könnten.

Die Grubenbezeichnungen indes bleiben nach wie vor Widersprüchlich und je nach Erkunder teils komplett verschieden.  Um einige zu Nennen, von West nach Ost betrachtet.

  • Kaspar Zimmermann Grube I , Grube II, Grube III
  • Kaspar Zimmermann im MINARIA HELVETICA 20a/2000 Grube 1, Grube 2
  • Hansjürg Keller  Grube 3, Grube 2, Grube 1
  • Meine Wenigkeit durch all die verwirrten Stadien so ziemlich jede Kombination.

Nun aber, da wir glauben  uns Eins, Uneins, bezüglich der Nummerierung zu sein, zurück zum Reisebericht.

Bei herrlichem Wetter, was für ein Glück, wanderten wir erneut ins Bergwerksareal Guppenalp dies aus Betrieibsjahren 1538 bis 1560. Wie schon erwähnt wollten wir diesmal die Grube 3 erkunden und mit allerlei Grubenplänen abgleichen.

Hinzu kamen immer wieder neue Updates von irgendwelchen Neuentdeckungen welche der Sache noch zusätzliche Unsicherheit verpassten.

Grubenplan Grube 3

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Zweierlei Grubenplänen hierbei erwähnt, Links die Fassung von Kaspar Zimmermann aus 1980 mit Ergänzungen von Matti und rechts die neuere Fassung aus dem Minaria Helvetica aus Jahren 2000. Beide Pläne sind nicht über jeden Zweifel erhaben. Massgebliche Details wie Versatzwände und Versturzstellen fehlen gänzlich und beeinträchtigen die Qualität der Zeichnungen.

Meine Fassung so hoffe ich solle etwas mehr Klarheit ins Berginnere bringen.

Grubenplan Grube 3 Guppen

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Ich war bemüht meinem Grubenplan etwas mehr Leben, in Form von Details, einzuhauchen um des Verständnisses damaliger Verhältnisse willen.

Eisenbergwerk Guppen

Im mächtigen Felsschlitz, von der Alphütte aus gut sichtbar,  sind noch heute zwei Stollen, welche zum System Grube 3 gehöhren,  fahrbar. Beide sind jedoch an etlichen äusserst eng und teils nur unter grosser akrobatischer Leistung fahrbar.

Eisenbergwerk Guppen

Der Stollenboden ist weite Strecken mit feinem aber äusserst schmerzbereitendem Bruchstein bedeckt. Einige Indizien, wie Stollenhöhe, lassen eine immens anstrengende Kinderarbeit,  beim Herausschleppen der Eisenerze, vermuten.

Eisenbergwerk Guppen

Die wenigen noch vorhandenen Holzstempel sprechen eine eindeutige Sprache. Hier war der stetige Bergdruck massiv und trotzdem sind einige Holzeinbauten nach 500 Jahren noch tapfer am Stollendecke halten. Auch wurde viel Versatz in den teils 4 mal 4 Meter grossen Hallen verbaut.

Eisenbergwerk Guppen

Mache Stollen sind von Deckenplatten komplett verstellt. Mittels Licht durchschimmern und Zurufen könnten wir, die im Minaria Helvetica Grubenplan gemessenen Stollenverläufe überprüfen. Im Bild verstürzt der Stollen im Hintergrund zunehmend mittels Deckenmaterial.

Eisenbergwerk Guppen

An etlichen Stellen sind deutliche Schrämspuren sichtbar auch zu finden diverse Aschenreste die auf ein, damalig sehr verbreitetes, Feuersetzen schliessen lassen. Ergo erscheint die Grubenhaue nun in logischer Funktion wie folgt.

Wahrscheinlich sind einst in der ersten Phase, einer feinen Eisenerzschicht folgend, 2 Stollen im Schrämvortieb gehauen worden. Beide Stollen treffen am Ende Ostwärts spitz aufeinander. Diese Stollenkombination dürfte die nötige Kaminfunktion erfüllt haben um zwei Hallen, in welcher Erznester sich mehrten, mittels Feuersetzten, auszubrechen.

Am von Nordwest zu Südost verlaufenden Stollen sind in einer weiteren Phase zwei Seitenstollen, Südwestlich verlaufend herausgeschrämt worden. Diese Hauen fuhren weitere Erzlager im Berginnern an. Um mittels Feuersetzten die Erzlager abzubauen, mussten Luftzirkulationsverbindungsstollen im hintersten Teil der Gruben angelegt werden. In dieser Phase wird rege Versatzmaterial in leergeräumte  Hallen aufgebaut. Die Grubenstruktur ändert immer wieder dessen Form.

Als letztes Bauwerk wird ein Stollen Südwest verlaufend angelegt. Indes verliert dieser mit abnehmenden Erzertrag an Nennprofil. Der Aushub wird als Versatz im ehemaligen zweiten Hauptstollen verarbeitet. Trotzdem trifft dieses Werk mit schmalem Durchschlupf auf die westlichste Halle und dürfte fürs Feuersetzen als Zuluftstollen geamtet haben.

Wie dies Bergwerk einst genau aussah und wo überall Hohlräume zu finden sind ist schwierig zu erahnen, auch meine Vorgänger hatten hierbei keine eindeutigen Erkenntnissen. Der Versatz lässt kaum klare Felskonturen erkennen auch dürfte dieser Versatz über die Bergbauperiode hindurch hin und her gewandert sein. Hinzukommend waren wahrscheinlich bereits damals die Bergarbeiter mit einer äusserst labilen Stollendecke konfrontiert was all die herumstehenden Holzstempeln erklärt.

Eisenbergwerk Guppen

In hinterster Halle tauch ein weiteres Mysterium auf, diesmal jedoch eines aus Neuzeit.  Auf einem Steinmändli thront ein improvisiertes Holzkreuz nebenan die Reste eines Vogeltiers. Ich, mit meinen beschienenen Biologiekenntnissen, vermute den skelettierten Flügel und Teile der Wirbelsäule  einer Taube oder gar eines Huhns. Das Holzkreuzchen ist aus Industrieholz, also dies oder letztes Jahrhundert. Der Steinhaufen solle bereits im 89 dortig vorgelegen haben. Mir scheint als hätte sich an besagter Stelle ein etwas eingekiffter Goth eine kleine Kultstätte eingerichtet. Gerüchte kursieren wonach die Grube 3 einst ein Verwahrloster bewohnte.

Eisenbergwerk Guppen

Ein dort hängender Kleiderbügel etwa könnte dies Gerücht erhärten.

Naja so genau werden wir dies wohl nie erfahren indes ist mir nun einiges zu diesem Bergwerk klarer. Die genaue Geschichte und deren Entwicklung zu erkunden, ein Thema welchem ich mich gerne kommend auf Luisa.net widmen möchte. Bis dahin bleibt ein Ausflug voller toller Erinnerungen und eindeutigen Erkenntnissen.

Eisenbergwerk Guppen

Und allerletzt noch ein Bildchen des Ausstiegs in den Schlitz Grube 3, weils so schön war.

Quellen Bilder
Luisa / Matti / Gina

Quellen Grubenpläne
Luisa / Hansjürg / Matti / Kaspar Zimmermann Minaria Helvetica

Vorbeiträge
Guppenalp, keine Seeungeheuer
Das Geheimnis des Isenbergs letzer Beitrag
Und nochmals Guppen die Ausarbeitung 3er Besuche
Guppen die Suche nach dem Hauptvorkommen
Handverlesenes Eisen ein erster Guppenbesuch

Links zum Guppenalpbergwerk
Bergknappe Nr 22
HJ Keller Guppenseite

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