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Rodebärger Tiefsichten

In nördlicher Hangseite des Rodebärgs findet der Aufmerksame,  Spuren althergebrachter Sandabbauten. Oberhalb des Restaurants Schupfen im Wald sind noch heute tief gegrabene Mulden im Waldboden auszumachen die auf einen alten Stein, respektive Sandbruch hindeuten. Die Siegfriedkarte kennt an besagter Position 701125 / 281130 deren 3 grosse Einbuchtungen. Im Gelände wird schnell klar an diesen Tagbaueinschnitten waren einst Stollen getrieben worden. Zwei solch Stollenwerke erscheinen Eindeutig. Westseitig noch heute eine kleine Absenkungslinse an Verschüttungsstelle sichtbar. Ostseitig gar findet sich eine vergitterte Zementröhre an Position des  vermuteten Mundlochs. Ein Ausleuchten des Röhrenendes zeigt Eindeutiges, die Röhre mündet wahrscheinlich am Mundloch eines Untertagebruchs. Da wir indes das Gitter nicht öffnen könnten stützte sich diese Aussage auf eine nicht bewiesene Vermutung.  Nahe der Röhre findet sich eine zweite Absenklinse die auf ein weiteres ehemaliges Mundloch hindeutet.

Unser Interesse indes galt dem Stollenwerk West, welches, so wurde mir zugetragen, über einen alten Wetterstollen erreichbar wäre.

Bergwerk Schupfen

Der Wetterstollen war schnell gefunden und so konnten wir den Abstieg in dies Unterwerk wagen. Der Zustand der Haue überraschte positiv. Unter Baumwurzeln fest Armiert führt das Bauwerk nach kurzer Waldbodenstrecke in festen Sandstein. Der Boden ist ausgekleidet mit weichem Sand wie wir diesen von oft beträumten Südseestränden kennen.

Bergwerk Schupfen

Nach rund 3 Metern folgt ein doppelter Rundbogen welcher einige Fragen aufwirft. Der Rundbogen, respektive die zwei Rundbögen sind seitlich in leichtem Abstand zueinander angeordnet so als wäre einst Zwischendrin ein robuster Holzrahmen eingelassen. Auch hat der Rundbogen keine zentrale Stützfunktion, zu robust erscheint der Sandstein vor und nach dem Bogen was wiederum die These der Türe oder eines Gitters erhärtet. Auch möglich das dieser Bogen eher neuer um die 40er Jahre des letzen Jahrhunderts entstand. Einst stand an Stelle der Gaststätte Schupfen ein Ziegelwerk, so will es die Siegfriedkarte Stand 1883 wissen. Die im Bogen verbauten Backsteine könnten von dortiger Produktion stammen. Möglich das diese Steine eingelagert im Ziegelwerk herumstanden und zu spätem Zeitpunkt im Stollenwerk verbaut wurden um ein abschliessbarer Felsenkeller einzurichten. Backsteine neuerem Datums tauchen auch in den Haupthallen auf.

Bergwerk Schupfen

Der Stollen indes dürfte aus alten Tagen stammen. Die Minidimensionen, kaum Schulterbreite und selten höher als 1.20 Meter lassen, auf anfang 19tes Jahrhundert oder gar älter schliessen. Teilweise finden sich schöne Schrämspuren im weichen Sandstein.

Bergwerk Schupfen

Hin und wieder kreuzt eine scheue Kohleschicht das ovale Stollenprofil. Indes, schnell wird klar, Kohle war nicht Sinn und Zweck dieser Unterwelten.

Der enge Stollen mündet in einer grossen Halle die eine Fledermaus zu gemütlichem Winterschlaf nutz. Der Raum offenbart eindeutig die Ursprungsbestimmung dieser Anlage. Einst war Sand begehrtes Gut dieses Werkes. Wahrscheinlich ursprünglich als Tagebau beginnend gewann der Einschnitt zunehmend an Tiefe. Man entschied sich zum Stollenbau. Zur Belüftung dienten die kleinen Stollen von denen baldig wieder solch zwei Werke im Hallenende unsere Neugierde beflügelten.

Bergwerk Schupfen

Der Zweite Stollen, welcher im Hallenende auf uns wartete, war auch, wie wir baldig feststellten, zur Bewetterung gebaut worden. Nur war dieser deutlich steiler verlaufend und einiges  enger geschlagen. Alleweil steig auch dieser Stollen irgendwo zum Waldboden heraus. Bei Gelegenheit linker Hand ein weiteres Mysterium noch ein Ministollen dieser einmündend in unseren Einstiegsstollen kurz vor dem Rundbogen.

Bergwerk Schupfen

Die grosse Halle hat, über einen grösseren  Stollen, Anschluss an eine weitere Halle. Auch diese Halle wird von einzelnem Flattertier bewohnt welches sich des Winterschlafs erfreut. Interessant am erstmals geglaubtem Ende des Bauwerks, eine Backsteinwand mit Türöffnung. Der Türausschnitt ist mit Sand innen wie ausserhalb fast zugefüllt. Der Sandhügel, unter dem Türsturz blickend, steigt sichtlich empor. Indes ist deren Ende wie auch die mögliche Stollendecke nicht auszumachen. Von wo der Sand auf der Wandinnenseite, unsere Seite, stammen könnte bleibt ein Rätsel. Klar ist, unter der Türe findet sich eine grosse Versturzmasse die vermutlich mittels Schaufel überwindbar sein könnte.

uGrubenplan Bergwerk Schupfen

Bei Betracht des Geländes wird klar, wir kennen nur ein Bruchteil des Stollenwerkes. Wahrscheinlich wurde der Hauptabbaustollen U-Förmig in den Berg getrieben. Am Ende des Us waren die Wetterstollen, respektive Wetterschrägschächte platziert. Die zwei in unterschiedlicher Höhe an Tag tretenden Belüftungsstollen lassen auf ein ausgeklügeltes Belüftungssystem schliessen. Wahrscheinlich war einst auch bei geschlossener Türe die Belüftung von Nöten. Die Wand in welcher der Türausschnitt zu finden ist deutet auf neueres Datum hin. Mit Hohlbacksteinen, bekannt aus 1940 plus, ist diese Mauer geklebt. Die Backsteine wiederum sind keineswegs von hoher Qualität, ich vermute Ausschussware aus nahegelegene Zieglerei. Vielleicht war in diesem Teil tatsächlich ein Felsenkeller untergebracht, gar ein Partykeller welcher die Bewohner, Nutzer, der ehemaligen Zieglerei nutzten. Das Wetter war bei unserer Befahrung exzellent und die Temperatur, für winterliche Verhältnisse, mollig warm.

Auch geheimnisumwittert der abgebaute Sand. Die Nähe zur Zieglerei, wie dies die Siegfriedkarte weiss, lässt viel eher auf Lehm schliessen. Lehm indessen begegnet uns keiner weder auf noch Untertage. Am Gegenufer des Rheins, auf Deutschem Gebiet, findest sich der Flurname Gaishütte ob dies eine Glashütte war? Vielleicht brauchten gar die Leute der Schupfenbleiche Unmengen an feinem Quarzsand.

Eines indes ist heute bekannt, am Südhang des Rodebärgs war vor langer Zeit Sand zum Formenbau im Tagbau gefördert worden.

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