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Schwarzenmattische Untiefen

Ein kleiner Reisebericht in die Tiefzone Gehring des Bergwerk Klus bei Schwarzenmatt.

Seigerriss Bergwerk Klus

Erstmals jedoch kleines Update der, bis heute, bekannten Stollen des Bergwerks Klus anhand des korrigierten Seigerrisses. Die befahrenen Stollenwerke sind mit gelber Farbe markiert und, wie üblich, wer den Plan gross haben will solle diesen Anklicken. Das Plänchen wird sich in der Folge in ultimativer 6390 x 1390 Pixel Auflösung öffnen.

Und ehe wir in die Untiefen absteigen, einige Worte der Warnung falls, inspiriert von meinem Bericht, Wagemutige dies Bergwerk auf eigene Faust erkunden möchten.

1.) Das Bergwerk Klus ist sehr gefährlich. Immer wieder öffnen sich am Boden tiefe Schächte. Nur mit guter Ausrüstung und mit reichlich Bergbauerfahrung sollte man den Eintritt in die Unterwelt wagen. Klar, nie alleine in die Stollen tauchen.

2.) In der Grundstrecke I und anschliessender Grundstrecke V ist eine durchgehende Schnur als Orientierungshilfe an der Stollenwand befestigt. Diese Schnur verlässt die Grundstrecke V im hinteren Teil und ist weiter über ein Gesenk geführt. Im Gesenkt befindet sich ein unscheinbarer Schacht, die Schnur wiederum ist über den Schacht hinweg gespannt. Unter keinen Umständen sollte der Schnur ins Gesenk hinunter gefolgt werden. Der Schacht erwies sich bei einer unserer Erkundungen als tückische Falle.

3.) Den damaligen Einsatz eines Ventilators am Kreuzpunkt Grundstrecke V / Grundstrecke IX war durchaus begründet.

Bergwerk Klus Luftwerte

Die Atemluftqualität nimmt am Versturz in Grundstrecke IX rasant ab. Mit Mattis Gaswarngerät waren Werte bis 17.5 Vol% Sauerstoff bei 0.53 Vol% CO2 gemessen. Der Alarm schrillte an besagter Stelle ununterbrochen. In den meisten Strecken, inklusive tieferliegende Strecken, bewegte sich der Wert bei 20.7 Vol% Sauerstoff und 0 Vol% CO2. Bei 15 Vol% Sauerstoff wird’s tödlich. Diese gefährliche Maximal-Sauerstoffkonzentration von 17.5 Vol% dürfte beim Durchkriechen des Versturzes dominieren.

Wichtig, am Versturz Grundstrecke IX ist definitiv Schluss. Vom durchkriechen der Versturzstelle sollte man unter allen Umständen absehen.

4.) Die Schächte sind sehr gefährlich da diese weitgehend seitlich mit Versatz gestopft sind und die Versatzstützkonstruktionen, längst verrottet, kaum noch das Materialgewicht halten mögen.

Trotzdem sind Matti und ich eines dieser Schächte, genannt ein Fahrtrum welcher die Grundstrecke IX mit der, am Mundloch versiegelten, Grundstrecke VIII verbindet, hinunter gestiegen.

Bergwerk Klus Fahrtrum

Dieser Schacht, auf alten Grubenplänen untendurch als Schacht 29 bezeichnet, war einst mit Leitern ausgestattet. Heute sind nur gerade die sterblichen Überreste der obersten 2 Meter Leitern erkennbar. Untendurch sind die Steigen entweder weggefault oder demontiert, ergo war wieder mal abseilen angesagt. Erschwerend zeigte sich die doch recht umfangreiche Auszimmerung da wir den Zustand nur schwer abschätzen konnten. Trotz einigen schwierigen Passagen gelang der 40metrige Abstieg umfallfrei.

Wir konnten in der Folge die Grundstrecke VIII, welche am Mundloch mit einen Wasserreservoir verschlossen ist, erreichen.

Bergwerk Klus

Auf der untersten Grundstrecke, welche einst, wie erwähnt, über das heute versiegelte Mundloch Gehring erschlossen war, sticht als erstes die Kunstvolle Gibeli-Türstockzimmerung ins Auge.

Bergwerk Klus

Wasser liegt jede Menge herum und da überall kleine Versturzstellen den Wasserfluss blockieren nutzen die sauber ausgearbeiteten Wasserkanäle bescheiden wenig.

Trotz des Wassers wollten wir erstmals die Stollenanlage Bergwärts erkundeten.

Bergwerk Klus

Und immer wieder begegnen uns zusammengebrochene Zimmerungen die für kleine Stauseen sorgen.

Irgendwo gabelt sich, entgegen des Originalgrubenplans, der Stollen.

Bergwerk Klus

Im südlichen, allmählich im Wasser versinkenden, Stollenzweig steht eine, bereits an der oberen Grundstrecke beobachtete, Andreaskreuzabsperrung. Da wir wahrscheinlich, nach etlichen Jahren, die ersten sind welche diesen Streckenabschnitt zu Gesicht bekommen, darf angenommen werden dass beide Absperrungen aus der Bergwerksbetriebszeit um 1945 stammen.

Bergwerk Klus

Der zweite Stollenzweig versinkt baldig genau so im grünen Wasser. Das Stollenende ist nicht eindeutig auszumachen. Es besteht die Möglichkeit das beide Strecken wieder zusammenfinden und einst diese zwei Stollen als Grubenhuntausweichstelle gedacht war.

Den Weg zurück, diesmal zielstrebig Richtung ehemaliges Mundloch, führt und an verschiedenen Gesenken vorbei.

Bergwerk Klus

An einem, mit Geländer ausgestattetem, Schachtkopf stürzt das sich sammelnde Wasser in tiefere, uns unbekannte, Regionen. Das dies Wasser irgendwo abfliessen muss, liegt auf der Hand indes, ein Rätsel, wo dieses wieder zu Tage tritt. An besagter Stelle sind wir weit im Berginnern.

Leider war die Weiterfahrt in Richtung Mundloch ziemlich bald zu Ende. Auf der Grundstrecke wo der Schacht 27 einmündet, türmte sich eine enorme Schuttmenge auf. Auf der linken Stollenseite ist der Schutt blank geputztes Kies. Wasser strömt grosszügig zum Kieshafen heraus. Nun wird klar, dies Wasser entstammt eindeutig von der oberen Grundstrecke.

Das Wasser welches aus einer Quelle auf der Grundstrecke V sprudelt, bahnt sich dem Weg, am etwas erhöhten, Fahrtrum vorbei, hinunter über ein, ziemlich bald mit Kies verfülltes Gesenk zu Schacht 27. Das Kies welches auf der unteren Grundstrecke liegt und den Stollen unpassierbar mach, liegt auch im oberen Gesenk.

Ergo, wissen wir einiges mehr über den Wasserfluss. Die Wahrscheinlichkeit das hinter dem Versturz von Schacht 27 kein Wasser liegt erscheint naheliegend indes könnte erneut Wasser zu finden sein nahe des Wasserreservoirs. Indes ist dieser Abstieg deutlich komplizierter und auch gefährlicher. Ich bin mir nicht schlüssig ob wir dies Geheimnis zu Gunsten unserer Sicherheit ruhen lassen

Interessant dürfte auch die Luftqualität sein im von uns erkundeten Stollenwerk der untersten Grundstrecke. Nirgends sank der Sauerstoffabteil unter 20.7 Vol% und auch CO2 konnte nicht nachgewiesen werden also durchaus alltägliche Luftverhältnisse. Dies wiederum spricht für eine minimale Bewetterung woher diese gute Luft herkommt ist uns definitiv Schleierhaft.

Bergwerk Klus

Und, als allerletztes, was mag wohl diese 18 uns sagen. Weit und breit findet sich, in alten Plänen, keine Stollen oder Schachtbezeichnung mit der Zahl 18.

Die Vorbeiträge zu Schwarzenmatt
Und nochmals Bergwerk Schwarzenmatt
Kohlebergwerk Klus Schwarzenmatt Boltigen, weiter geht’s
Boltingen Bergwerk Klus, Langzeiteinblicke

2 Kommentare zu “Schwarzenmattische Untiefen”

  1. Monika sagt:

    Hallo Luisa,

    Ich selbst komme aus Schwarzenmatt und war auch selbst schon im Stollen un damals Fotos für einen Schulaufsatz zu machen.
    Der Sicherheit wegen nicht sehr weit…

    Ich bin fasziniert von Ihren Berichten und finde es unsagbar spannend hier einen Teil der Geschichte unserer Vorfahren, zum Teil arbeiteten die Grossväter meiner Freunde im Klus, sehen zu können.

    Ich verbleibe mit sehr freundlichem Gruss und bin sehr gespannt auf eventuelle Fortsetzungen 😉

    Glück auf

    Monika

  2. Luisa sagt:

    Hallo Monika

    Ein ganz liebes Dankeschön zu solch Lobesworten.

    Die Geschichte wird wahrlich fortgesetzt.

    Einerseits ist ein Abstieg über die ganz alten Grubenhauen, „im Zug“ (1900) bis „Weinmann“ (1917) und weiter auf die bis anhin unerreichte Zone „Gehring“ (1939) geplant, anderseits ist noch des Rätsels Wasserlauf zu klären. Diese Erkundungen dürften uns tiefere Einblicke in die Anfänge dortiger Bergbaugeschichte vermitteln.

    Ergo könnte ich hin und wieder an, oder in, Schwarzenmatt-Gruben anzutreffen sein.

    Und auch die letzte Geschichte Taubental bin ich definitiv den neugierigen Lesern und Leserinnen schuldig. Diese indes werde ich baldig Schreiben.

    Liebi Grüessli

    Luisa

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