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Cava Sul Rhein Rueun

Ein neulich schöner Samstag trieb mich wieder in die Unterwelten. Das kaum erwähnte Bergwerk Cava Sul Rhein nahe Bahnhof Rueun war diesmal Ziel meines Besuches. Entgegen, meinen oft hier gelesenen Empfehlungen, war ich wieder als Selbstbefahrerin unterwegs doch ich witterte keine grösseren Gefahren bei dieser Erkundung.

Gemäss Geocover auf dem Kartendienst des Bundes  sollte das Mundloch am Rheinufer wenige 100 Meter vom Bahnhof entfernt auffindbar sein.

Cava sul Rhein

Und so war ich den auch recht schnell fündig. Das Mundloch liegt rund 5 Meter über dem Rheinufer, hinter ausgiebiger Vegetation trotzdem war das Werk, sogar im Minijupe, von der Seite her gut erreichbar.

Cava sul Rhein

Am Eingang zu fällt mir als erstes ein markanter, sauber gearbeiteter Schacht auf welcher nicht sonderlich tief an einem Anschlussstollen endet. Die Neugierde zu erfahren wohin der Anschlussstollen führte, war ohne Zweifel gross doch dieser Stollen lang bis fast zum Dach im Wasser. Da zum schwimmen der Tag irgendwie doch zu frisch wa,r beschloss ich dies Geheimnis geheim zu belassen und stattdessen mich dem Hauptstollen anzunehmen welcher am Schachtkopf in gerader weiterführte.

Tatsächlich öffnet sich ein hübsch verzweigtes Stollensystem hinter dem Schachteinstieg.

Cava sul Rhein

Markant hierbei, verschiedene Kreuzungen sich sauber links und rechts mit Versatz ausgearbeitet. Auch das Holz ist, bis auf wenige Stellen, erstaulich gut erhalten.

Cava sul Rhein

Der Hauptstollen ist auf langer Strecke mit einer Wasserrinne ausgestattet. Ohnehin fällt auch hier der saubere Stollenboden auf. Praktisch das gesamte Werk präsentiert in besenreinem Zustand.

Cava sul Rhein

An Hauptstreckenende, geschätzte 90 Meter ab Mundloch, finden sich, erstaunlich professionelle, Pfadibuben- Sprayereien. Ansonsten jedoch scheint dies Bergwerk keinen touristischen Geocachter-Ansturm zu erleben. Zumindest halten sich, bis auf wenige Ausnahmen, etwelche neuzeitlichen Verunstaltungen in Grenzen.

Cava sul Rhein

Einzig vielleicht das Steinmänndli nahe dem Entwässerungsgraben könnten ein Indiz für die Geocachterfraktion sein. Auch so möglich, unsere Pfadibuben die ein Verirren, bei so viel Quergängen, fürchteten.

Cava sul Rhein

An einer Versturzstelle wo versatzstützende Holzeinbauten zusammenbrachen, steht, rechtsunten im Bild, eine ziemlich weggerostete Motorex-Fettdose. Der Schriftzug Motorex ist noch hinten sichtbar. Diese Dose dürfte kaum den Geocachterbuden gehören, zu alt scheint das Teil. Zum Bergbau indes passt die Büchse auch nicht wirklich und trotzdem werden Zweifel wach bezüglich des Bergwerksalters. Einige Zeichen sprechen für doch eher modernem Bergbau um die Jahre 1940.

Cava sul Rhein

Im Bergwärts verlaufendem Querschlag findet sich ein zweiter Schacht welcher jedoch nur von geringer Tiefe, kaum ein halber Meter, sein dürfte. Wasser füllt die vermutet geringe Schachttiefe bis fast zum Stollenboden. Im Grund liegen Bretter und Abraummaterial. Wahrscheinlich war hier eine Verbindung in untere vermutete Erzlager angefangen worden diese jedoch nie fertiggestellt. Markant auch, neben dem Schacht, am Querschlagende stapelt sich genauso aussehendes Abraummaterial. Als wäre beim Schachtbau der Abraum im Querschlag zwischengelagert worden.

Cava sul Rhein

Mein Grubenplan gründet auf empfundene Stollenlängen und Richtungen, weder Kompass noch Laserdisto begleiteten mich. Auffällig wirkte, Stollen trafen Rechtwinklig zusammen. So ergibt sich ein, vom Kohlebergbau um die 40, bekanntes Schachbrettmuster. Diese Tatsache spricht eher für modernen Bergbau 1890 bis 1950, indessen sind die Stollenprofile zu klein für die Standart-Grubenhunte. Der abgebaute Erzgang scheint von Norden nach Süden rund 15 Grad zu fallen.

Für mich auch interessant der Schnitt durch den ersten Schacht.

Cava sul Rhein

Entgegen anfänglicher Vermutung, liegt der abgesoffene Stollen nicht auf Rhein-Niveau. Viel eher glaube ich dass dies Stollenwasser von Felseinbrüchen oberhalb stammt.

Cava sul Rhein

Der Blick zum Mundloch heraus lässt den Rhein weit tiefer erscheinen. Ich glaube, wohlverstanden ohne Messgeräte überprüft, das Rheinniveau rund 5 Meter tiefer zum Stollenboden, der Schacht wiederum ist kaum 4 Meter tief. Realistisch erscheint es mir somit, mittels Tauchpumpe, das Geheimnis des Anschlussstollens knacken zu können.

Über das Bergwerk Cava Sul Rhein ist wenig bekannt. Sicher ist, abgebaut wurde, wie im nahegelegenen Cava da Mettal Werk, Fahlerz zur Weiterverarbeitung zu Kupfer und etwas weniges an Silber. Die Literatur nennt an dieser Stelle zwei Stollen einer oberhalb des Polenwegs und einer unterhalb des Polenwegs. Merkwürdig hierbei, in gewissen Texten wird eine maximale Stollenlänge von 8 Metern angegeben mein System ist indes bei weitem über 8 Meter. Das Bergwerk könnte älter sein es finden sich Nennungen um die Jahre 1600 doch so genau weiss dies niemand. In der Gegend, vorwiegend im Val Schmuèr, solle um diese Zeitepoche rege Bergbau geherrscht haben.

Ich jedoch glaube dass in späten Jahren, vielleicht 1890 oder um 1940, das Bergwerk gründlich aufgeräumt wurde, die Versatzwände scheinen mir viel zu geordnet.

Oberhalb, kaum 2 Meter ab Stollendecke liegt der Polenweg welcher quasi auf dem Stollen steht. Dieser Weg, führend von Ilanz nach Tavanasa, wurde von polnischen Internierten in den Jahren 1940 bis 1945 gebaut. Es wäre möglich dass ein Detachement das Bergwerk herrichtete um eine allfällige Abbauwürdigkeit zu prüfen. Das Büro für Bergbau, welches im 2. WK die Abbauwürdigkeit verschiedener Lager prüfte, kennt keine bekannten Unterlagen dazu.

Fest steht, dies Bergwerk wird mich sicher weiterbeschäftigen. Auch scheint mir dies Werk ein geeigneter Kandidat zu sein um die Stollentauglichkeit meiner Tauchpumpe zu prüfen.

Links von mir aus der Fahlerz-Region
13. Oktober 2014 Cava da Mettal (Affeier / GR)
12. Juli 2014 Das Geheimnis von Affeier (Affeier / GR)

Wiki der Polenweg

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