Wutöschinger Mysterien

Nicht weit, an bekannter Wutach und markant an der Felswand klebend zeigen sich neugiererweckende Einbauten.

U-Werk Wutöschingen

Kartenquelle LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg

Auch die Karte nennt zwei zarte Mundlöcher ob der B314er. Grund genug dieser Tiefwelt genauer auf den Grund zu steigen und so war letzten Freitag ein idealer Tag zu solch Kurzausflug.

U-Verlagerung Wutöschingen

Tatsächlich zeigen sich bei kurzer Geländebegehung drei, den Stolleneingängen vorgebaute, Magerbetonbauten. Das vierte Mundloch indes rangt schutzlos aus der Felswand heraus. Schnell steht fest ich habe kein neues Bergwerk entdeckt viel eher scheint eine gewisse militärische Bedeutung gegeben.

Der östlichste Eingang steht offen und kann somit mit kurzer Kriechstelle erreicht werden indessen macht sich ein penetranter Dieselgeruch breit welcher anfänglich zu etwas Zurückhaltung mahnt. Glück war diesmal unser Dräger mit dabei welcher souverän mittels CO2, O wie auch Methanwerte, klare Entwarnung markierte.

U-Verlagerung Wutöschingen

Im Innern, nach Durchgang der zusammengeholzten Eingangstüre, ein Arsenal an unbekannten Chemiefässern. Alle Fässer scheinen indes leer zu sein und noch ist uns Unbekannt was wir hinter dem gekröpften Eingang vorfinden werden.

U-Verlagerung Wutöschingen

Hinter dem Abgewinkeltem Stollendurchgang die Lösung des Rätsels, ein langer Gang mit diversen Seitenhallen. Die letzten Betriebsjahre wirkte diese Unterwelt unmissverständlich als Pilzzucht, die Chemie könnte Düngemittel sein.

U-Verlagerung Wutöschingen

Der lange Gang zieht sich wahrhaftig in die Länge und verbindet offensichtlich alle ausserhalb sichtbaren Eingänge.

U-Verlagerung Wutöschingen

Am zweiten Eingang nun die eindeutige Erkenntnis. Haufenweise Transportschachteln mit Aufschrift „Holland Champignon“ lassen keine Zweifel offen, in dieser Unterwelt gedeihten einst Champignons, nicht welche aus Holland sondern welche aus Wutöschingen. Wenn doch, auch unbestritten, die Ursprungsbestimmung dieser Anlage nicht die militärisch geschützte Champignonzucht war. Über weite Strecken sind die Stollen mit Plastik ausgekleidet was uns eher nervt da der Ursprungsgrundriss nur mässig erkennbar wird.

U-Verlagerung Wutöschingen

Gegen Ende des Hauptstollens sperrt ein gröberer Verbruch welcher doch noch recht fix von uns beklettert wurde.

U-Verlagerung Wutöschingen

Am Gegenende des Versturzes scheint allmählich Schluss zu sein mit nerviger Plastikverkleidung, ein Grund zu Freude.

U-Verlagerung Wutöschingen

Die Stollenstruktur wird wieder eindeutig erkennbar. Aber im Bau sind nun rumpelnde Geräusche hörbar. Offensichtlich sind wir nicht alleine in diesem Relikt alter Tage.

U-Verlagerung Wutöschingen

Und tatsächlich hechtet in knapper Minute ein Fuchsgetier hinter umgekippte Plastikfässer. Wir scheinen eindeutig die Reviere des Fuchses beschnitten zu haben. Noch viel Schlimmer, das Tier, grösser als das Chemiefassversteck, ist eindeutig an Stollenbrust in der Sackgasse gefangen. Mit äusserster Vorsicht versuchten wir dem Fuchs doch noch eine Fluchtmöglichkeit zu gewähren doch das Tier war sichtlich vor Angst erstarrt also setzten stattdessen wir zum Rückzug an und liessen den Fuchs in dessen überdimensionalen Bau alleine zurück. Ohnehin war nun unsererseits die Anlage gesamthaft erkundet.

Des Rätsels mögliche Interpretation kennt verschiedenste Wege

Die Anlage so wie sie sich gegenwärtig zeigt lässt meiner Meinung nach einzig auf eine U-Verlagerung des benachbarten Aluminiumwerkes Wutöschingen schliessen. Wenn doch diese kleine Stollenanlage bei weitem nicht alle Bereiche der Produktion beherbergte. Auf dem Satellitenbild sind wuchtige Anlagen des Werkes sichtbar.

Aluwerk Wutöschingen

Von meiner Position am Mundloch zu, durchs Geäst hindurch, kann die Alu-Fabrik und insbesondere die drei Transformer für die Lichtbogenöfen, bestaunt werden. Solch Ausrüstung fand auch während des 2. Weltkriegs kein Platz im Berg. Anderseits sind die Stollenbauten für eine militärische Verteidigungsanlage eher suboptimal im alten Steinbruch positioniert. Zu einfach kann solch Bauwerk mittels Flugzeugen angegriffen werden und zu schwer dürfte die Flab-Verteidigung im offenen Gelände gewesen sein.

So glaube ich dass dieser Bau nur kleine Bereiche der AWW beherbergte etwa Walz und Pressanlagen. Während des dritten Reiches solle der AWW besondere Bedeutung in der Herstellung von Blechen für Flugzeuge und im Bau von Rippen für den Zeppelin zugekommen sein. Profile wie auch Bleche könnten tatsächlich dem Werk entsprungen sein wenn doch bei zweiterem ich noch gewisse Zweifel hinsichtlich der Grösse hege. Lange Profile können kaum aus den verwinkelten Zugangsstollen hinausbefördert werden.

Aluwerk Wutöschingen

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Mein Grundriss ist so ziemlich aus dem Kopf heraus gezeichnet und erhebt keineswegs Anspruch aus Genauigkeit und Massstabstreue. Des Grundsatzes sind 4 Hallen angeordnet die mittels Stollen miteinander verbunden sind. Die Anlage ist eingebaut in einem alten Steinbruch welcher nordöstlich erschlossen war. Drei Stolleneingänge sind mit massiver Magerbetonwand geschützt, der letzte Eingang südwestlich liegt offen in der Felswand. Zurückversetzt nach dem Stollenportal liegt jeweils nochmals eine Betonwand die den gekröpften Eingang, als zweiter Schutz, bildet. Wenn doch ich von enormen U-Verlagerungen hörte so könnte dies Exemplar eher klein und bescheiden im Untergrund gewirkt haben.

Weiteres zu U-Verlagerungen
Ewattinger Geheimnisse

1 comments on Wutöschinger Mysterien

  1. Cooler Beitrag und Zeichnung der Anlage 🙂

    Waren gerade heute Abend (29.07.23) da drin. zuerst über Eingang 1 dann wegen des Einsturzes nicht weiter gegangen. Dann beim Eingang 4 seitlich etwas gegraben und dann rein gekommen. Wussten nicht genau was es genau sein soll. Luftschutz-Stollen oder eher doch mini U-Verlagerung. Bei unserer Begehung war der verfall definitiv etwas stärker vorangetrieben als auf deinen Bildern.

    Übrigens in Blumberg (Felchen) war ich auch, aber ab einem gewissen punkt wegen fehlendem Multi-Gaswarngerät nicht weitergegangen. Ich denke die CO-2 Konsentration lag so bei 2-3% dort unter anderem, hatte recht schweren Atem und das Feuerzeug ging nicht mehr…. Die ehemalige Sprengung könnte man aber übergehen, dazu bräuchte es aber ein Sauerstoff gerät wie es die Feuerwehr hat. Habe davon vom innern auch Bilder und ein video wenn es dich Interessiert?

    Liebe Grüse

    Tom (aus Winterthur)

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