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Fopa da Chianols, noch mehr Geschichten

Geschnittene Berge oder eine Ansicht des damaligen Bergarbeiteralltags

Zweifelsohne die Interessen der HöFos (Höhlenforscher) und BeBauFos (Bergbauforscher) können ganz mächtig differieren. So geschehen im letzten Mysterium des Vitriol und später Eisenbergwerks Fopa da Chianols. Während die durchwegs professionellen HöFos akribisch den natürlichen Hohlräumen folgen sind die BeBauFos durchaus fantasiereicher unterwegs. Deren Hohlraum-Bestandsaufnahme basiert vorwiegend auf Bergbautechnischer Betrachtung. Da die Anlagen des Alters und Abbauwürdigkeit längst nicht weiter gepflegt wurden spielt die freie Interpretation eine nicht unwesentliche Rolle.

Ich selbst vertraue eher einer Interpretation des „Es war Einmal“ als auf gespeicherte Messresultate welche alle nur erdenklichen, herumliegenden Steine wiedergeben.  Insbesondere schwerst versunkene Bergbauhauen sind nur mit einiger Fantasie verständlich wiedergebbar.

Fopa da Chianols

Ich bin in „Fopa da Chianols“, nicht „Foppa da Chianols“ wie ich im Erstbeitrag behauptete.  Die Hauptgrube hier im Bild ist die Untere deren Zwei.

Ins Jahr 1810 will ich mich wagen um dies letzte Geheimnis des unbekannten Schachtes verständlich zu klären.

Fopa da Chianols

Würde ich mich auf Speologische, Hightech Abwicklungen des Topodroiden, oben im Bild, verlassen, täte dies unförmige Schläuchlein, Bergmännisch wie auch Bergfrauisch, man bedenke die heilige Barbara war eindeutig eine Frau, kaum Sinn ergeben.

Die Selbstbefahrung wiederum lässt mich und meine Erfahrung wieder ins Jahr 1800 schlüpfen. Damals entdecken findige Bergleute Pyrit in freudiger Menge an Felsen anstehend. Ob und wo Stollen zu finden waren zu jener Zeit müsste spekulativ angegangen werden. Die nahe Ortschaft Latsch kennt zu jener Zeit ein bunter Sprachenmix zwischen Italienisch, Deutsch und Rumantsch. Bauern und Bergleut teilen sich das bescheidene Dörflein ob Bergün.

Fopa da Chianols

Ich währenddessen steig mit Freunden Matti und Sepp ins Tief. Im Bild das unförmige Gesenk mit Sepp darinne.

Die räumlichen Verhältnisse sind fern bequemer Befahrungsideen und herumliegendes  Gefelse ist von kantiger Natur. Es ist viel herunter gebrochen und, im Wege stehende Holzkonstruktionen sind vom Gewichte schlicht zerdrückt worden. Es gibt Felsbrocken die eindeutig zum linken Gesenkwand passen es gibt indes wiederum welche die gar nicht so genau irgendwohin passen sich jedoch in Fallbewegung einst unverrückbar verkeilten. Zwischen deren Situation muss der Befahrer, die Befahrerin, sich gekonnt hin und her schlängeln.

Fopa da Chianols

Es ist gelb, es riecht nach Schwefel und es könnte aus der Vitriolbergbauepoche stammen. Gelbe Steine gefolgt von moderndem Holzstempel noch in dieser Optik nicht wirklich zuordnungsbar.

Fopa da Chianols

Der anschliessende, nur schwer zu erreichende Hohlraum indes klärt auf.  Obschon der mühselige Zickzack Krichweg unsere Sinne benebelt zeigt sich unter labiler Holzbühne,  wir befinden uns in einem Abbaugesenk.

Fopa da Chianols

Die noch erhaltene Bühne stand einst auf einer tiefer gebauten Bühne die heute komplett zusammengefallen unter, unsererseits unbeliebter, spitzen Felsklumpen, liegt. Die gelbe Versinterung lässt mögliches Vitriol, Schwefel, erahnen. Die Bühnen, so glaube ich, waren durchgehend über den gesamten Gesenkgrundriss eingebaut. Die noch heute erhaltene Bühne ist die letzte ihrer Art sie diente als Deckel einer nicht mehr abbauwürdigen Zone. Tatsächlich scheint interessantes Mineral untendurch allmählich auszukeilen  wenn doch eine eindeutige Identifikation fasst unmöglich erscheint. Interessant ist weiter, die Holzkonstruktionen scheinen mir eher unterdimensioniert zu erscheinen. An Holz mangelte es im umliegenden  Wald keineswegs. Die Hölzer sind kaum fürs Auffüllen des gesamten Gesenks ausgelegt worden, der klassische Firstbau kann somit ausgeschlossen werden. Ein Strossenbau wie er im Lehrbuche bekannt ist könnte eher zutreffen.  Wir wissen nicht so genau wo die Gesenke in Nord/Südausrichtung enden auch wissen wir nicht genau über die Tiefststelle bescheid. Die Wahrscheinlichkeit jedoch dass auf der noch erhaltenen Bühne, respektive Strosse, einst ein Fahrstollen ruhte, halten wir alle für sehr naheliegend. Dieser Stollen könnte bis Tag geführt haben. Im verbrochenen Strossenteil findet sich rege Humusmaterial wie er im Waldboden, auf Tag , vorliegt.  Es sprechen etliche Spurenfunde, verbrochenes Holz, für eine höher gelegene zweite Bühnenkonstruktion diese jedoch ist restlos von den Steinmassen verdrückt worden.

Fopa da Chianols Plan

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Wir wissen also,

Wahrscheinlich sind einst  zwei Fahrstollen angelegt worden. Der untere, heute restlos verschüttete, könnte älter sein und hauptsächlich der Vitriolförderung gedient haben.

Beide Stollen könnten einer Pyritspur gefolgt sein.

Nur wenig ab Tag ist ein Gesenkt angelegt welches mit Holzbühnen unterteilt wurde.

Die untere Fahrstrecke könnte über die tiefer gelegene Strossenkonstruktion in südliche  Richtung in uns unbekannte Bereiche geführt haben. Sowohl nördlich wie südlich unverrückbar viel Bruchmaterial an den möglichen Stollenansätzen.

Die obere Fahrstecke schneidet das Gesenk an deren oberem Ende und folgt ins bekannte Stollensystem nordöstlich.

Die Bergleute waren vorwiegend in Tagnahen Zonen vom Erzglück gesegnet was der Stabilität keineswegs diente.

Die Bergtieferen, heute bekannten, Hauen  indes waren von eher minderem Segen.

Der Gesenkbau ist, so glaube ich, älteres Artefakt der Vitriolgewinnung. Die oberen Stollen und Aufhauen dienten eher der Eisenerzgewinnung. Oberhalb meiner gezeichneter und dokumentierten Anlage, knappe 50 Höhenmeter höher, liegt erneut ein kleines Stollenwerk.

Fopa da Chianols

Hier zeigen die Spuren eher auf Eisenerze.

Fopa da Chianols

Auch in diesem, knapp 15 Meter langem Stollen, Ansätze eines heute verfüllten Gesenkbaus.  Interessant ist, dies Werk ist knapp unterhalb eines Felsplateaus auf welchem noch Gebäudereste erkennbar sind. Nicht unwesentlich einleuchtend, könnten doch einst, um die Jahre 1810, rund 10 bis 12 Bergleute auf dem Plateau genächtigt und die darunterliegenden Gruben gearbeitet haben. So genau indes werden wirs nie wissen, eine scheue Annäherung indes wird uns mit jeder Weiterbearbeitung gelingen. So betrachtet wird dieser Beitrag sicher deren Fortsetzung finden.

Weiteres zu Bergüner Berbaugeschichten und sonstige Vorgeschichten
24. Juli 2012 Val Tisch, die Fortsetzung (Bergün / GR)
19. Juni 2012 Das Geheimnis von Val Tisch (Bergün / GR)
12. August 2012 Bergbausachverständige am graben (Bergün / GR)
17. Oktober 2012 Minas da Fier Val Tisch (Bergün / GR)
14. Oktober 2012 Die geheimnisvollen Minen des Val Tisch (Bergün / GR)
24. Dezember 2012 Eisenbergwerk Val Tisch, Neues (Bergün / GR)
17. Februar 2013 Internationale Val Tischer Bergwerke (Bergün / GR)
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