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Römische Eisen und sonstige verwässerte Abenteuer

Ich lass mal die Bergüner, Bergüner sein und wende mich wieder wichtigeren Dingen zu. Lange ist es inniger Wunsch unterländerischer Archäologieen die verwässerten Geheimnisse eines, eben, mit Wasser gefüllten Gesenks zu erkunden. Ich, inzwischen als Wasserpumperin bekannt, bin mit dieser spannenden Geschichte konfrontiert worden.

Ob die Pumperei  tatsächlich noch Realisierung findet werden letztlich hiesige Universitäten entscheiden. Für mich wars primär ein Reko-Ausflug in wunderschöner Landschaft und eine richtig spannende Geschichte.

Gotschens

Oberhalb des Marmorera-Sees am knappen Ende des Baumwuchses erstreckt sich ein Bergbaugebiet wie ich es in diesem Lande noch nie zu Gesicht bekam. Das karge Gebiet nennt sich Gotschens und diente einst als Eisenerzgrube.

Gotschens

Der Aufstieg war, Sepp sei Dank, mit Fahrbewilligung und Jeep easy zu bewältigen. Noch lockere 200 Höhenmeter mussten wir zu dritt abspulen ehe allmählich Industriegeschichtliche Überbleibsel sichtbar wurden.

Erzgruben Gotschens

Bald jedoch offenbarten sich gröbere Erdbewegungen die ohne Zweifel mit brachialer Muskelkraft vollzogen wurden.

Erzgruben Gotschens

An tiefster Abbaustelle wird die mächtige Halde sichtbar welche die Hauptgrube markiert.

Erzgruben Gotschens

Und zwischendurch, an verschiedensten Stelle, immer wieder massives Eisenerz welches im Tagebau gefördert wurde.

Erzgruben Gotschens

Hin und wieder etwas weniges Tiefbauten, respektive Stollenbauten, die jedoch, aktuell, ziemlich bald im Versturz enden.

Erzgruben Gotschens

Oben, auf der Haupthalde angekommen, wird das Teil archäologischer Begierde allmählich sichtbar. Es ist ein Gesenk welches, im 30 Grad Winkel, ins Berginnere verschwindet.

Erzgruben Gotschens

Der Schrägschacht, wie auch die wuchtige Halde, lässt, ohne Zweifel, Grosses erahnen doch baldig macht sich Wasser breit und die Erkundung endet bei 5.4 Meter unter Haldenboden.

Erzgruben Gotschens

Der Blick ins nasse Tiefblau zeigt klare Stollenweiterverläufe und dies nicht minder wenige, doch wie erwähnt, das Wasser hält sich hartnäckig und, ich glaube, diesem Wasser kann nur mit groben Gerät begegnet werden.

Erzgruben Gotschens

Rundum Eisen feiner Güte wenn doch oft mit Schwefel versetzt was einige Interessante Industriegeschichtliche Aspekte aufwirft.

Der Blick aufs Satellitenbild lässt ganz gewaltig staunen. Bei unserer Befahrung, und diese war äusserst genau, sind uns keinerlei Bohrlöcher begegnet.

Die Nähe zum Septimerpass, genannte 9 Kilometer Luftlinie, lässt für mich einzig den Schluss zu dass dies wuchtige Bergwerk einst Römischer Herrschaft war, 200 Jahre vor Christi, und viel Sklaven beherbergte. Indessen waren die Römer, mit Rennofentechnologie, nicht besonders erfolgreich im Bearbeiten Schwefelhaltiger Erze womit die wissenden Metallurgen hauptsächlich die Erzrosinen aus dem Erzberg jagten.

Doch die Römer waren bei weitem nicht die Einzigen die sich des Erzes bedienten. Die am gleichen Felshang liegende Grotten-Burg Marmels besass bereits um 1200 das Bergregal somit ein Nutzungsrecht für dortige Eisen. Jedoch, auch dies Adelsgeschlecht Marmels, heute Demarmels, und deren Spezialisten war damals nicht übers Rennfeuer hinaus gewachsen. Womit auch sie, wahrscheinlich Tiefbau betreibend, weiterhin Erzrosinen pickten.

Erst moderne Vorbehandlungsmetoden und Verhütungstechnologien um 1700 machte aus Schwefelhaltigem Erz mehr als nur brüchiges Gusseisen. Das grosse Haldenwenden dürfte sein Lauf genommen haben. Als letzte Abbauperiode wird die Zahl 1830 bis 1847 genannt. Damals, so wird berichtet, sollen die Erze im modernen Belaluna-Werk zu Schmiedefähigem Eisen weiter verarbeitet worden sein. Die Bohrlöcher waren folglich nie ein Thema denn wieso im engen Loch teures, schwarzes Pulver verhauen wenns auf der Halde noch Erze für viele weitere Schwerter gab.

Die Erzader, dies erkennt der Gesteinssachverständige auf nen ersten Blick, ich gehör da definitiv nicht dazu, quert den See bis ans gegenüberliegende Ufer.

Stollen unbekannt

An den Erz-Ausbissen, unterhalb der Passstrasse, ein weiterer, äusserst interessanter Fund welcher scheu ein zusammengebrochener Stollen erahnen lässt. Ein durchkriechen zwischen den Felsklötzen wäre durchaus verstellbar. Ich hatte leider, am Standort, mein Geläucht im Auto vergessen womits mal vorläufig bei der Aussenansicht bleibt.

Diese Geschichte ist so was von Spannend dass deren Fortsetzung naheliegt. Ob die Pumpaktion mit viel Logistik tatsächlich zum fliegen kommt ist leider noch offen. Klar ist, fliegen triffts auf den Punkt, ohne Heli oder 500 Sklaven geht da nix. Da nun lange die Aufklärung geschah ist Ersteres einzige Variante um das Wasser aus dem Abbaugesenk zu verbannen.

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