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Schleitheimer Gipser

Nachdem wir die Deutschen Gipsbrüche bei Fützen sehr genau erkundeten und somit einige Herren richtig in Rotation versetzten, waren etwas harmonischere Einblicke in heimischen Gegenden durchaus angebracht.  Das legendäre Unterlandbergbauwochenende war dazu gegebene Gelegenheit um etwas tiefere Einblicke ins Gipsmuseum Schleitheim zu wagen. Wie immer, viele Bilder und etwas weniges Erkenntnisse zur verschwundenen Unterwelt stand 2018.

Gipsbergwerk Flüeli

Der Einstieg führte übers kleine Betriebsgebäude am Stollenmundloch über eine sauber ausgebaute Hauptstrecke, diese Teils in Beton ausgemauert.

Gipsbergwerk Flüeli

Und auch die Holzeinbauten, wenn doch aus neuerer Zeit, eher zu nem Besucherbergwerk passend, waren äusserst fotogen.

Gipsbergwerk Flüeli

Mit passender Beleuchtung der aufgebauten Nassleuchten ein prächtiges Ansehen.

Gipsbergwerk Flüeli

Auch die einzelnen Stempeln wussten zu entzücken.

Wenn doch meine Neugierde insbesondere den verschollenen Untertagewerken galt. Die Ausdehnung der Gruben umfasste um 1935 einige Kilometer. Aus dieser Zeit entstammt eine äusserst rudimentäre Zeichnung die ich mittels Grafiktools, für diese Geschichte, etwas pimpte und ins Geocover setzte.

Gipsbergwerk Flüeli um 1935

Die roten Linien, Handschrift 1935 hunderttausendfach kopiert, symbolisieren die fahrbaren Stollen um 1935. Heute sind rund 20 Prozent der Anlage zugänglich und da Frau erst glaubt was sie mit eigenen Augen sieht, gabs einige Kriechstellen zu Bewältigen. Auffällig auf dem Geocover, die Mundlochsymbole stimmen nicht überein mit den roten Stolleneingängen. Die Daten des Geocovers sind aus dem Geologischen Atlas entlehnt welcher das Blatt vermutlich um 1960 nachführte. Damals waren praktisch alle Stollenmünder verschwunden und die Position auf reiner Geländeinterpretation abgestützt. Anderseits ist die 1935er Handzeichnung auch nicht über jeden Zweifel erhaben.

1965 als die einte Grube wieder offengelegt wurde entstand eine Zeichnung die ich für mein Plänchen nutzte und mit meinen Annahmen ergänzte.

Gipsbergwerk Flüeli

Planbasis OGH 1965 (Plan gross machen, Plan anklicken)

Die gelben Stollen wie auch der orange Lüftungsstollen sind heute fahrbar. Blaue Flächen sind mit nassen Füssen oder entsprechenden Stiefeln auch so fahrbar. Indes ist in Nordrichtung eine zunehmende Verbruchzone ausmachbar. Diese Verbruchzone blockiert, wahrscheinlich über viele Meter hinweg, der Einstieg in die restlichen Stollenwerke. Wie so oft in Gipsgruben, nimmt die Verbruchzone, bedingt durch die Feuchtigkeit, stetig zu.

Gipsbergwerk Flüeli

Gesteinsmassen füllen allmählich den Stollen auf. Der nominale Stollenboden liegt weit unter der Schuttmasse. Trotzdem wollten wir, ein Häufchen Gleichgesinnter, den definitiven Beweis einer eindeutigen Unerreichbarkeit nochmals bewiesen haben. Doch leider war nicht zu ändern, die beiden Zweige im nordöstlichem Grubenteil an denen wir den Anschluss zum Nachbarsystem vermuteten, waren komplett Schrott. Kein minimaler Durchschlupf offenbarte sich. Auch weitere Nebenkammern sind übel verstürzt und meinerseits nur noch gestrichelte Vermutung mit vielerlei Fragezeichen.

Ich konzentrierte mich auf weitere, weniger spektakuläre, dafür Historisch umso spannendere Erkundungen.

Im Westteil der Grube war um 1908 ein Felsenkeller für Obst eingerichtet.

Gipsbergwerk Flüeli

Diese Kellerräume waren einst mit robusten Backsteinmauern verschalt. Heute hat dies Wörtchen Robust, ohne Zweifel, jede Bedeutung verloren.  Der aufquellende Gips war definitiv stärker und die dreilagigen Backsteinwände brachen in tausend Teile. Im Bild steht noch ein kleines Relikt aus Obsttagen. Die Kellermittelzone, ist wie schon zigmal im Gipsland beobachtet, hundertpro kollabiert.

Gipsbergwerk Flüeli

Ein kleiner Seitenarm ist heute zum See aufgestiegen. Dieser wird,  wie uns berichtet wurde, im Volksmund lieblich „Frauebädli“ genannt. Auch dieser Stollenteil könnte zu trockenen Zeiten, als noch ein eindeutiges Gefälle in Richtung Tag herrschte, als Obstkeller gedieht haben. Im Bild zeigt uns Eve die aktuelle Wassertiefe die nur minim ändern solle.

Zwecks Entfeuchtung der Kellerräumlichkeiten  ist, auch so im Bergmännischem Eifer, ein Lüftungsstollen mit leichter Steigung, wieder tagwärts getrieben worden.

Gipsbergwerk Flüeli

Luxuriös anmutend ist dieser Lüftungsstollen grösstenteils mit edlen Sandkalksteinklötzen ausgemauert. Form und Richtung des Lüftungsbaus erinnert sehr an bekannte Zeitzeigen aus „Neuparadiesische Unterwelten“ und „Rodebärger Tiefsichten„, beide Objekte, sind, so mein heutiger Erkenntnisstand, zur Entfeuchtung, nachträglich mit den aufsteigenden Lüftungsstollen ausgestattet worden.

Der Obstkeller, so wird berichtet, solle nie so richtig funktioniert haben. Die Feuchtigkeit liess sich mit dem Minikanal nicht bezwingen infolge blieben die Stollen bis zur Eröffnung des Gipsmuseums lange verlassen.

Während wir den alten Ostlagern nachjagten übten sich andere im gekonnten Bild.

Gipsbergwerk Flüeli

Eine wahrlich prächtige Inszenierung des zweiten Sees, auch so lieblich „Männebädli“ genannt, gelang der dortig amtenden Fotogruppe. Ich war einzig punktuell hin und wieder als Lichtdiebin am besagten Set unterwegs. Das Bergwerk, obschon verhältnismässig klein, im Vergleich zu Fützen oder Felsenau,  hatte für meinen Geschmack, sehr viel faszinierendes zu bieten.

Gipsmühle

Und allerletzt, kann nicht fehlen, die Gipsmühle im alten Betriebsgebäude, heute Museumsgebäude.

Kurzum das Gipsmuseum Schleitheim ist eine Empfehlung wert, der Apéro im Stollen war Geil und die kurze aber aufschlussreiche Führung lieferte genau die richtige Grundlage zur vertieften Erkundung. Alles war supersympathisch und der Samstagnachmittag hat richtig Spass gemacht. Und ich hab endlich begriffen was es auf sich hat mit den Lüftungsstollen.

Darum hier der Link zum Gipsmuseum Schleitheim

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