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Raja Lustrina

Ich war wieder mit Freunden im fernen Almeria am Erkunden dortiger Unterwelten. Ein Objekt welches seit Kindheit im Kopfe herumgeisterte und Gegenstand zahlreicher Spukgeschichten war, steht noch heute stolz in verwaschener Felswand.

Raja Lustrina

Es ist dies die „Raja Lustrina“ an der alten Landstrasse N-340a nach Murcia wobei der Name „Raja“ für Spalt steht und so zeigt sich dies Stollensystem, dem neugierigen Betrachter / Betrachterin, erstmals als rund 3 Meter hoher Spalt in der Sandsteinmauer. Man erzählt sich, das Bauwerk stamme aus Maurenzeit, 7. bis ins 10. Jahrhundert, und war über etliche Kilometer lang. Eine mir aus Kindheit bekannte Legende besagte dass dies Stollensystem als Fluchtgang diente und über etliche Fallen verfügte welche allfällige Verfolger hätten stoppen sollen. Ich habe, über die Familie meinen Grossvaters, etliche Geschichten um diesen mysteriösen Ort mitbekommen selbst wagte ich indes nie den Blick hinein.

Inzwischen  jedoch waren knappe 45 Jahre übers Land gezogen und sowohl ich wie auch meine Freunde sahen in diesem Werk eine würdige Herausforderung. Dem Konzept des Wissens schaffen beschlossen wir, in kleiner Gruppe, das Stollensystem auszumessen um daraus ein, auf Fakten basierender, Plan zu bauen.

Erstmals jedoch dem Blick hinein,

Raja Lustrina

Wie so oft in verlassen Hohlräumen gibt’s auch in der Raja Lustrina reichlich Müll. Wenige Meter ab Tag gabelt sich der geschrämte Stollen in 2 Hauptrichtungen. Die kurze Südstrecke gabelt weiter 3malig ehe ein Tageinbruch folgt.

Raja Lustrina

Tageinbruch eines ehemaligen Stollenfensters.

Etliche Zweigstollen münden nahe Tag im Versturz. Die Bestimmung des Stollens wird schon bei dieser kurzen, rund 30 Meter langen, Befahrung klar. Bei dieser Anlage handelt es sich ohne Zweifel um ein Verteidigungs- und Überwachungswerk, durchaus denkbar aus Maurischer Zeit. All die kleinen Stollenarme führten einst, an kleine Fenster im Felsen. Wahrscheinlich stand dies Bauwerk in Zusammenhang mit einer möglichen Mauer übers Tal der Rambla Tavernas. Der 3 Meterschlitz könnte an ein Turm angefügt worden sein. Die Stollen sind indes leider wenige Meter ab Tag kaum 1.50 hoch.

Der Gegenzweig in Nordrichtung ist bei weitem der Längere und auch der durchwegs Interessantere.

Raja Lustrina

Der Stollen ist ins weiche Sandstein / Nagelfluhmaterial geschlagen. Es liegt viel Sand, welcher vom Stollendach herunter rieselt, am Boden. Fakt ist, das Stollenprofil dürfte, in Originalform, grosszügiger aber nicht merklich Grösser gebaut worden sein.

Raja Lustrina

Der Boden liegt deutlich unter dem Sand. Ab rund 100 Meter bergwärts sind auffällige Seitenmauern erkennbar diese jedoch grösstenteils unter dem Sand. An einer tiefgelegenen Stelle versuchte ein neugieriger Vorgänger mittels Schaufel den Felsboden zu erreichen. Klar wird das rund 1.20 Meter Sand den Felsboden bedecken. Für uns heissts nach wie vor, gebückte Haltung während Erkundung und Vermessung.

Raja Lustrina

Die Schaufel ist nicht weit in einer ausgebauten Strecke. Diese Stammt definitiv aus dem Industriefundus des 21. Jahrhunderts.

Raja Lustrina

Der Ausgebaute Teil, nun etwa 200 Meter Bergseitig, birgt einige Mysterien. Die oberen Mauerbauten sind eindeutig nicht Maurischen Ursprungs. Die Abstützung reicht an die aktuelle Stollendecke. Der Sand am Boden indes besagt dass einst die Stollendecke einiges tiefer lang. Das Stollensystem muss zu einem späteren Zeitraum wiedergenutzt worden sein. Weitere Hinweise indes sind keine auffindbar.

Raja Lustrina

Gegen Ende des Stollens kommen erste Wurzeln zum Vorschein. Es wird klar, wir sind nahe bei Tag. Der Stollen endet bei ca 270 Metern im Versturz dies, ohne Zweifel, sehr nahe Tag.

Raja Lustrina

Anhand der zeichnerischen Umsetzung, ursprünglich im Topodroid-Format, konnten wir recht genau den nördlichen Ausgang ausmachen.  Auch erscheinen fast alle Abzweiger, als Erschliessungsstollen der Verteidigungsfenster, durchwegs plausibel.

Raja Lustrina

Die Zone des Nordausgangs mussten wir, klar, auch genauer untersuchen. Die Stelle, links an den Felsen, könnte recht genau hinkommen. Die Bereiche ums Mundloch indes sind heute als Landwirtsschaftsfläche aufgeschüttet. Der Ort am Stollenmund sieht, gemäss Historischer Karte (ca 1940) entschieden differenter aus.

Klar ist:
Die befahrbaren Stollen „Raja Lustrina“ sind total ca. 370 Meter lang.

Die meisten Abzweiger sind nahe Tag verstürzt.

Die Anlage ist ein Verteidigungs- und Überwachungswerk, wahrscheinlich aus Maurischer Zeit. Der Zweck war die Überwachung des Verkehrs an der Rambla Tabernas, Nord-Süd-Verbindung. Es wird, am nahegelegenen Historischen Wanderweg, auf einer Hinweistafel, von einer Mauer berichtet die das Rambla Tavernas Tal sperrte. Spuren sind heute keine mehr sichtbar und auch meine Kartografie, bis ca 1830 zurück, weiss nichts derartiges zu berichten.

Geolokation Raja Lustrina offener Stollenmund

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