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Saint-Sulpices Zementer und weitere Pilze

Das Val de Travers hat viel zu bieten und wer Hochentzündliches sucht wird sowohl beim Absinth wie auch beim Bitumen fündig, Zweiteres, zugegeben, doch nicht besonders Hochentzündlich, findest die neugierige Bergbauforscherin tief im Boden.

Doch  die Tage sind gezählt an denen, über Privatgeländer, ins Tief des Val de Travers eingefahren werden kann. Der 24. Dezember ist ideal zu solch Unternehmung und so war den dieser 24ste auch wieder ein Bergbautrip der eher grösseren Art realisiert.

Diesmal wars ein kleines Seiteneck des Val de Travers wo sich Stollensymbole auf dem Geologischen Atlas laut und deutlich artikulierten.

Das kleine Örtchen heisst Saint-Sulpice und solle zwischen 1879 und 1945 ein grosses Zementwerk beherbergt haben. Dieses Zementwerk nutze ein grosses Untertagekalkbergwerk zur Produktion.

Das Mundloch ist bereits auf dem Luftbild als effizient eingezäuntes Gebiet erkennbar, also nix wie hin.

Tatsächlich steht ein mühsamer Zaun und immer wieder Stacheldraht im Wege doch der Einstieg erforderte keinerlei Gewaltanwendung, etwas Baucheinziehen reichte und die Hürden waren überwunden.

Eingangs grosser Strecke steht einer Gedenkstätte unter drohender Warntafel die uns wieder die Gefahren des Alt-Bergbaus vor Augen führt.

Mine Saint-Sulpice

Ohne Zweifel wird hier, anhand des Textes ableitbar, an eine verstorbene Person erinnert. Die aufgestellten Artefakte könnten zu einem jungen Menschen mit Affinitäten fürs Fantasythema passen. Das gar diese Person im Bergwerk tödlich verunfallte scheint auch durchwegs plausibel.

Rund einen Meter des Gedenkplatzes entfernt warnt eine Tafel, in sehr grossen Lettern, vor, Steinschlag, Sauerstoffmangel und Orientierungsverlust. Alle drei Gefahren können eindeutig zutreffen wovon die gemessene Luft bei unserer Befahrung überall sichere Werte anzeigte. Indessen ist das Bergwerk von sehr grosser Liga und das Stollensystem, insbesondere in den alten Abbauten, äusserst unübersichtlich und Steinschlaggefährlich.

Der Betonierte Hauptstollen zieht sich einige 100 Meter in die Länge bis endlich zerklüftetes Bergbaufeeling aufkommt. Zwar gibt’s ziemlich anfangs der Hauptstrecke ein alter Abbau mit Stollenbahnschienenresten doch dieser Abbau war schnell erkundet und an Stelle wo es potentiell intersannt wurde, gnadenlos verstürzt.

Im zerklüfteten Stollensteil begegnet uns ein gut gebauter Bewohner. Ein Fuchs, ein sehr grosses Exemplar, scheint deutlich mehr Furcht zu haben als meine eher scheue Person. Ich versuch noch dies prächtige Tier abzulichten doch ohne Erfolg er weiss sich gut zu verbergen. Letztlich flüchtet der Fuchs ins Berginnere.

Mine Saint-Sulpice

Nach deutlichen Metern kreuzt unser Weg ein, in einer Wand eingebautes, Gebläse. Fest steht, wir beschritten eine zuletzt als Wetterstollen genutzte Strecke. Im Innern öffnet sich eine komplett neue Welt.

Zurückgelassene Landmaschinen, Kunststoffharasse und Spritzbetonauskleidung wir, mein Begleiter Matti und ich, befanden uns offensichtlich einer ehemaligen Champignon-Zucht.

Mine Saint-Sulpice

Traktore, stehen zwei in den Stollen und auch sonstwie Landwirtschaftsgerätschaften stehen einige rum.

Mine Saint-Sulpice

Teilweise hängen noch alte Leuchtstofflampen an Drähten. Die Stollen sind in diesem Sektor grösstenteils mit Spritzbeton ausgekleidet und oft ragen noch die Zuchttischstützen aus den Stollenwänden. Der Champignon-Sektor erstreckt sich über einige Kilometer.

Mine Saint-Sulpice

In tiefen Sohlen war Wasser ein, so wies aussieht, oft ärgerliches Problem. Einige Pumpen rosten vor sich her und ins Tief steht noch eine improvisierte Brücke. Das System verfügt über eine zweite Sohle die kaum bemerkbar unter die obere Sohle rutscht.

Mine Saint-Sulpice

Am Ende eines  dieser Stollen öffnet ein Schacht welcher wieder ins obere Stockwerk führt und mein Orientierungsdefizit wieder korrigiert.

Mine Saint-Sulpice

Kleine Abbau-Gesenke erinnern wieder an den Ursprung dieser Untertageanlage, namentlich des Abbaus von Kalk fürs damalige Zementwerk.

Wieder auf einer Pneu-Hauptstrecke, diesmal auf der Parallelstrecke Richtung Tag, sind auch wieder lange ausbetonierte Tunnelabschnitte durch den Berg getrieben. Geglaubt nahe Tag, wir wissens nicht so genau, erreichen wir ein unüberwindbares Versturzhindernis welches somit das Zweitmundloch weiterhin verbirgt.

Mine Saint-Sulpice

Kurz davor ein Wasserreservoir mit kleiner Öffnung obendurch. Eine Öffnung die spannende  Einblicke in den Kalkbergbau der ersten Stunde gewährte.

Mine Saint-Sulpice

Riesige Hallen, unterbrochen von meterhohen Versturzkegeln, prägen in dieser Zone Altbergbau das Bild. Klar ist nun, die betonierten Stollenabschnitte sind Teils in alte Stollen gepasst. Zeitweilig ist der Spaziergang auf der betonierten Stollendecke problemlos möglich.

Mine Saint-Sulpice

Ein heimtückisches Wirrwarr an Seitenstrecken macht jede Orientierung zunichte. Die Kunst des Auffindens der kleinen Öffnung ins neuere Pneufahrzeug-System war somit eher zufällig.

Mine Saint-Sulpice

In den hinteren Zonen liegt viel Wasser auch schmecken wir auf einigen Versturzhaufen den penetranten Duft ausgelaufenen Diesels. Die Zone ist, darin besteht kein Zweifel, a) sehr alt b) äusserst selten besucht.

Ich war überaus erfreut als wir den Durchschlupf ins neuere Werk, übers Wasserbecken, wieder fanden.

Mine Saint-Sulpice

Eine rudimentäre Handzeichnung aus dem Kopf heraus solle Helfen dies wirre Bergwerk zu begreifen.

Mine Saint-Sulpice

Hier nochmal das Ganze als Luftbild. Ich hab nichts ausgemessen, zwar haben wir irgendwo nen Messpunkt 1.0, welcher ein Indix fürs Pokettopo der HöFos ist, gefunden doch ein Plan kenn ich keinen. Einzig zwei Markierungen an der Wand die ein Hinweis aufs oberhalb liegende CFF-Trasse beinhalteten, eine Doline und die zwei Mundlochpositionen, wovon eines offen ist, halfen zum Bauen der QGIS-Zeichnung.

Der eigentliche Altbergbau, in zwei Bereiche unterteilt, West und Ost, liegt nahe Tag im Süden, die neueren Pneufahrzeugbau-Stollen, die zuletzt als Champignon-Zucht dienten, sind tief im Berg nördlich zu finden.  Mundlöcher vermute ich 2 wovon das östliche offen ist. Die Weststrecke ist ziemlich bald eingestürzt. Die Stollenlängen sind äusserst zurückhaltend gezeichnet. Wir waren 5 Stunden unter Tage und dies fast immer in Bewegung.

Mine Saint-Sulpice

Am Mundloch West, wo die Gedenkstätte steht, liegt ein vergittertes Nebenmundloch welches, ich vermute, einst ein Förderbandzugang ins Zementwerk war. Später wurde dieser Transportgang als Wetterstrecke für die Pilzzucht verwendet.

Mine Saint-Sulpice

Die Doline welche, da bin ich mir ziemlich sicher, dank des Ostabbaus entstanden ist, beherbergt eine Reihe interessanter Artefakte altertümlicher Konsumgüter. So liegt ein halbes Auto, geschätzte Modeepoche um 1950, und auch die Fässer sind eher älterem Baujahrs.

Trotz des Val de Travers ist uns nicht ein bisschen Bitumen begegnet. In den Stollen soviel stett fest war einzig Kalk und Champignons gefördert worden.

Zwischen 1879  und 1945 förderte das Zementwerk Portland St. Sulpice Kalk in verschiedenen Gruben.  

Nach Aufgabe des Zementwerks 1945 folge die Champignonzucht zuletzt von „Champignons Ducommun St-Sulpice SA“ betrieben.

2002 meldete die genannte Gesellschaft Konkurs welcher im 2004 abschloss. Der Einsturz des Mundlochs dürfte kurz nach Konkursabschluss erfolgt sein.

Im noch fahrbaren Hauptstollen haben wir Pferdespuren gefunden. Es bleibt indes ein Rätsel was die Pferde im Stollen sollten. Sicher ist, Traktore und sonstige Grössere Gerätschaften bleiben im Berg, durch den noch offenen Stollen sind die Teile nicht transportierbar.

Die Aussenanlagen, das Aussenareal ist Privat und dient Teils aus Weidewiese teils, ich vermute, als illegaler Entsorgungshof. Es stehen einige zerstückelte Autos rum auch steht, nahe den alten Lagerhallen, ein mächtiger, selbstgebastelter Müllverbrennungsofen.

Vorgeschichte Val de Travers vom 25.12.2016 Heimische Erdöle

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