Der verzweifelte Versuch des Menschen die klare Definition seiner selbst zu finden. Ein Trip der starren Dogmen auf dem geglaubten Weg zu sich selbst. Sie sind es, jene Genderreisende die von A nach B wandern und die Existenz von C gänzlich verleugnen.
Es mag mich als Transsexuellen-Forenbetreiberin immer wieder erstaunen wie viel Starre in der Identitätendefinition erwartet wird. Meterweise wird der Frage nachgejagt um, „ich Frau bin“, „immer Frau war“, „immer im falschen Körper war“ oder was auch immer. Sendungen wie jene neulich Abend im Schweizer Fernseher genannt Club heizen die erbitterten Definitionskämpfe in all den Foren weiter an.
Absurd das manch zementierte Rollendogmen erneut, durch Menschen die eine mögliche, Geschlechtsangleichung durchmachten (oh welch umstrittener Begriff), nachzementiert werden. Wir sind uns dessen uneins was Fortschritt zu bedeuten hat und es scheint mir als würden althergebrachte Rollenmuster, was ist eine Frau, was ist ein Mann, hervorgezaubert werden nur um die Eigenidentität zu finden.
Es behaupten viele die solch eine wundervolle Transsexuelle, Transidentische oder wie auch immer Metamorphose durchmachen dass sie entweder schon immer Frauen waren oder im Falle der Frau zu Mann-Wandlung (auch wieder solch ein streitbarer Begriff) schon immer Männer waren. Ich bin schon ganz wirr ab all den Transda, Transdort-Begriffen und überhaupt wie darf ich nun in denn Medien auftreten und was darf ich sein, eine schon immer gewesene Frau die irgendwie nicht immer so wie eine aussah?
Fragen über Fragen und nochmals Fragen, und der Mensch ist immer noch bedacht, genaue Grenzen zu erkennen, das ist eine Frau und das ist ein Mann, Punkt.
Wer bin ich?
Wer weiss dies schon so genau.
Prozesse, Entwicklung, Geschichte formten mich.
Ich freue mich dass mein Name im Pass sich als Luisa Maria wieder findet. Auch freue ich mich über die Definition Weiblich denn ich fühl mich eindeutig weiblicher. Doch viel bleibt meiner Individualität überlassen die viel komplexer ist als nur die zwei starren Gefässe. Und so ist Luisa auch ein wunderschöner Name. Als ich vor vielen Jahren über die Domain Luisa.ch stritt war damals vor vielen Jahren meine Argumentation das jeder Mann ein Anrecht auf ein Frauenname hätte. Heute bin ich per Gesetz kein Mann mehr und ich sehe auch nicht wie einer aus. Statt der Luisa.ch nenn ich die Luisa.net mein eigen. Trotzdem bleibt mein Plädoyer für die Diversität der Geschlechter was die Diversität der Individuen ausmacht.
Eine gesellschaftliche Uniformierung kommt einem kulturellen Stillstand gleich. Wichtig mir, das Erkennen des Menschen in seiner Komplexität und nicht die Reduzierung auf Geschlechter was zumeist mit starren Rollenmuster einhergeht.
Relevantes
Ein Film der bewegte, der mich bewegte über Coco, ein Individium
Traum: Frau
Fast schon erschlagende Erklärungsversuche trotzdem durchaus
a)Interessant
b) sehr gehaltvoll.
diana.tgirl.ch
Liebe Luisa
Ich sag Dir ja nichts Neues, ich habe mich in letzter Zeit teils grausig aufgeregt über öffentliche Auftritte, die meines Erachtens kontraproduktiv waren. Dabei will ich nicht pingelig sein, ich habe selbst oft genug etwas geschrieben, was ich anschliessend für unklug hielt. Es geht selbstverständlich nicht um das Verhindern von Individualität oder um einen Maulkorb, ich bin die Letzte, die jemandem die Freiheit beschneidet oder festlegt, wie transsexuelle Menschen zu sein haben.
Wie Du weisst, habe ich mich jahrelang mit aktivem Umweltschutz beschäftigt und dabei gelernt, wie gefährlich falsche Formulierungen sein können. Worte sind eben mehr als Buchstaben, sie portieren Bilder. Gerade wir werden von einem Grossteil der Gesellschaft missverstanden, man hält uns für beknackte Jungs, die mal schnell n’Mädel werden wollen. Gerade deshalb ist es mir wichtig, dass man da kein Öl ins Feuer leert mit Sätzen im Stil von „ich WILL eine Frau sein“. Oder wenn jemand sagt, Transsexualität sei keine Krankheit – was ich absolut gelten lasse – dann wäre es angebracht, das soweit zu erkären, dass nicht jeder Zuschauer jubiliert, dass in dem Fall ja kein Anspruch auf Krankenkassenleistung besteht.
Wir alle – ob transsexuell oder nicht – sind Individuen und das ist gut so. Aber wer eine gesellschaftliche Stigmatisierung wie ein Messer am Hals spürt, sollte sich der Verantwortung bewusst sein und bei „Grossauftritten“ überlegen, wie man das, was man sagen möchte, auch rüber bringen kann, ohne alles noch schlimmer zu machen.
In letzter Zeit haben Medien ja einen richtigen Narren an uns gefressen, eine TV-Show jagt die Andere. Für uns kann das eine Chance sein, die sollten wir nutzen. Aber das bedarf einer Strategie, es braucht Erklärungen, die auch verstanden werden.
Liebe Diana
Ich freue mich immer von Dir zu lesen. So auch diesmal wo doch manch Aussage durchaus den von Dir gewohnten Scharfsinn innehat. Die Frage wie wir uns in den Medien präsentieren wollen ist hier genau der Knackpunkt. Es scheint mir als würde sich hierbei die Gemeinschaft betroffener Menschen in zwei erbitterte Lager teilen. Die Einten scheinen versucht zu sein den gesellschaftlichem Idealbild mit deren konservativen Rollenglisches möglichst getreu zu entsprechen, was in meinen Augen absurd erscheint. Während sich das Gegenlager in die Queersubkultur mir all ihrem Ideologischem Geplapper zurückzieht, meiner Meinung nach auch nur absurd.
Ich plädiere für das Aussergewöhnliche in uns. Ein Aussergewöhnlich welches sich schlicht durch unsere aussergewöhnliche Geschichte ergibt und ein Aussergewöhnlich welches wir nicht und nimmer sinnvoll verbergen können. Ein Aussergewöhnlich was auch in Medienauftritten durchaus Platz haben sollte. Und hier glaube ich das al die Definitionshaarspalterei eher destruktiv sich auswirkt sowohl auf unser Bild nach aussen wie auch im innern bei der Suche unserer Identität. Wir sind sehr spezielle Menschen mit teils übernatürlichen Kräften obschon wir als Frauen respektive, der Umkehr FzuM, als Männer wahrgenommen werden möchten. Ich sehe hier keinerlei Widerspruch und finde dass eine eher differenzierte Darstellung unserer selbst durchaus angebracht wäre dies auch zugunsten einer vielleicht irgendwann weiter denkend befähigten Gesellschaft.
Liebi Grüessli
Luisa
Liebe Luisa
Mir geht es da wie Dir, wieviele tiefgründige Gespräche haben wir doch schon geführt, es ist jedes Mal eine Bereicherung. An der Stelle: ich würde Euch gern mal wieder besuchen, für eine frohe und philosophische Plauderei 🙂
Diese Thematik hat für mich zwei Ebenen. Ich stehe zu meiner Transsexualität, lege diese auch offen und bin der Ansicht, dass meine Wesensart einfach eine Andersartigkeit ist, die ich nicht missen möchte, trotz aller Strapazen, die ich erleben und überleben musste. Mit meiner offenen Art kann ich in persönlichen Gesprächen immer wieder ein überraschend hohes Mass an Verständnis ernten, das ist m.E. die beste Form von Öffentlichkeitsarbeit.
Bei den „Grossmedien“ wird die Sache schwieriger, weil man weder die Zeit noch die Nähe hat, um sich wahrhaftig einzubringen. Gerade in der breiten Öffentlichkeit herrschen immer noch viele Vorurteile, egal ob man uns für „pervers“ oder „gestört“ hält, es wird uns nicht gerecht. Ich halte es für enorm wichtig, dass das Bild von uns korrigiert wird, dahingehend, dass wir normale Menschen sind, die einfach etwas anders sind.
Aber Transsexualität ist ein Phänomen, das man nicht nachvollziehen kann, es sei denn, man wäre betroffen. Es ist für die Meisten völlig unvorstellbar, dass das „Hirngeschlecht“ nicht dem „Genitalgeschlecht“ entspricht, weil für die Meisten nur ein Geschlecht existiert. Dies verständlich zu machen, ist eine enorme Herausforderung.
Für viele sind transsexuelle Frauen einfach Männer, die halt lieber eine Frau wären. Mag sein, dass es so etwas gibt, aber bei mir hat das eine ganz andere Tiefe und Ernsthaftigkeit. Man wird uns nicht gerecht, wenn man den Eindruck erweckt, es sei einfach ein Wunsch, der dann auch noch von der Krankenkasse finanziert werden soll. Für mich ist meine Weiblilchkeit kein Wunsch sondern eine tiefsitzende Überzeugung. Ich will nicht Frau sein sondern bin es, ich will einzig das nicht zu meinem Wesen passende Äussere soweit wie möglich an mein Selbst angleichen. Das ist ein völlig anderes Selbstverständnis als das was uns Medien präsentieren und ich bin überzeugt, dass wir von der Gesellschaft viel mehr Respekt ernten würden, wenn dieses Verständnis sich durchsetzen würde. Und genau da sind wir gefragt.
Und dann gibt es noch eine weitere Komponente. Ob man Transsexualität als Krankheit, endokrinologische Fehlentwicklung oder einfach als Normvariante betrachtet, muss jeder für sich entscheiden. Aber wenn wir den Krankheitsstatus von uns weisen, weil wir mit Recht die Psychopathologisierung aushebeln möchten, ohne dass wir eine „korrekte Diagnose“ haben, dann landen wir krankenkassentechnisch im Niemandsland und werden einen schwierigen Stand haben, wenn wir resp. die, die nach uns kommen, medizinische Leistungen bezahlt haben wollen.
Das ist einer der Hauptgründe, weshalb mir die neuen wissenschaftlichen Ergebnisse um biologische Ursachen so wichtig sind…… und nicht zuletzt weil damit die Psychopathologisierung aufgehoben wird.
So sehr ich auch Verständnis habe, dass einzelne Betroffene sich so radikal von allen Transgender Varianten abgrenzen, für mich bedeutet Transgender oder LGBT vorallem eine Koalition von Menschen, die gegen Diskriminierungen ankämpfen. Mir persönlich ist es wichtig, dass man mich z.B. nicht für einen Transvestiten hält, nicht weil ich etwas gegen TVs hätte, ganz im Gegenteil, ich habe da tolle Menschen kennen gelernt, mir ist die Abgrenzung wichtig, weil das Eine mit dem Anderen nur wenig zu tun hat. Trotzdem halte ich es für sinnvoll, dass wir am gleichen Strang ziehen.
Liebi Grüess
Diana
Liebe Diana
Glaube, wir sind uns wahrscheinlich in weiten Teilen ziemlich einig. Auch ich bin mir durchaus bewusst dass der Umgang mit den Medien ein gezielteres Vorgehen von uns verlangt. Es ist kein Geheimnis das bis anhin unsererseits Einiges an irgendwelchen Medienauftritten verbockt hat. In der Tat, auch mich bewegt oft die Frage, „wie viel Avantgarde verträgt die breite Gesellschaft“. Eine Frage die nicht eindeutig beantwortet werden kann. Einzig müssten wir hier wahrscheinlich punktuell die verschiedenen Sendungen gezielt kritisch hinterfragen und diese auch individuell beurteilen.
Wichtig indes ich bin auch eine Person die Geschlechterstereotypen hinterfragt und hier dank meiner Konditionierung, ehemals Mann, durchaus aus dem vollen Schöpfen kann. Ich möchte eine gerechtere Betrachtungsweise die Frauen gleiche Kompetenz in allen Lebensbereichen einräumt wie den Männern. Als Mensch mit zweierlei Konditionierungen sehe ich hier eine grosse Chance und auch eine gewisse Verantwortung. Die Frage wie viel, nach gesellschaftlichem Idealbild, wir Frau darstellen möchten ist zweifelsohne heikel und ich gebe offen zu das auch ich kaum über das Idealmass hier zu berichten weiss. Wahrscheinlich müssen auch wir eine gewisse Sensibilisierung gegenüber den Medien entwickeln. Hinzu komme eine notwendige Differenzierung der verschiedensten medialen Gefässe. Faktisch kann eine Clubsendung im SF1 nicht mit Papageispielen im Telezüri verglichen werden.
Die Krankenkassen wiederum müssen, meiner Meinung nach, in einen globaleren Zusammenhag betrachtet werden. Krankenkassen dienen allererst der Volksgesundheit. Menschen die versuchen sich optisch dem Gegengeschlecht anzunähern erleben ein Leiden a) solange diese Annährung von einer dual denkenden Gesellschaft nur als Annäherung erkannt wird b) solange dieser Annäherungsversuch von der betroffenen Person als nicht wirklich stimmig empfunden wird. Die Medizin kann da Abhilfe schaffen also ist die Medizin gefragt.
Es erscheint mir Logisch das hier die Krankenkassen in die Pflicht genommen werden müssen. Transpersonen, was dies auch immer sein mag, sind auch in vielen sozial minder entwickelten Ländern bekannt. Indes in diesen Ländern mit massiven Problemen welche allerletzt sich auch auf die breite Volksgesundheit niederschlagen.
Andersrum, auch in Entwicklungsländer gibt es Menschen die sich dem Gegengeschlecht annähern möchten, dies nicht irgendwie aus einer Laune hinaus sondern weil tief eine starke Kraft funktioniert welche bereit ist unter allen Umständen diese Annäherung zu erreichen. Arme Menschen weichen zumeist in die Prostitution aus, um diese Annäherung zu versuchen, mit kommend weiteren Problemen für sich und andere.
So haben einige Länder mit grossen sozialen Diskrepanzen richtig erkannt dass den Krankenkassen, sofern welche bestehen, eindeutig eine Zahlungspflicht zukommt. Das hierzulande einige SVP- Pappnasen diese Zahlungspflicht verleugnen, dünkt mich, hat mehr mit Ignoranz und fehlendem Realitätssinn zu tun als den mit unserem vielleicht eher unvorteilhaftem Verhalten in den Medien. Es gibt’s leider immer noch Spezies Mensch welcher Intellektuell im tiefsten Mittelalter lebt und die Meinung vertritt das alles mit Repression weggezaubert werden kann.
Volksgesundheit hat ergo eindeutig auch einen Einfluss auf den sozialen Frieden was letztlich die Stabilität des Gefüges Gesellschaft ausmacht.
Faktum ist Krankenkassen sollten der Volksgesundheit dienlich sein. So nebenbei, eine Verstaatlichung der Krankenkassen erscheint mir in diesem Zusammenhang eine durchaus legitime Forderung. Wir selber indes sind keineswegs Krank, indes durchleben wir ein Leiden im Versuch uns dem Gegengeschlecht anzugleichen welches durchaus weitergefasst auch andere nicht betroffene Gesellschaftsteile betreffen könnte, kleines Beispiel, die Verbreitung von Aids durch transsexuellen Prostituierten in Entwicklungsländern. Die Medizin hat Möglichkeiten diesen Leidensdruck, dank Hormontherapien, chirurgischen Eingriffen und anderen Möglichkeiten, praktisch auf Null zu minimieren, völlig klar das hier eine Zahlungspflicht der Krankenkassen besteht und dies ohne uns den Stempel, Krank aufdrücken zu müssen. Einig indes sind wir uns, der Leidensdruck kann auf dem Weg zu dieser erhofften Gegengeschlechtsannäherung immens sein.
Rein Ökonomisch, aus der Sicht der Krankenkassen betrachtet, ergibt sich die absolut banale Gleichung wonach eine Geschlechtsoptimierung, ich wills mal so nennen, durchaus weniger Kosten verursacht als eine Person die ein Leben lang mit massivsten Schwierigkeiten kämpft, womöglich in eine Schattenwelt, Subkultur, abtaucht und letztlich somit die viel höheren Kosten produziert.
Oder hier aus meinem Nähkästchen plaudernd, ich glaube, die Krankenkasse ist in meinem Falle mit der Bezahlung durchaus kostspieliger Behandlungen billiger gefahren obschon sie anfänglich etwas mit den Muskeln, respektive mit den Anwälten, zu spielen versuchten.
Und ein Essen, machen wir.
Liebi Grüessli
Luisa