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Buffalora, Hunde und sonstig Hochtechnologisches

Noch lange sind nicht alle Geheimnisse um dies umfangreiche Eisenbergwerk gelüftet und immer wieder kommen spannende Neuentdeckungen dazu. Für mich, wenn doch äusserst Sportlich, eine überaus spannende Industriegeschichtsepoche aus Spätmittelalter.

Buffalora

Die Landschaft war, wie jedes mal, überwältigend und obschon dieser Ausflug der Materialintensiven Erkundung des Ostschachtes galt, gabs doch noch hin und wieder die Möglichkeit um das einte oder andere Relikt genauer unter die Lupe zu nehmen.

Buffalora

Der Weg in die Ostzone der oberen Sohlen führt durch enge, ausgebaute Abbauten.

Buffalora

Bis in die nächsthöher gelegene Grundstrecke „Sonch Rafael I“. Diese, wie auch alle anderen Grundstrecken, ist in Tagrichtung verstürzt. Auch Tagseitig an den grossen Halden ist kaum noch die Spur eines Stollens ausmachbar. Die zu erforschende Schachtanlage liegt auf der Sohle „Sonch Rafael I“ und verbindet vermutlich die nächsthöher gelegene Grundstrecke. Leider jedoch liegt der Schacht an sehr schwer zugänglicher Stelle, etliche Einstürze müssen überklettert werden, was den Materialtransport massiv erschwerte.

Buffalora

Der Schacht selbst konnten wir leider auch nicht bis an deren Ende auskundschaften. Die Wände sind zu schwach um Anker zu setzen. Ein Heraufschlossern funktionierte, wie ich schmerzlich erfahren durfte, nicht. So ist heute einzig die kurze Zwischensohle bekannt die wir mittels Ausziehleiter noch erreichen konnten.  Dass dieser Schacht weiterführt in eine neue Abbauzone ist heute klar doch die Erschliessung der oberen Zone ist nur mit Leiter und Einbau einer Zwischenbühne möglich. So wissen wir was uns bühnt, nochmals den beschwerlichen Weg mit 12 x 8 er Kantholz und Gerüstbrettern zurücklegen.

Trotz aller Spitzensportleistung bliebt etwas Zeit um verbleibende Artefakte genauer zu untersuchen und deren Gesamtzusammenhang aufzuschlüsseln.

Das Bergwerk welches um 1590 die Tore schloss, fuhr einen oder mehrere, immer wieder auskeilende, Eisen-Erzgänge an. Es gibt zum eindeutigen Hauptgang welcher sich über mehrere Grundstrecken hinweg zieht, kleinere Erzgänge die mittels Parallelsystemen erschlossen waren.

Die Variation an verschiedenen Abbau- und vor allem Transporttechniken lässt auf einen, für damalige Verhältnisse, sehr fortschrittlichen Bergbaubetrieb schliessen. Die Handwerkstechniken Zeugen von umfangreichem Wissen im Untertagebau. In einem westlichen Parallelerzgang findet sich ein kleines Minibergwerk im Bergwerk mit eigenständiger Transportinfrastruktur und kleinen, kurzen Grundstrecken.

Buffalora

Eine dieser kleinen Grundstrecken die nachweislich keine direkte Verbindung ans Hauptbergwerk hat, ist mit Rundholzschienen ausgestattet was zu damaliger Zeit eher unüblich war. Die Rundholzschienen sind entsprechend der Stollenkrümmung gebogen und im exakten Abstand auf Schwellen montiert. Die Rundschienen führten nachweisslich an einen Abwurfschacht welcher an eine zweite kurze Strecke anschloss, diese noch teilweise mit Mitteldornschienen ausgestattet.

Grubenhunde, weder für die Rundschienen noch für die Mitteldornbretter, sind uns bis anhin keine begegnet doch zum Glück gibts vergleichbare ausgestellte Funde in namhaften Technikmuseen.

Grubenhund

Dieser Hund, Bild Hans Peter, steht irgendwo in nem Deutschen Technikmuseum und stammt aus der Zeit um 1500. Interessant ist die seitliche Öffnungsmöglichkeit die in Buffalora, wahrscheinlich an beiden Hundtypen, eingesetzt wurde.

Georgius Agricola im "De re metallica libri XII" um 1556 beschriebene Deutsche Spurnagelhunt

Der von Georgius Agricola im „De re metallica libri XII“ um 1556 beschriebene Deutsche Spurnagelhunt dürfte folglich in Buffalora auch in etwas abgeänderter Form im Einsatz gestanden sein.

Anhand bis anhin gefundener Holzbauten, insbesondere Schienen und Haspelaufzugs-Holmen, ist davon auszugehen dass die Gerätschaften in Buffalora alle samt kleiner und filigraner gearbeitet waren. Der Spurnagelhunt könnte, im Gegensatz zu Agricolas Fassung, auch über eine seitliche Öffnungsmöglichkeit verfügt haben. Auch die Räder, ist anzunehmen, waren gleich gross und mittig verteilt.  Agricolas Hunt dient als Vorderkipper, in Buffalora indes war viel so ausgelegt das Erz und Abraumtransport über seitlich angelegte Abwürfe erfolgte.

Ein starker Einfluss der aus Italien kommenden Renaissance-Bewegung kann in den Grubenbauten vermutet werden. Holzgeräte sind von hoher handwerklicher Qualität und die Gesamtstruktur der Untertageanlagen lässt ein durchwegs Systematisches Arbeiten erahnen.

Grubenplan Buffalora

Plan in Gross als PDF gibts auf Gruben 22.7.2019

Auf meiner, aus dem Gedächtnis heraus aktualisierten, Grubenskizze kristallisieren sich zunehmend 3 Hauptabwürfe um den Erz- Abraumtransport unterirdisch, mittels Schwerkraft, bis in die unterste Grundstrecke zu befördern. Noch ist nicht eindeutig erwiesen welches die tiefste Grundstrecke ist, die noch Anschluss an die Abwurfanlagen hat. Mögliche Kandidaten für die Hauptförderstrecke könnten sein „Sonch Michael I“ auf 2383 müm oder eine tiefer auf 2365 müm. Leider ist dieser tiefere Bergwerksteil stark verbrochen so das ein genaues Erkunden schier unmöglich erscheint. Gesichert jedoch ist, die Bergknappen waren durchwegs Tagesscheu, Abwurfschächte  führen, versetzt über etliche Grundsohlen hindurch, bis an die untersten Sohlen. Die Transportinfrastruktur erinnern an moderne 1970er Bergwerke mit Wechselspiel aus Abwurfschächten und Rollstrecken.

Gesichert ist auch, dies wird kaum meine letzte Geschichte sein zu dieser Anlage.

Die Vorgeschichten gibt’s hier:

Buffalora Ergänzendes
Buffalora Part II
Buffalorageleucht
Der Krucks mit dem Öllichtchen
Buffalora

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