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Gesellschaft von Tiefencastel

Oder die verschollenen Stollen ob Tgant Ladrung.

Wieso Tgant Ladrung weiss kein Mensch. Die drei um 1812 dokumentierten Stollen liegen weit östlich des Flurnamens Tgant Ladrung im Bereich von Plang Pegn trotzdem ist im allgemeinem Volksmund die Rede vom Tgant Ladrunger Stollen. Heute ist dies Bergwerk, mit all deren Mysterien, begehrter Forschungsort gut informierter Stollensucher. Nichts scheint auf diesem Areal selbsterklärend, einleuchtend. An der Halde, bei den verschollenen Stollen 1 und 2, lässt sich Magnetit  beobachten und der heute teiloffene Stollen 3 führt viel Schwefelhaltiges Eisenerz.

Die Epochenvielfalt der gefunden Artefakte wie auch der vorläufig unüberwindbare Versturz war Nahrung für die Neugierde. Für mich Anlass tief in diese Geheimnisse zu blicken.

Und all jene die wieder mal nicht wissen wie ich aussehe, en aktuelles Bild von mir, Typ Selfi, aus Stollen 3.

Luisa im 2020

Ja, die einhellige Meinung unter Verwandten besteht wonach ich, mit zunehmendem Alter, meiner Grossmutter Claudia ähneln täte.

Aber erstmals zurück zur Kerngeschichte.   

Historisch belegt wird von einer Suche nach Gold um 1840 berichtet. Erfolglos sollen die Mannen ob Tieffen-Kasten, heutiges Tiefenkastel, immer wieder auf  täuschende Pyritkristalle  hereingefallen sein.

Die letzen, noch verbleibenden, Spuren des Bergbaus liegen im Wald bei Plang Pegn in Form grosser Halden, diverser Mauerreste und eines Blockhauses welches wahrscheinlich noch bis in die frühen 1940er genutzt wurde.

Gemäss Mineralogische Studie, der Nürnberger, Leonhard und Selb waren um 1812 3 Stollen auffindbar. 

Meine Kartendarstellung gibt den Zustand um 1812 wieder so wie dieser von Leonhard und Selb beschrieben wird.

Heute ist einzig Stollen 3 Teilbefahrbar.  Die Halde der Stollen 1 und 2 ist zu grossen Teilen, in späten Jahren, für den lokalen Strassenbau, abgetragen. Infolge sind, vermutet, durch nachrutschendes Geröll, beide Eingänge verschüttet.

Plang Pegn Stollen 2

Während Stollen 1 kaum auszumachen ist könnte  Stollen 2  unter der Felsnase, hinter entwurzeltem Baum, liegen. Sowohl Magnetiterzgang wie auch stabiler Fels liegen an Vorteilhafter Stelle zu Stollenvortrieb.  Von Herren Leonhard und Selb kennen wir die Masse Länge Stollen 1, 90 Lachter, Länge Stollen 2, 70 Lachter und die Höhendifferenz beider Stollen von 18.5 Lachter. Da beide Nürnberger waren könnte das Bayreuther Lachter wirken welches 2.0354 Metern entspricht. Folglich müssten die Zwei verschollenen Stollen in der Höhe 37.6549 Meter auseinanderklaffen. Die rund 37 Meter erscheinen am Hang der, doch massiv abgebauten, Halde durchaus realistisch.

Weiter berichten die Mineralogen vom Stollen 3 welcher 140 Lachter östlich gelegen, zu finden sei. Stollen 3 gibt’s, nach meiner QGIS-Messung rund 300 Meter Nordöstlich von Stollen 2 fern.

Auf der Fussstrecke zu Stollen 3 werden kurz vor der Haue die Reste eines Blockhauses sichtbar.

Blockhaus Plang Pegn

An den wenigen noch heute vorhandenen Hölzer stecken moderne Industrieproduktionsnägel. Nicht unweit des Hauses liegen noch jede Menge zerfötzelte rote Dachpappen rum.

Gemäss Landeskarte 1962 stand das Blockhaus in jenen Jahren als intaktes Gebäude.  Erst das Savogniner Kartenblatt aus Jahren 1979 markiert an der Blockhausstelle eine Ruine und heute ist der Eintrag gänzlich erloschen.

Und nur wenige Meter nach der Blockhausentdeckung, quer durch Waldgebiete, wird im mitten der Waldlandschaft, die wuchtige Halde sichtbar. In Höhe von geschätzten 12 Metern und einem Halbradius von 5 Metern könnte diese Deponie durchaus 470 Kubikmeter Stollenabraum verbergen.

Unser illustres Expeditions,  respektive Aufwältigungsgrüppchen, nutze die Haldenfläche als temporärer Installationsplatz.

Plang Pegn Stollen 3

Der Stollen selbst ist bis auf 34 Meter fahrbar. Auffällig sind die noch gut erhaltenen Mitteldornholzschienen im grosszügigem Stollenquerschnitt. Oft ist dieser Stollenabschnitt in Massen um die 2 x 1 Meter geschlagen.

Plang Pegn Stollen 3

Da die Laufbretter gut erhalten sind, lohnte eine Messung der Bretter und des Führungsnagels. Die Laufbretter sind zwischen 12 und 18 cm breit und der Führungsnagel bewegt sich im durchgehend 4 cm breitem Schlitz. Trotz der eher kleinen Hunde sind Stollenprofile erkennbar breit.

Plang Pegn Stollen 3

Die vorhandenen Bohrlöcher sind eher kleineren Durchmessers wie wir sie von Pressluftbetriebenen  Bohrhämmern kennen. Zwar lassen sich von Hand auch solch kleine Locher bohren doch diese waren, um die 1800, eher unüblich. Damalige Sprengmittel setzten grössere Bohrungen voraus.

Obwohl der Stollen sehr schwer zu finden ist und den Eingeweihten viel an Geheimhaltung liegt, gibt’s einige aussergewöhnliche Funde die auf spätes Dorfbubentum hindeuten.

Plang Pegn Stollen 3

Ein Feuerchen im Sackgassenstollen ist kein wahrhaft geistreicher Gedanke. Dies verkohlte Holz lässt zumindest den Schluss zu wonach das Mundloch einst deutlich geweitet war. Heute ist der Einstig eng und beschwerlich. Ein Feuerchen hätt, weder heut noch gestern, der Luftqualität merklich verbessert.

Plang Pegn Stollen 3

An einer nahen, glatten Wand liegt das obligate Russgraffiti offen. Leider wars mir nicht möglich dies grosse Dorfbubenartefakt eindeutig zu entschlüsseln.

Ab Meter 29 beginnt eine Einschwemmung die mit zunehmender Tiefe die Weiterbefahrung verhindert. Und ab 34.04 Meter ab Mundloch, gesetztem Messpunkt 13, ist definitiv Schluss mit durchkommen. Schaufelarbeit in engem Raum ist gefragt.

Plang Pegn Stollen 3

Zu dritt, mit eigens gefertigtem Hund, liess sich einige Versturzmasse aus der Strecke in eine Deponie, an einer Stollenweitung, transportieren. Da der Stollen zeitweilig über 2 Meter breite erreichte konnte der Abraum bequem kurz nach Versturz verstaut werden.

Plang Pegn Stollen 3

Mein, für dieses Unterfangen gebaute, Transportgefährt sollte einerseits Engstellen souverän passieren können anderseits  aus dick klebrigem Lehm robuste Ziegel ausspucken. Das erste Kriterium gelang so halbwegs während Kriterium 2 am viel zu schiefrigem Abraummaterial scheiterte.

Plang Pegn Stollen 3

Wenn doch, dank dem Schieferschutt, eine schnelle Bodenabsenkung von bis zu 50 cm gelang.

Plang Pegn Stollen 3

Leider jedoch gelang der Durchstich in die noch unbekannten Stollenmeter nicht. Der Stollenfortlauf muss, gemäss aktuellem Wissensstand, unter Messpunkt 13, roter Punkt an Felskante, in einer noch unbekannten Tiefe, zu finden sein.

Plang Pegn Stollen 3

Die Stollenvermessung, an welcher ich nicht beteiligt war, stammt aus dem Jahre 2018. Da ich zeichnerisch mich diesem Werk annahm und mir das Objekt gänzlich fremd war lang eine genauere Befahrung meinerseits logisch auf der Hand. Und erst nach genauer Betrachtung einiger Unbekannten sollte dieser Plan entstehen.

Heute nun, aus meiner Sicht, gibt’s einige Mysterien um dies Bauwerk. Die Zeitepoche, die Zeitepochen des Stollens sind schwer auszumachen. Ich glaube, dieser Bau war immer wieder Thema verschiedenster Abbauversuche wie auch verschiedenster Neugierden. Das Mysterium ums beschriebe Gold schwirrte in mancher Köpfe. Mineralien-Funde lassen auf die Eisenproduktion schliessen. Trotz bedeutender Anlageausmasse ist nur Weniges überliefert. Namentlich mir bekannt „Mineralogische Studien 1812 Leonhard und Selb“ und „Heimatbuch Tiefencastel“. In zweitem Werk wird die „Gesellschaft von Tiefencastel“ genannt welche 1804 vom Peter Demenga gegründet wird. Die Bergbaugesellschaft wird indes erfolglos ob Plang-pegn nach Erzen graben. Von Goldhoffnung wird berichtet, was jedoch niemand so genau weiss. Es solle gar einst Golderz gefunden worden sein.

Trotz grosser Anstrengung blieb der Ertrag, sowohl für die Gesellschaft wie für die Gemeinde Tiefencastel aus, worauf, in findiger List, sich die Unternehmung in „Gesellschaft von Reichenau“ umbenannte und klangheimlich in die Gemeinde Reichenau übersiedelte.  In den Jahren 1818 erfolgte der endgültige Zusammenbruch der Bergbaugesellschaft womit für lange Zeit wieder Ruhe in den Bergen eintrat. 1902 kam Tiefencastels letzter Pachtvertrag auf Erzschürfung zum Abschluss. Ach dieser Versuch scheiterte ohne nennenswerte Resultate.

Bergwerke Plang Pegn um 1887

Auf der Siegfriedkarte, Erstausgabe 1887, ist der vermutete Erzweg noch erkennbar welcher beide Abbaustellen erschloss. Heute ist dieser breite Weg noch im Wald ausmachbar. Denkbar könnte das Erz, sofern es welches gab, zur Schmelze Flex geführt worden sein, was in Wegrichtung liegen könnte.

Nun ja, die Geschichte ist noch mit einigen Unbekannten behaftet aber ich arbeite an möglicher Klärung.

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