Taspegn

Ein wahrhaft lohnender Einblick in den historischen Bergbau bieten die Buntmetallminen um die Alp Taspegn. Neulich ergab sich eine Gelegenheit dies historische Industrierelikt, ein Bruchteil des gesamten Abbaugebietes, zu erkunden. Die Alp Taspegn, respektive die unteren Installationen  Plan Tischatscha, liegen weit oberhalb Zillis in schwer zugänglicher Berglandschaft. Um die ersten Bergbauanlagen zu erreichen müssen rund 1000 Höhenmetern auf schmalsten Alpstrassen überwunden werden. Kein Wunder dass sich kaum Neugierige in dies unwegsame Gelände verirren. Umso spannender die kaum besuchten Stollen weit fern der Zivilisation. Zwar gibt’s auf der Alp Taspegn ein kleines Besucherbergwerk welches hin und wieder befahren wird doch unser Interesse galt den abseits liegenden, kaum bekannten, Anlagen. Da sich die Stollen auf verschiedene Reviere im  Flächenrechteck von 1 x 2 km verteilen gabs Tagesfüllende Entdeckungen ohne je in die Nähe der Besucherstollen zu erahnen.

Minen Taspegn

Ca. 6 Minengebiete sind bekannt unter Berücksichtigung dass womöglich längst nicht alle Stollen entdeckt wurden. Ich spezifiziere 4 Reviere auf meiner Karte. Das auf der Karte unten mittig markierte Gebiet Oberes Revier Ost kann an geführten Besichtigungen besucht werden. Der Verein Erzminen Hinterrhein bietet jeweils am Mittwochnachmittag Führungen an.

Unser Interesse galt den Anlagen des unteren Reviers, des mittleren Reviers und der Erzwäsche bei Plan Tischatscha.

Crap Ner mittleres Revier

Minen Taspegn

Östlich der Alpstrasse liegt dem Betrachter meine monumentale Steinlandschaft zu Füssen. Erst bei genauerer Betrachtung wird ein tiefer, mit Trockenmauer, ausgebauter Geländeeinschnitt sichtbar. Dies frühere Stollenerschliessungsbauwerk ist gegen das Mundloch hin von massivem Blöcken verstellt. Das eigentliche Mundloch ist leider unter Meterhohen Gesteinsbrocken verschwunden. Es ist aber anzunehmen dass dieser Einschnitt ein grosses Minenfeld und einige Stollen unterfuhr. So war die Sichtung weiterer Bauten oberhalb unverzichtbar.

Minen Taspegn

Weitere Stollen, oft verstellt mit scharfkantigen Gneisblöcken, lassen nicht lange auf sich warten. Die Hauen sind meist Eng und doch mit Sprengmittel-Brachialkraft in harten Gneis geschlagen. Bohrlocher sind einige zu beobachten.

Minen Taspegn St. Anna

Der grösste Stollen liegt unter einer Felskluft. Leonhard Selb nennt diese Grube um 1812, in seinen Mineralogische Studien, St. Anna – Grube mit Gruben – Gletscher. Tatsächlich schlummern noch heute zwei ausfüllende Gletscher in tief getriebenen Schachtbauten. Am einten Schacht liegt eine Fahrte im Eis vergossen. Auch noch erhalten steht der einte Haspelholmen am Bodenholz.

Die Gesellschaft von Tiefenkastel solle, keineswegs als erste, am besagtem Orte bei Taspegn nach Blei und Silber gegraben haben. Diese um 1807 gegründete Gesellschaft, mir nicht unbekannt, begegnete mir bereits an weiteren Orten wie Tgant Ladrung oder auch im Andiasttal.

Kurz darauf um 1865 tat die britische Gesellschaft Val Sassam Mines Company, bekannt aus Ursera, nach den begehrten Metallen graben.

Minen Taspegn

Die Metalle, Blei mit wenig Silberanteil, lassen sich am ehesten in der St. Anna – Grube beobachten. Der Bleiglanzgang eingeschlossen in Quarzbändern verläuft vertikal über weite Strecken.

Minen Taspegn

Oberhalb der St. Anna – Grube liegen weitere 2 Stollen offen verteilt im Felsgelände. Das mich beglückende Sonnenscheinwetter ermöglichte eine überaus spektakuläre Fernsicht am den hoch liegenden Mundlochöffnungen.

Minen Taspegn

Das Minengebiet Crap Ner umfasst einige, eher sportlich zu befahrende, Untertagebauten. Alle Stollen sind vom Felsschlag und vom  Gneisbruch schwer gezeichnet. Der Einstieg erfordert manch  Akrobatiknummer in einer Umgebung messerscharfer Felskanten.

Nicht minder interessant die noch vorhandenen Gebäudemauern alter Knappen-Unterkünfte.

Spadel unteres Revier

Die Stollen und Installationen rund um den Flurnamen Spadel sind mehrheitlich verfallen. Bis auf den Kalkwandstollen, welcher am Rande eines schmucken Wasserfalls zu finden ist, sind alle weiteren Stollen tief im Wald vergraben.

Minen Taspegn

Der Kalkwandstollen ähnelt eher einer zerklüfteten Höhle als einem Bergwerksbetrieb. Was dieser Kalkwandstollen  an Mineralien offen legte konnte ich nicht so eindeutig erkennen. Ohnehin scheint das Gebiet um Spadel, mit all den längst überwachsenen Halden, kaum Erze offenzulegen.

Trotz fehlenden Erzfunden sind die Bergbauspuren allgegenwärtig.

Minen Taspegn

Nicht unweit des Kalkwandstollens, mittig zwischen Kalkwandstollen und verfallenem Waldstollen jedoch auf gleicher Kote, steht ein wuchtiger Kalkofen welcher auf grössere Bautätigkeit hindeutet.

In der näheren Umgebung sind einige Gebäudereste auszumachen. Auch in greifbarer Nähe liegen weitere verfallene Mundlöcher mit davorstehenden Halden. Der als Kohlplatzstollen überlieferte Untertagebau ist erfolgreich im 2025 geöffnet worden. Auch dies Werk zeigt, zumindest vordergründig, Haldenmaterial und so, keine spannenden Erze. Um den Kohlplatzstollen gruppieren sich zahlreiche Mundlochpingen und Halden.

Minen Taspegn

Die Stollen sind mehrheitlich verfallen ausgenommen, wie bereits erwähnt, der Kalkwandstollen und der neu aufgewältigte Kohlplatzstollen. Wer in dieser Region Bergbau betrieb ist nicht restlos geklärt. Die Val Sassam Mines Company war, soviel steht fest, in diesem Waldstück nicht am werken.  Potentiell waren die Männer der Gesellschaft von Tiefenkastel, um anfangs 1800, in diesem Eck aktiv. Der Bergbau in Taspegn begann, so will es von Salis wissen, ab 1570. 

Plan Tischatscha Poche und Flotationsanlage

Auf Plan Tischatscha liegt eine der wenigen noch erhaltenen Erzwaschanlagen. In unmittelbarer Nähe stand auch ein Pochwerk und diverse Knappenunterküfte. Die Seilbahntalstation welche die Erze von den höher gelegenen Minen herunter transportierte ist etwas versetzt oberhalb der ehemaligen Poche zu finden. Alle Installationen um Plan Tischatscha stammen aus der Ära Val Sassam Mines Company (ca 1865). Über frühere Verarbeitungsanlagen auf Plan Tischatscha ist wenig bis gar nichts bekannt.

Minen Taspegn

In den 4 Flotationsbecken sollte der Bleiglanz vom Nebengestein, mittels unterschiedlichem spezifischem Gewicht getrennt werden. Das fein gepochte Abbaumaterial floss, im Wasser verdünnt, in die grossen Becken. Der schwere Bleiglanz sollte am Beckenboden liegen bleiben während das leichtere Nebengestein  am Beckenrand abfloss. Soweit die Theorie, das im Stollen abgebaute Nebengestein war oft harter und schwerer Quarz. Die spezifischen Gewichtsdifferenzen beider Materialien waren gering. Der Flotationsprozess erwies sich als wenig wirksam.  Eine Zeit lang versuchte die Val Sassam Mines Company das gepochte Material  im fernen Lineares (Granada) zu verarbeiten. In Lineares stand eine Verarbeitungsanlage die, gleich wie Val Sassam Mines Company, zur Gruppe John Taylor and Co, gehörte. Die Verarbeitung des Bleiglanzes schien in Lineares besser zu funktionieren doch die Transportkosten waren immens. Im Jahr 1868 stand der Bergwerksbetrieb still, wenig später  wurde die Val Sassam Mines Company liquidiert. Seither ruht der Bergbau auf Taspegn.

Links

Verein Erzminen Hinterrhein (extern)

Gruppe John Taylor and Co, Val Sassam Mines Company in Ursera (Luisa)

Gesellschaft von Tiefenkastel in Tgant Ladrung, im Andiasttal (Luisa)

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