Wer sich ins Engadin verirrt und den Malojapass ansteuert wird unweigerlich, am hässlichsten Punkt der Schweiz, gegenüber des Ortes Sils, auf schroffe Felsen entlang der Strasse stossen. Oberhalb dieser Steilhänge postieren sich Bergwerksstollen die erstmalig 1578 Erwähnung finden. Die Bergwerke ist in zwei Gruppen aufgeteilt. Südwesten liegen die Stollen Blaunca oberhalb des Silsersees, im Nordosten stehen die Abbauten Plaz. Während die Bergwerke Blaunca, gemäss Überlieferung, Kupfer förderten wurde bei Plaz nach Silberhaltigem Bleiglanz gegraben.

Zwei Akteure werden gleichermassen auf den Anlagen genannt. Einerseits solle von Salis an den Werken Erze gefördert haben, anderseits ist von der Planta-Familie aus Zouz die Rede. Nicht ganz klar ist wer welche Werke wie intensiv nutzte.
Ein Eintrag verweist auf V. J. von Salis welches, gesagter Investor, Erze von Buffalora (Eisen) und Erze von Sils, nach Filisur Bellaluna über den Albulapass transportieren liess. Diese, nach dem Hütteprozess verarbeitenden Metalle, säumte die von Salis Gesellschaft wiederum ins Italienische Chiavenna. Die Rundreise welche die Metalle um 1578 zurücklegten vernichtete vermutlich bereuts damals aller Gewinn. Ob die Plantas günstiger wirtschafteten entzieht sich meinem bescheidenem Wissen.
Da ich neulich im benannten Engadin bei einer Bergbauinteressierten Mitforscherin nächtigte lag ein Ausflug ins benachbarte Sils trotz Regen im Rahmen des machbaren. Zwar ist, wie so oft im touristisch überlaufenem Ausland, das ZH- Nummernschild von ganz grossem Nachteil doch, ich mied, als gebildete Ausländerin, tiefergreifende Parkplatzdiskussionen und schritt mit meiner Begleitung Gita, gezielten Weges in die Bergwerke Plaz.

Bald zeigte sich dass der untere, weitaus interessante Stollen bei nasser Wiese und ohne Seil kaum zu erreichen wäre. Die Situation war uns im Vorfeld bereits bekannt was den Besuch aufs obere Plazer-Werk eingrenze.
Der obere Stollen wiederum war schnell gefunden. Dieser liegt am Felsvorsprung unterhalb des Weges und ist easy zu erreichen.

Der Bergbau folgte offensichtlich einer anstehenden Bleiglanzader die nach Westen leicht ansteigt.

Der Stollen ist, wie zu jener Zeit üblich, eher in geringer Höhe angelegt. Der aufrechte Gang ist nie möglich.

Gegen Mitte Stollen liegt etwas Bruchmaterial am Boden was zu Kriechgang zwingt.

Immer wieder sind Schrämspuren zu beobachten die auf reine Handarbeit ohne Sprengmittel hindeuten. Die Gesamtlänge des Stollens umfasst 30 Meter und die Stollenbrust ist eindeutig.
Ich zeichnete anhand einer Vermessung im Februar 2023 einen Plan beider Stollen auf Plaz.

Im PDF-Format gibt’s den Plan auf plan2020_V2.pdf
Und als Abschluss dieser Geschichte ein kleines Stollen-Luisa-Bildchen.

En Dankeschön der Fotografin Gita.
Und allerletzt, Rassismus ist latentes Problem, GR-Nummernschildern sind an mancherorts ne feine Sache.
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