Lindi

Diese Kandergrunder-Kohle Geschichte bildet nun, nach rund 15 Jahren, den Abschluss und das letzte Puzzleteil rund um die Geheimnisse des Kandergrunder Bergbaus, namentlich der Kohlegruben des II Weltkriegs.

Panorama Lindi 1944

Flugbild Bergbau-Installationen 1944 (Quelle Swisstopo)

Lindi zählt zu den am ungenausten dokumentierten Gruben. Die Bergwerksanlagen auf 1288 müm sind sehr schwer zu erreichen eingespannt zwischen zahlreichen Felsbändern. Der damalige Betriebsleiter, 1939 bis 1945, Karl Iten galt als eigensinnig und eigenbrötlerisch. Als Chef stampfte er, mit Sprengstoff bewaffnet, tagtäglich in den schlecht belüfteten Stollen herum. Im Betrieb, welcher mit Schlechtwetter (Methan) zu kämpfen hatte, sind einige Unfälle vermerkt. Zwei Todesfälle durch eine Methandetonation sind überliefert. Auch dem Betriebsleiter flogen, so wird erzählt, nach einer Vortriebssprengung, en paar Finger davon.    

Nun, ideale Voraussetzungen für en ultimativen Abenteuertrip aber, aufgepasst, dies kleine Werk ist kein Sonntagsspaziergang. Die Wildnis lebt dort und dies nicht ohne Grund.

Panorama Lindi 2015

Am 6. Juli 2014 um 18:44 fotografierte Matti mittels Teleobjektiv das ehemalige Bergbauareal auf der Talgegenseite.

Gut ersichtlich hierbei, das Areal, welches in mitten steiler Felsen liegt, folglich sind die 5 verzeichneten Stollenmünder nahe den schroffen Felsen zu suchen. Des weiteren existieren beim Lindi, wie bei vielen 2. Weltkriegsbergwerken, gute Grubenpläne welche das damalige, dem Kriegswirtschaftsministerium unterstelle, Büro für Bergbau, pflegte.

Grubenplan Lindi

Grubensohlenplan Lindi (Quelle Staatsarchiv)

Auf der Sohlenzeichnung sind 5 Mundlöcher vermerkt die wir nun systematisch aufsuchten.

Lindi Mundloch 5

Nummer 5 war, dank wuchtiger Halde, schnell gefunden. Leider lang der Stolleneingang verstürzt unter meterdicken Steinverbruch.

Nummer 3 und 4 sind genauso verfallen nur liegen diesmal deutlich grössere Steinblöcke vor den zwei Eingängen.

Lindi Areal

Etwa Bildmittig am Fusse der Felswand waren die Stollenmünder 3 und 4 platziert. Im Flugbild 1944 sind die beiden Öffnungen noch deutlich erkennbar. Meine Fotoposition indes liegt neben Stolleneingang 2 welcher aktuell, zumindest der Gesenkzweig, fahrbar ist.

Lindi Mundloch 2

Leider ist die Horizontalstrecke am Mundloch 2 verfallen oder verfüllt doch die Gesenkstrecke verbindet, welch Freude, die Hauptstrecke und somit das Hauptmundloch Nummer 1.

Lindi Hauptstrecke

Am Ende des Zwischengesenks schliesst die horizontale Hauptförderstrecke. Rechtsseitig im Bild ist ein mächtiger Trockenmauerwerkriegel als Stütze eingebaut.

Lindi Hauptstrecke

Die Hauptstrecke ist an manchen Stellen eingefallen. Im Bild sichtbar die Hauptfördertagesstrecke Sohle 0 Meter. Rechts im Bild der Abzweiger zu Stollen V.

Zeitensprung

Lindi Hauptstrecke 1945

Ob das Foto von 1945 die identische Stelle nur in Umkehrrichtung zeigt ist nicht geklärt. Zwar ist an linker Bildseite eine Seilrolle erkennbar und auch der Hund wird eindeutig von einer Seilwinde den Bremsberg auf oder ab gezogen doch Bremsberge gabs im Lindi-Bergwerk einige. Es waren immerhin ca 90 Meter Höhenunterschied untertägig erschlossen.

Zurück zur Gegenwart.

Lindi Stollen V

Stollen V war als Bremsberg konzipiert und erschloss die nächsttiefere Sohle -26 Meter. Auf Niveau -26 sollte ein weiterer Bremsberg Sohle -50 anfahren doch dieser Abstieg scheint bis aufs Dach verfüllt zu sein. Der Abgang in die Horizontalstrecke -26 ist leider auch nach wenigen Metern unpassierbar. Auf der Ebene -26 ist, erschwerend, die Luftqualität katastrophal. Bei 15.6 Volumenprozent Sauerstoff, Tendenz abnehmend, machen sich 1.5 Volumenprozent CO2 breit, hier leider Tendenz zunehmend. Zwar sind diese Werte noch nicht lebensbedrohlich doch an Schaufelarbeit ist nicht zu denken. Die Luft wird mit Garantie nicht besser und zu körperlicher Arbeit 15.6  % zu wenig.

Die  Hauptförderstrecke endet am Stollenmund 1.

Lindi Mundloch 1

Heute ist von dieser Öffnung nur noch wenig übrig. Zwar ist das Mundloch ohne grössere Anstrengung fahrbar doch der einst Grubenhundtaugliche Eingang ist auf ein Kleines reduziert.  

Lindi Mundloch 1 im Winter 1945

Im Winter 1944 sah dieser Eingang ganz anders aus. Die 60er Geleise führten direkt an die Seilbahnbergstation.

Seilbahn Lindi

Heute liegen die Fundamente der einstigen Seilbahnstation tief im Wald verborgen.

Die Stollen-Holzeinbauten, Ausseninstallationen wie auch sämtliche Schienen sind rückgebaut. Vom Grubenwerk sind aktuell maximal 10 % fahrbar wovon in den zwei Kriechstellen „Alter Stollen I“ und „Steinerstollen“ die Atemluft kritische Sauerstoff/CO2 Werte erreicht. Beide Kriechstellen enden Unpassierbar nach 3 Meter.

Die Gerüchte wonach die Bergwerke mittels Sprengung versiegelt wurden sind nicht wirklich plausibel. Fest steht jedoch, der Betriebsleiter Karl Iten galt als Wildsau. Im Unterschied zu den beiden Kandertaler Kohlegruben Schlafegg und Horn waren im Lindi keine Bewetterungsstollen gerieben. Die Luft war katastrophal schon zu Betriebszeit, Methandetonationen waren die Regel. Auch der Ausbau noch vorhandener  Holzeinbauten spricht eher für die Wildsau.

Lindi

Im Luftbild unsere Route durch die Wildniss in rot. Die orange Linie markiert die Rollbahn. Die Glückauf-Symbole zeigen auf Stollenmünder (braun offen / violett verstürzt) und die violette Linie gibt die Seilbahn wieder welche damals sowohl Kohle wie auch Personen transportierte.

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