Monat: Oktober 2025

Über Trans und weitere Variationen

Oft beginnen Geschichten mit,

„Wir“,

etwa, „Wir Katzen….“

Auch meine Geschichte beginnt hier und jetzt mit dem Wörtchen „Wir“

folgend,

Wir Trans haben unsere Geheimnisse, gut gehütet sind diese unergründlich für jene, alle kompromisslos, Aussenstehende.

Verschiedenste Gründe bewegen uns Trans diese Geheimnisse tief einzuschliessen.

Seien es die Liebsten die mit allerlei Fragezeichen konfrontiert wären, seinen es die panischen Frühsexualisierungsneurotikerinnen welche Weltbilder wegbrechen sähen oder seien es verirrte Männer die um ihre geglaubt, schwindende, Männlichkeit kämpfen, unbestritten, wir Trans sind aussergewöhnlich, geheimnisvoll. Ein Umstand den, so pauschal gesprochen, wie sich gegenwärtig beobachten lässt, nicht nur Sympathien bildet. Es bleibt eine mögliche Übersetzung des Begriffes „Katoy (กะเทย)“, neben zig weiteren bekannten Übersetzungsmöglichkeiten, die „Aussergewöhnlichen“.

Wir Trans verfügen über zweierlei Konditionierungen womit wir ein hohes Einfühlungsvermögen für beiderlei Geschlechterrollen aufbringen. Einige unserer Spezies lebten in der Vergangenheit klassische, teils exzessive Männerbiografien, Militärkarriere ect.  

Wir Trans durchleben zwei nacheinander geschaltete Pubertätsepochen. Phasen durchflutet von wuchtigen Gefühlsschwankungen dies oft im Wissen um eine solche, bereits durchlebte, Gefühlsschwankungsphase. Wir waren begehrenswert, interessant und attraktiv gleichermassen. Wir sahen toll aus, wussten um Sexy-Ausdrucksweise und waren richtig durchgeknallte Partynudeln.

Wir Trans sind sehr mutige Menschen. Bekannt als Kriegerinnen in einigen indianischen Kulturen, sind wir uns gewohnt mit teils heftigsten Anfeindungen umzugehen. Fast alle neuinterpretierten Buchreligionen neigen zur aktiven Verfolgung von Transpersonen. Manche dieser Religionsauswüchse tötet unsereins auf bestialische Weise. Alle von uns, alle, erfuhren in der Phase des Coming-outs Gewalt verbal oder gar physisch. Dieser Umstand schärft unsere Sinne und macht uns zunehmend kräftig.

Historisch gründen einige Gesellschaftliche Freiheiten auf das Engagement vieler unermüdlicher Transpersonen. Genannt an dieser Stelle die Transfrauen Sylvia Rivera  und Marsha P. Johnson als Initiantinnen der Stonewall-Aufstände und der daraus resultierenden LGBT-Bewegung.

Aber, die Gesellschaft ist ironischerweise voller Widersprüche. Dies, unser Geheimnis fasziniert mehr als uns manchmal  lieb ist. Dies Geheimnis wird als Tür zu unbegrenzten Freiheiten gelesen. Ein Honigtöpfchen welches viele Verlockungen verbirgt.

Aus diesem Honigtöpfchen wollen viele naschen. Wohl prominentester Honigtopfnascher, wenn wir hier schon mal die Historik hervorkramen, Andy Warhol.

Etwas dümmliche Männer glauben im Transfrauenumfeld, neue sexuelle Höhen zu erklimmen. Grosse Teile der Thailändischen Sexindustrie bauen auf eben diese Männer. Ob dies zutrifft müssten diese Männer beantworten. Zweifelsohne, die Komplexität des Themas haben wahrscheinlich die wenigsten genannter Männer begriffen.

Die Freiheit „Sich“ zu sein, das eigene „Ich“ Performen,  unabhängig äusserlicher Widerstände, beeindruckt viele in Sachzwängen Verfallener. Logisch, das die Fachrichtung Gender Studies sich des Experimentierfeldes „Trans“ dankend annahm. In der Folge, auch logisch, schmückt sich aktuell die serbelnde Linke gerne mit den Trans-Federn der Vielfalt. Es bleibt, dem Zeitgeist geschuldet, die Linke hat ein Identitätsproblem nicht wir Trans.

Und doch, weiterhin kompliziert

Die kurzen Momente in denen wir ein hochmotorisiertes Fahrzeug besteigen und eine Passfahrt absolvieren artikuliert sich unsere, äusserlich als Widerspruch wahrgenommene, Doppelkonditionierung. Längst hat auch die Werbeindustrie dies kleine Detail erkannt (Seat).

Nun, die Sache mit den Trans ist und bleibt definitiv schwer verständlich. Auch ich könnt kaum sinnvoll dies Phänomen Trans äusserlich plausibel näherbringen. Auch wenn ich weiss dass einige Unbeteiligte aus diesem Honigtöpfchen naschen möchten, dies Honigtöpfchen ist kaum erreichbar. Die Konfrontation mit dem eigenen „Ich“ kann heftig unangenehm ausarten.  

Meine Versuche dies Honigtöpfchen wenigstens punktuell verständlich zu machen schweiften in kulturgeschichtliche Tiefen ab, zwar wichtig aber eben, nur die halbe Geschichte.

Die Geheimnisse sind unergründlich währenddessen sich Irrtum breit macht.

In der Community gern verwendete Sätze wie „Ich war schon immer Frau“ fallen für mich in den Bereich „Flacherdler“ und banalisieren die Trans-Thematik schwerstwiegend. Es gibt schlicht, aus meiner bescheiden zu betrachtenden Sicht, ganze Herden an verirrten Schafen die, ob gewollt oder nicht, im Eilzugstempo ein Klima zunehmender Intoleranz schaffen.

Lieder ist und bleibt Manches nicht in eindeutigen Schwarzweis-Kontrasten erkennbar. Wer in die Tiefe blickt wirft Fragen auf, manche dieser Fragen bleiben ein Geheimnis wiederum andere dieser Fragen können nicht mal wir schlüssig beantworten.  

Und doch

Trotz all dieser, von uns gut gehüteten Geheimnisse, Geheimnisse die oft auch wir nicht genau zu erkunden wissen, sind wir viel mehr als nur Trans.

Alle verfügen wir über einen bunten Strauss an Fähigkeiten und Eigenschaften die uns gleich der Restbevölkerung macht. Diese Gleichheit und diese Verschiedenheit ist was ein Zusammenleben, zusammen Agieren lebenswert interessant macht.

Alle diese Verschiedenheiten sind eine Change zur Weiterentwicklung zur Koexistenz uns Menschen.

Buffalora im Herbst 2025

Auch dies Wochenende ist nun Geschichte, der Schnee wird sich über den Eingangsschacht legen und meine zeichnerische wird wieder exzessive Züge annehmen.

Buffalora 2025

Nicht desto trotz, eine kleine Geschichte mit schönen Bildern muss sein.

Die Mission war klar und die Gruppen vorweg definiert. Gruppe Kletterbegeisterte vermessen die obersten Sohlen und alle darunter erreichbaren Strecken. Gruppe Schaufelbegeisterter begab sich wieder in die tiefste Strecke zur Aufwältigung der  18 Meter langen Verbindung Sohle 1 zu Sohle 2.

Buffalora 2025

Wie oft an Herbsttagen vermöchte die wirkende Natur zu verzaubern. Trotz herrlichem Bergwetter verzogen wir uns mehrheitlich in den Untergrund.

Das Projekt beschäftigt uns seit 2024 mit vielen ungeahnten Wendungen.

Strecke 1 zu 2 Buffalora 2025

Kurz zusammenfassend,

Das Bergwerk, nach Eisenerz suchend, entstand von oben nach unten. Mit bis zu 500 Meter langen Galerien folgen um 1500 Bergleute den begehrten Erzen. Die unterste Strecke stand, kurz vor Betriebsaufgabe, an einigen unvollendeten Baustellen. Andere Streckenbauten verfüllten die Knappen kurz vor Betriebsende mit Abraummaterial. Eine dieser Strecken vermuteten wir, anhand des Hauptplans als verbindende Strecke zwischen Sohle 1 und Sohle 2.

Wir begannen im 2024 der bis Dach verfüllte Stollen auszugraben in der Hoffnung, a) interessante Einblicke ins Unbekannte Bergbaugeschichtliche zu erhaschen, b) eine Kurzverbindung, ohne Vertikaltechnik,  in die obere Sohle zu ermöglichen. Eine Stollenlänge von gesamt verfüllt 18 Meter auf einer Höhendifferenz von 5 Metern konnten wir, mittels Vermessung, ausmitteln.  

Ab 12 Meter artikulierte sich der dritte und leider grösste Hochstoss welcher uns vom Kurs abbrachte. Statt der linken Stollenwand zu folgen, lenkte uns die Stollendecke weg vom  Stollenweiterverlauf hin zu oberster Hochstossweitung.

Eine Abteufung ab ca Meter 13 war nötig um den Streckenverlauf wieder aufzuspüren.

Strecke 1 zu 2 Buffalora 2025

Die Abteufung legte eine nicht erwartete Spundwand offen die Einblicke in den damaligen Verfüllprozess  gewährte. Dank dieser Abteufung liess sich nun wieder die Kursbestimmende linke Stollenwand verfolgen. Aber auch, dank dieser Abteufung, sind neue Erkenntnisse möglich.

Erztrog Buffalora 2025

Insbesondere die Bestimmung, respektive die letzte Bestimmung des, der in der Fahrstrecke 1, gefundenen Erztrogs ist nun eindeutig und passt zur aufgefundenen Terrassen- Verfüllarbeit in unserer Baustelle.  

Buffalora 2025

Währenddessen lang unser Ziel, oberhalb gefundener Spundwand, wieder einige Meter näher. Die Höhensteigung setzt ein doch der Verbindungsstollen weicht vom Hochstoss ab. Hinter dem Stein in Bildmitte sind leichte aber gut erhaltene Holzeinbauten auszumachen.

Buffalora 2025

Ich habe kurz nach Beendigung des Einsatzes den Streckenverlauf dargestellt. Die Grüne Fläche auf der rechten Zeichnung gibt des zugebauten Stollen wieder. Dies Material, geschätzte 4 m2, müssen noch heraus und auf die 3 Untertagedeponien verteilt werden.

Kurzum, es gibt noch reichlich zu tun, packen wirs an, auf ein 2026.

Buffalora 2025

Und weils scho schön war, en Abschlussbildchen unserer Feierabendsicht.

Hauptplan

Buffalorageschichte 2024

Mot Madlain Projekt Erbstollen

Seit geraumer Zeit, konkret seit Entdeckung des Erbstollen-Austritts im 2022, sind wir am Aufwältigen dieses Bauwerks.

Luisa in S-charl

Für mich mal Anlass wieder zur kleinen Bildergeschichte anknüpfend an den damaligen Bericht erbstollen_V1.pdf und an die damalige Webseite S-charl

Der Erbstollen ist zwischen 1508 und 1562 entstanden. Er diente zur Entwässerung des damalig Bergseitig absinkenden Bleiglanzflözes des Bergwerks Mot Madlain. Der Aufschluss eben solchem Flöz sorgte für beträchtliche Wasserhaltungsprobleme. Der unterfahrende Erbstollen sollte dies zunehmende Problem lösen. Doch der Bau, insbesondere die Finanzierung des kaum Ertrag bringenden Werks, gestaltete sich harzig.  Immer wieder ruhte die Baustelle mangels eingehender Knappenentlöhnung.

Der Erbstollen ist seit der Vermessungsaktion um 2009 bekannt. Vom Bergwerk Mot Madlain aus ist dies Bauwerk vermessen doch wo, das angestaute Wasser zu Tage tritt konnte lange nicht schlüssig beantwortet werden.

Nach intensiven Suchwochenenden  gelang uns, im 2022, die Entdeckung  des Erbstollenaustritts im Innern einer Felsspalte.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Obere Ansicht des, durch Felsspalten zerklüftete Gelände.

Seit der Entdeckung beschäftigt uns die komplexe Offenlegung dieser Strecke und die Entwässerung der letzten Erbstollenmeter.  

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Die Spalte ist über einer der zahlreichen Wasserfälle des Val dal Poch erreichbar.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Val dal Poch verlauf mit Sicherungsseil zur unteren Baustelle.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Höhenmittig Spalte sind Laufbretter eingebaut die ins Schuttinnere führen

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Es trennen uns noch heute etliche Meter vom eigentlichen Erbstollen. Solange nicht ein festes Stollendach sichtbar wird, müssen wir das in der Felsspalte eingekeilte Material auf der gesamten Höhe ausbauen. Eine immens aufwändige riskante Tätigkeit die unsere Topkletterer im Team bewerkstelligen.

Dank dieser Grabungsarbeiten sind weitere Erkenntnisse zu dieser Anlage und der näheren Umgebung möglich.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

So wissen wir heute dass nahe dem Erbstollenaustritt eine kleine Manufaktur angesiedelt war die etwas weniges an gefundenem Eisenerz zu Bergbauwerkzeugen verarbeitete. Im Seitenstoss des Erbstollens und an verschiedenen Orten dieser Sohle sind Eisenerze beobachtet wurden. Im Südufer des Val dal Poch liegt ein Kohlehorizont offen. Nicht unweit dieser Sichtung finden sich einige Schlackenreste. Auch den teilweisen Schuttabtransport vom Bergbaubetrieb scheint plausibel. Gebäude für Knappen und Schmiede unterhalb des Bergwerks Mot Madlain auf der Val dal Poch Südseite  sind durchaus denkbar.

Die Bauwerkspuren am Nordwestfelsen indes sind bis heute nicht erklärbar.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Auch eine Schnittrekonstruktion der letzten Erbstollenmeter war, dank gefundener Spuren, möglich. Es scheint so, als hätten die Knappen, im Gegensatz zu uns, ein Holzdach zum Eigenschutze in der  Spalte eingebaut. Die Spalte ermöglichte ein rascher Vortrieb durch die weiterlaufende Störung. In der Bauzeit standen keine Sprengmittel zur Verfügung. Im Val dal Poch waren verschiedene Holzgerüste aufgebaut um möglichst effizient, auch bei Bachhochwasser, die Baustelle zu erreichen.

Val dal Poch Erbstollen Mot Madlain

Wir haben kein Holz zur Verfügung, zu aufwendig wäre der Materialtransport in dies unwegsame Gelände. Stattdessen räumen wir alles Material aus der Spalte. Da wir alles ins Val dal Poch runter schmeissen können und sowohl vom Val dal Poch wie auch aus dem Mot Madlainbergwerk Wasser herausdrückt sind uns einige Helfer wie Schwerkraft oder Wasserfluss zuteil.

Trotzdem, es bleibt noch reichlich was zutun und die Projekte werden auch nicht weniger.

Links

Bericht 2022 erbstollen_V1.pdf

Webseite S-charl

Bergwerke

Es ist klar, unser Nachbarland setzt enorme Energien frei um die Befahrung alter Bergwerke zu unterbinden. Die Wertung des Straftatbestands liegt weit jenseits des normalen Menschenverstands.

Im Wissen um diese Tatsache und im Wissen auch dass meine Tätigkeit ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der Industriegeschichte beiträgt, will ich hier mich zurückhaltet geben.

Trotzdem, weil so geil war,  en paar Bilder aus einem Nachbarstaat welcher nix besseres zu tun hat als meine Seiten nach möglichen Georeferenzen abzuscannen.

Kernthema dieses Labyrinths ist Gips, der Lachsfarbene unbeliebte und der andere.

Wasser plätschert an mach Ecklein vor sich hin.

Bremsberge bremsen lange nimmer,

Drahtseile warten geduldig auf deren Abtransport,

und doch wissen die immensen Hallen immer wieder tief zu beeindrucken.

Jene die mich und meine Seitenstruktur kennen, wissen wies funktioniert, alle anderen, Behördenfuzis, wer auch immer, sind von diesem Wissens-Pot ausgeschlossen.

Seiet ungehorsam und seiet neugierig,

viel Spass

Luisa

Taspegn

Ein wahrhaft lohnender Einblick in den historischen Bergbau bieten die Buntmetallminen um die Alp Taspegn. Neulich ergab sich eine Gelegenheit dies historische Industrierelikt, ein Bruchteil des gesamten Abbaugebietes, zu erkunden. Die Alp Taspegn, respektive die unteren Installationen  Plan Tischatscha, liegen weit oberhalb Zillis in schwer zugänglicher Berglandschaft. Um die ersten Bergbauanlagen zu erreichen müssen rund 1000 Höhenmetern auf schmalsten Alpstrassen überwunden werden. Kein Wunder dass sich kaum Neugierige in dies unwegsame Gelände verirren. Umso spannender die kaum besuchten Stollen weit fern der Zivilisation. Zwar gibt’s auf der Alp Taspegn ein kleines Besucherbergwerk welches hin und wieder befahren wird doch unser Interesse galt den abseits liegenden, kaum bekannten, Anlagen. Da sich die Stollen auf verschiedene Reviere im  Flächenrechteck von 1 x 2 km verteilen gabs Tagesfüllende Entdeckungen ohne je in die Nähe der Besucherstollen zu erahnen.

Minen Taspegn

Ca. 6 Minengebiete sind bekannt unter Berücksichtigung dass womöglich längst nicht alle Stollen entdeckt wurden. Ich spezifiziere 4 Reviere auf meiner Karte. Das auf der Karte unten mittig markierte Gebiet Oberes Revier Ost kann an geführten Besichtigungen besucht werden. Der Verein Erzminen Hinterrhein bietet jeweils am Mittwochnachmittag Führungen an.

Unser Interesse galt den Anlagen des unteren Reviers, des mittleren Reviers und der Erzwäsche bei Plan Tischatscha.

Crap Ner mittleres Revier

Minen Taspegn

Östlich der Alpstrasse liegt dem Betrachter meine monumentale Steinlandschaft zu Füssen. Erst bei genauerer Betrachtung wird ein tiefer, mit Trockenmauer, ausgebauter Geländeeinschnitt sichtbar. Dies frühere Stollenerschliessungsbauwerk ist gegen das Mundloch hin von massivem Blöcken verstellt. Das eigentliche Mundloch ist leider unter Meterhohen Gesteinsbrocken verschwunden. Es ist aber anzunehmen dass dieser Einschnitt ein grosses Minenfeld und einige Stollen unterfuhr. So war die Sichtung weiterer Bauten oberhalb unverzichtbar.

Minen Taspegn

Weitere Stollen, oft verstellt mit scharfkantigen Gneisblöcken, lassen nicht lange auf sich warten. Die Hauen sind meist Eng und doch mit Sprengmittel-Brachialkraft in harten Gneis geschlagen. Bohrlocher sind einige zu beobachten.

Minen Taspegn St. Anna

Der grösste Stollen liegt unter einer Felskluft. Leonhard Selb nennt diese Grube um 1812, in seinen Mineralogische Studien, St. Anna – Grube mit Gruben – Gletscher. Tatsächlich schlummern noch heute zwei ausfüllende Gletscher in tief getriebenen Schachtbauten. Am einten Schacht liegt eine Fahrte im Eis vergossen. Auch noch erhalten steht der einte Haspelholmen am Bodenholz.

Die Gesellschaft von Tiefenkastel solle, keineswegs als erste, am besagtem Orte bei Taspegn nach Blei und Silber gegraben haben. Diese um 1807 gegründete Gesellschaft, mir nicht unbekannt, begegnete mir bereits an weiteren Orten wie Tgant Ladrung oder auch im Andiasttal.

Kurz darauf um 1865 tat die britische Gesellschaft Val Sassam Mines Company, bekannt aus Ursera, nach den begehrten Metallen graben.

Minen Taspegn

Die Metalle, Blei mit wenig Silberanteil, lassen sich am ehesten in der St. Anna – Grube beobachten. Der Bleiglanzgang eingeschlossen in Quarzbändern verläuft vertikal über weite Strecken.

Minen Taspegn

Oberhalb der St. Anna – Grube liegen weitere 2 Stollen offen verteilt im Felsgelände. Das mich beglückende Sonnenscheinwetter ermöglichte eine überaus spektakuläre Fernsicht am den hoch liegenden Mundlochöffnungen.

Minen Taspegn

Das Minengebiet Crap Ner umfasst einige, eher sportlich zu befahrende, Untertagebauten. Alle Stollen sind vom Felsschlag und vom  Gneisbruch schwer gezeichnet. Der Einstieg erfordert manch  Akrobatiknummer in einer Umgebung messerscharfer Felskanten.

Nicht minder interessant die noch vorhandenen Gebäudemauern alter Knappen-Unterkünfte.

Spadel unteres Revier

Die Stollen und Installationen rund um den Flurnamen Spadel sind mehrheitlich verfallen. Bis auf den Kalkwandstollen, welcher am Rande eines schmucken Wasserfalls zu finden ist, sind alle weiteren Stollen tief im Wald vergraben.

Minen Taspegn

Der Kalkwandstollen ähnelt eher einer zerklüfteten Höhle als einem Bergwerksbetrieb. Was dieser Kalkwandstollen  an Mineralien offen legte konnte ich nicht so eindeutig erkennen. Ohnehin scheint das Gebiet um Spadel, mit all den längst überwachsenen Halden, kaum Erze offenzulegen.

Trotz fehlenden Erzfunden sind die Bergbauspuren allgegenwärtig.

Minen Taspegn

Nicht unweit des Kalkwandstollens, mittig zwischen Kalkwandstollen und verfallenem Waldstollen jedoch auf gleicher Kote, steht ein wuchtiger Kalkofen welcher auf grössere Bautätigkeit hindeutet.

In der näheren Umgebung sind einige Gebäudereste auszumachen. Auch in greifbarer Nähe liegen weitere verfallene Mundlöcher mit davorstehenden Halden. Der als Kohlplatzstollen überlieferte Untertagebau ist erfolgreich im 2025 geöffnet worden. Auch dies Werk zeigt, zumindest vordergründig, Haldenmaterial und so, keine spannenden Erze. Um den Kohlplatzstollen gruppieren sich zahlreiche Mundlochpingen und Halden.

Minen Taspegn

Die Stollen sind mehrheitlich verfallen ausgenommen, wie bereits erwähnt, der Kalkwandstollen und der neu aufgewältigte Kohlplatzstollen. Wer in dieser Region Bergbau betrieb ist nicht restlos geklärt. Die Val Sassam Mines Company war, soviel steht fest, in diesem Waldstück nicht am werken.  Potentiell waren die Männer der Gesellschaft von Tiefenkastel, um anfangs 1800, in diesem Eck aktiv. Der Bergbau in Taspegn begann, so will es von Salis wissen, ab 1570. 

Plan Tischatscha Poche und Flotationsanlage

Auf Plan Tischatscha liegt eine der wenigen noch erhaltenen Erzwaschanlagen. In unmittelbarer Nähe stand auch ein Pochwerk und diverse Knappenunterküfte. Die Seilbahntalstation welche die Erze von den höher gelegenen Minen herunter transportierte ist etwas versetzt oberhalb der ehemaligen Poche zu finden. Alle Installationen um Plan Tischatscha stammen aus der Ära Val Sassam Mines Company (ca 1865). Über frühere Verarbeitungsanlagen auf Plan Tischatscha ist wenig bis gar nichts bekannt.

Minen Taspegn

In den 4 Flotationsbecken sollte der Bleiglanz vom Nebengestein, mittels unterschiedlichem spezifischem Gewicht getrennt werden. Das fein gepochte Abbaumaterial floss, im Wasser verdünnt, in die grossen Becken. Der schwere Bleiglanz sollte am Beckenboden liegen bleiben während das leichtere Nebengestein  am Beckenrand abfloss. Soweit die Theorie, das im Stollen abgebaute Nebengestein war oft harter und schwerer Quarz. Die spezifischen Gewichtsdifferenzen beider Materialien waren gering. Der Flotationsprozess erwies sich als wenig wirksam.  Eine Zeit lang versuchte die Val Sassam Mines Company das gepochte Material  im fernen Lineares (Granada) zu verarbeiten. In Lineares stand eine Verarbeitungsanlage die, gleich wie Val Sassam Mines Company, zur Gruppe John Taylor and Co, gehörte. Die Verarbeitung des Bleiglanzes schien in Lineares besser zu funktionieren doch die Transportkosten waren immens. Im Jahr 1868 stand der Bergwerksbetrieb still, wenig später  wurde die Val Sassam Mines Company liquidiert. Seither ruht der Bergbau auf Taspegn.

Links

Verein Erzminen Hinterrhein (extern)

Gruppe John Taylor and Co, Val Sassam Mines Company in Ursera (Luisa)

Gesellschaft von Tiefenkastel in Tgant Ladrung, im Andiasttal (Luisa)