Monat: November 2025

Der Drachenbändiger

Ich spazierte gestern am Bezirksgericht vorbei.

Bezirksgericht Zürich Drachenbändiger

Das Emblem unterhalb des Giebels war uns seit geraumer Zeit aufgefallen doch, wie so oft, schenkten wir der Symbolik keinerlei Bedeutung. Unser einzig Hoffnung nie innerhalb dieser Mauern stehen zu müssen überwiegte aller Interpretationslust.

Doch es wurd alles anders, eine Wohnungskündigung, ein Erstreckungsverfahren und eine mich vertretende Anwältin mit  welcher ich mich ganz und gar nicht verstand, liess mich und insbesondere meine Partnerin Christina, zu Interpretierungsversuch ansetzten.   

Die Frage aller Fragen ist wieder einmal, wer ist Drache und wer ist Drachenbändiger. Und ja, die Antwort fällt nicht schwierig, wir, das Volk, die Kaste der Dienenden sind Drache. Der Drachenbändiger residiert im Gerichtsgebäude. Dessen Aufgabe ist es uns, mich, unter Kontrolle zu halten und gegebenenfalls mit der Lanze abzustechen.

Das Gerichtsgebäude, meine Anwältin, die Schlichtungsbehörden, Teil des Systems einer managenden Kaste zudienend jenen die Millionen schaufeln.

Sihlfeldstrasse 95

Die Ära Sihlfeldstrasse nimmt für uns, Christina und mich, ab dem 30. April 2026, ein definitives Ende.

Die Drachenbändiger obsiegten und doch ein klein bisschen, 8000 SFR plus lohnten.

Die Geschichte hat durchaus positive Aspekte. Wir werden in ein weniger Lastenveloverseuchtes Quartier ziehen. Eine gewisse Distanz zur grassierendem Hipsterkultur wird Basis zu neuen Horizonten sein und Bodmerhof ist auch cool.

Und wissen tun wir, Drachentöter und schlafende Hunde obliegen gleicher Gesetzesmässigkeiten, „nur nicht wecken“. Diesem Grundsatz solle unser stetig Antrieb werden. Ganz dem Motto einer Bundesdienstzeit folgend, „Verschlaufen ist alles“.

Längerfristig ist eh ein Verlassen dieses übergrossen Freiluft-Knastes angedacht.

Also auf baldig neue Impressumsadresse

Wasserfallenstollen

Es gibt auch hierzulande manch baugeschichtliches Kuriosikum welches einer näheren Betrachtung lohnt. Und wenn so mach dieser Relikte nicht zwingend in der Bereich Rohstoffgewinnung fällt so gibt’s  auch in diesen Bauwerken einige Unterwelten zu erkunden.

Wasserfallen-Bahn

Projektierte Wasserfallenbahn Oensingen – Liestal, rote Linie. Gelbe Quadrate, Schachtbauten Wasserfallentunnel.

Die Rede ist, bei meiner aktuellen Geschichte, vom nie fertiggestelltem Bahntrasse Oensingen – Liestal. Konkret führt meine Reise in die Überbleibsel des begonnenen Wasserfallentunnels, das Herzstück der damaligen Bahnverbindung. Der Bau des Tunnel wie auch des Bahntrasses endete abrupt 1875 nach gescheiterter Finanzierung.

Wasserfallentunnel

Heute ist einzig noch das kurze Teilstück, ca. 78 m, des geplanten Bahneinschnittes fahrbar. Alle weiteren Strecken, damals per Schacht angefahren, sind seit vielen Jahrzenten verschüttet. Dieses Teilstück ist hinter der Talstation Seilbahn Wasserfallen in Reigoldswil per Mundloch erreichbar.

Wasserfallentunnel

Der Eingangsbereich sammelte über die Jahre hinweg reichlich Schutt was zu einer effizienten Wasserstauung führte.

Wasserfallentunnel

Ziemlich bald steigt das sich stauende Wasser auf Oberschenkelhöhe. Wer dies Bauwerk bewundern möchte muss in die Fischerstiefel steigen. Stollenhöhe ist gut 2 m, konzipiert für Kipploren.

Wasserfallentunnel

Der Stollen steigt sanft an so dass, trotz zahlreicher Quellen, die Wassermenge stetig abnimmt.

Wasserfallentunnel

Die Stollenbrust liegt, gemäss Vortriebsplan, bei etwa 78 m. Gemäss erwähnter Aufzeichnung solle das nächstfolgende Stollenteilstück nach ca 7 m Kalkstein folgen. Dieser zweite Stollenabschnitt, gemäss Plan 106 m lang, war mittels Schacht A in beide Richtungen vorgetrieben. Lieder sind die Schächte alle Aufgefüllt und nicht zu erreichen doch es bleibt die Hoffnung, mittels Stollenvortrieb, die 7 m, das nächste Teilstück zu befahren. Solch ein Projekt zur Aufwältigung des zweiten Teilstücks besteht und so war ich an beschriebener Befahrung im Sinne einer näheren Projektkonkretisierung beteiligt.

Ob nach 7 m tatsächlich ein wassergefüllter Stollen erscheint oder stattdessen eine dickflüssige Schlammbrühe aus dem Vortrieb quillt gilt, sinnvollerweise mittels Bohrloch, abzuklären. Noch ist bei 78 m Schluss.

Vortriebsplan Wasserfallentunnel

Ob der Vortriebsplan, von mir aus der Originalfassung übertragen, tatsächlich stimmt ist nicht restlos geklärt. Erst eine exakte Vermessung des aktuell offenen Teilstücks kann nähere Erkenntnisse schaffen. Sollten die 78 m Stollenlänge resultieren kann von einer tatsächlichen Vortriebsleistung ausgegangen werden. Noch ist nicht klar ob die vermerkten Vortriebsfelder Zielvorgaben wiedergeben oder ob diese Flächen effektiv abgebaut wurden. Tatsache ist, von den 4185 m Wasserfallen-Tunnel sind nur Bruchteile, rund 300 m, ausgehoben. Der Tunnelbau war den auch der Todesstoss fürs Bahnlinienprojekt welches das Berliner Unternehmen Schneider, Münch & Jerschke vergeblich zu stemmen versuchte.

Links Wasserfallentunnel / Projekt

2-Wasserfallen-Bergbau auf ahoy.ch

Wikipedia

Gottschalkenberg schon wieder Eine

Wenn ich nicht gerade mit Anwälten streite, Thema „auch wir sind Sugushäuschen“, gibt’s sporadisch Zeit um in alten Stollen herumkriechen.

Neulich erreichte mich ein Kommentarschreiber welcher meine Neugierde weckte. Die Rede war von einer Gottschalkenberger-Grubenaufwältigung die ich mir so nicht wirklich sinnig erklären konnte. Ich musste diesem Geheimnis, welches offenbar nicht weiter ein grosses Geheimnis war, näher in die Tiefe blicken. Genannt wird der Hauptstollen 1, Baujahr 1942, welcher das Köhleflöz am Mülibach anfährt. Im Volksmund die unterste Grube „Im Wurf“. Der Hauptstollen war kurz nach Bergwerksaufgabe um 1943 verfallen. Der einzige Zugang in dies umfangreiche Untertagewerk führte über den oberer Einsturztrichter Hauptstollen 2.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Einsturztrichter in Stollen II, Stecke aus der Epoche 1942 die auf Basis eines bereits vorhandenen Stollens aus 1840 vorgetrieben wurde. Noch heute ist dies feine Loch, gut zugänglich aber nicht allen bekannt, bequem fahrbar.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Im Innern weitet sich die Förderstrecke auf übliche 2WK Kipplorenbreite. An den Seiten klaffen die Aufhauen früherer Betriebperioden. Etwas Wasser tröpfelt von nächsthöher gelegenem Abbaugesenk. Versatz aus der Bauzeit 1942 bis 1943 ist allgegenwärtig.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Das, tausendfach fotografierte, kunstvoll versetzte Abbaugesenk der letzten Betriebsepoche führt, per Hosenboden-Rutschpartie, in die nächste Hauptsohle von 1942.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Die untere Hauptstrecke dient seit en paar Jährchen als improvisierte Andachtsstätte inklusive sichtlich ramponiertem Sagex-Buddha.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Indessen ist dies Karbidleuchten-Gekritzel kaum als Andachtsanküdigung zu verstehen. Der Buddha ziert die Stollenbrust seit ca 5 Jahren. Das Russgekritzel dürfte tatsächlich aufs Jahr 1944 fallen. Deren Interpretation, sofern überhaupt ein tieferer Sinn darin liegen sollte, war mir bis heut nicht möglich.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

An der Streckengegenseite schimmert bald etwas Licht hervor. Links im Bild die teils versetzten Abbauten vom. 19. Jahrhundert. Auffällig auch, das warme Klima in der sonst eher gewohnt kühlen Hauptsohle.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Bald stehe ich in einer Stahlröhre, zu meiner Verwunderung vor, von ausserhalb verschlossener Türe. Ein Relikt welches eine 2025er Bergbau-Epoche einzuläuten scheint den im Juli 2025, siehe Gottschalki immer schön, war keine Spur dieses Werkes erkennbar.

Infolge war eine Tagseitige Erkundung logische Konsequenz um meine entfesselte Neugierde zu befriedigen.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Da ich diese Grube seit 15 Jahre regelmässig besuche, wusste ich wo die Türgegenseite zu suchen sei.

Und tatsächlich tat sich unter der Fahrstrasse die Stahlblechröhre auffällig hervor.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Auch der Türverschluss konnte ich, anhand des Zahlenschlosses, eindeutig identifizieren.

Über den Zweck dieser Aufwältigung kann ich nur spekulieren. Wir Bergbauinteressierte erreichen die Hauptstrecke bequem, in weniger als 15 Minuten, über die Hauptgesenk-Rutschbahn, ab obere offene Strecke. Mobillitätseingeschränkte Stockgänger und Gängerinnen dürften die kurze Kletterpartie zwischen Fahrstrasse und Stahlrohr kaum meistern können und die noch vorhandene Kohle stinkt fürchterlich beim Verbrennen. Kurzum die Logik dieser Arbeit, es mussten doch einige Kubik verschoben werden, ist nicht weiter begründbar. Der Zweck scheint so manchen Kennern nicht so richtig einzuleuchten. Anderseits wird mach einer in gleicher Form verwundert Kopfschüttelnd auf unsere Erdbewegungen blicken. Naja wenns Spass macht, haut drauf. Ich bevorzuge nach wie vor die lustige Rutschbahn zwischen kunstvollem Versatz.   

Bei dieser Gelegenheit schweifte mein Blick wieder mal durch die alten Auftagerelikte des 19. Jahrhunderts am Mülibach.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Die alten Stollenmünder sind zwar aussendurch noch leicht auszumachen doch offen ist da keines mehr. Nichts desto trotz lassen sich innendurch viele der alten Stollen gefahrlos besuchen.

Wie immer bei solch heroischer Tat müssen Pläne wieder angepasst werden. Ich will dieser Aufgabe keineswegs fernbleiben, in diesem Sinne die Fassung November 2025.

Gottschalkenberg Bergwerk im Wurf

Die Blechröhre liegt rechts des Null-Messpunktes aus der Epoche 1942.

Gottschalkenberg Bergwerke
Gottschalkenberg Bergwerke

Auch so gibt’s auf der QGIS-Übersicht am unteren Wurfbergwerk (links auf der Karte) zwei gelbe Punkte stehend für offene Stollenmünder.

Wie üblich, Plan gross machen, Plan Anklicken.

Und mein erstes Gottschalkenberg-Post, exakte 15 Jahre her, am 15. November 2015, auf Gottschalkenberg.

Sparrenweid Gottschalkenberg

oder Sparenweid

Im Sammelsurium schöner Bergwerke sticht ein Objekt ganz besonders hervor. Es ist das oberste Kohlebergwerk des Gottschalkenbergs auf 1004 Meter über Meer. Insbesondere die noch erhaltenen Stollen aus den Jahren 1942 bis 1943 sind ein imme wiederkehrender Besuch wert.

Ich war wieder mal oben erspare mir indes die geschichtlichen Hintergründe da ich denen bereits den Beitrag Kohlebergwerk Sparrenweid vom 12. November 2013 schenkte.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Das ehemalige obere Mundloch ist leider inzwischen etwas zusammengefallen. Das Holz ist nimmer so am richtigen Platz und auch die Kriechecken dünkten mich deutlich mühsamer.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Die schönen Spundwände mit Zimmermannskralle stehen jedoch, zu meiner freudigen Überraschung, immer noch.

Der Fuchs ist definitiv ausgezogen und mit ihm der süssliche Geruch halbierter Feder-Nutztiere und Kotthäufchen.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Beide Gesenke sind noch immer prallgefüllt mit Kristallklarem Wasser.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Kohle indes ist in diesem Kohlebergwerk eher die Seltenheit was erklären würde wieso die letzte Betriebsperiode mit Unterbrüchen nur gerade 2 Jahre dauerte.  Im Bild der letzte hintere Streckenabschnitt mit 10 cm Kohleflöz an der Stollenwand.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Wohlmerkend dies Bergwerk kennt ganz andere Reize als deren Ursprungsbestimmung die Kohle. Infolge bekannt,  über Landesgrenzen hinweg, die Goldbestückte Decke auf der verstürzten Tagesstrecke. Das Gold ist leider nur wertloses Pyrit doch der Effekt ist, über weite Abschnitte hinweg, manch ausgedehnte Fotosession wert.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Manchmal wechselt die Pyrit-Patina von Decke zu Wand, auch schön, und in der Tendenz, auch Nass.

Für jene die wissen wollen wo es liegt, obligates Plänchen.

Bergwerk Sparenweid Gottschalkenberg

Gross machen, anklicken und sich am PDF erfreuen

aber,

klar und deutlich, der Einstieg muss verdient sein.

Vorbeitrag, exakt 12 Jahre, auf Kohlebergwerk Sparrenweid

Andere Gottschalkenberger Gottschalki immer schön

Und, die Sache mit dem R respektive dem Doppel-R im Flurnamen bleibt umstritten. Es gibt beide Versionen.