Tiergarten

Wenn Luisches Neugierde getriggert wird.  

Und wieder mal eine „es-war-einmal-Geschichte“ mit viel Bildmaterial aus meiner Abenteuer-Cam.

Kurz vor meinem 60sten war mir nach Erkundungstouren.  Einige Untertagebaustellen langen lange auf meiner Warteliste und das Wetter wirkte zu unstabil um mich in die Mürtschenalp zu verkrümeln. Da war sowas was immer wieder bei A3-Fahrten aufpoppte und nie eine tieferreichende Erkundung erfuhr. Und am Gegenende des putzigen Hügels warten einige Urbanlegenden, des Kalten Krieges entstammend, auf tieferreichende Erspähung.

Also los, eine kleine Geschichte,

Der Ort nennt sich Tiergartenhügel und, fahrend auf der A3 nahe Mels im Blick zum Seitenfenster heraus, sticht ein markanter Steinbruch hervor.

Google-Street-View, A3 Richtung Süden kurz vor Mels.

Im Steinbruch ist scheu eine Untertageöffnung mit  Stahltreppe zu erkennen doch bei schneller Autobahn-Fahrt kaum genauer analysierbar.

Etwas gemächlicher von der Hügel-Rückseite aus betrachtet klaffen einige interessante Tore aus dem Fels heraus.

Tiergarten Mil-Kaverne

Die Tore sind eindeutig militärischen Ursprungs und aktuell deklassifiziert denn die zivile Nutzung, Käselager und Weiteres, ist teilweise äusserlich, per Hinweistafel, ersichtlich.

Trotzdem, der Hügel hat noch viel zu bieten, und eine genauere Internetrecherche fördert wiederum sehr Interessantes zu Tage. Also Gelegenheit um dem Hügel und die nähere Umgebung genauer in Augenschein zu nehmen.

Tiergarten Steinbruch

Amtliche Verbote sind mein absoluter Trigger. Bei solch Hinweistafel packt mich die Forschungslust  richtig intensiv und da ich je kein Fest veranstaltete hatte ich auch nichts zu befürchten.

Klar ist, mein erster Gedanke schweifte in Richtung ausartetende  Goa-Partys. Ein durchaus verlockender Gedanke.

Tiergarten Steinbruch

Bald stehe ich im Steinbruch und dies ohne irgend eine Abschrankung zu überklettern geschweige den irgend en Verbot zu missachten. Ganz neue Sitten fürs Luischen.

Die ins Dunkle führende Metalltreppe ist schnell gefunden und der Aufstieg überraschend bequem.

Tiergarten Steinbruch

Im Innern  ist, entgegen meinen Erwartungen, ein Umfangreiches Partygemäuer aufgebaut. Etliche Terrassen, unterbrochen von zahlreichen Bar-Konstruktionen, zieren die Untertagehallen. Hinter den Einbauten steckt, wie ich an einer betonierten Inschrift ermitteln kann, der Feuerwehrverein Heligkreuz-Mels.

Angesichts der Tatsache dass in Untertageanlagen, so ziemlich jede bewilligende Behörde ein latentes Problem hegt, dürfte dies Verbot sich hauptsächlich auf den Feuerwehrverein beziehen. Also leider doch keine arschgeil ausufernde Goa-Party.

Doch trotz fehlender Goa-Party, weitere Attraktionen liessen nicht lange auf sich warten.

Bei Autobahnfahrt sichtbar, das verfallene Steinbruchgebäude.

Tiergarten Steinbruch

Im Innern antike Maschinen vom feinsten. Als wär kunterbunt die Zeit stehen geblieben, findet sich ein Sammelsurium verschiedenster Geräte aus eben so verschiedenster Zeitepoche.  

Tiergarten Steinbruch

Ein reges Durcheinander sorgt für erschwerte Fortbewegung innerhalb des Steinbruchgebäudes.

Tiergarten Steinbruch

Die beiden Druckgefässe legen den Schluss nahe das im Gebäude hauptsächlich Pressluft hergestellt wurde. Trotzdem sind an den beiden geglaubten Kompressoren einige Ungereimtheiten verbaut die mein technisches Verständnis leicht überschreiten. Zuweilen einer der Hauptkompressoren mit Exzenter-Steuerung ausgestattet ist, was ich bisweilen einzig von der Dampfmaschine, Dampflok kenne.

Tiergarten Steinbruch

Neben der Kompressorhalle liegt eine feine mechanische Werkstatt mit aller nur erdenklichen Werkzeugmaschinen, Baujahr maximal 1940. Leider ist in dieser Arbeitsstätte, Dach und alles oberhalb, in sich zusammengefallen.

Nach lustiger Steinbruchbesichtung  bestieg in den Tiergartenhügel um mir einen Gesamtüberblick zu verschaffen.

Tiergarten Steinbruch

Die südliche Ansicht vom Hügel herunter zeigt einiges an Militärbauten respektive ehemalige Militärbauten. Vieles bleibt noch verborgen andere Objekte sind, wie zu erkennen ist, aus der Geheimhaltung entlassen.

Im Tiergartenhügel sind einige von Süden her zugängliche Lagerkavernen geschlagen worden.

Tiergarten Mels

Die Amtliche Vermessung spezifiziert die nicht weiter als Geheim klassifizierten Stollen als Untertagebauten.

Fest steht, hinter dem Tiergartenhügel befindet sich eine wichtige Versorgungslogistik in ungeahnter Grösse. Einige, im gegenüberliegendem Fels versteckte Anlagen, sind wahrscheinlich immer noch als aktive Armeelogistikbauten ausgewissen.  

Ich vermute dass die Anlagen zur Versorgung der Sarganser Festungs- und Sperrstellen-Gruppe dienten und das Ende der komplexen Not-Transportstrecke Riesetenpass / Pragelpass war.

Sarganser Gruppe

Die Sarganser Gruppe, ein Relikt der Reduit-Strategie die bis weit in den Kalten-Krieg hinein bestand hatte. Auf meiner Karte die mir bekannten grösseren Anlagen die noch zu meiner Dienstzeit aktiv waren. Oben Links die Punktegruppe rund um die A6445 sind die Tiergartenbauten.

Und des Vergleiches Willen,

Tiergarten

Luftbild 2005  vs

Tiergarten

Luftbild 1942, klar ersichtlich hierbei, der Steinbruch war einst viel grösser. Auch klar erkennbar, die Zufahrtsrampe der Logistikkaverne, bildmittig auf der Hügelsüdseite.

Der Steinbruch, soweit ich erfahren habe, gibt’s seit über 150 Jahren (1854). Heute wird dieser von Ackermann Bau bewirtschaftet.

1 Kommentar zu Tiergarten

  1. Ich muss definitiv mal wieder dort vorbei, auf einer 30km Wanderung im Winter war ich vor allem auf dem Hügel selber, da dort das „Megalithzentrum Tiergarten“ auf der Wanderkarte vermerkt wurde.
    Eine Bunkertüre habe ich dann Nordwest per Zufall beim Abstieg passiert.
    Danke für die Infos und Bilder!

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