Seit geraumer Zeit, konkret seit Entdeckung des Erbstollen-Austritts im 2022, sind wir am Aufwältigen dieses Bauwerks.

Für mich mal Anlass wieder zur kleinen Bildergeschichte anknüpfend an den damaligen Bericht erbstollen_V1.pdf und an die damalige Webseite S-charl
Der Erbstollen ist zwischen 1508 und 1562 entstanden. Er diente zur Entwässerung des damalig Bergseitig absinkenden Bleiglanzflözes des Bergwerks Mot Madlain. Der Aufschluss eben solchem Flöz sorgte für beträchtliche Wasserhaltungsprobleme. Der unterfahrende Erbstollen sollte dies zunehmende Problem lösen. Doch der Bau, insbesondere die Finanzierung des kaum Ertrag bringenden Werks, gestaltete sich harzig. Immer wieder ruhte die Baustelle mangels eingehender Knappenentlöhnung.
Der Erbstollen ist seit der Vermessungsaktion um 2009 bekannt. Vom Bergwerk Mot Madlain aus ist dies Bauwerk vermessen doch wo, das angestaute Wasser zu Tage tritt konnte lange nicht schlüssig beantwortet werden.
Nach intensiven Suchwochenenden gelang uns, im 2022, die Entdeckung des Erbstollenaustritts im Innern einer Felsspalte.

Obere Ansicht des, durch Felsspalten zerklüftete Gelände.
Seit der Entdeckung beschäftigt uns die komplexe Offenlegung dieser Strecke und die Entwässerung der letzten Erbstollenmeter.

Die Spalte ist über einer der zahlreichen Wasserfälle des Val dal Poch erreichbar.

Val dal Poch verlauf mit Sicherungsseil zur unteren Baustelle.

Höhenmittig Spalte sind Laufbretter eingebaut die ins Schuttinnere führen

Es trennen uns noch heute etliche Meter vom eigentlichen Erbstollen. Solange nicht ein festes Stollendach sichtbar wird, müssen wir das in der Felsspalte eingekeilte Material auf der gesamten Höhe ausbauen. Eine immens aufwändige riskante Tätigkeit die unsere Topkletterer im Team bewerkstelligen.
Dank dieser Grabungsarbeiten sind weitere Erkenntnisse zu dieser Anlage und der näheren Umgebung möglich.

So wissen wir heute dass nahe dem Erbstollenaustritt eine kleine Manufaktur angesiedelt war die etwas weniges an gefundenem Eisenerz zu Bergbauwerkzeugen verarbeitete. Im Seitenstoss des Erbstollens und an verschiedenen Orten dieser Sohle sind Eisenerze beobachtet wurden. Im Südufer des Val dal Poch liegt ein Kohlehorizont offen. Nicht unweit dieser Sichtung finden sich einige Schlackenreste. Auch den teilweisen Schuttabtransport vom Bergbaubetrieb scheint plausibel. Gebäude für Knappen und Schmiede unterhalb des Bergwerks Mot Madlain auf der Val dal Poch Südseite sind durchaus denkbar.
Die Bauwerkspuren am Nordwestfelsen indes sind bis heute nicht erklärbar.

Auch eine Schnittrekonstruktion der letzten Erbstollenmeter war, dank gefundener Spuren, möglich. Es scheint so, als hätten die Knappen, im Gegensatz zu uns, ein Holzdach zum Eigenschutze in der Spalte eingebaut. Die Spalte ermöglichte ein rascher Vortrieb durch die weiterlaufende Störung. In der Bauzeit standen keine Sprengmittel zur Verfügung. Im Val dal Poch waren verschiedene Holzgerüste aufgebaut um möglichst effizient, auch bei Bachhochwasser, die Baustelle zu erreichen.

Wir haben kein Holz zur Verfügung, zu aufwendig wäre der Materialtransport in dies unwegsame Gelände. Stattdessen räumen wir alles Material aus der Spalte. Da wir alles ins Val dal Poch runter schmeissen können und sowohl vom Val dal Poch wie auch aus dem Mot Madlainbergwerk Wasser herausdrückt sind uns einige Helfer wie Schwerkraft oder Wasserfluss zuteil.
Trotzdem, es bleibt noch reichlich was zutun und die Projekte werden auch nicht weniger.
Links
Bericht 2022 erbstollen_V1.pdf
Webseite S-charl
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