Wenn ich nicht gerade mit Anwälten streite, Thema „auch wir sind Sugushäuschen“, gibt’s sporadisch Zeit um in alten Stollen herumkriechen.
Neulich erreichte mich ein Kommentarschreiber welcher meine Neugierde weckte. Die Rede war von einer Gottschalkenberger-Grubenaufwältigung die ich mir so nicht wirklich sinnig erklären konnte. Ich musste diesem Geheimnis, welches offenbar nicht weiter ein grosses Geheimnis war, näher in die Tiefe blicken. Genannt wird der Hauptstollen 1, Baujahr 1942, welcher das Köhleflöz am Mülibach anfährt. Im Volksmund die unterste Grube „Im Wurf“. Der Hauptstollen war kurz nach Bergwerksaufgabe um 1943 verfallen. Der einzige Zugang in dies umfangreiche Untertagewerk führte über den oberer Einsturztrichter Hauptstollen 2.

Einsturztrichter in Stollen II, Stecke aus der Epoche 1942 die auf Basis eines bereits vorhandenen Stollens aus 1840 vorgetrieben wurde. Noch heute ist dies feine Loch, gut zugänglich aber nicht allen bekannt, bequem fahrbar.

Im Innern weitet sich die Förderstrecke auf übliche 2WK Kipplorenbreite. An den Seiten klaffen die Aufhauen früherer Betriebperioden. Etwas Wasser tröpfelt von nächsthöher gelegenem Abbaugesenk. Versatz aus der Bauzeit 1942 bis 1943 ist allgegenwärtig.

Das, tausendfach fotografierte, kunstvoll versetzte Abbaugesenk der letzten Betriebsepoche führt, per Hosenboden-Rutschpartie, in die nächste Hauptsohle von 1942.

Die untere Hauptstrecke dient seit en paar Jährchen als improvisierte Andachtsstätte inklusive sichtlich ramponiertem Sagex-Buddha.

Indessen ist dies Karbidleuchten-Gekritzel kaum als Andachtsanküdigung zu verstehen. Der Buddha ziert die Stollenbrust seit ca 5 Jahren. Das Russgekritzel dürfte tatsächlich aufs Jahr 1944 fallen. Deren Interpretation, sofern überhaupt ein tieferer Sinn darin liegen sollte, war mir bis heut nicht möglich.

An der Streckengegenseite schimmert bald etwas Licht hervor. Links im Bild die teils versetzten Abbauten vom. 19. Jahrhundert. Auffällig auch, das warme Klima in der sonst eher gewohnt kühlen Hauptsohle.

Bald stehe ich in einer Stahlröhre, zu meiner Verwunderung vor, von ausserhalb verschlossener Türe. Ein Relikt welches eine 2025er Bergbau-Epoche einzuläuten scheint den im Juli 2025, siehe Gottschalki immer schön, war keine Spur dieses Werkes erkennbar.
Infolge war eine Tagseitige Erkundung logische Konsequenz um meine entfesselte Neugierde zu befriedigen.

Da ich diese Grube seit 15 Jahre regelmässig besuche, wusste ich wo die Türgegenseite zu suchen sei.
Und tatsächlich tat sich unter der Fahrstrasse die Stahlblechröhre auffällig hervor.

Auch der Türverschluss konnte ich, anhand des Zahlenschlosses, eindeutig identifizieren.
Über den Zweck dieser Aufwältigung kann ich nur spekulieren. Wir Bergbauinteressierte erreichen die Hauptstrecke bequem, in weniger als 15 Minuten, über die Hauptgesenk-Rutschbahn, ab obere offene Strecke. Mobillitätseingeschränkte Stockgänger und Gängerinnen dürften die kurze Kletterpartie zwischen Fahrstrasse und Stahlrohr kaum meistern können und die noch vorhandene Kohle stinkt fürchterlich beim Verbrennen. Kurzum die Logik dieser Arbeit, es mussten doch einige Kubik verschoben werden, ist nicht weiter begründbar. Der Zweck scheint so manchen Kennern nicht so richtig einzuleuchten. Anderseits wird mach einer in gleicher Form verwundert Kopfschüttelnd auf unsere Erdbewegungen blicken. Naja wenns Spass macht, haut drauf. Ich bevorzuge nach wie vor die lustige Rutschbahn zwischen kunstvollem Versatz.
Bei dieser Gelegenheit schweifte mein Blick wieder mal durch die alten Auftagerelikte des 19. Jahrhunderts am Mülibach.

Die alten Stollenmünder sind zwar aussendurch noch leicht auszumachen doch offen ist da keines mehr. Nichts desto trotz lassen sich innendurch viele der alten Stollen gefahrlos besuchen.
Wie immer bei solch heroischer Tat müssen Pläne wieder angepasst werden. Ich will dieser Aufgabe keineswegs fernbleiben, in diesem Sinne die Fassung November 2025.

Die Blechröhre liegt rechts des Null-Messpunktes aus der Epoche 1942.

Auch so gibt’s auf der QGIS-Übersicht am unteren Wurfbergwerk (links auf der Karte) zwei gelbe Punkte stehend für offene Stollenmünder.
Wie üblich, Plan gross machen, Plan Anklicken.
Und mein erstes Gottschalkenberg-Post, exakte 15 Jahre her, am 15. November 2015, auf Gottschalkenberg.
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