Es gibt auf meinen Reisen immer wieder Orte die mich magisch anziehen. Ist zwischen mir und der besagten Lokalität ein Zaun verbaut ist die Neugierde umso grösser.

So geschehen neulich auf meinem Weg in Richtung Süden. Eine geglaubte Kathedrale, ein Ding welches gleich mehrere Fetische ansprach, zwang mich zum Wendemanöver.
Die Kathedrale erwies sich als hochinteressante grössere Dorfkirche und der umgebaute Zaun verfügte über eine praktische Kriechöffnung.
Entgegen meiner Vermutung war das eingezäunte Areal viel grösser und voller Lostplaces-Sehenswürdigkeiten.

Im Innern öffnet sich ein komplettes Dorf voller Ruinen.

Einzelne Bauten weisen auf eine neuere Zeitepoche hin doch nach wie vor zog mich hauptsächlich das zertrümmerte Gotteshaus magisch an. Keineswegs lang dies an der, wie konservativ christliche Kreise gerne behaupten, göttlichen Anziehung. Viel eher obliegt mir eine Faszination für Sakralbauten im Kontext mit einer Kunsthistorischen Ausdrucksweise. Diesen Fetisch stammt eindeutig von meiner Kunsthistorisch bewanderten Lebensgefährtin Christina.

So schritt ich durchs beschriftete Kirchentor nicht um zu betten eher um meine entfesselte Neugierde zu stillen. Die Torbeschriftung deuten auf einen schweren Konflikt hin welchem ich mich später annehmen werde.

Die Kirche mit Namen „Iglesia de San Martin de Tours“ wirkt im Innern sauber aufgeräumt. Bald wird mir klar dass ich nicht die einzige Besucherin bin aber wahrscheinlich eine der wenigen die den Zaun überwindet. Nach meinen ausgedehnten Erkundungen vernehme ich von der Ferne eine Reisegruppe angeführt vom, mit Megafon bewaffnetem, Reiseleiter.

Nichts desto trotz blieb mir genügend Zeit um ungestört die reich verzierten Elementen abzulichten.
Die Geschichte um dies Ruinendorf beginnt in den Jahren des Spanischen Bürgerkriegs. Namentlich die Schlacht von Belchite welche vom 24. August bis zum 7. September 1937 tobte, sorgte für die Zerstörung des Dorfes. Die republikanische Armee stationierte Truppen in Belchite um eine grössere Offensive zu starten mit dem Ziel die benachbarte Stadt Zaragoza einzunehmen. In der Folge flogen die Francotruppen massive Luftangriffe gegen Belchite. Das Dorf wurde massiv beschädigt.
Franco beschloss das Ruinendorf Belchite als Mahnmal zu belassen und stattdessen, mit Hilfe zahlreicher Kriegsgefangener, ein neues Dorf nebenan aufzubauen.

Belchite um 1900 noch von den verehrenden Luftangriffen. Zu sehen die im Vorbeitrag beschriebene Bahn der MFU „Minas y Ferrocarril de Utrillas“ die einst von Zaragosa nach Utrillas führte. Auf meiner Karte von 1910 ganz leicht im Hintergrund die aktuelle Karte unterlegt. Darauf ersichtlich die Neubausiedlung nach Francos Plänen im Nordwesten des zerbombten Ortes.

Das Neubaudorf entstand nach damaligen Ideen der Nationalisten. Bis zu deren Fertigstellung sollten noch Jahrzehnte verstreichen Korruption und eine massive Propagandamaschinerie verzögerten den Bezug der Häuser immer wieder. Letztlich stand das Dorf Belchite bezugsbereit um die 1960er.
Zu Details um die Schlacht von Belchite https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Belchite
Zu Belchite https://de.wikipedia.org/wiki/Belchite
























































































































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